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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.02.2023

Kitsch und Kuscheln kann so schön sein

Der Mordclub von Shaftesbury – Eine Tote bleibt selten allein
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Manchmal braucht es einen bestimmten Moment um sich in einem Buch wohl zu fühlen. Zum Glück habe ich den ersten Band von "Der Mordclub von Sheftesbury - eine Tote bleibt selten allein" diesen Moment erwischt. ...

Manchmal braucht es einen bestimmten Moment um sich in einem Buch wohl zu fühlen. Zum Glück habe ich den ersten Band von "Der Mordclub von Sheftesbury - eine Tote bleibt selten allein" diesen Moment erwischt. Nach einigen themenschweren Romanen kam mir die locker flockige Erzählung von Emily Winston gerade recht.
Doch hoppla, hier sollte man direkt aufklären:
1. Emily Winston ist das Pseudonym von Angela Lautenschläger
2. So wenig britisch wie die Autorin ist auch das Buch, in dem es nur so von Klischees über das britische Landleben wimmelt, quasi Inspector-Barnaby hochpotenziert - aber dabei wird immer wieder deutlich, dass die Autorin aus Deutschland kommt.
3. Es ist eigentlich kein Kriminalroman, denn der Kriminalfall spielt nur eine untergeordnete Rolle. Es gibt auch nicht reihenweise Tote, wie der Titel vermuten lässt. Und auch den Mordclub sucht man vergeblich.

Warum das Buch trotzdem 3,5 Sterne von mir erhält?
Es ist ein kuscheliger Landhausroman, flott geschrieben, oft witzig, und bevölkert von lauter netten Menschen. Und manchmal ist das genau das Richtige fürs Gemüt. Das fängt bereits beim schön gestalteten Cover an. Mir gefällt die grelle Gestaltung in orange und pink, und ich bin froh, dass auf dem Titel keine Frau mit Hut oder langen Haaren in der Landschaft herumsteht und auf ein Schloss blickt ;=)

Allerdings sollte das Buch nicht unter Kriminalroman firmieren, wenn es eigentlich nur cozy und kein bisschen crime ist. Dem Folgeband würde ich dennoch eine Chance geben.

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Veröffentlicht am 26.04.2026

Ein Roman zwischen Reportage und Fiktion

Poyais. Ein Land, das es nie gab
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Wenn man noch nie etwas von dem Land Poyais gehört dann, dann liegt es nicht daran, dass man im Geographie-Unterricht nicht aufgepasst hat, sondern daran, dass es dieses Land nie gegeben hat. Und dennoch ...

Wenn man noch nie etwas von dem Land Poyais gehört dann, dann liegt es nicht daran, dass man im Geographie-Unterricht nicht aufgepasst hat, sondern daran, dass es dieses Land nie gegeben hat. Und dennoch haben sich im 19. Jahrhundert zahlreiche Siedler dorthin aufgemacht, denn der angebliche Herrscher von Poyais, ein Schotte namens Gregor Mac Gregor, war nicht nur ein genialer Trickbetrüger, sondern tatsächlich auch ein gefeierter Heerführer aus den südamerikanischen Befreiungskriegen. Sein Coup war derart ausgeklügelt, dass ihm alle auf den Leim gingen, vom einfachen Knecht bis zum gebildeten Akademiker. Uli Achtner, Journalistin und Autorin, hat dieses historische Ereignis aufgegriffen und daraus einen fast 450 Seiten starken historischen Roman geschaffen.

Die Gestaltung des Taschenbuches aus dem emons-Verlag gefällt mir sehr gut. In tropischen Pastellfarben wird eine paradiesisch anmutende Bucht abgebildet, mit hohen Bergen im Hinterland und Palmen und Booten im Vordergrund. Dieses Motiv wird auch auf den vorderen und rückwärtigen Umschlagseiten aufgegriffen und stimmt die Lesenden auf das Buch ein.

Doch das Thema wird etwas anders umgesetzt, als ich es nach dem Klappentext erwartet hätte. Gregor MacGregor ist allenfalls eine Nebenfigur. Ich hätte mir gewünscht, dass er in dem Roman selbst eine prägnantere Rolle einnimmt.

Wir neigen in unserer Gesellschaft dazu, Erfolge zu feiern. Und erfolgreich war Gregor MacGregor zweifellos. Sein Plan war perfide, aber so brillant ausgefeilt, dass das Konstrukt Poyais Realität zu sein schien. Doch wenn man die Opfer mit in den Blick nimmt, dann enttarnt sich diese Brillanz als pure Skrupellosigkeit. MacGregor ist aus egoistischen Motiven über Leichen gegangen. Er hat Existenzen zerstört und unendliches Leid verursacht. Unser Blick auf die Opfer ist häufig getrübt. Statt sie zu stärken, wird ihnen eine Mitschuld unterstellt, zumindest eine Naivität. Es ist in der öffentlichen Wahrnehmung nichts ehrenhaftes daran, ein Opfer zu sein. Das Buch legt den Blickwinkel auf die Opfer, nicht auf den Täter. Am Ende ist die Frage nach seinen Beweggründen - die ich in dem Buch tatsächlich vermisst habe - aber gar nicht so relevant. Vielleicht sollten wir viel mehr auf die Opfer blicken.

Hauptfigur des Romans ist die fiktive Frankfurter Bürgerstocher Julie, die wir auf ihrem langen Weg begleiten - lang, manchmal vielleicht etwas zu lang. Gleiches gilt für den zentralen Protagonisten des zweiten Handlungsstranges, den irischen Söldner Liam. Die Charaktere hätten gerne etwas ausgefeilter gestaltet werden können. Mit Julie konnte ich nicht recht warm werden, sie war mir zu glatt und etwas zu modern beschrieben. Liam hingegen hatte mehr Tiefe, was mir gut gefallen hat. Sein Schicksal hat mich darum auch mehr bewegt. Viele weitere Romanfiguren bleiben leider oberflächlich, manchmal auch klischeehaft dargestellt.

Der Schreibstil ist flüssig und gut lesbar, jedoch in weiten Teilen deskriptiv. Uli Aechter hat für dieses Buch erkennbar gut recherchiert. Ihre Quellenangaben sind umfangreich. Da erkennt man die Journalistin. Ich hätte mir gewünscht, dass sie sich stärker von den historischen Beschreibungen löst und ihren Protagonist:innen noch mehr Leben einhaucht, damit eine größere literarische Tiefe entsteht und der Spannungsbogen etwas raffinierter gehalten wird. So bewegt Aechtner sich an manchen Stellen eher auf einer Reportage-Ebene.

Zusammenfassend ein gut lesbarer und interessanter historischer Roman, der aber die potentiellen Möglichkeiten des Themas noch mehr hätte ausschöpfen dürfen.

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Veröffentlicht am 16.01.2026

Das Team um Hanna Ahlander stochert lange im Nebel

Lügennebel. Ein Fall für Hanna Ahlander
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Es ist bereits Band 4 der Åre-Morde und ich habe alle als Hörbuch gehört. Vera Teitz liest gewohnt klar und gut verständlich. Der Vortrag ist unaufgeregt, könnte aus meiner Sicht gerne etwas lebendiger ...

Es ist bereits Band 4 der Åre-Morde und ich habe alle als Hörbuch gehört. Vera Teitz liest gewohnt klar und gut verständlich. Der Vortrag ist unaufgeregt, könnte aus meiner Sicht gerne etwas lebendiger sein. Aber alles in allem bin ich mit der Sprecherin zufrieden.

Nun zur Handlung, wobei ich den Inhalt nicht wiedergeben möchte . Dazu gibt es den Klappentext und ich möchte nicht spoilern. In diesem Band nimmt mir der eigentliche Fall zu wenig Raum ein. Auch die Ermittlungen stehen nicht immer so im Mittelpunkt, wie es bei einem Krimi eigentlich der Fall sein sollte. Ich mag es durchaus, wenn in Krimireihen das Privatleben der Ermittler*innen eine Rolle spielt. Aber diesmal war es mir ein bisschen zu viel. Insbesondere Hannas Liebesgeschichte finde ich zu abgehoben und unrealistisch.

Hinzu kommt, dass auch die privaten Gefühlsverstrickungen der Studentenclique, um die es in diesem Band geht, ausführlich dargestellt werden. Der Fall hätte durchaus spannender gestaltet werden können, aber die Themen sexualisierter Gewalt, Drogenkonsum, soziale Unterschiede im Freundeskreis werden dafür zu belanglos dargestellt. Mir fehlte ein ernsthafter gesellschaftskritischer Ansatz, für den skandinavische Krimis eigentlich bekannt sind. Zudem gab es einige Längen und Redundanzen. Auch Charakterstudien sind der Autorin schon besser gelungen. Last not least ist die Auflösung für mich nicht schlüssig. Die Indizien hätten früher ausgewertet werden müssen. Vor allem aber war das Tatmotiv für mich nicht glaubhaft.

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Veröffentlicht am 29.10.2025

Mord im Yoga-Bullerbü

Still ist die Nacht (Ein Fall für Maya Topelius 2)
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STILL IST DIE NACHT ist der zweite Band der Maja-Topelius->Reihe der deutschen Krimiautorin Sandra Åslund. Das Cover mit einem blauen Holzhaus neben einer Schweden-Flagge passt hervorragend zum ersten, ...

STILL IST DIE NACHT ist der zweite Band der Maja-Topelius->Reihe der deutschen Krimiautorin Sandra Åslund. Das Cover mit einem blauen Holzhaus neben einer Schweden-Flagge passt hervorragend zum ersten, in grüngehaltenen Band und - wie dank der Werbung bekannt ist - ebenso gut zum in rot gehaltenen dritten Band. Sehr schön sind die im Innencover enthaltenen Karten der Schäreninsel Svartlöga, dem Schauplatz der Handlung. Wie bereits im ersten band gibt es am Ende des Buches ein Glossar mit den verwendeten schwedischen Begriffen und Rezepte, die hier aber nicht zur Handlung passen.

STILL IN DER NACHT knüpft an die Ereignisse in IM HERZEN SO KALT AN, und es sicherlich von Vorteil, dass ich den ersten Band gelesen habe. Dennoch lässt sich das Buch wahrscheinlich auch ohne diese Vorkenntnisse lesen. Allerdings waren meine Erwartungen nach Band 1 relativ hoch, und - ich sage es gleich - Sandra Åslund konnte diese leider nicht erfüllen.

STILL IN DER NACHT dreht sich in weiten Teilen um die Beziehung zwischen den Freundinnen Maja und Emily. Die Ermittlerin nimmt an einem Yoga-Retreat der Freundin auf einer kleinen Schäreninsel teil. Was Sandra Åslund wunderbar gelingt, ist die Beschreibung der Insel und ihrer Atmosphäre. Auf Svartlöga leben heutzutage vor allem Sommerfrischler, aber es gibt keine Kanalisation und keinen Anschluss ans Stromnetz. Das klingt idyllisch und ein wenig nach Bullerbü. So stellt sich eine angenehme Wohlfühl-Atmosphäre ein, zumal auch gleich noch Midsommar gefeiert wird. Åslund lässt sich Zeit, bis die eigentliche Krimihandlung in Fahrt kommt. Die Leiche lässt auf sich warten. Stattdessen präsentiert die Autorin uns viel Meditation und Om, und noch viel mehr Privates aus dem Leben von Maja und Emily. Es gibt Konflikte um das Thema Vertrauen und Geheimnisse, und irgendwann beginnt mich dieser Zwist zwischen den beiden zu nerven. Vor allem, als es endlich eine Krimi-Handlung gibt und diese immer wieder in den Hintergrund gerät. Denn ehrlich gesagt kann ich Majas Verhalten diesbezüglich nicht nachvollziehen.

Ihr Kollege Pär nimmt hier nur eine Nebenrolle ein und Maja ermittelt inkognito. Allerdings überzeugt sie mich in dieser Rolle gar nicht. Zumal sie sich weiterhin mehr mit ihren persönlichen Befindlichkeiten auseinandersetzt als mit den eigentlichen Fällen. Zudem wirkt die Dramatik einer durch Unwetter von der Außenwelt abgeschotteten Insel während einer Mordermittlung sehr gekünstelt. Es stellt sich einfach kein Locked-Room-Feeling ein. Dazu liegt der Fokus zu wenig auf der Krimi-Handlung. Täter und Opfer werden nicht annähernd so tiefgehend dargestellt wie Maja und ihre Freundin. Die Ermittlungen nehmen weniger Raum ein als das Private und das Esoterische. Während Band 1 noch ein gesellschaftspolitisches Thema mitbehandelt, fehlt so ein interessanter Ansatz hier weitestgehend.

Dennoch war es eine angenehme Lektüre und ich werde sicherlich auch den dritten Band lesen, um die Serie zum Abschluss zu bringen. Für STILL IN DER NACHT kann ich aber nur drei Sterne vergeben.
⭐⭐⭐

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Auf der Suche nach Achtsamkeit und Resilienz - eine Ratgeber für den Hausgebrauch

So findest du innere Stabilität
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Ein Taschenbuch dient dazu, es in der Hand- oder Hosentasche mit sich zu führen, und bei Gelegenheit hineinzuschauen. Und so würde ich auch den Nutzen des vorliegenden Büchleins von Maja Günther beschreiben. ...

Ein Taschenbuch dient dazu, es in der Hand- oder Hosentasche mit sich zu führen, und bei Gelegenheit hineinzuschauen. Und so würde ich auch den Nutzen des vorliegenden Büchleins von Maja Günther beschreiben. "So findest du innere Stabilität" ist ein populärwissenschaftlicher Ratgeber für den Hausgebrauch. Psychologische Mechanismen und Fachbegriffe werden erläutert, ein paar Beispiele angeführt und das ganze wird abgerundet durch ein paar Übungen und Checklisten.

Alles in allem okay und gut gemacht, aber so richtig überzeugt hat mich dieses Büchlein leider nicht. Zum einen wird mit dem Untertitel "Wie es dir gelingt, mentale Widerstandskraft aufzubauen und nie mehr zu verlieren" ein Anspruch aufgebaut, denn kein Ratgeber der Welt auch nur im Ansatz erfüllen kann. Und auch dieses Buch ist mit Sicherheit nicht geeignet für die Selbsttherapie für Menschen, die genau daran bisher gescheitert sind. Auch wenn die Autorin postuliert, dass es ihr nicht darum geht, einen weiteren Ratgeber zur Selbstoptimierung zu schreiben, geht es doch manchmal ziemlich vereinfacht in genau diese Richtung. Zitat: " Dauerhaft attraktiv fühlst du dich nur, wenn du dich dafür entscheidest, dass du so, wie du bist, attraktiv bist." (S. 56) Sicherlich kann man innere Stabilität, Achtsamkeit und Resilient lernen, aber ob dazu allein die in diesem Buch vorgestellte positive Psychologie reicht?

Die immer wieder kehrende Analogie zum Tanz (z.B. bei den Kapitelüberschriften) unterstützt sicherlich den Lesefluss, bietet aber leider keinen Überblick. Und da auch kein Register enthalten ist, fehlt leider auch die Möglichkeit, nochmal konkret etwas nachzuschlagen. Deshalb würde ich zusammenfasend sagen: eine nette Einführung in das Thema, aber nicht der große Wurf, den Titel und Untertitel versprechen.