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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 29.03.2025

Täuschungen

Ein ungezähmtes Tier
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Zum Inhalt:
Bänker Arpad und Anwältin Sophie führen gemeinsam mit ihren beiden Kindern ein Bilderbuchleben in Genf. Ihre Nachbarn Greg und Karine (Polizist und Verkäuferin) finden das beneidenswert; insbesondere ...

Zum Inhalt:
Bänker Arpad und Anwältin Sophie führen gemeinsam mit ihren beiden Kindern ein Bilderbuchleben in Genf. Ihre Nachbarn Greg und Karine (Polizist und Verkäuferin) finden das beneidenswert; insbesondere Greg verstrickt sich in eine Obsession und beobachtet das Nachbarhaus als Stalker. Dabei findet er Überraschendes heraus.

Mein Eindruck:
Okay, es ist ein Dicker und fast hat man beim mit Lobeshymnen großzügigen Feuilleton das Gefühl, dass das allein reicht, um eine Geschichte in den Himmel zu heben. Technisch ist an dem Buch auch nichts auszusetzen: Es hat genügend Charaktere, um interessant zu sein, aber wenig genug, um diese auszuloten und ihnen Tiefe zu verleihen. Der Aufbau des Buches ist ebenfalls gelungen - die verschiedenen Zeitebenen und Blickwinkel verleihen der Geschichte Spannung. Die mondäne Grundstimmung lässt das Publikum träumen und die Probleme der Charaktere führen dazu, dass man sich auf schäbige Weise sagen kann: Siehst Du, es ist nicht alles Gold, was glänzt.
Aber die Geschichte zieht sich, es werden Nebenkriegsschauplätze aufgetan, die für den Fortgang unerheblich sind. Insbesondere bei der Charakterisierung von Greg beschleicht einen das Gefühl, dass Joel Dicker mit der Ordnungsmacht schlechte Erfahrungen gemacht hat. So mies wird dessen Verhalten geschildert, obwohl die Vergehen, Täuschungen und Schlichen der anderen nicht weniger verachtenswert sind, aber eher als lässliche Sünden durchgehen.
Das Ende ist dann zwar folgerichtig, jedoch enttäuschend. Denn dieses ist nach dem zähen Fluss auf einmal so, als ob ganz schnell alles - und zwar wirklich alles - zu einem Abschluss gebracht werden muss, der keine weiteren Konsequenzen und Fragen offenlässt.
Torben Kessler ist bei der ganzen Story ein verlässlicher Sprecher, welcher die einzelnen Charaktere gut herausarbeitet.

Mein Fazit:
Nicht der beste Dicker

Veröffentlicht am 12.03.2025

Abgründe

Lake
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Zum Inhalt:
Casey, traumatisiert nach dem Tod ihres Mannes und alkoholabhängig, rettet ihre Nachbarin, das Supermodel Katherine, vor dem Ertrinken im See. Aus Langeweile und Neugier (und dank eines scharfen ...

Zum Inhalt:
Casey, traumatisiert nach dem Tod ihres Mannes und alkoholabhängig, rettet ihre Nachbarin, das Supermodel Katherine, vor dem Ertrinken im See. Aus Langeweile und Neugier (und dank eines scharfen Fernglases) beginnt Casey, ihre Nachbarn zu beobachten. Katherine verschwindet, Casey macht sich Sorgen, dass deren Gatte Tom sie ermordet hat, und das Drama nimmt seinen Lauf.

Mein Eindruck:
Beginnt dieses Hörbuch absolut düster und spannend wie ein Krimi, bei dem man über Täter, Motiv und Personenkonstellationen nachdenken darf, bis ein spektakulärer Twist kommt, lässt einen dieser Twist auf jeden Fall sprachlos zurück. Wobei "sprachlos" durchaus in höchst unterschiedlicher Weise zu verstehen ist.
Die Sprecherin gelingt die fast immer traurige Stimmung gut einzufangen und durch ihr warmes Timbre zu vermitteln. Mit der Hauptfigur kann man durchaus hadern, selbst wenn man meint, das depressive Loch durch die plötzliche Witwenschaft nachvollziehen zu können und irgendwie auch zu müssen. Dennoch sind der große Alkoholverbrauch (ganz ehrlich - mit so viel Hochprozentigem intus kann niemand so schön geradeaus denken, wie Casey das immer noch tut) und der Voyeurismus nichts, was man von einer liebenswerten Protagonistin erwartet. Der Autor versteht es dabei gut, die Psyche einer gebrochenen Frau zu zeigen und auch das Ende vermag er mitreißend zu gestalten. Wenn da nicht dieser Twist wäre, der zumindest spaltet.

Mein Fazit:
Die einen sagen so, die anderen sagen so

Veröffentlicht am 20.12.2024

Zerbrechende Freundschaften

Das Wochenende
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Zum Inhalt:
Sie sind Freunde seit der Studienzeit und als einer von ihnen in unberührter Natur einen Glamping-Platz eröffnet, ist es natürlich Ehrensache für alle, das Projekt in Augenschein zu nehmen. ...

Zum Inhalt:
Sie sind Freunde seit der Studienzeit und als einer von ihnen in unberührter Natur einen Glamping-Platz eröffnet, ist es natürlich Ehrensache für alle, das Projekt in Augenschein zu nehmen. Dann zieht jedoch ein Sturm auf, der Strom fällt aus, Netz gibt es keins und auf die Kinder wurde ebenfalls nicht wirklich aufgepasst. Die beginnende Panik führt dazu, dass die Nerven blank liegen und so einige unbequeme Wahrheiten ans Licht kommen.

Mein Eindruck:
Beide Sprecher (Anne Düe und Günther Harder) machen ihre Sache gut. Sie bringen die Aufregung der Figuren nahe und man kann sich in die verschiedenen Charaktere einfühlen. Dass die Geschichte trotzdem nicht so wirklich als der avisierte Thriller funktioniert, liegt an den eher einfach gezeichneten Figuren, die dafür komplex problembehaftet sind. So entwickelt sich vor allen Dingen ein Drama und wer "die Leiche" aus dem Klappentext ist, wird durch die verschiedenen Erzählebenen klar. Die Story wird nämlich nicht stringent erzählt, sondern abwechselnd in der Vergangenheit vor bzw. während und in der Gegenwart nach dem Sturm; jeweils an einer Person aufgehängt und aus deren Blickwinkel. Ein/e echte/r Protagonist/in schält sich dabei nicht heraus und da es der Personen viele sind, zerbröseln die durch die Leserschaft verteilbaren Sympathiepunkte in Krümelchen. Zum Schluss liegt ziemlich viel in Scherben und es ist einem trotzdem nicht wirklich wichtig. Das ist schade.

Mein Fazit:
Keine echten Höhepunkte, zu viel Drama, zu wenig Thriller

Veröffentlicht am 27.10.2024

Dunkle Geschäfte

Cry Island – Im Schatten verborgen. Wartet auf dich. Das Grauen.
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Zum Inhalt:
Nach ihrer gescheiterten Ehe freut sich Ruth über ihren Neuanfang als Pflegerin eines Milliardärs auf Morris Island. Die Insel heißt im Volksmund "Cry Island" und Ruth darf sich bald selber ...

Zum Inhalt:
Nach ihrer gescheiterten Ehe freut sich Ruth über ihren Neuanfang als Pflegerin eines Milliardärs auf Morris Island. Die Insel heißt im Volksmund "Cry Island" und Ruth darf sich bald selber davon überzeugen, dass nachts Schreie zu hören sind. Gemeinsam mit der Köchin Rosie will sie das Geheimnis aufklären und begibt sich dadurch in Gefahr.

Mein Eindruck:
Das Buch ist durchaus spannend und die Thematik auf der Höhe der Zeit, die Figuren hätten jedoch etwas mehr Tiefe und Differenzierung benötigt. Denn entweder sind sie lieb und nett (und manchmal sehr naiv) oder abgrundtief böse, - die lebensechten Graustufen gibt es nicht. Dadurch gibt es leider auch keine überraschenden Wendungen, die Geschichte zieht die nervenaufreibenden Momente aus Verfolgungsjagden und der feindlichen Umgebung (wasserumtoste Insel ohne Handynetz). Das Ende kommt dann überstürzt, hat aber noch einen sympathischen Epilog zu bieten.

Mein Fazit:
Popcorn - zwar nicht besonders gehaltvoll, aber irgendwie lecker

Veröffentlicht am 22.09.2024

Golden Girls mit krimineller Spürnase

Der Rommé-Club ermittelt
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Zum Inhalt:
Als der Verbandsbürgermeister stirbt, ist man im Eifelörtchen Himmelrath höchst überrascht - galt er doch als allseits beliebt. Vier Freundinnen, die gemeinsam Rommé spielen, mischen sich ein, ...

Zum Inhalt:
Als der Verbandsbürgermeister stirbt, ist man im Eifelörtchen Himmelrath höchst überrascht - galt er doch als allseits beliebt. Vier Freundinnen, die gemeinsam Rommé spielen, mischen sich ein, einerseits, um ein bisschen Pepp in den Alltag zu bringen, andererseits, weil der Bruder Barbaras der ermittelnde Kommissar und Evelyne mit der Frau des Opfers befreundet ist.

Mein Eindruck:
So ein bisschen kupfert die Autorin Birgit Zimmermann von der Fernsehserie "Golden Girls" ab - eine temperamentvolle Halbitalienerin mit einer Tochter, die den Stock im Hintern trägt, dazu eine an Männern interessierte (da geschiedene) Freundin und eine eher handfeste Bäuerin vom Land - wenn auch nicht ganz so überzeichnet, sind die Parallelen deutlich zu erkennen. Die Handlung bleibt dabei immer bei Evelyne, die Erkenntnisse der anderen Frauen erfahren die Leser wie diese Figur nur aus Gesprächen. Da das so ist, treten die Ermittlungen schnell in den Hintergrund und der Roman befasst sich viel mehr mit dem Liebesleben seiner Hauptfigur. Das ist zwar charmant, umso mehr, als dass die Facette "Liebe im Alter" nicht oft am literarischen Horizont glitzert - und die Autorin verstärkt das Funkeln noch dadurch, dass sie sehr viele der weiblichen Figuren in unterschiedlichsten Formen von der Liebe treiben lässt. Diese Strahlkraft wird jedoch so stark, dass sie die Krimihandlung verblassen lässt und diese - nach dem Abhaken fast jeder Person als "verdächtig, nein, doch nicht" - letztendlich in einer Aufklärung mündet, die nicht unbedingt überzeugt.

Mein Fazit:
Verspricht im Klappentext ein anderes Buch, trotzdem gut zu lesen