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Veröffentlicht am 01.01.2025

Interessanter Blick auf Klaus Mann und seine Zeit

Berlin war meine Stadt
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„Berlin war meine Stadt“ beeindruckt schon auf den ersten Blick durch den herrlichen Einband. Wieder einmal hat der BeBra Verlag hier liebevoll und originell gestaltet! Ein absoluter Hingucker, toll gemacht. ...

„Berlin war meine Stadt“ beeindruckt schon auf den ersten Blick durch den herrlichen Einband. Wieder einmal hat der BeBra Verlag hier liebevoll und originell gestaltet! Ein absoluter Hingucker, toll gemacht. Die Schlichtheit der Buchdeckel – die an ein Buch aus den 1920ern erinnern – wird durch den satinartigen Buchrücken und die interessante „tiefergelegte“ Schrift und Gestalt auf den Buchdeckeln hervorragend komplimentiert. Dieser Einband ruft bereits das Gefühl Berlins in den wilden 20ern hervor – klasse gemacht, ein großes Kompliment an den Verlag!
Inhaltlich finden sich Auszüge aus Klaus Manns Texten, jeweils mit einer kleinen Einleitung, welche nützliche Hintergrundinformationen liefert. Auch das Vorwort überzeugt, es ist knapp gehalten, enthält aber alle relevanten Informationen und ist als Einführung zur Person, Zeit und zum Werk Klaus Manns hilfreich und gelungen. Als Bewunderin von Klaus Manns elegant-prägnantem Schreibstil habe ich die ausgewählten Passagen natürlich sehr genossen. Gerade bei seinen Beschreibungen des eigenen Lebens und der Atmosphäre, die damals in Berlin herrschte, brilliert er und zeigt in jedem Satz, daß er den Vergleich mit seinem Vater in keiner Weise scheuen muß.
Die autobiographischen Texte verraten viel über diese Vater-Hypothek, die ein Leben lang schwer über ihm hing. Sie sind gut ausgewählt, bieten Einblicke, die auch für jene interessant sind, die Mann schon kennen, und für jene informativ, die ihn noch nicht gut kennen. Die erste Hälfte des Buches hat mich schlichtweg begeistert, eine tolle Mischung aus persönlichen Informationen und Berliner Atmosphäre. Einige seiner Artikel als Kunstkritiker aufzunehmen ist eine hervorragende Idee – diese Texte kannte ich auch als mit seiner Arbeit Vertraute noch nicht, und sie sind die Lektüre absolut wert. Ein wenig enttäuscht war ich allerdings darüber, daß in der zweiten Hälfte kaum noch die Rede von Berlin ist. Eine recht lange Reisebeschreibung widmet sich detailliert Frankreich und anderen Ländern, was mir angesichts des Fokus des Buches viel zu viel Raum einnahm. Auch die politischen Essays und eher philosophischen Betrachtungen waren mir zu trocken und hatten mit Berlin höchstens am Rande zu tun. Der Einblick in das Emigrantenleben war teilweise interessant, brachte aber auch vieles, das jedem, der sich schon mit der Familie Mann beschäftigt hat, mehr als vertraut ist. Hier spielt natürlich die Erwartungshaltung und der individuelle Wissensstand über die Familie eine Rolle – an sich ist es eine gute Idee, das Buch mit diesen biographischen Informationen über die Familie in der Emigration abzuschließen.
Für ein Buch, das sich Klaus Manns Blick auf Berlin widmen möchte, war mir wesentlich zu wenig Berlin enthalten und die zweite Hälfte hat mir weniger gefallen als die wundervolle erste Hälfte. Insgesamt aber ist es eine ausgezeichnete Idee, Klaus Mann durch eine Auswahl seiner eigenen Texte und die prägnanten Einführungen vorzustellen, und man bekommt einen umfassenden Eindruck von seiner Persönlichkeit und seinem Leben bis zur Emigration.

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Veröffentlicht am 11.12.2024

"So lasst mir doch mein junges Leben!"

Frauen gegen Hitler
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Dieses Buch erweckt schon auf den ersten Blick einen ausgezeichneten Eindruck, denn es ist wunderschön gebunden. Das Buchrückenmaterial, das satinartig glänzt, ist ein echter Hingucker und seine kräftige ...

Dieses Buch erweckt schon auf den ersten Blick einen ausgezeichneten Eindruck, denn es ist wunderschön gebunden. Das Buchrückenmaterial, das satinartig glänzt, ist ein echter Hingucker und seine kräftige Farbe setzt sich im Titel und der Namensliste auf der Rückseite fort. Sehr gelungen – die Einbandgestaltung ist schnörkellos, klar und doch auffallend.
Innen ist das Buch wesentlich schlichter. Abbildungen fehlen leider komplett – ein kleines Foto jeder der Frauen hätte ich sehr ansprechend gefunden, damit man zum Namen auch ein Gesicht hat.
Auf den ersten knapp vierzig Seiten findet sich eine Einführung, welche die verschiedenen Widerstandsgruppen, aber auch die unterschiedlichen Arten, auf denen Menschen während der Nazi-Diktatur Widerstand geleistet haben, darstellt. Das ist übersichtlich und informativ, wenn auch – wie später einige der Kapitel über die jeweiligen Frauen – gelegentlich etwas aufzählend, auch wird manches aus den einzelnen Kapiteln hier schon erwähnt, auch in den Kapiteln doppelt sich mehreres. Somit eignet sich das Buch aber eben auch dafür, nur einzelne Kapitel zu lesen. Jede der Frauenbiographien steht hier für sich und was sich beim kontinuierlichen Lesen als Wiederholung darstellt, hilft beim Lesen ausgewählter Kapitel natürlich, wesentliche Zusammenhänge zu erklären.
Mir hat sowohl im Vorwort wie auch bei der Berücksichtigung der einzelnen Frauen gefallen, daß Wert darauf gelegt wurde, jene zu würdigen, die schon fast vergessen wurden oder deren Namen uns gar nicht bekannt sind, weil sie ihre Aktivitäten auch nach dem Krieg nie erwähnten. So findet sich unter den 52 (nicht wie im Klappentext erwähnt 50) kapitelweise vorgestellten Frauen eine enorme Bandbreite, sowohl was Herkunft und Bekanntheitsgrad wie auch Tätigkeiten im Widerstand angeht. Sehr schön, daß hier auch einige der wenig Bekannten oder gar Vergessenen gewürdigt werden, und daß auch gezeigt wird, auf welch vielfältige Weise Widerstand ausgeübt wurde. Allerdings erschien mir u.a. Marlene Dietrich hier etwas fehl am Platz, insbesondere wenn man den Klappentext bedenkt („… die sich unter Lebensgefahr in Untergrundorganisationen engagierten, Verfolgte versteckten oder ihnen zur Flucht verhalfen, Flugblätter verteilten oder Treffpunkte organisierten.“).
Die einzelnen Kapitel sind sehr kurz, meistens nur zwei oder drei (kleinformatige) Seiten lang. Diese Seiten enthalten viele Informationen, aber oft war mir das zu knapp. Die drei Schwestern Hammerstein werden in einem Kapitel behandelt und bekommen insgesamt nur vier Seiten, dabei merkt man beim Lesen, wie viel hier noch zu erzählen gewesen wäre. Dem Buch hätten zwanzig, dreißig Seiten mehr gut getan, denn während sehr gut berichtet wird, was die jeweilige Person getan hat (und wie grausam viele von ihnen dafür verfolgt und gequält wurden), fehlt meistens Weitergehendes. Wir lernen die Handlungen kennen, aber nur selten die Menschen dahinter. Das liegt in manchen Fällen daran, daß nicht viele Informationen zur Verfügung stehen, oft aber auch an dem sehr knappen Format. Auch gab es immer wieder Informationen, die Fragen aufwerfen oder zusätzlicher Informationen bedürfen, welche in zwei, drei erklärenden Sätzen hätten eingefügt werden können. So mußte ich online danach suchen. Das fand ich etwas enttäuschend. Sehr schön fand ich dagegen die vielen Zitate der Frauen oder ihres Umfelds, welche mehr Leben und eine persönliche Note in die Texte brachten.
Insgesamt ist das Buch als Nachschlagewerk und zur ersten Information gut gelungen. Obwohl ich mich mit der Thematik schon vorher eingehend beschäftigt habe, habe ich hier noch viele neue Informationen erfahren und fand mir Bekanntes gut geschildert. Auch die abscheuliche Grausamkeit, mit der das verbrecherische Naziregime Menschen verfolgte, kommt hier schmerzhaft deutlich hervor. Oft genug war ich beim Lesen beklommen. Gut fand ich auch, daß z.B. bei Hilde Benjamin oder Elfriede Paul erwähnt wird, daß diese sich zwar mutig gegen die Nazi-Diktatur auflehnten, sich nach dem Krieg aber einer anderen Diktatur andienten.
Gerade in heutigen Zeiten, in denen rechte Parteien und Strömungen verharmlost werden, ist ein solches Buch wichtig, das daran erinnert, wohin es führen kann, wenn man die Warnzeichen übersieht, und das jene würdigt, die solch unglaublichen Mut aufbrachten, sich gegen eine mörderische, menschenverachtende Diktatur zu stellen. „Frauen gegen Hitler“ ist eine zwar oft etwas zu knapp gehaltene, aber doch bemerkenswerte Zusammenstellung von ebenso bemerkenswerten Frauen.

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Veröffentlicht am 26.10.2024

Farbig und detailreich geschilderter Blick auf die frühen Jahre Chanels

Coco und die Revolution der Mode
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In „Coco“ folgen wir dem Zeitraum zwischen 1895 und etwa der Mitte des Ersten Weltkriegs und begleiten Gabrielle Chanel so durch ihre Jugend und auf dem Weg bis zu ihrem Durchbruch. Während ich viele Bände ...

In „Coco“ folgen wir dem Zeitraum zwischen 1895 und etwa der Mitte des Ersten Weltkriegs und begleiten Gabrielle Chanel so durch ihre Jugend und auf dem Weg bis zu ihrem Durchbruch. Während ich viele Bände dieser kitschig betitelten Reihe „Mutige Frauen zwischen Kunst und Liebe“ schon nach der Leseprobe beiseitelegte, weil sie mir von Schreibstil und Ausrichtung zu flach waren, sprach mich hier der gelungene Schreibstil gleich an. An diesem Stil behielt ich dann auch das ganze Buch über Freude. Er ist leicht lesbar, ohne seicht zu sein, schildert farbig und mit vielen Facetten. Die Autorin hat offensichtlich sorgfältig recherchiert und es gelingt ihr, Hintergrundinformationen gut in die Geschichte einzuweben, ohne Info-Dumping oder belehrende Abschnitte.
Sie schafft es, uns Chanel in ihren jüngeren Jahren gut näherzubringen, wir erfahren, wie einige Inspirationen und Motivationen zustande kamen, wie sie von ihrem Umfeld geprägt wurde. Auch wenn einige der Nebencharaktere, wie z.B. die jüngere Schwester Antoinette, zu blass und eindimensional blieben, ist dieses Umfeld überwiegend ausgezeichnet geschildert. Man sieht die Szenen vor sich und kann sich die Charaktere gut vorstellen.
Gelegentlich wurde es mir etwas zu detailfreudig – gerade das mittlere Drittel enthält vieles, was für die Geschichte nicht nötig ist, und zieht sich sehr. Hier verliert sich das Buch ein wenig in sich selbst und mein Interesse sank hier stark, was durch eine weniger langatmige Erzählweise hätte vermieden werden können.
Ich hätte auch gerne mehr über die spätere Gabrielle Chanel erfahren, aber der hier berichtete Ausschnitt ist für den Fokus auf die Anfänge gut ausgewählt. Die Geschichte endet in einem prägenden Moment; man merkt, ein Abschnitt im Leben Chanels ist beendet, ein ganz neuer beginnt, insofern ist das Ende des Buches stimmig.
Insgesamt ein Buch, in dem ich mir Bekanntes farbig und gelungen umgesetzt fand, und einiges Neue erfuhr, zudem eine unterhaltsame, gut recherchierte Reise durch die Welt Chanels im frühen 20. Jahrhundert machen konnte, das in erfreulichem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 19.10.2024

Stimmungsvolle Englandreise mit Werbeunterbrechung

Velvet Winter
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„Velvet Winter – Wintertage wie Samt und Seide“: ein gelungener Buchtitel, der gleich Assoziationen und Erwartungen weckt. Der herrlich gestaltete Einband paßt ausgezeichnet dazu und greift visuell die ...

„Velvet Winter – Wintertage wie Samt und Seide“: ein gelungener Buchtitel, der gleich Assoziationen und Erwartungen weckt. Der herrlich gestaltete Einband paßt ausgezeichnet dazu und greift visuell die Stimmung der Titelworte auf. Die Gestaltung des Buches ist durchweg wertig und macht den auf den ersten Blick hohen Buchpreis angemessen. Ich war von der Haptik des Einbands ganz hingerissen, auch im Buch erfreuen gute Papierqualität und visuell stilvolle Aufmachung.

Im Buch nimmt die Autorin uns – größtenteils – auf eine Reise nach Oxford und in die Cotswolds mit, der m.E. malerischsten Gegend Englands. Dass sich „alles um (…) Samtstoff“ dreht, wie der Klappentext ankündigt, kann man nicht behaupten, an manchen Stellen wirkt die Velvet-Analogie etwas bemüht und ist letztlich auch gar nötig – als Einleitung und gelegentlicher Akzent hätte das Velvet-Motiv vollauf gereicht, um den Titel zu rechtfertigen. Die Einleitung führt auf angenehme Weise zum Thema Samt und Winter. Auch sonst sind die Texte gut lesbar, abgesehen von dem albernen Kunstwort „Studierende“ und gelegentlichem unnötigem Denglisch. Wir erfahren einiges über die Gegend, ihre Spezialitäten, Hotels, Restaurants o.ä., alles in gefälligem Stil und informativ. Hier habe ich einige Anregungen gefunden.

Insgesamt findet sich im Buch, wie der Klappentext auch ankündigt, eine Mischung aus Rezepten, Fotos und Bastelanregungen, der Großteil der Seiten gebührt den Fotos und Rezepten. Es ist – auch wenn ich mit den Bastelideen nichts anfangen konnte – eine angenehme Mischung, die beim Umblättern zu einem interessanten Wundertüten-Gefühl führt, weil man gespannt ist, was einen als nächstes erwartet. Auch ein paar Zitate sind vorhanden. Wie die Texte ist auch die Gesamtkomposition gefällig, nicht zu tiefgehend, angenehm. Ein Bogen beigelegtes Geschenkpapier trägt zum Wundertütengefühl bei. Man kann hier auf eine unterhaltsame Wohlfühlreise gehen.

Die Fotos überzeugten mich nicht vollständig. Es sind sehr viele herrliche, atmosphärische Bilder dabei, welche die Winterstimmung in den Cotswolds oder das Gemütliche in den Lokalen ausgezeichnet einfangen. Auch die Fotos der Gerichte sind ansprechend. Störend fand ich allerdings die vielen Fotos der Autorin selbst, gerne auch mal eine ganze Seite einnehmend. Ein Motiv von ihr auf einem Zaun wird uns gleich zweimal geboten. Abgesehen davon, dass diese Fotos gestelzt wirken, erschließt sich mir nicht, warum die Autorin sich selbst so häufig als Motiv ins Buch setzte – das wirkt selbstverliebt und entspricht zumindest meinen Erwartungen an ein Buch über die winterlichen Cotswolds nicht. Auch einige der Außenmotive ähnelten sich sehr und ein paar der Fotos fand ich selbst für ein englisches Wintermotiv etwas trist. Ich kenne die Cotswolds sehr gut und hier hätte man leicht etwas mehr erreichen können. Bei einigen der Texte, die Szenen beschreiben, dachte ich bedauernd: „Und warum gibt es davon kein Foto?“
Ein weiterer selbstverliebter und sehr dicker Minuspunkt: am Ende des Buches finden sich sechs Seiten (!) Werbung für das Hotel der Autorin (dies also zusätzlich zu der subtileren Eigenwerbung durch vorherige Fotos der Autorin und ihres Hotels). In ein (noch dazu hochpreisiges) Buch derart umfangreiche Werbung einzufügen, ist stillos und geradezu dreist.

Bei den Rezepten erfreute es mich sehr, daß fast alle vegetarisch waren. Richtig toll, daß hier mal gezeigt wird, wie viel man ohne Fleisch und Fisch machen kann! Es gibt einfache, erwartbare Rezepte wie Porridge, Shortbread- und Sauerteigbrotvariationen, aber auch Unerwartetes und Ungewöhnliches. Eine gute, vielfältige Mischung. Ich habe hier manche Ideen gefunden und werde einiges ausprobieren. Unerfreulich ist allerdings, daß hier dem von mir schon oft monierten Trend gefolgt wird, auf Nährwertangaben zu verzichten. Für manche sind diese Angaben notwendig und wichtig – man tut den Lesern keinen Gefallen damit, sie einfach wegzulassen.
Die Fotos der Gerichte sind nicht immer neben den Rezepten, sondern im Buch verteilt. Hier weisen dann Bildunterschriften darauf hin, um welches Gericht es sich handelt und auf welcher Seite das Rezept steht – das ist gut gemacht und bringt mehr Pfiff hinein.

Auch wenn mich die penetrante Hotelwerbung eher davon abhalten wird, zu weiteren Büchern der Autorin zu greifen, und mich nicht alles überzeugt hat, stellt „Velvet Winter“ eine interessante und erfreulich zu entdeckende Reise durch die Cotswolds da, welche sowohl von den Rezepten als auch von den örtlichen Besonderheiten manch neue Facette für mich eröffnete.

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Veröffentlicht am 25.09.2024

Unterhaltsam und interessant, aber stilistisch nicht ganz überzeugend

Wallis Simpson
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Das Leben der Wallis Simpson und die Geschichte ihres skrupellosen Aufstiegs liefert definitiv das Material für eine interessante Biographie und die Autorin weiß es zu nutzen. Sie beginnt mit farbiger ...

Das Leben der Wallis Simpson und die Geschichte ihres skrupellosen Aufstiegs liefert definitiv das Material für eine interessante Biographie und die Autorin weiß es zu nutzen. Sie beginnt mit farbiger Erzählweise mitten in der Geschichte – Edward hat abgedankt, Wallis wartet auf ihre Scheidungspapiere. Dieser Einstieg, der bis zu den Flitterwochen des Paares geht, zieht sich über mehr als 50 Seiten (und enthält leider auch einige zähe Schilderungen minutiöser Reiseabläufe). Für Leser, die mit der Geschichte noch nicht sonderlich vertraut sind, könnte dieser Einstieg, der Vorwissen voraussetzt, etwas verwirrend sein. Erst nach diesem ersten Viertel des Buches wird dann überwiegend chronologisch erzählt.

Die Erzählweise gefiel mir einerseits gut, denn sie ist flüssig, mit vielen interessanten Details und Hintergrundinformationen versehen. Man kann dieses Buch leicht lesen und es verfügt über eine unterhaltsame Lebhaftigkeit. Allerdings haben mich zwei Aspekte des Erzählstils ganz enorm gestört und mir das Lesevergnügen verleidet. Das ist zum einen die fehlende Objektivität der Autorin. Immer wieder streut sie ihre eigene Meinung auf unangenehme Weise ein, ob nun durch teils geradezu gehässig wirkende Einschübe, eigene Beurteilungen oder kleine Zusätze wie „die versnobte Thelma“. Das liest sich, obwohl ich ihre Meinung in den meisten Punkte teilte, nicht nur unerfreulich, sondern ist auch unprofessionell. Eine fundierte Biographie sollte es den Lesern überlassen, sich selbst ein Urteil zu bilden, und sich durch eine objektive Erzählweise auszeichnen.
Der andere enervierende Aspekt war das ständige Denglisch. Warum die Autorin nicht Prominente, Gastgeberin, Königsfamilie, Geburtstagsfeier etc. schreiben kann, sondern es Celebrity, Hostess, Royal Family, Birthday Party o.ä. heißt, eine Reproduktion zu einer „Fake-Renaissance-Truhe“ wird oder das Brautpaar wie „zwei Outlaws“ dasteht, ist mir ein Rätsel. Das klingt albern und hat etwas von den Büchern dieser Influencer-Häschen, die leider momentan den Markt überschwemmen. Auch Formulierungen wie „… wie Herman, wenn auch nicht ganz so toll“ oder „dem superreichen Eisenbahnerben“ passen eher in ein Teenie- oder Inflencerbuch, aber nicht in eine ernstzunehmende Biographie. Es gab Momente, in denen ich eher ein gewisses Klatschzeitschriftengefühl beim Lesen hatte. Ich habe aus derselben Reihe das Buch „Leopoldine von Habsburg“ gelesen, dessen Autorin es wesentlich besser schafft, sowohl seriös wie auch unterhaltsam zu schreiben.

Vom Informationsgehalt ist das Buch ausgezeichnet, wenn es für meinen Geschmack doch manchmal an der Oberfläche bleibt. Schön ist, daß auch viele Zeitgenossen zitiert werden und zum umfänglichen Eindruck beitragen. Gestört hat mich, daß gelegentlich Behauptungen über Gedanken und Gefühle Wallis Simpsons getroffen wurden, zu denen kein Beleg erfolgte. Gerade bei solchen Aussagen, welche das Innere betreffen, fragt man sich ja, woher diese bekannt sind – Tagebücher, Briefe? Manchmal wird es erwähnt, manchmal aber eben auch nicht, was ich ebenfalls nicht sonderlich seriös finde. Auch hier fällt der Unterschied zum „Leopoldine von Habsburg“-Buch auf, welches 371 Anmerkungen enthält, die Aussagen belegen. Eine solche Anmerkungsliste fehlt hier komplett.

Die Zeit nach der Hochzeit wird leider eher summarisch abgehandelt, aber auch hier erfährt man viel Interessantes und sieht während der Kriegsjahre eine andere, unerwartete Seite von Wallis Simpson. Insgesamt vermittelt das Buch einen lebhaften und umfassenden Eindruck dieser Frau.

Die Ausstattung ist erfreulich, auch wenn ich die grellen Farben, in denen diese Buchreihe gehalten ist, persönlich überhaupt nicht mag. Ein herrlich fester Bucheinband und eine schlichte, aber durchdachte innere Gestaltung können überzeugen, auch sind die zahlreichen Fotografien erfreulich. Auch wenn das Buch hinsichtlich Anspruch und Schreibstil m.M.n. gegenüber dem „Leopoldine von Habsburg“-Buch abfällt und es ihm leider etwas an Sachlichkeit mangelt, bietet es doch einen unterhaltsamen und informativen Blick auf Wallis Simpson, Edward VIII und ihre Geschichte.

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