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Veröffentlicht am 13.11.2024

Eine kleine Kopie von Harry Potter mit einer Prise Drachen

Smaragour – Die Dracheninsel
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Kurzgesagt ist Smaragour. Die Dracheninsel eine tolle Fantasy-Geschichte voller Abenteuer, Geheimnisse und vor allem Drachen. Ich hatte wirklich Spaß beim Lesen und werde das Smaragour definitiv meinem ...

Kurzgesagt ist Smaragour. Die Dracheninsel eine tolle Fantasy-Geschichte voller Abenteuer, Geheimnisse und vor allem Drachen. Ich hatte wirklich Spaß beim Lesen und werde das Smaragour definitiv meinem zwölfjährigen Neffen empfehlen, der mich schon nach neuen Buchtipps gefragt hat, weil er mit Percy Jackson durch ist.

Wenn ich mehr ins Detail gehen soll, dann fallen mir für meinen Geschmack viel zu viele Ähnlichkeiten zu Harry Potter auf. Es gibt sicherlich auch Parallelen zu anderen Büchern des Genres für diese Zielgruppe – das lässt sich manchmal schlicht nicht vermeiden -, aber wirklich extrem fand ich, wie nah an dem bekannten Zauberinternat die Geschichte von Smaragour gestrickt wurde.

Im Fokus steht eine Dreiergruppe aus zwei Jungs und einem Mädchen, die Regeln brechen (müssen), um Geheimnisse aufzudecken und gegen einen gefährlichen und von Obrigkeiten unterschätzten Feind anzutreten. Es gibt am Anfang des Schuljahres eine Zuordnung in Gruppen, die in Türmen wohnen (wie die vier Häuser von Hogwarts), die Lehrer geben Plus- und Minuspunkte für Verhalten (wie die Hauspunkte), Drachenreiter und Arbeiter werden getrennt (wie Zauberer/Hexen und Squib, mit ähnlicher Verachtung den Arbeitern gegenüber).

Ein Höhepunkt von Smaragour ist ein großes Turnier zwischen drei Drachenreiterschulen (wie das Trimagische Turnier), die Hauptfigur Jamie hört unter bestimmten Bedingungen Geräusche, die andere nicht hören können (wie der Basilisk in den Wasserleitungen in Hogwarts), es gibt einen verbotenen Abstecher in die Bibliothek. Ein fieser Junge, der offenbar zur Elite gehört, macht sich über unsere Helden lustig (wie Malfoy) und er heißt auch noch fast exakt so wie Draco Malfoys Sohn in Harry Potter und das verwunschene Kind, eine Lehrerin erinnert extrem an Professor McGonagall.

Jamie zeigt großes Talent fürs Fliegen und hat ein Familienmitglied, das auch gut darin war (wie Harry und sein Vater, nur fliegen sie hier auf Drachen und nicht auf Besen). Der lange unbenannte Bösewicht der Geschichte „war einst der begabteste Drachenreiter der [Drachenreiterschule]“ (wie Voldemort als einer der Vorzeigeschüler von Hogwarts), das Drachenreiter-Internat ist ein imposantes Gebäude mit Türmen in abgelegenen Bergen (wie Hogwarts) – es sind einfach viel zu viele und viel zu auffällige Details und Momente, die viel zu eindeutig von Harry Potter inspiriert sind.

Das wird den jungen Leser*innen wahrscheinlich nicht oder nicht so stark auffallen, aber mir fiel es schwer, diese Dinge zu übersehen. Für mich heißt das nicht, dass die Geschichte schlecht ist, das hatte ich eingangs ja schon gesagt. Ich mag besonders die Botschaft oder Moral, die sich hinter Smaragour verbirgt: Wenn die Gesellschaft dich in eine Schublade steckt, musst du dich nicht damit zufrieden geben. Du darfst all die Dinge lernen, die es dir ermöglichen, aus der Schublade auszubrechen und deine eigenen Ziele zu erreichen.

Es wird auch großer Wert auf Integrität gelegt. So sagt Tex, Jamies beste Freundin und Komplizin, in einer Szene, dass sie lieber selbst stolz auf sich ist, als dass sie sich entsprechend den gesellschaftlichen Erwartungen verbiegt, nur um ihre Eltern stolz zu machen. Das sind Werte, die ich gern an Kinder vermittelt sehe.

Mir fehlt neben diesen positiven Aspekten aber eine kreativere und vor allem eigene Weltgestaltung, und das ist mein einziger, wenn auch großer Kritikpunkt an Smaragour.

Es ist bei all den bereits existierenden Geschichten und Welten mit Magie und Drachen bestimmt schwer, das Rad neu zu erfinden. Trotzdem halte ich es für zu einfach, sich das Grundgerüst von Harry Potter zu nehmen, die Drachenreiter-Idee nur noch um dieses Gerüst zu wickeln und mit ein paar eigenen Details auszuschmücken, bis die Geschichte steht. Es gibt viele Bücher, die für meinen Geschmack zu nah an Harry Potter sind, aber es ist mir lange nicht mehr so extrem aufgefallen wie bei Smaragour.

Warum müssen unsere Helden zwei Jungs und ein Mädchen sein, wobei das Mädchen wie Hermine später dazustößt? Warum nehmen drei Schulen an dem Turnier teil? Warum gibt es Figuren, die so ähnlich zu Malfoy, McGonagall und sogar Madam Hooch sind? Warum gibt es die Gruppen, die in Türmen wohnen und zum Schuljahresanfang zugewiesen werden? Schon diese paar Beispiele sind Elemente, die man problemlos anders gestalten und sich damit von der Vorlage Harry Potter lösen könnte, ohne die eigentliche Handlung zu sehr zu verändern.

Ich fand zum Beispiel eine Disziplin des Turniers großartig, in der die Drachenreiter mitsamt ihren Drachen in Höchstgeschwindigkeit durch einen abwechslungsreichen und gefährlichen Parcours aus Röhren fliegen müssen, was leichter klingt als es scheinbar ist. Auf die Idee wäre ich nie gekommen, und das war einer der wenigen Momente, in denen ich wirklich sehen konnte, was die Autorin eigentlich kann.

Fazit


Ich finde es schade, dass sich Smaragour stellenweise wie eine kleine Kopie von Harry Potter angefühlt hat und so wenig von der Struktur der Welt, der Gestaltung der Charaktere und der Entwicklungen der Handlung nach einer eigenständigen Idee klang. Trotzdem bin ich neugierig, wie die Geschichte weitegeht und werde nach Band 2 Ausschau halten – der dann hoffentlich mit mehr eigenen Ideen und weniger Hogwarts-Schablone aufwarten kann.

Veröffentlicht am 13.11.2024

Das Rad wird nicht neu erfunden, aber sehr angenehm zu lesen

Lighthouse Bookshop
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Nach einem etwas zähen Einstieg in Lighthouse Bookshop habe ich schnell den Charme des titelgebenden Antiquariats im Leuchtturm und seiner Gäste und Besitzer erkennen können. Durch die wechselnden Perspektiven ...

Nach einem etwas zähen Einstieg in Lighthouse Bookshop habe ich schnell den Charme des titelgebenden Antiquariats im Leuchtturm und seiner Gäste und Besitzer erkennen können. Durch die wechselnden Perspektiven schauen wir mal in Rachels, mal in Tobys und mal in Gillys Kopf und auch die anderen Charaktere kommen nicht zu kurz. Bei einer größeren Gruppe wie dieser stört mich das oft etwas, weil meistens ein Paar oder wenige Figuren im Vordergrund stehen – da brauche ich keinen inneren Monolog von einer entfernten Freundin. Hier erfüllen aber tatsächlich alle Blickwinkel eine bestimmte Rolle und runden die Handlung ab, sodass es mir ausnahmsweise richtig gut gefallen hat. Das hat mir die Geschichte näher gebracht.

Etwas schade finde ich, wie schnell und leicht die teilweise großen Probleme einzelner Personen gelöst wurden. Ohne zu sehr ins Detail zu gehen: Einmal war das Mittel der Wahl „du musst nur den Richtigen Menschen finden/dich neu verlieben“, einmal war es „so gut ich das Geld auch gebrauchen kann, ich bin lieber ein guter Mensch und tue das Richtige“, auch wenn das „Falsche“ gar kein großes Drama gewesen wäre.

Ja, Lighthouse Bookshop erzählt eine romantische Kleinstadtgeschichte (ein bisschen hat es stellenweise an Gilmore Girls erinnert), da ist es nicht immer gewollt, möglichst realistisch oder ernst zu schreiben. Bei den hier behandelten Themen aber hätte es mir besser gefallen, wenn sich das jeweilige Problem nicht gefühlt von selbst und im Verlauf von wenigen Seiten gelöst hätte. Dass Gut gegen Böse siegt, ganz plakativ gesagt, war sehr befriedigend. Aber eben auch etwas einfach aufgebaut.

Trotzdem – oder gerade deshalb – ließ sich Lighthouse Bookshop gut lesen. Die wichtigen Charaktere haben alle ein für sie irgendwie passendes Ende bekommen, auch wenn nicht alle roten Fäden komplett zusammengeführt wurden. Besonders Ron, Gilly und Edie haben es mir angetan. Ron, weil zu seiner Figur so viel angedeutet und so wenig explizit geschrieben wird, dass es viel Interpretationsspielraum lässt. Die fünfzehnjährige Gilly, weil sie mir sehr authentisch vorkommt: Oft werden Jugendliche von Erwachsenen zu bemüht jugendlich geschrieben, sodass es aufgesetzt und, ja, eben bemüht wirkt, aber nicht authentisch.

Hier schafft die Autorin es aber ziemlich gut, die innere Reife einer jungen Frau, die viel zu früh auf sich allein gestellt war, mit der Sehnsucht nach Zuneigung und der Wankelmütigkeit von Jugendlichen zu vermischen – und ihr dabei die richtigen Worte in den Mund zu legen. Edie, weil sie so offen für Neues und mutig ist, wie ich es von Frauen in ihrem Alter nur selten erlebe, auch nicht in Büchern, und dabei trotzdem eine realistische Figur bleibt, ohne zur guten Fee zu mutieren.

Rachel war mir bis zum Ende etwas unsympathisch, wobei ich nicht klar benennen kann, woran es lag. Toby machte auf mich den Eindruck, dass die Autorin einfach einen Mann brauchte, dessen psychischer Knacks von einer neuen Liebe geheilt werden konnte. Er wirkte trotz der tiefergehenden Beschreibungen auf mich einfach und oberflächlich.

Etwas störend fand ich die Tatsache, dass das Buch kein Korrektorat bekommen hat oder dieses nicht genau genug gearbeitet hat: Ich bin immer wieder über Stellen gestolpert, wo Leerzeichen gefehlt haben und dadurch Wörter zusammengezogen wurden oder andere Flüchtigkeitsfehler zu erkennen waren. Das hätte nicht sein müssen.

Kurz:
Den großen Charme von Lighthouse Bookshop machen für mich die Nebenfiguren und die junge Ausreißerin Gilly aus. Es geht um Nächstenliebe und irgendwie auch darum, die Welt optimistisch zu betrachten. Für mich ist Lighthouse Bookshop keine herausragende Entdeckung, aber eine angenehme Unterhaltung für zwischendurch – gerade an so nassen und kalten Herbsttagen wie jetzt gerade.

Veröffentlicht am 13.11.2024

Ganz okay, aber nicht so gut wie Band 1

The Score – Mitten ins Herz
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Elle Kennedys Off Campus-Romane, angefangen mit The Deal, lassen sich extrem schnell durchlesen. Dieser dritte Band hat mich nicht so sehr begeistert wie die ersten beiden, weshalb ich erst mal abwarte, ...

Elle Kennedys Off Campus-Romane, angefangen mit The Deal, lassen sich extrem schnell durchlesen. Dieser dritte Band hat mich nicht so sehr begeistert wie die ersten beiden, weshalb ich erst mal abwarte, ob ich mit Band 4 weitermachen möchte. Aber Dean und Allie sind auch ein ganz nettes Paar, das zusammen mit dem Freundeskreis für gute Unterhaltung gesorgt hat. Im Vergleich mit Bianca Iosivonis Last Firsts-Reihe können Kennedys Bücher aber nicht ganz mithalten, sorry …

Veröffentlicht am 13.11.2024

Eine Kombination aus Hunger Games und Divergent

Gameshow – Der Preis der Gier
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Neugierig wurde ich auf Gameshow als erstes durch das Cover auf NetGalley, das muss ich zugeben. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht und einfach das Design bewundert, aber rückblickend passt es mit den ...

Neugierig wurde ich auf Gameshow als erstes durch das Cover auf NetGalley, das muss ich zugeben. Ich habe mir nicht viel dabei gedacht und einfach das Design bewundert, aber rückblickend passt es mit den technischen Details und dem schwarz-weißen Hintergrund hervorragend zur Geschichte.

Eine Kombination aus Hunger Games und Divergent
Nach einer längeren Pause – so kommt es mir jedenfalls vor – haben wir mit Gameshow erstmals wieder eine starke Dystopie für Jugendliche, die in die gleiche Kerbe haut wie Suzanne Collins‘ Die Tribute von Panem/Hunger Games und Veronica Roths Die Bestimmung/Divergent.

Da der Klappentext hier etwas vage bleibt, werde ich kurz etwas deutlicher: Es geht um tödliche Spiele zur Unterhaltung einer höheren Gesellschaftsklasse, bei denen Menschen der niedrigsten Klasse sich in Arenen gegenseitig umbringen und dabei absichtlich aufgestellte Fallen der Gamemaster überleben müssen. Die mittleren Klassen sind aber nicht einfach unbeteiligt. Nein, sie werden durch Gesetze gezwungen, mit dem wenigen Geld, das ihnen zur Verfügung steht, auf den Ausgang der Gameshow zu wetten, und füttern dadurch immer weiter ihre eigene Gier nach dem großen Geld oder sozialem Aufstieg. So weit, so Hunger Games.

An Divergent und dessen Hauptfiguren Tris und Four haben mich vor allem die Szenen zwischen der Protagonistin Cass und ihrer neuen Bekanntschaft Jax erinnert: Eine neue Rekrutin, Anfängerin auf so vielen Ebenen, und ihr erfahrener Ausbilder, der aber nicht viel älter ist als sie selbst. Ein potenziell tödliches Geheimnis, das sie vor ihm verbergen muss – oder vielleicht doch nicht? Geheime Momente der Zuneigung, die vor allen anderen verborgen werden müssen. Kommt uns bekannt vor, oder?

Auch die rebellischen Untergrundgruppierungen erinnerten mich vor allem an Divergent, aber mit dem Anführer, der weit in die Zukunft plant und seine eigene Vergangenheit nicht an die große Glocke hängt, auch an Hunger Games. Bestimmte Werbeslogans der namensgebenden Gameshow hätten genau so auch zu den Hunger Games gepasst.

Eine spezielle Szene wirkte auf mich leider wie aus Divergent geklaut, so sehr ähnelt sich der Text. Nicht nur die kleine Szene selbst, sondern der gesamte Kontext, das Verhalten der Figuren, die Stimmung – alles identisch. Ich möchte der Autorin nicht unterstellen, dass das bewusst kopiert wurde. Allerdings zeigt sie sich in ihrem Instagram-Profil durchaus vor einem Regal voller Bücher, in dem auch die beiden Reihen stehen, an die mich dieses Buch so sehr erinnert. Ich finde es deshalb naheliegend, zumindest eine gewisse Inspiration durch Divergent und Hunger Games zu vermuten. Ein bisschen mehr Kreativität für eine eigene Szene hätte mir an der Stelle besser gefallen.



Es folgt ein Spoiler!



Die Szene, die ich meine, beinhaltet den Eintritt von Cass (in Gameshow) beziehungsweise Tris (in Divergent) in die jeweils neue Gruppe: beide jungen Frauen müssen vom Dach einer Häuserruine in ein tiefes Loch springen, das durch mehrere Stockwerke der Ruine geht und dessen Boden so weit entfernt ist, dass er – mitsamt dem geheimen Auffangnetz – in der Dunkelheit verschwindet. Ein wortwörtlicher leap of faith, bei dem sie den vorher springenden Männern, die sie gerade erst kennengelernt haben, blind folgen müssen und nach dem Sprung halb bewundernd, halb belustigt empfangen werden.



Spoiler Ende!



Ein Kandidat für den Bechdel-Test?
Obwohl die Hauptfigur von Gameshow eine junge Frau ist, die Geschichte in der Zukunft spielt und deshalb die Vermutung nahe liegt, dass Frauenrechte und Gleichberechtigung irgendwie relevant sind, würde ich dieses Buch gern mal dem Bechdel-Test unterziehen. Dieser Test wird benutzt, um Filme auf eigenständige weibliche Figuren zu untersuchen. Dabei werden drei Fragen bearbeitet: Gibt es mindestens 2 Frauenrollen? Sprechen sie miteinander? Und, das ist hier der Knackpunkt: reden sie über etwas anderes als einen Mann?

Gameshow ist zwar kein Film und es gibt definitiv mehr als 2 Frauenrollen, die auch miteinander sprechen. Aber der Anteil der Gespräche, der sich ausschließlich um Männer drehte, um potenzielle Partner oder Schwärmereien, um Sorgen wegen der Väter, um die gegenseitige Rivalität um die Gunst von Männern – der erscheint mir sehr hoch. Viel zu viele Frauen/Mädchen reden nur über Männer, wenn sie überhaupt Dialoge bekommen, und arbeiten aktiv gegen Cass an, nur weil sich Jax für Cass interessiert und er scheinbar der tollste Typ überhaupt ist. Eine Frau in Cass Alter hasst sie vom ersten Moment an aus allein diesem Grund und versucht, ihr ernsthaft etwas anzutun.

Die wenigen Frauen, die Cass unterstützen oder ihr zumindest nicht feindlich gesinnt sind, sehen in ihr auch keine romantische Konkurrenz, weil sie sich nicht für Jax interessieren. Er hat für meinen Geschmack einen viel zu großen Einfluss auf Cass‘ Beziehungen zu anderen Leuten, insbesondere zu Frauen, obwohl er nicht zu den anderen geht und sie aktiv zu irgendeinem Verhalten anstiftet. Das hat mir viele sonst positive Stellen in der Geschichte etwas eingetrübt.

Für einen kurzen Moment habe ich mich außerdem gefragt, ob eine bestimmte Figur vielleicht queer sein könnte, aber das wird nur so kurz und vage angedeutet, dass das allein meine Interpretation sein könnte. In meinen Augen wäre das allerdings ein vielversprechendes Detail, das dieser Figur sehr viel mehr Tiefgang verleihen und einige Entscheidungen erklären könnte.

Fragen über Fragen
Besonders spannend finde ich den wissenschaftlichen, gar medizinischen Ansatz der Gedächtnislöschung und Übertragung von Erinnerungen von einer Person zur nächsten. Da aus der Perspektive der jungen Protagonistin erzählt wird, haben wir Lesenden nur begrenztes Wissen über diesen Prozess und ich bin sehr neugierig, ob und was darüber in der Fortsetzung erklärt wird.



Es folgt ein Spoiler!



Ich frage mich, wie viel Cass‘ Vater über die Machenschaften seiner Frau wusste, wie viel davon er vergessen musste, wie sehr das zu seiner negativen Veränderung beigetragen hat. Ich frage mich, ob Melody noch lebt. Ist sie eine von Yunas „Ladies“? Oder wurde sie tatsächlich um-/zum Schweigen gebracht? Was passiert mit den Leuten, die sich in die weiße Zone einkaufen statt die Gameshow zu gewinnen? Existiert diese weiße Zone überhaupt? Bekommt der Rest der Welt mit, was in New London passiert? Was befindet sich zwischen den großen Städten mit ihren Arenen?



Spoiler Ende!




Fazit

Gameshow ist gut geschrieben und wirklich spannend. Ich habe das Buch in 3 Sitzungen durchgelesen und ganz offensichtlich viele Fragen, die hoffentlich im nächsten Band beantwortet werden. Die Autorin behalte ich auf jeden Fall im Blick! Aber einige Szenen und Grundstrukturen sind für meinen Geschmack viel zu nah an Hunger Games und ganz besonders an Divergent, um sich nicht abgeschrieben anzufühlen. Das hat mich leider mehrfach aus der Geschichte gerissen, weil ich automatisch immer wieder die Bücher verglichen habe und Gameshow deshalb nicht als wirklich eigenständig lesen und betrachten konnte.

Veröffentlicht am 13.11.2024

Solide Unterhaltung mit offenem Ende, aber leider mit vielen Durchhängern

Gameshow – Das Versprechen von Glück
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Nachdem mich Band 1 mit dem treffenden Titel Der Preis der Gier schon sehr an The Hunger Games und Divergent erinnert hatte, überraschten mich die hier deutlich sparsamer eingesetzten Ähnlichkeiten in ...

Nachdem mich Band 1 mit dem treffenden Titel Der Preis der Gier schon sehr an The Hunger Games und Divergent erinnert hatte, überraschten mich die hier deutlich sparsamer eingesetzten Ähnlichkeiten in diesem zweiten und letzten Band nicht mehr. Stattdessen störte ich mich diesmal stärker an den voyeuristischen Gewaltbeschreibungen – so sehr, dass ich ganze Passagen mit Beschreibungen einzelner Games beim Lesen übersprungen habe. Aber ich greife vor.

Die Handlung setzt genau da ein, wo sie im ersten Band endete. Sowohl wir Lesende als auch die Romanfiguren wissen jetzt mehr über die unsichtbaren Machtstrukturen der Gesellschaft von New London als je zuvor. Unsere Held*innen sind wütend, verängstigt und klammern sich an jede Hoffnung. Das ist die Stimmung, mit der wir in die nächsten Runden menschenverachtender Games starten.

Es gibt neue und alte Figuren, die uns mehr oder weniger am Herzen liegen, neue Entwicklungen, die jahrzehntealte Pläne über den Haufen werfen und Entdeckungen, die unsere Heldin Cass an sich selbst zweifeln lassen. Diese Rahmenhandlung mag ich gern: sie ist spannend, es geht um menschliche Abgründe und unmenschliche Entscheidungen. Es werden politische Szenarien diskutiert und die Story regt dadurch stellenweise wirklich zum Nachdenken an.

Allerdings finde ich es schade – wenn auch nachvollziehbar -, dass diese Rahmenhandlung immer wieder durchbrochen wird mit den Games selbst. Ich kann nicht sagen, ob mir eine Version besser gefallen hätte in der nicht solch ein Fokus auf die Hetzjagden und tödlichen Labyrinthe gelegt wird. Alles, was ich mit Bestimmtheit behaupten kann, ist: die Beschreibungen sind mir viel zu voyeuristisch.

Ich sehe die Notwendigkeit, im ersten Band die Grausamkeit der Gameshow und allem, was damit verbunden ist, durch detailreiche Beschreibungen zu verdeutlichen und auch in dieser Fortsetzung ab und zu daran zu erinnern. Aber wir sind in Gameshow 2 nicht mehr an dem Punkt, an dem uns Lesenden die Situation von Grund auf begreiflich gemacht werden müsste. Wir wissen, was los ist. Jetzt geht es darum, wie wir aus dieser Situation herauskommen können. Dafür ist nicht mehr nötig, über mehrere Seiten einzelne Blutspritzer und achtloses Gemetzel zu beschreiben, Live-Kommentare der Moderatoren auszuführen und sich insgesamt an der Vorlage der Hunger Games zu bedienen, was diesen Aspekt betrifft.

Solche Abschnitte habe ich ab etwa der Hälfte des Romans übersprungen, weil mich eben mehr interessiert hat, wie die Rebellion vonstatten gehen und wie das Ende aussehen würde. Vor allem deshalb bin ich froh, dass mit dem inzwischen für dieses Genre typischen Schema gebrochen wurde und man sich gegen eine Trilogie entschieden hat. Die Vorstellung, die Geschichte auf noch einen Band mehr zu strecken, gefällt mir gar nicht.

Fazit
Bei all diesen negativen Punkten muss ich aber doch sagen, dass mich Gameshow 2 – Das Versprechen von Glück größtenteils gut unterhalten hat. Und obwohl das Ende für meinen Geschmack zu offen ist, rundet es die Geschichte gut ab. Eine Entwicklung mit Val und Cass hat mir sehr gut gefallen und viel Potenzial für weitere Wendungen dieser Art offenbart, die aber leider nur begrenzt eingetreten sind. Insgesamt ist Gameshow 2 für mich ein solider Abschluss mit einigen (überflüssigen) Durchhängern und ich bin gespannt darauf, was die Autorin noch so schreiben wird.