Der isländische Uhrmacher
Der König und der UhrmacherKopenhagen, 18. Jahrhundert: Schloss Christiansborg - die wertvolle Uhr ist stehengeblieben und kein dänischer Uhrmacher versteht das Uhrwerk wieder zum Laufen zu bringen. Die Uhr ist ein Meisterwerk von ...
Kopenhagen, 18. Jahrhundert: Schloss Christiansborg - die wertvolle Uhr ist stehengeblieben und kein dänischer Uhrmacher versteht das Uhrwerk wieder zum Laufen zu bringen. Die Uhr ist ein Meisterwerk von Isaak Habrecht, aus Schaffhausen in der Schweiz, der die längste Zeit seines Lebens in Strasbourg residierte und dort wie auch anderenorts (Heilbronn, Ulm, London, und eben auch Kopenhagen) großartige Uhren installierte. (Und zumindest eines seiner Werke, das großartige Uhrwerk im Strasbourger Münster kenne ich persönlich).
Nun, Jon Sivertsen aus Westfjordland, ein alter Uhrmacher, jedoch mit gutem Leumund (darf er doch die königlichen Uhren warten und reparieren) ist einsam. Seine Frau verstarb und die beiden Kinder leben ihr eigenes Leben. Er schaut sich Isaak Habrechts Meisterwerk an und der Ehrgeiz packt ihn, die schöne aber höchst vernachlässigte Uhr wieder zum Laufen zu bringen.
Dieser Uhrmacher ist ein grundehrlicher Typ mit einem schlimmen Hintergrund. Sein Vater wurde vom Vater des jetzigen Königs auf den Schafott gebracht und als der gelangweilte König eines Nachts wieder im Lagerraum steht und den Uhrmacher, der in seiner Freizeit repariert ohne Bezahlung, nach seiner Herkunft befragt, ihm einfach die Wahrheit erzählt. Doch der Königvater von König Christian VII, der nicht nur dänische König war, sondern auch über Island, Grönland, Faröer Inseln, Schleswig und Holstein plus einige Inseln in der weiten Welt, war wohl kein netter Mensch, wurde aber von seinem Sohn gegenüber dem Untertan in Schutz genommen... doch der König war neugierig und wollte schließlich die Geschichte von Jons Herkunft hören.
Zunehmend kommen sich Jon und der König näher, die Geschichte spielt auf Island, und der dortigen Armut, und in Dänemark.
Letztendlich ist der Roman ein Sittenbild der damaligen Zeit. Ein Hoch auf die Demokratie und dass Tryrannen heute weniger die Menschheit belästigen als im 18. Jahrhundert (obwohl leider... noch immer die meisten Menschen nicht in demokratischen Ländern leben).
Der Klappentext macht neugierig - was macht ein isländischer Uhrmacher in der dänischen Hauptstadt.
Das Umschlagsbild passt natürlich, denn wenn von Dänemark, König und Kopenhagen die Sprache ist, dann muss ganz einfach auch das Schloss in Kopenhagen (eine der Hauptattraktionen der Stadt) als Ansporn auf der Titelseite genommen werden, um das Buch zu kaufen.
Stil - sehr gut lesbar! Nicht nur historische Fakten, sondern auch eine reizende Liebesgeschicht ist eingebaut in das Uhrwerk des Romans.Vor allem breitet die Geschichte sich aus wie eine spirituelle Erfahrung...
Eine fiktive Geschichte, die aber auf wahren Begebenheiten beruht (mit dichterischen Freiheiten ausgeschmückt)
Lübbe - Verlag (der sich gerne historischer Kolossalromane annimmt)
Der Autor, nicht unbekannt in Skandinavien, ist Isländer und ein bekannter Krimiautor, die ist sein erster historischer Roman. Übersetzt aus dem Isländischen von Freyja Melsted