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Veröffentlicht am 19.11.2024

Mittleres Mädchen

Dorf ohne Franz
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Als mittleres von drei Kindern und einziges Mädchen fehlt Maria von Anfang an die Liebe ihrer Eltern. Während der Vater den älteren Josef fördert, ist Nesthäkchen Franz der Liebling der Mutter. Maria indes ...

Als mittleres von drei Kindern und einziges Mädchen fehlt Maria von Anfang an die Liebe ihrer Eltern. Während der Vater den älteren Josef fördert, ist Nesthäkchen Franz der Liebling der Mutter. Maria indes muss stets fleißig zupacken am elterlichen Hof und auch später als Erwachsene alle Rollen als Ehefrau, Mutter, Hilfsarbeiterin und Altenpflegerin ausfüllen. Gibt es in einem österreichischen Dorf in den 1960ern tatsächlich keine andere Perspektive?

Titelbild und Klappentext laden ein auf spannende Erinnerungen der Ich-Erzählerin. Was den Leser dann tatsächlich erwartet, ist jedoch ein wenig ernüchternd. Maria sitzt in der Kirchenbank und sieht den Herrn am Kreuz an, hadert wohl mit ihrem Schicksal, fügt sich diesem aber im nächsten Moment klaglos, um wenig später eine Entscheidung zu treffen. Wie es dazu kommt, das erfährt man sogleich anhand einer monologähnlichen Schilderung der vergangenen Jahrzehnte. Maria berichtet über ihre Kindheit, das Gefühl, neben den Brüdern „übersehen“ worden zu sein, die List, sie vom Erbe auszuschließen mittels untergejubelter Verzichtserklärung, sodass sie wie selbstverständlich immer nur wie eine Magd für alle anderen zu funktionieren hat.

Verena Dolovais Erzählstil ist knapp und karg, spiegelt Marias Leben wohl sehr gut wider. Direkte Reden sind selten und in Kursivschrift nahtlos in den Text eingebettet, sodass sie sich unauffällig in den nüchternen Text einfügen anstelle für Lebendigkeit zu sorgen. Charaktere und ein enges Dorf als Schauplatz sind einerseits gut dargestellt, rufen aber beim Lesen keinerlei Gefühlsregung bei mir hervor. So bleibt mir Marias Tun über die gesamte Geschichte hin fremd und auch die Wende, welche die Handlung am Ende nimmt, gleicht einer Illusion und überzeugt mich nicht so recht.

Fazit: ein interessantes Thema, das auf besondere stilistische Weise aufgegriffen wird, aber für mich kaum Nähe zu den Geschehnissen zulässt. Drei von fünf Sternen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 31.10.2024

Blumen und Intrigen

Der Ruf des schwimmenden Gartens
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Richard Hauenstein ist geschäftlich in Bremen unterwegs und trifft unter anderem die junge Lungenfachärztin Sophie Schultheiß. Diese wird im Jahre 1914 unter der männlichen Kollegenschaft nicht richtig ...

Richard Hauenstein ist geschäftlich in Bremen unterwegs und trifft unter anderem die junge Lungenfachärztin Sophie Schultheiß. Diese wird im Jahre 1914 unter der männlichen Kollegenschaft nicht richtig ernst genommen, obwohl sie in renommierten Kliniken ausgebildet worden ist und zudem über wertvolle Kenntnisse in Homöopathie und Naturheilkunde verfügt. Kurzerhand lässt sie sich darauf ein, mit Richard nach Madeira zu reisen, um im dortigen neu errichteten deutschen Krankenhaus eine Abteilung zu leiten. Dieses ist aber aus unerfindlichen Gründen noch weit davon entfernt, bald den Betrieb aufzunehmen. Während Sophie also als Überbrückung Land und Leute kennenlernen möchte, trifft Richards Bruder Ludwig auf der Insel ein und lässt ihr Herz höher schlagen.

Eine von Idealismus geprägte junge Frau begegnet uns schon auf den ersten Seiten im Buch, alsdann reisen wir mit dem Schiff Richtung Blumeninsel und dürfen uns an der Pracht und Vielfalt der hiesigen Natur erfreuen. Die Handlung selbst ist interessant, aber doch an etlichen Stellen etwas langatmig, sodass der Lesefluss bisweilen ins Stocken gerät und keine rechte Spannung aufkommen lässt. Bestechend hingegen ist die Wendung, welche diese Geschichte auf Madeira nimmt, diese hätte ich so keinesfalls vermutet, aber auch da fehlen tiefergehende Details, der vergleichsweise aufregende Schluss kommt daher fast überfallsartig. Was mir gut gefallen hat, sind die Charaktere, welche Tara Haigh sehr glaubwürdig darstellt und somit immer wieder lebendige Momente und Dialoge erschafft.

Ein sympathischer Blick auf die prächtige Blumeninsel, welcher Neugierde weckt und einen bezaubernden Urlaub im Kopf entstehen lässt, dazu eine Handlung, angelehnt an wahre Ereignisse Anfang des 20. Jahrhunderts.

Veröffentlicht am 28.09.2024

Desertiert

Und später für immer
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Frühling 1945, Johann Meinert ist bei der Fliegerstaffel im Zweiten Weltkrieg und desertiert, um mehrere Wochen in einem Heuschober bei der Tante unterzukommen und dann weiter nach Hause zu eilen, zu seiner ...

Frühling 1945, Johann Meinert ist bei der Fliegerstaffel im Zweiten Weltkrieg und desertiert, um mehrere Wochen in einem Heuschober bei der Tante unterzukommen und dann weiter nach Hause zu eilen, zu seiner Frau Emmy und dem Kind, das er noch gar nicht gesehen hat.

Knapp, ja wortkarg, geht es zu in den extrem kurzen Kapiteln. Auch sind diese nicht chronologisch geordnet, sondern springen flott hin und her zwischen den Szenen im Heuschober und jenen davor, im Kriegseinsatz. Dadurch ist es für den Leser mitunter schwierig, richtig in der Geschichte anzukommen und ins Geschehen einzutauchen. Dennoch kann ich die Wahl dieses nüchternen, abgehackten Schreibstils gut verstehen, sind doch auch die Notizen des der Handlung zugrundeliegenden Tagebuchs stark reduziert und spiegelt das Ganze somit auch den angsterfüllten Tag sowohl im Kriegseinsatz als auch am Heuboden wider. Am Ende von Kapitel 6 bin ich kurz einmal schockiert, aber hier ist das Buch noch nicht zu Ende! Leider bleiben – aus meiner Sicht – die Emotionen zu schwach, die Figuren bräuchten mehr Farbe, so bleibt alles etwas nebulös, auch wenn man Johanns Motivation zum Überleben natürlich erkennen kann.

Ein weiteres Buch über Krieg und Liebe, das mehr Gefühle vertragen hätte, trotz allem aber zum Verständnis der damals handelnden Personen beiträgt.

Veröffentlicht am 15.09.2024

Eigene Familiengeschichte

Hortensientage
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Ela hat eine ganz besondere Beziehung zu ihrer Oma Lisa und besucht die 87jährige mindestens jeden Mittwoch im Pensionistenwohnheim. Omas oft erzählte Geschichten von früher sind immer noch spannend und ...

Ela hat eine ganz besondere Beziehung zu ihrer Oma Lisa und besucht die 87jährige mindestens jeden Mittwoch im Pensionistenwohnheim. Omas oft erzählte Geschichten von früher sind immer noch spannend und möglicherweise inspirieren sie Schriftstellerin Ela ja für ihren angedachten großen Liebesroman. Dafür will die Enkelin aber auch von weniger schönen Tagen hören, beispielsweise von Opa Werners Kriegsgefangenschaft in England.

Das Seniorenheim, Lisa und Ela bilden eine schöne Rahmenhandlung für Omas Erinnerungen, zwischendurch eingestreut wird das Leben von Oma Lisa und Opa Werner erzählt. Ela, die zwar Manuela (Inusa) heißt, aber kaum so genannt wird, beschreibt die Dinge aus ihrer Sicht in der Ich-Form und lässt die starke Nähe zu ihrer Oma auch im Buch deutlich spürbar werden. Das enge Band zwischen den beiden ist der rote Faden durch den Roman, das stets im Mittelpunkt steht und einen als Leser zu rühren vermag. Weniger gut gefallen mir Elas oftmals wiederholte Einwürfe, dass sie keinen großen Liebesroman zustande bringt, und wenn doch, gewiss keinen Verlag dafür finden wird. Einmal, vielleicht zweimal diese Befürchtung darzulegen, wäre völlig in Ordnung gewesen, die gebetsmühlenartige Wiederholung jedoch wirkt auf mich eher lästig. Ähnlich verhält es sich mit Elas Vater, der mitkommt und von Ela mit Nudeln bewirtet wird und mit dem Tagesablauf im Heim, der minutiös geschildert wird und sich im Kreise dreht. Die angekündigte „bewegende und außergewöhnliche Geschichte ihrer Großeltern Lisa und Werner“ (Verlagsinformation) rückt dadurch leider (zu) sehr in den Hintergrund.

Manuela Inusa erzählt interessante Dinge aus ihrer eigenen Familie, gibt viel Persönliches preis, dennoch habe ich mir hier mehr erwartet, mehr berührende Szenen aus der bewegten Vergangenheit ihrer Großmutter Lisa. Die Idee zum Buch gefällt mir wirklich gut, richtig berühren konnte es mich aber letztendlich nicht. Drei Sterne.

Veröffentlicht am 05.09.2024

Bewegtes Leben

Genau so, wie es immer war
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Julia Ames ist seit über 30 Jahren mit ihrem Mann Mark zusammen, zwei erwachsene Kinder gehören zum Familienglück. Doch nach einer unerwarteten Nachricht von Sohn Ben und Tochter Julias Plan, fürs College ...

Julia Ames ist seit über 30 Jahren mit ihrem Mann Mark zusammen, zwei erwachsene Kinder gehören zum Familienglück. Doch nach einer unerwarteten Nachricht von Sohn Ben und Tochter Julias Plan, fürs College auszuziehen, fühlt sich Julia alleingelassen und leer. Wir blicken zurück auf ihr bisheriges Leben und das Gefühl von Familie.

Erzählt wird diese ausführliche Geschichte aus dem Blickwinkel von Julia, aber nicht in der Ich-Form, sondern mittels auktorialer Erzählweise. Wir steigen ein im Jetzt, wechseln aber sehr häufig, teils als Erinnerung Julias, teils als Rückblende ohne Ankündigung, zu unterschiedlichen früheren Ereignissen, wobei man nicht selten während der ersten Zeilen eines neuen Kapitels überlegen muss, zu welchem Zeitpunkt die Szene denn angesiedelt ist. So springen wir kreuz und quer durch Julias Leben und erfahren nach und nach, warum es ihr gerade so geht, wie es eben zu lesen ist. Berührende Momente, andere, welche eher verwundern, aber mitunter auch solche, die einem ein Schmunzeln ins Gesicht zaubern, werden da präsentiert. Man fühlt sich schnell mitten in einem Leben, das tatsächlich so abgelaufen sein könnte, und doch wirkt die Geschichte aufgrund vieler Seitenstränge und Ausschweifungen dann nicht ganz so stimmig und flüssig, wie sie sein könnte.

Interessant, aber an vielen Punkten zu langatmig. Drei Sterne.