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Veröffentlicht am 04.03.2025

Der Weg zum Bus, im Bus, und aus der Bus

Machen Sie mal zügig die Mitteltüren frei
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65 / 100
Susanne Schmidt, ein Allroundtalent, wie (und allein) der knappe Klappentext zu ihrer Person erklärt, legt mit diesem Buch eine Expressfahrt durch die Hürden des Busfahrendentums bei den BVG hin.

Der ...

65 / 100
Susanne Schmidt, ein Allroundtalent, wie (und allein) der knappe Klappentext zu ihrer Person erklärt, legt mit diesem Buch eine Expressfahrt durch die Hürden des Busfahrendentums bei den BVG hin.

Der eigentliche Teil, in dem sie Stories aus der Welt des Busfahrens erzählt, ist allerdings eher kurz. Erstmal geht es um ihren Einstieg in den Beruf, die menschlichen und bürokratischen Hindernisse und den Erwerb der Busfahrlizenz.

Leider empfand ich viele Schilderungen als redundant, hätte mir mehr Hintergründe zu den vielen nebenbei von ihr erwähnten Personen gewünscht und vor allem: mehr Details zu ihr selbst. Susanne Schmidt bleibt über den Abschnitt der BVG-Zeit hinaus eine völlig ungreifbare und uneinschätzbare Person für mich. Das macht das Mitfühlen in einer persönlichen Geschichte fast unmöglich. Sie wird vielleicht ihre Gründe dafür gehabt haben, sich selbst in Undurchscihtigkeit zu hüllen... trotzdem sind die eingestreuten Anekdoten da allenfalls ein schwacher Trost.

Für Freunde der Stadt Berlin vielleicht eher was; für mich als jemand, der immer froh ist nur zu Besuch zu sein, weniger.

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Veröffentlicht am 20.11.2024

Überhöhte Melancholie der überkreativen Nische

Das All im eignen Fell
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65 / 100
Twitter, in der geschilderten Form seit einigen Monaten de facto nicht mehr existent, war ein Nährboden für technisch erzwungen kurze Texte.

Im ersten Teil präsentiert der Autor einige seiner ...

65 / 100
Twitter, in der geschilderten Form seit einigen Monaten de facto nicht mehr existent, war ein Nährboden für technisch erzwungen kurze Texte.

Im ersten Teil präsentiert der Autor einige seiner eigenen Kreationen, darunter manche, die zum längeren Nachdenken einladen und nicht nur schrägen Humor darstellen.
Im zweiten Teil zeigt er Relikte weiterer User:innen und zieht Parallelen zu anderen schriftstellenden Personen aus verschiedenen Literaturepochen. Hier findet dann auch die titelgebende Überhöhung statt, denn Clemens Setz scheint mitunter derart besessen von mutwillig fehlerbehafteten Kurznachrichten zu sein, dass mir sein bedingt objektiver Blick auf die Twitterpoesie als solche abhandengekommen zu sein scheint. Insbesondere die Konstrukte des Computerfan2001 finden bei ihm aus (für mich) kaum nachvollziehbaren Gründen in geradezu utopischem Maße Anklang.

Überhaupt ist der zweite Teil nur von sehr wenigen Twitteraccounts geprägt, die unter keinen Umständen ein adäquates Schema für die Humornote der unzähligen anderen Tweets sein können. Das mag auch nicht der Anspruch sein, doch etwas mehr einordnende Substanz hätte dem Buch spätestens an dieser Stelle gutgetan.

Es ist aus meim Blick leider zu wenig Inhalt für 1 so hohen Kaufpreis.

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Veröffentlicht am 15.11.2024

Ein knapper Erfahrungsbericht

Zugunglück von Eschede überlebt: Mein schwerer Weg zurück ins Leben
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64 / 100
Das ICE-Unglück von Eschede übt eine morbide Faszination auf mich aus, weswegen ich seit einiger Zeit Bücher aller Art zu diesem Thema lese.

Natürlich gehört dann mit Udo Bauch auch eines der ...

64 / 100
Das ICE-Unglück von Eschede übt eine morbide Faszination auf mich aus, weswegen ich seit einiger Zeit Bücher aller Art zu diesem Thema lese.

Natürlich gehört dann mit Udo Bauch auch eines der bekanntesten Unfallopfer in diese Sammlung. Vor über 20 Jahren schrieb er zum ersten Mal ein Buch über seine Erfahrungen, schildert seine alten und neuen Lebensumstände, berichtet von Schwierigkeiten in Bezug auf das Management der Deutschen Bahn, erzählt von der Intensivierung seines Glaubens.

Allein: Auf exakt 100 Seiten (inkl. Schwarz-Weiß-Fotografien) ist es nahezu unmöglich ein Bild von ihm, seinem Leben und seinem Schicksal zu bekommen, das über die Grundrisse hinausgeht. Ebenso wiederholt er einige Aspekte (was auch daran liegen mag, dass er das Buch nicht unmittelbar am Stück verfasst hat) und sein Ton bzw. seine Ausformulierungen wirken mitunter sehr plump. Darüber werde ich mir ein Urteil allerdings verbieten, denn ich kann die Lage, in der er sich befand und befindet, nicht nachfühlen.

Anlässlich des 25. Jahrestags des Unfalls hat er noch ein zweites, offenbar deutlich umfangreicheres Buch geschrieben (das selbstverständlich auch bei mir liegt). Dazu werde ich dann wohl demnächst kommen und darauf hoffen, dass sich das Puzzle seiner Berichte dadurch vervollständigt.

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Veröffentlicht am 15.11.2024

Die nette Story mit dem aufgedunsenen Charakterfeld

Love, Simon (Filmausgabe) (Nur drei Worte – Love, Simon)
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62 / 100
Als „Love, Simon“ vor rund sechseinhalb Jahren ins Kino kam, war mir die Romanvorlage gänzlich unbekannt. Den Film fand ich (damals™) sehr gut; nun habe ich die Brücke zum Buch geschlagen.

Älterwerden ...

62 / 100
Als „Love, Simon“ vor rund sechseinhalb Jahren ins Kino kam, war mir die Romanvorlage gänzlich unbekannt. Den Film fand ich (damals™) sehr gut; nun habe ich die Brücke zum Buch geschlagen.

Älterwerden – in letzter Konsequenz ein unabänderliches Laster – hat in diesem Fall wohl dazu geführt, dass mich die Story zwar in ihrer einigermaßen vorhandenen Originalität, nicht jedoch in ihrer Ausführung mitgenommen hat. Vielleicht bin ich für diese Highschool-Stories einfach schon zu oll (wobei ich nebenbei bemerkt ohnehin schade finde, dass Coming-Of-Age- wie auch queere Geschichten im Allgemeinen mit Charakteren jenseits der 20 kaum stattzufinden scheinen).

Bedauerlicherweise wurde mir Simon mit seinen hin und wieder schnippisch-arrogant durchscheinenden Charakterzügen immer wieder etwas unsympathisch (ganz schlecht für einen Protagonisten). Auch seine Beziehung zu Leah wirkt undurchschaubar dafür, dass sie sich als beste Freunde bezeichnen – und zugleich über Jahre sehr praktische Dinge voreinander verbergen können (um den Spoiler zu vermeiden und ein aus meiner Sicht inhaltliches Plothole aufzuzeigen).

Überhaupt finden auf den rund 300 Seiten derart viele Figuren statt, sodass es von vornherein unmöglich ist, ihnen auch nur ansatzweise Tiefe zu verschaffen. Und so ist die Geschichte relativ bald zu Ende und das an einer Stelle, an der noch so viel zu erzählen gewesen wäre (es sei bemerkt, dass der Kinofilm sogar noch eher aus der Handlung aussteigt). Apropos: Schade, dass das Cover der Filmausgabe die Fantasie raubt, die Figuren selbst zu skizzieren. So trägt Simon beispielsweise eine Brille, Nick Robinson dagegen nicht. Kleinigkeiten, sicher, aber für ein Buch sollte die eigene Vorstellungskraft ausreichen.

Im Sommer las ich Anita Kellys „Wir sind wild und wunderbar“ mit starkem Fokus auf die zwei Hauptfiguren und einer insgesamt etwas erwachseneren Beschreibung. Vielleicht ist das was für das Publikum und die Liebhaber:innen von „Love, Simon“, wenn sie ein wenig älter geworden sind.

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Veröffentlicht am 06.09.2024

Die doppelt dunkle Humorportion

Aus die Maus / Wir sind unfassbar
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65 / 100
Dass Menschen im Falle des Ablebens manchmal mit außergewöhnlichen Traueranzeigen bedacht werden oder die Trauernden in ihrer Wortwahl daneben greifen, geschieht. In diesem Doppelband werden die ...

65 / 100
Dass Menschen im Falle des Ablebens manchmal mit außergewöhnlichen Traueranzeigen bedacht werden oder die Trauernden in ihrer Wortwahl daneben greifen, geschieht. In diesem Doppelband werden die „vergnüglichsten“ Lapsus versammelt präsentiert, wobei ein gewisses Maß an Pietät durchaus erhalten wird.

Mit den begleitenden Kommentaren bin ich nicht besonders warm geworden, aber nun, die Fülle an Traueranzeigen sorgt ausreichend für Gefühlshochs und -tiefs.

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