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Veröffentlicht am 09.01.2025

Verflucht zufriedenstellend

Hunting Souls (Romantasy-Dilogie, Bd. 2)
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Beim ersten Band von „Hunting Souls“, der Anfang 2024 erschienen ist, war ich durchaus angetan. Ich mochte vor allem das wilde Durcheinander an übernatürlichen Wesen, so dass es immer etwas zu entdecken ...

Beim ersten Band von „Hunting Souls“, der Anfang 2024 erschienen ist, war ich durchaus angetan. Ich mochte vor allem das wilde Durcheinander an übernatürlichen Wesen, so dass es immer etwas zu entdecken gab. Umgekehrt habe ich aber auch mehrfach gedacht, dass etwas mehr Gas der Geschichte gut getan hätte. Dementsprechend hat mich nahezu genau ein Jahr später die Nachricht, dass es ‚nur‘ eine Dilogie wird, regelrecht euphorisiert. Nicht, dass man die von Tina Köpke erschaffene Welt nicht noch länger begleiten könnte, aber es passiert mir leider zu oft, dass drei Bände das Glück der eigenen Ideen doch arg überspannen. Und da Band 1 auf rein inhaltlicher Ebene kein Feuerwerk war, hat sich für mich sofort der Kreis geschlossen, dass die Autorin so mit zwei Bänden einen guten Abschluss finden wird.

Das hat sich für mich auch bewahrheitet. Nachdem der Cliffhanger aus Band 1 aufgelöst worden ist, merkte man deutlich, dass es einen klaren Plan gibt. Es wird nichts Neues mehr eingeführt, was hier genau richtig, denn es gab in Band 1 wahrlich genug neu zu erkunden und so war es clever und konsequent mit dem selbst gestalteten Baukasten auch etwas Schönes zu zaubern. Dementsprechend hat sich Ziel klar herausgestellt: wer verwandelt wahllos Menschen in Zombies und mit welchem Ziel und wen wird Katrina laut einer Prophezeiung verlieren? Auch wenn wir für uns als Leser und Katrina und Tate überdeutlich ist, dass sich dahinter etwas verbirgt, ist es für die anderen eher lästig und vielleicht etwas überdramatisch. Das hat zwar stellenweise etwas die Stimmung gekillt, aber umgekehrt hat es dann gesichert, dass Katrina und Tate im Kern auch unabhängig agieren können. Denn während im ersten Band es eigentlich ganz gut auf ihr Alter und ihre Fähigkeiten zugeschnitten war, so übersteigt in Band 2 das Ausmaß eigentlich dessen, was zwei Menschen stemmen können. Und dennoch hätte es der Geschichte geschadet, wenn die beiden Protagonisten auf der Strafbank gelandet wären. Dementsprechend geraten sie doch in einige spannende Situationen und es war auch cool, dass Lyn dabei immer wieder eine Rolle gespielt hat, wenn sich Katrina aus ihrem Beschützerinstinkt heraus damit schwer getan hat.

Auch wenn hier der Grat dessen, was für die Erzählung gebraucht wurde, sehr schmal war, so gab es aber eine stilistische Entscheidung, die so nicht hätte sein müssen. Es hat sich eigentlich wie ein Looping wiederholt, dass Köpke ihre Figuren in spannende Situationen schickt, wie im Club oder in der Stadt in dem besonderen Laden zum Gruppentreffen und dann gab es zwar neue Erkenntnisse, aber ich hatte gleich mehrfach den Eindruck, dass nicht alle möglichen Fragen gestellt wurden. Als ob es immer nur ein Häppchen nach dem anderen geben durfte, statt einen Wow-Effekt zu erzeugen, indem einmal richtig was auf den Tisch kommt. Und danach wurden auch immer ruhige Momente zwischen Tate und Katrina zwischengeschoben. Das konnte ich der Autorin zwar gut verzeihen, auch weil das Paar in der Dynamik miteinander sehr gut funktioniert, aber sie hat sich so selbst mit dem eigenen Schwung im Weg gestanden. Umgekehrt will ich positiv nennen, dass Köpke selbstreflexiv über ihre Figuren auch eingebaut hat, dass sie in ihren stillen Momenten zu zweit sich ebenfalls schonmal denken, ob sie überhaupt so ruhig sein dürften, wenn sie doch wissen, was auf sie zukommt. Auch wenn es immer etwas widersprüchlich ist, aber einem apokalyptischen Szenario genau ins Auge blicken zu müssen, das lässt so ruhige Momente vermutlich tatsächlich nochmal ersehnen.

Der Showdown ist für mich dann auch das stärkste gewesen. Da hat man richtig gemerkt, dass Köpke losgelassen und alles rausgehauen hat. Die Perspektiven von Katrina und Tate waren da auch gut gegeneinandergesetzt, weil sie sich in der Spannung ergänzt haben. Hier war es also nicht sich selbst ausgebremst, sondern den Schwung mitgenommen. Ich mochte auch extrem, welche Heldenrolle Lyn erhalten hat und da wären wir dann auch bei meiner Einleitung zu der Rezension. Diese erschaffene Welt will man nun wahrlich nicht verlassen, warum also nicht vielleicht ein Spin-Off mit Lyn? Sie hätte es sich 1000% verdient! Aber auch Katrina und Tate haben ihre Momente erhalten und das Ende war mit der Prophezeiung sehr gut aufgelöst. Es war traurig, es war intensiv, aber es war auch der Liebesgeschichte entsprechend dann genau richtig aufgelöst. So konnte ich tatsächlich sehr zufrieden das Kapitel „Hunting Souls“ für mich abschließen.

Fazit: Ich habe an einigen stilistischen Entscheidungen nochmal gemerkt, dass Köpkes Dilogie „Hunting Souls“ eher für eine jüngere Zielgruppe gestaltet ist, weil ich erstaunt war, wie oft die Handlung sich selbst ausgebremst hat. Aber dennoch habe ich es sehr genossen, zu dem übernatürlichen Klassentreffen zurückzukehren, Katrina und Tate noch einmal zu begleiten, Lyns Entwicklung zu sehen und dann auch so ein zufriedenes Ende zu bekommen.

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Veröffentlicht am 17.12.2024

Mit kleineren Turbulenzen gelandet

Coldhart - Right & Wrong
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Mit der Veröffentlichung des finalen Bands von „Coldhart“ war ich jetzt natürlich richtig gespannt, wie es wohl ausgeht und ich muss sagen, dass Lena Kiefer das Flugzeug gut landet, aber ein paar Turbulenzen ...

Mit der Veröffentlichung des finalen Bands von „Coldhart“ war ich jetzt natürlich richtig gespannt, wie es wohl ausgeht und ich muss sagen, dass Lena Kiefer das Flugzeug gut landet, aber ein paar Turbulenzen wurden doch noch mitgenommen.

Band 1 hat für mich vor allem wegen der tollen Chemie zwischen Eli und Felicity funktioniert. Band 2 war dann eigentlich ein typischer Zwischenband: Es hat sich natürlich inhaltlich etwas getan, aber es gab auch zähere Phasen und ich fand manche Details auch eher unlogisch. Da war Logik das Opfer von Spannung. Aber ich habe mir auch immer wieder gesagt, dass ich die Reihe nicht bewerten kann, als sei sie ein reiner Thriller, weil das wäre unfair. Daran musste ich mich in Band 3 dann auch manchmal erinnern. Insgesamt war er aber mit deutlich mehr spannenden Höhepunkten ausgestattet, so dass der Leseprozess wirklich zügig war, denn ich wollte immer mehr Antworten haben. Was auch ein großes Plus war, wie groß die Gruppe war, die an einer Lösung gearbeitet hat. Auch wenn es in der Hauptsache immer noch die Geschichte von Eli und Felicity war, aber auch alle anderen hatten eine Wichtigkeit. Es fühlte sich so also echt nach Familie an und nach jetzt insgesamt sechs Bänden in dieser Welt ist das auch echt eine schöne Bestätigung.

Als Paar mussten Eli und Felicity in diesem Band nicht mehr viele gemeinsame Schritte gehen. Am Anfang war kurz Sand im Getriebe, aber ansonsten hat man gemerkt, dass die beiden sich als Einheit definieren und um ihr gemeinsames Glück kämpfen und das fand ich sehr angenehm, weil sie nicht mehr gegeneinander gearbeitet haben. Dennoch ist Felicity als Figur für mich etwas anstrengend gewesen, wenn es sich in dem Charakter selbst auch logisch fortgesetzt hat, denn sie ist ein Mensch, der völlig aus dem Bauch heraus agiert. Deswegen hat sie in meinen Augen den Plan gegen Grant auch am meisten gefährdet. Auch wenn ich zugeben muss, dass es mir genauso schwer gefallen wäre, in seiner Gegenwart zu agieren, aber sie hat gewisse Dinge auch echt eingeladen und sich dadurch so auffällig verhalten, dass es nie einen Plan gab. Aber damit hat Lena Kiefer auch aktiv gespielt. Sie hatte nicht das Vorhaben, einen clever ausgeklügelten Plan zu einem Ende zu bringen, was ich zwar cool gefunden hätte, weil ich durch Krimis/Thriller es einfach liebe, wenn so ein Bösewicht richtig ausgespielt wird, aber ich habe es auch verstanden, dass das kein Schwerpunkt gewesen ist. So wirkte es tatsächlich etwas einfach aufgelöst. Das lasse ich auch als Kritikpunkt stehen, aber in die Geschichte hat es sich schon gut eingefügt.

An diesem Punkt der Handlung hatten wir aber noch etwa 100 Seiten offen und ich dachte, was kommt denn jetzt noch? Der zweite Kniff war dann nochmal richtig etwas zum Mitfiebern, wenn das Geheimnis um die Person dahinter schon sehr durchschaubar war. Aber auch hier: Es sollte vielleicht nicht direkt genannt werden, aber ein Top Secret-Geheimnis sollte es eben auch nicht sein. So war es für die Intention aber nochmal der richtige Schwerpunkt. Ich fand es auch wichtig, dass wir bei Helena und Jess große Schritte live mitbekommen habe. So fühlte sich das Ende dann auch richtig friedlich an, auch weil es sich speziell für Felicity dann zu einem echten Kreis zusammengeschlossen hat. Kiefer sagt in den Dankesworten selbst, dass diese Welt jetzt erstmal zurückstehen muss. Auch wenn genug weitere Geschichten angedeutet wurden, aber ich kann sie da sehr gut verstehen, weil es zwischendurch für die eigene Fantasie auch mal Abwechslung braucht. Aber für mich ist auch klar, sollte es nochmal eine neue Trilogie in dieser Welt geben, ich wäre in jedem Fall dabei.

Fazit: Der dritte Band von „Coldhart“ war nicht perfekt, gerade weil ich mir in der Erzählweise noch mehr Cleverness gewünscht hätte, aber es war für die Absicht und in Anbetracht der beteiligten Charaktere auch schlüssig. Richtig schön war der Zusammenhalt diesmal, was trotz der auch ernsten Themen immer etwas von Heimat ausstrahlt. Auch wenn es das für Kiefer erstmal in dieser Welt war, aber sie hat damit echt etwas geschaffen!

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Veröffentlicht am 11.12.2024

Viele richtige Zutaten, aber eine Sarah

Last Seen
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Nach dem riesigen Erfolg, den Lucy Clarke die letzten zwei Jahre in Deutschland hatte, werden ältere Werke von ihr im Eiltempo übersetzt und veröffentlicht oder hier wie bei „Last Seen“ noch einmal neu ...

Nach dem riesigen Erfolg, den Lucy Clarke die letzten zwei Jahre in Deutschland hatte, werden ältere Werke von ihr im Eiltempo übersetzt und veröffentlicht oder hier wie bei „Last Seen“ noch einmal neu aufgelegt. Da ich bislang noch von keinem Buch von Clarke enttäuscht worden bin, entdecke ich jetzt auch gerne ihre früheren Geschichten.

Da ich inzwischen schon bei fünf Büchern von ihr bin, ist es doch einfach zu sagen, dass man Clarke als Autorin immer gut erkennen kann. Es geht immer irgendwie in die Natur hinein und das in dem Sinne, dass es nicht darum geht, Figuren auf engstem Raum einzupferchen und alles explodieren zu lassen, sondern dass sie den Gewalten der Natur auf eine Art und Weise begegnen müssen. Hier gibt es im Vergleich nur überraschend wenig Perspektiven, indem wir Sarah und Isla haben, aber letztlich hat das auch gereicht, wenn man die Handlung rekapituliert. Während Sarah vor allem für die Gegenwart zuständig ist, ist Isla diejenige, mit der wir die Vergangenheit ergründen. Bei ihr war es anfangs etwas irritierend, dass es zunächst scheinbar einen Kommentar von Sarah gab, ehe sie dann in die Vergangenheit abgetaucht ist. Das erklärt sich letztlich als logisch hinaus, ist vielleicht aber auch etwas zu offensichtlich gewählt worden? Ich finde in jedem Fall, dass Clarke inzwischen etwas cleverer schreibt. Dennoch würde ich die Gestaltung von Islas Perspektive jetzt nicht als Fauxpas beschreiben, weil es genug weitere Ebenen gab, um den Verlauf spannend und mysteriös zu halten.

Bislang war es in Clarkes Büchern durch die verschiedenen Perspektiven immer so, dass ich mich einigen Figuren näher fühlte als anderen. Hier ist schon auffällig, dass Sarah in allem etwas dominanter ist, nur leider ist sie auch die unsympathischere von beiden. Dementsprechend schwer war es oft, alles durch ihre Linse zu sehen, weil es mir doch schwer fiel, Empathie für sie aufzubringen. Ich finde zwar absolut, dass sie in sich sehr konsequent gestaltet worden ist und die Puzzlestücke sich dementsprechend sinnig zusammenfügen lassen, aber es wird zwischendurch auch ganz schön emotional und Sarah stellte da die Barriere da, es auch wirklich alles fühlen zu können. Mein Eindruck war letztlich, dass Sarah ohne Frage ein Trauma erlitten hat, was aber in der Folge dazu geführt hat, dass sie ihre eigenen Fehler immer anderen anlastet und so war sie eigentlich für alle um sich herum eine sehr toxische Persönlichkeit. Man hat nämlich angesichts der ganzen Figuren, die Sarah mit ihren Entscheidungen beeinflusst hat, gemerkt, dass sie für diese keine eigene Empathie aufbringen konnte.

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass Isla die Sauberfrau ist Sie macht auch Fehler und wirkt sich mit ihren Handlungen auf andere aus, aber es wurde doch auch immer deutlich, dass für sie ein Gemeinschaftsgedanken immer über dem eigenen Ansinnen stand. Deswegen war sie nicht perfekt, aber es war deutlich leichter, sich in sie hineinzuversetzen. Wenn ich jetzt von den Figuren einmal abkehre, dann hat der Handlungsverlauf durch den vermissten Jacob gleich am Anfang einen Sog. Zudem wird in angemessenen Abständen immer wieder mit mysteriösen Andeutungen gearbeitet. Dann gibt es vereinzelt Antworten, ehe wieder neue Fragen aufgeworfen werden. Das sorgt dafür, dass man „Last Seen“ wirklich zügig lesen kann. Es gibt am Ende auch viele Enthüllungen, manche überraschender als andere. Gerade bei so Büchern ist immer die Gefahr, wie viel ist noch realistisch und ab wann ist es nur noch übertrieben? Clarke ist für mich haarscharf an der Linie entlang geschrammt, indem sie dann noch eine weitere Figure entscheidend einbindet.

Fazit: „Last Seen“ mag eines der früheren Werke von Lucy Clarke sein, aber es zeigt sich, dass sie ihre Stilistik schon lange ausarbeitet. Es ist also an Spannung und Figurenzeichnungen viel wiederzuerkennen, was ich als Leserin zu schätzen weiß. Einzige Stolperfalle war hier eigentlich Hauptfigur Sarah, die sehr dominant ist, die ich als Figur aber nicht packen konnte, so dass sie eine gewisse Bremse zur Emotionalität der Handlung darstellte.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Mit Ausrufezeichen-Ende

Like Fire in the Night
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Von Jennifer Wiley hatte ich bislang noch nichts gelesen, aber schon einige positive Stimmen gehört, weswegen ich bei der neuen Reihe nun dachte, dass es doch die ideale Gelegenheit sei, um mal einzusteigen ...

Von Jennifer Wiley hatte ich bislang noch nichts gelesen, aber schon einige positive Stimmen gehört, weswegen ich bei der neuen Reihe nun dachte, dass es doch die ideale Gelegenheit sei, um mal einzusteigen und sie als Autorin kennenzulernen.

Rockstar-Romance als Genre ist jetzt schon länger nicht mehr das, was für mich als Verkaufsargument zieht, aber es hat mich umgekehrt auch nicht abgehalten und das wohl auch zurecht, denn ob Ivy nun wirklich ein Rockstar ist? Aber klar, es impliziert etwas und es ging in jedem Fall um Musik und das damit zusammenhängende Showbiz, so dass gewisse Bereiche auf jeden Fall enthalten waren. Aber ich sehe es positiv, dass es sehr zurückgeschraubt war und Ivy musikalisch auch noch an ihren Anfängen ist, so dass es doch alles etwas intimer ablaufen konnte. Gleichzeitig konnten die Vor- und Nachteile des Showbiz dennoch angemessen eingebunden werden. Ich habe „Like Fire in The Night“ als Hörbuch gehabt und Mala Sommer und Tobias Zorn haben mich gut durch die Geschichte geleitet. Ich kannte beide Stimmen noch nicht, aber sie können gerne öfters bei für mich interessanten Hörbüchern auftauchen. Sie sind jeweils schnell für mich zu Ivy und Milo geworden.

Die Geschichte wird auch aus der Perspektive von beiden erzählt. Was ich dabei überraschend fand, dass Milos Perspektive dominanter war. Normalerweise erlebt man das eher andersherum. Hier hat es sicherlich auch angeboten, weil Milo für uns mit seiner Geschichte ein offenes Buch war, während Ivys Geschichte und warum manche Songtexte sind wie sie sind, dann das Geheimnis darstellten, was länger bewahrt werden sollte. Von daher kann ich die Entscheidung also verstehen und ich fand es hier auch nicht unangenehm, zumal ich von Ivy genauso einen befriedigenden Gesamteindruck gewonnen habe. Ich bin mir nicht sicher, ob die jeweiligen Perspektiven immer so clever gesetzt waren. An einer Stelle ist mir das aufgefallen, als Ivy letztlich ihre Vergangenheit enthüllt. In Buchform fällt das vermutlich gar nicht so auf, aber im Hörbuch wurde es durch Zorns Stimme, durch Milos Perspektive aufgegriffen und ich hätte es besser gefunden, wenn ich dafür Sommers Stimme als Ivy im Ohr gehabt hätte. Denn es ist ihre Geschichte und das hätte durch inneren Monolog noch einfühlsam aufgegriffen werden können. Das sind dann so Kleinigkeiten, an denen ich gemerkt habe, dass es noch besser hätte sein können.

Insgesamt hat mir das Buch aber gut gefallen. Insgesamt entsteht die Liebesgeschichte schon sehr schnell, was natürlich auch dem allgemeinen Inhalt geschuldet ist, weil alles im Rahmen der intimen Clubtour und des Presseartikels stattfinden musste. Mir war das für den Zeitraum schon zu schnell, aber weil die Chemie zwischen den Figuren stimmte, war es kein gravierender Nachteil, weil es nicht erzwungen, sondern nur überhastet wirkte. Was mir aber richtig gut gefallen hat, das war das Ende. Zunächst hat sich Milo aus der moralisch bedrohlichen Situation in meinen Augen wirklich sehr ritterlich rausgelöst. Umgekehrt ist dann die Sorge von Ivy wegen ihrer Vergangenheit genau ideal angegangen worden. Das waren dann auch genau die Momente, in denen das Wirtschaftsdenken des Showbiz überdeutlich war, weswegen Wileys Entscheidungen mir auch so gut gefallen haben. Es war den Regeln unterworfen, aber dennoch individuell. Das hat mir insgesamt also gezeigt, dass ich mit der Autorin in Ideen sehr überein bin, weswegen ich sie in jedem Fall nun auf dem Schirm behalten werden.

Fazit: „Like Fire in the Night” war für mich die erste Begegnung mit Jennifer Wiley und unterm Strich war das gelungen. Auch wenn es in der Perspektivenwahl noch clevere Entscheidungen gegeben hätte und auch wenn die Liebesgeschichte ein durchgedrücktes Gaspedal hatte, aber ich mochte die Geschichte beider Figuren, ich mochte ihr Miteinander und das Ende war ein echtes Ausrufezeichen.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Überraschende Thriller-Anteile

Dem Sturm entgegen
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Cecelia Ahern hat in meiner Jugend durchaus einen Hype bei mir ausgelöst und alles musste von ihr gelesen werden. Das hat sich doch noch einige Jahre gezogen, dann sind nicht jährlich Bücher von ihr erschienen ...

Cecelia Ahern hat in meiner Jugend durchaus einen Hype bei mir ausgelöst und alles musste von ihr gelesen werden. Das hat sich doch noch einige Jahre gezogen, dann sind nicht jährlich Bücher von ihr erschienen und dann gab es auch gefühlt ständig Neuauflagen ihrer Bestseller, so dass ich auch noch aufpassen musste, nicht dasselbe Buch nochmal zu kaufen. Dazu war „Sommersprossen“ aus 2022 für mich auch eher eine Enttäuschung, so dass ich unterbewusst etwas Abstand genommen habe. Aber vieles lässt man nicht für immer los und deswegen war ich bei „Dem Sturm entgegen“ nun doch wieder neugierig.

Ahern war mal die Queen der Liebesgeschichten und das hat sich etwas gewandelt. Ich habe immer mehr den Eindruck, dass es um Liebesgeschichten mit sich selbst geht, wofür sie wirklich sehr kantige Hauptfiguren nutzt. Das war schon bei „Sommersprossen“ so, worin sich Allegra in meiner Wahrnehmung auf dem Autismus-Spektrum befunden hat und das hat dann oft für eine Barriere gesorgt, richtig mit ihr fühlen zu können. Das würde ich bei Enya nun nicht ebenso sehen, aber dennoch ist auch sie eine Figur, bei der es langen Atem zum Warm werden braucht. Ein wichtiger Grund dafür ist sicherlich, dass Teile von ihr auch bewusst verborgen bleiben und bei den anderen, die sie uns offensiv anbietet, da ist Enya in einer sehr traumatisierten Phase, die sowohl mit dem Schicksal ihrer Mutter als auch einem Unfall zu tun hat. Wie sie teilweise über alles hinwegfegt, das war zunächst doch sehr gewöhnungsbedürftig, aber es ist in der Wahrnehmung eben auch was anderes, wenn die Hauptfigur das selbst weiß. Dementsprechend war ständig eine selbstreflexive Ebene da, die es mir auch leichter gemacht hat, dass ich Enya auf ihrer Reise begleiten wollte.

Zwischendurch war ich aber auch echt überrascht, wie die Atmosphäre des Buchs war. Teile davon hätte ich sofort als Thriller vermarkten können. Da ich in dem Genre auch sehr gerne lese, war es positiv überraschend, welch gruselige und auch rätselhafte Umstände sich ergaben und wie viele Mehrebenen auch der anfangs geschilderte Verkehrsunfall hat. Auch wenn Enya möglicherweise einiges davon aufgrund ihres Zustandes auch gefährlicher wahrgenommen hat, als es tatsächlich war, aber dennoch: Auch wenn es viel von Enyas Innenleben war, aber es passierte sehr, sehr viel auf den Seiten und deswegen entstand der gerne gesehene Zustand von Kurzweiligkeit. Ein Pluspunkt war auch die enge Verbindung zur irischen Heimat. Durch die Rag Trees, generell auch die spirituelle Ausrichtung von Enyas Mutter, die sich auch in den Töchtern niederschlägt, ich hatte dadurch doch das Gefühl, dem Land auf eine besondere Art nochmal näherzukommen. Eine besondere Beziehung war auch die von Enya zu Margaret, die sich auf eine Art nahe waren, aber die auch viel untereinander ausgetragen haben. Ich fand es doch die am besten ausgearbeitete Beziehung des Buchs, auch weil mit einer speziellen Art gepunktet wurde.

Ansonsten hat das Buch einige sehr unsympathische Figuren, die in ihrer Art natürlich auch einen Zweck haben, aber da waren manche Szenen schonmal anstrengend. Umgekehrt gab es wie Flora und Finn beispielsweise Figuren, die ich gerne noch viel mehr kennengelernt hätte, die Enya aber auch viel ausgeschlossen hat. Das war etwas schade. Zudem fand ich es am Ende auch auf einmal schnell. Enya muss Konsequenzen tragen, aber gerade danach wäre es auch interessant gewesen, wie sie nun denkt, wie sie ihren Weg einschlägt und welche Menschen sie noch wo an ihrer Seite hat. Auch wenn ich im Kern denke, dass ich Enya gut sich selbst überlassen kann, aber so 30 Seiten mehr hätten hier sicherlich nicht geschadet.

Fazit: „Dem Sturm entgegen“ bestätigt einen gewissen Trend bei Ahern, die sich lieber mit weiblichen Figuren auf einer Reise zu sich selbst beschäftigt. Das hat mir hier besser als in „Sommersprossen“ gefallen, auch weil ich insgesamt von der Atmosphäre, die stellenweise an einen Thriller erinnerte, überrascht wurde. Aber es ist auch Oberflächlichkeit drin, vor allem am Ende. Eine Empfehlung spreche ich aber dennoch aus.

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