Melancholisch
Im Schnee„ Wenn man schweigt, kommt man sehr gut miteinander aus. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht.“
Wenn das Totenglöckchen klingelt, gibt es wieder einen weniger in Max‘s Heimatdorf, in dem es ...
„ Wenn man schweigt, kommt man sehr gut miteinander aus. Worüber man nicht spricht, das gibt es nicht.“
Wenn das Totenglöckchen klingelt, gibt es wieder einen weniger in Max‘s Heimatdorf, in dem es scheint, als wäre die Zeit stehengeblieben.
Diesmal ist es der Schorsch, Max bester Freund. Er ist einfach eingeschlafen und nicht wieder aufgewacht, ein schöner Tod.
Auf der Totenwacht treffen sich zunächst die Männer, schwelgen in Erinnerungen und stoßen auf den Toten an. Max bleibt auch noch als die Frauen zur Ablösung kommen. Bei ihnen geht es weit weniger lustig zu. Sie sind gläubiger, andächtiger und tauschen dann aber doch Geschichten und Rezepte aus.
Der über 80jährige Max fragt sich wer der Nächste ist, denkt über die Veränderungen im Dorf nach. Inzwischen gibt es hier kein Geschäft mehr und alle die ein Handwerk beherrschten sterben allmählich weg. Die Neubürger sind auch nach Jahrzehnten noch Fremde.
Es ist ruhig und still im Dorf. Der Schnee deckt alles zu, auch die schlimmen Geschichten von häuslicher Gewalt oder Ausländerfeindlichkeit. Darüber spricht man nicht. Dann ist es fast so, als wären sie nicht geschehen.
Tommie Görtz erzählt ruhig und intensiv vom einfachen Leben auf dem Land, melancholisch und ohne es zu romantisieren. Der Tod gehört zu Leben, zum ewigen Kreislauf der Natur. Das hat man hier akzeptiert und feiert es mit den Ritualen, die sich gehören. Auch sprachlich hat mir das Buch gut gefallen. Es ist komplett aus der Sicht von Max erzählt, an dessen Gedankenwelt wir als Leser teilhaben dürfen .
Es ist ein Buch, dass zum Nachdenken anregt und zum Innehalten aufruft und passt perfekt in den Winter.
Das Hörbuch wurde wunderbar vertont von Thomas Loibl.