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Veröffentlicht am 04.06.2025

Emotionales Thema nüchtern erzählt

Hello Baby
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"Hello Baby" von Kim Eui-kyung erzählt die Geschichte von sechs Frauen, die sich über ihren unerfüllten Kinderwunsch kennenlernen und darin Gemeinschaft finden.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, trotz ...

"Hello Baby" von Kim Eui-kyung erzählt die Geschichte von sechs Frauen, die sich über ihren unerfüllten Kinderwunsch kennenlernen und darin Gemeinschaft finden.

Anfangs fiel es mir etwas schwer, trotz Interesse in die Geschichte hineinzufinden. Das liegt zum Teil daran, dass die Erzählstimme eher nüchtern ist und zunächst viele technische Informationen und Abläufe der IVF-Behandlungen behandelt werden. Außerdem konnte ich mich ohne eigenen Kinderwunsch, und somit emotionale Nähe zum Thema, nicht ausreichend in die Perspektive einfühlen. Vielmehr habe ich mir die Emotionen aus den zum Teil schwerwiegenden Eingriffen, den Rückschlägen und dem schier endlosen Durchhaltevermögen der Frauen abgeleitet, für welches ich große Bewunderung habe. Und auch das letzte Drittel mit einem sich ankündigenden Twist hat noch an Spannung zugenommen und mich schlussendlich nachdenklich gemacht.

Sehr gelungen fand ich auch die Beobachtungen der Autorin, inwieweit Frauen, im Gegensatz zu ihren Männern, schon lange vor einer möglichen Schwangerschaft die beinahe alleinige Verantwortung tragen, sowohl für das Scheitern des Kinderkriegens, als auch für die zum Teil schmerzhaften und kräftezehrenden Eingriffe, die sie wieder und wieder über sich ergehen lassen.
Dabei haben mich besonders der gesellschaftliche, wie auch der (groß-) elterliche Druck auf die Frauen entsetzt. Zu den gesellschaftlichen Einflüssen Südkoreas zu dem Thema kann ich nicht mehr sagen, als ich selber durch das Buch erfahren habe. Insgesamt unterscheiden sich die Kernaspekte wie Misogynie oder die Diskriminierung von Müttern, beispielsweise am Arbeitsplatz, wohl wenig von dem, was ich auch hier erlebe und mitbekomme.

Anmerkung: Das Buchcover wurde leider mithilfe von midjourney.ai erstellt, was ich erst nach Erhalt des Buches gesehen habe. Die Nutzung von KI beeinflusst für gewöhnlich meine Konsumentscheidungen, weswegen ich das hier zumindest nicht unerwähnt lassen möchte.

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Veröffentlicht am 27.12.2024

Umfassender und persönlicher Einblick in das Leben einer Autistin

Strong Female Character
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“Strong Female Character” ist die Autobiographie der schottischen Comedienne Fern Brady, in welcher sie ihr Leben als Autistin bis zu ihrer späten Diagnose beschreibt. Trotz eindeutiger Symptome und vielfacher ...

“Strong Female Character” ist die Autobiographie der schottischen Comedienne Fern Brady, in welcher sie ihr Leben als Autistin bis zu ihrer späten Diagnose beschreibt. Trotz eindeutiger Symptome und vielfacher Versuche, von Beratungsstellen und Fachpersonal ernstgenommen zu werden, werden ihr eine Reihe an Fehldiagnosen gestellt, unpassende Behandlungen angeordnet und sie erhält ihre Diagnose erst mit 34 Jahren.

Ich kannte Fern Brady, bevor ich ihr Buch gelesen habe, nicht, war aufgrund der Thematik aber sehr an ihrer Perspektive als Autistin interessiert. Ich finde es besonders mutig, wie schonungslos ehrlich sie auch die negativen Aspekte ihrer Störung teilt und bin ihr sehr dankbar für ihre Darstellung, wie auch für ihre Kritik an der immer noch unzureichenden Versorgung mit Information und Diagnostikstellen (insbesondere für Mädchen und Frauen).
Brady gelingt ein guter Überblick, wie eine (undiagnostizierte) ASS sich in jeglichen Situationen zeigen kann und sich auf das Leben auswirkt, indem sie uns an unterschiedlichen Erfahrungen ihres bisherigen Lebens teilhaben lässt. Auch wenn ich viele ihrer Erfahrungen gut nachempfinden und in mir selber wiedererkennen konnte, haben mich Bradys Erlebnisse dennoch immer wieder erschüttert. Ich fand es schrecklich zu lesen, welche extremen Erfahrungen Brady im Laufe ihres Lebens machen musste. Dies ist allerdings nicht ungewöhnlich, denn Autist*innen neigen beispielsweise durch die Natur der Störung viel schneller dazu, traumatisierende Erfahrungen machen zu müssen und daraus eine PTBS zu entwickeln.

Die Bewertung der Autobiographie fällt mir an dieser Stelle sehr schwer, da es auch Aspekte gab, die mir nicht gefallen haben. Dabei möchte ich natürlich nicht Fern Brady persönlich oder ihr Leben bewerten, sondern erklären, warum ich das Buch nicht uneingeschränkt empfehlen kann. Denn Bradys schonungslos ehrliche Art, Dinge zu beschreiben, erklärt sich beim Lesen natürlich von selbst. Allerdings habe ich diese häufig unverhältnismäßig negativ wahrgenommen. Das bezieht sich auch auf die Darstellung der Personen, denen sie im Laufe ihres Lebens begegnet, was ich als beinahe ständige Abwertung anderer empfunden habe und so meiner Meinung nach beispielsweise Body- und Fatshaming stattfinden.

Nachdem ich nach den ersten vielversprechenden Seiten und meinen hohen Erwartungen im Vorhinein mit einem Highlight gerechnet habe, konnte diese Erwartung leider nicht ganz erfüllt werden. Trotzdem möchte ich “Strong Female Character” wegen der Sensibilisierung zum Thema Autismus und den wichtigen Aspekten, die das Buch zu dem Thema anspricht - und wofür ich es sehr schätze - empfehlen.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Gute Unterhaltung

The Kinder Poison
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“The Kinder Poison” von Natalie Mae ist der Auftakt einer Trilogie und handelt von Zahru, die durch ein unglückliches Missverständnis in einen magischen Wettkampf und zwischen die Machtspielchen der Thronerben ...

“The Kinder Poison” von Natalie Mae ist der Auftakt einer Trilogie und handelt von Zahru, die durch ein unglückliches Missverständnis in einen magischen Wettkampf und zwischen die Machtspielchen der Thronerben Orkenas gerät. Sie selber ist Flüsterin und kann so mit Tieren kommunizieren, was als schwache Magie angesehen wird.

Ich fand die Handlung durchgehend spannend, da ständig etwas passiert ist und sich dadurch immer neue Richtungswechsel ergeben haben. Somit war die Geschichte für mich leider auch etwas unruhig und ich konnte nicht richtig ankommen.

Ähnlich ging es mir mit Zahru, zu welcher ich durch ihre Hin- und Hergerissenheit keinen tieferen Zugang finden konnte. Gegen Ende konnte ich aber durchaus eine größere Charakterentwicklung erkennen, wodurch ich große Hoffnung auf die folgenden Bände habe.

Das Magiesystem fand ich in seiner Einfachheit gut verständlich. Es gibt verschiedene Arten und Stärken von Fähigkeiten, die zumeist angeboren sind und sich im Kinder-/Jugendalter zeigen. Die Idee Zahrus Fähigkeit, mit Tieren kommunizieren zu können, mochte ich richtig gerne und hat auch ihr, trotz ihrer vermeintlichen Schwäche, einige Male weiterhelfen können. Allerdings fand ich die Fähigkeit insgesamt zu oberflächlich und in ihren Konsequenzen zu wenig entwickelt.

Den Schreibstil Maes habe ich sehr angenehm und flüssig wahrgenommen und auch in der Welt mit Wüstensetting konnte ich mich schnell zurechtfinden. Auch hier sehe ich die gute Verständlichkeit in der Einfachheit des Worldbuildings - dies meine ich ganz neutral und ist nur durch subjektive Präferenzen zu bewerten, sodass ich die Geschichte auch an Fantasy-Einsteigende empfehlen würde.

Durch die Handlung hinweg deutet sich immer wieder ein Love Triangle an, welches auch für die Handlung relevante Richtungen anstößt. Damit sollten Lesende auf jeden Fall klarkommen können. Mich persönlich haben einzelne Aspekte davon schon ein wenig genervt, insgesamt konnte ich aber gut darüber hinweglesen.

Insgesamt sehe ich in den folgenden Bänden definitiv noch viel mehr Potential, sodass ich daran interessiert bin, “The Kinder Poison” weiter zu verfolgen.

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Veröffentlicht am 15.08.2024

Unterhaltsames “Stolz und Vorurteil” Retelling

The Story Between Us
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“The Story Between Us” von Jella Benks ist der erste Band der Storys-Trilogie und ein Retelling von Jane Austens “Stolz und Vorurteil”. Ella und Darce kennen kennen sich von früher, teilten eine Freundschaft ...

“The Story Between Us” von Jella Benks ist der erste Band der Storys-Trilogie und ein Retelling von Jane Austens “Stolz und Vorurteil”. Ella und Darce kennen kennen sich von früher, teilten eine Freundschaft und ihren ersten Kuss. Dann herrschte vier Jahre Funkstille, als Ella als Angestellte für Darces Familie wieder auf ihn trifft. Doch ebenso wie beide noch Gefühle füreinander zu haben scheinen, trennen sie ihre unterschiedlichen Lebensrealitäten weiterhin voneinander. Haben Ella und Darce trotzdem eine Chance?

Ich fand Ella vom ersten Moment an sympathisch, während ich mit Darce leider nicht ganz warm geworden bin. Einige Aspekte haben sich im Laufe der Geschichte aufgeklärt, sodass ich mich zumindest mit ihm arrangieren konnte. Ich hätte mir allerdings noch viel mehr Charakterentwicklung gewünscht.
Dadurch ist mir außerdem auch etwas von der Bindung zwischen Ella und Darce verlorengegangen, die sich mir nur durch die Rückblicke in die Vergangenheit erschlossen hat. Kleine Rituale, welche die beiden in die Gegenwart übertragen haben, fand ich sehr schön und haben mir die Geschichte immer wieder versüßt.

Ein Aspekt, der mir sehr gefallen hat, ist eine Eigenschaft, die Dacre (nicht) besitzt. Ich finde es schön, dass auf das Thema - ich kann aus Spoilergründen nicht schreiben, was genau dies ist - aufmerksam gemacht und sensibilisiert wird. Und auch die Darstellungen der sozialen Ungleichheit fand ich authentisch, wenn auch etwas oberflächlich, umgesetzt.

Ansonsten fand ich die Geschichte insgesamt schön geschrieben, unterhaltsam und am Ende durchaus fesselnd und rührend, sodass ich mich sehr auf Band 2 freue, der sich mit bereits bekannten Charakteren auseinandersetzt und eine queere Lovestory sein wird! Für “The Story Between Us” gebe ich gute 3,5 Sterne und eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 05.08.2024

Die Herausforderungen von Elternschaft

Kleine Monster
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“Kleine Monster” von Jessica Lind ist eine Geschichte über Familie, Elternschaft, insbesondere das Mutter-Dasein und ein Bewusstwerden über die eigene Kindheit. Die Geschichte wird dabei auf zwei Zeitebenen ...

“Kleine Monster” von Jessica Lind ist eine Geschichte über Familie, Elternschaft, insbesondere das Mutter-Dasein und ein Bewusstwerden über die eigene Kindheit. Die Geschichte wird dabei auf zwei Zeitebenen erzählt, einmal der heutigen, in der Pia und Jakob sich als Eltern mit den Problemen ihres Sohnes Luca auseinandersetzen müssen. Die andere Ebene spielt in Pias eigener Kindheit, zusammen mit ihren zwei Schwestern und den schwerwiegenden Schicksalen, die diese mit sich bringen.

Für mich hat sich mit dem Titel, dem Klappentext und dem Beginn der Handlung die Frage gestellt, ob auch in Kindern schon Abgründe schlummern können, die sich in ihren Taten widerspiegeln. Diese Frage verneine ich grundsätzlich, fand es aber unglaublich spannend, dem Gedanken trotzdem nachzugehen und war somit neugierig auf Jessica Linds Umsetzung. Tatsächlich hat sich die Handlung aber in eine etwas andere Richtung entwickelt, auch wenn die Frage immer wieder aufkam.
Es ging mehr um die prägende Kindheit Pias, familiären Zusammenhalt - aber auch Probleme, die Trauer in der Familie um den Tod eines Kindes, den Umgang mit seinem Kind, der in Stresssituationen nicht immer perfekt stattfindet und einen Blick auf Mutterschaft. Mutterschaft, die gesellschaftlich ungleichberechtigte Verteilung von Aufgaben und Verantwortung zu Lasten der Frauen und wie überproportional selbstverständlich eine Mutter gegenüber dem Vater erachtet wird.

Damit hat eine feministische Kritik an unserer aktuellen Gesellschaft stattgefunden, die mir sehr gefallen hat. Und auch wenn unsere Protagonistin Pia einiges daran hinterfragt, ist sie selber nicht frei von Fehlern, was sie und die Geschichte umso authentischer gemacht hat, wenn auch in meinen Augen nicht unbedingt sympathisch. Tatsächlich habe ich keinen der Charaktere wirklich gemocht, da der Fokus des Buchs insgesamt auf einer realistischen Betrachtung liegt , die eben häufig nicht nur positiv aussieht.

Den Umgang mit Kindern, der in dem Buch abgebildet wird, muss ich aber nochmal schärfer kritisieren, als dies sowieso schon durch die Geschichte getan wird, da das Wort Missbrauch durchaus kurz ausgesprochen wird, aber noch viel tiefgehender dargestellt wurde. Was hier beschrieben wird, ist nicht in Ordnung und sollte auch in keiner Ausnahmesituation so praktiziert werden!

Den Roman fand ich schon eher anspruchsvoll zu lesen, da die Themen durchaus bedeutsam und zum Teil schwer verdaulich sind, aber auch die Sprache fand ich an einigen Stellen herausfordernd. Dies mag vermutlich daran liegen, dass Jessica Lind Österreicherin ist und sich dies auch in Teilen in ihrer geschriebenen Sprache wiederfindet. Und auch durch die häufigen Szenen- und Zeitsprünge musste ich mich immer wieder neu in der Geschichte zurechtfinden.

Schlussendlich lässt die Autorin meiner Meinung nach noch viele Fragen offen und damit uns Leser*innen einen großen Interpretationsspielraum. Ich denke, dass das für viele ernüchternd sein könnte, mich hat es aber zum Nachdenken angeregt und ich konnte den Ausgang der Geschichte mit meinen eigenen Schlüssen vervollständigen. Wem dies ebenfalls zusagt, kann ich “Kleine Monster” durchaus weiterempfehlen.

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