Profilbild von marcello

marcello

Lesejury Star
offline

marcello ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit marcello über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.01.2025

Interessante Themen, denen Spannung als Krönchen fehlten

Dark Cinderella
1

Auch wenn es eigentlich völlig logisch ist, so bin ich doch immer wieder erstaunt, wie alleine im deutschsprachigen Raum mir schon so viele Autoren in dem Sinne ergangen sind, dass ich sie zwar überall ...

Auch wenn es eigentlich völlig logisch ist, so bin ich doch immer wieder erstaunt, wie alleine im deutschsprachigen Raum mir schon so viele Autoren in dem Sinne ergangen sind, dass ich sie zwar überall mit ihren Büchern sehe, aber es ist doch noch nie zusammengekommen. Anya Omah gehört definitiv auch dazu. Bei ihrem neuen Reihenauftritt, „Dark Cinderella“ war ich angesichts des Titels erst etwas skeptisch, was sich wohl hinter der Geschichte verbirgt, aber ich bin froh, dass ich den Sprung ins Wasser gewagt habe.

Ich habe das Buch als Hörbuch konsumiert. Chantal Busse und Vincent Fallow waren für mich jeweils völlig neue Stimmen, sodass es in jedem Fall Gewöhnungssache war. Mit Busse als Sofia ging es etwas schneller, aber insgesamt muss ich sagen, dass ich mich an beide Stimmen bis zum Ende sehr gut gewöhnt hatte und beide haben durch die Stimmen Gestalt bei mir angenommen und ich hatte auch den Eindruck, dass die Ausstrahlung mit dem übereinstimmt, was ich charakterlich dem Inhalt entnommen habe. Aber es ist nicht nur aus technischer Sicht ein zu empfehlendes Buch, sondern auch inhaltlich. Wie gesagt war ich angesichts des Buchtitels erst etwas verwirrt, was mich wohl erwartet, die Neuinterpretation eines Märchens? Das würde ich mal verneinen, wenn auch der Königshof, wenn auch von einem erfundenen Land, immer märchenhafte Assoziationen haben wird. Aber mein Eindruck war schnell, dass wir eine sehr realistische Geschichte erhalten, die mich angesichts der Themenvielfalt sehr gut unterhalten hat.

Wir haben auf der einen Seite den Blick in das Königshaus Skonien. Wir haben natürlich die Außenperspektive von Sofia darauf, aber für mich war es viel spannender, Maximilians Perspektive zu erleben, weil er das Leben lebt und bei seiner jüngeren Schwester sieht man auch deutlich die Bürde des Lebens. Dementsprechend hat es mir gut gefallen, mit ihm in seine Gefühlslage einzutauchen und dann auch das Verhältnis zu seiner Mutter zu ergründen, die am stolzesten und stoischsten die Monarchie verkörpert. Durch die Tatsache, dass Sofia eine Woman of Color ist, kam natürlich noch eine spezielle Perspektive rein, auf die ich gleich noch komme, aber auch so ist deutlich etwas an der Monarchie gerüttelt worden. Es war keinesfalls eine Abrechnung, weil sonst Omah vermutlich auch nicht dieses Setting gewählt hätte, aber auf jeden Fall eine Anregung Monarchie moderner zu denken. Sofia wiederum hat durch ihre Forschung zum Kolonialismus, die für sie ein sehr persönliches Thema ist, noch einmal einen anderen Aspekt eingebracht und mir hat es gefallen, wie es durch diesen Kontext auch sehr erwachsen wirkte und man dadurch auch bei Maximilian gemerkt hat, wie sehr er die Bürde seines Titels empfindet, aber dass er den Einfluss daraus auch nutzen möchte. Aber auch so musste ich wegen Sofias Hautfarbe auch ein wenig an Meghan und Harry denken. Es ist kein großes Thema gewesen, aber wer weiß, was da nicht noch kommt.

Charakterlich und von den Inhalten her war für mich also wirklich alles sehr, sehr gut, aber was mir für diesen ersten Band gefehlt hat, das war etwas Tempo und vor allem mehr Gas hinter dem Mysterium, was Alva passiert ist. Denn mit der Frage, was ist ihrer Freundin passiert, fangen wir an. Das ist so das erste Häppchen nach der Überdosis was uns reizt, dazu mehr zu erfahren. An einer Stelle wird es auch selbstreflexiv angesprochen, dass Sofia ihre Pläne durch den Job am Hof etwas aus den Augen verliert, aber es erkennen und trotzdem Zeit vertrödeln, macht es nicht rückgängig. Ich denke, dass dieser Suspense-Anteil „Dark Cinderella“ alleine wegen des Titels extrem gut steht, dementsprechend hat mich dieser Punkt etwas enttäuscht, dass das immer mehr verloren gegangen ist, ehe dann für den Cliffhanger nochmal ordentlich etwas ausgepackt wurde. Das war nötig, wirkt aber dann fast schon etwas viel. Wäre die Atmosphäre zwischendurch mehr bedient worden, dann wäre es auch besser verteilt.

Fazit: Damit wären wir dann auch schon beim finalen Gesamteindruck angekommen, denn „Dark Cinderella“ hat für mich viele Stärken entfaltet, aber eine Schwäche preisgegeben. Die Stärken überwiegen die Schwächen deutlich, aber im zweiten Band will ich dann wirklich die Spannung, denn dann haben wir genau die ideale Mischung.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.01.2025

Nach sperrigem Start immer mitreißender

You Are My Hurricane
0

„You Are My Hurricane“ ist nicht das Debüt von Emily Aves, aber es ist wohl ihr großer Durchbruch, auch wenn man ihr noch junges Alter bedenkt. Ich hatte mich im Vorfeld gar nicht so sehr mit der Person ...

„You Are My Hurricane“ ist nicht das Debüt von Emily Aves, aber es ist wohl ihr großer Durchbruch, auch wenn man ihr noch junges Alter bedenkt. Ich hatte mich im Vorfeld gar nicht so sehr mit der Person hinter der Geschichte beschäftigt, mir gefiel einfach das Cover und da habe ich einfach mal reingelesen. Im Nachhinein hätte mir eine Vorabbeschäftigung mit Aves sicherlich direkt einiges erklärt, denn bei „You Are My Hurricane“ merkt man sehr deutlich, dass die junge Autorin erst ihren Rhythmus finden musste, aber nachdem dieser einmal da war, haben für mich die Stärken auch noch deutlich gestrahlt.

Wie gesagt, dieses Buch ist auf einem Diagramm als steile Linie nach oben zu sehen. Denn es fing für mich echt zäh an. Auch wenn die erste Szene sehr wichtig ist, aber ich habe zunächst sowohl bei Maeve als auch bei Carter sehr oberflächliche Eindrücke gewonnen. Beide waren stumpf für eine Funktion zuständig, weswegen dieses erzwungene Enemys to Lover am Anfang gar nicht meins war. Ich mag diesen Trope eigentlich gerne, gerade wenn die Dialoge richtig brennen, aber das fehlte hier einfach. Maeve war dann auch eine seltsame Mischung aus draufgängerisch und sehr schüchtern und zurückhaltend, während Carter umgekehrt mir anfangs zu abweisend und ichbezogen wirkte. Ja, man sieht, von beiden Seiten aus nicht unbedingt etwas Verheißungsvolles. Deswegen war ich tatsächlich kurz vor dem Punkt, mich zu hinterfragen, ob ich beende oder es vielleicht mit Überfliegen zu einem Ende bringe.

Aber irgendwann kam dann doch noch der Klick, um in der Geschichte festgehakt zu bleiben. Es muss rund um die Spendenaktion sein und nachdem diese ersten expliziten Fotos veröffentlicht wurden, dann das Spiel gegen jemanden, der zu Maeves Vergangenheit gehört und da brachen für mich quasi die Panzer von beiden Charakteren auf. Zu Maeve hat sich für mich viel erklärt, Carter wiederum wurde zu einer mitfühlenderen Art gezwungen bzw. er konnte sie endlich zeigen und ab da haben mir die Interaktionen der beiden echt gut gefallen. Die gemeinsamen Momente wurde immer bedeutungsvoller und mit dem sehr kleinen Figurenkreis, was ich positiv fand, wurde dann tatsächlich schnell auch das Gefühl einer eingeschworenen Gemeinschaft erzeugt. Auch die intensiven Gespräche von Maeve und Carter waren für mich mit viel Fingerspitzengefühl geführt. Was mir im Nachhinein einzig ganz klar gefehlt hat, das war eine Aufarbeitung bei Maeve mit ihren Eltern. Denn so wie sie gereift ist, hätte ich mir dann noch den klaren Punkt gewünscht, dass sie aufräumen, was Maeve auf sie projiziert hat. Denn ansonsten wurde für mich am Ende alles erfüllt, was sich irgendwann so gestapelt hatte.

Eins muss ich auch noch sehr loben. Sports Romance ist echt nicht selten auf dem New Adult Markt und ich bin immer wieder zu gewinnen. Die Sportart ist mir sogar meistens relativ egal, für mich geht es vielmehr um die Gefühle, die darüber zu transportieren sind. Aber dennoch nutzen es viele auch nur oberflächlich aus. Da muss der Kerl dann am College einen Sport ausüben, aber es ist nur Mittel zum Zweck. Dass Aves aber tatsächlich großer Football-Fan ist, das hat man sehr deutlich gemerkt. Ich kenne mich mit der Sportart echt nur spärlich aus, auch wenn ich schon genug Serien und Filme dazu gesehen habe, aber eine systematische Beschäftigung habe ich bislang noch nie geschafft. In dem Sinne hat „You Are My Hurricane“ da für mich zur Aufklärung beigetragen, denn Aves hat so viele Aspekte des Spiels, aber auch des Prozesses vom College in die NFL beleuchtet, dass ich mir sehr aufgehoben fühlte und echt mitgefiebert habe. Es mögen kleinere Aspekte fiktiv abgewandelt worden sein, das mag ich nicht einzuschätzen, aber man hat gemerkt, dass die Autorin im Thema drin ist und für mich so viel transportieren konnte. Man könnte sogar fast meinen, bald schaue ich auch regelmäßig Football. Als Fußball-Fan habe ich schließlich auch schon genug mitbekommen, dass immer wieder gesagt wird, manche Regelungen vom American Football würden sich für Fußball sehr eignen, daran musste ich nach diesem Buch auch wieder denken.

Fazit: „You Are My Hurricane“ fängt echt sperrig an. Die Geschichte musste erst hochtourig vorangetrieben werden, um dann irgendwann ihren Rhythmus zu haben. Schwupps kamen die Charaktere besser zur Geltung und automatisch auch ihr Miteinander. Dazu noch ein Extralob für die Thematisierung von Football. Habe ich selten so gelesen und erlebt. Ich war voll drin und mein Interesse wurde anders erweckt als bei anderen Büchern mit Football. Auch wenn Aves noch jung ist und als Autorin noch viele Abenteuer vor sich haben wird, aber alleine dieses Buch zeigt, wie krass sie sich auf den Seiten steigern konnte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2025

Verflucht zufriedenstellend

Hunting Souls (Romantasy-Dilogie, Bd. 2)
0

Beim ersten Band von „Hunting Souls“, der Anfang 2024 erschienen ist, war ich durchaus angetan. Ich mochte vor allem das wilde Durcheinander an übernatürlichen Wesen, so dass es immer etwas zu entdecken ...

Beim ersten Band von „Hunting Souls“, der Anfang 2024 erschienen ist, war ich durchaus angetan. Ich mochte vor allem das wilde Durcheinander an übernatürlichen Wesen, so dass es immer etwas zu entdecken gab. Umgekehrt habe ich aber auch mehrfach gedacht, dass etwas mehr Gas der Geschichte gut getan hätte. Dementsprechend hat mich nahezu genau ein Jahr später die Nachricht, dass es ‚nur‘ eine Dilogie wird, regelrecht euphorisiert. Nicht, dass man die von Tina Köpke erschaffene Welt nicht noch länger begleiten könnte, aber es passiert mir leider zu oft, dass drei Bände das Glück der eigenen Ideen doch arg überspannen. Und da Band 1 auf rein inhaltlicher Ebene kein Feuerwerk war, hat sich für mich sofort der Kreis geschlossen, dass die Autorin so mit zwei Bänden einen guten Abschluss finden wird.

Das hat sich für mich auch bewahrheitet. Nachdem der Cliffhanger aus Band 1 aufgelöst worden ist, merkte man deutlich, dass es einen klaren Plan gibt. Es wird nichts Neues mehr eingeführt, was hier genau richtig, denn es gab in Band 1 wahrlich genug neu zu erkunden und so war es clever und konsequent mit dem selbst gestalteten Baukasten auch etwas Schönes zu zaubern. Dementsprechend hat sich Ziel klar herausgestellt: wer verwandelt wahllos Menschen in Zombies und mit welchem Ziel und wen wird Katrina laut einer Prophezeiung verlieren? Auch wenn wir für uns als Leser und Katrina und Tate überdeutlich ist, dass sich dahinter etwas verbirgt, ist es für die anderen eher lästig und vielleicht etwas überdramatisch. Das hat zwar stellenweise etwas die Stimmung gekillt, aber umgekehrt hat es dann gesichert, dass Katrina und Tate im Kern auch unabhängig agieren können. Denn während im ersten Band es eigentlich ganz gut auf ihr Alter und ihre Fähigkeiten zugeschnitten war, so übersteigt in Band 2 das Ausmaß eigentlich dessen, was zwei Menschen stemmen können. Und dennoch hätte es der Geschichte geschadet, wenn die beiden Protagonisten auf der Strafbank gelandet wären. Dementsprechend geraten sie doch in einige spannende Situationen und es war auch cool, dass Lyn dabei immer wieder eine Rolle gespielt hat, wenn sich Katrina aus ihrem Beschützerinstinkt heraus damit schwer getan hat.

Auch wenn hier der Grat dessen, was für die Erzählung gebraucht wurde, sehr schmal war, so gab es aber eine stilistische Entscheidung, die so nicht hätte sein müssen. Es hat sich eigentlich wie ein Looping wiederholt, dass Köpke ihre Figuren in spannende Situationen schickt, wie im Club oder in der Stadt in dem besonderen Laden zum Gruppentreffen und dann gab es zwar neue Erkenntnisse, aber ich hatte gleich mehrfach den Eindruck, dass nicht alle möglichen Fragen gestellt wurden. Als ob es immer nur ein Häppchen nach dem anderen geben durfte, statt einen Wow-Effekt zu erzeugen, indem einmal richtig was auf den Tisch kommt. Und danach wurden auch immer ruhige Momente zwischen Tate und Katrina zwischengeschoben. Das konnte ich der Autorin zwar gut verzeihen, auch weil das Paar in der Dynamik miteinander sehr gut funktioniert, aber sie hat sich so selbst mit dem eigenen Schwung im Weg gestanden. Umgekehrt will ich positiv nennen, dass Köpke selbstreflexiv über ihre Figuren auch eingebaut hat, dass sie in ihren stillen Momenten zu zweit sich ebenfalls schonmal denken, ob sie überhaupt so ruhig sein dürften, wenn sie doch wissen, was auf sie zukommt. Auch wenn es immer etwas widersprüchlich ist, aber einem apokalyptischen Szenario genau ins Auge blicken zu müssen, das lässt so ruhige Momente vermutlich tatsächlich nochmal ersehnen.

Der Showdown ist für mich dann auch das stärkste gewesen. Da hat man richtig gemerkt, dass Köpke losgelassen und alles rausgehauen hat. Die Perspektiven von Katrina und Tate waren da auch gut gegeneinandergesetzt, weil sie sich in der Spannung ergänzt haben. Hier war es also nicht sich selbst ausgebremst, sondern den Schwung mitgenommen. Ich mochte auch extrem, welche Heldenrolle Lyn erhalten hat und da wären wir dann auch bei meiner Einleitung zu der Rezension. Diese erschaffene Welt will man nun wahrlich nicht verlassen, warum also nicht vielleicht ein Spin-Off mit Lyn? Sie hätte es sich 1000% verdient! Aber auch Katrina und Tate haben ihre Momente erhalten und das Ende war mit der Prophezeiung sehr gut aufgelöst. Es war traurig, es war intensiv, aber es war auch der Liebesgeschichte entsprechend dann genau richtig aufgelöst. So konnte ich tatsächlich sehr zufrieden das Kapitel „Hunting Souls“ für mich abschließen.

Fazit: Ich habe an einigen stilistischen Entscheidungen nochmal gemerkt, dass Köpkes Dilogie „Hunting Souls“ eher für eine jüngere Zielgruppe gestaltet ist, weil ich erstaunt war, wie oft die Handlung sich selbst ausgebremst hat. Aber dennoch habe ich es sehr genossen, zu dem übernatürlichen Klassentreffen zurückzukehren, Katrina und Tate noch einmal zu begleiten, Lyns Entwicklung zu sehen und dann auch so ein zufriedenes Ende zu bekommen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.12.2024

Mit kleineren Turbulenzen gelandet

Coldhart - Right & Wrong
0

Mit der Veröffentlichung des finalen Bands von „Coldhart“ war ich jetzt natürlich richtig gespannt, wie es wohl ausgeht und ich muss sagen, dass Lena Kiefer das Flugzeug gut landet, aber ein paar Turbulenzen ...

Mit der Veröffentlichung des finalen Bands von „Coldhart“ war ich jetzt natürlich richtig gespannt, wie es wohl ausgeht und ich muss sagen, dass Lena Kiefer das Flugzeug gut landet, aber ein paar Turbulenzen wurden doch noch mitgenommen.

Band 1 hat für mich vor allem wegen der tollen Chemie zwischen Eli und Felicity funktioniert. Band 2 war dann eigentlich ein typischer Zwischenband: Es hat sich natürlich inhaltlich etwas getan, aber es gab auch zähere Phasen und ich fand manche Details auch eher unlogisch. Da war Logik das Opfer von Spannung. Aber ich habe mir auch immer wieder gesagt, dass ich die Reihe nicht bewerten kann, als sei sie ein reiner Thriller, weil das wäre unfair. Daran musste ich mich in Band 3 dann auch manchmal erinnern. Insgesamt war er aber mit deutlich mehr spannenden Höhepunkten ausgestattet, so dass der Leseprozess wirklich zügig war, denn ich wollte immer mehr Antworten haben. Was auch ein großes Plus war, wie groß die Gruppe war, die an einer Lösung gearbeitet hat. Auch wenn es in der Hauptsache immer noch die Geschichte von Eli und Felicity war, aber auch alle anderen hatten eine Wichtigkeit. Es fühlte sich so also echt nach Familie an und nach jetzt insgesamt sechs Bänden in dieser Welt ist das auch echt eine schöne Bestätigung.

Als Paar mussten Eli und Felicity in diesem Band nicht mehr viele gemeinsame Schritte gehen. Am Anfang war kurz Sand im Getriebe, aber ansonsten hat man gemerkt, dass die beiden sich als Einheit definieren und um ihr gemeinsames Glück kämpfen und das fand ich sehr angenehm, weil sie nicht mehr gegeneinander gearbeitet haben. Dennoch ist Felicity als Figur für mich etwas anstrengend gewesen, wenn es sich in dem Charakter selbst auch logisch fortgesetzt hat, denn sie ist ein Mensch, der völlig aus dem Bauch heraus agiert. Deswegen hat sie in meinen Augen den Plan gegen Grant auch am meisten gefährdet. Auch wenn ich zugeben muss, dass es mir genauso schwer gefallen wäre, in seiner Gegenwart zu agieren, aber sie hat gewisse Dinge auch echt eingeladen und sich dadurch so auffällig verhalten, dass es nie einen Plan gab. Aber damit hat Lena Kiefer auch aktiv gespielt. Sie hatte nicht das Vorhaben, einen clever ausgeklügelten Plan zu einem Ende zu bringen, was ich zwar cool gefunden hätte, weil ich durch Krimis/Thriller es einfach liebe, wenn so ein Bösewicht richtig ausgespielt wird, aber ich habe es auch verstanden, dass das kein Schwerpunkt gewesen ist. So wirkte es tatsächlich etwas einfach aufgelöst. Das lasse ich auch als Kritikpunkt stehen, aber in die Geschichte hat es sich schon gut eingefügt.

An diesem Punkt der Handlung hatten wir aber noch etwa 100 Seiten offen und ich dachte, was kommt denn jetzt noch? Der zweite Kniff war dann nochmal richtig etwas zum Mitfiebern, wenn das Geheimnis um die Person dahinter schon sehr durchschaubar war. Aber auch hier: Es sollte vielleicht nicht direkt genannt werden, aber ein Top Secret-Geheimnis sollte es eben auch nicht sein. So war es für die Intention aber nochmal der richtige Schwerpunkt. Ich fand es auch wichtig, dass wir bei Helena und Jess große Schritte live mitbekommen habe. So fühlte sich das Ende dann auch richtig friedlich an, auch weil es sich speziell für Felicity dann zu einem echten Kreis zusammengeschlossen hat. Kiefer sagt in den Dankesworten selbst, dass diese Welt jetzt erstmal zurückstehen muss. Auch wenn genug weitere Geschichten angedeutet wurden, aber ich kann sie da sehr gut verstehen, weil es zwischendurch für die eigene Fantasie auch mal Abwechslung braucht. Aber für mich ist auch klar, sollte es nochmal eine neue Trilogie in dieser Welt geben, ich wäre in jedem Fall dabei.

Fazit: Der dritte Band von „Coldhart“ war nicht perfekt, gerade weil ich mir in der Erzählweise noch mehr Cleverness gewünscht hätte, aber es war für die Absicht und in Anbetracht der beteiligten Charaktere auch schlüssig. Richtig schön war der Zusammenhalt diesmal, was trotz der auch ernsten Themen immer etwas von Heimat ausstrahlt. Auch wenn es das für Kiefer erstmal in dieser Welt war, aber sie hat damit echt etwas geschaffen!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 11.12.2024

Viele richtige Zutaten, aber eine Sarah

Last Seen
0

Nach dem riesigen Erfolg, den Lucy Clarke die letzten zwei Jahre in Deutschland hatte, werden ältere Werke von ihr im Eiltempo übersetzt und veröffentlicht oder hier wie bei „Last Seen“ noch einmal neu ...

Nach dem riesigen Erfolg, den Lucy Clarke die letzten zwei Jahre in Deutschland hatte, werden ältere Werke von ihr im Eiltempo übersetzt und veröffentlicht oder hier wie bei „Last Seen“ noch einmal neu aufgelegt. Da ich bislang noch von keinem Buch von Clarke enttäuscht worden bin, entdecke ich jetzt auch gerne ihre früheren Geschichten.

Da ich inzwischen schon bei fünf Büchern von ihr bin, ist es doch einfach zu sagen, dass man Clarke als Autorin immer gut erkennen kann. Es geht immer irgendwie in die Natur hinein und das in dem Sinne, dass es nicht darum geht, Figuren auf engstem Raum einzupferchen und alles explodieren zu lassen, sondern dass sie den Gewalten der Natur auf eine Art und Weise begegnen müssen. Hier gibt es im Vergleich nur überraschend wenig Perspektiven, indem wir Sarah und Isla haben, aber letztlich hat das auch gereicht, wenn man die Handlung rekapituliert. Während Sarah vor allem für die Gegenwart zuständig ist, ist Isla diejenige, mit der wir die Vergangenheit ergründen. Bei ihr war es anfangs etwas irritierend, dass es zunächst scheinbar einen Kommentar von Sarah gab, ehe sie dann in die Vergangenheit abgetaucht ist. Das erklärt sich letztlich als logisch hinaus, ist vielleicht aber auch etwas zu offensichtlich gewählt worden? Ich finde in jedem Fall, dass Clarke inzwischen etwas cleverer schreibt. Dennoch würde ich die Gestaltung von Islas Perspektive jetzt nicht als Fauxpas beschreiben, weil es genug weitere Ebenen gab, um den Verlauf spannend und mysteriös zu halten.

Bislang war es in Clarkes Büchern durch die verschiedenen Perspektiven immer so, dass ich mich einigen Figuren näher fühlte als anderen. Hier ist schon auffällig, dass Sarah in allem etwas dominanter ist, nur leider ist sie auch die unsympathischere von beiden. Dementsprechend schwer war es oft, alles durch ihre Linse zu sehen, weil es mir doch schwer fiel, Empathie für sie aufzubringen. Ich finde zwar absolut, dass sie in sich sehr konsequent gestaltet worden ist und die Puzzlestücke sich dementsprechend sinnig zusammenfügen lassen, aber es wird zwischendurch auch ganz schön emotional und Sarah stellte da die Barriere da, es auch wirklich alles fühlen zu können. Mein Eindruck war letztlich, dass Sarah ohne Frage ein Trauma erlitten hat, was aber in der Folge dazu geführt hat, dass sie ihre eigenen Fehler immer anderen anlastet und so war sie eigentlich für alle um sich herum eine sehr toxische Persönlichkeit. Man hat nämlich angesichts der ganzen Figuren, die Sarah mit ihren Entscheidungen beeinflusst hat, gemerkt, dass sie für diese keine eigene Empathie aufbringen konnte.

Das bedeutet umgekehrt nicht, dass Isla die Sauberfrau ist Sie macht auch Fehler und wirkt sich mit ihren Handlungen auf andere aus, aber es wurde doch auch immer deutlich, dass für sie ein Gemeinschaftsgedanken immer über dem eigenen Ansinnen stand. Deswegen war sie nicht perfekt, aber es war deutlich leichter, sich in sie hineinzuversetzen. Wenn ich jetzt von den Figuren einmal abkehre, dann hat der Handlungsverlauf durch den vermissten Jacob gleich am Anfang einen Sog. Zudem wird in angemessenen Abständen immer wieder mit mysteriösen Andeutungen gearbeitet. Dann gibt es vereinzelt Antworten, ehe wieder neue Fragen aufgeworfen werden. Das sorgt dafür, dass man „Last Seen“ wirklich zügig lesen kann. Es gibt am Ende auch viele Enthüllungen, manche überraschender als andere. Gerade bei so Büchern ist immer die Gefahr, wie viel ist noch realistisch und ab wann ist es nur noch übertrieben? Clarke ist für mich haarscharf an der Linie entlang geschrammt, indem sie dann noch eine weitere Figure entscheidend einbindet.

Fazit: „Last Seen“ mag eines der früheren Werke von Lucy Clarke sein, aber es zeigt sich, dass sie ihre Stilistik schon lange ausarbeitet. Es ist also an Spannung und Figurenzeichnungen viel wiederzuerkennen, was ich als Leserin zu schätzen weiß. Einzige Stolperfalle war hier eigentlich Hauptfigur Sarah, die sehr dominant ist, die ich als Figur aber nicht packen konnte, so dass sie eine gewisse Bremse zur Emotionalität der Handlung darstellte.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere