Profilbild von Stillesen

Stillesen

Lesejury Star
offline

Stillesen ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit Stillesen über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.12.2024

Spannender Thriller!

One Perfect Couple
0

Schon das Cover spricht mich an: Türkisblaues Meer, ein einsamer Strand, zwei Liegen unter Palmen — da kommen im grauen deutschen Winter doch Urlaubsgefühle auf (auch wenn ich kein Typ für Südseeurlaub ...

Schon das Cover spricht mich an: Türkisblaues Meer, ein einsamer Strand, zwei Liegen unter Palmen — da kommen im grauen deutschen Winter doch Urlaubsgefühle auf (auch wenn ich kein Typ für Südseeurlaub bin). Und mit Empfehlungen von David Baldacci („Ein rasanter Ritt, der die größten Thriller-Süchtigen da draußen befriedigen wird.“) und Lucy Foley („Herrlich düster und absolut fesselnd.“), die auf den Klappen abgedruckt sind, war meine Vorfreude noch gesteigert — Bücher der beiden mag ich sehr, während es mein erster Kontakt mit einem Werk von Ruth Ware war. Beim Blick auf den Namen kommt mir immer „Truth or Dare“ in den Sinn…

Dr. Lyla Santiago arbeitet als Wissenschaftlerin in London. Einen Thriller mit dem Brüten über Excel-Tabellen und dem Sinnieren über prekäre Beschäftigungsverhältnisse in der Wissenschaftswelt zu beginnen, war mal was anderes — und ebenso aktuell wie das Thema der Reality-Shows, die TV und Streaming überschwemmen. Lylas Freund ist Schauspieler und hofft in diesem neuen Format, in dem das „One Perfect Couple“ gesucht wird (das nicht zwingend in der Konstellation die Show gewinnen muss, in der die fünf Pärchen gestartet sind), auf den Durchbruch und einen Kickstart für seine stockende Karriere.

Die Mischung der Paare ist klassisch — Influencer und YouTube-„Stars“, Schauspieler mit Karriereproblemen und der dazugehörige Anhang. Mit einer luxuriösen Jacht geht es in den Indischen Ozean — doch schnell wird klar, dass hier keine Hochglanz-Produktion entsteht, sondern viel improvisiert wird. Für Lyla und ihren Freund Nico läuft schon der erste Tag anders als geplant und durch den verheerenden Sturm wird aus einem Kampf um den Sieg in einer TV-Show ein Kampf auf Leben und Tod.

Ruth Ware hat hier einen durchaus klassischen Thriller mit den üblichen Zutaten geliefert, der Anleihen an Klassikern wie Lord of the Flies, Animal Farm oder auch Jurassic Park nimmt. Mir gefiel das Setting mit der Wissenschaftlerin im Reality-TV-Ambiente gut, die weiteren Charaktere sind plausibel gezeichnet (wenn auch nicht alle mit viel Tiefe oder überraschenden Facetten) und entwickeln sich im Laufe der Geschichte weiter.

Stilistisch gefielen mir die bereits früh in der Geschichte zwischen den Kapiteln eingestreuten Notrufe von der Insel, die von Beginn an die Bedrohung und Gefahr deutlich machten und die kommenden Entwicklungen andeuteten — Spannung von der ersten bis zur (fast) letzten Seite war so garantiert. Die Handlung selbst wird komplett von Lyla aus der Ich-Perspektive erzählt, später ergänzt um Tagebucheinträge von Zana, einer der Teilnehmerinnen.

Ich habe das Buch in einem Tag durchgelesen, konnte es kaum aus der Hand legen — exakt das, was ich von einem guten Thriller erwarte. Neben den schon erwähnten Themen der prekären Arbeitsverhältnisse an Universitäten und Reality-TV greift Ware auch weitere gesellschaftlich relevante und aktuelle Themen auf wie toxische Beziehungen, häusliche Gewalt, die Bedeutung von Demokratie und wie fragil sie ist, sowie Machtmissbrauch und Female Empowerment.

Ein düsterer Thriller in einer erst unwirklich schönen und dann unerträglich grausamen Umgebung — dafür vergebe ich 4,5 / 5 Sternen und eine Leseempfehlung für Thriller-Fans und alle anderen.


So steht es auf dem gedruckten Buch, online liest man „köstlich“ statt „herrlich“…

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 12.12.2024

berührend, ernst und komisch zugleich

Gute Gründe
1

Yael wollte einen Schlussstrich ziehen, doch der Versuch ging schief. Nun findet sie sich mit ihrer Schwester Liora bei einer Therapeutin wieder und darf unter dem Versprechen, die Therapie wegen ihrer ...

Yael wollte einen Schlussstrich ziehen, doch der Versuch ging schief. Nun findet sie sich mit ihrer Schwester Liora bei einer Therapeutin wieder und darf unter dem Versprechen, die Therapie wegen ihrer Depression ernst zu nehmen und die Medikamente zu schlucken, zurück in ihre eigene Wohnung. Doch erst als eine Freundin sie mit in ein Frauenschwimmbad nimmt und sie dort auf die Rentnerin Shirley trifft, kehrt ihr (Über-)Lebenswille langsam zurück und hilft ihr, sich den Traumata ihrer Vergangenheit zu stellen.

Die Autorin hat sich hier keinem einfachen Thema gewidmet. Wer selbst an psychischen Beeinträchtigungen leidet, sollte dringend beim Lesen auf sich aufpassen, denn das Buch ist aus Yaels Perspektive geschrieben und ihre Gefühle sind beim Lesen spürbar. Dabei blitzt — anfangs nur ab und zu, später häufiger — Yaels spezieller Humor hervor, der der Geschichte eine gewisse Leichtigkeit verleiht und Yael sympathisch macht.

Mir ist das Buch unter die Haut gegangen. Es fühlte sich nahbar und echt an, Yael auf ihrer Reise aus dem Abgrund zu begleiten. In mehreren Rückblenden werden Gründe für ihre Situation genannt. Auch das Trauma ihrer jüdischen Familie spielt eine Rolle und wird geschickt in die Geschichte verwoben. Gerade auch etwas von dem Alltag einer jüdischen Familie zu erfahren, konnte mir neue Einblicke gewähren.

Wie sie es durch ein weiteres trauriges Ereignis schafft, nach vorne zu blicken und gute Gründe zu finden, gibt Hoffnung und hat mich mit einem weinenden und einem lächelnden Auge zurück gelassen.

Die anderen Charaktere sind allesamt starke Figuren mit eigener Persönlichkeit und bilden Yaels Rettungsnetz. Wie die beiden Schwestern Yael und Liora durch das Ereignis sogar zusammen wachsen, war Zentrum der Geschichte.

Etwas irritiert hat mich der Handlungsstrang rund um einen Ex-Partner. Es fügte sich nicht stimmig in die Erzählung ein und wirkte zu gewollt und geläufig.

„Gute Gründe“ ist berührend, ernst und komisch zugleich und hat bei mir einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Ich vergebe 4,5 Sterne für ein Buch mit wichtigen Themen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 04.12.2024

Bester Nervenkitzel!

Der Nachtschattenmann: Thriller
0

„Der Nachtschattenmann“ ist bereits der zehnte Fall der Kölner Rechtsmedizinerin Julia Schwarz. Ich konnte ihn ohne Probleme lesen, auch ohne die vorherigen Bände zu kennen.

Zusammen mit ihrem Freund, ...

„Der Nachtschattenmann“ ist bereits der zehnte Fall der Kölner Rechtsmedizinerin Julia Schwarz. Ich konnte ihn ohne Probleme lesen, auch ohne die vorherigen Bände zu kennen.

Zusammen mit ihrem Freund, dem Kriminalkommissar Florian Kessler, ist Julia Schwarz einem perfiden Serienkiller auf der Spur: Die Opfer sind allesamt Frauen, deren Aussehen operativ verändert wurde, und alle Toten sehen sich ähnlich — absolut gruselig! Außerdem haben die Frauen alle einen Kinder-Tanzschuh in der Hand, was die Ermittler auf die eine oder andere heiße Spur führt.

Perspektivwechsel und die angenehm kurzen Kapitel haben das Tempo und die Spannung immer mehr gesteigert und ich bin nur so durch die Seiten geflogen.

Bis zum Schluss habe ich mit dem Ermittlerteam gefiebert und gerätselt, wer der Mörder ist. Weder in der Tanzszene noch bei den örtlichen Schönheitschirurgen werden sie auf Anhieb fündig.

Die Auflösung war überraschend und gefährlich, auch wenn die Autorin in einigen Kapiteln Einblicke in die Tätersicht gegeben hat.

Für mich wird es nicht das letzte Buch von Catherine Shepherd gewesen sein und ich vergebe eine Leseempfehlung und 4,5/5 Sternen für besten Nervenkitzel!

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.11.2024

Toller Feel-Good-Roman

Der verliebte Schwarzbrenner und wie er die Welt sah
0

Meine Begeisterung für die Bücher von Jonas Jonasson ist kein Geheimnis und so musste ich natürlich auch seinen neuesten Roman schnellstmöglich in den Händen halten — danke für das Rezensionsexemplar!

Das ...

Meine Begeisterung für die Bücher von Jonas Jonasson ist kein Geheimnis und so musste ich natürlich auch seinen neuesten Roman schnellstmöglich in den Händen halten — danke für das Rezensionsexemplar!

Das Cover fügt sich in den Stil der vorherigen Bücher ein, wobei das prominent dargestellte Schwein schon etwas speziell ist — insbesondere, da es zwar um manche Schweinerei, aber insgesamt doch eher weniger um Schweinezucht geht in diesem Buch. Wie immer bei Jonas Jonasson bekommt man eine etwas andere Geschichte, als man zunächst erwartet.

Andererseits liefert Jonasson wieder verlässlich, was man von ihm inzwischen auch erwartet: Einen Wohlfühlroman, perfekt für die kommende dunkle Jahreszeit und lange Leseabende. Wie immer gespickt mit viel Humor, speziellem Sprachwitz (deswegen auch ein großes Lob für die Übersetzung an Astrid Arz) und interessanten Wendungen.

Inzwischen habe ich mich natürlich an die überraschenden Wendungen gewöhnt, so dass Jonassons Ideen nicht mehr ganz so ausgefallen daher kommen, wie in den ersten Büchern. Ich schrieb es schon bei der Rezension zu „Wie die Schweden das Träumen erfanden“, dass die Geschichten inzwischen realistischer sind — fast könnte man glauben, es sei tatsächlich genau so passiert!

Die Geschichte vom Sohn des Schweinezüchters, der dann Pächter, fast Landstreicher und Schnapsbrenner wird, und seinen Freunden ist herzerwärmend und einfach schön zu lesen. Es gibt wieder mehr Wendungen als im letzten Roman, diesmal sind es über 430 unterhaltsame Seiten geworden.

Von allen Büchern von Jonas Jonasson, die ich bisher gelesen habe, spielt es am weitesten in der Vergangenheit. Das Schweden des 19. Jahrhunderts wird als sehr arm beschrieben, das ärmste Land Europas, in dem die Bevölkerung auf dem Land mit vielen Widrigkeiten zu kämpfen hat — allen voran dummen und selbstsüchtigen Adligen.

Anders als in „Der Massai, der in Schweden noch eine Rechnung offen hatte“ sind die Figuren wieder mit mehr Tiefe ausgestattet und die Unterscheidung zwischen Gut und Böse mit den immer mal vorkommenden Gesetzesverstößen gelingt deutlich besser.

„Der verliebte Schwarzbrenner und wie er die Welt sah“ ist wieder ein gelungener Feel Good-Roman, der mir besser gefallen hat als die beiden genannten Bücher und damit 4,5/5 Sternen bekommen muss, auf dem Niveau von „Drei fast geniale Freunde auf dem Weg zum Ende der Welt“.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 16.08.2024

Eindrucksvoll und stark

Malnata
0

Diese Geschichte spielt im Jahr 1935 zu einer düsteren Zeit in der Historie Italiens, als der Faschismus im Land immer stärker wird.

Vor diesem Hintergrund lernen sich zwei Mädchen aus unterschiedlichen ...

Diese Geschichte spielt im Jahr 1935 zu einer düsteren Zeit in der Historie Italiens, als der Faschismus im Land immer stärker wird.

Vor diesem Hintergrund lernen sich zwei Mädchen aus unterschiedlichen Gesellschaftsschichten kennen: Die wohlbehütet und streng katholische aufgewachsene zwölfjährige Francesca ist fasziniert von dem augenscheinlich armen Mädchen namens Maddalena, das barfüßig, unbefangen und ohne sich um irgendwelche Regeln zu scheren durch die Gegend zieht und sogar mit Jungs am Strand spielt.

Der Aberglaube, aber auch die Kirche haben eine große Macht in der Gesellschaft. Regeln bestimmten das Leben und alle Gesellschaftsschichten leiden unter der Unterdrückung des faschistischen Regimes.

Die Einwohner Monzas haben Maddalena einen eigenen Spitznamen gegeben: Sie sei die „Malnata“, die Unheilbringende und wird verachtet und gemieden.

All dies ruft nur noch mehr Trotz in der mutigen Maddalena hervor, die einen so eindrucksvoll vom Cover des Buches anschaut. Zu sehen, wie das zarte Band der Freundschaft zwischen den beiden unterschiedlichen Mädchen geknüpft wird und sie sich mit den Gefahren des Frauwerdens und Freiheitsdenkens in einer so frauenfeindlichen Gesellschaft auseinandersetzten müssen, hat mich absolut beeindruckt.

Der Schreibstil von Beatrice Salvioni ist scharfsinnig, bildlich und eindringlich und hat diesen Debütroman zu etwas ganz Besonderem gemacht. Sie hat gekonnt wahre historische Gegebenheiten mit dem Schicksal der beiden Mädchen verwoben und heraus gekommen ist ein feministischer Roman über Freundschaft, Zusammenhalt und Mut. Mich hat das Buch sehr beeindruckt und ich habe auch nach dem Lesen noch oft über Francesca und Maddalena nachgedacht. Das sind die besten Bücher, die noch für einen Nachklang sorgen. 4,5/5 Sterne

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere