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Venatrix

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Veröffentlicht am 08.12.2024

Menschliche Abgründe

Biberbrugg
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Als ein Brüderpaar am Güdelmontag, der dem Rosenmontag in Deutschland entspricht, auf seinem geschmückten Umzugswagen die Leiche einer jungen Frau findet, weiß Valérie Lehmann von der Kantonspolizei noch ...

Als ein Brüderpaar am Güdelmontag, der dem Rosenmontag in Deutschland entspricht, auf seinem geschmückten Umzugswagen die Leiche einer jungen Frau findet, weiß Valérie Lehmann von der Kantonspolizei noch nicht, dass dies der Auftakt zu einer Reihe von Ereignissen führen wird, die ihr alles abverlangen wird. Zunächst versucht man die Identität der Toten ausfindig zu machen, doch niemand scheint sie zu vermissen.

Nur einen Tag später wird, nahe dem Sicherheitszentrum der Schwyzer Polizei eine weitere unbekannte Leiche aus dem Fluss Alp geborgen. Noch in der Gerichtsmedizin erhält Lehmann die Nachricht, dass ihr Sohn Colin, der jüngst Vater geworden ist und aktuell die Ausbildung zum Polizisten absolviert, auf einem Parkplatz mit einem Kopfschuss aufgefunden worden ist. Niemand weiß, ob Colin überleben wird und warum er sich ausgerechnet an seinem freien Tag dort befunden hat.

Lehmanns Team ermittelt akribisch und versucht die Chefin zu entlasten. Bald stellt sich heraus, dass es neben den beiden Toten, die sterbenskrank waren, noch eine Frau, ebenfalls todkrank, vermisst wird. Endlich findet sich eine vielversprechende Spur, denn alle waren in ein und derselben Klinik eingecheckt.

Obwohl sie mit den beiden Toten genug zu tun hat und im Fall ihres Sohnes wegen Befangenheit nicht ermitteln darf, kann Valérie es nicht lassen, den einen oder anderen Faden zu ziehen bzw. unangenehme Fragen zu stellen. Dann taucht ein Name aus ihrer Vergangenheit auf. Will sich da jemand an Valérie rächen?

Meine Meinung:

Silvia Götschi gilt als Grande Dame des Schweizer Kriminalromanes.

Wie schon in der Vorgängern gönnt Silvia Götschi weder den Lesern noch den Ermittlern eine Verschnaufpause. Ich habe das Buch innerhalb weniger Stunden gerade zu „inhaliert“. Als passionierte Krimileserin kenne ich schon zahlreiche Abgründe der menschlichen Natur, doch in diesem hier stößt der Voyeurismus und Zynismus doch ein wenig ab. Der Autorin gelingt es, die verstörenden Szenen, die auch bei den Ermittlern für Kopfschütteln sorgen, sehr gut aufzubereiten.

Die Charaktere sind sehr gut gezeichnet. Die Ermittler haben alle ihre Ecken und Kanten und sind nicht immer vom bisherigen Leben verwöhnt worden, was besonders auf Valérie zutrifft. Nach langem Zögern hat sie nun das Tagebuch ihrer Mutter gelesen, das es ebenfalls in sich hat. Es scheint, als laufe ihr Leben komplett aus dem Ruder. Dass sie daran denkt, ihren Beruf an den Nagel zu hängen, weil sie die Grausamkeiten der Täter kaum mehr ertragen kann, ist nachvollziehbar. Nur, wird sie es auch tun oder nimmt sie „nur“ ein Sabbatical?

Fazit:

Diesem komplexen Krimi, der nichts für schwache Nerven ist, gebe ich gerne 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 30.11.2024

„Wer zu viel Wahrheit spricht, wird ganz gewiss gehängt.“

Mein Name ist Barbra
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„Manchmal hatte ich das Gefühl, meine Nase bekam mehr Presse als ich selbst.“

Lange mussten Fans von Barbra Streisand auf eine Autobiografie warten. Nun ist sie erschienen ! Zunächst nur auf englisch, ...


„Manchmal hatte ich das Gefühl, meine Nase bekam mehr Presse als ich selbst.“

Lange mussten Fans von Barbra Streisand auf eine Autobiografie warten. Nun ist sie erschienen ! Zunächst nur auf englisch, nun aber auch auf Deutsch. Das Kuriose daran - die Rechte dafür hat Jürgen Lagger, der Eigentümer des Ein-Mann-Verlages Luftschacht in Wien und nach eigener Definition, ein Streisand-Freak, bekommen. Nun liegt es schwer in der Hand, das Werk - 1.200 Seiten, in gediegener Aufmachung und sorgfältig gebunden.

Das Buch liest sich wunderbar. Es ist, als säße Barbra Streisand gegenüber und erzählte aus ihrem Leben. Sie gilt als schräg (Ansichtssache), perfektionistisch (klar, wenn man eine Mutter hat, die einem nichts zutraut) und als Kontrolletti (ja, muss auch sein, wenn sich Männer nicht an Absprachen halten und Szenen aus Filmen herausschneiden). Sie selbst stuft sich als schüchtern ein und kompensiert diese Schwäche (?) mit Ehrgeiz und Fleiß.

Sie spricht über ihre Filme, erklärt facettenreich die diversen technischen Details bei den Kameraeinstellungen, sowie ihr Faible für üppige Kostüme. Das mag, nachdem sie rund 20 Filme gedreht hat, für den einen oder anderen Leser mitunter ermüdend wirken. Mir hat dieser Detailreichtum rund um Filmset bzw. Theater sehr gut gefallen. Ebenso aufschlussreich und beeindruckend ist die Liste der Berühmtheiten aus Film und Theater, die Streisand im Laufe ihres Lebens kennenlernt. Mit einigen davon arbeitet sie auch dann.

Breiten Raum nimmt ihr Herzensprojekt „Yentl“ ein. Ein Film, den niemand so recht machen wollte. Daher übernimmt sie die das Schreiben des Drehbuchs, die Produktion, die Regie und die Hauptrolle gleich einmal selbst. So ist sie, die Streisand. Hindernisse sind dazu da, um überwunden zu werden.

Sie erzählt von ihren Anfängen, Fortschritten und Rückschlägen, sowohl im Beruflichen als auch im Privaten. Interessant ist, dass sie seit ihrer Kindheit einen Tinnitus hat. Noten lesen kann sie übrigens, nach eigener Aussage, auch nicht. Wenn sie eine neue Melodie im Kopf hat, summt sie die dem Pianisten oder Bandleader vor, damit er sie niederschreibt und arrangiert.

An einigen Stellen prangert sie das frauenfeindliche Klima in der Filmwelt an. Als hübsches Gesicht sind Frauen gefragt, da sie Geld in die Kassen spülen, als Produzentinnen oder Regisseurinnen werden sie von der Lobby der alten weißen Männer negiert. Sie spricht auch den eklatanten Unterschied bei den Gagen an.

„Wer zu viel Wahrheit spricht, wird ganz gewiss gehängt.“

Ergänzt wird dieses opulente Werk durch zahlreiche Fotos, Zitate sowie Liedtexte und Auszügen aus Dialogen von Streisands Filmen und Theaterstücken.

Fazit:

Mir hat diese Autobiografie und die Geschichte, wie es zur deutschen Veröffentlichung gekommen ist, ausgezeichnet gefallen. Gerne bewerte ich dieses Buch mit 5 Sternen.

Veröffentlicht am 30.11.2024

Süße Verführung!

Wiener Zuckerbäckerei
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Dieses, in gediegener Aufmachung als Hardcover mit Lesebändchen und Goldprägung erschienene Backbuch ist eine Hommage an die Wiener Zuckerbäckerei des 19. Jahrhunderts.

Autorin Bernadette Wörndl hat ...

Dieses, in gediegener Aufmachung als Hardcover mit Lesebändchen und Goldprägung erschienene Backbuch ist eine Hommage an die Wiener Zuckerbäckerei des 19. Jahrhunderts.

Autorin Bernadette Wörndl hat die Rezepte der Zuckerbäckerin Theres Scholz (geboren 1884) in die Moderne übersetzt. Dazu musste sie die Kurrentschrift lernen und die damals üblichen Maßeinheiten wie Loth in das aktuelle System der SI-Einheiten transferieren. Das Wagnis ist ebenso gelungen, wie die wunderbaren Fotos von Melina Kutelas.

Welche Rezepte verrät uns die Autorin?

Kuchen & Tartes
Torten
Schnitten & Rouladen
Teegebäck
Mehlspeisen
Weihnachtsgebäck
Puddings, Cremes & Eingemachtes

Die einzelnen Rezepte sind übersichtlich gestaltet und die Arbeitsanleitung praktikabel verfasst. Als Wienerin finde ist es besonders ansprechend, dass die Zutaten in österreichischem Deutsch angegeben sind. Keine Angst, ein Glossar erklärt die Begriffe.

Während ich diese Rezension schreibe, weht ein himmlischer Duft aus meiner Küche. Mann & Sohn versuchen sich soeben an Schaumrollen (S.100). Für die sonntägliche Jause ist die Mohntorte (S. 67) geplant.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser Hommage an die Wiener Zuckerbäckerei, die nicht nur den Gaumen sondern auch das Auge erfreut, und einen Ehrenplatz im Kochbuchregal bekommen wird, 5 Sterne.

Veröffentlicht am 29.11.2024

Braune Schatten der Vergangenheit

Zürcher Verrat
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In ihrem 9. Krimi rund um Zita Schneyder und Werner Meier deckt Autorin Gabriela Kasperksi abermals ein unrühmliches Kapitel der neutralen Schweiz in den Jahren des NS-Regimes in Deutschland auf.

Während ...

In ihrem 9. Krimi rund um Zita Schneyder und Werner Meier deckt Autorin Gabriela Kasperksi abermals ein unrühmliches Kapitel der neutralen Schweiz in den Jahren des NS-Regimes in Deutschland auf.

Während die Arien der Zürcher Opernhauses zu Mittsommer über den Sechseläutenplatz erschallen, hat die Chorleiterin Lou Müller einen veritablen Streit mit ihrem gewalttätigen Ex-Mann Anselm, der kurz darauf tot im Orchestergraben liegt.

Werner Schneider, dessen kleine Tochter Lily trotz ihrer Hörbehinderung im Opernchor singt, sitzt im Publikum und erhält den Auftrag zu ermitteln. Recht schnell ist klar, dass hier ein Mord vorliegt und Lou tatverdächtig ist. Doch sowohl Lou als auch ein Bühnenarbeiter, der möglicherweise etwas gesehen hat, sind verschwunden. Doch eigentlich bräuchte Meier nur seiner Tochter zuzuhören, um zu erfahren was wirklich passiert ist.

Gleichzeitig erhält Han Ly, die Leiterin des Opernhauses, Erpresserbriefe, in denen man ihre Vergangenheit aufzudecken droht.

Hängt diese Erpressung mit dem zweiten Erzählstrang, in dem es um die Judenverfolgung in NS-Deutschland und die Rolle der Schweiz, die kaum jüdische Flüchtlinge aufnimmt, zusammen?

Und wer ist der Mann, der sich sowohl an Zita als auch an Charlotte, Lous Tochter, heranmacht?

Meine Meinung:

Gabriela Kasperski ist es abermals gelungen, einen Krimi zu schreiben, der bis zur letzten Seite fesselt. Auch wenn man es in der Schweiz ungern zugibt, Antisemitismus ist damals wie heute weit verbreitet. Hinzu kommt, dass auch Schweizer Profiteure die Notlage der Juden während der NS-Zeit ausgenützt und Geld sowie andere Wertsachen unterschlagen haben.

Geschickt sind die beiden Handlungsstränge verknüpft und zu Beginn des Krimis ist es nicht ganz klar, wie die beiden zusammenhängen. Erst nach und nach kommen die düsteren Geheimnisse ans Tageslicht.

Die Geschichte wird aus verschiedenen Perspektiven erzählt, wodurch die Spannung erhöht wird.

Wie schon aus den Vorgängern bekannt, ist das Familienleben von Zita Schneyder & Werner Meier nicht ganz unproblematisch. Beide sind starke Persönlichkeiten und gehen, wenn sie Kriminalfälle zu bearbeiten haben mit großem Engagement an die Sache heran. Da kann es schon vorkommen, dass der streng getaktete Wochenplan, um die vier Kinder und den Haushalt zu schupfen, aus dem Gleichgewicht gerät. Auch über die Erziehungsmethoden ist man sich nicht immer ganz einig, rauft sich aber wieder zusammen. Bin schon neugierig, wie sich die Beziehung weiterentwickelt, nachdem Meier nun eine Fix-Anstellung bei der Polizei erhält.

Fazit:

Diesem Krimi, der die unrühmliche Rolle der Schweiz während der Judenverfolgungen beleuchtet und bis zur letzten Seite fesselt, gebe ich 5 Sterne und eine Leseempfehlung.

Veröffentlicht am 25.11.2024

Penibel recherchiert und fesselnd erzählt

Mordsache Caesar
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Michael Sommer, Professor für Alte Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, hat nach seinen anderen, im Verlag C.H.Beck erschienen Werken: "Wirtschaftsgeschichte der Antike", "Schwarze ...

Michael Sommer, Professor für Alte Geschichte an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, hat nach seinen anderen, im Verlag C.H.Beck erschienen Werken: "Wirtschaftsgeschichte der Antike", "Schwarze Tage. Roms Kriege gegen Karthago" und "Dark Rome. Das geheime Leben der Römer" sich nun eines Themas angenommen, von dem man glaubt, ohnehin alles zu wissen: Der Ermordung Gaius Iulius Caesars an den Iden des März im Jahre 44 vor Christus.

Kann es gelingen, ein antikes Verbrechen, dessen Opfer, Täter und deren Motive hinlänglich bekannt sind, fesselnd zu erzählen?

Michael Sommer zeigt es vor. Der Autor spannt den Bogen beginnend mit den diversen Gründungslegenden, dem Königreich, das durch einen Staatsstreich gestürzt und in eine Republik umgewandelt wird bis hin zu Caesar, der zunächst mit einer befristeten Ausnahmeregelung herrscht und sich anschließend zum Diktator auf Lebenszeit aufschwingt.

Wir erfahren detailreich und aus 15 verschiedenen Perspektiven, was alles zu dem Attentat auf Caesar geführt hat.
Unter den 15 Personen, deren Blickwinkeln hier beleuchtet werden ist Caesar selbst, dann die Weggefährten und Verschwörer von Cato und Cicero, über Brutus und Cassius bis hin zu Marcus Antonius und Octavius.

Mehrmals wird abgewogen ob der Tyrannenmord gerechtfertigt ist oder nicht. Einige der Verschwörer haben durchwegs persönliche Gründe mit Caesar abzurechnen, andere wollen wieder zur für sie einzig richtigen Staatsform, der Republik zurück. So zieht sich das Netz der Verschwörer, das sich aus alten Rivalen und enttäuschten Anhängern formiert hat, nach dem sich Caesar rund 4 Wochen zuvor zum Diktator auf Lebenszeit kürt, zu. Spannend zu lesen ist, wie die Täter rekrutiert werden und der Ort des Attentats ausgewählt worden ist.

Nach dem geglückten Attentat hält Caesars Testament einige Überraschungen bereit, mit denen einzelne Verschwörer nicht gerechnet haben. Mit Octavius als Adoptivsohn und Erben tritt genau das ein, was man mit dem Mord an Caesar eigentlich verhindern wollte: die Errichtung einer Monarchie. Bis Octavius zu Augustus wird, fließt noch einiges Blut, die Weichen sind jedoch gestellt.

Eine gute Ergänzung ist die Darstellung wie es mit den Verschwörern weitergeht sowie zahlreiche Abbildungen, Karten und Stammbäumen. Die abgebildeten genealogischen Zusammenhänge sind wegen der oft Gleichnamigkeit der Beteiligten bzw. deren Ahnen notwendig.

Das Buch ist für alle jene, die sich für die Römische Antike und Gaius Iulius Caesar interessieren eine gelungene Lektüre. Zahlreiche lateinische Zitate (die auch übersetzt werden) sowie die (Neu)Bewertung von Texten, Briefen, Indizien und Spuren lassen den Mord an Caesar als logische Konsequenz eines Staatskonzeptes erscheinen, weshalb der Zeitpunkt für das Opfer selbst möglicherweise unerwartet gekommen sein mag.

Fazit:

Um die eingangs gestellte Frage nach dem Gelingen eines solchen Werkes zu beantworten. Ja, es ist gelungen, diesen antiken Mordfalles fesselnd zu erzählen. Dafür spreche ich hier eine Leseempfehlung aus und bewerte das Buch mit 5 Sternen.