Ich hatte großen Spaß daran, Mason und die Band besser kennenzulernen und zu begleiten; die alten Bekannten wieder zu treffen und der Reihe einen runden Abschluss zu geben. Grace und Mason sind ein unaufgeregtes ...
Ich hatte großen Spaß daran, Mason und die Band besser kennenzulernen und zu begleiten; die alten Bekannten wieder zu treffen und der Reihe einen runden Abschluss zu geben. Grace und Mason sind ein unaufgeregtes Paar, dessen Geschichte mich gut unterhalten hat. Mir gefallen die Bände 1 (Der letzte erste Blick) und 3 (Die letzte erste Nacht) immer noch am besten, aber ich finde es toll, dass auch mal ein Buch über eine Beziehung geschrieben wurde, die ich als fast schon gemütlich bezeichnen würde: Natürlich gibt es hier und da ein bisschen Drama, aber es ist sehr viel entspannter als in den übrigen Bänden der Reihe.
Neugierig wurde ich auf Lovelight Farms durch das bekannte best-friends-to-lovers-Motiv, das laut Klappentext in den Gilmore Girls–Charme einer nordamerikanischen Kleinstadt eingewebt zu sein schien. Diese ...
Neugierig wurde ich auf Lovelight Farms durch das bekannte best-friends-to-lovers-Motiv, das laut Klappentext in den Gilmore Girls–Charme einer nordamerikanischen Kleinstadt eingewebt zu sein schien. Diese Erwartungen wurden erfüllt, um es kurz zu fassen.
Ich habe das Buch an einem Nachmittag durchgelesen und es richtig genossen, mich in diese Wohlfühlatmosphäre fallen zu lassen – und das, obwohl diese Weihnachtsgeschichte nicht wirklich in den Mai zu passen scheint! Lovelight Farms – Lichterglanz schafft es ganz großartig, die winterlich romantische Stimmung rüberzubringen, ohne dass ich einen Tannenbaum oder Plätzchen dafür gebraucht hätte. Es fühlte sich tatsächlich ein bisschen an wie Gilmore Girls, Virgin River oder Heartland – ein richtiger Wohlfühlroman trotz aller Vorhersehbarkeit der Handlung.
Neben dem Wettbewerb der Influencerin gibt es noch weitere Dinge, die auf der Weihnachtsbaumfarm passieren, und der Übeltäter kann von Lesenden schneller enttarnt werden als die Romanfiguren es schaffen. Es geht hier aber auch nicht um die Suche nach dem Täter oder andere tiefere thematische Abgründe. Stattdessen ist dies eine seichte Geschichte, mit der ich super abschalten konnte und mich über die leicht schrulligen Details der Kleinstadt amüsieren konnte. Hier wird das sprichwörtliche Rad nicht neu erfunden und ich glaube auch nicht, dass Lovelight Farms besonders weit oben auf meiner Jahresbestenliste landen wird. Allerdings ist es auch nicht schlecht genug, um weit unten zu landen.
Es gibt nichts, was mich extrem begeistert hätte, aber gleichzeitig gibt es auch nicht viele Elemente, die mich in anderen Büchern gestört haben. Es gibt außerdem keine Themen, die eine Triggerwarnung gebraucht und die Wohlfühlatmosphäre gestört hätten: keine Gewaltszenen, keine sexistischen Arschlöcher – um es ganz direkt zu sagen -, kein Machtmissbrauch oder ähnliches. Das ist auf dem aktuellen Markt dieses Genres aus meiner Perspektive eher eine Seltenheit und deshalb positiv hervorzuheben.
Besonders gut hat mir die realistisch erscheinende Umsetzung des oben erwähnten (best-) friends-to-lovers Tropes gefallen. Ich habe lange keine Version dieser Geschichte gelesen, die mir so gut gefallen hat. Natürlich gibt es auch hier Unsicherheiten, insbesondere in Bezug auf Grenzen, die überschritten werden müssen, und die Frage, wie es nach dem Zeitraum der vorgespielten Beziehung weitergehen würde. Beim Lesen fühlte sich diese (Fake-) Beziehung allerdings genauso natürlich und ungezwungen an, wie es die beiden Protagonist*innen scheinbar empfunden haben. Die Puzzleteilchen sind einfach an den richtigen Platz gefallen.
Fazit
Das fasst vielleicht den ganzen Roman gut zusammen: anfänglich werden die einzelnen Puzzleteile vorgestellt, man erkennt schnell, wohin die Reise gehen soll, und ohne allzu großes Drama (aber mit jeder Menge Charme und simpler Freude am einfachen Kleinstadtleben) oder das Gefühl, dass alles zu gewollt und erzwungen erscheint, finden diese Puzzleteile ihren Zielort. Lovelight Farms – Lichterglanz ist unaufgeregt, gemütlich und charmant. Band 2 wartet übrigens inzwischen in meinem Regal auf mich …
Und jetzt habe ich Lust, mal wieder eine Folge Gilmore Girls zu schauen! 🙂
Hui, so schnell wie Café con Lychee habe ich lange kein Buch mehr inhaliert! Entweder ist es so geschrieben, dass man nur so durch die Seiten fliegt, oder ich habe die Buchstaben förmlich aufgesogen: Für ...
Hui, so schnell wie Café con Lychee habe ich lange kein Buch mehr inhaliert! Entweder ist es so geschrieben, dass man nur so durch die Seiten fliegt, oder ich habe die Buchstaben förmlich aufgesogen: Für diese gut 350 Seiten habe ich keine vier Stunden gebraucht!
Die Geschichte von Theo und Gabriel kann ich nur von außen beurteilen, aber aus meiner Perspektive ist sie extrem realistisch. Einer out and proud, der andere hadert aus guten Gründen mit seiner Sexualität und lernt erst nach und nach die positiven Seiten davon kennen. Dazu kommen übervorsichtige Eltern mit hohen Erwartungen und ständige Vergleiche zu älteren Geschwistern, Selbstzweifel, Existenzängste, die sich von Eltern auf ihre Kinder übertragen, Ärger mit der entfernten Familie, kulturelle Differenzen zwischen Elternhaus und der Umgebung, in der man lebt, Druck von Vermieter und Arbeitgeber, gesellschaftliche Erwartungen an der Schule, Sorgen über die eigene Körperlichkeit – Emery Lee schafft es, all das zu erzählen und anzudeuten, ohne in erzieherische Maßnahmen zu verfallen.
So oft habe ich bei Jugendbüchern das Gefühl, dass derdie Autorin von oben herab und mit einer ständigen Moral im Hinterkopf pseudo-jugendliche Gedanken in die Köpfe seinerihrer Figuren schreibt, die mit der wirklichen Lebensrealität Jugendlicher heute nichts mehr zu tun haben. Das ist einer der Gründe, weshalb ich inzwischen nur noch wenige Bücher lese, deren Hauptfiguren noch zur Schule gehen. Hier allerdings machen all diese Elemente Theo und Gabi zu vielschichtigen Menschen, die eben mehr als eine Sorge haben können und gleichzeitig Kind und Erwachsener sein müssen. Diese Waage hält Emery Lee ganz hervorragend.
Nach einer kurzen Recherche vermute ich übrigens, dass derdie Autorin selbst zur queeren Community gehört, da auf der Website keine regulären Pronomen verwendet werden. Das erklärt für mich auch das Fingerspitzengefühl, mit dem Café con Lychee geschrieben wurde.
Besonders steht natürlich die aufkeimende Beziehung zwischen Theo und Gabi im Fokus, allerdings wird sie in einem Rahmen erzählt, den ich nicht besser zusammenfassen kann als Emery Lee selbst in einem Instagram-Post: „my romcom about reclaiming your culture that’s been stolen by white people for profit while chasing you out of your own history and space.“ Beide Jungs kämpfen um den Erhalt der Restaurants ihrer jeweiligen Eltern, nachdem ein neues fancy Szene-Café mit einer von verschiedenen Länderküchen inspirierten Speisekarte und kunterbunten Interpretationen ihnen Konkurrenz macht.
Das Thema „Kulturelle Aneignung“ ist Auslöser des Problems, mit dem beide Familien konfrontiert sind, schwebt aber den Rest des Buches eher im Hintergrund als ständige Motivation mit. Lee schwingt also nicht die Moralkeule, macht allerdings unmissverständlich klar, welche Auswirkungen so etwas haben kann.
Ich hatte beim Lesen nie das Gefühl, dass mir eine Botschaft aufgedrängt werden sollte, wie ich es so oft bei (insbesondere deutschen und männlichen) Jugendbuchautorinnen erlebe. Stattdessen habe ich einfach interessiert verfolgen dürfen, wie Gabi über den eigenen Schatten springt und den Mut aufbringt, er selbst zu sein, während Theo sich langsam erlaubt, an sich selbst zu glauben. Es gab ein paar wenige Klischees, die sich aber mehr wie Hommagen anfühlten als wie zwanghaft eingesetzte Schablonen.
So würde der schlechte Fußballspieler viel lieber Ballett tanzen, die Freundin verknallt sich in den schwulen besten Freund, bevor sie von seiner Sexualität weiß, der beste Freund hat eine On-Off-Beziehung mit seiner Freundin, was zu Reibereien zwischen den Freunden führt, Homecoming wird extrem zelebriert und ja, natürlich haben ausgerechnet die asiatischen Eltern hohe Ansprüche an die Noten ihrer Kinder und einen recht autoritären Erziehungsstil. Trotz dieser bekannten Motive wirkt das Gesamtbild von Café con Lychee wirklich stimmig und besonders.
Scheinbar soll es eine Fortsetzung geben, da auf der Webseite des Verlags von Band 1 die Rede ist. Ich kann mir im Moment nicht vorstellen, wie ein zweiter Band aussehen würde und welches Paar möglicherweise im Fokus stehen könnte. Wenn ich mir aber dieses Buch als Maßstab nehme, dann möchte ich wirklich gern mehr von Emery Lee lesen.
Dass die Mercy Thompson-Reihe meine liebste Buchserie ist, ist inzwischen wirklich keine Neuigkeit mehr. Ich habe ja sogar vor einigen Jahren schon einen Buchtipp zum Mercy-Universum geschrieben: (Link ...
Dass die Mercy Thompson-Reihe meine liebste Buchserie ist, ist inzwischen wirklich keine Neuigkeit mehr. Ich habe ja sogar vor einigen Jahren schon einen Buchtipp zum Mercy-Universum geschrieben: (Link auf dem Blog)
Im März ist nun mit Seelendieb der 13. Band der Reihe auf Deutsch erschienen und ich habe es tatsächlich geschafft, vorher nicht das englische Original zu lesen, obwohl mich die Wartezeit von fast zwei Jahren verflixt neugierig gemacht hat! Vor allem der Klappentext, der auf interessante Entwicklungen hindeutet.
Beinhaltet diese Rezension Spoiler?
Natürlich versuche ich, diese Rezension so spoilerfrei wie möglich zu halten. Weil es aber eben bereits Band 13 ist und einzelne Figuren sich seit dem Anfang stark entwickelt haben, wird es sich nicht ganz vermeiden lassen, die vorherigen Bände etwas zu spoilern.
Handlung
Die Geschichte von Seelendieb (im Original: Soul Taken) beginnt, als Mercy und ihre Wölfe sich kaum vom letzten Angriff erholt haben (Zur Erinnerung: es ging um eine spezielle Hexen-Familie). Mit den lokalen Vampiren stimmt irgendetwas nicht, die Hexen in der Gegend beklagen Verluste und ganz offensichtlich will jemand die Schuld den Personen in die Schuhe schieben, die versprochen haben, die Stadt und ihre Bewohner*innen zu beschützen: Mercy und ihre erweiterte Familie.
Die Autorin greift hiermit einen Handlungsfaden wieder auf, der in einem früheren Band nicht ganz zum Ende gebracht wurde, und verknüpft ihn mit einem neuen Mythos, der scheinbar doch recht real ist – jedenfalls in Mercys Welt. Sherwoods Geheimnis wird gelüftet, eine neue Facette von Zees Charakter wird offenbart und Mercy ist wieder einmal die einzige Person, die irgendwie Ordnung und Sinn in das neue Chaos bringen kann.
Es gibt auch ein paar kleinere Hinweise auf das Spin-Off Alpha & Omega über Charles und Anna, die mich sehr sehr neugierig machen und mich daran erinnert haben, dass ich den neuesten Band über dieses Paar noch gar nicht gelesen habe, dabei ist er schon längst auf Deutsch erschienen!
Die Idee des Seelendiebs, deren Details ich hier nicht verraten werde, finde ich ziemlich clever. Sie erinnerte mich etwas an die Serie Supernatural, was auch zur Stimmung dieses Bandes passt. Insgesamt habe ich den Eindruck, dass Mercy in dieser Geschichte ernster war. Die Dringlichkeit der Ermittlungen, die Auswirkungen, die ein Versagen zur Folge hätte, und die hintergründigen Verstrickungen geben Seelendieb einen weniger lustigen, aber immer noch leicht humorvollen Unterton.
Schreibstil
Dieser Stil ist es, den ich – wie immer – an dieser Autorin sehr schätze. So düster und grausam manche Bösewichte auch sind: sobald Mercy einen Moment Ruhe gefunden hat – zum Backen, Stupsen oder Ausdenken von mehr oder weniger harmlosen Streichen – und die Monster mit diesem Namen bedenkt, dann wirken sie gar nicht mehr so gruselig und ich kann nach dem Lesen gut schlafen.
Ich habe diesen Band wieder sehr gern gelesen und bleibe der Reihe auch zukünftig treu. Zwischendurch gab es aber ein paar kurze Momente und Szenen, die meiner Meinung nach entweder nicht nötig waren oder sich einfach zu sehr in die Länge gezogen haben. Zum Beispiel die vielen Wiederholungen: wer sind diese Figuren, welche Vergangenheit haben sie, wie sieht die Beziehung zu den Hauptfiguren aus?
Ich verstehe den Sinn solcher Wiederholungen, besonders, wenn der vorherige Band wie in diesem Fall schon mehrere Jahre zurückliegt. Für mich war das aber eher störend als helfend – wahrscheinlich auch deshalb, weil ich die Wartezeit damit verbracht habe, die englischen Hörbücher der Reihe rauf und runter zu hören und die Handlung und Charakterbeziehungen mir deshalb noch sehr präsent waren. Eine bessere Lösung wäre vielleicht ein Charakterglossar statt der langen Erklärungen im Text – bei der Fülle an Figuren wäre das inzwischen wahrscheinlich grundsätzlich keine schlechte Idee.
Ich habe lange überlegt, wie ich diese Rezension schreiben soll. Während ich nämlich ziemlich begeistert von Das Reich der Vampire bin, gibt es auch ein paar Dinge, die mich sehr gestört haben. Ich bin ...
Ich habe lange überlegt, wie ich diese Rezension schreiben soll. Während ich nämlich ziemlich begeistert von Das Reich der Vampire bin, gibt es auch ein paar Dinge, die mich sehr gestört haben. Ich bin zwiegespalten, ob ich die Fortsetzung lesen sollte.
Mein erstes Jay Kristoff-Buch war vor einigen Jahren Illuminae, danach habe ich mich an Nevernight herangetraut und Aurora erwacht und Aurora entflammt haben mich total vom Hocker gehauen, bevor ich Lifelike gelesen habe. Während ich das hier schreibe, fällt mir zum ersten Mal bewusst auf, dass ich – Stand heute – keine einzige seiner Reihen beendet habe. Von manchen habe ich nur einen Band gelesen, von Nevernight auch den zweiten. Band 3 von Aurora und Band 2 von Illuminae stehen sogar schon in meinem Regal und warten darauf, gelesen zu werden.
Aber so sehr mich die Welten auch begeistern, die Kristoff in seinen Büchern (zum Teil zusammen mit Amie Kaufman) gestaltet, zum Leben erweckt und mit so faszinierenden Figuren füllt, dass ich mir diese Geschichten sehr gut als TV-Serie vorstellen könnte, so sehr gibt es einen gemeinsamen Nenner aller dieser Bücher, der mich konsequent stört:
Die Bücher sind zu lang!
Bitte nicht falsch verstehen, ich habe kein Problem mit dicken Büchern! Dass ein Roman die 1000-Seiten-Marke überschreitet, ist für mich kein Grund, nicht danach zu greifen. (Ich habe ja auch Diana Gabaldons Outlander gelesen, als es im deutschen Raum noch Feuer und Stein hieß.) Ganz im Gegenteil, ich ziehe mehr Seiten eigentlich weniger Seiten vor, weil die erzählte Geschichte dadurch mehr Raum hat, sich zu entfalten und ich die Figuren richtig kennenlernen kann, bevor sie direkt wieder verschwinden. Deshalb lese ich so gern Reihen. Aber die Geschichte muss eben auch genug Stoff haben, um all diese Seiten zu füllen.
Im Fall von Das Reich der Vampire, was meines Wissens nach wieder eine Trilogie werden soll, sind es nach meinem Bauchgefühl etwa 200 Seiten zu viel – im Verhältnis zur Seitenzahl von 1024 Seiten macht das zwar durchaus einen spürbaren Unterschied, aber ich bin mir absolut sicher, dass man die Handlung auch locker auf 824 Seiten unterbringen könnte, ohne zu viel zu verlieren. Das ist immer noch eine gewaltige Seitenzahl! Oder man hätte diesen ersten Band auf zwei Bände aufteilen können, wobei ich nicht wüsste, wo genau man den Cut setzen sollte …
Schreibstil und Erzählweise
Der Schreibstil ist absolut nicht schleppend oder langweilig, es passiert immer etwas und auch in der Handlung sehe ich keine richtigen Durchhänger, die ich am liebsten überblättert hätte (bei anderen Büchern kommt das schon ab und zu mal vor). Aber weil so unfassbar viel passiert, während die Figuren nur langsam auf ihrem Weg in Richtung Zielgerade vorankommen, hatte ich oft den Gedanken: “Wann ist es denn nun endlich soweit? Wann erfahre ich, was es mit XY auf sich hat? Wann wird dieser eine Erzählstrang weitergeführt, der mich viel mehr interessiert (und interessieren soll) als der andere?” Dieses Erlebnis hatte ich auch mit Tolkiens Herrn der Ringe – und die Bücher habe ich irgendwann frustriert abgebrochen.
Die Art, wie die Geschichte von Das Reich der Vampire erzählt wird, ist super und hebt sich von der Masse ab: Wie schon in Nevernight (übrigens wurden beide Bücher von derselben Person ins Deutsche übersetzt, s. u.) wird rückblickend berichtet, was passiert ist, sodass wir Lesenden eigentlich von Anfang an zum Teil wissen, wie das Ende aussehen muss. Es werden immer wieder Details und dezente Hinweise eingestreut. In Form einer Binnenerzählung blickt der Protagonist auf sein Leben zurück, während jemand seine Geschichte aufschreibt und immer mal wieder nachhakt.
Das ist ziemlich clever gemacht, führt aber zu genau dem Problem, das ich oben schon erwähnt habe: Unterbrochene Erzählstränge. Die erzählende Figur beschreibt eben nicht linear von A bis Z, wie sein Leben abgelaufen ist, sondern will über Manches nicht sprechen oder findet andere Dinge irrelevant, wodurch der Zusammenhang verschleiert wird.
Das hat Vor- und Nachteile. Ein Vorteil wäre Abwechslungsreichtum, sodass das Publikum nicht von einem Erzählstrang gelangweilt ist – in der Theorie. Nachteilig wird es dann – wie hier – , wenn die Geschichte mit so vielen Details und Unterbrechungen bestückt ist, dass es schwierig wird, lange dran zu bleiben, weil man einfach den Überblick verliert. Und wenn man dann nach mehreren Tagen Unterbrechung wieder weiterlesen will, gibt es erst einmal eine Phase der Verwirrung: wo genau bin ich jetzt in der Geschichte? Welchem Erzählstrang folge ich gerade?
Inhalt
Mit Gabriel de Leon hat Kristoff nach Nevernights Mia wieder einen Antihelden geschaffen, der mit schlechten Manieren, Gewalttätigkeit und der Sehnsucht nach Rache und Ruhm zwar letzteren erlangt, aber auf dem Weg dahin immer wieder gewaltig auf die Nase fliegt und auch Familie und Freunde an den Feind verliert (das sind in diesem Fall übrigens der Tod und Vampire, die in dieser Welt nicht glitzern, sondern ziemlich blutrünstig sind). Er ist von vielen schlechten Erfahrungen gezeichnet und schon oft an die Grenzen des Erträglichen gestoßen – und doch verliert er sein großes Mundwerk nicht. Im Gegensatz zu seinem Glauben.
Religion spielt eine enorme Rolle und ist sehr deutlich an das katholische Christentum angelehnt. Meine persönliche Einstellung Religion gegenüber (agnostischer Atheismus) konnte ich in vielen Kritikpunkten und Beschreibungen wiederfinden. Ich finde es ziemlich clever, wie real existierende Elemente des Christentums aufgegriffen, minimal verändert und auf eine Weise in die Welt eingebaut wurden, die sofort einige merkwürdige Elemente und Strukturen der realen Religion erkennen lassen.
Ein Beispiel: Als morbides Symbol für die Religion wurde der Gegenstand gewählt, an/mit dem der religionsstiftende Heilige ermordet wurde, als er sich für seine Anhänger geopfert hat. Kommt euch bekannt vor, oder? Oder, als zweites Beispiel, das im Das Reich der Vampire glücklicherweise nur eine Randnotiz ist: Ein Bischof, der unter dem Deckmantel, ein Waisenhaus zu leiten, kleine Mädchen – mehr muss ich nicht schreiben, hoffe ich.
Es fällt mir schwer, genauer auf Details einzugehen, ohne zu sehr zu spoilern, deshalb halte ich den Teil zum Inhalt kurz. Nur noch so viel: Es hat mir großen Spaß gemacht, zu verfolgen, wie sehr sich manche Figuren verändert haben, und gleichzeitig habe ich den Verlust von anderen betrauert. Ich habe keine wirkliche Vorstellung davon, wie die Handlung in der Fortsetzung weitergehen könnte. Die Welt, die Kristoff hier geschaffen hat, finde ich wirklich faszinierend, und ich sehe viel Potenzial für Spin-Offs, die die Geschichten anderer Figuren in dieser Welt erzählen.
Fazit
Das Reich der Vampire ist eine spannende und aus meiner heutigen Perspektive einzigartige Geschichte über einen unsympathischen – und dadurch irgendwie wieder sympathischen – Antihelden und die Menschen und Monster, die sein Leben begleiten. Leider ist diese Geschichte so umfassend und detailreich erzählt, dass ich beim Lesen das störende Gefühl hatte, mich zu sehr in diesen Details zu verlieren, anstatt die Handlung voranzutreiben. Einige Seiten weniger hätten der Erzählung gut getan.