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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 13.11.2024

Etwas langatmig, aber mit interessanten, religiös durchwachsenen Schauplätzen bespickt.

Blutrotes Karma
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Das Cover in rot-schwarzer Farbgebung offenbart bei genauer Betrachtung eine Frau in sitzender Jogaposition, passend zum Thriller. Dieser entführt den Leser ins chaotische Paris von 1968 mit Studentenunruhen, ...

Das Cover in rot-schwarzer Farbgebung offenbart bei genauer Betrachtung eine Frau in sitzender Jogaposition, passend zum Thriller. Dieser entführt den Leser ins chaotische Paris von 1968 mit Studentenunruhen, Arbeiterstreiks und politischen, gewerkschaftlichen Gruppierungen rund um De Gaulle und Pompidou – etwas ausladend. In dieses Setting – eher Nebenschauplatz – taucht neben dem intelligenten, schüchternen Studenten Hervè Jouhandeau sein raubeiniger Halbruder Jean-Louis Mersch, Inspektor bei der Mordkommission, auf. Mit Nicole Bernard, einer Mitstudentin, macht sich dieses ungleiche Trio als Ermittlerteam auf Spurensuche durch Frankreich, Indien und Rom, eingebettet in Religion, indisch-mystischen Wahn und Hippiebewegung. In fünf Unterteilungen mit Beschreibungen zu Sekten mit geheimnisvollen Praktiken und religiösen Feinheiten geht es um die Aufklärung von eigenwilligen Morden an jungen Frauen, wobei die Beschreibungen der indischen Schauplätze besonders bildgewaltig sind. Die Suche nach Motiv und Täter ist kreativ, bildhaft und brutal gestaltet. Viele Informationen zur damaligen Historie und zur Welt der Sekten und spirituellen Gemeinschaften mögen manchem Leser zu ausschweifend vorkommen und der Spannung abträglich sein. Teuflische Täter mit einer Mission!

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 10.11.2024

Intrigen in malerischer Kulisse

Der Ruf des schwimmenden Gartens
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Madeira als schwimmender Garten im Atlantik, die Insel des ewigen Frühlings, die Insel mit ihren schroffen Bergen, jäh hinabstürzenden Steilküsten, soviel unterschiedlicher auch exotischer Vegetation ...

Madeira als schwimmender Garten im Atlantik, die Insel des ewigen Frühlings, die Insel mit ihren schroffen Bergen, jäh hinabstürzenden Steilküsten, soviel unterschiedlicher auch exotischer Vegetation , im Norden die ungebremste Wucht der Atlantikwellen gegen die urzeitlichen Felsen aus Basalt und erstarrter Lava - all das wird in diesem Roman sehr lebendig beschrieben. Vom kühlen Norden her kommt das Wasser, denn die Wolken vom Atlantik bleiben an der zentralen Bergkette hängen und regnen sich kurz aus. Ohne dieses kostbare Wasser wäre der Süden der Insel eine Wüste. Seit der Besiedelung Madeiras vor fast sechshundert Jahren muss das Wasser in befestigten Kanälen in den trockenen Süden geleitet werden, ohne diese Levadas“, die wie ein Netz das Eiland überziehen, würde es keine solche Blumeninsel hier geben. Ihren Ruf als schwimmender Garten verdankt Madeira den Botanik verliebten Engländern. In den weitläufigen Parks ihrer stattlichen Herrenhäuser, den Quintas, kultivierten sie die Souvenirs aus den Kolonien in Übersee. In faszinierender Üppigkeit wachsen tropische und subtropische Pflanzen in der vulkanischen Erde.
Rund um das imposante Herrenhaus der Familie Hauenstein, das auch an die herrschaftlichen Landsitze in den ehemaligen britischen Kolonien erinnert, spielt die intrigante Szenerie um einen geplanten, bewaffneten, deutschen Putschversuch. Doch eigentlich geht es neben den touristischen Besonderheiten wie einer Fahrt mit der Zahnradbahn oder mit dem Korbschlitten, Tea-Time im Reid's , Besuch des tropischen Gartens des Monte Palace Hotels oder den Stickereien - ja, eigentlich geht es um Macht als Lebenssinn – authentisch verkörpert in der Figur des Richard Hauenstein. Der weibliche Gegenpart mit Frau Doktor Sofie Schultheiß, Fachärztin für Lungenheilkunde, kämpft um fachliche Anerkennung in einer männlich dominierten Welt und gegen kriminelle Machenschaften, mit liebevoller Unterstützung.
Insgesamt wird die Atmosphäre der damaligen Zeit ab 1914 in malerischer und spannender Kulisse lebendig eingefangen.

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Veröffentlicht am 08.11.2024

Ein Buch für Frauen - tiefgründig und Mut machend

The Freedom Clause
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Das Cover mit einem rothaarigen Frauenkopf in „entspannter„ Pose mag in frischer, poppiger Farbgebung sicherlich junge Generationen ansprechen. Im Verlauf von fünf Jahren als roter Faden werden wichtige ...

Das Cover mit einem rothaarigen Frauenkopf in „entspannter„ Pose mag in frischer, poppiger Farbgebung sicherlich junge Generationen ansprechen. Im Verlauf von fünf Jahren als roter Faden werden wichtige Momente beider Protagonisten aus ihrer Perspektive beschrieben. Ist anfangs der laut Freiheitsklausel erlaubte One-Night-Stand eine wichtige sexuelle Erfahrung besonders für Daphne, entwickelt sich für sie daraus mehr Mut zu beruflichen und weiblichen Bedürfnissen, zu mehr Selbstbewusstsein. In dieser Beziehungsdynamik verläuft Dominics Entwicklung hingegen charakterlich und auch beruflich negativ. Er verkommt zur Randfigur und betont den Fokus auf die nachvollziehbare, nennenswerte Entfaltung Ihres Charakters von der unsicheren, zurückhaltenden und eher ängstlichen jungen Frau zu einer sympathischen Kochbuch-Autorin mit einer großen Liebe zum Kochen als emotionalem Ventil in ihrem teils humorvollen Blog bzw. Substack. Diese unkonventionelle Reflexion über die Grenzen von Liebe, Sex und Freiheit regt vielleicht auch zum Nachdenken über die eigene Beziehung an. Aber das ernste Tabuthema „einvernehmlicher außerehelicher Sex“ mag an konservativen moralischen Ansichten mancher Leser*innen scheitern, denn der Kern der Botschaft tendiert zur unbedingten Loslösung aus solchen Ehestrukturen.
Insgesamt eine nachvollziehbare Geschichte zweier junger Menschen, die mit der Freiheitsklausel eine folgenschwere Entscheidung treffen – in adäquatem Schreibstil.

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Veröffentlicht am 06.11.2024

Ein emotionaler Roadtrip mit unerwarteten Wendungen

Das Verhalten ziemlich normaler Menschen
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Das Cover zeigt die vier Hauptfiguren in typischer Gestaltung und deutet bereits auf das Genre des Young Adult hin. In diesem Jugendroman geht es um die Bewältigung von Angst, Verzweiflung, Mitschuld, ...

Das Cover zeigt die vier Hauptfiguren in typischer Gestaltung und deutet bereits auf das Genre des Young Adult hin. In diesem Jugendroman geht es um die Bewältigung von Angst, Verzweiflung, Mitschuld, Panik, aber auch um Rachegedanken, Freundschaft und Verliebtheit mit 17 Jahren. Der Schreibstil ist trotz der ernsten Themen leicht, kreativ und jugendlich frisch. Der Protagonist Asher Hunter, dem Betrachter auf dem Cover direkt zugewandt, erzählt in der Ich-Form über Selbsthilfegruppen, die er nach dem Tot seiner Mutter aufsucht zwecks Traumabewältigung. In Will und Sloane findet er Mitmenschen, die seinen Schmerz verstehen und teilen, schließlich sich ihre Freundschaft auf dem Roadtrip zu weitaus mehr entwickelt in lockerer, teils umgangssprachlicher Wortwahl. Mit dem 80-jährigen Henry und seiner verstorbenen Evelyn werden in dieser Gruppe die unterschiedlichen Arten der Trauer realistisch und einfühlsam dargestellt. Der Roadtrip offenbart verschiedene Arten der Trauerbewältigung je nach familiärem Todesfall. Die Wendungen rund um Ashers Rachepläne in Memphis wirken etwas unwirklich, wenn auch sein Wunsch nach Gerechtigkeit verständlich ist. Satzwiederholungen mit Zeitangaben als Stilmittel sind zu häufig eingesetzt und wirken schließlich störend. Verschiedene Metapher wie z.B. der bildliche Vergleich mit dem Löwenzahn unter Beton mit Rissen statt auf der Wiese verdeutlichen sehr gut emotionale Belastungen durch unerwarteten Tod von Angehörigen in diesem Fall. Der Weg zurück ins Leben wird taktvoll angerissen. Insgesamt wird ein ernstes, schwieriges Thema teils humorvoll, lebensbejahend und leicht dargestellt, ohne die Schwere der emotionalen Nöte zu beschneiden.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Das Dorfleben am Niederrhein – lebendig beschrieben.

Vielleicht hat das Leben Besseres vor
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Das Cover mit Hund und sommerlich gekleideter, junger Frau zeigt beide abgewendet mit Blick wohl in eine bessere Zukunft, wie der Romantitel suggerieren könnte. Die Szenerie spielt im dörflichen Alpen ...

Das Cover mit Hund und sommerlich gekleideter, junger Frau zeigt beide abgewendet mit Blick wohl in eine bessere Zukunft, wie der Romantitel suggerieren könnte. Die Szenerie spielt im dörflichen Alpen am Niederrhein mit der geschiedenen, evangelischen Pastorin Anne von Betteray und ihrem geliebten Goldendoodle Freddy. Dieses Buch spiegelt viel Lokalkolorit wieder, sei es das Spargelfest, die dörfliche Gerüchteküche, das Vereinsleben wie z.B. dieser Seniorenchor. Neben witzigen Szenen rund um den Hund, älteren Familienmitgliedern und Freunden geht es um die Sorge um ein behindertes Mädchen Raffaela, deren Mutter Heike sich mit Schuldgefühlen plagt und viel Verantwortung auf ihr älteres Kind Johannes übertragt – einfühlsam und authentisch beschrieben. Der Unfall der bewusstlos aufgefundenen Tochter wird kreativ und spannend aufgelöst. Weitere gesellschaftskritische Aspekte wie Alkoholismus, Homosexualität, Adelsdünkel, sprachliche Diskriminierung in Songtexten sorgen auch für ein lebendiges Gemeinschaftsgefühl und der Hoffnung auf ein Leben voller Liebe und freiwilliger Mitverantwortung. Insgesamt ein warmherziger Roman mit sympathischen Charakteren und gewisser Botschaft.

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