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Veröffentlicht am 11.07.2025

Eine Liebe in Zeiten der Wikinger

Yrsa. Die Liebe der Wikingerin
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Ich habe das Buch im Rahmen einer Premiere vorab zum Lesen erhalten. Dies nimmt keinerlei Einfluss auf meine Bewertung.


Yrsa, eine junge Kämpferin, ist am Ziel ihrer Träume: Sie darf endlich auf víking ...

Ich habe das Buch im Rahmen einer Premiere vorab zum Lesen erhalten. Dies nimmt keinerlei Einfluss auf meine Bewertung.


Yrsa, eine junge Kämpferin, ist am Ziel ihrer Träume: Sie darf endlich auf víking gehen.

Dabei ist sie, für viele der anderen unerwünscht, die einzige Frau in der Mannschaft und muss sich den Regeln des Anführers und der Gruppe unterordnen – und ihre Liebesbeziehung zu Avidh beenden.

Doch die Reise wird nicht nur eine Herausforderung für ihre Kampfkünste – viel mehr eine Erfahrung, welches Ziel Yrsa wirklich am wichtigsten ist – auf einer Reise zu sich selbst.


Das historische Setting ist aufwendig recherchiert und bildet den passenden Hintergrund für die Story. Aus dieser Zeit gibt es kaum schriftliche Quellen im nordgermanischen Bereich, das meiste ist aus späterer Zeit und/oder aus ausländischen Quellen überliefert, und heute ist es schwierig, zu sagen, was im Einzelnen den Tatsachen entsprochen hat und was nicht. Archäologische Funde tragen einen Teil zur Aufklärung bei, jedoch muss bei einer Geschichte über Wikinger immer ein gewisses Maß an Fiktion hinzugefügt werden, damit keinen Lücken im Gesamtbild entstehen. Tatsächlich deuten Ausgrabungsfunde darauf in, dass es z. B. wohl auch weibliche Wikinger (oder zumindest Kriegerinnen) gab, ein spannender, häufig übersehener Aspekt.
Der Autorin ist diese Integration von fiktiven Inhalten in ihrer Umsetzung gut gelungen.


Yrsa und Avidh, die Hauptfiguren, wie auch die weiteren Charaktere sind gut ausgearbeitet und entwickeln sich während der Reise. Die Handlung ist (mit wenigen kleinen Längen und Vorhersehbarkeiten) spannend bis zum Schluss. Für meinen Geschmack hätten die Kämpfe, die ja einen elementaren Bestandteil der Raubzüge und Überfälle darstellen, etwas detaillierter geschildert werden können; dafür überwog für mich die Liebesgeschichte etwas zu arg. Auch auf den Spice hätte ich persönlich gut verzichten können.


Sehr positiv fand ich das beigefügte Nachwort der Autorin, die sich wirklich viel Mühe bei den Recherchen gegeben hat!


Leider gab es auch ein paar wenige Punkte, die mich persönlich im Lesefluss etwas gestört haben.


Zum einen war mir zunächst nicht klar, dass es sich um einen zweiten Band handelt – zwar kann man diesen Teil auch für sich allein lesen, allerdings nehmen am Anfang die stückchenweise präsentierten, teilweise wiederholenden Verweise, Rückblenden und Erklärungen auf Band 1 meinem Empfinden nach etwas Überhand und der Beginn der Handlung des zweiten Bandes zieht sich damit etwas hinaus und wird immer wieder unterbrochen.


Ich weiß auch nicht, ob es daran liegt, dass im Prinzip der erste Band darauf hinarbeitet und mir deshalb die Erklärung für den inneren Prozess und die Motivation von Yrsa fehlen, da ich diesen nicht gelesen habe, aber mir fiel anfangs sehr schwer, nachzuvollziehen, warum Yrsa denn unbedingt Wikingerin sein will und dafür auch noch ihre Beziehung aufgibt, obwohl es sie und ihren Geliebten offensichtlich verletzt. Nur für einen Kindheitstraum? Aus Trotz? Wie realistisch ist das als ausreichender Motivator für eine junge Frau? Wobei sich natürlich Yrsas Einstellung während der Reise noch ändert, aber trotzdem ist das ja der Startpunkt für den zweiten Band.

Ich muss ganz ehrlich sagen, dass mich Yrsa in dieser Hinsicht sehr an (die jüngere) Thorgil aus „Sea of Trolls“ erinnert hat, die sich ebenso trotzig und verbissen unter den männlichen Wikingern zu beweisen sucht. Vielleicht hat mich aber diese Assoziation auch persönlich in dieser Einschätzung von Yrsa beeinflusst.



Ein weiterer Punkt sind sprachliche Ungereimtheiten. Teilweise sind es nur Kommafehler („Am liebsten möchte ich jeden Tag, mit ihm verbringen, […]). Immer wieder aber wird auch zwischen verschiedenen Zeitebenen gesprungen – was, wie oben bereits erwähnt, teilweise inhaltlich den Lesefluss unterbricht – aber dabei werden die Zeitformen nicht konsistent verwendet, was mich extrem irritiert hat. Die Haupthandlung spielt im Präsens (was ich persönlich auch nicht so mag wie im üblichen Präteritum, aber das ist natürlich Geschmackssache und nicht per se negativ), für die dazu vorversetzte Zeitebene wird üblicherweise Perfekt verwendet. Das passiert aber nicht, zumindest nicht durchgängig, denn teilweise wird scheinbar wahllos zwischen Präteritum und Perfekt gewechselt. Beispiel: „Vier Winter weigerte sie sich, wie die anderen Frauen im Dorf mit vierzehn Jahren zu heiraten. Abends ist sie oft mit leerem Magen eingeschlafen. Wenn Freyja ihr das Jagdglück verwehrte, […]“ Warum der Wechsel? Wenn die Schilderung des Vergangenen durchgängig in Präteritum erfolgen würde, wäre es zumindest auch einheitlich und nachvollziehbar, zwar ungewöhnlich in der Kombination mit Präsens, aber gut.

Man kann auch im Deutschen Perfekt verwenden, um abgeschlossene Handlungen in der Vergangenheit mit Auswirkungen auf das Präsens in eine solche Schilderung im Präteritum einzubinden, aber das ist hier nicht der Fall. Weiteres Beispiel: „Er hat Yrsa nicht viel aus dieser Zeit erzählt, aber sie nimmt an, dass die Düsternis in ihm, das Unnahbare, spätestens damals entstand.“ Bei der vorher angeführten Erklärung müsste es hier „entstanden ist“ heißen, da die Düsternis sich jetzt noch auswirkt; tut es aber nicht. Von der chronologischen Seite her betrachtet wäre sogar Plusquamperfekt („entstanden war“) sinniger, da der genannte Zeitpunkt am weitesten in der Vergangenheit liegt, noch lange bevor Avidh ihr logischerweise davon erzählt hat. Ist hier aber auch nicht der Fall.

Aber gerade solche dreifachen Zeitformenkonstellationen in einem Satz wirken sehr irritierend und holprig.


Und zuletzt – was natürlich persönlicher Geschmack ist – lag mir leider der Schreibstil mit den vielen aneinandergereihten Hauptsätzen nicht so sehr. Dadurch wirkt die Sprache teils recht abgehackt und die gewohnte Wortstellung (von einem Nebensatz, den man ggf. im Anschluss eines ersten Hauptsatzes erwarten würde) wird umgeordnet, sodass man manche Satzgefüge mehrfach lesen muss, was ebenfalls zu kleinen „Stolperern“ führen kann.


Das Buch lässt mich mit gemischten Gefühlen zurück. Einerseits wollte ich es unbedingt mögen, weil es vieles mitbringt, das ich gerne lese – ein gut recherchiertes, detailreiches historisches Setting, dazu noch Wikingerzeit, Mythologie, Liebe, Kampf, Intrigen – andererseits war für mich die Umsetzung nicht ganz so, wie erhofft.


Die Bewertung ist daher für mich wirklich schwierig.


Setting: ****

Handlung:
*

Charaktere:
**

Sprache&Stil:
*



Damit komme ich auf 3,5 Sterne Gesamtwertung.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.11.2024

Spannender historischer Roman mit ein paar Schwächen

Die Tudor-Verschwörung
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1553: Der junge Brendan Prescott, ein Findelkind unbekannter Herkunft, wird an den Londoner Hof geschickt, um dort Robert Dudley zu dienen. Schon nach kurzer Zeit wird er in das Netz aus Intrigen, Verrat ...

1553: Der junge Brendan Prescott, ein Findelkind unbekannter Herkunft, wird an den Londoner Hof geschickt, um dort Robert Dudley zu dienen. Schon nach kurzer Zeit wird er in das Netz aus Intrigen, Verrat und Gehemnissen hineingezogen. Nach ihrer ersten Begegnung steht für ihn jedoch fest, wem seine Treue gilt: Elizabeth. Unter Einsatz seines Lebens fungiert er fortan als Doppelagent; doch auch seine geheimnisvolle Herkunft bringt ihn in Gefahr...

Das Buch ist flüssig geschrieben, der Stil ist angenehm zu lesen.
Ich habe dennoch ein bisschen gebraucht, um anfangs in die Geschichte zu finden; einerseits lag das an dem Verhalten des Protagonisten, der sich so ungeschickt eher wie ein 15jähriger verhält und nicht wie jemand, der bereits Anfang 20 ist. Das hat für mich nicht zusammengepasst.
Auch die historischem Umstände werden zunächst wenig erklärt. Natürlich kennt man die wichtigen Figuren, Elizabeth, Mary, Edward usw. aber einige andere wichtige Figuren waren mir zunächst unbekannt und für mich zunächst schwierig zuzuordnen.

Dann jedoch nimmt die Erzählung recht schnell Fahrt auf und es wird spannend, einige überraschende plot twists folgen aufeinander und man weiß nicht, wem man trauen kann.

Leider sind jedoch auch hier kleine Mängel zu erwähnen: Brendans plötzliche Entwicklung vom ungeschickten Landei zum Superspion geht etwas zu schnell von statten, um glaubwürdig zu sein. Einige Ereignisse bzw. Handlungsabfolgen wirken auch sehr konstruiert.

Der Schluss klärt einige Fragen auf, jedoch nicht alles. Das wäre bei einem 1. Band aber auch nicht zu erwarten gewesen.

Insgesamt würde ich das Buch mit 3,5 von 5 Sternen bewerten.

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Veröffentlicht am 01.12.2025

Der Weg des Ewigen Winters

Der Weg des ewigen Winters
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Im Rahmen der LR durfte ich das vorliegende Buch lesen. Vielen Dank dafür vorab! Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine ehrliche Rezension.

Der Weg des Winters ist ein Fantasyroman, der historische ...

Im Rahmen der LR durfte ich das vorliegende Buch lesen. Vielen Dank dafür vorab! Dies hat jedoch keinen Einfluss auf meine ehrliche Rezension.

Der Weg des Winters ist ein Fantasyroman, der historische Einflüsse aufweist. Zunächst einmal fand ich dieses Setting sehr spannend, muss jedoch sagen, dass historische Orte, Personen und Ereignisse genannt, aber oft außer Zusammenhang und völlig abweichend zum faktischen Vorkommen eingesetzt werden. Natürlich ist es in erster Linie ein Fantasyroman, deswegen muss man davon ausgehen, dass so gut wie alles erfunden ist. Warum aber dann dieser historische Bezug? Um dem Leser als Referenz zu dienen, damit er sich die Welt besser vorstellen kann – wie aber, wenn das ja nicht verlässlich geht? Für einen „seriöseren“ Anstrich – aber wenn das meiste nicht stimmt? Die Motivation des Autors dahinter ist für mich unklar. Es gibt Werke, bei denen das deutlich besser gelöst wird: Tatsächliche Ereignisse/Personen/Orte werden miteinbezogen, aber das Fantasy-Drumherum so angepasst, dass es nicht komplett alles über den Haufen wirft, sondern sich passend einfügt. Oder man nimmt eine parallele Welt, die unserer nur ähnelt, sich aber anders entwickelt hat... oder gleich eine komplett eigene. Wie gesagt, das ist Geschmackssache, aber mich hat dieses Chaos eher verwirrt. Es wird nur sehr spärlich Worldbuilding betrieben und wenn das einzige, was man hat (aha! Reale Orte, reale Figuren – schon gehört, weiß Infos dazu) aber nicht das tun/sind, wie man es kennt, nützt das nichts als Vorstellungshilfe.

Das Setting ist düster, apokalyptisch und eigentlich schon atmosphärisch-winterlich. Jedoch erfährt man auch hier gar nicht so viel, sondern muss sich selbst „einfühlen“ und die Vorstellungskraft bemühen.

Mythologie unterschiedlichen Ursprungs wird ebenfalls eingeflochten, jedoch nicht kohärent mit den antiken Quellen und auch nur sporadisch. Da hätte ich mir mehr gewünscht und auch mehr Potential gesehen. Das geht aber auch in die Richtung der Störfaktoren im historischen Setting.

Orpheus ist ein interessanter Hauptcharakter, nämlich ein klarer Antiheld. Feige, voller Laster und unverantwortlich, wird er plötzlich in eine entscheidende Rolle gedrängt, bei der er für seine Adoptivnichte sorgen muss. Die Entwicklung ist holprig, voller Fort- und Rückschritte, deswegen jedoch gerade authentisch.
Halla, die Nichte, ist ungewöhnlich und besitzt Kräfte (mehr schreibe ich aus Spoilergründen nicht, aber wirklich viel erfährt man im Buch sowieso nicht dazu); alle sind hinter ihr her (wirklich alle, man weiß gar nicht, wer alles; geschweige denn, warum); teilweise handelt sie altersunüblich mutig und entschlossen, ist aber auch furchtsam. Teilweise ist sie undurchsichtigen Parteien gegenüber aber zu vertrauensselig, das kann ich absolut nicht nachvollziehen und widerspricht dem restlich gezeichneten Charakterbild.
Skadi ist eine Söldnerin, die zunächst auf Halla angesetzt wird. Ihre Motivation, sich einer oder einer anderen Seite zuzurechnen, sind für mich z. T. nicht nachvollziehbar dargestellt. Ihr Charakter wird auch nicht so stark ausgearbeitet und für mich bleibt sie daher eher blass.
Ein zweiter Handlungsstrang, der fast bis ganz zum Schluss mit der Haupthandlung unverbunden bleibt, wird ebenfalls eingeflochten. Die Figuren bleiben hier allesamt recht rätselhaft.

Es gibt ein paar wenige Fehler, die vermutlich der Übersetzung zuzurechnen sind (z.B. Island statt Irland). Der Schreibstil ist jedoch flüssig und einfach zu lesen, die Geschichte ist auch unterhaltsam und nicht langweilig – im Prinzip eine fortwährende Verfolgungsjagd. Jedoch zeichnet sich einiges vorhersehbar ab; anderes hingegen bleibt unklar und wird auch bis zum Ende dieses ersten Bandes nicht enthüllt und noch dazu ist das Ende kein richtiger Abschluss, sondern ein massiver cliffhanger mittendrin.
Nach dem spannenden Einstieg verlangsamt sich zwar nicht wirklich das Tempo, aber es passiert irgendwie gar nicht so viel. Es geschehen Dinge, aber die Handlung wird nicht recht vorangetrieben und wirkt mitunter ziellos, bis hin zum logischen Bruch. Warum fliehen sie nicht direkt als Erstes ins Kloster, das mehrfach im Vorfeld Erwähnung fand als Schutzort – die Antwort, die nicht wirklich überzeugt, ist, dass Orpheus es vergessen/nicht dran gedacht hatte im Sinne von „Achja, warum habe ich nicht früher daran gedacht?“, während man als Leser facepalmt und sich allen Ernstes fragt, ja, warum nicht, das ist offensichtlich, das habe ich doch auch und ich bin dort nicht aufgewachsen.

Zudem wird viel in Fäkalsprache geflucht. Wen das stört, sollte dieses Buch meiden.

Nach anfänglicher Begeisterung und einem mitreißenden Start ließ die Geschichte für mich leider unterwegs stark nach. Ich bin mir nicht sicher, ob der/die Folgeband/-bände das noch für mich aufwerten kann/können, oder ob ich den Weg des ewigen Winters nicht weiter verfolgen werde.

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Veröffentlicht am 30.10.2025

Umfangreicher historischer Roman mit Abstrichen

Sieben Jahre
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In „Sieben Jahre“, dem neuen Roman von Tanja Kinkel, wird die Zeit des Siebenjährigen Krieges geschildert, von dem die meisten von uns vermutlich kaum oder gar nicht gehört haben – bisher.
Im Zentrum ...

In „Sieben Jahre“, dem neuen Roman von Tanja Kinkel, wird die Zeit des Siebenjährigen Krieges geschildert, von dem die meisten von uns vermutlich kaum oder gar nicht gehört haben – bisher.
Im Zentrum steht die preußische Königsfamilie, ihre zwischenmenschlichen Beziehungen sowie die Schlachten mit den feindlichen Allianzen.
Bewusst legt die Autorin einen Schwerpunkt auf Heinrich, einen jüngeren Bruder Friedrichs des Großen, der bisher aus historischer Sicht sehr im Schatten des Älteren stand und wenig Beachtung fand, in vielerlei Weise jedoch sowohl Spiegelbild als auch Antipol des berühmten Herrschers darstellt.

Damit ist eigentlich die Haupthandlung des Buches umfassend beschrieben. Es werden Schlachten und Gefechte chronologisch aneinander gereiht (jedoch kaum im Einzelnen im Verlauf beschrieben, immer nur im Vor- bzw. Nachhinein und zusammenfassend Ergebnisse und Bedeutung), es werden Allianzen geschlossen, tausende Menschen sterben, völlig umsonst. Ein sehr sinnloser Krieg und Symbol für den krankhaften Größenwahn vieler Herrscher durch die gesamte Menschheitsgeschichte hindurch.
Dies alles bildet mehr oder weniger den Hintergrund zu der komplexen konflikthaften Beziehung der beiden Brüder Friedrich und Heinrich, die in einem dysfunktionalen Elternhaus herangewachsen sind und ihrer beider Rollen ausfüllen müssen. Die Machtspiele zwischen den beiden stehen dabei im strategischen Taktieren ihrer politischen und militärischen Vorgehensweise in nichts nach.

Leider blieben für mich die beiden so zentralen Charaktere schwer greifbar und wurden nicht „lebendig“. Man erhält wenig Einblick auf die Gefühlsebene, eher nur auf die Gedanken- und Vernunftebene, bleibt aber als Leser meist doch sehr „ausgesperrt“. Viele Nebencharaktere bleiben sehr flach und blass. Wenige Figuren leuchten tatsächlich heraus, wie Lehnsdorff, Amalie und Hannibal, jedoch sind ihre Anteile an der Geschichte relativ gering.
Das Politische und Militärische, was bei der Schwerpunktsetzung zur Herausarbeitung der Beziehung zwischen Friedrich und Heinrich mehr als Szenenbild dienen sollte, rückt vom Umfang zu sehr in den Vordergrund und macht den Verlauf teilweise recht zäh und langatmig. Spannung kommt wenig auf, allein geschichtliches Interesse ist hier der vorantreibende Motivator, den Roman fertig zu lesen, der zeitweise mehr an ein Geschichtsbuch erinnert.

Was mich auch gestört und erstaunt hat, waren die doch nicht wenigen Tippfehler und auch grammatikalischen Fehler, über die ich immer wieder gestolpert bin. Das sollte bei einem so aufwendig herausgebrachten und teuren Buch eigentlich nicht der Fall sein.

Jedoch möchte ich nicht in Abrede stellen, wie viel minutiöse Recherchearbeit der geschichtlichen Hintergründe in diesem Werk steckt. Sicherlich ist es interessant, gerade für diejenigen, die schon einen gewissen Bezug zu der Zeit oder den Figuren haben. Ich weiß auch nicht, ob man diesen Stoff großartig spannender hätte darstellen können; eventuell etwas geraffter.
An sich ist das Buch stilistisch auch gut und flüssig verfasst, es wird sehr auf die damalige Sprache und Sprechweise eingegangen, was die Authentizität unterstreicht. Das gefällt mir richtig gut.

Alles in allem ein interessanter historischer Roman, der ein komplexes Thema zugänglich aufbereitet, jedoch aus meiner Sicht einige Schwächen mit sich bringt.

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde erhalten; dies hat keine Auswirkung auf meine Bewertung.

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Veröffentlicht am 18.08.2025

Das Geheimnis der Siegelmeister

Der Siegelmeister
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Ein Großvater erzählt seinem Enkel namens Jonathan zum Einschlafen Geschichten über die sogenannten Siegelmeister. Jahre später, als der Enkel erwachsen ist und sich plötzlich dramatische Ereignisse häufen, ...

Ein Großvater erzählt seinem Enkel namens Jonathan zum Einschlafen Geschichten über die sogenannten Siegelmeister. Jahre später, als der Enkel erwachsen ist und sich plötzlich dramatische Ereignisse häufen, wird sein Weltbild erschüttert und er muss sich der Frage stellen: Was ist Dichtung, was ist Wahrheit? Gibt es die Siegelmeister, Magie und eine Anderswelt doch wirklich?

Das Buch ist in wenige größere Abschnitte mit mehreren kleineren Unterabschnitten unterteilt. Im ersten Teil erfährt der Leser im Rahmen der Gutenachtgeschichten die Entstehungsgeschichte des Siegelmeisterordens. Dieser Teil hat mir besonders gut gefallen, da die Rückblende auf die historischen Ereignisse spannend und unterhaltsam geschildert wurde.

Dann folgt die Handlung, als der Enkel bereits erwachsen ist, und es wird klar, dass der Großvater durchaus Geheimnisse hat. Es folgen einige dramatische Geschehnisse und es gibt einen dunklen unbekannten Gegner, dem sich der Enkel stellen muss, während er versucht, herauszufinden, was es mit den Siegelmeistern wirklich auf sich hat. (Ich möchte an dieser Stelle gar nicht zu viel vom Inhalt spoilern.)

Das Setting ist vielversprechend und die Hinführung auf das eigentliche Thema wird auch verständlich und interessant aufgebaut.

Der Schreibstil ist recht flüssig und unterhaltsam, Spannung und Witz fließen durchaus mit ein.

Gut gefällt mir die dargestellte liebevolle Beziehung zwischen Enkel und Opa; der Großvater ist als vielschichtiger, tiefgründiger Charakter dargestellt und auch Jonathan durchläuft eine Entwicklung, die man als Leser gut verfolgen und nachvollziehen kann. In den Erzählungen werden auch die dortigen beiden Hauptpersonen lebendig geschildert. Die übrigen Figuren bleiben jedoch sehr blass im Hintergrund und mir fiel es schwer, mir diese vorzustellen bzw. mich in diese hineinzufühlen.

Leider gibt es auch ein paar weitere Punkte, die mich etwas gestört haben.

Das Buch tappt meiner Meinung nach leider in eine häufig auftretende Fantasy-Falle: interne Logik. Auch wenn Magie im Spiel ist, müsste diese theoretisch auch logisch eingesetzt werden können; dies ist jedoch teilweise nicht der Fall. An mehreren Stellen habe ich mich gefragt, warum bestimmte Magie nicht, wie man erwarten könnte, wenn die Figuren durchdacht handeln würden, verwendet wurde; was jedoch vermutlich Buch und Handlung extrem verkürzt hätte.

Von der magischen Anderswelt bekommt man leider nur winzige Häppchen präsentiert, sie bleibt einem als Leser sonst jedoch größtenteils verschlossen; das fand ich sehr schade, da ich gerne mehr dort eingetaucht wäre. Allerdings liegt der Fokus sicher auf der Örtlichkeit Frankfurt, was auch von Vorneherein erkennbar ist. Es ist also nur mein persönlicher Geschmack, was das angeht, und daher kein objektiver Kritikgrund für die Bewertung.

Weiterhin wirkten meines Erachtens einige Dialoge, v.a. in der "Gegenwart", etwas unnatürlich, d.h. gestellt und hölzern. Damit meine ich, dass es schwer vorstellbar ist, dass sich jemand tatsächlich so unterhalten würde. Das störte etwas den Lesefluss.

Und was zusätzlich anzumerken ist: Das Korrektorat kam leider deutlich zu kurz oder wurde nicht richtig durchgeführt. Interpunktion ist durchgängig fehlerhaft und auch der ein oder andere grammatikalische Patzer ist durchgerutscht. Da sollte noch einmal nachgebessert werden, um die an sich tolle Geschichte aufzuwerten. Auch beim Layout sollte noch einmal Hand angelegt werden - manches ist verrutscht und Text abgeschnitten oder Leerzeichen zu wenig abgesetzt.

Das Ende mit der Auflösung des Buches ist ein leider schon vorher ein bisschen vorhersehbar und die entscheidenden Ereignisse sind für meinen Geschmack ein wenig zu schnell und auf wenigen Seiten abgehandelt worden. Jedoch ist die Geschichte an sich abgeschlossen, verweist aber auf eine Fortsetzung.

Für mich hat die Geschichte durchaus Potential und sie hat mich auch gut unterhalten. Jedoch wäre meiner Meinung nach mit einer gründlichen Überarbeitung deutlich mehr "herauszuholen".

Ich habe das Buch im Rahmen einer Leserunde erhalten. Danke noch einmal dafür an den Verlag und den Autor, besonders für die handschriftliche Widmung, über die ich mich sehr gefreut habe!

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