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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 30.12.2024

Annähern

Griechischstunden
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MEINUNG:

Bisher habe ich jedes Buch von Han Kang gelesen. Natürlich habe ich Die Vegetarierin gelesen. Am liebsten mochte ich allerdings Deine kalten Hände und würde dies auch immer zum Einstieg empfehlen. ...

MEINUNG:

Bisher habe ich jedes Buch von Han Kang gelesen. Natürlich habe ich Die Vegetarierin gelesen. Am liebsten mochte ich allerdings Deine kalten Hände und würde dies auch immer zum Einstieg empfehlen. Dieses Jahr hat sie nun verdient den Literaturnobelpreis gewonnen. Sehr verdient, wie ich finde und zum ersten Mal kann ich sagen, dass ich die Gewinnerin kenne und sogar schon etwas von ihr gelesen habe. Ich habe es zum Anlass genommen endlich Griechischstunden zu lesen.

Die Geschichte wechselt zwischen der Sicht der namenlosen jungen Frau und des ebenso namenlosen Griechischlehrers. Sie kann nicht sprechen (ist aber nicht stumm) und er verliert langsam sein Augenlicht. Es ist eine relativ spannende Kombination, auf die ich sehr gespannt war, wie sich die beiden annähern und miteinander kommunizieren werden. Es ist allerdings keine ausdrückliche Liebesgeschichte. Ich fand es daher wenig schade, dass die Geschichte dann schon wieder zu Ende war als die beiden Protagonisten sicher näher gekommen sind. Es gibt einen kleinen Lichtblick, der auf eine gemeinsame Zukunft hoffen lässt, aber ich hätte mir gerne mehr gewünscht. Beide erschienen mir als verlorene Seelen, die vor allem durch ihre Handicaps immer mehr in die Isolation abrutschen. Wie so oft in asiatischer Literatur war die Einsamkeit wieder zum Greifen nah. Beide haben auch einen großen Schmerz in sich. Sie hat das Sorgerecht für ihr Kind und ihre Mutter verloren.  Er  fühlt sich hin- und her gerissen zwischen Deutschland, wo er aufgewachsen ist und Korea, wo er ursprünglich herkommt und wo er wieder zurück gekehrt ist, um nicht mehr so anders zu sein. Leider ist auch das manchmal ein Trugschluss. Den Griechischunterricht kann nur ich nur als Mittel der Annäherung und der möglichen Kommunikation zwischen den beiden werten, denn etwas anderes hat sich mir nicht erschlossen. Ich habe selbst auch nicht viel übrig für Sprachen und leider schon gar nicht für Altgriechisch. Mir hat gefallen, dass der Roman auch tw. ein Briefroman war, wo er seinen Lieben Briefe geschrieben hat. So hat man viel über ihn und seine Beziehungen erfahren.

FAZIT:

Griechischstunden ist für mich als handlungsgetriebene Leserin auf jeden Fall eine Herausforderung gewesen, auch wenn es sprachlich sehr gut und außergewöhnlich ist. Ich würde es dennoch nicht als Einstieg in die Werke von Han Kang empfehlen.

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Gute Idee, Umsetzung schwach

The Killer Profile
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MEINUNG:

Helen Fields ist bereits ein bekannter Name im Thriller Umfeld. Ich fand The Institute auch schon recht gut und war natürlich gespannt auf diesen neuen Thriller. Ich mag es, dass sich die Autorin ...

MEINUNG:

Helen Fields ist bereits ein bekannter Name im Thriller Umfeld. Ich fand The Institute auch schon recht gut und war natürlich gespannt auf diesen neuen Thriller. Ich mag es, dass sich die Autorin immer wieder etwas Neues überlegt und die Thriller sind jedes Mal wieder in einem neuen Umfeld ansiedelt.

So arbeitet die Protagonistin mit dem wunderbaren Namen, Midnight Jones, bei einem modernen Biotech Unternehmen in London. Diese Firma wertet psychometrische Persönlichkeitstest aus. Dabei stößt Midnight auf ein sehr spezielles Profil, welche es so eigentlich geben dürfte, nämlich das Profil eines Serienkillers. Midnight versucht sich an ihre Vorgesetzten zu wenden, doch diese glauben ihr nicht. Midnight befällt eine böse Vorahnung als in ihrer unmittelbaren Nachbarschaft Morde passieren. Midnight zieht dort erste Zusammenhänge.

Mir hat die Idee des Buches sehr gefallen, weil es äußerst spannend ist, ob man wirklich per Persönlichkeitstests herausfinden kann, ob jemand zum Mörder wird. Es gibt auch so ein paar interessante Gedankengänge dazu, ob man solche skrupellosen Personen vielleicht sogar sucht, z.B. für das Militär. Ich könnte mir gut vorstellen, dass es sowas schon gibt. Insgesamt wird hier allerdings nur grob darauf eingegangen, was Necto, die Firma von Midnight genau macht. Midnight ist auf jeden Fall eine Sympathieträgerin, allerdings bleibt sie ingesamt relativ blass, genau wie die anderen Charaktere. Es macht sie vor allem aus, dass sie ihr Leben nach ihrer Zwillingsschwester ausrichtet. Diese ist seit Geburt an eingeschränkt und braucht dauerhafte Betreuung. Midnight braucht also den Job und hat kaum ein eigenes Privatleben. Ich fand es mutig, dass den Job dann auch noch riskiert für die Wahrheit. Es gab wenig andere Charaktere, die ich interessant genug fand. Es gibt noch eine Jessica, die ein eigenes Backunternehmen betreibt. Wäre es es Thriller, hätte ich bei den Charakteren manchmal geglaubt, dass hier eher Cozy Crime lese.

Ich fand den Spannungsbogen ganz ok, aber nicht überragend. Es hat sehr lange gedauert bis sich der "Fall" überhaupt entwickelt hat. Ich musste mich schon ein bisschen "zwingen" da am Ball zu bleiben. In der ersten Hälfte ging es doch viel um Midnight, Necto und die Sorge um ihre Schwester sowie die Abwesenheit der Eltern. So richtig schlüssig waren die Ermittlungen dann auch zum Teil nicht.  Am Ende gibt ein, zwei interessante Wendungen. Trotzdem bleibt der Fall vorhersehbar.

FAZIT:

The Killerprofile fand ich insgesamt durchwachsen, was die Handlung, Charaktere und Spannung anging. Die Idee war sehr spannend und hat stellenweise auch zum Nachdenken angeregt. Ich glaube, man hätte hier noch mehr daraus machen können.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Solider Psychothriller

Angsttraum
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MEINUNG:

Ich habe lange auf einen neuen Roman von Carolin Hagebölling gewartet und habe mich umso mehr gefreut, als ich gesehen haben, dass Angsttraum erscheint.

Marla leidet an richtig schlimmen Albträumen, ...

MEINUNG:

Ich habe lange auf einen neuen Roman von Carolin Hagebölling gewartet und habe mich umso mehr gefreut, als ich gesehen haben, dass Angsttraum erscheint.

Marla leidet an richtig schlimmen Albträumen, die ihr ganzes Leben und ihre Beziehung belasten. Als auch eine Therapie nicht mehr hilft, beschließt Marla sich einer KI-gestützten neuronalen Traumanalyse zu unterziehen. Die Traumanalyse wirft noch mehr Fragen auf als sie beantwortet. Interessant sind zwischen sind den normalen Kapiteln auch noch die Tagebucheinträge einer unbekannten Frau, die sich in einer relativ schwierigen Beziehung befindet.

Marla fand ich relativ sympathisch, wusste aber manchmal nicht so recht, was ihre Absichten waren.. Die Beziehung zu ihrem Verlobten empfand ich allerdings als schwierig, weil der relativ viel kontrollieren möchte und Marla ein bisschen überbehütet. Das fand ich von Anfang ziemlich komisch. Es gibt immer wieder Verweise zu seiner Ex-Frau, die sich das Leben genommen hat. Natürlich habe ich mich immer gefragt, was es wohl auf sich hat mit Marlas Alpträumen, denn so richtig passen sie nicht zu ihrem Leben und etwas, was ihr passiert sein kann.

Die Spannung baut sich langsam auf, allerdings hatte ich schon relativ früh eine Ahnung, wohin die Reise gehen kann. Eine interessante Nebenrollen bekleidet sie Psychotherapeutin, die mit Marla die Traumanalyse durchführt. Zwischen ihr und Marla gibt eine seltsame Anziehung, die beide Grenzen überschreiten lässt, sowohl beruflich als auch privat. An der Stelle konnte ich Marla wenig verstehen. Ich fand allerdings spannend, dass man mittels KI anscheinend Träume sichtbar machen und analysieren kann.  Es gibt ein paar spannende Ansätze, aber die Idee verläuft sich dann ein bisschen als wieder mehr um die zwischenmenschlichen Ebenen geht. Mir hat es gefehlt, dass nach der Auswertung der Ergebnisse nicht mehr so richtig viel damit passiert. Das Ende war gut gemacht.

FAZIT:

Angsttraum ist für mich ein solide gemachter Psychothriller, der sich das momentan aufstrebenden Gebiet der künstlichen Intelligenz mit einbezieht und damit eine viele versprechende Grundidee hatte, dennoch fand ich die Spannung mäßig und den Plot relativ vorhersehbar. 

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Nicht mein Humor

Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes
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MEINUNG:

Ich habe von Giulia Becker den Roman Das Leben ist eines der härtesten gelesen und sehr gemocht. Die bekannte Podcasterin (Drinnies) hat nun diese zweite Buch heraus gebracht, auf das ich mich ...

MEINUNG:

Ich habe von Giulia Becker den Roman Das Leben ist eines der härtesten gelesen und sehr gemocht. Die bekannte Podcasterin (Drinnies) hat nun diese zweite Buch heraus gebracht, auf das ich mich sehr gefreut habe.

Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes ist eine Ansammlung von Geschichten, Listen und kleinen Gedichten. Es sind viele Alltagsbeobachtungen dabei, die Giulia Becker gut beobachtet hat. Leider rutschen vor allem die Geschichten stark in das Überdrehte ab, was nicht so ganz meinem Humor entspricht und was mir leider auch kein Lachen entlockt. Immerhin gab es vereinzelt ein paar Schmunzler z.B. bei den Horoskopen und den Einordnung der Deutschen Großstädte. Im Gedächtnis bleibt mir auf jeden Fall das Chaos im Wellnesshotel, die Flohmarktgeschichte und die Suche nach einem Therapieplatz. Die Listen und Gedichten fand ich ganz auflockernd, weil gerne Stilwechsel mag, dennoch hätte man diese nicht unbedingt gebracht, vor allem die seltsamen Mutiple-Choice.

FAZIT:

Am Ende bin ich mir nicht sicher, was Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes eigentlich sein möchte. Leider haben die wenigsten Texte darin meinen Humor getroffen. Das waren ein paar gute Anekdoten dabei, aber vieles war mir wirklich viel zu überdreht. Ich kann mit vorstellen, dass es etwas für Fans ihres Humors ist. Meins war es leider nicht.

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Veröffentlicht am 10.11.2024

Tode, die wir sterben

Tode, die wir sterben
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MEINUNG:

Ich bin großer Fan von skandinavischer Spannungsliteratur und natürlich war mir schon in den Vorschauen Tode, die wir sterben von dem deutsch-schwedischen Autorenpaar Roman Voosen und Kerstin ...

MEINUNG:

Ich bin großer Fan von skandinavischer Spannungsliteratur und natürlich war mir schon in den Vorschauen Tode, die wir sterben von dem deutsch-schwedischen Autorenpaar Roman Voosen und Kerstin Signe Danielsson ins Auge gefallen. Von den beiden gibt es auch eine weitere Ermittlerreihe, die beim Kiwi Verlag erschienen ist.

Mit Jon Nordh wurde ich leider nicht warm. Es hat ihn schwer getroffen, denn seine Ehefrau und sein ehemaliger Partner sind bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Nordh muss der Tatsache ins Auge gucken, dass sie wohl eine Affäre miteinander hatten, wobei es sich irgendwie andeutete als würde noch mehr dahinter stecken. Hier gehe ich davon aus, dass es noch weiter gehen wird in den nächsten Bänden. Jon bleibt mit den zwei Kindern zurück, um die sich allerdings eher seine Schwiegermutter kümmert. Trotz allem, was passiert ist, wird er wieder zu einem Fall gerufen. In meinen Augen verhält er sich ziemlich rücksichtslos und gibt seinem Job natürlich die Priorität, anstatt sich um seine Kinder zu kümmern. Auch sein Leiden wegen dem Verlust seiner Frau fand ich relativ überdramatisch dargestellt, was mich dann auch irgendwann genervt hat.

Svea Karhuu empfand ich als sympathischer. Sie kommt aus Nordschweden und hat ebenfalls Migrationshintergrund, auch wenn man es am Namen nicht erkennt. Zwischen Jon und ihr funktioniert es auch nicht so gut am Anfang. Jon lässt immer wieder alltagsrassitische Dinge fallen. Svea ist definitiv ein guter Gegenpol zu Jon. Dennoch hat sie natürlich auch wieder eine Vergangenheit, zu der allerdings nicht ganz so viel fallen gelassen wird. Sie wird als knallharte Ermittlerin dargestellt, die mit jeder schwierigen Situation, auch emotional gut umgehen kann. Das empfand  ich wieder als relativ überzeichnet, genauso wie bei Jon. Diese Überzeichnung ist sonst nicht ganz so stark in den skandinavischen Krimis und Thrillern, die ich bisher so gelesen habe.

An sich haben die beiden Autoren einen komplexen und interessanten Fall geschrieben, der viel Einblick in das Milieu von Brennpunktbezirken gibt, hier am Beispiel von Malmö. Ich finde es gut, dass hier auch wieder Einwanderung in Schweden ein Thema ist, sowie auch Bandenkriminalität und organisierte Kriminalität. Man bekommt einen guten Eindruck, wie man in so etwas hinein geraten kann und am Ende fast keine Wahl hat dem zu entkommen. Dadrunter haben die Autoren noch ein Schicht gelegt, die eher internationalen politischen Charakter hat. Trotz der Vielfalt und Komplexität fehlte mir trotzdem die Spannung. Es zieht sich ganz schön hin und immer wieder stehen persönliche Belange der Ermittelnden im Vordergrund.

FAZIT:

Die Milieustudie und die politischen Hintergründe haben mir in Tode, die wir sterben gefallen, aber ich habe mich mit dem Ermittlerduo, vor allem mit Jon Nordh und seinen privaten Problemen wirklich schwer getan. Besonders Jon fand ich als Charakter sehr überzeichnet. Leider fehlte mir auch die Spannung, was wirklich ungewöhnlich ist bei einer solchen komplexen Handlung. Auch wenn das Ende vielversprechend auf den nächsten Band ist, muss ich mir überlegen, ob ich hier wirklich weiterlese.

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