Profilbild von c-bird

c-bird

Lesejury Star
offline

c-bird ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit c-bird über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 24.11.2024

Düster und brillant zugleich

Das zweite Kind
0

In einer kalten Nacht wird der 11jährige Fosco auf einer Landstraße in der Toskana aufgefunden. Völlig verängstigt erzählt der Junge, dass er entführt wurde, aber seinem Entführer entkommen konnte. Die ...

In einer kalten Nacht wird der 11jährige Fosco auf einer Landstraße in der Toskana aufgefunden. Völlig verängstigt erzählt der Junge, dass er entführt wurde, aber seinem Entführer entkommen konnte. Die Polizei will dem Jungen nicht so recht Glauben schenken. Dennoch reist Valentina Medici, Ermittlerin der italienischen Spezialeinheit SCO aus Rom an, um den Fall zu untersuchen. Kurz darauf wird ein zweites Kind in Bologna entführt. Dieser Junge sieht Fosco zum Verwechseln ähnlich, andere Gemeinsamkeiten finden sich nicht. Doch Valentina gräbt tief und stößt auf eine Reihe von cold cases. Unterstützung erhält sie dabei von Fabio Costo, einem ehemaligen SCO-Ermittler, der in Ungnade gefallen ist. Beide ahnen noch nicht, welche Dimension dieser Fall annehmen wird.
Was für einen spannenden Thriller hat Marco De Franchi hier abgeliefert! Schon das Cover strahlt eine gewisse Düsternis aus, die sich dann im Inhalt fortsetzt. Obwohl das Buch fast 670 Seiten umfasst, möchte ich keine davon missen. Der Beginn ist noch sehr rätselhaft, aber der Autor versteht es gekonnt die düstere Atmosphäre einzufangen und Spannung aufzubauen. Auch die einzelnen Charaktere werden gut eingeführt und besitzen ausreichend Tiefgang, sodass sie sich zu vielschichtigen Persönlichkeiten entwickeln, die mir noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Besonders Valentina ist eine sympathische junge Frau, die einfach nicht lockerlässt bis sie am Ziel angekommen ist. Aber auch Fabio ist mir ans Herz gewachsen, auch wenn er mit den Dämonen aus seiner Vergangenheit zu kämpfen hat.
Der Autor selbst war viele Jahre als Hauptkommissar bei der Kriminalpolizei tätig. Diese Erfahrungen fließen mit in das Buch ein. Man erfährt wie die komplexen Ermittlungstätigkeiten tatsächlich ablaufen und sie wirken dadurch authentischer.
Trotz der vielen Seiten liest sich das Buch recht schnell weg. Das liegt sowohl an den angenehm kurzen Kapiteln als auch an den ständig wechselnden Perspektiven. Besonders beeindruckt hat mich, dass immer, wenn eine Lösung eines Rätsels gefunden war, es noch eine viel größere Grausamkeit dahinter gab. Gerade zum Ende hin, kann man das Buch kaum aus der Hand legen.
Insgesamt ein äußerst spannender und sehr gut geschriebener Thriller, der es mit jedem skandinavischen Thriller aufnehmen kann. Über weitere Werke des Autors würde ich mich sehr freuen – absolut empfehlenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 18.11.2024

Neue Reihe mit interessanten Charakteren

Tode, die wir sterben
0

In einem Brennpunktviertel Malmös wird ein 13jähriger Junge erschossen. Zunächst sieht es nach einem Zufallsopfer eines Drogenbandenkriegs aus. Doch dann entwickelt sich der Fall in eine ganz andere Richtung. ...

In einem Brennpunktviertel Malmös wird ein 13jähriger Junge erschossen. Zunächst sieht es nach einem Zufallsopfer eines Drogenbandenkriegs aus. Doch dann entwickelt sich der Fall in eine ganz andere Richtung. Die Ermittlungen nehmen der erfahrene Kommissar Jon Nordh und die junge Svea Karhuu auf.

Mit Begeisterung habe ich sämtliche Bände der Reihe rund um Ingrid Nyström und Stina Forss gelesen. Nun schickt das Autoren-Duo also ein neues Ermittlerteam mit interessanten Charakteren an den Start. Jon Nordh ist mit Mitte 40 ein erfahrener Kommissar. Seine Frau verstarb erst vor kurzem bei einem Autounfall, bei dem sein Freund und Partner am Steuer saß und ebenfalls ums Leben kam. Nun steht er mit seinen beiden Kindern alleine da und weiß noch nicht so recht wie er mit der Situation klarkommen soll. Zudem nagt an ihm der Verdacht, dass seine Frau eine Affäre mit seinem Partner hatte. Ganz anders ist die junge Svea Karhuu. Sie ist erst Mitte 20 und wurde nach einem Vorfall von Stockholm nach Malmö zwangsversetzt. Svea ist sehr ehrgeizig und hat eine sehr direkte Art, wirkt aber auch sehr tough. Dennoch lastet der Vorfall auf ihr. Beide Ermittler haben somit nicht nur ihr Päckchen zu tragen, sondern müssen sich erst einmal zusammenraufen.
Es geht gleich sehr spannend los und die Spannung kann sich auch bis zum Ende des Buches halten. Da die beiden Kommissare oft in Alleingängen ihre Ermittlungen betreiben, wechselt auch häufig die Perspektive. Dadurch passiert auch ständig etwas und es gibt einige Wendungen. Auch die Kapitel sind angenehm kurz. Der Schreibstil ist wie gewohnt sehr flüssig und man fühlt sich bestens unterhalten.
Der Einstiegsband in die neue Serie hat mir jedenfalls sehr gut gefallen und ich freue mich schon auf den zweiten Band „Schwüre, die wir brechen“, der im August 2025 erscheinen soll.


  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.11.2024

Spannender Thriller mit außergewöhnlicher Ermittlerin

Kalte Erlösung
7

Im herbstlichen Frankfurt bekommt es Kommissarin Mara Billinsky mit einem Serienmörder zu tun, der seine Opfer mit Stacheldraht foltert, bevor er sie tötet. Scheinbar zufällig wählt er seine Opfer aus, ...

Im herbstlichen Frankfurt bekommt es Kommissarin Mara Billinsky mit einem Serienmörder zu tun, der seine Opfer mit Stacheldraht foltert, bevor er sie tötet. Scheinbar zufällig wählt er seine Opfer aus, denn Gemeinsamkeiten zwischen den Opfern sind nicht erkennbar. Als sich endlich eine heiße Spur ergibt, ist es ausgerechnet Maras Vater, der die Verdächtige als Anwalt vertritt. Alte Konflikte brechen zwischen den beiden auf.
Es ist bereits der neunte Fall für Mara Billinsky, die den Spitznamen „die Krähe“ trägt. Für mich war es der erste Fall mit der toughen Ermittlerin. Zwar ist der Fall in sich geschlossen und man bekommt ausreichend Informationen, um der Handlung problemlos folgen zu können. Allerdings gibt es noch eine Art Nebenhandlung, zu der ich dann doch gerne die Vorgeschichte gelesen hätte. Ebenso wie die Entwicklung der interessanten Charaktere, die das Ermittlungsteam bilden.
Mara Billinsky ist eine sehr außergewöhnliche Figur. Sie ist äußert hartnäckig und sehr eigen, macht einfach ihr Ding, meist ohne Rücksicht auf Verluste. Und doch führt genau dieser Weg sie zum Erfolg. Gerade ihre raue und kompromisslose Art machte sie mir sympathisch. Aber auch das übrige Ermittlungsteam hat einige interessante und auch gut ausgearbeitete Figuren zu bieten.
Leo Born konnte mit seinem flüssigen und gradlinigen Schreibstil absolut bei mir punkten. Die Perspektiven wechseln häufig. Die Kapitel sind kurzgehalten und enden oft mit einem cliffhanger. Auf diese Weise fliegt man geradezu durch das Buch, das sehr spannend geschrieben ist. Zwischen den Erzählperspektiven kommt auch immer wieder „Goyo“ zu Wort. Eine Figur, die man lange Zeit gar nicht einordnen kann. Es handelt sich dabei um einen Jungen, der eine schwierige Kindheit erlebt. Was das Ganze miteinander zu tun, verrate ich an dieser Stelle natürlich nicht.
Das Buch ist bis zum Ende hin spannend, die Auflösung lässt keine wesentlichen Fragen offen. Dafür gibt es kleine Andeutungen, die jetzt schon Lust auf die Fortsetzung machen.

  • Einzelne Kategorien
  • Handlung
  • Erzählstil
  • Charaktere
  • Cover
  • Spannung
Veröffentlicht am 24.10.2024

Spannungsroman mit mystischen Elementen

Der längste Schlaf
0

Mara Lux ist eine renommierte Schlafforscherin und lebt seit Jahren in London. Doch ausgerechnet Mara selbst leidet unter Schlaflosigkeit. Schlimmer noch: es sind ihre Träume, die sich oftmals danach in ...

Mara Lux ist eine renommierte Schlafforscherin und lebt seit Jahren in London. Doch ausgerechnet Mara selbst leidet unter Schlaflosigkeit. Schlimmer noch: es sind ihre Träume, die sich oftmals danach in der Realität bewahrheiten. Da ihre Eltern früh gestorben sind, ist ihre einzige Verbindung zu Deutschland ihre Adoptivschwester Roxi, zu der sie immer noch Kontakt hält. Umso überraschender kommt da die Nachricht, dass jemand Mara ein großes, altes Herrenhaus in Deutschland vermachen will. Neugierig geworden reist Mara in ihre alte Heimat um sich das Haus wenigstens anzusehen. Erstaunt muss sie dabei feststellen, dass sie mit dem Haus auf seltsame Weise verbunden zu sein scheint.
Gleich zu Beginn lernt man Mara, die unter Schlaflosigkeit leidende Schlafforscherin kennen. Diese wirkte trotz aller Ironie sehr authentisch auf mich. Eine sympathische, junge Frau, die ihr Leben, abgesehen von der Insomnie, gut im Griff hat. Auch die anfängliche Skepsis über die Schenkung der Villa und das darauffolgende vorsichtige Herantasten an das Haus waren durchaus nachvollziehbar. Doch nach und nach passieren immer mehr unerklärliche Dinge in der Villa, insbesondere als Mara ihre erste Nacht dort verbringt. Hier nimmt dann das Buch eine Richtung in das Mystische und Übernatürliche, mit dem ich ein wenig haderte.
Zwischendurch tut sich ein zweiter Handlungsstrang auf, der von zwei Kindern handelt, von denen das eine Kind das andere retten möchte. In welchem Bezug dies jedoch zur Haupthandlung steht anfänglich noch völlig unklar. Doch die Auflösung am Ende des Buches hat mich wiederum begeistert.
Absolut überzeugt hat mich der Erzählstil. Die Autorin versteht es wirklich den Leser an das Buch zu fesseln. Obwohl es kein Thriller ist, sondern ein Roman, so hatte das Buch durchaus eine Menge Spannungselemente. Auch die zwischendrin eingestreuten Fakten über Schlaf bzw. Schlafmangel fand ich sehr informativ.
Insgesamt ein gut konstruierter Roman, der auch mit einigen überraschenden Wendungen punkten kann. Man muss sich auf das Buch einlassen können und die mystischen Elemente akzeptieren, um es in seiner Gesamtheit zu genießen. Absolut lesenswert!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.10.2024

Spannende Fortsetzung einer top Reihe

Blutbuße
1

Im Skiort Åre hoch oben im Norden Schwedens wird die Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind in ihrer Hotelsuite auf brutale Weise erstochen. Charlotte plante hier ein ehemaliges Hotel abreißen zu lassen ...

Im Skiort Åre hoch oben im Norden Schwedens wird die Immobilienentwicklerin Charlotte Wretlind in ihrer Hotelsuite auf brutale Weise erstochen. Charlotte plante hier ein ehemaliges Hotel abreißen zu lassen und als exklusives Luxushotel wiederaufzubauen. Dies stieß nicht nur bei der Bevölkerung auf vehementen Widerstand, auch Umweltschützer sahen darin eine Bedrohung. Hannah Ahlander und Daniel Lindskog nehmen die Ermittlungen auf. Doch schon bald geschieht ein zweiter Mord.

Es ist bereits der dritte Fall für die sympathische Kommissarin Hannah Ahlander und ihren temperamentvollen Kollegen Daniel Lindskog. Der Fall ist in sich geschlossen und kann daher auch ohne Vorkenntnisse gelesen werden, da alle wissenswerten Informationen geliefert werden. Wer jedoch die privaten Entwicklungen der beiden Protagonisten mitverfolgen möchte, der sollte sich an die chronologische Reihenfolge der Bände halten.
Viveca Sten versteht wirklich ihr Handwerk. Schon von Beginn an gibt es gleich mehrere Verdächtige, die durchaus als Täter in Frage kommen. Denn Charlotte Wretlind verstand es wie keine Zweite, sich ihre Mitmenschen zum Feind zu machen. Die Spannung ist von Beginn an vorhanden und hält sich auch kontinuierlich durch das ganze Buch auf einem hohen Niveau. Dafür sorgt nicht nur der spannende Erzählstil, sondern auch die kurzen Kapitel und damit einhergehenden Perspektivwechsel. Als Leser ist man so den Ermittlern immer einen kleinen Schritt voraus. Die Handlung spielt größtenteils Ostern 2021, doch dazwischen gibt es eingeschobenen Rückblenden aus dem Jahr 1973. Und natürlich fragt man sich die ganze Zeit, was diese Einschübe mit dem Hauptstrang zu tun haben.
Auch wieder mit dabei sind aus dem Ermittlungsteam Anton und Raffe. Und so nimmt nicht nur Daniel und Hannah Privatleben einen gewissen Raum ein, sondern man leidet auch ein wenig mit Anton, der immer noch seiner unerfüllten Liebe nachtrauert.

Insgesamt wieder ein äußerst spannender Fall der Polarkreis-Reihe. Eine Serie mit zwei sehr sympathischen Ermittlern, die man absolut empfehlen kann. Ich freue mich schon auf die Fortsetzung!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere