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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 20.11.2024

Es gibt ein Davor und ein Danach

Endlich das ganze Leben
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Marisa und Stelvio haben mit ihren beiden Kindern ein beschauliches, aber glückliches Leben. Ihre Sommer verbringen die Eltern mit ihrer Tochter Betta in ihrem kleinen Haus am Meer. Im August 1980 ist ...

Marisa und Stelvio haben mit ihren beiden Kindern ein beschauliches, aber glückliches Leben. Ihre Sommer verbringen die Eltern mit ihrer Tochter Betta in ihrem kleinen Haus am Meer. Im August 1980 ist auch Bettas Cousine Miriam in den Ferien mit am Meer und erlebt die schicksalshafte Nacht, in der Betta stirbt und für die Familie nichts mehr ist wie davor.

Roberta Recchia hat eine mitreißende Familiengeschichte geschrieben, die mich gefesselt, aber teilweise auch sehr mitgenommen hat. Sie zeigt anschaulich welche Auswirkungen ein tragisches Ereignis auf die Betroffenen haben kann.

Der Zeitgeist der 80er Jahre wurde gut eingefangen. Heutzutage ist eine ledige Schwangere kein gesellschaftliches Drama mehr und Menschen im falschen Körper haben es auch um einiges leichter als noch vor gut vierzig Jahren.

Auch wenn mich das Buch von Beginn an gefesselt hat, gibt es einen Punktabzug. Nicht gefallen haben mir einige unrealistische Aspekte wie z. B. ein Entzug in Eigenregie innerhalb weniger Tage und die überirdisch anmutenden Szenen passten für mich nicht in einem ansonsten ziemlich realistischen Roman. Trotz dieser Kritikpunkte gibt es eine Leseempfehlung von mir.

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Veröffentlicht am 07.11.2024

Irgendwie eine Zeit dazwischen

Lass uns tanzen, Fräulein Lena
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Ich wusste nicht, dass es sich um die Fortsetzung von „I love you, Fräulein Lena“ handelt, habe aber mit der Handlung keine Probleme gehabt. Trotzdem hätte ich Lena und einige andere Personen auch gerne ...

Ich wusste nicht, dass es sich um die Fortsetzung von „I love you, Fräulein Lena“ handelt, habe aber mit der Handlung keine Probleme gehabt. Trotzdem hätte ich Lena und einige andere Personen auch gerne bei ihrer Flucht aus Pommern begleitet. Inzwischen schreiben wir das Jahr 1946 und Lena und ihre jüngere Schwester leben nun in Niebüll. Obwohl Lena sich korrekt verhält und einer Arbeit nachgeht, wird sie misstrauisch beäugt. Zusätzlich erschweren ihr geschickt gestreute Gerüchte das Leben.

Das Leben direkt nach dem Krieg ist für alle schwer. Es fehlt an Nahrungsmittel und der Wohnraum ist knapp. Besonders leiden die Flüchtlinge, denen so gut wie nichts geblieben ist und die zudem nicht willkommen sind. Auch die Kriegsheimkehrer haben ihr Päckchen zu tragen, sind teilweise versehrt und haben mit ihren Erinnerungen zu kämpfen.

Man möchte die Vergangenheit vergessen und nach vorne schauen. Gerichtsprozesse erinnern an die Gräueltaten und sorgen für Schuldgefühle und Scham. Und dann gibt es noch Menschen, die sich reinwaschen und ihre Taten leugnen. Wir treffen aber auch auf Nächstenliebe, Freundschaft und Liebe. All diese Menschen hat Hanna Aden in ihrer Geschichte berücksichtigt und unterschiedliche Charaktere erschaffen. Für mich wirkten die Protagonisten realistisch und die Nachkriegszeit realistisch dargestellt. Manchmal war ich im Zwiespalt, konnte ich die Handlung der Personen emotional doch nachvollziehen, auch wenn sie nicht dem geltenden Recht entsprach.

Mir hat die Geschichte gut gefallen, auch wenn es weniger Wohlfühlroman war als ich erwartet hatte.

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Veröffentlicht am 26.10.2024

Zerstörte Familie

Die Mitford Schwestern
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Marie Benedict konzentriert sich in ihrem historischen Roman auf die Zeit von 1932 bis 1941 und hauptsächlich auf drei der sechs Schwestern aus einer verarmten Adelsfamilie. Da haben wir die älteste wortgewandte ...

Marie Benedict konzentriert sich in ihrem historischen Roman auf die Zeit von 1932 bis 1941 und hauptsächlich auf drei der sechs Schwestern aus einer verarmten Adelsfamilie. Da haben wir die älteste wortgewandte Schwester Nancy, die sich hauptsächlich über ihre Romane ausdrückt. Diana hingegen ist die schönste und glamouröste Schwester. Die jüngste Schwester ist Unity, die ihren Platz noch nicht gefunden zu haben scheint. Sowohl die Eltern als auch die übrigen Geschwister müssen sich hier eher mit einer Nebenrolle begnügen.

Erzählt wird abwechselnd aus der Sicht einer dieser drei Frauen. Ehrlich gesagt, war mir keine der Schwestern sympathisch, am ehesten könnte ich das noch von Nancy sagen. Sie blieb lange blass und zeigte erst gegen Ende Stärke als sie sich zwischen Familie und ihrem Heimatland entscheiden musste.

Am schlimmsten fand ich Unity, die sich dem Faschismus verschrieben hatte und sich im engsten Kreis Hitlers bewegte. Ich konnte ihre unverbrüchliche Schwärmerei für „ihren Führer“ sowie ihre blinde Gefolgschaft kaum ertragen. Erschreckend zu lesen, wie sie ihn verherrlichte und alles guthieß, was er befahl, obwohl er sie nur für seine Zwecke einspannte.

Diana war nicht viel besser. Sie lässt sich von dem Spross der Guiness-Brauerei scheiden, um dem Faschisten Mosley zu folgen. Dieser wünschte sich eine Vereinigung von England mit Deutschland unter seiner Verwaltung der Insel. Diana war diesem Mann verfallen und wollte ihm mit aller ihr zur Verfügung stehenden Mittel und Reize diesen Wunsch erfüllen.

Ich hatte noch nie von den Mitford Schwestern gehört, obwohl sie aufgrund ihres politischen Engagements zu jener Zeit durchaus bekannte Größen waren. Von daher fand ich den Roman ganz interessant. Ich weiß nicht wie man es hätte besser machen können, aber die einzelnen Kapitel fand ich irgendwie eine Aneinanderreihung von Ereignissen im Leben der Schwestern. Außerdem hätte ich mir im Nachwort eine Erklärung gewünscht was historisch belegt und was Fiktion ist und nicht, dass ich das mit Hilfe von Wikipedia rausfinden muss. Gewünscht hätte ich mir auch einen Ausblick wie es nach 1941 mit der Familie weiterging.

Veröffentlicht am 25.10.2024

Die volle Bandbreite der Emotionen

Wir treffen uns im nächsten Kapitel
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Erins beste Freundin ist jung an Krebs verstorben und sie hat diesen Verlust noch nicht verarbeitet. Noch ist sie auf der Suche nach ihren wahren Träumen. Versehentlich stellt sie ihr Lieblingsbuch in ...

Erins beste Freundin ist jung an Krebs verstorben und sie hat diesen Verlust noch nicht verarbeitet. Noch ist sie auf der Suche nach ihren wahren Träumen. Versehentlich stellt sie ihr Lieblingsbuch in einen Bücherschrank und als sie es zurückholt, stellt sie fest, dass jemand ihre Kommentare zusätzlich kommentiert hat. Daraus entwickelt sich über weitere Bücher ein Austausch mit James. Beide ahnen nicht, dass sie eine gemeinsame Vergangenheit haben.

Mit Erin habe ich so meine Probleme gehabt. Ja, sie hat ein Päckchen zu tragen, aber sie kommt mir für ihr Alter manchmal etwas unreif vor. Ihr Benehmen ist teilweise egoistisch und sie benimmt sich manchmal wie ein bockiger Teenager.

Ganz anders ging es mir mit James, der es ebenfalls nicht einfach in seinem bisherigen Leben hatte. Er lebt inzwischen aus Angst vor dem Scheitern nicht seinen großen Traum die Schriftstellerei, sondern ist in einem Beruf, der ihn nicht glücklich macht, aber eine Menge Geld einbringt.

Der Austausch über diverse Bücher hilft beiden Protagonisten, sich nicht nur zu öffnen, sondern auch teilweise zur Selbsterkenntnis. Können nun private Gräben, nicht nur zwischen den beiden, zugeschüttet und alte Wunden geheilt werden?

Mir gefielen der lockere und empathische Schreibstil sowie die realistischen Dialoge. Ich hätte nicht gedacht, dass mir in diesem Roman so viele auch ernste Themen begegnen. Es geht um Verlust, Krankheit, Trauer, Mobbing, Schuldgefühle, psychische Erkrankungen, aber natürlich auch um Liebe, Freundschaft und Vertrauen. Ich habe diese ganze Bandbreite der Emotionen mit durchlebt und hin und wieder ist auch eine Träne geflossen.

Ein unterhaltsamer Roman, der mir gut gefiel und von mir vier Sterne bekommt.

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Veröffentlicht am 06.10.2024

Raffiniert ausgedacht

Schwedensommer
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Bisher kannte ich nur Krimis dieses Autors, die unter seinem Klarnamen Jobst Schlennstedt veröffentlicht wurden. Da mir diese ausnehmend gut gefallen haben, war ich auch auf diese Reihe sehr gespannt. ...

Bisher kannte ich nur Krimis dieses Autors, die unter seinem Klarnamen Jobst Schlennstedt veröffentlicht wurden. Da mir diese ausnehmend gut gefallen haben, war ich auch auf diese Reihe sehr gespannt. Und ich kann sagen, dass ich nicht enttäuscht wurde.

An der Küste Malmös wird der landesweit bekannte Reeder tot aufgefunden. Ein Fall für Kommissar Niklas Zetterberg und seine Kollegin Emma Steen. Die Ermittler verfolgen eine Spur, tappen aber genau wie ich lange im Dunkeln. Mir gefällt wie sich die verworrenen Fäden langsam aber stetig entwirren, um am Ende einen von langer Hand geplanten Racheakt zu offenbaren.

Die beiden Ermittler waren mir von Beginn an sympathisch. Mit viel Akribie und Recherche konnten sie diesen verzwickten Fall lösen. Für mich war es sehr spannend, sie dabei zu begleiten und ich werde definitiv auch diese Reihe weiterverfolgen.

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