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Veröffentlicht am 30.12.2024

Spannende Ermittlungen zum Ende des 19. Jahrhunderts

Der tote Antiquar von Limehouse
4

Den zurückgezogenen Antiquar Jacob Jacobus kennen viele nur vom Hörensagen. Er genießt einen zweifelhaften Ruf, durchaus an Hehlerware aller Art interessiert zu sein und diese auch lukrativ wieder an den ...

Den zurückgezogenen Antiquar Jacob Jacobus kennen viele nur vom Hörensagen. Er genießt einen zweifelhaften Ruf, durchaus an Hehlerware aller Art interessiert zu sein und diese auch lukrativ wieder an den Mann bringen zu können. Dieses Talent und Geschäftsgebaren könnte ihm wohlmöglich zum Verhängnis geworden sein, als Inspector Benjamin Ross ihn in seinem eigenen Blut liegend entdeckt. Ihm wurde in seinem eigenen Haus die Kehle durchgeschnitten und sämtlichen Räume wurden anschließend noch durchsucht. Die Ermittlungen verlaufen trotz des augenscheinlichen Hintergrunds etwas schleppend, so dass Benjamin Ross froh ist, dass seine Frau in gesellschaftlichen treffen die Ohren offen hält, um vertrauliche Informationen zu erlangen. Eine spannende Suche nach dem Mörder oder der Mörderin beginnt...

"Der tote Antiquar von Limehouse" ist bereits der neunte Band der Reihe um das ermittelnde Paar Benjamin Ross und Lizzie Martin aus dem späten 19. Jahrhundert. Ich bin mit dem aktuellen Fall in die Serie eingestiegen und hatte zu keiner Zeit Verständnisprobleme. Die englische Autorin Ann Granger erzählt die Geschichte in einem bildreichen und sehr angenehm zu lesenden Schreibstil, der mit die Geschehnisse der damaligen Zeit lebendig vor Augen führte. Der Spannungsbogen baut sich mit dem Auffinden des toten Antiquars direkt zu Beginn des Buches gut auf und wird über die schwierigen Ermittlungsarbeiten auf einem aus meiner Sicht ordentlichen Niveau gehalten. Besonders gut gefallen haben mit die Protagonisten, die mit Benjamin Ross und Lizzie Martin empathisch und interessant gezeichnet sind. Die historischen Rahmenhandlungen werden authentisch wiedergegeben und wirken in ihren Fakten gut recherchiert. Die Story konnte mich mit überraschenden Wendungen bis zum spannenden Finale in den Bann ziehen, welches dann zwar schlüssig, aber für mich ein wenig unspektakulär und zu schnell erzählt war.

Insgesamt ist "Der tote Antiquar von Limehouse" ein gelungener Trip in das späte 19. Jahrhundert, der mich gut unterhalten und für einige spannende Lesestunden gesorgt hat. Der Einstieg in die Reihe hat mich auch neugierig auf die vorhergehenden Fälle gemacht, so dass ich das Buch sehr gerne weiterempfehle und mit guten vier von fünf Sterne bewerte.

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  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 15.12.2024

Blutige Obsessionen

Blutrotes Karma
0

Die französische Hauptstadt Paris wird im Jahre 1968 von schweren Studentenprotesten erschüttert. In dieser Zeit wird der Polizist Mersch zu einem kaltblütigen Verbrechen gerufen. Eine junge Frau wurde ...

Die französische Hauptstadt Paris wird im Jahre 1968 von schweren Studentenprotesten erschüttert. In dieser Zeit wird der Polizist Mersch zu einem kaltblütigen Verbrechen gerufen. Eine junge Frau wurde bestialisch ermordet und in einer Yogapose drapiert, zusätzlich brisant für Mersch ist die Tatsache, dass das Opfer eine gute Bekannte seines Halbbruders Herve war. Die Ermittlungen verlaufen zunächst im Sande, aber kurz darauf wird eine zweite Frau getötet und ähnlich blutig zur Schau gestellt. Auch hier handelt es sich um eine Bekannte von Herve, so dass die Ermittlungen sich nun auf seine Person und die Vergangenheit richten, was Mersch auf eine Jagd rund um die Welt führt...

Die Bücher vom französischen Autor Jean-Christophe Grange haben mir bisher immer sehr gut gefallen, so dass ich mit viel Vorfreude und einer hohen Erwartungshaltung in sein neues Werk gestartet bin. Er erzählt die Geschichte in einem sehr bildreichen und gut zu lesenden Schreibstil, der aber auch wieder ein äußerst düsteres Szenario im Kopf des Lesers. wachruft. Der Spannungsbogen wird mit dem Auffinden des ersten Opfers zu Beginn des Buches gut aufgebaut und über die Länge des Buches durchaus aufrechterhalten, aber für mich kam es dennoch zu der einen oder anderen Länge im Buch. Geschickt verwebt Grange die Ermittlungen mit der spirituellen Welt des indischen Tantrismus und erzeugt somit eine mystische und bedrohliche Kulisse. Die blutrünstigen Taten sind sicherlich nichts für schwache Nerven, überschreiten aus meiner Sicht aber auch keine Grenzen und passen sogar in das okkultische Geschehen gut hinein. Das Buch konnte mich durchaus bis zum Finale in den Bann ziehen.

Insgesamt ist "Blutrotes Karma" ein sehr düsterer und blutiger Thriller, was beim Autor Jean-Christophe Grange eigentlich auch nicht überraschen dürfte. Ihm gelingt es, in eine völlig andere Welt einzutauchen und dies auf eine sehr intensive Art und Weise. Das Buch ist nicht für Zartbesaitete Leser geeignet, aber ich kann es dennoch empfehlen und mit guten vier von fünf Sternen bewerten.

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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 13.11.2024

Außergewöhnlicher Kriminalroman aus Wien

Der Metzger gräbt um
0

Nun hat es den Restaurator Willibald Adrian Metzger mit seiner angetrauten Danjela in eine Kleingartensiedlung kurz vor Wien verschlagen, nur um ein wenig untertauchen zu können. Dem steht entgegen, dass ...

Nun hat es den Restaurator Willibald Adrian Metzger mit seiner angetrauten Danjela in eine Kleingartensiedlung kurz vor Wien verschlagen, nur um ein wenig untertauchen zu können. Dem steht entgegen, dass unter den ganzen Hobbygärtnern ein Mörder umzugehen scheint. Die Nachbarin Wiskozil wird tot in ihrem Whirlpool aufgefunden und der Theorie, dass es sich um einen natürlichen Todesfall handelt, glaubt der Metzger zu keinem Moment. Er macht sich auf die Suche nach den Geheimnissen dieser zusammengewürfelten Gemeinschaft und gerät dabei mal wieder selbst in große Gefahr...

"Der Metzger gräbt um" ist mittlerweile der zehnte Band um den Möbelrestaurator aus Wien. Vorherige Bände haben mir mit ihrer außergewöhnlichen Art bereits gut gefallen, so dass ich mit viel Vorfreude in den neuen fall gestartet bin. Der österreichische Autor Thomas Raab erzählt die Geschichte wieder in seinem eigenen und aufs Neue gewöhnungsbedürftigen Schreibstil, der mit seinem Wiener Schmäh schon die volle Konzentration einfordert, um die feinen Nuancen und dem Inhalt folgen zu können. Obwohl es nicht mein erstes Buch aus der Feder des Autors war, musste ich doch wieder warm werden mit der Wiener Sprache und den bitterbösen Seitenhieben, die Thomas Raab so gerne zwischen den Zeilen versteckt. Der Spannungsbogen wird mit dem Tod der Frau Wiskozil zu Beginn des Buches aufgebaut, kann aber aufgrund der manchmal schwer zu durchschauenden Ermittlungen aus meiner Sicht nicht über die gesamte Geschichte hinaus getragen werden. Die Geschichten leben für mich eher durch die mehr als interessant gezeichneten Charaktere und den skurril wirkenden Geschehnisse, die so nie vorhersehbar sind und den Leser bei der Stange halten.

"Der Metzger gräbt um" ist aus meiner Sicht die gelungene Fortsetzung einer ganz anderen Krimi-Reihe, die weder durch spektakuläre Taten noch durch nervenaufreibende Spannung auf sich aufmerksam macht, sondern in erster Linie vom Erzählstil des Autors lebt. Ich empfehle das Buch daher gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 20.10.2024

Intensiver und komplexer Thriller

Das Parfüm des Todes
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Die Tatortreinigerin Yang Ning hat das traumatische Ereignis um den Verlust ihres geliebten Bruders zu verkraften. Ihr wurde ein sehr ausgeprägter Geruchssinn mit in die Wiege gelegt, welcher durch die ...

Die Tatortreinigerin Yang Ning hat das traumatische Ereignis um den Verlust ihres geliebten Bruders zu verkraften. Ihr wurde ein sehr ausgeprägter Geruchssinn mit in die Wiege gelegt, welcher durch die traumatische Belastungsstörung nur noch auf den Verwesungsgeruch von Leichen reagiert. Sie ist auch davon besessen, die Hintergründe des Suizids ihres Bruders zu erfahren und denkt nun durch einen bestimmten Geruch dem Geheimnis auf die Spur zu kommen. Dafür muss sie aber Menschen vor den Kopf stoßen und Grenzen überschreiten, was sie nicht nur in Gefahr vor anderen, als auch vor sich selbst bringt. Kann sie eine innere Ruhe finden...

Der Thriller "Das Parfüm des Todes" ist das Debüt der taiwanesichen Autorin Katniss Hsiao und wurd als Miachung aus "Schweigen der Lämmer" und "Das Parfüm" angepriesen. Das hat mein Interesse geweckt, so dass ich mit einer hohen eRwartungshaltung in das Buch gestartet bin. Katniss Hsiao erzählt die Geschichte in einem sehr intensiven und bildreichen Schreibstil, der meine volle Aufmerksamkeit einforderte und dem Thriller so eine Wertigkeit verleiht. Zudem sorgten die sehr ungewohnten Namen für ein wenig Verwirrung, was sich aber mit der Zeit legte. Der Spannungsbogen wird um den ungeklärten Tod von Yang Nings Bruder sehr gut aufgebaut und über die mehr als außergewöhnlichen Ermittlungen auf einem aus meiner Sicht hohen Niveau gehalten. Besonders gut wurde der Aspekt der Geruchssinne in die Geschichte integriert und verleiht dem Ganzen auf diesem Wege eine Sonderstellung in der Masse vieler anderer Thriller. Auch wenn der Verlauf für mich auch einige Längen beinhaltete konnte mich das Buch bis zum Finale mit überraschender Auflösung in den Bann ziehen.

Insgesamt ist "Das Parfüm des Todes" ein harter Thriller, der sicherlich nicht für zartbesaitete Leser geeignet ist, dabei aber auch aus meiner Sicht nie die Grenzen überschreitet. Ein Debüt-Roman, der Lust auf mehr aus der Feder der Autorin macht. Ich empfehle den thriller daher gerne weiter und bewerte ihn mit guten vier von fünf Sternen.

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Veröffentlicht am 03.10.2024

Familienbeziehungen

Cascadia
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Die beiden Schwestern Elena und Sam leben mit ihrer schwerkranken Mutter auf einer Insel im Nordwesten der Vereinigten Staaten von Amerika. Durch die Pflege der Mutter sind sie gebunden und der große Traum ...

Die beiden Schwestern Elena und Sam leben mit ihrer schwerkranken Mutter auf einer Insel im Nordwesten der Vereinigten Staaten von Amerika. Durch die Pflege der Mutter sind sie gebunden und der große Traum der Beiden ist, eines Tages diesen Ort gemeinsam zu verlassen und die Welt neu zu entdecken. Der Weg dorthin ist nicht einfach, denn die Krankheit der Mutter verursacht hohe Kosten und das Familienleben muss so hart erarbeitet werden. Ständig lebt die Familie an der Existenzgrenze und das Eigenheim soll später durch einen Verkauf den Weg ebnen. Die plötzliche Begegnung mit einem riesigen Bären vor ihrem Haus verändert aber alles. Während Sam ihn als gefährlichen Widersacher sieht, fühlt sich Elena dem Bären hingezogen. Wird sich eine der Schwestern von der anderen abwenden?

Die amerikanische Autorin Julia Phillips hat bereits mit ihrem Debüt "Das verschwinden der Erde" im Jahre 2021 auf sich aufmerksam gemacht. Ich bin daher mit einer hohen Erwartungshaltung in den Roman gestartet. Julia Phillips erzählt die Geschichte in einem ruhigen und sehr angenehm zu lesenden Schreibstil, der mich schnell in den Nordwesten der USA entführte. Hier kämpfen die beiden Hauptprotagonistinnen um das tägliche Überleben und die plötzliche Erscheinung eines in der Region völlig untypischen Grizzly-Bärs stellt den Zusammenhalt und das so eingefahrene Leben komplett in Frage. Die spannende Frage, der sich der Roman hier widmet ist, wie die beiden Schwestern mit der Situation umgehen und wie gut sie sich letzten Endes wirklich kennen. Der zwischenmenschliche Konflikt mit all seinen Auswirkungen sorgt für viele Spannungsmomente, der den so engen Vertrauten in einem anderen Licht erscheinen lässt.

Insgesamt ist "Cascadia" ein außergewöhnlicher, emotionaler und nicht vorhersehbarer Roman, der in Anlehnung eines Märchens in das Beziehungsgeflecht zweier Schwestern eindringt und für dramatische Entwicklungen sorgt. Das ganze wird ruhig und gekonnt erzählt, was das Buch für mich lesenswert macht. Ich empfehle es daher gerne weiter und bewerte es mit guten vier von fünf Sternen.

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