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Veröffentlicht am 05.12.2024

Ganz amüsant

Not your Darling
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Es war einmal… So beginnen Märchen. Margaret ist eine von denen, die sich eine traumhafte Zukunft in Hollywood ausmalen - aber nicht so, wie es sich die meisten erhoffen. Nein, sie will keine dieser glamourösen ...

Es war einmal… So beginnen Märchen. Margaret ist eine von denen, die sich eine traumhafte Zukunft in Hollywood ausmalen - aber nicht so, wie es sich die meisten erhoffen. Nein, sie will keine dieser glamourösen Schauspielerinnen sein, sie will diese glitzernde Traumwelt hinter den Kulissen auf ihre Art erobern. Als Visagistin will sie hoch hinaus, denn schließlich ist ein gutes Aussehen das Pfund, mit dem die Stars und Sternchen neben ihrem mehr oder weniger vorhandenen Talent wuchern. Also, nichts wie los. Der Weg hin zu ihrem zukünftigen Wirkungskreis ist steinig, aber Margaret wäre nicht sie, würde sie nicht fantasievoll und zudem voller Chuzpe ihre Chancen ergreifen.

Unterwegs trifft sie auf Jimmie, der ihr – ohne sein Zutun – zu ihrem hollywoodtauglichen Namen verhilft. Loretta ist sie nun und später dann das LipGirl, Loretta Darling. Dazwischen liegen noch so einige Bekanntschaften, allen voran ist es Primrose, die ihr zu ihrem ersten, schäbigen Zuhause und auch zu einem Job verhilft. Von nun an geht‘s bergauf.

Mit Loretta bin ich im Jahre 1950 gelandet, den beschriebenen Zeitgeist dieser Jahre habe ich schon auch gespürt, diesen aber eher am Rande wahrgenommen. Gut, das Lebensgefühl anno dazumal war ein anderes, die männerdominierende Gesellschaft kommt hier gut durch. Mehr noch, die Story rutscht gelegentlich ins pornohafte ab. Auch spielt Gewalt mit hinein – ob verbal, körperlich oder sexuell, es geht knallhart zur Sache. Alkohol fließt in Strömen, Drogen gehören natürlich dazu, die Leinwandhelden geben sich beileibe nicht immer heldenhaft. Und - beim Lesen hatte ich des Öfteren diese berühmte Besetzungscouch vor Augen.

Katherine Blake schreibt unterhaltsam, sie lässt diese kalifornische Traumwelt in sich zerplatzen. Gespickt ist ihr Roman mit Sex, Drogen und manch anderen (Rache)Gelüsten, die Stars jener Zeit zählt sie eher auf als dass sie in diese Story integriert wären. Als frivol und pikant würde ich dieses Buch nicht bezeichnen, es beschreibt eher den rüpelhaften, von sich überzeugten Chauvinisten. Loretta Darling dagegen ist ihrer Zeit weit voraus, sie verfolgt zielstrebig ihren Wunsch einer unabhängigen Frau. Dazwischen kommt eine ganz andere Loretta zum Vorschein. Eine Frau, die ihre Vergangenheit nicht loslässt. Je mehr ich davon lese – es sind immer nur kurze Segmente – desto eher wird mir der Hintergrund dessen klar.

Es ist ein unterhaltsames, ja amüsantes Buch mit einer quirligen Protagonistin, die leicht überzeichnet ihren ureigenen Zielen folgt und sich schlussendlich nicht scheut, den Bogen extrem zu überspannen, was bei mir nicht gut ankommt. Dieses negative Gefühl, das sich unecht anfühlt, überlagert schon die flott geschriebene Story mit einer Heldin, die frech und forsch voranschreitet, die auf subtile, eher noch auf hinterhältige Art dem ekelhaften Männergehabe zuleibe rückt.

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Veröffentlicht am 28.11.2024

Gute Story, die an dem zu gewollt Witzigen leidet

FriesLandFang (Nordseekrimi)
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Der Nordseekrimi „FriesLandFang“ ist der zweite Fall für das Ermittlerduo Carsten Wolf und Fabiu Covaci. Es kann – wie schon das erste Buch dieser Reihe „FriesLandOpfer“ unabhängig voneinander gelesen ...

Der Nordseekrimi „FriesLandFang“ ist der zweite Fall für das Ermittlerduo Carsten Wolf und Fabiu Covaci. Es kann – wie schon das erste Buch dieser Reihe „FriesLandOpfer“ unabhängig voneinander gelesen werden. Jeder Fall ist in sich abgeschlossen.

Ein arbeitsreicher Tag neigt sich dem Ende zu, jedoch sorgt der Fund einer verstümmelten Leiche, die sich im Schleppnetz eines Krabbenfischers verfangen hat, für helle Aufregung. Die beiden Kommissare Carsten Wolf und Fabiu Covaci übernehmen den Fall, der sie auf die kleine Ostfriesland-Insel Baltrum führt. Das Opfer ist Ole Böhringer, ein 46jähriger Landwirt, der schon seit Tagen vermisst wird. Er war ein bekennender Umweltschützer, der sich durch seine Penetranz nicht unbedingt Freunde gemacht hat. Er lebte mit seiner Frau und den drei Kindern auf dem Hof, auf dem er so ziemlich autark lebte, dort betrieb er Schafszucht und neben seiner Familie war ihm auch sein Bruder eine große Hilfe.

Der Fall an und für sich und die damit einhergehenden Ermittlungen sind gut und durchaus plausibel beschrieben, auch die Kommissare, die Familie und die Anwohner von Baltrum sind in sich schlüssig dargestellt. Was mich – je weiter ich las – extrem gestört hat, war das zu gewollt witzige Miteinander. Die permanenten Frotzeleien, die vielen Flachwitze, die sie als fortlaufenden Wettbewerb zum Besten geben, waren nervig, ebenso die auf Dauer lästige Betitelung von Wolf, der Fabiu Covaci als Welpe, wahlweise als Frischling anredet, was wohl der Auflockerung dienen sollte, war aber eher spaßbefreit denn amüsant. Es war schlichtweg zu viel. Es war lästig, es war störend. Es hat der Story eher geschadet denn genützt.

Die Story an sich war spannend, die Ermittlung logisch aufgebaut und auch das Ende war in sich stimmig. Die auf Dauer zermürbende Bespaßung unter Kollegen hat mir den Lesegenuss jedoch vermiest.

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Sophie, die mordende Supervisorin

Mordscoach
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„Mordscoach.“ Die Kurzbeschreibung klingt interessant, sie verspricht gute Unterhaltung, gespickt mit viel schwarzem Humor. Was liegt also näher, Sophie Stach eingehender in Augenschein zu nehmen. Sie ...

„Mordscoach.“ Die Kurzbeschreibung klingt interessant, sie verspricht gute Unterhaltung, gespickt mit viel schwarzem Humor. Was liegt also näher, Sophie Stach eingehender in Augenschein zu nehmen. Sie stellt sich als Coachin und Psychoanalytische Supervisorin vor, die genaue Liste dessen, was sie alles ist und kann, ist um einiges länger, sie ist ihrer Meinung nach die eierlegende Wollmilchsau. Einen Ehemann hat sie natürlich auch, besser geht es gar nicht. Wären da nicht so einige ihrer unleidigen Patienten wie etwa Nils Bergmann, die fette Qualle, wie sie ihn insgeheim betitelt.

Eines schönen Tages schneit Amelie in ihre Praxis. Vordergründig geht es ihr wegen des Todes ihrer Mutter schlecht, aber Sophie wäre nicht sie, würde sie nicht den wahren Grund für Amelies Erscheinen checken. „Sie sind viel hübscher, als Jakob erzählt hat“ meint Amelie lapidar. So ein hinterhältiges Biest aber auch! Sophie muss handeln.

Handeln heiß bei ihr, unliebsame Gestalten zu beseitigen. Und das mit einer Leichtigkeit, die jeden Kriminalkommissar bloßstellt. Und ja, diesen Kommissar gibt es auch. Natürlich. Denn schließlich sind einige Todesfälle aufzuklären. Alle Spuren führen zu Sophie, diese aber weiß sich zu behaupten. Abwechselnd kommt bei ihr die Therapeutin und die Femme fatale durch - eine hochexplosive Mischung, die sich jedoch für sie als sehr erfolgreich erweist.

Die Story beginnt amüsant, ich bin gespannt. Bald jedoch driftet sie ins Groteske ab, sie ist zu überzeichnet. Gut, man kann schon mal jemanden versehentlich um die Ecke bringen, um der Lust am Makaberen zu frönen, wir lesen schließlich Cosy Crime. Alles dreht sich um Sophie, der ich nicht zu nahe kommen möchte, selbst wenn ich von ihrem mörderischen Gen nichts weiß. Erfährt sie etwa von häuslicher Gewalt, verfolgt sie ihren ureigenen Therapieansatz und das Problem ist gelöst. Und die Polizei steht doof daneben.

Lilli Pabst schreibt kurzweilig, das Buch ist unterhaltsam, es ist schnell gelesen. Wenngleich es schon sehr dick aufträgt. Sophie sammelt Leichen so wie andere Bücher, bestimmte Figuren, Steine, Muscheln o(der was auch immer) sammeln. Jeder hat so seine Leidenschaft, Sophies Sammelwut mutet dann doch sehr seltsam an. Gut, sie ist irgendwie hineingeschliddert, es war nicht beabsichtigt und dann hat sie Gefallen an dem „etwas anderen Hobby“ gefunden.

Die Morde sind komödiantisch in Szene gesetzt, wobei sich diese Mordsgeschichte um Sophie Stach zunehmend im Unglaubwürdigen verfängt. Es ist eine gut zu lesende Zwischendurch-Lektüre, dessen Heldin auf den mörderischen Geschmack gekommen ist. Der schwarzen Witwe gleich – eine Spinne, die ihre Männchen frisst.

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Veröffentlicht am 05.11.2024

Ein eher distanzierter Blick hinter die Kulissen

Hey guten Morgen, wie geht es dir?
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Sie ist noch nicht alt, aber jung ist sie auch nicht mehr. Juno Isabella Flock. Als freiberufliche Performancekünstlerin verdient sie mal mehr, mal weniger Geld. Mit über fünfzig ist sie nicht mehr ganz ...

Sie ist noch nicht alt, aber jung ist sie auch nicht mehr. Juno Isabella Flock. Als freiberufliche Performancekünstlerin verdient sie mal mehr, mal weniger Geld. Mit über fünfzig ist sie nicht mehr ganz so gefragt. Wäre da noch Jupiter, ihr Mann, der im Rollstuhl sitzt, der auf Hilfe angewiesen ist. Als Paar gibt es sie eher als Pflegebedürftigen und als Pflegerin. Er ist an Multipler Sklerose erkrankt, sein Bewegungsradius erschöpft sich weitgehend zwischen Pflegebett und Rollstuhl, sie hingegen lebt ihren Bewegungsdrang beim Tanzen aus. Und nachts, wenn sie nicht schlafen kann, chattet sie im Internet. Hier tummeln sich auch die Love-Scammer. Männer, die sich einsame Frauen herauspicken, ihnen Liebe vorgaukeln. Männer, deren Profilbild viel verspricht, deren Interesse jedoch ausschließlich monetärer Natur ist. Soweit, so bekannt. Wie wäre es, den Spieß einfach umzudrehen? Juno schreibt mit ihnen, beamt sich in eine Welt voller Lügen, auch sie erfindet Traumwelten. Ihre Wirklichkeit verschweigt sie.

Und dann trifft sie auf Benu, der im fernen Nigeria sitzt. Die Gespräche werden intensiver, beide wissen um die Lügen des anderen und doch bleiben sie in Verbindung. „Manchmal muss man lügen. Das geht nicht anders. Jeder lügt…“ Sätze, die Benu ihr schreibt, die aber auch von ihr kommen könnten.

„Hey guten Morgen, wie geht es dir?“ Schon der Titel kommt leichtfüßig daher, er verspricht unterhaltsame Stunden, auch war ich neugierig auf das Gewinnerbuch des Deutschen Buchpreises 2024. Martina Hefter stellt die Chats in den Vordergrund, sie lässt darüber hinaus den ganz normalen Alltag mit einfließen. Häusliche Pflege und die Überforderung dessen etwa. Sie vergisst schon mal, wichtige Arzneien für Jupiter zu besorgen, ist irgendwann auch tagsüber am Chatten. Diese Gespräche, auch Video-Calls, nehmen immer mehr Raum ein. Juno lässt sich Tattoos stechen, berichtet von Hexen, der Walpurgisnacht und Voodoo-Priestern, bringt in ihren Chats mit Benu Lars von Triers „Melancholia“ ins Spiel.

Martina Hefter zeigt eine Frau, die nach mehr an Leben lechzt. Dieses Mehr findet sie in einer Scheinwelt zwischen ihrem künstlerischen Dasein und der Pflege von Jupiter. Sowohl die Chats als auch das Drumherum, der berufliche und der privaten Alltag, lassen mich ein wenig ratlos zurück. Es ist ein autofiktionales Buch, vielleicht gewährt die Autorin auch deshalb diesen eher distanzierten Blick auf das Private, lässt nicht zu viel Nähe aufkommen. Und doch kann ich nur das bewerten, was bei mir ankommt. Die Themen sind eher angerissen, Juno und Jupiter und auch Benu blieben mir weitgehend fremd. Es ist ein durchaus unterhaltsamer Roman, der aber eher an der Oberfläche kratzt.

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Veröffentlicht am 31.10.2024

Guter Krimi mit zu viel an Privatem

Still ist die Nacht (Ein Fall für Maya Topelius 2)
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Der Prolog lässt Schlimmes ahnen, ich bin sofort gefesselt. Auf Svartlöga, einer abgelegenen Schäreninsel, auf der es weder Strom noch sonstige Annehmlichkeiten gibt, findet ein Yoga-Retreat statt, auf ...

Der Prolog lässt Schlimmes ahnen, ich bin sofort gefesselt. Auf Svartlöga, einer abgelegenen Schäreninsel, auf der es weder Strom noch sonstige Annehmlichkeiten gibt, findet ein Yoga-Retreat statt, auf das Maya sich schon freut. Emely, einer ihrer besten Freundinnen, wird den Kurs leiten. Für ein erstes Kennenlernen bietet sich das Mittsommerfest direkt an, jedoch läuft hier schon einiges schief. Maya beobachtet den Streit zweier Männer, Eifersucht scheint bei einem Pärchen im Spiel zu sein…

…und auch bei ihr und Emely sorgt eine unbedachte Äußerung für Missstimmung. Maya ist zutiefst verletzt, weil sie in eine lange zurückliegende, sehr private Sache ihrer Mutter, nicht involviert war und Emely ihr diese bis jetzt verheimlicht hat. Gut, Emely wusste davon, sie hat aber geschwiegen, ganz einfach deshalb, weil es sie nichts angeht. Maya dagegen macht hier ein Fass auf, Emely bekommt ihren Unmut zu spüren und auch ihrer Mutter gegenüber verhält sie sich direkt übergriffig. Nein, so etwas hat in einem Krimi nichts zu suchen, zumindest nicht in dieser Ausführlichkeit. Dieses Private wird zu breit gewalzt, es geht die ersten geschlagenen 15 % des Buches so weiter. Von kriminalistischen Elementen – bis auf den spannenden Prolog - weit und breit keine Spur.

Irgendwann dann wendet sich das Blatt, ein Kursteilnehmer entdeckt im Schilf die Beine eines Menschen. Er liegt im Wasser. Maya, die verdeckt ermittelt, sieht sich den Toten genauer an, ohne ihn zu berühren. Sie sieht Stichwunden im Brustbereich - waren diese tödlich oder ist er ertrunken? Die Polizei wird hinzugezogen, ihr Partner Pär leitet die Ermittlungen, sie ermittelt undercover.

Die Krimianteile lesen sich flott, wenngleich die Ermittlungen ziemlich zäh voran schreiten, die Kursteilnehmer werden durchleuchtet, so mancher ist nicht recht zu durchschauen. Die Insel ist den Sommer über bewohnt, es leben an die hundert Leute hier. Maya weitet den Kreis der Verdächtigen aus, sie hört sich um, um nicht zu sagen, sie verhört alle für sie als Täter infrage kommenden Gestalten und das doch ziemlich auffällig, wie ich finde. Ich erfahre Interessantes über die Insel, die ich mir als wunderschönes, noch weitgehend unberührtes Kleinod vorstelle und wie überall gibt es nicht nur eitel Sonnenschein, Konflikte bleiben auch hier nicht aus. Zwischendurch dann und wann werfe ich einen Blick in den Seminarraum, ein wenig Esoterik gehört zu Tee und Linsencurry schon auch dazu.

Und als ob es anfangs nicht schon genug an Unmut zwischen Maya und Emely gegeben hätte, ploppt dieses zutiefst verletzt sein immer wieder auf und füllt so manche Seite, die dem Krimi und den Ermittlungen fehlen. Die Figur Maya hat Risse bekommen. Sie wirft Emely insgeheim vor, ihr nicht jedes intime Detail erzählt zu haben. Diese Denkweise, diese grenzüberschreitende, distanzlose Art passt so gar nicht zu der toughen Ermittlerin, als die ich Maya kennengelernt habe.

„Still ist die Nacht“, der zweite Fall für Maya Topelius, ist weniger gut gelungen als Buch eins „Im Herzen so kalt“. In einem Krimi darf Privates schon auch erwähnt werden, dies sollte allerdings eher am Rande geschehen. Das Kriminalistische dagegen hat mich durchaus gefesselt, hätte jedoch mehr Raum gebraucht.

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