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Veröffentlicht am 04.02.2025

Dieses Buch ist eine große Bereicherung

Kronsnest
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Mit seinem Cover, das einem Landschaftsgemälde nachempfunden ist, kommt „Kronsnest“ zunächst eher schlicht daher. Auch der Inhalt, das Leben auf dem Land in den 1920er Jahren, lässt erst einmal nicht erahnen, ...

Mit seinem Cover, das einem Landschaftsgemälde nachempfunden ist, kommt „Kronsnest“ zunächst eher schlicht daher. Auch der Inhalt, das Leben auf dem Land in den 1920er Jahren, lässt erst einmal nicht erahnen, welche Kraft sich im Innern verbirgt.

Hannes wird schon früh in die Arbeit auf dem elterlichen Hof in Schleswig Holstein miteinbezogen. Doch es sind nicht die körperlichen Aufgaben, die es ihm schwer machen, sondern die unberechenbaren Wutanfälle seines Vaters. Schweigsam erträgt Hannes die Demütigungen, flüchtet sich stattdessen in Bücher oder in Gedanken an Mara, ein Mädchen aus dem Dorf, das ihn mit ihrer besonderen Art so fasziniert.

Florian Knöppler zeichnet ein detailliertes Bild einer Dorfgemeinschaft in all ihrer Zerrissenheit aufgrund politischer Ereignisse, aber auch in der Gemeinschaft, die es so vielleicht nur auf dem Land gibt.

Durch feine Figurenzeichnung und eine starke Sprache gelingt es dem Autor eine Atmosphäre zu erzeugen, die wirklich begeistert. Hannes sitzt mit Mutter und Vater am Tisch, man schweigt, dann fallen ein paar Worte, es wird wieder geschwiegen. Und doch sind so viele Emotionen zu spüren, die man mit vielen Worten nicht besser hätte ausdrücken können.

Hannes Entwicklung zu verfolgen ist mal spannend, mal herzzerreißend und einfach immer intensiv.

Mit Aktionen der Landvolkbewegung werden auch politische Geschehnisse in die Geschichte eingebunden, die großen Einfluss auf die Beziehung der Charaktere zueinander haben.

„Kronsnest“ ist Florian Knöpplers Debütroman, der mit „Habichtsland“ bereits seine Fortsetzung bekommen hat.



Fazit

Dieses Buch ist so bereichernd, dass ich es wirklich jedem nur empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 22.12.2024

Paul Schwartzmüller ist zurück

Tödlicher Winter
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In „Tödlicher Winter“ lässt die Autorin Lioba Werrelmann ihren eigenwilligen Protagonisten Paul nach Rumänien zurückkehren, an den Ort, an dem er seine Kindheit verbracht und sich im Jahr zuvor schwer ...

In „Tödlicher Winter“ lässt die Autorin Lioba Werrelmann ihren eigenwilligen Protagonisten Paul nach Rumänien zurückkehren, an den Ort, an dem er seine Kindheit verbracht und sich im Jahr zuvor schwer verliebt hat.
War der erste Band noch im sommerlichen Siebenbürgen angesiedelt, begleiten wir Paul diesmal in sein tief verschneites rumänisches Heimatdorf, in dem einiges passiert zu sein scheint, nach seiner Rückkehr nach Deutschland.
Eigentlich ist Paul nach Siebenbürgen zurückgekehrt, um Maia wiederzusehen, in die er sich Hals über Kopf verliebt hatte. Doch als er an ihre Tür klopft, öffnet ihm ein anderer Mann und Paul muss erfahren, dass Maia in der Zwischenzeit geheiratet hat. Und würde nicht allein das reichen, um Paul in die Verzweiflung zu treiben, wird Maias Mann kurze Zeit später tot im Wald aufgefunden. Der Verdächtige - Paul.

Wieder einmal ist es der Autorin gelungen, mich komplett mitzunehmen in die für mich so unbekannte Welt der siebenbürgischen Landbewohner. Sehr angetan war ich wieder von der gemütlichen Herzlichkeit und den geselligen Runden, bei denen viele lokale Speisen serviert werden.
Paul schafft es erneut, sich in die unmöglichsten Situationen hineinzumanövrieren, aus denen er oft nur mithilfe anderer oder mit mehr Glück als Verstand herauskommt.
Genau das macht ihn für mich so sympathisch, auch wenn sein Verhalten einen manchmal in den Wahnsinn treibt.
Richtig schön winterlich ist die Stimmung diesmal. Klirrend kalt mit viel Schnee geht es mitten in die Karpaten hinein, ein wunderschönes und mystisches Szenario.
Der Kriminalfall, in den Paul verwickelt wird, passt sehr gut zum Setting, ist nicht zu blutrünstig, sondern genau richtig für entspannte und trotzdem spannende Lesestunden.

Fazit
Ein Siebenbürgen-Krimi, der mich wieder einmal bestens unterhalten hat. Ich freue mich schon auf weitere Fälle für Paul Schwartzmüller.

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Veröffentlicht am 08.12.2024

Faszinierender Reisebericht

Die Eisbrecherin
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Schon immer fasziniert von Schnee und Eis bricht Geertje Marquart mit Ende vierzig zu einer Tour auf, die ebenso faszinierend wie abenteuerlich ist. Zusammen mit zwei anderen Outdoorliebhabern nimmt sie ...

Schon immer fasziniert von Schnee und Eis bricht Geertje Marquart mit Ende vierzig zu einer Tour auf, die ebenso faszinierend wie abenteuerlich ist. Zusammen mit zwei anderen Outdoorliebhabern nimmt sie die Überquerung des grönländischen Inlandeises auf Skiern in Angriff - eine 550 Kilometer lange Strecke.
Mehr als einen Monat lang sind die drei unterwegs, gehen an ihre Grenzen und darüber hinaus, um sich einen Lebenstraum zu erfüllen.

Die Autorin erzählt anfangs kurz, wie es zu dieser Reise gekommen ist, dann geht es auch schon los. Sie lässt die Tage in Eis und Schnee einzeln Revue passieren und baut zwischendurch kleine Episoden ein, die von ihrer Vorbereitung auf dieses Abenteuer erzählen.
Mit großer Spannung habe ich jeden Tag dieser einzigartigen Expedition verfolgt. Wer jetzt denkt, es handelt sich um eine Aneinanderreihung monotoner Tagesabläufe, dem kann ich versichern, dass es weit darüber hinausgeht. Natürlich sind gewisse Handlungen immer gleich, wie der Auf-und Abbau des Quartiers oder das Schnee schmelzen. Doch Geertje Marquart teilt noch so viel mehr mit uns Lesern. Sie lässt uns teilhaben an ihrer Gedankenwelt, an den Glücksgefühlen, die sie überkommen, wenn sie die Spur in den noch unberührten Schnee pflügt und die kleine Gruppe anführt.
Genauso offen zeigt sie aber auch ihre Ängste und ihre Zweifel, die sie ab und zu befallen. Was macht z. B. völlige Orientierungslosigkeit mit einem? Es gibt kein Oben, kein Unten, alles ist gleich, alles ist einfach nur Weiß. Auch diese unglaubliche Stille, die man sich wahrscheinlich überhaupt nicht vorstellen kann, muss man erstmal aushalten.
Die Kälte dringt durch alle Seiten dieses Buches und ich habe tatsächlich viele Tassen Tee währenddessen getrunken, so als könnte ich sie damit vertreiben.

Fazit
„Die Eisbrecherin“ ist alles andere als ein trockener Reisebericht. Mich hat die Autorin mit der Erzählung ihrer Erlebnisse fasziniert und inspiriert.

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Veröffentlicht am 19.11.2024

Rundum gelungener historischer Kriminalroman

Der Herzschlag der Toten
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Hermann Riecker ist gerade erst zum „Criminalkomissar“ befördert worden, da muss er auch schon seinen ersten kniffligen Fall lösen. Eine junge Frau wird tot aufgefunden, brutal ermordet durch diverse Messerstiche. ...

Hermann Riecker ist gerade erst zum „Criminalkomissar“ befördert worden, da muss er auch schon seinen ersten kniffligen Fall lösen. Eine junge Frau wird tot aufgefunden, brutal ermordet durch diverse Messerstiche.
Während seiner Ermittlungen, die unter großem Zeitdruck stattfinden, lernt Riecker die junge Johanna Ahrens kennen, die die Tote als eine ihrer Schülerinnen identifiziert. Johanna kommt aus gutem Hause und hat es sich zur Aufgabe gemacht, in einem der ärmsten Vierteln Hamburgs, heimlich Frauen zu unterrichten. Um zu erfahren, wer ihre Schülerin ermordet hat, beginnt Johanna auf eigene Faust zu ermitteln und begibt sich damit in große Gefahr.

Da ich schon zwei Romane des Autors Ralf H. Dorweiler gelesen hatte, war ich mir sicher, einen erstklassig geschriebenen und abwechslungsreichen Roman in den Händen zu halten und wurde nicht enttäuscht.
Dieser Auftakt einer historischen Krimireihe ist absolut gelungen. Hermann Riecker und Johanna Ahrens sind ein sehr charmantes Ermittlerduo, das eindeutig das Potenzial hat, über viele Bände hinweg zu begeistern. Besonders reizvoll finde ich Rieckers Hintergrund, der in Zukunft sicher noch für Aufregung sorgen wird.
Der Kriminalfall ist eingebettet in die bildhafte Schilderung der Verhältnisse in einer Großstadt wie Hamburg im 19. Jahrhundert. Viertel wie das Gängeviertel, wo die Ärmeren sehr beengt leben und zum Teil unter unwürdigen Bedingungen ihr Leben meistern, stehen hier reichen Wohngegenden gegenüber, deren Bewohner die andere Seite oft nur vom Hörensagen kennen.
Sehr interessant fand ich es, sowohl über die Polizeiarbeit zu dieser Zeit, als auch über die Tätigkeit eines Totenfotografen zu lesen. Für mich sind es immer die Highlights eines historischen Romans, wenn man auf unterhaltsame Weise, etwas Neues dazulernt.

Fazit
Ein wunderbarer Einstieg in eine hoffentlich bald fortgeführte Buchreihe. Absolut empfehlenswert sowohl für Krimifans, als auch für Liebhaber historischer Romane.

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Veröffentlicht am 17.11.2024

Intensiv und berührend

All die kleinen Vogelherzen
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Die Hauptprotagonistin Sunday ist Autistin und alleinerziehend. Zusammen mit ihrer 16 jährigen Tochter Dolly wohnt sie in ihrem Elternhaus und arbeitet in der Gärtnerei ihrer Schwiegereltern. Ihr Leben ...

Die Hauptprotagonistin Sunday ist Autistin und alleinerziehend. Zusammen mit ihrer 16 jährigen Tochter Dolly wohnt sie in ihrem Elternhaus und arbeitet in der Gärtnerei ihrer Schwiegereltern. Ihr Leben verläuft in völlig geregelten Bahnen bis ein neues Ehepaar ins Nachbarhaus zieht. Rollo und vor allem seine Frau Vita sind all das, was Sunday fremd ist : extrovertiert, spontan, emotional. Auf Sunday und auch auf Dolly übt Vita eine Faszination aus, der sich beide kaum entziehen können und ganz schleichend gerät ihr Leben dadurch völlig aus den Fugen; bis nichts mehr ist, wie es vorher war.



„All die kleinen Vogelherzen“ von Viktoria Lloyd-Barlow gehört auf jeden Fall zu den beeindruckendsten Büchern, die ich dieses Jahr gelesen habe. Die Autorin, die selbst Autistin ist, erzählt auf besondere und sehr authentische Weise, wie es sich anfühlt, anders zu sein und man rücksichtslosem und manipulativem Verhalten nichts entgegenzusetzen hat.

Die Übersetzung verdient hier auch ein großes Lob wie ich finde. Sabine Längsfeld hat genau die richtigen Worte gefunden, um uns die Gefühls- und Gedankenwelt der autistischen Protagonistin näher zu bringen. So alltäglich für uns die meisten Situationen sind, so komplex sind sie für Sunday. Beim Lesen wird einem bewusst, wie anstrengend es sein muss, am „normalen“ Leben teilzunehmen, wenn man alles so anders empfindet.

Auch Vita ist ein Charakter, der der Autorin sehr gut gelungen ist. Ihre distanzlose, übergriffige Art, die mich immer mehr entsetzte, wirkt auf Sunday und Dolly unglaublich anziehend, was zu immer tiefgreifenderen Veränderungen führt. So entwickelt die Geschichte einen unglaublichen Sog, wird von Seite zu Seite beklemmender.

Fazit

„All die kleinen Vogelherzen“ ist ein sehr intensives Leseerlebnis. Sich darauf einzulassen lohnt sich unbedingt.

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