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Veröffentlicht am 04.03.2025

Hat mich nicht ganz erreichen können

In einem Zug
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In einem Zug von Wien nach München teilen sich ein Mann und eine Frau ein Abteil. Eduard Brünhofer ist Liebesromanautor, der aber bereits seit Jahren nichts mehr veröffentlicht hat, Catrin Meyr ist Therapeutin. ...

In einem Zug von Wien nach München teilen sich ein Mann und eine Frau ein Abteil. Eduard Brünhofer ist Liebesromanautor, der aber bereits seit Jahren nichts mehr veröffentlicht hat, Catrin Meyr ist Therapeutin. Die beiden kommen ins Gespräch und sich dabei immer näher.

Ich kann mir diese Situation sehr gut vorstellen, früher bin ich öfter mit dem Zug gefahren, und habe dabei mehr oder weniger interessante Menschen kennengelernt. So war ich auch direkt mitten in der Geschichte. Auch wenn mir die beiden nicht nahegekommen sind, habe ich ihr Kennenlernen gerne verfolgt. Leider ist das dann irgendwann gekippt, Catrin ging mir mit ihren recht penetranten Fragen zunehmend auf die Nerven.

Erzählt wird durchgehend aus Perspektive Eduards, und zwar in Ich-Form, so dass man auch dessen Gedanken, nicht nur zum Gespräch, erfährt. Diese sind oft recht unterhaltsam. Die einzelnen Abschnitte des Romans sind nach den Haltestellen des Zuges benannt, zu denen Eduard übrigens auch immer etwas einfällt.

Größtenteils bleiben die beiden allein, dass andere Passagiere mit im Zug sind, erfährt man zum Beispiel durch einen Besuch der beiden im Zugrestaurant, bei dem sich Eduard in Gedanken ein bisschen über die anderen Gäste dort auslässt. Einmal nimmt vorübergehend sogar ein anderer Passagier im Abteil Platz, der aber auf beide direkt störend wirkt, auch wenn sie ihr Gespräch dennoch fortsetzen.

Am Ende gibt es eine unerwartete Pointe, die mir, ehrlich gesagt, nicht gefällt, und für mich den Rest des Romans beeinträchtigt hat. Im Nachhinein erklärt sie zwar das ein oder andere, trotzdem hätte ich mir ein anderes Ende gewünscht.

Leider konnte mich der Roman nicht ganz erreichen, das Gespräch zwischen den beiden Protagonist:innen fand ich nur eine Zeit lang interessant, auch die Pointe kam bei mir nicht so recht an. Allerdings hat mich der kurze Roman doch auch unterhalten, so dass ich 3 Sterne vergeben kann.

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Veröffentlicht am 12.02.2025

Es gibt bessere Anthologien zum Thema

Alle Morde wieder
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Die Anthologie enthält dreizehn Geschichten mit kriminellem Touch, die mehr oder weniger mit Weihnachten oder zumindest Winter zu tun haben.

Die Autor:innen sind zum großen Teil deutschsprachig, zum Beispiel ...

Die Anthologie enthält dreizehn Geschichten mit kriminellem Touch, die mehr oder weniger mit Weihnachten oder zumindest Winter zu tun haben.

Die Autor:innen sind zum großen Teil deutschsprachig, zum Beispiel finden sich hier Sandra Lüpkes, Inge Löhnig und Ursula Poznanski, es sind aber auch ein paar nichtdeutschsprachige dabei, wie Ann Cleeves oder Leena Lehtolainen. Als einziger Mann ist Wulf Dorn vertreten. Nicht alle kannte ich vorher, manche zumindest namentlich, nur von relativ wenigen kannte ich bereits andere Werke.

Zunächst hat mich die Anthologie ziemlich enttäuscht, keine Erzählung wollte mir so recht gefallen, bis ich zur sechsten kam, Leena Lehtolainens „Die drei Josefs“ wendeten das Blatt, und auch danach gab es ein paar, die mir wirklich gut gefallen haben.

Als Anhang gibt es die Viten der Autor:innen.

Die Weihnachtsanthologie bietet Geschichten mit kriminellem Touch, die zur Weihnachtszeit spielen. Leider ist die Anzahl guter Erzählungen eher gering, dafür sind diese richtig gut. Kann man, muss man aber nicht lesen, es gibt bessere Anthologien zum Thema.

Veröffentlicht am 02.02.2025

Vor allem an der Protagonistin haperte es für mich

Tod am Semmering
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Österreich 1922: Für den Apotheker Anton Böck und seine Mieterin Ernestine Kirsch, Lehrerin im Ruhestand, ergibt sich die Gelegenheit, an den Semmering reisen und dort im berühmten Hotel Panhans an einem ...

Österreich 1922: Für den Apotheker Anton Böck und seine Mieterin Ernestine Kirsch, Lehrerin im Ruhestand, ergibt sich die Gelegenheit, an den Semmering reisen und dort im berühmten Hotel Panhans an einem Tangolehrgang teilnehmen. Nicht lange nach der Ankunft stirbt ein Teilnehmer, der sich vorher schon durch seine Art unbeliebt gemacht hatte. Leider ist das Hotel mittlerweile durch einen Schneesturm von der Außenwelt abgeschnitten, so dass Ernestine es übernimmt, schon einmal mit den Ermittlungen zu beginnen.

Dies ist der erste Band einer Reihe um Anton und Ernestine, die mittlerweile bereits einige Bände verzeichnet. Vieles erinnerte mich an einen Agatha Christie-Krimi, nicht nur Setting, auch die verschiedenen Charaktere könnten einem dieser Romane entsprungen sein. Ernestine hat zwar eher weniger Ähnlichkeiten mit der Miss Marple aus den Romanen, aber, auch durch ihren Begleiter, mehr mit Margaret Rutherfords Miss Marple-Darstellung.

Mochte ich zunächst Ernestine ganz gern, ging sie mir leider schnell auf die Nerven, ihre überbordende Neugier, die mich sogar einmal regelrecht anekelte, ihr ebenso übertriebener Aktionismus, mit dem sie nicht nur sich selbst in manch peinliche oder gar gefährliche Situationen brachte, sagen mit einfach nicht zu. Ganz anders Anton, der einfach nett ist, unter Ernestines Aktionismus mehr als einmal zu leiden hat, und der gerne isst, wodurch man erfährt, welche Leckereien das Hotel auftischt. Die anderen Charaktere eignen sich fast alle als Täter:innen, so dass man selbst ständig am Rätseln ist. Die Auflösung sagte mir persönlich, obwohl sie nicht unlogisch ist, nicht zu, ich fand sie etwas zu weit hergeholt.

Das Setting, das eingeschneite Luxushotel mit einem überschaubaren Figurenensemble hat mir gut gefallen, zumal das Hotel keine Erfindung der Autorin ist. Die Atmosphäre von Eis, Schnee und Kälte, und des Eingesperrtseins mit jemandem, der mordet, ist gelungen.

Leider hat mich der Roman unterm Strich nicht so überzeugen können, wie ich es mir gewünscht hätte. Das Setting und die Atmosphäre sind gelungen, aber die Protagonistin ging mir schnell auf die Nerven, die Auflösung mochte ich persönlich nicht, so dass ich wahrscheinlich auf weitere Bände dieser Reihe verzichten werde.

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Veröffentlicht am 28.12.2024

Hat mich nicht ganz überzeugen können

A Song to Drown Rivers
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Xishi ist überirdisch schön, weswegen sie dazu ausersehen wird, den König der Wu für sich zu gewinnen, um ihrer Heimat, dem Königreich der Yue zu ermöglichen, sich an diesem zu rächen.

Die Geschichte ...

Xishi ist überirdisch schön, weswegen sie dazu ausersehen wird, den König der Wu für sich zu gewinnen, um ihrer Heimat, dem Königreich der Yue zu ermöglichen, sich an diesem zu rächen.

Die Geschichte basiert auf einer chinesischen Legende, und klang für mich daher sehr viel versprechend. Die Autorin lässt Xishi selbst in Ich-Form erzählen, wodurch man als Leser:in nah dabei ist und alles aus Sicht der Protagonistin erlebt, man also an ihren Gedanken und Emotionen teilhaben kann. Man kann auch schnell verstehen warum sie sich auf so einen Deal einlässt der sie in extreme Gefahr bringen könnte. Hin und wieder konnte ich ihre Gedanken jedoch nicht nachvollziehen.Begleitet wird sie von ihrer Freundin Zhengdan, die als Palastdame eingeführt wird und ihre eigene Agenda hat.

Neben diesen beiden Frauen gibt es vor allem männliche Charaktere, die das Geschehen leiten, die beiden Könige und deren Berater, wobei vor allem Fanli, der Berater des Yue-Königs heraussticht. Nicht nur, dass er Xishi ausgesucht hat und sie vorbereitet, beide entwickeln auch Gefühle füreinander. Auch Fuchai, der König der Wu, steht im Mittelpunkt, er ist nicht ganz so wie Xishi erwartet hat, und so entwickelt sie ambivalente Gefühle für ihn.

Ambivalent stehe ich auch der Geschichte gegenüber, die leider einige Längen hat. Dennoch habe ich immer wieder gespannt gelesen. Wie wird Xishi aufgenommen werden am Hof der Wu? Kann sie den König für sich gewinnen? Und was wird passieren, wenn sie ihren Auftrag erfüllt hat?

Letzteres fand ich sehr gelungen gelöst, aber damit ist die Geschichte noch nicht zu Ende. Was dann kommt, hat mich überrascht, auch wenn es am Ende schlüssig ist. Ich bin trotzdem nicht ganz sicher, ob ich es mag. Genauso wenig, ob ich die Geschichte mag die mich manchmal fesseln konnte, von der ich mir aber mehr versprochen hatte. Ich bin auch nicht ganz sicher, in welches Genre man den Roman einordnen könnte. Historisch passt nicht, dafür gibt es zu wenig echten historischen Hintergrund. Fantasy passt ebensowenig, sieht man von einer relativ kurzen Passage ab, die man dort einordnen könnte.

Mich hat vor allem das Setting und dass der Geschichte eine Legende zu Grunde liegt, angesprochen. Die Liebesgeschichten, sind hier passend und fühlen sich auch richtig an. Natürlich ist hier einiges vorgegeben, die Autorin hatte aber auch genug Freiheit, um ihre eigene Geschichte zu schreiben, ohne die Legende zu verwässern. Leider hat der Roman immer wieder Längen und hat mich daher nicht durchgehend packen können.

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Veröffentlicht am 02.12.2024

Lange Zeit viel zu langatmig erzählt

Die Uhrmacher der Königin
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Wie viele andere Schwarzwälder Bauernfamilien verdient sich auch die Familie Faller ein Zubrot durch den Bau von Holzuhren. Ernst, der jüngste, 1824 geborene Sohn, hat ein besonderes Talent für den Uhrenbau, ...

Wie viele andere Schwarzwälder Bauernfamilien verdient sich auch die Familie Faller ein Zubrot durch den Bau von Holzuhren. Ernst, der jüngste, 1824 geborene Sohn, hat ein besonderes Talent für den Uhrenbau, und so wandert er eines Tages mit seinem Bruder Johannes ins „Uhrenland“, nach London aus.

Sophia Carpenter fällt auf einen Betrüger herein, der sie mit hohen Schulden zurücklässt, die sie glücklicherweise abarbeiten kann. Auch sie macht sich eines Tages nach London auf, wo sie nicht nur die Gebrüder Faller trifft, sondern auch die junge Queen Victoria, sowie die Gebrüder Winterhalter, bekannte Maler, die ebenfalls aus dem Schwarzwald stammen, und von der Königin an den Hof eingeladen wurden.

Leider nimmt der Klappentext schon viel zu viel vorweg, am besten wäre, man liest ihn erst gar nicht und lässt sich überraschen. Auch sonst lässt mich der Roman zwiegespalten zurück. Das Thema ist interessant, und wie der Autor das Leben seiner fiktiven Charaktere mit dem historischer Persönlichkeiten verwebt, ist gelungen. Wer historische Persönlichkeit ist, kann man übrigens dem Personenverzeichnis entnehmen, das dem Roman vorangestellt ist. Mir hat auch gut gefallen, dass man tatsächlich viel über den Uhrenbau erfährt, und dass die einzelne Teile des Romans nach Uhrteilen wie Antrieb oder Unruh benannt sind, und die Namen auch ganz gut zum jeweiligen Geschehen passen.

Leider ist der Roman lange Zeit sehr langatmig, da wird ausführlich Ernsts und Johannes Kindheit und Jugend erzählt, und erst ab etwa der Mitte hat es der Roman dann geschafft, mich etwas mehr zu packen. Gestört hat mich auch, dass er zu Beginn fast wirkte, als sei er für Kinder geschrieben, sehr einfach, und eben aus Sicht von Kindern.

Die Charaktere sind recht gut gezeichnet, erzählt wird vorwiegend aus der Sicht Johannes‘ beziehungsweise Sophias. Dadurch wird das Leben der Uhrmacher nicht nur im Schwarzwald sondern auch in London, so wie auch das Umfeld der Königin lebendig.

Über das Ende kann man sicher streiten, aber mich machte es unzufrieden, obwohl ich normalerweise keine Probleme habe mit unerwarteten Enden beziehungsweise Enden, die meine Erwartungen nicht erfüllen. Diese hallt nach, aber eher negativ.

Ralf H. Dorweiler konnte mich mit anderen Werken schnell packen, hier ist ihm das nicht gelungen, der Roman ist mir in weiten Teilen zu langatmig erzählt. Interessant ist die Thematik des Uhrenbaus, die gut ausgearbeitet wurde. Auch die Einbindung historischer Persönlichkeiten hat mir gefallen. So hinterlässt mich der Roman zwiegespalten. Dennoch gibt es sicher viele Genrefans, dem er gefallen könnte.