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Veröffentlicht am 02.02.2025

Ein fesselnder Kriminalroman im Graphischen Viertel

Das Haus der Bücher und Schatten
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MEINE MEINUNG
Mit „Das Haus der Bücher und Schatten“ setzt der deutsche Bestsellerautor Kai Meyer seine faszinierende Reihe über die Geheimnisse des Graphischen Viertels in Leipzig fort. Dieser fesselnde ...

MEINE MEINUNG
Mit „Das Haus der Bücher und Schatten“ setzt der deutsche Bestsellerautor Kai Meyer seine faszinierende Reihe über die Geheimnisse des Graphischen Viertels in Leipzig fort. Dieser fesselnde historische Roman ist eine beeindruckende Hommage an die Welt der Bücher, geschickt eingebettet ist in die historische Kulisse der Bücherstadt Leipzig.
Obwohl es sich hierbei bereits um den dritten Band handelt, lässt sich der Roman auch ohne Vorkenntnisse lesen, da jeder der Romane in sich abgeschlossen ist. Für Kenner der Reihe bietet er immer wieder subtile Querverbindungen zu Schauplätzen und Charakteren aus den vorherigen Bänden.
In seinem sehr atmosphärischen und mitreißend erzählten Roman verwebt Meyer gekonnt einen packenden Kriminalfall mit mystischen Elementen und einer bibliophilen Schauergeschichte. Darüber hinaus werden diese gekonnt in einen interessanten, gut recherchierten historischen Kontext eingebettet.
Die vielschichtige Handlung ist diesmal auf zwei Zeitebenen angesiedelt. Sie spielt zum einen 1913 im Baltikum kurz vor Ausbruch des Ersten Weltkriegs und 1933 in Leipzig im Jahr der nationalsozialistischen Machtergreifung.
Im Mittelpunkt der Leipziger Handlung steht Kommissar Cornelius Frey, der in einem rätselhaften Doppelmord an seinem Polizeikollegen und einem Mädchen, das er die Nacht zuvor vor einem Suizid gerettet hatte, ermittelt. Immer tiefer führen ihn seine Ermittlungen in ein undurchsichtiges Netz aus Okkultisten, Freimaurern und skrupellosen Verschwörern. Die Rückblenden ins Jahr 1913 folgen der jungen Lektorin Paula Engel, die gemeinsam mit ihrem Verlobten Jonathan ins Baltikum reist, um für ihren Verlag das Manuskript eines exzentrischen Schriftstellers abzuholen. Doch schon bald wird klar, dass hinter den alten Mauern des Herrenhauses unheilvolle Geheimnisse lauern.
Meyers lebendiger, bildhafter Schreibstil erschafft eine geheimnisvolle, unterschwellig bedrohliche Atmosphäre, die uns unweigerlich von der ersten bis zur letzten Seite in ihren Bann zieht. Auf faszinierende Weise lässt Meyer in seiner atmosphärisch dichten Geschichte Realität und mystische Geschehnisse ineinanderfließen.
Er zeichnet nicht nur ein lebendiges Bild des Leipziger Graphischen Viertels und seiner Bewohner während der Weimarer Republik, sondern vermittelt auch eindringliche Einblicke in jene düstere Zeitepoche des aufkommenden Nationalsozialismus. Besonders beeindruckend sind die detaillierten Beschreibungen der baltischen Winterlandschaft und der beinahe greifbaren, unheimlichen Atmosphäre des dortigen, prächtigen, Herrenhauses. In diesem mysteriösen Ambiente entfaltet Meyer eine packende Geschichte voller verborgener Geheimnisse und rätselhafter Ereignisse, die für enorme Spannung sorgt.
Meyer versteht es hervorragend, seine faszinierenden Hauptfiguren facettenreich und lebendig zu zeichnen. Fesselnd ist Kommissar Freys Kampf, sich trotz Widerstände aus höchsten Positionen in seinen Dienstgrad zurückzukämpfen und die Mordermittlungen zu leiten. Als mutiger, zu allem entschlossener Ermittler ist er bereit, für die Aufdeckung der Wahrheit große Risiken einzugehen.
Sehr gelungen ist ebenfalls die Darstellung der vielen Nebenfiguren, die mit ihren eigenen Geheimnissen zur Komplexität der Handlung beitragen.

Ein besonderes Highlight des Romans ist die Art und Weise, wie Meyer immer wieder die Themen Literatur, Bibliotheken und die magische Macht der Bücher in die geschickt konstruierte Geschichte einwebt.
Die Handlung ist temporeich und packend, wobei sich die Hintergründe der in den zwei Handlungssträngen miteinander verwobenen Ereignisse nur schrittweise erschließen.
Meyer versteht es, durch geschickte Perspektivwechsel und überraschende Wendungen die Spannung aufrecht zu halten. Die fesselnde und sehr mystische Geschichte findet schließlich ein stimmiges Ende, das zum Nachdenken anregt und Raum für weiterführende Gedanken lässt.

FAZIT
Ein faszinierender, vielschichtiger Roman, der Kriminalfall, historische Geschehnisse, Mystik und die Liebe zur Literatur gekonnt verbindet
Ein fesselndes Leseerlebnis mit einer beeindruckend dichten Atmosphäre, das allen Bücherliebhabern wärmstens empfohlen werden kann.

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  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 09.01.2025

Fesselnde Zeitreise ins Berlin der 1930er Jahre

Fräulein Gold: Nacht über der Havel
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MEINE MEINUNG
Mit "Fräulein Gold - Nacht über der Havel" hat Anne Stern bereits den siebten Band ihrer beliebten historischen Hebammen-Reihe rund um die charismatische Protagonistin Hulda Gold vorgelegt.
Auch ...

MEINE MEINUNG
Mit "Fräulein Gold - Nacht über der Havel" hat Anne Stern bereits den siebten Band ihrer beliebten historischen Hebammen-Reihe rund um die charismatische Protagonistin Hulda Gold vorgelegt.
Auch wer die Reihe noch nicht kennt, kann problemlos mit diesem Band einsteigen, da Stern es versteht, relevante Hintergrundinformationen geschickt in den Plot einfließen zu lassen, so dass auch langjährige Fans nicht gelangweilt werden.
Die Stärke der historischen Saga liegt in der gelungenen Mischung aus sorgfältig recherchiertem zeitgeschichtlichem Setting, spannendem Kriminalfall und der fortlaufenden persönlichen Geschichte von Hulda, die immer mehr an Tiefe gewinnt. Geschickt werden zudem gesellschaftlich relevante Themen in die fiktive Handlung eingewoben. Anne Sterns Erzählstil ist äußerst lebendig und fesselnd, so dass man rasch in die Geschichte gezogen wird.
Die spannende Fortsetzung entführt uns erneut in das turbulente Berlin des Jahres 1930. Mit anschaulichen Beschreibungen zeichnet Stern ein authentisches Bild dieser ausgehenden Weimarer Republik und lässt diese bewegte Epochen lebendig werden. Gekonnt fängt sie die angespannte Atmosphäre in der Metropole ein, die geprägt ist von wirtschaftlicher Krise, sozialen und politischen Spannungen. Hautnah erleben wir das herausfordernde Alltagsleben der Menschen und erhalten aufschlussreiche Einblicke in die komplexen sozialen Dynamiken. Insbesondere die zunehmend schwierigen politischen Umstände, gesellschaftlichen Umwälzungen durch die erstarkenden Nationalsozialisten und komplexen historischen Zusammenhänge werden von Stern eindrucksvoll dargestellt.
Im Mittelpunkt steht natürlich wieder die beeindruckende Protagonistin Hulda Gold, die inzwischen als liebevolle Mutter einer wundervollen Tochter und erfahrene Hebamme die alltäglichen Herausforderungen zu meistern versucht. Halt und Unterstützung findet sie durch ihre alten Freunde aus ihrem Kiez und ihren neuen Lebenspartner. Stern versteht es hervorragend, ihre Charaktere vielschichtig und glaubhaft zu gestalten, sodass sie mit ihren Stärken und Schwächen sehr menschlich wirken. Besonders Hulda entwickelt sich im Laufe der Reihe charakterlich immer weiter. Trotz alle Widrigkeiten bleibt sie Berufung treu und setzt sich unermüdlich für die Bedürftigen und das Wohl von Frauen und Müttern ein. Aus der einst impulsiven jungen Frau ist eine starke, mitfühlende Persönlichkeit geworden, die sich nicht unterkriegen lässt. Ihre emotionale Tiefe macht sie zu einer beeindruckenden und sehr sympathischen Figur, mit der man sich hervorragend identifizieren kann.
Die Handlung dreht sich neben Huldas Privatleben diesmal um einen mysteriösen Tod eines jungen Studenten und Anführer einer Jugendgruppe. Als Hulda bei der Betreuung einer Schwangeren mitbekommt, dass deren jüngere Schwester den Toten gut kannte und zur fraglichen Tatzeit mit ihm bei einem ihrer nächtlichen Jugendtreffen an der Havel war, wird ihr untrüglicher Spürsinn geweckt und sie beginnt den Hintergründen auf die Spur zu kommen.
Bei den Nachforschungen kommt es auch zu einer Wiederbegegnung mit Karl North, ihrem ehemaligen Freund und Ex-Kommissar, der inzwischen als Privatdetektiv arbeitet und glücklich verheiratet ist. Seine Rückkehr in Huldas Leben bringt nicht nur emotionale Spannung, sondern sorgt auch für zusätzliche Dynamik.
ZUM HÖRBUCH
Die talentierte Schauspielerin und Hörbuchsprecherin Anna Thalbach ist eine hervorragende Wahl, die dieses gekürzte Hörbuch erneut äußerst eindrucksvoll interpretiert. Thalbachs Lesung ist lebendig und abwechslungsreich, wodurch das Kopfkino der Zuhörer mühelos angeregt wird. Mit ihrer facettenreichen Stimme erweckt sie die Charaktere gekonnt zum Leben und transportiert das typische Berliner Flair auf wunderbare Weise. Perfekt ist auch die selbstbewusste Hulda Gold, deren Charakter und Emotionen sie gefühlvoll und sehr überzeugend herausarbeitet. Erneut ein absolutes Hörbuch-Highlight!
FAZIT
Eine fesselnde Fortsetzung der historischen Saga um die charismatische Hebamme Hulda Gold. Die gelungene Mischung aus authentischen Charakteren, lebendigem Lokalkolorit und interessantem historischen Hintergrund sowie spannendem Kriminalfall sorgt für beste Unterhaltung!
Empfehlenswert für alle Fans historischer Romane sowie für diejenigen, die das Berliner Flair lieben!

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Veröffentlicht am 19.12.2024

Ein toller Wegweiser zur naturnahen Gartenkultur

Slow Gardening
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MEINE MEINUNG
Das wundervolle, beim Kosmos-Verlag erschienene Buch "Slow Gardening: Unser Weg zum naturnahen Küchengarten" von Elisabeth Grindmayer und Stephanie Haßelbeck ist so viel mehr als nur ein ...

MEINE MEINUNG
Das wundervolle, beim Kosmos-Verlag erschienene Buch "Slow Gardening: Unser Weg zum naturnahen Küchengarten" von Elisabeth Grindmayer und Stephanie Haßelbeck ist so viel mehr als nur ein gewöhnlicher Gartenratgeber mit ausführlichen Schritt-für-Schritt-Anleitungen – es ist vielmehr eine faszinierende Einführung ins „Achtsame Gärtnern“ und eine neue kreative Gartenkultur, die auf Nachhaltigkeit und Naturnähe setzt.
Die Schwestern Lisa und Steffi, auch bekannt als @farmmade_sisters, präsentieren mit ihrem Buch einen inspirierenden und praxisnahen Ratgeber für alle, die einen naturnahen Küchengarten anlegen und pflegen möchten.
Als Quereinsteigerinnen mit landwirtschaftlichen Wurzeln lassen sie uns sehr anschaulich an ihren Erfahrungen aus ihren Gärten in Bayern und Schweden teilhaben und stellen uns ihre persönliche Herangehensweise an nachhaltiges Gärtnern vor. Die sympathischen Autorinnen verstehen es hervorragend, eine beeindruckende Fülle an Informationen in einem gut strukturierten Format leicht verständlich und abwechslungsreich zu präsentieren. So deckt das Buch ein breites Spektrum an praxisorientierten Themen ab, die für das naturnahe Gärtnern relevant sind, und bietet dem interessierten Leser viele tolle Anregungen, interessantes Hintergrundwissen, nützliche Hinweise sowie Tipps für leckere Rezepte.
Im allgemeinen, einführenden Teil des Buchs stellen die Autorinnen ihre „Philosophie“ des Slow Gardening als ganzheitlichen Ansatz vor. Ihnen geht es vor allem um die Schaffung eines naturnahen, vielfältigen und bedürfnisorientierten Gartens mit einem besonderen Fokus auf Nachhaltigkeit, Selbstversorgung und bewusstes, tierfreundliches Gärtnern.
Die Autorinnen geben spannende Einblicke in ihre persönlichen Erfahrungen, ihre Erfolgserlebnisse, Lernprozesse und so manche Rückschläge, wo uns dazu ermutigt, selbst zu experimentieren, Erfahrungen zu sammeln und eigene eigene Wege im Garten zu gehen. Das Buch richtet sich sowohl an Einsteiger als auch an erfahrene Gärtner, die ihr Wissen erweitern möchten und sich für einen naturnahen Ansatz interessieren.
Die vorgestellten Gartenkonzepte sind äußerst flexibel und lassen sich leicht an individuelle Bedürfnisse sowie verschiedene Gartengrößen anpassen.
Das Inhaltsverzeichnis gibt einen Überblick über die behandelten Hauptthemengebiete:
KÜCHENGARTEN BASICS, VIELFALT IM GEMÜSEBEET, BLUMEN FÜR TISCH & TAFEL, KRÄUTER & HEILPFLANZEN; HALTBARMACHEN sowie NATURNAH GÄRTNERN.
Egal ob man sich für Anlage und Pflege eines Küchengartens, alte Tomatensorten und Bewahrung traditioneller Methoden, Wildwiesen und Förderung der Biodiversität oder eher für praktische Tipps zur natürlichen Schädlingsbekämpfung interessiert – man findet in diesem Buch viele Anregungen und jede Menge Praxiswissen, so dass man gar nicht mehr abwarten kann, die vorgestellten Konzepte in die Praxis umzusetzen.
Besonders gut haben mir die detaillierten Anleitungen zur Gestaltung eines vielfältigen Küchengartens,
die hilfreiche Mischkulturtabelle sowie die nach Jahreszeiten geordneten To-Do-Listen für das Gemüsebeet gefallen, die eine übersichtliche Orientierung für die anstehenden Tätigkeiten bieten.
Darüber hinaus wird aber nicht nur die Kultivierung von Nutzpflanzen behandelt, sondern die Autorinnen widmen sich auch der Schönheit von Blumen und der Wichtigkeit von Heilkräutern.
Besonders hervorzuheben sind außerdem die tollen Rezepte und kreativen Ideen zur Verarbeitung und Konservierung der Ernte aus eigenem Anbau, aus denen ich noch viele neue Anregungen mitnehmen konnte.
Die optische Gestaltung des gebundenen Buchs ist außerordentlich gelungen. Auf dem matten, griffigen Papier kommen die farbigen Fotos und verschiedenen Tabellen hervorragend zur Geltung. Die Verarbeitungsqualität ist einwandfrei und unterstreicht den rundum positiven Gesamteindruck.
Ansprechende, gut verständliche und unterhaltsam verfasste Texte und vor allem die vielen, stimmungsvollen Farbfotos und gelungenen Schnappschüsse von den Autorinnen, die mit schönen Impressionen und ungewöhnlichen Perspektiven nicht nur die Schönheit naturnaher Gärten einfangen sondern als praktische Anleitungen auch den Inhalt sehr anschaulich illustrieren. Sie sorgen dafür, dass man das Buch immer wieder gerne zur Hand nimmt. So lässt man sich beim Durchblättern gerne inspirieren und geht aufgrund der hilfreichen Ratschläge hochmotiviert ans Werk.
Abgerundet wird das Buch mit einem kurzen Autorinnen-Porträt, einer Danksagung, einigen weiterführenden nützlichen Adressen sowie einem alphabetischen Register.

FAZIT
Ein rundum gelungener Wegweiser rund ums naturnahe Gärtnern, der mit seiner perfekten Mischung aus Grundlagenwissen, praxisnaher Herangehensweise, kreativen Ideen und wunderschöner inspirierender Gestaltung überzeugt.
Ein Muss für alle, die einen nachhaltigen, vielfältigen und ertragreichen Küchengarten planen!

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Eindrucksvoller Roman

Antichristie
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MEINE MEINUNG
Nach ihrem gefeierten Debütroman "Identitti" widmet sich Mithu Sanyal in "Antichristie" erneut hochaktuellen, brisanten Themen.
In diesem faszinierenden, vielschichtigen Roman beleuchtet ...

MEINE MEINUNG
Nach ihrem gefeierten Debütroman "Identitti" widmet sich Mithu Sanyal in "Antichristie" erneut hochaktuellen, brisanten Themen.
In diesem faszinierenden, vielschichtigen Roman beleuchtet Sanyal auf provokante, originelle und vor allem humorvolle Art den Kolonialismus, Identität und die Komplexität historischer Narrative.
Geschickt vermischt sie in ihrer fesselnden Geschichte Elemente des historischen Romans, Krimis und der Zeitreisefiktion.
Sanyal setzt sich facettenreich mit der kolonialen Vergangenheit und deren Auswirkungen auf die Gegenwart sowie Formen des Widerstands auseinander. Dabei schärft sie den Blick auf weniger beleuchtete Aspekte der indischen Unabhängigkeitsbewegung und hinterfragt nicht nur die Rolle von Gewalt gegen Unterdrückung und koloniale Strukturen, sondern auch die oft vereinfachte Darstellung historischer Figuren wie Gandhi und anderer einflussreicher, aber weniger bekannter Akteure.
Sie greift aktuelle gesellschaftliche Diskussionen auf und hinterfragt auf unbequeme Weise gängige Vorstellungen, ohne belehrend zu wirken. Kritisch beleuchtet Sanyal oberflächliche Betrachtungsweisen zur kolonialen Geschichte und zum Postkolonialismus, hält uns gleichzeitig einen Spiegel vor und regt zum Nachdenken an.
Gekonnt verwischt sie in ihrem Roman die Grenzen zwischen Gegenwart und Vergangenheit, Realität und Fiktion, aber auch persönlicher und kollektiver Geschichte.

Die Vielschichtigkeit der Erzählung und die Fülle an historischen und kulturellen Referenzen machen den Roman zu einem sehr anspruchsvollen, aber lohnenden Leseerlebnis. Nach einem durchaus herausfordernden Einstieg, der etwas Durchhaltevermögen erfordert, entwickelt die komplexe Geschichte zunehmend eine fesselnde Dynamik.
Die verschachtelten, genial miteinander verwobenen Zeitebenen schaffen eine komplexe Struktur, die der Autorin eine eingehende Auseinandersetzung mit historischen und aktuellen politischen Themen und eine differenzierte Betrachtung von persönlicher und kollektiver Geschichte ermöglicht.
Angesiedelt ist die Geschichte im London des Jahres 2022, kurz nach dem Tod der Königin. Im Mittelpunkt der Handlung steht die Protagonistin Durga, eine 50-jährige internationale Drehbuchautorin mit deutsch-indischen Wurzeln, die an einer woken Verfilmung der klassischen Agatha-Christie-Krimis mitwirken soll. Nach dem Tod ihrer Mutter findet sie sich plötzlich nicht nur im Jahr 1906 wieder sondern im Körper des jungen Inders Sanjeev. Auf ihrer unerwarteten Zeitreise trifft sie auf eine Gruppe indischer Revolutionäre, die im Gegensatz zu Gandhi nicht auf Gewaltlosigkeit setzen und sie mit zentralen Fragen des Widerstands gegen Unterdrückung konfrontiert.
Mit der Protagonistin Durga hat Sanyal eine faszinierende und sehr vielschichtige Figur geschaffen. Aufgrund ihrer deutsch-indischen Herkunft verkörpert sie selbst die Komplexität kultureller Zugehörigkeit. Ihre Reise durch die Zeit, ihr Genderwechsel sowie die Konfrontation mit verschiedenen Formen des Widerstands lassen sie eine interessante, tiefgreifende Charakterentwicklung durchlaufen.
Sanyals äußerst lebendiger Schreibstil ist sehr kreativ und unterhaltsam. Er ist durchsetzt mit Anglizismen und integriert geschickt verschiedene Textformen wie Dialoge, Tweets und Drehbuch-Auszüge. Hervorragend haben mir auch die zahlreichen Verweise auf Agatha Christie, Sherlock Holmes und Doctor Who gefallen.

FAZIT
Ein unglaublich komplexer und anspruchsvoller Roman über kulturelle Identität, die Komplexität historischer Narrative und die Auswirkungen des Kolonialismus auf die moderne Gesellschaft – unterhaltsam, lehrreich, gesellschaftskritisch und humorvoll! Ein beeindruckender Roman, der noch lange nachwirkt, zum Überdenken eigener Positionen anregt und zum erneuten Lesen anregt. Äußerst lesenswert!

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Fesselnder Mystery-Thriller

Der längste Schlaf
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MEINE MEINUNG
In ihrem neuen fesselnden Roman „Der längste Schlaf“ entführt uns die deutsche Autorin Melanie Raabe auf eine abenteuerliche und mitreißende Reise, die tief in den faszinierenden Themenkreis ...

MEINE MEINUNG
In ihrem neuen fesselnden Roman „Der längste Schlaf“ entführt uns die deutsche Autorin Melanie Raabe auf eine abenteuerliche und mitreißende Reise, die tief in den faszinierenden Themenkreis rund um Schlaf, Schlaflosigkeit, Geister der Vergangenheit und prophetische Träume eintaucht. Der Roman kombiniert geschickt Elemente aus dunkler Familiengeschichte, Psychothriller und Liebesgeschichte mit zahlreichen übersinnlichen Mystery-Elementen, sodass er sich mit seiner abwechslungsreichen und stimmigen Mischung nicht eindeutig einem einzigen Genre zuordnen lässt, sondern am ehesten im Bereich des „Magischen Realismus“ verortet werden kann.
Im Mittelpunkt der Geschichte steht die junge Wissenschaftlerin und führende Schlafforscherin Mara Lux, die in London lebt und nach dem frühen Unfalltod ihrer Eltern kaum noch Verbindungen nach Deutschland hat. Seit langem hat Mara mit den Traumata ihrer Vergangenheit zu kämpfen; zudem leidet unter schwerer Insomnia, da ihre Träume auf mysteriöse Weise bisweilen real zu werden scheinen.
Mit ihrem ausdrucksstarken, eindringlichen Schreibstil gelingt es der Autorin hervorragend, uns allmählich in die rätselhafte Geschichte rund um die faszinierenden Protagonistin Mara hinein zu ziehen und eine mysteriöse, dichte Atmosphäre herauf zu beschwören. Gekonnt lässt sie interessante Aspekte der Schlafforschung und Traumdeutung in die spannende, vielschichtige Handlung einfließen. Gemeinsam mit Mara begeben wir uns in die deutsche Provinz, um die rätselhaften Hintergründe einer anonymen Erbschaft eines alten, verwunschenen Herrenhauses zu ergründen.
Von Beginn an hat mich besonders der eingestreute zweite Handlungsstrang in seinen Bann gezogen, der aus einer zunächst unbekannten Ich-Perspektive erzählt wird. Seine Bedeutung für die Haupthandlung erschließt sich erst im Verlauf der komplexen Geschichte und sorgt für eine besondere emotionale Tiefe. Die zahlreichen mysteriösen Geschehnisse und übernatürlichen Elemente tragen erheblich zur Spannung bei und verleihen dem Thriller eine besondere Note.
Melanie Raabe gelingt es hervorragend, ihre vielschichtigen Figuren lebendig werden zu lassen. Mit ihren speziellen Eigenarten wirken sie glaubwürdig und sehr authentisch. Insbesondere die geheimnisvolle Hauptfigur Mara ist eine facettenreiche Persönlichkeit, die es allmählich mit ihren unheilvollen Träumen und ihrer einzigartigen Gabe zu ergründen gilt. Anfangs erscheint sie als etwas unnahbar und kontrolliert, geplagt von Ängsten, Schuldgefühlen und Unsicherheiten, den schmerzvollen Dämonen aus der Vergangenheit und ihren beklemmenden Träumen möchte sie sich nicht stellen. Doch je mehr man schließlich über ihr Leben und die mysteriösen Hintergründe erfährt, desto faszinierender wird ihr starker Charakter. Schließlich fiebert man der Auflösung des dunklen Geheimnisses rund um das Herrenhaus Limmerfeldt und den Hintergründen der Erbschaft regelrecht entgegen.
Gekonnt beleuchtet Raabe in ihrem nachdenklich stimmenden Roman auch den Umgang mit Träumen, den Verlust geliebter Menschen und den Geistern der Vergangenheit aus unterschiedlichen Perspektiven.
Die Autorin versteht es, uns mit einer dichten, oft düster-mysteriösen Atmosphäre zu fesseln und mit einigen überraschenden Verwicklungen bis zum stimmigen Ende zu begeistern.
FAZIT
Ein faszinierender, fesselnder Roman - mit einer emotionalen, vielschichtigen Geschichte, interessanten Charakteren und einem tollen Mystery-Flair!

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