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Veröffentlicht am 03.03.2025

Cold Case Ermittlung mit psychologischem Gespür

Enna Andersen und die dunklen Tage
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Ein junges Mädchen wurde vor Jahren vermisst und kurze Zeit später tot aufgefunden. Während der Fall trotz umfangreicher Ermittlungen nie aufgeklärt werden konnte, kommen Enna und ihr erweitertes Team ...

Ein junges Mädchen wurde vor Jahren vermisst und kurze Zeit später tot aufgefunden. Während der Fall trotz umfangreicher Ermittlungen nie aufgeklärt werden konnte, kommen Enna und ihr erweitertes Team rasch einem Schlangengift-Mörder auf die Spur und schon bald steht auch fest, dass das Opfer psychische Probleme hatte. Doch war sie die einzige, die auf diese Weise umgekommen ist, oder gibt es gar mehrere Opfer? Mit viel Feingefühl ermittelt das Team und stößt dabei auf ungeahnte Enthüllungen. Und als man schon glaubt, der Fall sei gelöst, kommt alles plötzlich ganz anders und fast nebenbei wird noch eine Reihe anderer Verbrechen aufgeklärt. Chapeau, Enna! Das war eine großartige Leistung!

Der 7. Band der Krimireihe um Enna Andersen und ihr Team hat es wieder richtig in sich und Anna Johannsen ist damit ein spannendes Buch gelungen, das als schöne Fortsetzung der Serie unbedingt lesenswert ist. Es ist schön zu sehen, wie sich die Charaktere auch privat weiter entwickeln und auch über Zinar Kawli, den Neuen im Team erfahrne wir gleich einige Hintergründe. Das erweckt Sympathie und lässt einen mit Begeisterung an den Ermittlungen teilhaben.

Mit viel Empathie hat Johannsen das Thema psychische Erkrankungen aufgegriffen, sachlich, ohne zu stigmatisieren oder anzuklagen schildert sie die Erkrankungen der Opfer und letzten Endes auch der Täter. Sehr gelungen ist auch die Verbindung zur Online-Welt, die aufzeigt, wie schnell es gefährlich werden kann, sich auf "Bekanntschaften" aus dem Netz einzulassen, und wie einfach es ist, sich hinter einer falschen Identität zu verstecken. Was hier zu Ermittlungszwecken dient, kann schnell im echten Leben zu einem Problem werden. Ich fand es sehr gut, dass auch noch quasi nebenbei ein zweiter Fall aufgeklärt, das gibt Hoffnung für alle Opfer von ungeklärten Fälle - manchmal siegt doch die Gerechtigkeit.

In "Enna Andersen und die Dunklen Tage" werden wie erwähnt aus einer falschen Fährte heraus gleich mehrere Fälle aufgeklärt. Während die Suche anfangs eher schleppend verläuft, überschlagen sich in der Folge die Ereignisse gerade so. Das ging mir gegen Ende zu fast ein bisschen zu schnell. Und die Verkündung Ennas ganz am Ende kann ich zwar nachvollziehen (man will aber nicht spoilern...), ich hoffe aber, es gibt doch ein Umdenken ;)

"Enna Andersen und die dunklen Tage" ist ein Fall ohne ganz große Highlights, er wirkt aber sehr aus der Realität gegriffen und durchaus spannend. Schade, dass man über Spiekeroog nur ganz wenig erfahren hat, das ostfriesische Flair hat mir ein bisschen gefehlt. Insgesamt ist das Buch ein solider Krimi, den ich sehr gerne gelesen haben.

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Veröffentlicht am 16.02.2025

Mordermittlung in der Krieauf

Mord auf der Trabrennbahn
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Wien in den 1920er Jahren. Ernestine Kirsch entdeckt die Welt der Pferderennen für sich und verbringt ihre Freizeit gerne auf der Trabrennbahn Krieau. Als dort kurz hintereinander der erfolgreiche Jockey ...

Wien in den 1920er Jahren. Ernestine Kirsch entdeckt die Welt der Pferderennen für sich und verbringt ihre Freizeit gerne auf der Trabrennbahn Krieau. Als dort kurz hintereinander der erfolgreiche Jockey Emil Novotny und der Sektproduzent Christoph Schaumberger tot aufgefunden werden, wittert sie ein Verbrechen und macht sich gemeinsam mit ihrem Freund Anton Böck und ihrem zukünftigen Schwiegersohn Erich Felsberg auf die Suche nach dem Mörder. Während Ernestine mit viel Elan bei der Sache ist, begeistert sich Anton anfangs eher für die Wiener Kaffeehauskultur als für die gesellschaftlichen Abgründe, lässt sich aber schließlich doch zu gemeinsamen Nachforschungen überreden. Werden sie es schaffen, aufzuklären, wer auf der Trabrennbahn sein tödliches Unwesen treibt?

Beate Maly ist auch in ihrem 7. Buch um die selbsternannten Ermittler Ernestine Kirsch und Anton Böck ein sehr unterhaltsamer und atmosphärischer Kriminalroman im Wien Anfang des vergangenen Jahrhunderts gelungen. Schön schildert sie die Gegebenheiten in der Welt des Pferderennsports und war man einmal selbst auf der Trabrennbahn in der Krieau, so fühlt man sich automatisch an diesen Ort versetzt und kann direkt in die Geschichte eintauchen. Mit Ernestine und Anton hat Maly ein skurriles, aber absolut liebenswertes Ermittlerduo geschaffen, das immer wieder durch seinen Einfallsreichtum und seine originellen Ideen verblüfft, das aber auch den Wiener Charme nicht missen lässt.

"Mord auf der Trabrennbahn" ist historisch gut recherchiert und schildert die Gegebenheiten in der Krieau vor mehr als 100 Jahren, auch der Hintergrund über das Wiener Gebär- und Findelhaus ist spannend zu lesen . Gleichzeitig wird man mit den gesellschaftlichen Ansprüchen der damaligen Zeit vertraut gemacht und darf miterleben, wie Wien nach dem 1. Weltkrieg wieder erwacht, die Menschen in den Alltag zurück kehren und ein bisschen Modernität und Fortschritt einkehrt. "Mord auf der Trabrennbahn" ist kein Krimi zum Fürchten und bereitet keine schlaflosen Nächte. Das Buch bezaubert vielmehr durch sein Lokalkalorit, durch seinen Wortwitz und durch die originellen Protagonisten. Ich habe mich während der Lektüre köstlich unterhalten und einiges dazu gelernt und ich empfehle es sehr gerne an alle weiter, die Lust haben, mit einem leichten Kriminalroman in die Geschichte Wiens einzutauchen.

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Veröffentlicht am 26.01.2025

Bewegendes Zeugnis aus einer anderen Welt

Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind
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Aufgewachsen im Dschungel auf West Papua fühlt sich Sabine Kuegler als Teil der einheimischen Stämme dort. Als sie mit 17 in die Schweiz auf ein Internat kommt, lernt sie das Leben in der westlichen Welt ...

Aufgewachsen im Dschungel auf West Papua fühlt sich Sabine Kuegler als Teil der einheimischen Stämme dort. Als sie mit 17 in die Schweiz auf ein Internat kommt, lernt sie das Leben in der westlichen Welt kennen und findet sich nunmehr im Zwiespalt zwischen den Kulturen wider, ein Kampf, der sich durch ihr ganzes Leben zieht. Als Erwachsene erkrankt Kuegler während eines neuerlichen Auslandsaufenthaltes schwer, die westliche Medizin kann ihr nicht mehr helfen und bezeichnet sie als "austherapiert". In ihrer Verzweiflung kehrt sie in den Dschungel zurück und hofft, dort Heilung zu finden. Mehrere Jahre reist sie mit ihrem Freund Mickey von Stamm zu Stamm, nimm auf der Hoffnung, endlich wieder gesund zu werden.

Wie bereits in ihren früheren Büchern schildert Kuegler sehr detailliert das Leben im Dschungel. Die Anforderungen, die dort auf die Menschen warten, die schweren Lebensbedingungen, aber auch das große Glück, die Zufriedenheit und die Ruhe, die das Leben im Einklang mit der Natur bereit hält, faszinieren und machen fast ein bisschen ehrfürchtig vor den Menschen, die sich diesen besonderen Herausforderungen stellen. Kuegler lässt uns teilhaben an ihrer Suche nach einem Heilmittel, verschont uns aber auch nicht vor den schwierigen Phasen ihrer Erkrankung. Sie schreibt flüssig, locker und schildert die Gegebenheiten im Dschungel so, dass man sich ein schönes Bild machen kann und fast das Gefühl hat, selbst mit dabei zu sein. Man leidet während des Lesens manchmal mit ihr mit, freut sich aber auch über die Fortschritte, die sie immer wieder macht. Das Buch ist voller Farbe, man hat den Dschungel, das Meer und die Inseln, auf die sie immer wieder fährt, direkt vor Augen.

"Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind" ist ein schönes Zeugnis aus einer anderen Welt. Es schildert Schwierigkeiten, die man sich selbst nicht vorstellen kann und verbreitet gleichzeitig die Ruhe, die Kuegler für sich immer wieder findet, wenn sie in den Dschungel zurück kehrt. Es eröffnet neue Blickwinkel und lässt das Leben im Dschungel, das natürlich mit Unsicherheiten und Gefahren verbunden ist und dem entbehrt, was wir oft als Luxus sehen, sehr positiv erscheinen. Es zeigt auf, wie schwierig es sein kann, zwischen zwei völlig unterschiedlichen Welten zu leben, welchem inneren Kampf Menschen oft ausgesetzt sind, ohne dass er nach außen sichtbar ist.

Was ich ein bisschen vermisst habe, war mehr Information über die Rückkehr nach Deutschland, die Wiedereingliederung in das Leben in der Westlichen Welt und als Ärztin hätten mich Details über die Erkrankung natürlich auch interessiert. "Ich schwimme nicht mehr da, wo die Krokodile sind" ist dennoch ein großartiges Zeugnis einer besonderen Frau. Ich habe das Buch sehr, sehr gerne gelesen und empfehle es gerne allen weiter, die offen sind, sich mit anderen Kulturen auseinander zu setzen und sich einlassen auf diese Reise ans andere Ende der Welt.

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Veröffentlicht am 13.12.2024

Wer fürchtet sich im tiefen Wald?

Nachtwald
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Auf Butler Hall, mitten im Wald, lernen sich die Familien des frischvermählten Paares Claire und George kennen und verbringen eine Wochenende miteinander. Als noch ein weiterer ungebetenerer Gast auftaucht, ...

Auf Butler Hall, mitten im Wald, lernen sich die Familien des frischvermählten Paares Claire und George kennen und verbringen eine Wochenende miteinander. Als noch ein weiterer ungebetenerer Gast auftaucht, entwickelt das Familientreffen eine neue Dynamik. Was im Wald geschah, soll im Wald bleiben, meint man. Aber aufgrund verschiedener Ereignisse erwacht bald ein gegenseitiges Misstrauen unter den einzelnen Familienmitgliedern und als dann auch noch die Köchin der Familie verschwindet, überschlagen sich plötzlich die Ereignisse.

Tríona Walsh ist mit "Nachtwald" ein atmosphärischer Psychothriller gelungen, der mich von Anfang an in seinen Bann gezogen hat. Die kurzen Kapitel machen ein zügiges Lesen möglich und die wiederkehrenden Plottwists am Ende der Kapitel sorgen dafür, dass man einfach weiterlesen "muss".

Die Abgeschiedenheit, in der das Buch spielt, ist sehr schön geschildert und man spürt beim Lesen die Mystik, die das Anwesen Butler Hill umgibt. Nach und nach lernen wir die unterschiedlichen Protagonisten kennen, wobei die Sympathien für die einzelnen Familienmitglieder während des Fortgangs der Geschichte rasch wechselten. Auch war mir bis kurz vor dem Ende nicht klar, wer denn wirklich der Mörder war, insofern blieb das Buch wirklich bis zum Ende spannend. Einige Szenen waren wirklich etwas gruselig und man war als Leser froh, NICHT mit Claire, George und ihren Familien im tiefen Wald im Westen Irlands sein zu müssen.

Leider waren manche Episoden für meinen Geschmack etwas zu übertrieben bzw. gar zu unrealistisch dargestellt, sodass ich dem Buch leider nur 4 Sterne geben kann. Gerade das Ende war mir dann doch etwas zu konstruiert, wobei mir grundsätzlich der Wechsel der Perspektiven bzw. dass immer jemand anderer "hauptverdächtig" war, gefallen hat. Ich habe "Nachtwald" mit viel Spannung gelesen und empfehle es sehr gerne an Freunde von Psychothrillern weiter.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Unterhaltsamer Weihnachtskrimi mit viel Wiener Charme

Mord im Stadtpalais
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Während sich die Familie Steinhäusel auf ein besinnliches Weihnachtsfest vorbereitet, geschieht ein großes Unglück im Stadtpalais. Der Vater der Familie bricht nach dem Verzehr von Powidltascherln tot ...

Während sich die Familie Steinhäusel auf ein besinnliches Weihnachtsfest vorbereitet, geschieht ein großes Unglück im Stadtpalais. Der Vater der Familie bricht nach dem Verzehr von Powidltascherln tot zusammen. War es ein Zuckerschock, der dem betagten Herrn das Leben kostete? Oder ist er gar einem Verbrechen zum Opfer gefallen? Während die Familie Steinhäusel trauert und unterschiedliche Familienzwiste austrägt, wittert Köchin Mila Schlimmes und unterstützt Kommissar Zack bei der Aufklärung des Falles.

Wer die Krimis von Beate Maly mag, wird auch diesen lieben. In bewährter Manier schildert sie herrlich das Leben der Industriellen-Familie Steinhäusel im Stadtpalais in Wien Anfang des vergangenen Jahrhunderts. Deutlich werden die Klassenunterschiede zwischen der "Herrschaft" und dem Personal aufgearbeitet und detailgetreu der Tagesablauf im Stadtpalais erzählt. Die einzelnen Figuren haben Charme und trotz des schrecklichen Vorfalls, der über der Familie lastet, geht ein gewisser Humor nicht verloren. Auch wenn so manches ein bisschen vorhersehbar ist und eigentlich nicht er Krimi im Mittelpunkt steht, sondern eher das Alltagsleben und die verstrickten Familienbande, so fehlt es dem Buch nicht an Spannung und man möchte von Kapitel zu Kapitel unbedingt weiter lesen und wissen, wie es bei den Steinhäusels weitergeht.

Die Kulisse in der Wiener Innenstadt tut ihr Übriges dazu, dass "Mord im Stadtpalais" zu einem atmosphärischen Weihnachtskrimi geworden ist, den ich mit großem Vergnügen, ein bisschen Patriotismus und viel Humor gelesen habe und gerne and Leser von historischen Geschichten weiterempfehle.

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