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Veröffentlicht am 07.02.2025

Temporeicher Thriller

Die Schanze
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Direkt nach dem Abitur ist Ellen in ihrem Heimatort Schreckliches widerfahren. Deshalb kehrte sie dem Ort und seinen Bewohnern den Rücken. Doch nun ist sie zurück, um eine Arztpraxis zu übernehmen. Bereits ...

Direkt nach dem Abitur ist Ellen in ihrem Heimatort Schreckliches widerfahren. Deshalb kehrte sie dem Ort und seinen Bewohnern den Rücken. Doch nun ist sie zurück, um eine Arztpraxis zu übernehmen. Bereits auf ihrer ersten abendlichen Joggingrunde sieht sie einen Toten an der Schanze hängen. Schon bald stellt sich heraus, dass der Mann ermordet wurde. Ellen erkennt den Ermordeten sofort, denn er ist mit dafür verantwortlich, dass Ellen damals fluchtartig den Ort verließ. Ist es Zufall, dass der Mord ausgerechnet an Ellens erstem Abend passiert? Und wird sie in den Fokus der Ermittlungen geraten? 

Der Einstieg in diesen Thriller gelingt mühelos. Man befindet sich sofort mitten im Geschehen. Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven geschildert. Da die Kapitel recht kurz sind und häufig an entscheidenden Stellen zur nächsten Perspektive wechseln, gerät man früh in den Sog der Ereignisse. 

Die angespannte Atmosphäre, die im Heimatort der Hauptprotagonistin herrscht, wird hervorragend vermittelt. Man kann sie förmlich spüren. Dadurch entwickelt dieser Thriller einen zusätzlichen Reiz. Die Protagonisten wirken authentisch, sind aber schwer einzuschätzen. In dem kleinen Ort scheint es einige Geheimnisse zu geben und man weiß nicht, was man glauben soll oder wem man vertrauen kann. Dadurch wird man dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen. Doch es kommt immer wieder zu unerwarteten Wendungen, wodurch man die eigenen Schlussfolgerungen überdenken muss. Die früh aufgebaute Spannung kann dadurch durchgehend gehalten werden und sich im Verlauf der Ereignisse sogar stetig steigern. Einmal angefangen, mag man das Buch kaum aus der Hand legen. 

Ein temporeicher Thriller, der durch Spannung und überraschende Wendungen überzeugen kann. 

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.01.2025

Regt zum Nachdenken und Erinnern an

Die Schwestern von Krakau
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Als Edith die Pariser Wohnung ihres verstorbenen Vaters Simon Mercier zum ersten Mal nach dessen Tod betritt, stößt sie auf Notizen, mit denen er sich intensiv beschäftigt hat. Die zusammengetragenen ...


Als Edith die Pariser Wohnung ihres verstorbenen Vaters Simon Mercier zum ersten Mal nach dessen Tod betritt, stößt sie auf Notizen, mit denen er sich intensiv beschäftigt hat. Die zusammengetragenen Hinweise lassen den Schluss zu, dass Simon nicht das leibliche Kind der Merciers war. Selbst die Namen seiner leiblichen Eltern, Helene Wagner und Samuel Altmann, hatte Simon vor seinem Tod bereits herausgefunden. Doch wie ist Simon zur Familie Mercier gekommen und was ist mit seinen wirklichen Eltern passiert? Edith beschließt, diesen Fragen nachzugehen. Erste Spuren führen nach Fellbach bei Stuttgart. Dort macht Edith ihre Großcousine Tatjana, eine Enkelin von Helenes Schwester Lilo, ausfindig. Die beiden beschließen, gemeinsam nach Antworten zu suchen. Tatjana reist dazu nach Krakau. Der Stadt, in der die Familie Wagner während des Zweiten Weltkriegs gelebt hat. Lilo hat dort in einer alten Apotheke gearbeitet, die eine zentrale Rolle für den jüdischen Widerstand gespielt hat. Doch warum hat Lilo niemals über diese Zeit gesprochen? Was ist damals geschehen?

Die Handlung trägt sich auf zwei Zeitebenen zu. Im aktuellen Geschehen beobachtet man Edith und Tatjana, die versuchen, mehr über ihre Familiengeschichte herauszufinden. Tatjana reist dazu nach Krakau. Dort erhofft sie mehr über das Leben ihrer Großmutter Lilo zu Kriegszeiten zu erfahren.

Parallel dazu blickt man zurück in Lilos Vergangenheit und kann beobachten, welchen Schicksalsschlägen sie im damaligen Krakau trotzen musste. Außerdem erfährt man einiges über die Rolle des jüdischen Widerstands. Bettina Storks versteht es hervorragend, in beiden Handlungssträngen so fesselnd zu erzählen, dass man früh in den Sog der Ereignisse gerät. Handlungsorte und Charaktere wirken so lebendig, dass man meint, selbst vor Ort zu sein. Gerade die Szenen, die sich in der Vergangenheit zutragen, sind berührend und regen zum Nachdenken und Erinnern an. Historische Begebenheiten bilden eine authentische Hintergrundkulisse. Im Nachwort kann man nachlesen, in welcher Weise sich Fiktion und Realität verknüpfen. 

Eine absolut empfehlenswerte Geschichte, die tief berührt und zum Nachdenken und Erinnern anregt. 

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
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  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 21.12.2024

Spannender Pageturner!

Nachtflut
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Obwohl in den Nachrichten eindringlich vor der kommenden Sturmflut und der Gefahr, dass der Deich brechen könnte, gewarnt wird, wartet Elisa bis zum letzten Moment, bis sie sich dazu entscheidet, ihr ...


Obwohl in den Nachrichten eindringlich vor der kommenden Sturmflut und der Gefahr, dass der Deich brechen könnte, gewarnt wird, wartet Elisa bis zum letzten Moment, bis sie sich dazu entscheidet, ihr Haus zu verlassen. Doch dann ist es zu spät. Elisa geht davon aus, im längst evakuierten Bereich alleine zu sein. Doch dann entdeckt sie ihre Nachbarn, die eigentlich schon längst weg sein wollten. In der Not schließt sie sich den beiden an. Irgendwas scheint das Paar verbergen zu wollen. Elisa kann sich darum allerdings keine Gedanken machen, denn in den Nachrichten wird davon berichtet, dass aus der nahegelegenen Justizvollzugsanstalt Gefangene geflohen sind. Elisa ahnt, dass einer davon auf dem Weg zu ihr ist....

Die Handlung wird aus unterschiedlichen Perspektiven betrachtet und zuweilen von Tagebucheinträgen unterbrochen. Diese kann man zunächst nicht richtig zuordnen. Sie sorgen aber dafür, dass man unbedingt erfahren möchte, wo die Verbindung zu den aktuellen Ereignissen liegt. 

Handlungsorte und Protagonisten werden so eindrucksvoll beschrieben, dass man sofort mitten im Geschehen ist. Es gelingt der Autorin hervorragend, den Orkan und die drohende Sturmflut intensiv in die Erzählung einzubinden, wodurch man beinahe meint, den starken Wind auf der Haut zu spüren. Man fiebert mit den Protagonisten mit und hofft, dass alles gut ausgehen wird. 

Elisa wirkt zwar sympathisch, allerdings ist es schwer, sie einzuschätzen, da sie von ihrer Tablettensucht beeinflusst wird. Kann man ihrer Einschätzung vertrauen? Doch alle Charaktere scheinen ihre ganz eigenen Geheimnisse zu haben, deshalb ist man ständig auf der Hut, um kein Detail zu verpassen, dass Hinweise auf den Hintergrund der jeweiligen Person geben könnte. Man wird dazu angeregt, eigene Überlegungen anzustellen, ist sich jedoch nie sicher, auf was das Ganze hinauslaufen wird. Man ist hin- und hergerissen und weiß nicht was man glauben soll. Das gibt der Handlung einen zusätzlichen Reiz. Man gerät früh in den Sog der Ereignisse und kann sich kaum vom Gelesenen lösen. Dadurch entwickelt sich dieser Thriller zu einem echten Pageturner. Überraschende Wendungen sorgen außerdem dafür, dass keine Langeweile aufkommt. 

Spannender Pageturner mit eindrucksvoller Hintergrundkulisse. 

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Spannung, Nervenkitzel und Gänsehautmomente!

Hotel Ambrosia - Du. Entkommst. Nicht.
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Die 17-jährige Robyn sitzt aufgrund einer Erkrankung im Rollstuhl. Sie lebt mit ihrer Großtante, die sie rührend umsorgt, im sechsten Stock und kann die Wohnung nicht verlassen, da der Aufzug zu klein ...


Die 17-jährige Robyn sitzt aufgrund einer Erkrankung im Rollstuhl. Sie lebt mit ihrer Großtante, die sie rührend umsorgt, im sechsten Stock und kann die Wohnung nicht verlassen, da der Aufzug zu klein für den Rollstuhl ist. Dementsprechend schlecht ist es um ihre sozialen Kontakte bestellt. Doch Robyn ist eine begeisterte True-Crime-Liebhaberin und beschäftigt sich liebend gerne mit alten Fällen. Zufällig liegt das düstere Hotel Ambrosia genau auf der anderen Straßenseite. Um dieses zwielichtige Etablissement ranken sich einige Gerüchte, da es Schauplatz furchtbarer Verbrechen war. Robyn ist fasziniert von dem Hotel und den Personen, die dort ein- und ausgehen. Sie verbringt Stunden damit, alles mit ihrem Fernglas zu beobachten. Dabei wird sie eines Tages Zeugin einer Entführung. Robyn will dem Mädchen, das kurz zuvor unbeschwert das Hotel betreten hat, unbedingt helfen. Doch wie soll das gehen, wo sie doch die Wohnung nicht verlassen kann? Da spielt ihr der Zufall in die Karten, denn der jugendliche Dieb A.J. bricht versehentlich in die falsche Wohnung ein, trifft dort auf Robyn und wird von ihr erpresst, ihr bei den Ermittlungen zu helfen...

Das düstere Cover, auf dem das zwielichtige Hotel Ambrosia abgebildet ist, stimmt bereits auf die Handlung ein. Dadurch kann man die Faszination, die für die kranke und stark eingeschränkte True-Crime-Liebhaberin Robyn von diesem Hotel ausgeht, glaubhaft nachvollziehen. 

Robyn muss mit ihren Kräften haushalten, da die Krankheit ihren Lebensrhythmus bestimmt. Ihr Sozialleben liegt, bis auf wenige Kontakte zu Chat-Freundinnen, brach. Nur ihre Großtante ist immer für sie da und versucht, Robyns eingeschränktes Leben etwas lebenswerter zu machen. Robyns Hintergrund, ihre Krankheit und die Auswirkungen werden so authentisch vermittelt, dass man sich in ihre Erschöpfungszustände hineinversetzen kann. Robyn wirkt anfangs sehr sympathisch. Allerdings büßt sie beim Umgang mit A.J. ein paar Sympathiepunkte ein, da sie häufig sehr bestimmend auftritt und den jungen Mann einige Male in große Gefahr bringt. Dieses Verhalten mag ihrer fehlenden Sozialkompetenz geschuldet sein, trägt aber dennoch dazu bei, dass man sie distanzierter betrachtet. 

Das geht allerdings nicht zu Lasten der Spannung, denn das Hotel Ambrosia hält einige Geheimnisse bereit und Bewohner und Personal scheinen in finstere Machenschaften verstrickt zu sein. Der Schreibstil ist flüssig und sehr angenehm lesbar. Aufgelockert wird die Handlung durch Gesprächsprotokolle, Anrufe oder Textnachrichten. Da A.J. Robyn zunächst nur gezwungenermaßen hilft, darf man sich auf witzige Wortgefechte freuen. Man kann sich die beschriebenen Szenen mühelos vorstellen und die gruselige Atmosphäre, die das finstere Hotel verströmt, uneingeschränkt genießen. Schon bald weiß man nicht mehr, wem man hier trauen kann oder was man glauben soll. Unerwartete Wendungen geben dem Ganzen einen zusätzlichen Reiz. Hochspannung und Nervenkitzel sind garantiert. 

Ein spannendes und wendungsreiches Buch, das für Nervenkitzel und Gänsehaut sorgt!

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Veröffentlicht am 03.12.2024

Winterlicher Liebesroman

Kiss the Right Bride
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June hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und führt mit ihren Freundinnen die Hochzeitsagentur "Wedding Dreams". June kreiert ausgefallene Torten und erfüllt damit selbst die anspruchsvollsten Wünsche ...

June hat ihre Leidenschaft zum Beruf gemacht und führt mit ihren Freundinnen die Hochzeitsagentur "Wedding Dreams". June kreiert ausgefallene Torten und erfüllt damit selbst die anspruchsvollsten Wünsche der Hochzeitspaare. Als sie auf dem Weg ist, um der Tochter des Bürgermeisters ihre Hochzeitstorte zu präsentieren, fällt das kulinarische Kunstwerk durch die Unachtsamkeit eines Mannes zu Boden. June glaubt ihren Augen nicht zu trauen, denn bei dem Mann handelt es sich um ihre Jugendliebe Ryder, der vor vielen Jahren ihr Herz brach. Zu diesem Zeitpunkt ahnt June noch nicht, dass diese Begegnung ihr Leben durcheinanderwirbeln wird, denn Ryder ist der Bräutigam der Tochter des Bürgermeisters...

"Kiss the Right Bride" ist der Auftakt der Wedding-Dreams-Reihe. Die Handlung wird abwechselnd aus der Sicht von June und Ryder geschildert. Außerdem gibt es immer wieder Rückblicke in die gemeinsame Vergangenheit der beiden. So wird nach und nach klar, warum beide davon überzeugt sind, dass der jeweils andere die Schuld an der damalige Trennung trägt.

Haupt- und Nebencharaktere wirken äußerst lebendig, wodurch man mühelos in die Handlung eintauchen kann. Die Autorin beschreibt die Szenen so mitreißend, dass man alles vor Augen hat. Man kann das Knistern zwischen June und Ryder förmlich spüren und fiebert deshalb gespannt mit ihnen mit. Die Gefühle werden eindrucksvoll vermittelt. Man muss allerdings nicht befürchten, dass es zu kitschig wird, da eine fein abgestimmte Prise Humor das Leseerlebnis perfekt abrundet.

Ein wundervoller, winterlicher Liebesroman, bei dem man einfach mal die Seele baumeln lassen kann. Die Neugier auf den weiteren Verlauf der Reihe wird außerdem geweckt.

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