Eine Liebe in Zeiten der Wikinger
Yrsa. Die Liebe der WikingerinIch habe das Buch im Rahmen einer Premiere vorab zum Lesen erhalten. Dies nimmt keinerlei Einfluss auf meine Bewertung.
Yrsa, eine junge Kämpferin, ist am Ziel ihrer Träume: Sie darf endlich auf víking ...
Ich habe das Buch im Rahmen einer Premiere vorab zum Lesen erhalten. Dies nimmt keinerlei Einfluss auf meine Bewertung.
Yrsa, eine junge Kämpferin, ist am Ziel ihrer Träume: Sie darf endlich auf víking gehen.
Dabei ist sie, für viele der anderen unerwünscht, die einzige Frau in der Mannschaft und muss sich den Regeln des Anführers und der Gruppe unterordnen – und ihre Liebesbeziehung zu Avidh beenden.
Doch die Reise wird nicht nur eine Herausforderung für ihre Kampfkünste – viel mehr eine Erfahrung, welches Ziel Yrsa wirklich am wichtigsten ist – auf einer Reise zu sich selbst.
Das historische Setting ist aufwendig recherchiert und bildet den passenden Hintergrund für die Story. Aus dieser Zeit gibt es kaum schriftliche Quellen im nordgermanischen Bereich, das meiste ist aus späterer Zeit und/oder aus ausländischen Quellen überliefert, und heute ist es schwierig, zu sagen, was im Einzelnen den Tatsachen entsprochen hat und was nicht. Archäologische Funde tragen einen Teil zur Aufklärung bei, jedoch muss bei einer Geschichte über Wikinger immer ein gewisses Maß an Fiktion hinzugefügt werden, damit keinen Lücken im Gesamtbild entstehen. Tatsächlich deuten Ausgrabungsfunde darauf in, dass es z. B. wohl auch weibliche Wikinger (oder zumindest Kriegerinnen) gab, ein spannender, häufig übersehener Aspekt.
Der Autorin ist diese Integration von fiktiven Inhalten in ihrer Umsetzung gut gelungen.
Yrsa und Avidh, die Hauptfiguren, wie auch die weiteren Charaktere sind gut ausgearbeitet und entwickeln sich während der Reise. Die Handlung ist (mit wenigen kleinen Längen und Vorhersehbarkeiten) spannend bis zum Schluss. Für meinen Geschmack hätten die Kämpfe, die ja einen elementaren Bestandteil der Raubzüge und Überfälle darstellen, etwas detaillierter geschildert werden können; dafür überwog für mich die Liebesgeschichte etwas zu arg. Auch auf den Spice hätte ich persönlich gut verzichten können.
Sehr positiv fand ich das beigefügte Nachwort der Autorin, die sich wirklich viel Mühe bei den Recherchen gegeben hat!
Leider gab es auch ein paar wenige Punkte, die mich persönlich im Lesefluss etwas gestört haben.
Zum einen war mir zunächst nicht klar, dass es sich um einen zweiten Band handelt – zwar kann man diesen Teil auch für sich allein lesen, allerdings nehmen am Anfang die stückchenweise präsentierten, teilweise wiederholenden Verweise, Rückblenden und Erklärungen auf Band 1 meinem Empfinden nach etwas Überhand und der Beginn der Handlung des zweiten Bandes zieht sich damit etwas hinaus und wird immer wieder unterbrochen.
Ich weiß auch nicht, ob es daran liegt, dass im Prinzip der erste Band darauf hinarbeitet und mir deshalb die Erklärung für den inneren Prozess und die Motivation von Yrsa fehlen, da ich diesen nicht gelesen habe, aber mir fiel anfangs sehr schwer, nachzuvollziehen, warum Yrsa denn unbedingt Wikingerin sein will und dafür auch noch ihre Beziehung aufgibt, obwohl es sie und ihren Geliebten offensichtlich verletzt. Nur für einen Kindheitstraum? Aus Trotz? Wie realistisch ist das als ausreichender Motivator für eine junge Frau? Wobei sich natürlich Yrsas Einstellung während der Reise noch ändert, aber trotzdem ist das ja der Startpunkt für den zweiten Band.
Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich Yrsa in dieser Hinsicht sehr an (die jüngere) Thorgil aus „Sea of Trolls“ erinnert hat, die sich ebenso trotzig und verbissen unter den männlichen Wikingern zu beweisen sucht. Vielleicht hat mich aber diese Assoziation auch persönlich in dieser Einschätzung von Yrsa beeinflusst.
Ein weiterer Punkt sind sprachliche Ungereimtheiten. Teilweise sind es nur Kommafehler („Am liebsten möchte ich jeden Tag, mit ihm verbringen, […]). Immer wieder aber wird auch zwischen verschiedenen Zeitebenen gesprungen – was, wie oben bereits erwähnt, teilweise inhaltlich den Lesefluss unterbricht – aber dabei werden die Zeitformen nicht konsistent verwendet, was mich extrem irritiert hat. Die Haupthandlung spielt im Präsens (was ich persönlich auch nicht so mag wie im üblichen Präteritum, aber das ist natürlich Geschmackssache und nicht per se negativ), für die dazu vorversetzte Zeitebene wird üblicherweise Perfekt verwendet. Das passiert aber nicht, zumindest nicht durchgängig, denn teilweise wird scheinbar wahllos zwischen Präteritum und Perfekt gewechselt. Beispiel: „Vier Winter weigerte sie sich, wie die anderen Frauen im Dorf mit vierzehn Jahren zu heiraten. Abends ist sie oft mit leerem Magen eingeschlafen. Wenn Freyja ihr das Jagdglück verwehrte, […]“ Warum der Wechsel? Wenn die Schilderung des Vergangenen durchgängig in Präteritum erfolgen würde, wäre es zumindest auch einheitlich und nachvollziehbar, zwar ungewöhnlich in der Kombination mit Präsens, aber gut.
Man kann auch im Deutschen Perfekt verwenden, um abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit mit Auswirkungen auf das Präsens in eine solche Schilderung im Präteritum einzubinden, aber das ist hier nicht der Fall. Weiteres Beispiel: „Er hat Yrsa nicht viel aus dieser Zeit erzählt, aber sie nimmt an, dass die Düsternis in ihm, das Unnahbare, spätestens damals entstand.“ Bei der vorher angeführten Erklärung müsste es hier „entstanden ist“ heißen, da die Düsternis sich jetzt noch auswirkt; tut es aber nicht. Von der chronologischen Seite her betrachtet wäre sogar Plusquamperfekt („entstanden war“) sinniger, da der genannte Zeitpunkt am weitesten in der Vergangenheit liegt, noch lange bevor Avidh ihr logischerweise davon erzählt hat. Ist hier aber auch nicht der Fall.
Aber gerade solche dreifachen Zeitformenkonstellationen in einem Satz wirken sehr irritierend und holprig.
Und zuletzt – was natürlich persönlicher Geschmack ist – lag mir leider der Schreibstil mit den vielen aneinandergereihten Hauptsätzen nicht so sehr. Dadurch wirkt die Sprache teils recht abgehackt und die gewohnte Wortstellung (von einem Nebensatz, den man ggf. im Anschluss eines ersten Hauptsatzes erwarten würde) wird umgeordnet, sodass man manche Satzgefüge mehrfach lesen muss, was ebenfalls zu kleinen „Stolperern“ führen kann.
Das Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits wollte ich es unbedingt mögen, weil es vieles mitbringt, das ich gerne lese – ein gut recherchiertes, detailreiches historisches Setting, dazu noch Wikingerzeit, Mythologie, Liebe, Kampf, Intrigen – andererseits war für mich die Umsetzung nicht ganz so, wie erhofft.
Die Bewertung ist daher für mich wirklich schwierig.
Setting: ****
Handlung: *
Charaktere: **
Sprache&Stil:*
Damit komme ich auf 3,5 Sterne Gesamtwertung.