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Veröffentlicht am 22.10.2024

Einnehmende Geschichte über Liebe, Verlust und Verzeihen. Kein typischer Winter-/ Weihnachtsroman, aber dennoch romantisch.

Kein Winter ohne dich
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Seitdem Holly Weihnachten nicht mehr mit ihrer Familie verbringt, schreibt sie jedes Jahr im Dezember einem Fremden, der Weihachten ebenfalls alleine ist. Im Gegenzug erhält auch sie einen anonymen Brief ...

Seitdem Holly Weihnachten nicht mehr mit ihrer Familie verbringt, schreibt sie jedes Jahr im Dezember einem Fremden, der Weihachten ebenfalls alleine ist. Im Gegenzug erhält auch sie einen anonymen Brief von einer einsamen Person aus dem "Dear Stranger Club". Als Holly einen Brief von Emma erhält, die ein Café erwähnt, in dem Holly drei Jahre zuvor mit ihrer Schwester war, spürt sie die ältere Frau auf und stellt fest, dass die beiden ein ähnliches Schicksal verbindet. Holly möchte Emma aus ihrer Einsamkeit verhelfen und ihren Enkel kontaktieren. Als sie Jack in London besucht, erkennt sie ihn als den gutaussehenden Fremden wieder, der ihr drei Jahre zuvor in dem Café begegnet ist und ihr sogar seine Telefonnummer gegeben hatte. Zu einer Kontaktaufnahme ist es nach einem einschneidenden Erlebnis, dass Hollys Leben veränderte, jedoch nie gekommen. Plötzlich wird Holly Hilfeversuch komplizierter, als gedacht...

Anders als das verschneite Cover suggeriert, ist das Buch kein klassischer Winter- oder Weihnachtsroman. Der Ausgangspunkt der Handlung ist zwar ein Unfall, der sich in der Vorweihnachtszeit ereignet, aber die Geschichte erstreckt sich im Kern über ein ganzes Jahr und verschiedene Episoden im März, August und Oktober, so dass das Buch ganzjährig passend zu lesen ist.

Holly ist die Hauptfigur, die durch den Unfall den Kontakt zu ihrer Schwester verloren hat und nicht nur unter diesem Verlust, sondern auch unter Schuldgefühlen leidet. Als sie Emma kennenlernt, die ähnliches wie sie durchlebt hat, engagiert sie sich für eine Versöhnung und bringt damit einige Steine ins Rollen. Durch ihre lieb gemeinte Einmischung, die nicht von Anfang an gut ankommt, trifft sie auch den Mann wieder, zu dem sie vor Jahren nur während eines kurzen Wortwechsels eine Anziehungskraft gespürt hat.

Die Geschichte ist lebendig, unterhaltsam und trotz aller Betrübnis, die über den Charakteren hängt, auch humorvoll zu lesen. Sie handelt von Tod, Krankheit, Trauer und Verlust, von Schuldgefühlen und Einsamkeit, aber auch von Liebe, Freundschaft, Familie, Hoffnung und Vergebung. Die Figuren sind mit ihren liebenswerten Fehlern sympathisch und ihr Verhalten ist allzu menschlich und was sie trennt oder zögern lässt, nachvollziehbar.

Auch wenn die Geschichte von vielen Zufällen geprägt ist, entwickelt sie sich authentisch. Das Schicksal muss den Protagonisten ein wenig auf die Sprünge helfen, was dann doch sehr gut zu einer romantischen Geschichte passt, die ihren Anfang und ihr Ende zur Weihnachtszeit hat.
Es ist ein lebensbejahender Roman, in welchem die Hauptfiguren lernen müssen, sich selbst und anderen zu verzeihen, um bereit zu sein, das Glück zuzulassen.

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Veröffentlicht am 01.10.2024

Tragische und sehr bewegende Geschichte über den Zusammenhalt einer traumatisierten Familie, das enge Band von Freundschaft, eine unerschütterliche Solidarität und die Kraft von Liebe

Irgendwo im Glück
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Maisie Bean hat es nach einer überstürzt eingegangenen Ehe vor sieben Jahren geschafft, ihren gewalttätigen Ehemann zu verlassen. Seitdem kümmert die alleinerziehende Mutter sich liebevoll um ihre beiden ...

Maisie Bean hat es nach einer überstürzt eingegangenen Ehe vor sieben Jahren geschafft, ihren gewalttätigen Ehemann zu verlassen. Seitdem kümmert die alleinerziehende Mutter sich liebevoll um ihre beiden Kinder und seit Kurzem auch um ihre demente Mutter. Der Alltag ist nicht einfach, oftmals chaotisch, aber wenn es darauf ankommt, halten alle zusammen.
Als Maisie an Neujahr spontan von Fred Brennan zum Essen eingeladen wird, dem Polizisten, der ihr gegenüber ihrem Ehemann zur Seite gestanden hat, willigt sie ein, denn auch sie hat doch schließlich ein wenig privates Glück verdient.
Was sie zu dem Zeitpunkt nicht ahnen kann, ist dass an diesem Abend ihr sonst so zuverlässiger Sohn Jeremy nicht nach Hause kommen wird. Maisie macht sich Vorwürfe, zu sehr an sich selbst gedacht zu haben, versucht jedoch, die Hoffnung nicht aufzugeben, da auch Jeremys bester Freund verschwunden ist und offenbar ein paar seiner Sachen mitgenommen hat.
Jahre später hat Maisie ein Buch geschrieben, steht auf dem Podium und erzählt ihre Geschichte.

Der Roman ist aus den Perspektiven verschiedener Akteure geschrieben, die im schnellen Wechsel erfolgen. Einer kurzen Sequenz im Jahr 2015 erfolgt ein Rückblick in das Jahr 1995 und die Ereignisse nach Neujahr. Der Beginn nimmt einen Spannungsmoment vorweg, aber dennoch weiß die Geschichte zu fesseln.
"Irgendwo im Glück" ist warmherzig und lebendig geschrieben, so dass man anschaulich in den turbulenten Familienalltag der Beans eintauchen kann. Maisie hat in ihrem Leben viel durchgemacht, aber nie aufgegeben. Als ihr Sohn nicht auffindbar ist, quält sie sich mit Schuldgefühlen und kann die reißerische Berichterstattung der Medien kaum ertragen, als diese sich auf ein Gerücht um Jeremy und seinen besten Freund stürzen. Maisie stößt selbst den Mann, der sie liebt, von sich, bleibt jedoch kämpferisch und zuversichtlich.
Durch die unterschiedlichen Sichtweisen ist klar nachzuvollziehen, wie die Protagonisten die Situation empfinden und welche Geheimnisse sie bergen. Jeremys Perspektive und die parallele Erzählweise seines Neujahrsabends ist aufschlussreich und gibt der/ dem LeserIn einen Wissensvorsprung.

Es ist ein Roman, der trotz aller Tragik humorvolle Szenen und Dialoge beinhaltet. Die Geschichte bewegt, macht traurig und wütend. Sie zeigt den Zusammenhalt einer traumatisierten Familie, das enge Band von Freundschaft, eine unerschütterliche Solidarität und die Kraft von Liebe. Mit viel Empathie werden problematische Themen wie Gewalt in Familien, Drogensucht oder Homophobie behandelt. Zudem wir das Zusammenleben mit einer dementen Frau, die sich langsam selbst verliert, authentisch dargestellt.

Der Zeitgeist der 1990er Jahre wird nicht nur durch die Musik spürbar, mit der jedes Kapitel eingeleitet wird. Erschreckend ist geradezu, wie rückständig Irland im Jahr 1995 war, als Scheidungen gesetzlich noch nicht erlaubt waren. Auch wenn sich diesbezüglich einiges getan hat, sind andere Dinge wie Intoleranz und Diskriminierung, die der Roman problematisiert, leider noch immer aktuell. Am Ende zeigt der Roman unheimlich ergreifend, wie wichtig und notwendig es ist, für Gleichheit zu kämpfen, andere nicht für ihr Anderssein zu verurteilen und damit Ängste zu schüren.

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Veröffentlicht am 22.09.2024

Wenn aus Feinden Freunde werden - romantische und fesselnde Liebesgeschichte der Nachkriegszeit, die von wahren Begebenheiten inspiriert ist.

Im Warten sind wir wundervoll
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Ein deutsches Fräulein und ein amerikanischer Staff Sergeant verlieben sich nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Hessen in einander. Deutschland ist besiegt und besetzt und das Fraternisierungsverbot ...

Ein deutsches Fräulein und ein amerikanischer Staff Sergeant verlieben sich nach Beendigung des Zweiten Weltkriegs in Hessen in einander. Deutschland ist besiegt und besetzt und das Fraternisierungsverbot soll jegliche Annäherung zwischen Amerikanern und Deutschen verhindern. Doch die Zeiten ändern sich, das Verbot wird aufgehoben, 1946 sogar Verlobungen zugelassen. Jo Hunters Militärdienst endet, er muss zurück nach Amerika und Luise Adler möchte ihm baldmöglichst folgen. Es soll noch zwei Jahre dauern, bis Luise die Chance ergreift, bevor der War Bride Act endet. Kurz vor Weihnachten 1948 landet Luise in New York, aber Hunter ist nicht da, um sie abzuholen. Freundliche Amerikaner nehmen die verloren wirkende Deutsche bei sich auf und Zeitungen berichten über ihr Schicksal, was unzählige Heiratsanträge zur Folge hat, um Luise vor der Ausweisung zu retten.
Jahrzehnte später erzählt Elfie, die Enkelin Luises, die Geschichte ihrer Großmutter, als sie selbst im Flugzeug nach New York auf dem Weg zu ihrem Verlobten ist. Sie erzählt sie einem fremden Engländer, der fasziniert von der Geschichte und der Erzählerin ist.

"Im Warten sind wir wundervoll" beruht auf einer wahren Begebenheit und hat die Autorin zu diesem Roman inspiriert.
Die Geschichte handelt auf zwei Zeitebenen, wobei die Vergangenheit von 1945 bis 1948 im Vordergrund steht. Der Wechsel zwischen Vergangenheit und Gegenwart erfolgt unregelmäßig, mal sind die Abschnitte kurz, mal lang.

Die Erzählweise ist sehr lebendig, ein wenig kindlich-naiv, passt damit jedoch zu den weiblichen Hauptfiguren, die etwas unbedarft agieren. Der muntere Schreibstil verhindert eine Schwermut, die in einer Zeit von Hunger und Kälte und Angst vor der Zukunft angebracht wäre. Zudem sind die Charaktere rundum herzlich, charmant und liebenswert, die Orts- und Personenbeschreibungen bildhaft, so dass es leicht fällt, in die Geschichte einzutauchen und sich rundum wohlzufühlen.

Die Liebesgeschichte zwischen dem unerschrockenen paper girl und dem fürsorglichen GI entwickelt sich zaghaft und berührend. Die Liebesgeschichte ihrer Enkelin ist auf andere Weise besonders, insbesondere in ihrer Entwicklung schneller, aber auch hier springt der Funke auf die/ den LeserIn über.
Der Roman ist romantisch, fesselnd und geht ans Herz. Er zeigt eindrücklich, wie aus Feinden Freunde und wie aus Fremden Liebende werden. Es ist, wenn auch fiktiv, ein Zeitzeugnis über Menschlichkeit, Zusammenhalt und Fürsorge über alle Grenzen hinweg.

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Veröffentlicht am 17.09.2024

Leidenschaftlicher Roman, der den Veteraninnen Vietnams eine Stimme gibt - ehrlich, fesselnd und emotional.

Die Frauen jenseits des Flusses
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Frankie wächst gut behütet in wohlhabenden Verhältnissen in Kalifornien auf. 1966 entscheidet sie sich dafür, ihrem Bruder nach Vietnam zu folgen und dort als Pflegekraft der US-Army zu dienen. Sie möchte ...

Frankie wächst gut behütet in wohlhabenden Verhältnissen in Kalifornien auf. 1966 entscheidet sie sich dafür, ihrem Bruder nach Vietnam zu folgen und dort als Pflegekraft der US-Army zu dienen. Sie möchte etwas sinnvolles leisten und nicht nur hübsch aussehen und Dinnerpartys geben. Schlecht auf die Situation vor Ort vorbereitet und nur mit rudimentärem medizinischen Kenntnissen, ist die Ankunft im Kriegsgebiet schockierend. Doch mit der Hilfe von anderen Schwestern, die zu Freundinnen werden und die Arbeit erträglicher machen, wächst Frankie über sich hinaus, verlängert ihren Aufenthalt sogar um ein Jahr und lernt im Bombenhagel und umgeben vom Leid amerikanischer Soldaten und vietnamesischer Zivilisten die Liebe kennen.
Die Rückkehr nach Amerika, während der Krieg in Vietnam noch in vollem Gang ist, ist ernüchternd und ganz anders als erwartet. Frankie wird nicht dankbar mit offenen Armen empfangen, sondern von Kriegsgegnern und Protestierenden beschimpft und bespuckt und weder von Gesellschaft noch staatlichen Einrichtungen als Veteranin anerkannt.
Selbst kriegstraumatisiert, muss die erwachsen gewordene Frankie neu anfangen und mit ihren Erinnerungen zurechtkommen.

"Die Frauen jenseits des Flusses" handelt vom Vietnam-Krieg und seinen Folgen und welche Rolle den Frauen zugeschrieben wurde.
Die Autorin ruft damit wahre historische Ereignisse in Erinnerung und verbindet sie mit einer berührenden fiktiven Geschichte über die zu Beginn 20-jährige Frankie, die buchstäblich zur Heldin mutiert.

Sowohl die Kampfmomente und blutigen Szenen im Lazarett, als auch die erhebenden Szenen vom spärlichen Alltag der Soldaten und des medizinischen Personals sind authentisch beschrieben. Die Autorin produziert Bilder, die erschüttern und berühren. Schmerz, Angst und Gewalt, aber auch Liebe, Freundschaft und Hoffnung sind im grünen Dschungel spürbar.
Doch die Erlebnisse nach Frankies Einsatz in Vietnam sind mindestens genauso aufwühlend, machen traurig, wütend und fassungslos.

Die Geschichte handelt von Liebe, Freundschaft, Familie, Kriegstrauma und dem Wechseln von einer Hölle in eine andere Hölle. Der Krieg und die Verletzungen, die Methoden der Kriegsgegner und das Schicksal der Opfer sind brutal. Zurück in Amerika sind Flashbacks, Alpträume und psychische Probleme gegenwärtig. Ein Neuanfang ohne professionelle Hilfe ist schwierig und die Wut, als Veteranin nicht ernstgenommen zu werden, nachvollziehbar und empathisch geschildert.

Die Charaktere sind liebevoll und individuell gezeichnet, der geschichtliche Hintergrund aufwändig recherchiert und für Amerika wenig rühmlich dargestellt. Die Autorin gibt mit dem Roman den Frauen, die in Vietnam gedient oder in Amerika auf die Rückkehr von Angehörigen gewartet und sich für das Ende des Krieges eingesetzt haben, eine Stimme und zollt ihnen Anerkennung und Respekt.

Es ist ein leidenschaftlicher Roman über den steinigen, aber dennoch hoffnungsvollen Weg einer jungen Heldin und Patriotin. Auch wenn die Geschichte von Liebe handelt, verklärt die Autorin nichts und verzichtet auf eine kitschige Liebesgeschichte. Der Roman geht unter die Haut, macht Geschichte lebendig und demonstriert eindrücklich die Sinnlosigkeit eines Krieges.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Feinfühlige Geschichte über eine unsichere Frau und ihr Familienleben - lebendig, ehrlich und so empathisch geschrieben.

Genau so, wie es immer war
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Am 60. Geburtstag ihres Mannes begegnet Julia im Supermarkt zufällig Helen, der Frau, die sich vor 20 Jahren ihrer angenommen hat, ihr ein kluge Ratgeberin und liebe Freundin war, deren Freundschaft sie ...

Am 60. Geburtstag ihres Mannes begegnet Julia im Supermarkt zufällig Helen, der Frau, die sich vor 20 Jahren ihrer angenommen hat, ihr ein kluge Ratgeberin und liebe Freundin war, deren Freundschaft sie jedoch auch in eine missliche Lage gebracht hatte. Erinnerungen kommen auf, an eine Zeit als junge Mutter voller Unsicherheiten, an depressive Phasen und den Druck mit einem nach außen perfekten Leben glücklich sein zu müssen.  
Fast zeitgleich konfrontiert ihr bisher so gradliniger und bodenständiger Sohn seine Eltern mit einer Nachricht, die vor allem Julia völlig überrumpelt. Tochter Alma, zu der die Verbindung für Julia schon immer schwieriger war, wohnt noch zu Hause, ist jedoch dabei flügge zu werden und das häusliche Nest zu verlassen. Trotz aller Schwierigkeiten mit ihrer trotzigen Tochter fällt es Julia schwer, sie loszulassen. 
Julia gerät aus dem Takt und droht wieder in alte Muster zu fallen, was ihr ganzes Familien- und Eheleben bedrohen könnte.  
 
Der Roman wird aus der Perspektive der 57-jährigen Julia erzählt und erstreckt sich durch Rückblenden über Jahrzehnte hinweg, so dass ihre Entwicklung anschaulich verfolgt werden kann. 
Julia hatte eine schwierige Kindheit und wurde von ihrer Mutter diverse Male enttäuscht und zurückgewiesen, was in ihr ein Gefühl der Unzulänglichkeit hinterlassen hat. Als Erwachsene leidet sie nach wie vor unter dem gestörten Verhältnis und wünscht sich dennoch des Öfteren eine Mutter an ihrer Seite. 
Als sie selbst Mutter wird - und nie so werden wollte wie ihre eigene unterkühlte Mutter - glaubt sie nicht zu genügen und fühlt sich unglücklich, obwohl sie mit einem liebevollen Mann und einem aufgeweckten Sohn doch eigentlich glücklich sein sollte. Halt und Freundschaft findet sie in der lebensälteren Helen, wodurch sich Julia nicht mehr nur auf ihre Mutterrolle reduziert sieht, was sie jedoch auch dazu bringt, eine falsche Entscheidung zu treffen, die sie später wieder verfolgt, als ihre Kinder Ankündigungen machen, die Julia aus dem Gleichgewicht bringen. 
 
Julias Gefühls- und Erlebniswelt ist eindringlich und lebensnah beschrieben, so dass man sich jederzeit in ihre Lage versetzen und ihre innere Zerrissenheit und daraus resultierende Entscheidungen nachvollziehen kann. Julia kämpft immer wieder mit ihrer Rolle als Mutter, Ehefrau und Tochter und fühlt sich, geprägt von einer zerrütteten Beziehung zu ihrer eigenen Mutter, ungenügend, überflüssig, einsam und unglücklich.
Die von einer feinfühligen Beobachtungsgabe geprägte Erzählung wechselt lebhaft zwischen Gegenwart und Vergangenheit, wobei die Zeitsprünge nicht chronologisch erfolgen, was durch die thematisch passenden Übergänge jedoch nicht verwirrend ist.  
 
Julias Geschichte ist nicht ungewöhnlich oder wirklichkeitsfremd und diese Authentizität und Empathie für die Figuren sind es, die den Roman ausmachen. Julias Situation und Gedankenspiralen lassen sich auf viele Frauen übertragen. Selbstzweifel und der Druck, glücklich sein zu müssen, wenn nach außen hin alles intakt erscheint, können nur zu gut nachempfunden werden. 
 
"Genau so, wie es immer war" ist dennoch keine betrübliche Geschichte, sondern sorgt durch Julias Zynismus und ihre direkte, zumeist unbeholfene Art der Kommunikation, die andere andere zumal vor den Kopf stößt, für humorvolle Dialoge. Julias Weg und Entwicklung zu verfolgen, ist abwechslungsreich und unterhaltsam. Gespannt verfolgt man, ob sich Julias Fehler wiederholen, ob sie ihre Familie zusammenhalten kann und ob eine Art von Versöhnung mit ihrer Mutter möglich ist. 

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