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Veröffentlicht am 19.11.2024

Überraschende Thriller-Anteile

Dem Sturm entgegen
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Cecelia Ahern hat in meiner Jugend durchaus einen Hype bei mir ausgelöst und alles musste von ihr gelesen werden. Das hat sich doch noch einige Jahre gezogen, dann sind nicht jährlich Bücher von ihr erschienen ...

Cecelia Ahern hat in meiner Jugend durchaus einen Hype bei mir ausgelöst und alles musste von ihr gelesen werden. Das hat sich doch noch einige Jahre gezogen, dann sind nicht jährlich Bücher von ihr erschienen und dann gab es auch gefühlt ständig Neuauflagen ihrer Bestseller, so dass ich auch noch aufpassen musste, nicht dasselbe Buch nochmal zu kaufen. Dazu war „Sommersprossen“ aus 2022 für mich auch eher eine Enttäuschung, so dass ich unterbewusst etwas Abstand genommen habe. Aber vieles lässt man nicht für immer los und deswegen war ich bei „Dem Sturm entgegen“ nun doch wieder neugierig.

Ahern war mal die Queen der Liebesgeschichten und das hat sich etwas gewandelt. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass es um Liebesgeschichten mit sich selbst geht, wofür sie wirklich sehr kantige Hauptfiguren nutzt. Das war schon bei „Sommersprossen“ so, worin sich Allegra in meiner Wahrnehmung auf dem Autismus-Spektrum befunden hat und das hat dann oft für eine Barriere gesorgt, richtig mit ihr fühlen zu können. Das würde ich bei Enya nun nicht ebenso sehen, aber dennoch ist auch sie eine Figur, bei der es langen Atem zum Warm werden braucht. Ein wichtiger Grund dafür ist sicherlich, dass Teile von ihr auch bewusst verborgen bleiben und bei den anderen, die sie uns offensiv anbietet, da ist Enya in einer sehr traumatisierten Phase, die sowohl mit dem Schicksal ihrer Mutter als auch einem Unfall zu tun hat. Wie sie teilweise über alles hinwegfegt, das war zunächst doch sehr gewöhnungsbedürftig, aber es ist in der Wahrnehmung eben auch was anderes, wenn die Hauptfigur das selbst weiß. Dementsprechend war ständig eine selbstreflexive Ebene da, die es mir auch leichter gemacht hat, dass ich Enya auf ihrer Reise begleiten wollte.

Zwischendurch war ich aber auch echt überrascht, wie die Atmosphäre des Buchs war. Teile davon hätte ich sofort als Thriller vermarkten können. Da ich in dem Genre auch sehr gerne lese, war es positiv überraschend, welch gruselige und auch rätselhafte Umstände sich ergaben und wie viele Mehrebenen auch der anfangs geschilderte Verkehrsunfall hat. Auch wenn Enya möglicherweise einiges davon aufgrund ihres Zustandes auch gefährlicher wahrgenommen hat, als es tatsächlich war, aber dennoch: Auch wenn es viel von Enyas Innenleben war, aber es passierte sehr, sehr viel auf den Seiten und deswegen entstand der gerne gesehene Zustand von Kurzweiligkeit. Ein Pluspunkt war auch die enge Verbindung zur irischen Heimat. Durch die Rag Trees, generell auch die spirituelle Ausrichtung von Enyas Mutter, die sich auch in den Töchtern niederschlägt, ich hatte dadurch doch das Gefühl, dem Land auf eine besondere Art nochmal näherzukommen. Eine besondere Beziehung war auch die von Enya zu Margaret, die sich auf eine Art nahe waren, aber die auch viel untereinander ausgetragen haben. Ich fand es doch die am besten ausgearbeitete Beziehung des Buchs, auch weil mit einer speziellen Art gepunktet wurde.

Ansonsten hat das Buch einige sehr unsympathische Figuren, die in ihrer Art natürlich auch einen Zweck haben, aber da waren manche Szenen schonmal anstrengend. Umgekehrt gab es wie Flora und Finn beispielsweise Figuren, die ich gerne noch viel mehr kennengelernt hätte, die Enya aber auch viel ausgeschlossen hat. Das war etwas schade. Zudem fand ich es am Ende auch auf einmal schnell. Enya muss Konsequenzen tragen, aber gerade danach wäre es auch interessant gewesen, wie sie nun denkt, wie sie ihren Weg einschlägt und welche Menschen sie noch wo an ihrer Seite hat. Auch wenn ich im Kern denke, dass ich Enya gut sich selbst überlassen kann, aber so 30 Seiten mehr hätten hier sicherlich nicht geschadet.

Fazit: „Dem Sturm entgegen“ bestätigt einen gewissen Trend bei Ahern, die sich lieber mit weiblichen Figuren auf einer Reise zu sich selbst beschäftigt. Das hat mir hier besser als in „Sommersprossen“ gefallen, auch weil ich insgesamt von der Atmosphäre, die stellenweise an einen Thriller erinnerte, überrascht wurde. Aber es ist auch Oberflächlichkeit drin, vor allem am Ende. Eine Empfehlung spreche ich aber dennoch aus.

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Veröffentlicht am 23.10.2024

Zeitschleife zum Weihnachtsfest

In a Holidaze – Ihr Weihnachtswunsch führt zu Gefühlschaos unterm Mistelzweig
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Christina Lauren, ein Autorinnenduo, ist eines dieser Fälle, wo ich ihre Bücher ständig in Regalen und online entdecke, ich aber selbst noch gar nicht so richtig angebissen habe. Ich bin auch überzeugt, ...

Christina Lauren, ein Autorinnenduo, ist eines dieser Fälle, wo ich ihre Bücher ständig in Regalen und online entdecke, ich aber selbst noch gar nicht so richtig angebissen habe. Ich bin auch überzeugt, dass ich von Christina Lauren schon mal was gelesen habe, aber mir fällt nicht mal mehr der Titel ein. Deswegen bin ich aber keinesfalls kritisch eingestellt, denn wenn ich nicht zufrieden war, dann merke ich mir auch eher alles. Hier ist es also leider ein Überangebot im Genre Liebesromane, aber als ich „In A Holidaze“ entdeckte, wusste ich einfach intuitiv, dass ein Weihnachtsroman bei Christina Lauren am besten aufgehoben ist.

Ich schaue wesentlich mehr Filme als Bücher zu Weihnachten, woran das genau liegt, ich weiß es eigentlich gar nicht, aber deswegen finde ich es so charmant, wenn ich dann in den Büchern auch die gewissen Klischees wiederentdecke und dann ergründe, wie anders sie ausgeschrieben als auf dem Bildschirm gesehen wirken. Hier ist nun die Zeitschleifethematik zu entdecken, die ich in Weihnachtsfilmen auch schon erlebt habe. Es passt, wie ich finde, gut zum Fest, denn oft genug verliert man in der Hektik der Vorbereitungen und dann an den Feiertagen selbst aus den Augen, worauf es eigentlich ankommt und zurückzuspringen birgt dann die Herausforderung, das alles zu durchbrechen und sich bewusst auf die Zeit einzulassen. Nur ist hier nicht die zusammengewürfelte Familie aus alten College-Freunden, die komplett immer wieder die Zeitschleife durchlebt, stattdessen ist es nur Hauptfigur Mae. Ich war schon zum Einstieg etwas irritiert, dass wir eigentlich am letzten Feiertag angekommen waren, aber es hat sich dann so zusammengefügt, dass Mae schließlich wieder am Anfang der Feiertage landet. Ich muss schon sagen, dass es bei nur einer Person doch etwas irritierend ist, auch weil es suggeriert, dass ein einziger Mensch die Macht hat, so viel im Leben vieler anderer zu verändern. Das hätte als Gruppenschleife-Thematik wohl anders gewirkt, aber ich will hier auch nicht zu wissenschaftlich oder philosophisch werden, denn gerade bei solchen Büchern muss man sehr gedehnte Realitäten auch hinnehmen können.

Auch wenn die Thematik also vertraut war, so finde ich doch auch, dass die Geschichte mich überraschen konnte. Mae hat zwar schon im ersten Kapitel für ihre Gefühle für Andrew gesprochen, doch da sie mit Theo geknutscht hat, hatte ich so die Vermutung, die Zeitschleife will ihr zeigen, wer wirklich der Mann ihres Herzens war. Aber es war gar nicht Theo. Dementsprechend war das schon der erste Punkt, wo sich alles anders entwickelt hat. Genauso reizvoll war, dass weder Mae noch wir als Leser zunächst wissen, wie oft sie zurückgeworfen wird, was die Lösung ist, dass es mal konstant weitergeht, so war da genug Spannung drin und es war auch lustig, wie genervt sie zunächst auf die mehreren Male reagierte und wie sie dann mit allen Infos um sich warf. Es war auch überraschend, dass Mae relativ offensiv versucht hat, die Zeitschleife den anderen bewusst zu machen. Mit Benny hat sie ohnehin eine sehr interessante Figur an die Seite gestellt bekommen. Ich mochte diese Freundschaft über die Altersgrenzen hinweg und welche Offenheit er mitgebracht hat. Wenn ich mir nämlich vorstelle, ich würde meiner Familie klarmachen, wir wären in einer Zeitschleife, äh ja. Aber da es später auch über Benny hinaus ging, fand ich es auch irgendwie schön, dass die ganze Thematik etwas Höherem gewidmet wurde. Hier sagt das Buch auch nicht konkret, was es sein soll, aber es entsprach genau dem, was ich für die Menschheit glaube, dass wir alle etwas Höheres brauchen, egal, welchen Namen es dann trägt.

Manche Figuren sind über die Erzählung sehr kurz gekommen, auch Theo hätte ich mir etwas besser ausgearbeitet gewünscht, aber ansonsten wurde sehr deutlich, wie viele unterschiedliche Figuren aufeinandertreffen, die trotzdem etwas miteinander verbindet und es war auch schön, ihre diversen Aktivitäten mitzuverfolgen. Ich konnte mir vieles bildlich vorstellen, aber es war auch richtig, dass steifes Festhalten an Traditionen dem Spontanen etwas nimmt. Dann ist es aber wieder ein Rahmen, den viele brauchen. Wie immer liegt die Lösung also irgendwo in der Mitte von Tradition und Spontanität. Die Liebesgeschichte zwischen Mae und Andrew war wahrlich sehr stürmisch, aber ich fand sie auch in einzelnen Szenen wirklich sehr süß. Ich habe die ganze Zeit auch überlegt, ob da noch eine Wendung kommt, aber das größere Drama vorm Ende wurde gut gestaltet, weil es auch nachvollziehbar war. Der Epilog war dann auch in vielen Punkten noch Weihnachts-Romantik pur, auch wenn er im Hochsommer pur spielte, aber es passte zur ganzen Stimmung und hat gut unterstrichen, dass die Zeitschleife gut war für dieses Happy End.

Fazit: Christina Lauren haben für mich einen süßen Weihnachtsroman mit „In A Holidaze“ abgeliefert. Zwar darf ich über die generelle Anwendung der Zeitschleife nicht zu viel nachdenken, aber die Liebesgeschichte stimmte, es war eine typische Atmosphäre und es waren genau die Botschaften, die ich zum Fest der Liebe gerne zu lesen bekomme.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Ungewöhnliche Ermittlungen in Taiwan

Das Parfüm des Todes
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Zunächst hat mich zu „Das Parfüm des Todes“ der Titel mitsamt Cover gezogen und dann tatsächlich auch der Verlag, denn ich habe von Suhrkamp schon einige ungewöhnliche Thriller bekommen, die vielleicht ...

Zunächst hat mich zu „Das Parfüm des Todes“ der Titel mitsamt Cover gezogen und dann tatsächlich auch der Verlag, denn ich habe von Suhrkamp schon einige ungewöhnliche Thriller bekommen, die vielleicht nicht alle ein Kassenschlager sind, für mich aber unterstreichen, dass es spezielle Geschichten sind und dass es nicht für ordinären Ermittler X immer der 50. Fall schon sein muss. Erst im nächsten Gedanken fand ich dann interessant, dass mit Autorin Katniss Hsiao eine taiwanische Identität vorliegt. Ich lese viel zu wenig aus dem asiatischen Raum, was sicherlich auch daran liegt, dass es am deutschen Buchmarkt auch einen geringeren Anteil ausmacht, aber es liegt sicherlich auch an mir. Von daher war ich sehr gespannt.

Ich habe in „Das Parfüm des Todes“ sehr schlecht reingefunden. Es lag sicherlich auch an kulturellen Unterschieden, indem ich mit asiatischen Namen und dass hier Nachname und Vorname oft zusammengesprochen werden und in der unterschiedlichen Reihenfolge stehen, keinen regulären Umgang war. Aber nein, das war es nicht, was mir den Einstieg erschwert hat. Es war eher das Hineingeworfen werden in eine relativ bizarre Ausgangssituation. Yang Ning ist als Figur sehr schwer zu packen und sie ist auch wahrlich niemand, die einen sofort mit Sympathien einfängt. Es war eher das Gegenteil und das Gefühl, dass es über sie noch viel zu erfahren gibt, bis sich überhaupt etwas bei mir angesichts von Sympathien tun wird. Aber hier schwankte auch mit, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe, weil ich Gewöhnliches nicht wollte und dementsprechend auch nicht erwartet habe. Demnach war klar, dass ich auf jeden Fall durchhalten würde. Was aber eindeutig nicht hätte sein müssen, dass war das Hin- und Herspringen zwischen den Zeiten. Zumal es auch optisch kein Warnsignal gab. Wären die Rückblenden jeweils in die Kapitel integriert worden, dann hätte es sich wahrscheinlich alleine schon die Erzähltechnik erklärt. So aber fange ich ein neues Kapitel an und denke auf einmal: Wo sind wir denn jetzt? Irgendwann macht es natürlich klick, aber das sind für mich auch Erzählweisen, die gar nicht so einfach sind und vielleicht sollen sie die Leserschaft auch wach halten, aber ich empfinde es eher als Schikanen.

Das Einzige, was sich optisch deutlich absetzt, das ist eine Perspektive, die kursiv geschrieben und eingerückt ist. Hier gab es immer deutlich das Signal, hier geht es um jemand anderen als Yang Ning und es ist eine der Rätsel herauszufinden, wer sich dahinter verbirgt. Wenn ich diese Kritikpunkte zum Anfang bedenke, dann ist es sehr erleichternd, dass „Das Parfüm des Todes“ in meinen Augen immer besser wurde. Je mehr Zeit verging, desto mehr habe ich Ning verstehen können. Sympathien bleibt ein schwieriges Wort, aber es war auf jeden Fall Verständnis da, denn ich habe sie als Figur immer besser greifen können. Wie war sie als Kind, was hat sich anschließend getan, warum ist sie traumatisiert, wie ist ihr Verhältnis zu Gerüchen und warum hat sie so bizarre Praktiken an Tatorten? Mehr und mehr setzen sich die Puzzleteile zusammen. Dazu ist top, dass mit ihr wirklich ein ganz normaler Mensch quasi zur Ermittlerin wird. Anders kann man das auch nicht bezeichnen, denn sie löst so einige Rätsel, die den richtigen Polizisten verborgen bleiben und das sicherlich mit Köpfchen, aber auch ihrer Beziehung zum Geruchssinn. Um sie herum gibt es weitere Charaktere. Die Anzahl ist überschaubar gehalten, was hier gut passt, aber es sind alles auf ihre Weise Unikate und es ist auch cool, wie Ning ihnen aufgrund ihrer eigenen Art begegnet und das ist vor allem vorurteilsfrei.

Auch wenn die Erzählweise bis zum Schluss eine gewisse Herausforderung bleibt, weil die Autorin auch gar nicht geschmeidig, simpler erzählen wollte, aber ich habe einen Gewöhnungseffekt bemerkt und mich trotz einiger Kreisel trotzdem nicht verführt gefühlt, etwas zu überfliegen. Denn es gab bis zum Schluss auch noch genug zu entdecken. Hsiao hat die Spannung und die Komplexität bis zum letzten Satz hochgehalten. Auch wenn es in der Gesamtsicht vielleicht etwas absurd ist, was Ning alles aufgedeckt hat, aber es hat sich dennoch organisch in die Gesamtgeschichte eingefügt. Auch wenn sich alles auf einen kleinen Personenkreis bezieht, aber dennoch hatte ich Überraschungseffekte, die aber auch nicht nur in den Tätern lagen, sondern auch auf die Art, wie Ning Aspekte herausfand, was sie dafür auf sich genommen hat und dabei ihr stetes Gefühlschaos.

Fazit: „Das Parfüm des Todes“ ist für Suhrkamp ein wirklich typischer Thriller. Er ist mit nichts anderem zu vergleichen, weil Katniss Hsiao etwas erschaffen hat, was raussticht. Auch wenn es am Anfang echt schwierig war, aber einmal mit Packan, dann habe ich immer mehr Gefallen an Yang Ning und ihren Erlebnissen gefunden. Dabei war es auch spannend bis zum Schluss. Für Liebhaber von ungewöhnlichen Thrillern auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

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Veröffentlicht am 11.10.2024

Verbessert, aber auch mit Gefahrenquelle

Aschezeichen
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Katrine Engberg ist mir 2023 erstmals intensiver begegnet und da ihr Krimi in Dänemark spielend, „Glutspur“, genau im Herbst erschien, erschien es mir wie die ideale Gelegenheit, weil ich in den düsteren ...

Katrine Engberg ist mir 2023 erstmals intensiver begegnet und da ihr Krimi in Dänemark spielend, „Glutspur“, genau im Herbst erschien, erschien es mir wie die ideale Gelegenheit, weil ich in den düsteren Jahreszeiten mehr Krimis lese. Ich fand den Auftakt auch recht gelungen und mir war klar, dass ich gerne erstmal dran bleiben werden.

Nun ist „Aschezeichen“ draußen und nachdem ich den ersten Band noch als Hörbuch hatte, habe ich diesmal selbst gelesen. Das hat an der Wahrnehmung der Reihe aber wenig geändert. Da es für „Glutspur“ auch nur eine Erzählstimme für drei Perspektiven gab, kam für mich wirklich dasselbe raus. Auch weil Engberg an einem Punkt auch nichts geändert hat und das hat mich doch echt überrascht. Der erste Band wurde durch die Perspektive von Liv, Nima und Hannah erzählt. Aber für „Aschezeichen“ gilt das immer noch. Das habe ich so wirklich nicht erwartet, auch weil die Perspektiven mein zentraler Kritikpunkt war. Speziell Hannah fand ich völlig unwichtig für den ersten Band, während Nima als Verdächtiger durchaus seinen Reiz hatte. Warum also jetzt wieder diese drei Perspektiven? Zumal es auch diesmal nicht DEN Mehrwert hat. Ich würde Hannah immer noch als überflüssig beschreiben und bei Nima hatte ich diesmal sehr den Eindruck, dass die Autorin es sich auch etwas zurechtgebogen hat, um die Perspektiven behalten zu können. Auch wenn es mit der erneuten Verwicklung wieder aufgegangen ist, aber ich sehe in diesem sturen Erzählen dennoch eine große Gefahr, weil in Krimis verschiedene Perspektiven eigentlich Frische bedeuten und nicht Rückwärtsgewandtheit. Wenn Nima und Hannah, die beide nicht konkret mit Ermittlungsarbeiten zu tun haben, immer wieder in Fälle gequetscht werden, dann wirkt das irgendwann künstlich.

Hier ging es nun noch, obwohl es dabei bleibt: Hannahs Perspektive ist echt unsinnig. Ich finde ihre Figur gähnend langweilig. Auch wenn es wieder kleinere Überschneidungen gibt, aber über die Tage hinweg gab es da kaum Bewegung und deswegen wird auch kein Interesse geweckt. Für Nima war es sicherlich nochmal gelungen, um auch mehr über seiner Vergangenheit zu lernen und ihn auch durch die Verantwortung mehr herauszufordern. Aber im Zentrum bleibt sonst Liv. Sie ist speziell, das steht für mich außer Frage, aber Krimireihen funktionieren immer besser, wenn wenig aalglatte Charaktere vorausgehen. Bei Liv ist oft auch fast schon humorvoll, mit welchem Mut und welcher Dreistigkeit sie vorangeht. Sie kennt nur wenig Angst und das lässt sich auch mal wahnsinnig erscheinen, aber es verdient auch Respekt, auch weil sie so ein Gespür für alles hat. Dafür, dass sie nicht bei der Polizei angestellt hat, bekommt sie aber alle Tricks durch und ich habe auch den Eindruck, dass sie wie jemand agiert, der nichts zu verlieren hat. Es war auch spannend, dass mit diesen Fieberschüben ein psychosomatischer Schwerpunkt gesetzt wurde. Auch weil sie durch den sexuellen Übergriff auf sich sicherlich viel verdrängt. Dementsprechend war diese unterschwellige Wut auch interessant und könnte auch in weiteren Bänden noch spannend werden.

Kommen wir nun zum Fall. Ich habe in der Mitte der Ermittlungen schon echtes Bauchgrummeln gehabt, denn es geht in einem erheblichen Ausmaß um die Einwanderungsthematik. Das Opfer ist ein Iraner, der in einem Auffanglager kurz nach seiner Flucht nach Dänemark gelandet ist. Liv hat gleich ein Gespür dafür, dass etwas aus der Vergangenheit mit seinem Tod zu tun haben könnte, weswegen sie in der Unterkunft und in der iranisch-muslimischen Gemeinschaft herumschnüffelt. Zunächst fand ich das sehr spannend, aber irgendwann dachte ich, nun haben wir in vielen Ländern auf der Welt einen unter der Oberfläche brodelnden Konflikt in der Ausländerthematik und jetzt facht es das Buch auch noch an? Ich denke, die Gedanken zeigen, in welche Richtung es ging und ich war wirklich besorgt, dass es so einseitig zur Aufhetzung beiträgt. Der Krimi schafft dann aber nochmal die Wende und bietet eine andere Auflösung als zwischendurch gedacht. Damit ist dieser Themenkomplex nicht auf einmal weg, er bleibt auch in seinen Andeutungen wahr, aber es wirkt nicht mehr so einseitig. Deswegen konnte ich damit auch meinen Frieden machen. Ich finde nämlich auch, dass Engberg auf jeden Fall erzählerisch eine Schippe draufgelegt hat, weil alles gut ineinanderfließt und ich so Leerstellen wie in Band 1 nicht so wahrgenommen habe.

Fazit: „Aschzeichen“ stellt auf eine Weise eine Steigerung von Engberg dar, wenn es um Privatermittlerin Liv geht. Es ist alles flüssiger und noch kompakter im Aufbau. Doch es bleibt ein großer Schwachpunkt. Die Autorin klebt an drei Perspektiven, was erneut Fragezeichen aufwirft und spätestens für einen dritten Band fände ich es sehr fatal. Daher Obacht!

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Veröffentlicht am 07.10.2024

Zwei Bände wären hier drin gewesen

A thousand heartbeats - Der Ruf des Schicksals
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Kiera Cass hat mich einige Jahre als Autorin doch sehr intensiv begleitet, weil ihre „Selection“-Reihe damals bei vielen in aller Munde war, aber es passte damals auch ideal in das hinein, was ich gerne ...

Kiera Cass hat mich einige Jahre als Autorin doch sehr intensiv begleitet, weil ihre „Selection“-Reihe damals bei vielen in aller Munde war, aber es passte damals auch ideal in das hinein, was ich gerne gelesen habe. Danach hat sie auch weiterhin veröffentlicht, doch ich muss zugeben, dass mir die Klappentexte dann schon wieder zu ähnlich klangen, weswegen ich es lieber gelassen habe, weil ich keine Kopie wollte, aber auch umgekehrt die tollen Erinnerungen an die Reihe nicht überdecken wollte. Nun sind aber echt schon einige Jahre vergangen, weswegen mich „A Thousand Heartbeats“ doch gereizt hat, aber tatsächlich klang der Klappentext auch anders, so dass ich Cass gerne nochmal eine Chance gebe.

Zunächst hat mir gefallen, dass es ein Einzelband ist, denn man liest so viele Reihen und wartet dann immer auf den nächsten Band und vergisst bis dahin die Hälfte wieder. Auch wenn ich Reihen liebe, da bin ich über einen Einzelband doch auch schon mal richtig glücklich. Hier hat mir aber auch inhaltlich gefallen, dass Cass ein bisschen was gewagt hat. Der erste Aspekt ist dabei sicherlich, dass die beiden Protagonisten Annika und Lennox eine längere Zeit jeweils für sich agieren. Wir haben aus ihren Perspektiven jeweils die Kapitel und das ist auch wirklich nacheinander geregelt, so dass ich die beiden als sehr gleichberechtigt für die Geschichte empfunden habe. Positiv! Aber es ist klar, sie sind das Pärchen, für das man hinterher mitfiebern soll, weswegen eine so lang anhaltende räumliche Trennung natürlich ein Wagnis ist. Mir hat es aber gefallen, weil ich so in das jeweilige Leben der beiden gut einsteigen konnte, ohne wieder zig Nebenschauplätze zu haben und möglicherweise eine Liebesgeschichte, in der zu viel Gas gegeben wird. Das zweite Wagnis ist Lennox. Er wird uns düster präsentiert und wir wissen, dass er gefürchtet ist, weil er kompromisslos tötet. Das ist mal eine Hausnummer. Aber umgekehrt wurde auch bei Annikas Vorstellung deutlich, dass da noch ein paar Aspekte verheimlicht werden. Sauberleute waren sie in dem Sinne sowieso nicht.

Allgemein war der Ausgangspunkt so, dass wir eher in die Handlung geworfen werden. Es ist kein langsamer Aufbau, denn Annika steht vor einer Verlobung, sie erholt sich offensichtlich von einer Verletzung, deren Ursache wir nicht kennen. Umgekehrt versucht sich Lennox zu beweisen, aber man weiß gar nicht so genau, warum ihm eigentlich Steine in den Weg gelegt werden und auch das Verhältnis zu seiner Mutter ist ein verwunderlicher Aspekt. Nur seine treue Begleiterin, eine Füchsin, ist gleich der Punkt, der ihm eine weiche Seite gibt. So bauen sich nach und nach die Handlungen auf und wir können immer mehr Puzzleteile zusammensetzen. Schließlich überkreuzen sich die Geschichten dann und ich muss sagen, dass ab da doch eine andere Spannung hinzugekommen ist. Nun war mehr Zug drin. Auch wenn der Einstieg abrupt ist, aber dadurch merkt man im Nachklang, dass es doch aufbauend auf mehr war. Der wichtigste Teil der Handlung ist aber nahezu genau in der Mitte. Es dient dazu, die Beziehung zwischen Annika und Lennox intensiv auszubauen. Das hat für mich auch funktioniert, wenn ich auch sagen muss, dass mir da zu viel als Schicksal zusammenkam. Unterm Strich ist es auch eine schnell erzählte Liebesgeschichte, die vielleicht noch ein paar Schleifen mehr vertragen hätte.

Im Grunde ist dieser intensive Teil dann auch Ausgangspunkt einer Entwicklung, bei der ich nicht so richtig zu einem Fazit komme, wie es mir gefallen hat. Zunächst mal: Es war am Ende schon verdammt spannend. Es passierte nochmal viel, es gab viele Enthüllungen und viele Konflikte, aber es war auch in der Art sehr viel und alles sehr überstürzend. An dem Punkt habe ich wohl am deutlichsten gemerkt, dass Cass hier sich eine Geschichte ausgedacht hat, die mit zwei Bänden am besten aufgebaut worden wäre. Dann hätte man zwischendurch noch mehr Raum zum Atmen gehabt, aber man hätte auch die größeren Kampfhandlungen noch gewaltiger aufziehen können. So war es am Ende sich vielleicht etwas einfach gemacht. Dennoch ist der Schlusspunkt für mich ideal. Es war nämlich zwischendurch schwer abzuschätzen, wie sich alles entwickeln soll und kann, um zufriedenstellend zu wirken und da hat Cass Lösungen gefunden, die passen und die mich trotz gewisser Kritikpunkte zufrieden gehen lassen.

Fazit: „A Thousand Heartbeats“ ist ein insgesamt gelungener Einzelband. Ich fand toll, dass ich Cass zwar wiedererkannt habe, aber dennoch hat sie mir etwas ganz Neues erzählt. Sie hat auch Wagnisse gewählt, die funktioniert haben. Aber sie hat auch eine Idee erschaffen, die Potenzial für mehr hatte. Zwei Bände wären hierfür sicherlich der ideale Umfang gewesen. So ist es an einigen Stellen einfach oberflächlicher, als ich es mir gewünscht hätte.

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