Authentische Charaktere, aber zu wenig Entwicklung
ElternhausUte Mank ist mit “Elternhaus” ein eindringliches Familienporträt gelungen. Denkt man zunächst, es ginge vordergründig um die Eltern und den Verkauf des Hauses, belehrt die Autorin einen schnell eines Besseren: ...
Ute Mank ist mit “Elternhaus” ein eindringliches Familienporträt gelungen. Denkt man zunächst, es ginge vordergründig um die Eltern und den Verkauf des Hauses, belehrt die Autorin einen schnell eines Besseren: Der ganze Roman dreht sich um die beiden älteren Schwestern Sanne und Petra, die kaum ein gegensätzlicheres Leben führen könnten. Die jüngste Schwester Gitti spielt ebenfalls eine wichtige Rolle, bekommt aber leider sehr wenig Aufmerksamkeit.
Die Erzählung wechselt zwischen der Gegenwart und Erinnerungen an die Kindheit, die sich alle in besagtem Elternhaus abspielen. Mal sind sie nostalgisch, mal schmerzlich.
Schnell wird deutlich, dass die drei Schwestern seit frühester Kindheit feste Rollen einnehmen mussten und diese bis ins Erwachsenenalter beibehalten haben. Schon früh begann unter den Dreien ein Konkurrenzkampf. Schade fand ich, dass nicht wirklich deutlich wurde, was diesen hervorgerufen hat. Er gipfelt dann darin, dass die Schwestern als Erwachsene so gut wie keinen Kontakt mehr haben. Wie dieser Bruch zustande kam, wird auch nicht beschrieben.
Bei allen Frauen haben sich über die Jahrzehnte Gefühle angestaut, sodass der große Konflikt, der sie alle wieder zusammenbringt - der Verkauf des Elternhauses - eigentlich in einem riesigen Knall hätte enden müssen. Aber es gab keine Aussprache, keinen Streit, sondern genau wie die Jahre zuvor nur Schweigen.
Ute Mank hat mich mit ihrem Schreibstil und den facettenreichen, authentisch dargestellten Figuren absolut gefesselt - nur leider gab es mir insgesamt zu wenige Antworten, zu wenig Entwicklung bei den Protagonistinnen. ⭐️3,5/5⭐️