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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 12.12.2024

Atmosphärisch und nervenaufreibend!

Nachtflut
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Ein Ort an der Ostseeküste wird wegen einer kommenden Sturmflut evakuiert. Die psychisch labile, tablettenabhängige Elisa wartet bis zur letzten Sekunde. Als sie sich schließlich auf den Weg macht, begegnet ...

Ein Ort an der Ostseeküste wird wegen einer kommenden Sturmflut evakuiert. Die psychisch labile, tablettenabhängige Elisa wartet bis zur letzten Sekunde. Als sie sich schließlich auf den Weg macht, begegnet sie ihren Nachbarn, einem Rentnerpaar, das längst weg sein sollte. Dann schlägt der Blitz ein, ein Baum stürzt um, der Strom fällt aus, der Deich weicht auf, das Wasser steigt immer weiter an – sie sitzen in der Falle! Zudem können aus der nahegelegenen JVA Häftlinge entkommen und einer hat noch eine Rechnung offen, mit den Zeugen, die ihn hinter Gitter gebracht haben.

Erzählt wird aus fünf Perspektiven: Elisa, die Rentnerin, ein Häftling, Elisas Ex und rätselhafte Tagbucheinträge, die wirklich unter die Haut gehen!!! Ich fand “nur” drei Perspektiven so richtig spannend, die Sicht des Häftlings sowie die von Elisas Ex sind für meinen Geschmack oft zu ausführlich bzw. mit Details gestaltet, die ich als wenig interessant bzw. zur Atmosphäre beitragend empfand. Zum Ende hin, wenn alle Figuren aufeinandertreffen, fand ich dann allerdings alle Perspektiven fesselnd!

Im Verlauf der Handlung werden nach und nach erschütternde Geheimnisse enthüllt, was wirklich mitreißend ist und schließlich ein faszinierend verstörendes, unerwartetes Gesamtbild ergibt!

Der Schreibstil ist atmosphärisch, intensiv sowie ausdrucksstark, ich fand die Charaktere interessant und die Handlung ist ereignis- plus temporeich, nervenaufreibend sowie mehrfach überraschend! Das Ende fand ich teilweise raffiniert, teilweise ging mir einiges zu schnell und 1-2 Erklärungen waren für mich nicht zu 100% überzeugend.

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Veröffentlicht am 10.12.2024

Vielschichtige Spannung

Stumme Knochen
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April 2023, British Columbia - an der Westküste Kanadas: Bei Bauarbeiten werden menschliche Überreste freigelegt. Alles deutet darauf hin, dass es sich um die 16-jährige Annalise handelt, die im September ...

April 2023, British Columbia - an der Westküste Kanadas: Bei Bauarbeiten werden menschliche Überreste freigelegt. Alles deutet darauf hin, dass es sich um die 16-jährige Annalise handelt, die im September 1976 spurlos verschwand. Die forensische Anthropologin Dr. Quinn und Detective Jane Munro beginnen zu ermitteln. Für Detective Munro ist der Fall persönlich, denn sie ist schwanger und ihr Mann wird vermisst - sie weiß sie sehr Angehörige von verschwundenen Personen bzw. Vermissten leiden. Sie hat deshalb vor nicht allzu langer Zeit “Mist gebaut”, als sie noch bei der Mordkommission war, und wurde “strafversetzt”, weshalb sie jetzt Cold Cases bearbeitet.

Als Annalises Clique von damals befragt wird, kommen Ungereimtheiten zum Vorschein - da die Lesenden die Sicht der einzelnen Cliquen-Mitglieder kennen, wird schnell klar, dass alle dunkle Geheimnisse hüten. Sie waren dabei als einem Freitagabend 1976 eine Party aus dem Ruder lief – sie gehören zu den Leuten, die Annalise zum letzten Mal lebend gesehen haben. Alle haben die Polizei angelogen, aber sie haben auch einander angelogen ...

Sie haben die Schandtaten jenes schicksalhaften Wochenendes tief in ihrem Unterbewusstsein vergraben und bekommen es jetzt mit der Angst zu tun, weil sie ihre schönen bequemen Leben bedroht sehen. Alle haben viel zu verlieren und einer von ihnen ist ziemlich labil ...

“Stumme Knochen” ist sehr atmosphärisch, komplex sowie ausgeklügelt gestaltet – mMn drosseln die vielen Perspektiven jedoch das Tempo und die Spannung ein bisschen.

Nichtsdestotrotz ist dieser Thriller absolut lesenswert, denn die Verstrickungen, die falschen Fährten, Wendungen und Enthüllungen haben es in sich!

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Veröffentlicht am 08.12.2024

Außergewöhnlich!

Eisiges Glas
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“Eisiges Glas” ist der 2. Fall für Leo Asker, ihr Team von Eigenbrötlern und ihrem Jugendfreund Martin Hill. Er half ihr bereits bei ihrem 1. Fall mit seinem Wissen über Lost Places. Die Bände können unabhängig ...

“Eisiges Glas” ist der 2. Fall für Leo Asker, ihr Team von Eigenbrötlern und ihrem Jugendfreund Martin Hill. Er half ihr bereits bei ihrem 1. Fall mit seinem Wissen über Lost Places. Die Bände können unabhängig voneinander gelesen werden, das Entscheidendes aus dem 1. Band gebündelt und geschickt in den 2. Band einfließt.

Kriminalinspektorin Leo, die aus der Abteilung für Kapitalverbrechen in die Kellerabteilung für aussichtslose Fälle gemobbt worden ist, hatte eine traumatische Kindheit – wegen ihres Vaters. Der fanatische Prepper meldet sich nun nach 15 Jahren Funkstille, um ihre Hilfe einzufordern: Er prophezeit, dass er bald wegen des Mordes an einem Bergbauingenieur ins Visier ihrer Kollegen geraten wird, dann erpresst er sie ihm zu helfen ...

Leo riskiert ihren Job, indem sie sich in die Ermittlungen der Abteilung für Kapitalverbrechen einmischt, wegen des Interessenkonflikts und weil der neue Chef, der ihr Ex ist, sie immer noch auf dem Kieker hat.

Gleichzeitig bekommt Martin (ein Urban Explorer & Autor) das Angebot, ein Buch über eine Unternehmerfamilie zu schreiben, die im Bereich Medizintechnik führend ist. Angeblich hat eine Begegnung mit Aliens ein Familienmitglied zu bahnbrechenden Ideen inspiriert. Doch er sieht in seinem Rechercheaufenthalt auf dem Gut der Großfamilie die Chance sich einen Jugendtraum zu erfüllen, denn: ihnen gehört auch eine Insel, die quasi das Roswell Schwedens ist. Ein mysteriöses, stillgelegtes Bergwerk und Gerüchte von UFO-Landungen machen die Insel zum Faszinosum. Dann erfährt er von zwei Männern, die die Insel vor Jahren verbotenerweise erkunden wollten: einer ist ertrunken, einer wird vermisst ...

Verschiedenen Perspektiven (darunter eine sehr unheimliche, anonyme) sowie Zeitebenen bringen Tiefe und Spannung mit sich. Der unterhaltsame Humor, der manchmal aufblitzt, sorgt für etwas Leichtigkeit. Die Nachforschungen der beiden Hauptfiguren sind komplex sowie rätselhaft gestaltet und sie hängen natürlich zusammen ...

“Kaltes Glas” ist ein atmosphärischer, herrlich düsterer, fesselnder Krimi, mit interessanten Figurendynamiken und einem faszinierend verstörenden Thema - und damit meine ich nicht Aliens! Mein einziger Kritikpunkt: Ich habe mir manchmal etwas mehr Tempo gewünscht!

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Abgefahren!

The Hollow Places
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Kara ist frisch geschieden und muss in ihren kleinen Heimatort zu ihrer Familie zurückziehen. Dort hilft sie im eigentümlichen Kuriositätenkabinett ihres Onkels aus. Als sie eines Tages ein Loch in der ...

Kara ist frisch geschieden und muss in ihren kleinen Heimatort zu ihrer Familie zurückziehen. Dort hilft sie im eigentümlichen Kuriositätenkabinett ihres Onkels aus. Als sie eines Tages ein Loch in der Wand entdeckt und dahinter einen mysteriösen Gang, beschließt sie dem auf den Grund zu gehen - zusammen mit dem freundlichen, exzentrischen Betreiber ihres Stammcafés. Die beiden landen schließlich in einer unheimlichen Parallelwelt, aus der sie nicht so leicht wieder herausfinden ...

Die schrägen, liebenswerten Figuren, das seltsame Wundermuseum, der skurrile Humor und die rätselhaften Geschehnisse sind ganz herrlich geistreich, amüsant sowie bewegend gestaltet!

Die Schilderungen der Umgebung sind bildstark, die Atmosphäre ist mal gemütlich, mal gruselig, die Dynamik zwischen Kara und Simon ist zum Brüllen komisch und die packende Horror-Handlung bietet einige Überraschungen!

Ich bin nicht sicher, ob ich alles richtig verstanden habe, ein-zwei winzige Fragen blieben für mich offen, aber das trübte meine Lesevergnügen kaum!

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Veröffentlicht am 16.11.2024

Serienmörderin aus Versehen

Mordscoach
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Sophie arbeitet erfolgreich als Therapeutin bzw. Coachin. Bis vor Kurzem dachte sie, sie würde eine glückliche Ehe führen, doch sie hat herausgefunden, dass ihr Mann eine Affäre hat. Diese Erkenntnis macht ...

Sophie arbeitet erfolgreich als Therapeutin bzw. Coachin. Bis vor Kurzem dachte sie, sie würde eine glückliche Ehe führen, doch sie hat herausgefunden, dass ihr Mann eine Affäre hat. Diese Erkenntnis macht sie, obwohl sie vieeel Wert auf Achtsamkeit, Respekt und Empathie legt, zu einer leicht reizbaren Person voller Verachtung. Sie kann sich zwar analysieren, objektiv betrachten und Ursachen erforschen, dennoch steht sie ihrem Gefühlschaos sowie ihrer Unbeherrschtheit größtenteils machtlos gegenüber!

Theorie und Praxis sind eben zwei unterschiedliche Dinge – der Wert der Psychologie/Therapien wird herrlich schwarzhumorig durch den Kakao gezogen, denn nicht nur Sophies Lage scheint aussichtslos, auch ihre Patienten schaffen es nicht, zerstörerische Muster abzulegen ...

Nachdem sie die Geliebte ihres Mannes im Affekt getötet hat, gerät sie in einen Teufelskreis des Tötens. Sie ist entsetzt über ihr mörderisches Verhalten und die Untreue ihres Ehemannes macht sie Mal traurig, Mal wütend. Es wird zum Kraftakt zwischen Todschlag nach Todschlag inklusive Leichen entsorgen sowie Gefühle sortieren, die Fassade der Normalität zu wahren. Sie ist psychisch wie physisch am Ende, hasst alle und alles – inklusive sich selbst. Zigaretten und Wein werden zu ihren besten Freunden, auch weil sie erkennen muss, dass es nicht möglich ist, rational und offen mit der Affäre ihres Mannes umzugehen.

Der Schreibstil ist ausgesprochen lebendig, witzig spritzig und galgenhumorig geistreich – ich bin nur so durch die Seiten geflogen! Ich fand die unverblümte Ausdrucksweise, mit der Sophies Gefühle beschrieben werden wunderbar erfrischend!

Da aus Sophies Sicht erzählt wird, aus der Ich-Perspektive, ist man hautnah dabei, quasi direkt in ihrem Kopf, sodass es ich automatisch mit ihr gefühlt habe! Nein, sie ist nicht nett, manchmal auch ziemlich oberflächlich und ihre Kontrollverluste sind extrem, aber da die Gründe für ihren geistig umnachteten Zustand (ihre Frustrationstoleranz wird wirklich herausgefordert, zudem wird ein überwunden geglaubtes Trauma getriggert) insgesamt nachvollziehbar gestaltet sind, konnte ich meistens Empathie für sie aufbringen. Was in ihr vorgeht, ist psychologisch hoch interessant, denn es zeigt die Kluft zwischen (Selbst)Erkenntnis und Verhalten bzw. zwischen Verstand und Gefühl.

“Mordscoach” ist für mich ein skurriler, rasanter, ereignisreicher, nervenaufreibender Psychothriller, der von Anfang an Spannung bietet. Die Handlung ist nicht nur mordsunterhaltsam, sie hat auch Tiefgang, da es um verschiedene Arten von toxischen Beziehungen sowie ihre vielfältigen Auswirkungen geht. Die Wendung, als es in Sophie “Klick macht” und sie auf sehr unorthodoxe Art “die Kontrolle übernimmt”, fand ich überaus gelungen, ich hätte mir jedoch insgesamt ein bisschen mehr Realitätsnähe gewünscht.

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