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Veröffentlicht am 25.03.2025

Moore und Krankheiten

Zuschauen und Winken
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MEINUNG:

Seit Nachts bin ich großes Fan von Mercedes Lauenstein und es war absolut klar für mich, dass auch vom Zuschauen und Winken lesen möchte.

Der Roman, wenn man ihn überhaupt als solches bezeichnen ...

MEINUNG:

Seit Nachts bin ich großes Fan von Mercedes Lauenstein und es war absolut klar für mich, dass auch vom Zuschauen und Winken lesen möchte.

Der Roman, wenn man ihn überhaupt als solches bezeichnen kann verfolgt keine stringente Handlung. Der Text ist ein Gedankenstrom der Ich-Erzählerin, die derzeit über Moore promoviert. Es gibt auch immer wieder ein kleine interessante Einschübe über Moore, die ich selbst sehr spannend finde. Viel interessanter fand ich allerdings den Part, dass ihr Freund Miro dauerhaft krank ist und keiner weiß, was er wirklich hat. Es laß sich ein bisschen so, wie die vielen Personen, die nach einer Covid-Erkrankungen Nachwirkungen bzw. Krankheiten haben, solche die auch oft als unsichtbar bezeichnet werden. Diese Krankheiten schränken von beiden das ganze Leben ein. Verabredungen müssen oft abgesagt werden. Die Leute sind deswegen sauer, was ich nicht verstehen konnte. Auch für die Ich-Erzählerin ist es schwierig. Ich mochte ihre Beziehung, wie sie miteinander umgehen, auch wenn ich mich manchmal fragte, wie sie sich jeder eine Wohnung in München leisten können. Ich mag Mercedes Lauensteins feinen und klugen Blick auf die kleinen alltäglichen Dinge, sie sehr feinsinnig aufnimmt. Die Textstellen sind oft sehr kurz, so dass ich das Buch innerhalb von 2 Stunden gelesen habe. Trotzdem bleibt hier bei mir nicht so viel hängen, wie bei Nachts.

FAZIT:

Zuschauen und Winken ist ein reiner, fragmentarischer Gedankenfluss der Ich-Erzählerin. So richtig, weiß ich allerdings nach dem Beenden nicht, was ich davon mitnehmen soll. Ich freue mich trotz allem auf das nächste Buch von der Autorin.

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Veröffentlicht am 08.03.2025

Kindheit auf dem Hof

Hof
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MEINUNG:

Hof ist der erste Teil der Tue Trilogie. Ich lese gerne Literatur von dänischen AutorInnen, deswegen bin auf das Buch aufmerksam geworden. Außerdem schätze ich die Literatur aus dem Kanon Verlag. ...

MEINUNG:

Hof ist der erste Teil der Tue Trilogie. Ich lese gerne Literatur von dänischen AutorInnen, deswegen bin auf das Buch aufmerksam geworden. Außerdem schätze ich die Literatur aus dem Kanon Verlag. Der Autor ist gerade mal 21, als das Buch erschienen ist.

Tues Leben ist relativ entbehrungsreich, auch was Emotionen angeht. Geld fehlt an allen Ecken und Enden, auch wenn der Vater versucht über Hundezucht und Landwirtschaft die Familien zu ernähren. Die Familie muss sich Geld von anderen Familienmitgliedern leihen. Die Mutter ist scheinbar abhängig vom Glücksspiel zu sein, dennoch geht sie auch in einer Fensterfabrik arbeiten. Er lebt mit seinen Eltern, Geschwistern und einigen Tieren auf einem dänischen Hof. Tue ist das älteste von drei Geschwistern. Als Tue viertes Geschwisterkind bei der Geburt stirbt, stößt die seine Mutter in eine tiefe Depression. Tue hat ein gutes Gespür, dass etwas mit seiner Mutter nicht stimmt, auch wenn er es nicht benennen kann. Es gibt eine Szene, die mich sehr gerührt hat, als er für sie da ist. 

Die Kapitel sind angenehm kurz und dennoch aussagekräftig. Ich bin sehr schnell durch die Seiten geflogen. Es gab keinen so wirklich roten (Handlungs-)faden. Es vielmehr Tues Alltag und gleichzeitig Coming-Of-Age, denn dieser erste Teil endet mit Tues Schulabschluss. Der Erzählton ist lakonisch, aber oft auch melancholisch und trostlos. Manchmal wusste ich nicht, ob ich bei dieser Familie lachen oder weinen soll. Es ergeben sich so viele skurrile Situationen, obwohl vieles in dieser dysfunktionalen Familie eigentlich wenig Grund zum Lachen bringt. Mir tut Tue ein bisschen leid, da er und seine Geschwister scheinbar so nebenbei aufwachsen mit wenig Zuneigung und Mitgefühl. Es ist verständlich, dass er sich wünscht dort raus zu kommen. 

FAZIT:

Hof ist der Start in Tues Leben, welches in diesem Teil seine Kindheit darstellt bis er in die Schule kommt. Es ist eine Coming-of-Age Geschichte. Die Startbedingungen für Tue sind schwierig. Ich bin gespannt, wie es für ihn weiter geht.

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Veröffentlicht am 26.10.2024

Rückzug nach Portugal

Hotel Paraíso
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MEINUNG:

Arezu Weitholz war mir bisher als Autorin bereits bekannt, aber ich habe von ihr noch nicht gelesen. Ich dachte mir, dass Hotel Paraiso ein guter Einstieg sein könnte. Portugal mag ich auch als ...

MEINUNG:

Arezu Weitholz war mir bisher als Autorin bereits bekannt, aber ich habe von ihr noch nicht gelesen. Ich dachte mir, dass Hotel Paraiso ein guter Einstieg sein könnte. Portugal mag ich auch als Reiseland. :)

Protagonistin Frieda erschien mir relativ erschöpft und hat ihre Stimme verloren, die natürlich notwendig ist für ihren Job als Synchronsprecherin. Das Wort Burn Out fällt nicht, aber sie nutzt den Vorschlag ihres Freundes Jonas, dass sie über den Jahreswechsel ein Hotel an der portugiesische Algarve hütet. Die Auszeit gibt ihr die Möglichkeit ihre Gedanken zu sortieren. Dabei gehen ihre Gedanken auch wieder zu ihrer Herkunft. Man bekommt schnell ein gespürt dafür, dass Frieda zwar in einem niedersächsischen Dorf aufgewachsen ist, aber dass sie äußerlich anders ist. Ein Zentrales Thema in der Geschichte ist also das Ankommen und Zugehörigkeit.  Beim Lesen habe ich manchmal eine große Einsamkeit in Frieda gespürt. Vieles muss man in diesem kurzen Buch zwischen den Zeilen lesen, dennoch wird klar, dass Frieda wohl adoptiert worden ist und ihr leiblichen Eltern von woanders kommen.

Ich mochte die Sprache der Autorin. Sie schafft eine wunderbar melancholische Stimmung. Ein bisschen treibt man so durch das Buch, ähnlich wie Frieda so ein bisschen vor sich hin treibt. Es gibt keine stringente Handlung, sondern es dreht sich mehr um Friedas Gedanken.  Die sind manchmal ein wenig ungeordnet und bruchstückhaft. Die Gedanken drehen sich auch um ihren Freund Jonas. Hier habe ich allerdings das Gefühl, dass er für sie ein wichtiger Anker ist und er sie auch wirklich liebt. Sehr amüsant dabei sind die Geschichte mit ihrer Schwiegermutter in spe. Trotzdem hat Frieda so ein paar leise Zweifel an der Beziehung. Es gibt ein paar interessante Begegnungen in Portugal, z.B. mit einem geheimen Gast, der immer ihr Essen weg ist und dann Zettel hinterlässt. Außerdem ist da noch Hotelhund Otto, mit dem Frieda dann nach und nach auch warm wird. In Portugal gehört sie dazu. Niemand begegnet ihr mit Ablehnung.

FAZIT:

Hotel Paraiso ist eine ruhige Geschichte über eine Frau, die ein bisschen zu sich selbst finden möchte, in dem sie allein Hotelsitting in Portugal macht. Hier schweift sie auch immer wieder in die Vergangenheit, auf der Suche für ihre Zukunft. Eine ideale Lektüre für eine Portugalreise und für den Winter.

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Veröffentlicht am 21.09.2024

Lebensprägende Beziehung

Die vorletzte Frau
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MEINUNG:

Katja Oskamp habe ich entdeckt, nach dem ich ihre Kurzgeschichte Marzahn, Mon Amour gelesen und sehr gemocht habe. Ich bin zwar deutlich jünger, aber in Berlin-Lichtenberg aufgewachsen und habe ...

MEINUNG:

Katja Oskamp habe ich entdeckt, nach dem ich ihre Kurzgeschichte Marzahn, Mon Amour gelesen und sehr gemocht habe. Ich bin zwar deutlich jünger, aber in Berlin-Lichtenberg aufgewachsen und habe mich hier sehr verbunden gefühlt. Seit dem behalte ich die Autorin im Blick und wollte auch ihren neuen Roman "Die vorletzte Frau" lesen.

Die vorletzte Frau ist eigentlich gar kein richtiger Roman, denn Katja Oskamp erzählt hier aus ihrer eigenen Biographie und ihrer Beziehung zu dem Schweizer Schriftsteller Thomas Hürlimann, genannt Tosch. Das es sich um diesen realen Schriftsteller handelt, wird nicht erwähnt, aber man kann es durch Googeln herausfinden. Sie begenet dem deutlich älteren Mann im Studium. Zu der Zeit ist sie eigentlich mit einem anderen, auch deutlich älteren Mann zusammen und hat mit ihm eine Tochter. Doch sie ist mutig und verlässt ihn, um Tosch zusammen zu sein. Allerdings ist die Beziehung eher eine "Wilde Ehe", denn jeder lebt getrennt und Tosch macht auch ein bisschen was er möchte. Er bestimmt, wann es zu Nähe kommt und wann er lieber auf Distanz bleibt. Sie akzeptiert das.  Für mein Gefühl war es keine wirklich Beziehung auf Augenhöhe, denn man erfährt auch, dass er sie finanziell unterstützt und dass er auch ein großer Treiber und Unterstützter ist für ihre eigenen Texte. Nichts wird veröffentlich, ohne dass er es gelesen hat. Der Titel deutet schon an, dass sie heute nicht mehr zusammen sind und dass sie deswegen die "vorletzte Frau" ist.

Sie schreibt sehr schonungslos, vor allem als Tosch krank wird und sie zu seiner persönlichen Pflegerin. Ich konnte nicht soviel Sympathie für ihn aufbringen, da als sie auch mal krank war, er sich geweigert hat, sich zu kümmern, es aber von ihr verlangt. Sie lässt dafür alles stehen und liegen und pendelt dafür ständig in die Schweiz, wohin er dann wieder zurück gekehrt ist. In meinen Augen war er da ziemlich egoistisch, sie dafür auszunutzen, anstatt sich in professionelle Hände geben zu lassen. Die Erkrankung macht zum ersten Mal deutlich, was auch der Altersunterschied bedeutet und wie es die Beziehung der beiden für immer verändert. Ich könnte mir vorstellen, dass sie noch heute zusammen wären, wenn er nicht so krank geworden wäre. Teil der Geschichte ist aber auch die Beziehung zu Tochter Paula, welche sehr innig ist sowie zu einem Kater namens Übü, dessen Tod mich zu Tränen gerührt hat, mehr als die Erkrankung von Tosch. ;) Mir hat gefallen, dass es auch einen Bogen gibt zu ihrer Tätigkeit als Fusspflegerin, deren Geschichten in Marzahn, Mon Amour verarbeitet sind. So hat sich der gedankliche Kreis geschlossen.

FAZIT:

In Die vorletzte Frau gibt Katja Oskamp bzw. die Ich-Erzählerin, von der ich vermute, dass sie es selbst ist einen ehrlichen und schonungslosen Einblick in ihre Beziehung zu Tosch, einem berühmten Schweizer Schriftsteller. Für meinen Geschmack war die Beziehung nicht wirklich auf Augenhöhe und sie hat sich seinen Launen 19 Jahre lang hingegeben. Trotzdem ist in dem Text auch viel Liebe und schöne Szenen einer langer Beziehung. Eine gute Erzählung, wenn sich mehr für Katja Oskamp interessiert. 

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Veröffentlicht am 28.08.2024

Ein etwas anderer Fallwickl

Und alle so still
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MEINUNG:

Mareike Fallwickl gehört für mich eigentlich schon zu meinen Must Read Autorinnen. Ich habe ihre ersten beiden Bücher gelesen und wirklich gefeiert. Ich mag ihren Fokus auf feministische Themen ...

MEINUNG:

Mareike Fallwickl gehört für mich eigentlich schon zu meinen Must Read Autorinnen. Ich habe ihre ersten beiden Bücher gelesen und wirklich gefeiert. Ich mag ihren Fokus auf feministische Themen und ihren wirklichen grandiosen Schreibstil. Es war klar, dass ich Und alle so still lesen MUSS.

Alles beginnt damit, dass sich die (fast) alle Frauen auf die Straße legen und ihre bezahlte und unbezahlte Arbeit niederlegen. Der Roman schwankt zwischen Utopie und Dystopie, spielt aber natürlich in realen Welt. Es gibt Hauptprotagonisten - Influencerin Elin, Krankenpflegerin Ruth und Nur, der diverse Jobs macht, um sich über Wasser zu halten. Ruth ist die Einzige, die ihre Arbeit nicht niederlegt und aus Pflichtgefühl weiter arbeitet. Sie ist mir für eine zentrale Person gewesen, denn vor allem die Darstellungen von der Arbeit im Krankenhaus hat mich beim Lesen nochmal richtig erschüttert, obwohl ich so etwas natürlich weiß, war es nochmal doppelt, es so plastisch beschrieben zu bekommen. Gefühlt ist man lieber nicht krank, schon gar nicht, wenn auf Frauen verzichtet werden muss. Auch schon lange bekannt ist, dass die berühmte Care-Arbeit, die zumeist von Frauen gemacht wird, kaum anerkannt, geschweige denn bezahlt wird. Mareike Fallwickl versucht hier ein Szenario zu zeigen, wie das System dann zu kollabieren droht und wie es dann auch zu gewaltsamen Ausschreitungen von Männern kommt, die das nicht hinnehmen wollen. Ich fand die Idee gut, aber es für mich ein bisschen in den Hintergrund gerückt bzw. erschien mir nicht ganz ausgereift, aber vielleicht findet auch die Autorin keine wirklich Lösung, denn so liest sich auch das Ende. Das ganze Buch ist für mich eher ein Bericht als ein Roman, denn einen wirklichen roten (Handlungs-) faden konnte ich nicht finden. Es gab auch viele Nebencharaktere, von denen ich eigentlich wenige für relevant hielt.

FAZIT:

Und alle so still ist ein wütendes und forderndes Buch, was für eher Essay/ Bericht als Roman ist. Mareike Fallwickl versucht hier ein Szenario zu gestalten, was passiert, wenn Frauen ihre Arbeit niederlegen. Für mich bleibt es ein Versuch. Ähnlich wie das Buch, denn ist im Gegensatz zu den Vorgängerromanen wirklich anders und man muss sich darauf einlassen. Auf jeden Fall spricht es viele wichtige Themen der Gesellschaft an und lädt dazu ein darüber zu diskutieren.

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