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Veröffentlicht am 01.02.2025

Abenteuer Zeitreise

Shadow of Night - Wo die Nacht beginnt
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Die „All Souls“-Buchreihe, die von der Liebe zwischen einer Hexe und einem Vampir handelt, wurde neu aufgelegt und dies ist der zweite Band.

Die Gestaltung des Buches in Grün- und Goldtönen ist wieder ...

Die „All Souls“-Buchreihe, die von der Liebe zwischen einer Hexe und einem Vampir handelt, wurde neu aufgelegt und dies ist der zweite Band.

Die Gestaltung des Buches in Grün- und Goldtönen ist wieder gut gelungen und macht es zu einem Eyecatcher im Bücherregal.

Um das Rätsel des geheimnisvollen Manuskripts Ashmole 782 zu lösen, machen Diana und Matthew eine Zeitreise ins historische London zur Zeit der Regentschaft Elisabeth der Ersten, auch das Elisabethanische Zeitalter genannt.

Obwohl Diana sich als Historikerin mit der Zeit auskennt, wird schnell klar, dass es doch etwas anderes ist, sich tatsächlich in der Zeit aufzuhalten.

Matthew und Diana sind in einer Welt voller Machtspiele, Intrigen und Spione gelandet. Zum Glück gibt es im Anhang ein Personenverzeichnis, so war es für mich kein Problem, dem Geschehen zu folgen.

Die Geheimnisse betreffen auch Matthew, denn er hat zu der Zeit bereits gelebt. Gerade Diana muss ihren Weg finden, damit zurecht zu kommen. Aber auch Charaktere aus Dianas Vergangenheit werden vorgestellt.

Vor allem die Hexen, die sie trifft, können ihr enorm helfen. Sie helfen ihr zu sich selbst zu finden und zeigen ihr, wie sie ihre Magie richtig einsetzt.

Durch die phantastische Atmosphäre fliegt man nur so durch die 800 Seiten. Der Schreibstil von Deborah Harkness ist sehr besonders und dass sie sich Zeit für die Geschichte nimmt und sich nicht vor ausführlichen Beschreibungen scheut, hat zur Folge, dass man sich besonders mit der Geschichte verbunden fühlt. Ich habe diese Detailbeschreibungen nicht als Längen wahrgenommen.

Das Zeitreise-Paradoxon hat mir manchmal Knoten im Kopf beschert, mir aber nicht den Spaß am Lesen genommen.

Für mich ist das Buch absolut lesenswert und ein Muss für Fantasy-Leser*innen. Ich vergeben 5/5 Sternen und freue mich auf den dritten Band der Reihe.

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Veröffentlicht am 17.01.2025

Wissenschaft muss nicht langweilig sein.

Liebe, Sex und Erblichkeit
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Starten wir gleich mit einem Sachbuch-Highlight für dieses Jahr: „Liebe, Sex & Erblichkeit“ von Jasmin Schreiber und Lorenz Adlung.

Das Biologinnen-Ehepaar widmet sich in dem Buch, von dem sie selbst ...

Starten wir gleich mit einem Sachbuch-Highlight für dieses Jahr: „Liebe, Sex & Erblichkeit“ von Jasmin Schreiber und Lorenz Adlung.

Das Biologinnen-Ehepaar widmet sich in dem Buch, von dem sie selbst sagen, dass es ein Lesebuch und kein Fachbuch ist, den wirklich wichtigen Fragen: Wie prägt die Liebe das Leben auf unserem Planeten? Wie treibt Sex unsere Evolution an und wie bestimmt die Vererbung unsere Identität und unser Schicksal?

Dabei richten sie den Blick auf das scheinbar Unscheinbare und genau dort öffnet sich den Leser
innen eine neue Welt voll mit kuriosen, faszinierenden und vielfältigen Geschichten aus der Tier- und Menschenwelt. Die Faszination der Autorinnen ist dabei spürbar und ansteckend. Sie erzählen das Buch abwechselnd, sichtbar durch das jeweilige Bild am Anfang eines Kapitels.

Das Buch handelt zum Beispiel von dem ausgefallenen Balzritual der Springspinne, der extremen Fortpflanzungsstrategie der Stuart-Breitfußbeutelmaus, und der ganz speziellen Bindung der Tiefsee-Anglerfische. Aber auch verstörendes Verhalten, wie zum Beispiel sexuelle Gewalt im Tierreich werden erwähnt. Manchmal werden Gründe aus evolutionstechnischer Sicht betrachtet, außerdem werden biochemische Prozesse unter die Lupe genommen und Anekdoten aus der Sexualforschung betrachtet. Besonders die Kapitel über Chromosomen und Endometriose haben mir sehr gefallen.

Der Sprachstil ist locker und schon an den Kapitelüberschriften kann man einen gewissen Humor ableiten.

Erwähnenswert sind auch die Illustrationen im Buch, allesamt angefertigt von der Autorin selbst. Das macht das Buch definitiv zu etwas Besonderem und wertet es optisch auf.

Das Autor
innen-Duo schafft außerdem einen persönlichen Kontext, der mich berührt konnte.

Fazit: „Liebe, Sex und Erblichkeit“ lenkt den Blick auf kuriose und faszinierende Fakten unserer Welt. Aufgepeppt mit schönen Illustrationen und dem witzigen Sprachstil ist es ein Genuss für Jedermann (und -frau), den Geheimnissen der Evolution auf den Grund zu gehen. 5/5 Sternen

Geheimtipp: Wer mehr Input der beiden haben möchte, der lausche dem Podcast Bugtales.fm!

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Veröffentlicht am 12.11.2024

Highlight!

Queen of Thieves and Shadows
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Aus Neugier griff ich zu „Queen of Thieves and Shadows“ — nicht ahnend, welches Highlight ich in den Händen hielt.

Tagsüber ist die 24-jährige Elaine die Heilerin in Diensten des Königs Kieran, nachts ...

Aus Neugier griff ich zu „Queen of Thieves and Shadows“ — nicht ahnend, welches Highlight ich in den Händen hielt.

Tagsüber ist die 24-jährige Elaine die Heilerin in Diensten des Königs Kieran, nachts führt sie eine Gruppe von Räuberinnen an, die das Blut der Göttin Danu in sich tragen und vom König bekämpft werden, den sogenannten Túatha Dé Danann. Ihr Ziel ist es, Danu auf den Thron zurückzubringen und dadurch den Winter zu beenden, der seit ihrem Sturz herrscht. Wird der König ihr falsches Spiel durchschauen?

Von Anfang an war ich fasziniert von der Geschichte, die von einer weiblichen Robin Hood gepaart mit irischer Mythologie vor mittelalterlicher Kulisse erzählt.

Im Anhang ist ein Glossar zu finden — ich habe es aber nicht gebraucht, denn die Autorin schafft es, die magische Welt im Text zu erklären.

Besonders die Protagonistin hat mir gefallen: Elaine ist ein starker Charakter, steht für Gerechtigkeit ein und scheut nicht vor blutigen Auseinandersetzungen zurück. Sie weiß mit Pfeil und Bogen umzugehen, ist stark, taff und loyal. Sie hat ein großes Herz und gegenüber Schwachen kommt ihre Sanftmut zutage.

Nur dass Elaine und Kieran sich näher kommen, konnte ich voraussehen — das lässt sich aus dem Klappentext ableiten. Hier haben wir das typische „was sich liebt, das neckt sich“-Spiel, auch genannt „enemies to lovers“, und das hat mir beim Lesen viel Freude bereitet.

Alle anderen Wendungen waren eine absolute Überraschung für mich und gipfeln in einer herzberührenden Tragik, die das Buch für mich zu einem Highlight werden lassen.

Erwähnenswert ist auch, dass das Buch ein Einzelband ist. So viel Handlung und Gefühl in ein einziges Buch zu packen, schaffen nicht viele Fantasy-Autoren.

Selbst der angekündigte „Spice“ wirkte nicht aufgesetzt oder fehl am Platz, sondern fügte sich stimmig ein.

Das Buch „Queen of Thieves and Shadows“ besticht durch seine Andersartigkeit und ich spreche eine volle Leseempfehlung für dieses Highlight aus: 5*/5 Sternen.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Absolut lesenswert!

Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne
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Der vieldekorierte Schriftsteller Saša Stanišić hat mit „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ einen Roman geschrieben, der sich trotz ...

Der vieldekorierte Schriftsteller Saša Stanišić hat mit „Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ einen Roman geschrieben, der sich trotz seines tiefgründigen Themas durch große Leichtigkeit auszeichnet.

Der womöglich längste Buchtitel aller Zeiten, zumindest in meinem Bücherregal, hat direkt meine Aufmerksamkeit geweckt, ebenso wie das Retro-Cover mit gezeichneten Motiven zu Helgoland. Da mir die deutsche Hochseeinsel in diesem Jahr schon mehrfach zufällig begegnet ist, hatte ich sofort eine Verbindung zum Buch, noch bevor ich die erste Seite gelesen hatte.

Das Buch hat einen ganz eigenen Stil — und eigentlich nicht nur einen. Wenn Saša Stanišić aus der Ich-Perspektive schreibt, unterscheidet sich der Stil merklich von den übrigen Protagonisten, die in den einzelnen Geschichten beschrieben und am Ende zusammengeführt werden. Seine aufmerksame, den Menschen zugewandte Beobachtungsgabe mit der Fähigkeit, auf leichte Art und Weise zu beschreiben und zu kommentieren, ohne zu kritisieren oder die Menschen bloßzustellen, hat mir sehr gut gefallen.

„Möchte die Witwe angesprochen werden, platziert sie auf dem Grab die Gießkanne mit dem Ausguss nach vorne“ ist für mich echte Literatur und während der Lektüre dachte ich mehrfach, das es einen Preis verdient hätte (und wie ich dann erfuhr, auch erhalten hat — den mit 30.000 Euro dotierten Wilhelm Raabe-Literaturpreis 2024).

Wie würde unser Leben verlaufen, wenn wir diese oder jene Entscheidung anders getroffen hätten? Und was wäre, wenn es eine Preview-Funktion gäbe und wir könnten nach einem Blick in die Glaskugel entscheiden, welche Zukunft wir gerne erleben würden? An Beispielen wie der Reinigungskraft Dilek, dem Justiziar und Vater Georg oder der Witwe Gisel (die mit der Gießkanne) sowie aus seiner Ich-Perspektive nimmt uns Saša Stanišić mit in verschiedene Leben und Szenarien, die zum Mitfühlen, Lachen und Nachdenken einladen. Auf die beschriebene leichte Weise verbindet Stanišić dabei auch gesellschaftskritische Themen, ohne den Zeigefinger zu erheben.

Ich habe das Buch sehr genossen und kann es uneingeschränkt empfehlen — da kann es nur 5/5 Sternen geben.

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Veröffentlicht am 25.10.2024

Ein Plädoyer für weibliche Selbstbestimmung und Aufklärung über Autismus

Strong Female Character
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Die Autorin Fern Brady ist eine Comedienne und in Großbritannien keine Unbekannte. Doch sie hatte es als Frau, Schottin und autistische Person alles andere als leicht in ihrem Leben. In „Strong Female ...

Die Autorin Fern Brady ist eine Comedienne und in Großbritannien keine Unbekannte. Doch sie hatte es als Frau, Schottin und autistische Person alles andere als leicht in ihrem Leben. In „Strong Female Character“ berichtet sie auf lustige und scharfsinnige Weise über ihren Weg und hat mich mit ihrer schonungslosen Berichterstattung komplett eingenommen.

Bei Fern Brady wurde der Autismus erst mit 34 Jahren diagnostiziert. Dabei hatte sie es schon länger geahnt. Vor allem wusste sie schon früh, dass sie anders war.

Weibliche Autistinnen werden später oder gar nicht erkannt, denn viele Verhaltensmuster werden einfach als typisch weiblich abgetan, wie zum Beispiel Fleiß. Mich hat das unheimlich wütend gemacht.

Autistische Frauen sind unangepasst, machen unpassende Bemerkungen, sagen unverblümt die Wahrheit und haben einen ausgeprägten Gerechtigkeitssinn. Manche gelten deswegen als Vorreiterinnen im Feminismus.

In dem Buch berichtet die Autorin von ihren Erlebnissen ihrer Kindertage bis hin zum Erwachsenenalter über ihre für neurotypische Menschen ungewöhnlichen Verhaltensweisen.

Vieles hat mich erschüttert und auch nachdenklich gestimmt. Ich habe regelrecht mitgelitten und konnte mich einfühlen.

Sie klärt über autistische Besonderheiten auf, zum Beispiel die sogenannten Melt Downs, die eine Art Überlastung des Nervensystems sind, und in Folge dieser ganze Wohnungseinrichtungen zertrümmert werden können.

Die Gesellschaft übt starken Druck aus, damit Autist:innen ihre Verhaltensweisen hassen. Gerade in ihrem stark katholisch geprägten Umfeld findet sie wenig Verständnis bei Familie und Bekannten für ihre Frühreife, ihren lockeren Umgang mit Sex und ihren Job als Stripperin.

Ich habe das Buch in einem Rutsch gelesen, es hat mich zeitgleich fasziniert und betroffen gemacht und am Ende habe ich nur Bewunderung übrig.

„Strong Female Character“ ist ein Plädoyer für weibliche Selbstbestimmung und ein mutiges Aufklärungsbuch über Autismus. Ganz klar 5/5 Sternen und eine große Leseempfehlung!

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