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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 28.04.2025

Wem kannst du vertrauen?

Die Bucht
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Nancy und Calder wagen einen Neuanfang auf einer kleinen schottischen Insel, auf der sie das Haus von Calders verstorbenen Eltern beziehen. Die Autorin beschreibt das schottische Klima, die Inselbewohnerinnen ...

Nancy und Calder wagen einen Neuanfang auf einer kleinen schottischen Insel, auf der sie das Haus von Calders verstorbenen Eltern beziehen. Die Autorin beschreibt das schottische Klima, die Inselbewohnerinnen und ihre Eigenheiten sowie die Bräuche so gut, dass man sich als Leserin wie ein Teil der Inselgemeinschaft fühlt. Ich finde die Atmosphäre sehr gut gelungen, düster und unheilvoll, man hat das Gefühl, es passiert jeden Moment ein Unglück, das mag ich sehr gerne. Inhaltlich kommen einige Wendungen vor, vor allem nach Calders Unfall weiß Nancy nicht mehr, wem sie vertrauen kann oder ob er sich verändert hat oder das Umfeld oder der Unfall Schuld daran sind. Die Verzweiflung von Nancy ist durchwegs gut spürbar. Inhaltlich war mir der Schluss etwas zu konstruiert, hier hätten etwas weniger Zufälle sein können und manche Inselbewohner*innen entsprechen den Klischeevorstellungen, aber ansonsten habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt, bin durch das Buch gerauscht, wie das Unwetter auf der Insel und habe mit Nancy mitgefühlt und mitgelitten.

Veröffentlicht am 24.04.2025

ungewöhnlich

Der letzte Mord am Ende der Welt
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Der Autor nimmt uns mit auf eine gedankliche Reise, auf die ich mich zuerst etwas einstellen musste, da die Vorstellung ungewöhnlich ist. Durch den Mix an Genres ist es für mich spannend zu lesen, wenn ...

Der Autor nimmt uns mit auf eine gedankliche Reise, auf die ich mich zuerst etwas einstellen musste, da die Vorstellung ungewöhnlich ist. Durch den Mix an Genres ist es für mich spannend zu lesen, wenn auch ungewohnt und es erfordert ein gewisses Maß an Konzentration, man rauscht nicht durch die Seiten, wie bei weniger anspruchsvollen Themen. Die Suche nach einem Mörder hat einige Überraschungen parat und gestaltet sich kurzweilig und spannend. An manchen Stellen fühlte ich mich allerdings durch das Ausmaß an zusätzlichen Informationen etwas überfordert, das hätte ich in diesem Umfang nicht unbedingt benötigt. Das Ende hat mich dann inhaltlich wieder überrascht, sodass ich auch auf weitere Bücher des Autors neugierig geworden bin.

Veröffentlicht am 20.12.2024

kleine Veränderung - große Auswirkungen

The Freedom Clause
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Der Roman beginnt mit Alltagssituationen aus dem Leben von Daphne und Dominic, die sich schon sehr früh kennengelernt haben und nun in einer Beziehungsflaute feststecken. Um das Liebesleben wieder aufzupeppen, ...

Der Roman beginnt mit Alltagssituationen aus dem Leben von Daphne und Dominic, die sich schon sehr früh kennengelernt haben und nun in einer Beziehungsflaute feststecken. Um das Liebesleben wieder aufzupeppen, hat Dominic die Idee, dass sie sich ein Mal pro Jahr mit einer anderen Person vergnügen dürfen, ohne Konsequenzen. Schnell ist ein Vertrag aufgesetzt und Daphne ist nicht begeistert, wird aber überrumpelt.
Mit den Auswirkungen, vor allem in Daphnes Leben, hätte sie selbst am allerwenigsten gerechnet. Während Dominic sich nicht an die Regeln hält, eine Affäre beginnt und sich beruflich in eine Abwärtsspirale befindet, läuft es überraschenderweise für Daphne unerwartet glatt und erfolgreich, in jeder Hinsicht. Sehr gut gefällt mir ihre charakterliche Entwicklung. Zu Beginn war sie unsicher und abhängig, wird aber immer selbstbewusster, auch durch den Zuspruch auf ihrem Blogg und durch neue Bekanntschaften. Man merkt förmlich, wie sie aufblüht und dadurch auch beruflich erfolgreich wird, da sie sich zutraut, ihre kreativen Ideen umzusetzen. Dominic kann mit der sich veränderten Situation immer schlechter umgehen und wünscht sich sein altes Leben und seine frühere Daphne zurück, die es jetzt aber so nicht mehr gibt. Wollen sie ihrer Beziehung noch eine Chance geben? Ist eine eingeschlafene Beziehung besser als alleine zu sein? Diese Fragen stellt sich vor allem Daphne. Durch ihren neu gewonnenen Elan und ihr Selbstvertrauen, verkauft sie sich nicht mehr unter ihrem Wert. Personen, die einem im Leben nicht gut tun, auf die kann man gut und gerne verzichten. Auch wenn die Umstellungsphase hart ist, im Endeffekt lohnt es sich.
Kleine Veränderungen an einer alltäglichen Situation können so große Ereignisse auslösen und das gesamte Leben verändern. Schön zu sehen sind vor allem die positiven Veränderungen bei Daphne. Der Roman hat mich positiv überrascht, ich hätte mir nicht so tiefgreifende Überlegungen erwartet.

Veröffentlicht am 04.09.2024

Cold Case und Lost Place

Gnadenkalt
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Den ersten Teil der Serie habe ich leider nicht gelesen, trotzdem war es für mich einfach schnell in die Geschichte hineinzufinden. Das liegt einerseits daran, dass der Erzählstil beschreibend und mitreißend ...

Den ersten Teil der Serie habe ich leider nicht gelesen, trotzdem war es für mich einfach schnell in die Geschichte hineinzufinden. Das liegt einerseits daran, dass der Erzählstil beschreibend und mitreißend ist, aber auch, weil der Ermittlungsfall selbst in sich abgeschlossen ist. Wie das Privatleben von Cora und Till vorher abgelaufen ist, kann ich leider nicht beurteilen, aber in diesem Teil tut sich in privaten, beziehungsrelevanten Angelegenheiten einiges. Der Cold Case rund um das Kurgelände ist spannend aufgebaut und natürlich muss Cora hier mitwirken, nachdem sie in der Nachbarschaft wohnt, da würde sie gar nicht anders können. Spannend finde ich auch die Erzählungen der älteren und teilweise schon sehr alten Leute, wie sie die damalige Zeit in Bezug auf Krankheiten, Impfungen und medizinischen Studien in Erinnerung haben und davon berichten. Kombiniert mit dem aktuellen Interesse am Lost Place finde ich, ist daraus ein sehr gelungener und durchwegs spannender Fall geworden. Über eine Fortsetzung würde ich mich freuen!

Veröffentlicht am 20.03.2024

Schattenseite und Chance zugleich

Die Influencerin
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Der Thriller hat einen sehr angenehmen Erzählstil aus Sicht von Sarah und zwischendurch kurze Eindrücke in Form von Kommentaren, die die Influencerin erhält, sowie kurze Kapitel aus Sicht einer weiteren ...

Der Thriller hat einen sehr angenehmen Erzählstil aus Sicht von Sarah und zwischendurch kurze Eindrücke in Form von Kommentaren, die die Influencerin erhält, sowie kurze Kapitel aus Sicht einer weiteren Person, von der lange Zeit unklar ist, um wen es sich handelt.
Sehr gut gefallen haben mir die familiären Eindrücke, wie sich die Arbeit von Sarah auf die gesamte Familie auswirkt, aber auch, wie es sich auswirkt, wenn Sarah ihren Account stilllegt und gestalkt wird. Jede*r aus der Familie geht anders mit der Situation um, die Tochter im Teenageralter ist hin- und hergerissen und gerät zwischen die Fronten, Sarah möchte nach dem Selbstmord einer Followerin nicht mehr so oberflächlich weiterarbeiten und ihr Mann und gleichzeitig Manager sieht sie als Einnahmequelle und drängt auf Profit. Zusätzlich kommen noch Unstimmigkeiten mit ihrer Assistentin und Adoptivschwester hinzu sowie Probleme mit einer demenzkranken Mutter und deren Pflegerin. Mehr Personen sind nicht involviert, der Radius ist relativ eingeschränkt, es spielt sich alles in einem kleinen Kreis der Verdächtigen ab. Sarah ist sich sicher, dass von ihr privat verwendete Fotos, die für einen Fake-Account verwendet werden, aus ihrem unmittelbaren Umfeld stammen müssen, denn nur gewisse Personen haben uneingeschränkten Zugang. Wem traut Sarah es am ehesten zu, sie so verletzen und zerstören zu wollen? Dieser Frage muss sie sich stellen und die Antwort darauf wird unschön werden.
Gelungen finde ich, dass Sarah durch die Aktion aufgerüttelt wird, aus ihrem Alltagstrott herausfindet und für sich selbst weiß, dass sie so nicht mehr weiter arbeiten möchte, sondern in Zukunft eine sinnvollere Arbeit bevorzugt. Somit hat diese beängstigende und negative Aktion auch einen kleinen Vorteil. Aber für wen entwickelt sie sich zum Nachteil? Gut finde ich auch, dass Sarah als Influencerin nicht im typischen Teenageralter ist, sondern schon eine reifere Frau und Mutter.
An gewissen Stellen hätte ich mir für einen Thriller noch mehr „thrill“ gewünscht, aber ansonsten habe ich mich sehr gut unterhalten gefühlt und die verpackte Botschaft, mehr auf seine Mitmenschen zu achten und weniger oberflächlich zu sein, ist angekommen.