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Veröffentlicht am 11.12.2024

Viele richtige Zutaten, aber eine Sarah

Last Seen
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Nach dem riesigen Erfolg, den Lucy Clarke die letzten zwei Jahre in Deutschland hatte, werden ältere Werke von ihr im Eiltempo übersetzt und veröffentlicht oder hier wie bei „Last Seen“ noch einmal neu ...

Nach dem riesigen Erfolg, den Lucy Clarke die letzten zwei Jahre in Deutschland hatte, werden ältere Werke von ihr im Eiltempo übersetzt und veröffentlicht oder hier wie bei „Last Seen“ noch einmal neu aufgelegt. Da ich bislang noch von keinem Buch von Clarke enttäuscht worden bin, entdecke ich jetzt auch gerne ihre früheren Geschichten.

Da ich inzwischen schon bei fünf Büchern von ihr bin, ist es doch einfach zu sagen, dass man Clarke als Autorin immer gut erkennen kann. Es geht immer irgendwie in die Natur hinein und das in dem Sinne, dass es nicht darum geht, Figuren auf engstem Raum einzupferchen und alles explodieren zu lassen, sondern dass sie den Gewalten der Natur auf eine Art und Weise begegnen müssen. Hier gibt es im Vergleich nur überraschend wenig Perspektiven, indem wir Sarah und Isla haben, aber letztlich hat das auch gereicht, wenn man die Handlung rekapituliert. Während Sarah vor allem für die Gegenwart zuständig ist, ist Isla diejenige, mit der wir die Vergangenheit ergründen. Bei ihr war es anfangs etwas irritierend, dass es zunächst scheinbar einen Kommentar von Sarah gab, ehe sie dann in die Vergangenheit abgetaucht ist. Das erklärt sich letztlich als logisch hinaus, ist vielleicht aber auch etwas zu offensichtlich gewählt worden? Ich finde in jedem Fall, dass Clarke inzwischen etwas cleverer schreibt. Dennoch würde ich die Gestaltung von Islas Perspektive jetzt nicht als Fauxpas beschreiben, weil es genug weitere Ebenen gab, um den Verlauf spannend und mysteriös zu halten.

Bislang war es in Clarkes Büchern durch die verschiedenen Perspektiven immer so, dass ich mich einigen Figuren näher fühlte als anderen. Hier ist schon auffällig, dass Sarah in allem etwas dominanter ist, nur leider ist sie auch die unsympathischere von beiden. Dementsprechend schwer war es oft, alles durch ihre Linse zu sehen, weil es mir doch schwer fiel, Empathie für sie aufzubringen. Ich finde zwar absolut, dass sie in sich sehr konsequent gestaltet worden ist und die Puzzlestücke sich dementsprechend sinnig zusammenfügen lassen, aber es wird zwischendurch auch ganz schön emotional und Sarah stellte da die Barriere da, es auch wirklich alles fühlen zu können. Mein Eindruck war letztlich, dass Sarah ohne Frage ein Trauma erlitten hat, was aber in der Folge dazu geführt hat, dass sie ihre eigenen Fehler immer anderen anlastet und so war sie eigentlich für alle um sich herum eine sehr toxische Persönlichkeit. Man hat nämlich angesichts der ganzen Figuren, die Sarah mit ihren Entscheidungen beeinflusst hat, gemerkt, dass sie für diese keine eigene Empathie aufbringen konnte.

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass Isla die Sauberfrau ist Sie macht auch Fehler und wirkt sich mit ihren Handlungen auf andere aus, aber es wurde doch auch immer deutlich, dass für sie ein Gemeinschaftsgedanken immer über dem eigenen Ansinnen stand. Deswegen war sie nicht perfekt, aber es war deutlich leichter, sich in sie hineinzuversetzen. Wenn ich jetzt von den Figuren einmal abkehre, dann hat der Handlungsverlauf durch den vermissten Jacob gleich am Anfang einen Sog. Zudem wird in angemessenen Abständen immer wieder mit mysteriösen Andeutungen gearbeitet. Dann gibt es vereinzelt Antworten, ehe wieder neue Fragen aufgeworfen werden. Das sorgt dafür, dass man „Last Seen“ wirklich zügig lesen kann. Es gibt am Ende auch viele Enthüllungen, manche überraschender als andere. Gerade bei so Büchern ist immer die Gefahr, wie viel ist noch realistisch und ab wann ist es nur noch übertrieben? Clarke ist für mich haarscharf an der Linie entlang geschrammt, indem sie dann noch eine weitere Figure entscheidend einbindet.

Fazit: „Last Seen“ mag eines der früheren Werke von Lucy Clarke sein, aber es zeigt sich, dass sie ihre Stilistik schon lange ausarbeitet. Es ist also an Spannung und Figurenzeichnungen viel wiederzuerkennen, was ich als Leserin zu schätzen weiß. Einzige Stolperfalle war hier eigentlich Hauptfigur Sarah, die sehr dominant ist, die ich als Figur aber nicht packen konnte, so dass sie eine gewisse Bremse zur Emotionalität der Handlung darstellte.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Mit Ausrufezeichen-Ende

Like Fire in the Night
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Von Jennifer Wiley hatte ich bislang noch nichts gelesen, aber schon einige positive Stimmen gehört, weswegen ich bei der neuen Reihe nun dachte, dass es doch die ideale Gelegenheit sei, um mal einzusteigen ...

Von Jennifer Wiley hatte ich bislang noch nichts gelesen, aber schon einige positive Stimmen gehört, weswegen ich bei der neuen Reihe nun dachte, dass es doch die ideale Gelegenheit sei, um mal einzusteigen und sie als Autorin kennenzulernen.

Rockstar-Romance als Genre ist jetzt schon länger nicht mehr das, was für mich als Verkaufsargument zieht, aber es hat mich umgekehrt auch nicht abgehalten und das wohl auch zurecht, denn ob Ivy nun wirklich ein Rockstar ist? Aber klar, es impliziert etwas und es ging in jedem Fall um Musik und das damit zusammenhängende Showbiz, so dass gewisse Bereiche auf jeden Fall enthalten waren. Aber ich sehe es positiv, dass es sehr zurückgeschraubt war und Ivy musikalisch auch noch an ihren Anfängen ist, so dass es doch alles etwas intimer ablaufen konnte. Gleichzeitig konnten die Vor- und Nachteile des Showbiz dennoch angemessen eingebunden werden. Ich habe „Like Fire in The Night“ als Hörbuch gehabt und Mala Sommer und Tobias Zorn haben mich gut durch die Geschichte geleitet. Ich kannte beide Stimmen noch nicht, aber sie können gerne öfters bei für mich interessanten Hörbüchern auftauchen. Sie sind jeweils schnell für mich zu Ivy und Milo geworden.

Die Geschichte wird auch aus der Perspektive von beiden erzählt. Was ich dabei überraschend fand, dass Milos Perspektive dominanter war. Normalerweise erlebt man das eher andersherum. Hier hat es sicherlich auch angeboten, weil Milo für uns mit seiner Geschichte ein offenes Buch war, während Ivys Geschichte und warum manche Songtexte sind wie sie sind, dann das Geheimnis darstellten, was länger bewahrt werden sollte. Von daher kann ich die Entscheidung also verstehen und ich fand es hier auch nicht unangenehm, zumal ich von Ivy genauso einen befriedigenden Gesamteindruck gewonnen habe. Ich bin mir nicht sicher, ob die jeweiligen Perspektiven immer so clever gesetzt waren. An einer Stelle ist mir das aufgefallen, als Ivy letztlich ihre Vergangenheit enthüllt. In Buchform fällt das vermutlich gar nicht so auf, aber im Hörbuch wurde es durch Zorns Stimme, durch Milos Perspektive aufgegriffen und ich hätte es besser gefunden, wenn ich dafür Sommers Stimme als Ivy im Ohr gehabt hätte. Denn es ist ihre Geschichte und das hätte durch inneren Monolog noch einfühlsam aufgegriffen werden können. Das sind dann so Kleinigkeiten, an denen ich gemerkt habe, dass es noch besser hätte sein können.

Insgesamt hat mir das Buch aber gut gefallen. Insgesamt entsteht die Liebesgeschichte schon sehr schnell, was natürlich auch dem allgemeinen Inhalt geschuldet ist, weil alles im Rahmen der intimen Clubtour und des Presseartikels stattfinden musste. Mir war das für den Zeitraum schon zu schnell, aber weil die Chemie zwischen den Figuren stimmte, war es kein gravierender Nachteil, weil es nicht erzwungen, sondern nur überhastet wirkte. Was mir aber richtig gut gefallen hat, das war das Ende. Zunächst hat sich Milo aus der moralisch bedrohlichen Situation in meinen Augen wirklich sehr ritterlich rausgelöst. Umgekehrt ist dann die Sorge von Ivy wegen ihrer Vergangenheit genau ideal angegangen worden. Das waren dann auch genau die Momente, in denen das Wirtschaftsdenken des Showbiz überdeutlich war, weswegen Wileys Entscheidungen mir auch so gut gefallen haben. Es war den Regeln unterworfen, aber dennoch individuell. Das hat mir insgesamt also gezeigt, dass ich mit der Autorin in Ideen sehr überein bin, weswegen ich sie in jedem Fall nun auf dem Schirm behalten werden.

Fazit: „Like Fire in the Night” war für mich die erste Begegnung mit Jennifer Wiley und unterm Strich war das gelungen. Auch wenn es in der Perspektivenwahl noch clevere Entscheidungen gegeben hätte und auch wenn die Liebesgeschichte ein durchgedrücktes Gaspedal hatte, aber ich mochte die Geschichte beider Figuren, ich mochte ihr Miteinander und das Ende war ein echtes Ausrufezeichen.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Überraschende Thriller-Anteile

Dem Sturm entgegen
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Cecelia Ahern hat in meiner Jugend durchaus einen Hype bei mir ausgelöst und alles musste von ihr gelesen werden. Das hat sich doch noch einige Jahre gezogen, dann sind nicht jährlich Bücher von ihr erschienen ...

Cecelia Ahern hat in meiner Jugend durchaus einen Hype bei mir ausgelöst und alles musste von ihr gelesen werden. Das hat sich doch noch einige Jahre gezogen, dann sind nicht jährlich Bücher von ihr erschienen und dann gab es auch gefühlt ständig Neuauflagen ihrer Bestseller, so dass ich auch noch aufpassen musste, nicht dasselbe Buch nochmal zu kaufen. Dazu war „Sommersprossen“ aus 2022 für mich auch eher eine Enttäuschung, so dass ich unterbewusst etwas Abstand genommen habe. Aber vieles lässt man nicht für immer los und deswegen war ich bei „Dem Sturm entgegen“ nun doch wieder neugierig.

Ahern war mal die Queen der Liebesgeschichten und das hat sich etwas gewandelt. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass es um Liebesgeschichten mit sich selbst geht, wofür sie wirklich sehr kantige Hauptfiguren nutzt. Das war schon bei „Sommersprossen“ so, worin sich Allegra in meiner Wahrnehmung auf dem Autismus-Spektrum befunden hat und das hat dann oft für eine Barriere gesorgt, richtig mit ihr fühlen zu können. Das würde ich bei Enya nun nicht ebenso sehen, aber dennoch ist auch sie eine Figur, bei der es langen Atem zum Warm werden braucht. Ein wichtiger Grund dafür ist sicherlich, dass Teile von ihr auch bewusst verborgen bleiben und bei den anderen, die sie uns offensiv anbietet, da ist Enya in einer sehr traumatisierten Phase, die sowohl mit dem Schicksal ihrer Mutter als auch einem Unfall zu tun hat. Wie sie teilweise über alles hinwegfegt, das war zunächst doch sehr gewöhnungsbedürftig, aber es ist in der Wahrnehmung eben auch was anderes, wenn die Hauptfigur das selbst weiß. Dementsprechend war ständig eine selbstreflexive Ebene da, die es mir auch leichter gemacht hat, dass ich Enya auf ihrer Reise begleiten wollte.

Zwischendurch war ich aber auch echt überrascht, wie die Atmosphäre des Buchs war. Teile davon hätte ich sofort als Thriller vermarkten können. Da ich in dem Genre auch sehr gerne lese, war es positiv überraschend, welch gruselige und auch rätselhafte Umstände sich ergaben und wie viele Mehrebenen auch der anfangs geschilderte Verkehrsunfall hat. Auch wenn Enya möglicherweise einiges davon aufgrund ihres Zustandes auch gefährlicher wahrgenommen hat, als es tatsächlich war, aber dennoch: Auch wenn es viel von Enyas Innenleben war, aber es passierte sehr, sehr viel auf den Seiten und deswegen entstand der gerne gesehene Zustand von Kurzweiligkeit. Ein Pluspunkt war auch die enge Verbindung zur irischen Heimat. Durch die Rag Trees, generell auch die spirituelle Ausrichtung von Enyas Mutter, die sich auch in den Töchtern niederschlägt, ich hatte dadurch doch das Gefühl, dem Land auf eine besondere Art nochmal näherzukommen. Eine besondere Beziehung war auch die von Enya zu Margaret, die sich auf eine Art nahe waren, aber die auch viel untereinander ausgetragen haben. Ich fand es doch die am besten ausgearbeitete Beziehung des Buchs, auch weil mit einer speziellen Art gepunktet wurde.

Ansonsten hat das Buch einige sehr unsympathische Figuren, die in ihrer Art natürlich auch einen Zweck haben, aber da waren manche Szenen schonmal anstrengend. Umgekehrt gab es wie Flora und Finn beispielsweise Figuren, die ich gerne noch viel mehr kennengelernt hätte, die Enya aber auch viel ausgeschlossen hat. Das war etwas schade. Zudem fand ich es am Ende auch auf einmal schnell. Enya muss Konsequenzen tragen, aber gerade danach wäre es auch interessant gewesen, wie sie nun denkt, wie sie ihren Weg einschlägt und welche Menschen sie noch wo an ihrer Seite hat. Auch wenn ich im Kern denke, dass ich Enya gut sich selbst überlassen kann, aber so 30 Seiten mehr hätten hier sicherlich nicht geschadet.

Fazit: „Dem Sturm entgegen“ bestätigt einen gewissen Trend bei Ahern, die sich lieber mit weiblichen Figuren auf einer Reise zu sich selbst beschäftigt. Das hat mir hier besser als in „Sommersprossen“ gefallen, auch weil ich insgesamt von der Atmosphäre, die stellenweise an einen Thriller erinnerte, überrascht wurde. Aber es ist auch Oberflächlichkeit drin, vor allem am Ende. Eine Empfehlung spreche ich aber dennoch aus.

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Veröffentlicht am 23.10.2024

Zeitschleife zum Weihnachtsfest

In a Holidaze – Ihr Weihnachtswunsch führt zu Gefühlschaos unterm Mistelzweig
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Christina Lauren, ein Autorinnenduo, ist eines dieser Fälle, wo ich ihre Bücher ständig in Regalen und online entdecke, ich aber selbst noch gar nicht so richtig angebissen habe. Ich bin auch überzeugt, ...

Christina Lauren, ein Autorinnenduo, ist eines dieser Fälle, wo ich ihre Bücher ständig in Regalen und online entdecke, ich aber selbst noch gar nicht so richtig angebissen habe. Ich bin auch überzeugt, dass ich von Christina Lauren schon mal was gelesen habe, aber mir fällt nicht mal mehr der Titel ein. Deswegen bin ich aber keinesfalls kritisch eingestellt, denn wenn ich nicht zufrieden war, dann merke ich mir auch eher alles. Hier ist es also leider ein Überangebot im Genre Liebesromane, aber als ich „In A Holidaze“ entdeckte, wusste ich einfach intuitiv, dass ein Weihnachtsroman bei Christina Lauren am besten aufgehoben ist.

Ich schaue wesentlich mehr Filme als Bücher zu Weihnachten, woran das genau liegt, ich weiß es eigentlich gar nicht, aber deswegen finde ich es so charmant, wenn ich dann in den Büchern auch die gewissen Klischees wiederentdecke und dann ergründe, wie anders sie ausgeschrieben als auf dem Bildschirm gesehen wirken. Hier ist nun die Zeitschleifethematik zu entdecken, die ich in Weihnachtsfilmen auch schon erlebt habe. Es passt, wie ich finde, gut zum Fest, denn oft genug verliert man in der Hektik der Vorbereitungen und dann an den Feiertagen selbst aus den Augen, worauf es eigentlich ankommt und zurückzuspringen birgt dann die Herausforderung, das alles zu durchbrechen und sich bewusst auf die Zeit einzulassen. Nur ist hier nicht die zusammengewürfelte Familie aus alten College-Freunden, die komplett immer wieder die Zeitschleife durchlebt, stattdessen ist es nur Hauptfigur Mae. Ich war schon zum Einstieg etwas irritiert, dass wir eigentlich am letzten Feiertag angekommen waren, aber es hat sich dann so zusammengefügt, dass Mae schließlich wieder am Anfang der Feiertage landet. Ich muss schon sagen, dass es bei nur einer Person doch etwas irritierend ist, auch weil es suggeriert, dass ein einziger Mensch die Macht hat, so viel im Leben vieler anderer zu verändern. Das hätte als Gruppenschleife-Thematik wohl anders gewirkt, aber ich will hier auch nicht zu wissenschaftlich oder philosophisch werden, denn gerade bei solchen Büchern muss man sehr gedehnte Realitäten auch hinnehmen können.

Auch wenn die Thematik also vertraut war, so finde ich doch auch, dass die Geschichte mich überraschen konnte. Mae hat zwar schon im ersten Kapitel für ihre Gefühle für Andrew gesprochen, doch da sie mit Theo geknutscht hat, hatte ich so die Vermutung, die Zeitschleife will ihr zeigen, wer wirklich der Mann ihres Herzens war. Aber es war gar nicht Theo. Dementsprechend war das schon der erste Punkt, wo sich alles anders entwickelt hat. Genauso reizvoll war, dass weder Mae noch wir als Leser zunächst wissen, wie oft sie zurückgeworfen wird, was die Lösung ist, dass es mal konstant weitergeht, so war da genug Spannung drin und es war auch lustig, wie genervt sie zunächst auf die mehreren Male reagierte und wie sie dann mit allen Infos um sich warf. Es war auch überraschend, dass Mae relativ offensiv versucht hat, die Zeitschleife den anderen bewusst zu machen. Mit Benny hat sie ohnehin eine sehr interessante Figur an die Seite gestellt bekommen. Ich mochte diese Freundschaft über die Altersgrenzen hinweg und welche Offenheit er mitgebracht hat. Wenn ich mir nämlich vorstelle, ich würde meiner Familie klarmachen, wir wären in einer Zeitschleife, äh ja. Aber da es später auch über Benny hinaus ging, fand ich es auch irgendwie schön, dass die ganze Thematik etwas Höherem gewidmet wurde. Hier sagt das Buch auch nicht konkret, was es sein soll, aber es entsprach genau dem, was ich für die Menschheit glaube, dass wir alle etwas Höheres brauchen, egal, welchen Namen es dann trägt.

Manche Figuren sind über die Erzählung sehr kurz gekommen, auch Theo hätte ich mir etwas besser ausgearbeitet gewünscht, aber ansonsten wurde sehr deutlich, wie viele unterschiedliche Figuren aufeinandertreffen, die trotzdem etwas miteinander verbindet und es war auch schön, ihre diversen Aktivitäten mitzuverfolgen. Ich konnte mir vieles bildlich vorstellen, aber es war auch richtig, dass steifes Festhalten an Traditionen dem Spontanen etwas nimmt. Dann ist es aber wieder ein Rahmen, den viele brauchen. Wie immer liegt die Lösung also irgendwo in der Mitte von Tradition und Spontanität. Die Liebesgeschichte zwischen Mae und Andrew war wahrlich sehr stürmisch, aber ich fand sie auch in einzelnen Szenen wirklich sehr süß. Ich habe die ganze Zeit auch überlegt, ob da noch eine Wendung kommt, aber das größere Drama vorm Ende wurde gut gestaltet, weil es auch nachvollziehbar war. Der Epilog war dann auch in vielen Punkten noch Weihnachts-Romantik pur, auch wenn er im Hochsommer pur spielte, aber es passte zur ganzen Stimmung und hat gut unterstrichen, dass die Zeitschleife gut war für dieses Happy End.

Fazit: Christina Lauren haben für mich einen süßen Weihnachtsroman mit „In A Holidaze“ abgeliefert. Zwar darf ich über die generelle Anwendung der Zeitschleife nicht zu viel nachdenken, aber die Liebesgeschichte stimmte, es war eine typische Atmosphäre und es waren genau die Botschaften, die ich zum Fest der Liebe gerne zu lesen bekomme.

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Veröffentlicht am 17.10.2024

Ungewöhnliche Ermittlungen in Taiwan

Das Parfüm des Todes
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Zunächst hat mich zu „Das Parfüm des Todes“ der Titel mitsamt Cover gezogen und dann tatsächlich auch der Verlag, denn ich habe von Suhrkamp schon einige ungewöhnliche Thriller bekommen, die vielleicht ...

Zunächst hat mich zu „Das Parfüm des Todes“ der Titel mitsamt Cover gezogen und dann tatsächlich auch der Verlag, denn ich habe von Suhrkamp schon einige ungewöhnliche Thriller bekommen, die vielleicht nicht alle ein Kassenschlager sind, für mich aber unterstreichen, dass es spezielle Geschichten sind und dass es nicht für ordinären Ermittler X immer der 50. Fall schon sein muss. Erst im nächsten Gedanken fand ich dann interessant, dass mit Autorin Katniss Hsiao eine taiwanische Identität vorliegt. Ich lese viel zu wenig aus dem asiatischen Raum, was sicherlich auch daran liegt, dass es am deutschen Buchmarkt auch einen geringeren Anteil ausmacht, aber es liegt sicherlich auch an mir. Von daher war ich sehr gespannt.

Ich habe in „Das Parfüm des Todes“ sehr schlecht reingefunden. Es lag sicherlich auch an kulturellen Unterschieden, indem ich mit asiatischen Namen und dass hier Nachname und Vorname oft zusammengesprochen werden und in der unterschiedlichen Reihenfolge stehen, keinen regulären Umgang war. Aber nein, das war es nicht, was mir den Einstieg erschwert hat. Es war eher das Hineingeworfen werden in eine relativ bizarre Ausgangssituation. Yang Ning ist als Figur sehr schwer zu packen und sie ist auch wahrlich niemand, die einen sofort mit Sympathien einfängt. Es war eher das Gegenteil und das Gefühl, dass es über sie noch viel zu erfahren gibt, bis sich überhaupt etwas bei mir angesichts von Sympathien tun wird. Aber hier schwankte auch mit, dass ich zu diesem Buch gegriffen habe, weil ich Gewöhnliches nicht wollte und dementsprechend auch nicht erwartet habe. Demnach war klar, dass ich auf jeden Fall durchhalten würde. Was aber eindeutig nicht hätte sein müssen, dass war das Hin- und Herspringen zwischen den Zeiten. Zumal es auch optisch kein Warnsignal gab. Wären die Rückblenden jeweils in die Kapitel integriert worden, dann hätte es sich wahrscheinlich alleine schon die Erzähltechnik erklärt. So aber fange ich ein neues Kapitel an und denke auf einmal: Wo sind wir denn jetzt? Irgendwann macht es natürlich klick, aber das sind für mich auch Erzählweisen, die gar nicht so einfach sind und vielleicht sollen sie die Leserschaft auch wach halten, aber ich empfinde es eher als Schikanen.

Das Einzige, was sich optisch deutlich absetzt, das ist eine Perspektive, die kursiv geschrieben und eingerückt ist. Hier gab es immer deutlich das Signal, hier geht es um jemand anderen als Yang Ning und es ist eine der Rätsel herauszufinden, wer sich dahinter verbirgt. Wenn ich diese Kritikpunkte zum Anfang bedenke, dann ist es sehr erleichternd, dass „Das Parfüm des Todes“ in meinen Augen immer besser wurde. Je mehr Zeit verging, desto mehr habe ich Ning verstehen können. Sympathien bleibt ein schwieriges Wort, aber es war auf jeden Fall Verständnis da, denn ich habe sie als Figur immer besser greifen können. Wie war sie als Kind, was hat sich anschließend getan, warum ist sie traumatisiert, wie ist ihr Verhältnis zu Gerüchen und warum hat sie so bizarre Praktiken an Tatorten? Mehr und mehr setzen sich die Puzzleteile zusammen. Dazu ist top, dass mit ihr wirklich ein ganz normaler Mensch quasi zur Ermittlerin wird. Anders kann man das auch nicht bezeichnen, denn sie löst so einige Rätsel, die den richtigen Polizisten verborgen bleiben und das sicherlich mit Köpfchen, aber auch ihrer Beziehung zum Geruchssinn. Um sie herum gibt es weitere Charaktere. Die Anzahl ist überschaubar gehalten, was hier gut passt, aber es sind alles auf ihre Weise Unikate und es ist auch cool, wie Ning ihnen aufgrund ihrer eigenen Art begegnet und das ist vor allem vorurteilsfrei.

Auch wenn die Erzählweise bis zum Schluss eine gewisse Herausforderung bleibt, weil die Autorin auch gar nicht geschmeidig, simpler erzählen wollte, aber ich habe einen Gewöhnungseffekt bemerkt und mich trotz einiger Kreisel trotzdem nicht verführt gefühlt, etwas zu überfliegen. Denn es gab bis zum Schluss auch noch genug zu entdecken. Hsiao hat die Spannung und die Komplexität bis zum letzten Satz hochgehalten. Auch wenn es in der Gesamtsicht vielleicht etwas absurd ist, was Ning alles aufgedeckt hat, aber es hat sich dennoch organisch in die Gesamtgeschichte eingefügt. Auch wenn sich alles auf einen kleinen Personenkreis bezieht, aber dennoch hatte ich Überraschungseffekte, die aber auch nicht nur in den Tätern lagen, sondern auch auf die Art, wie Ning Aspekte herausfand, was sie dafür auf sich genommen hat und dabei ihr stetes Gefühlschaos.

Fazit: „Das Parfüm des Todes“ ist für Suhrkamp ein wirklich typischer Thriller. Er ist mit nichts anderem zu vergleichen, weil Katniss Hsiao etwas erschaffen hat, was raussticht. Auch wenn es am Anfang echt schwierig war, aber einmal mit Packan, dann habe ich immer mehr Gefallen an Yang Ning und ihren Erlebnissen gefunden. Dabei war es auch spannend bis zum Schluss. Für Liebhaber von ungewöhnlichen Thrillern auf jeden Fall eine Empfehlung wert!

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