Wow was für eine Geschichte!
Wintertöchter Trilogie„Wintertöchter“ ist eine spannende, emotionale und fesselnde Familiensaga über mehrere Generationen hinweg, die hier in einer Gesamtausgabe vorliegt.
Im ersten Buch erfahren wir das Schicksal von Marie, ...
„Wintertöchter“ ist eine spannende, emotionale und fesselnde Familiensaga über mehrere Generationen hinweg, die hier in einer Gesamtausgabe vorliegt.
Im ersten Buch erfahren wir das Schicksal von Marie, die zunächst glücklich mit ihrem Mann Anton auf dem Julianenhof in dem kleinen Bergdorf Forstau im Salzburgischen lebt. Es ist Anfang Jänner 1940 und ein strenger Winter mit meterhohem Schnee als bei Marie die Wehen einsetzen. Sie schickt Anton ins Dorf hinunter, um ihre Ziehschwester, die Hebamme Barbara, zu holen. Doch Anton wird das Dorf nie erreichen und Marie bringt ihre Tochter Anna alleine zur Welt. Recht bald bemerkt Marie, dass Anneli, wie sie ihre Tochter nennt, jene Gabe mitbekommen hat, über die Barbara verfügt wie die Urahnin Juliana. Eine Gabe, die nur über die weibliche Linie weitergegeben werden kann und sorgsam gehütet werden muss.
Mehrere Jahre leben Marie und Anneli im Rhythmus der Jahreszeiten im Sommer auf dem Berg, im Winter im Tal. Doch als der charmante, dunkelhaarige Roman auftaucht, ändert sich das Leben der beiden von Grund auf. Er ist zunächst fürsorglich, doch bald zeigt er sein wahres Gesicht: Als sich Marie weigert, ihm den Julianenhof, der ihr von ihrer Urahnin Juliana einst vererbt worden ist, zu überschreiben, wird er Mutter und Tochter gegenüber gewalttätig. Die Frauen können sich nicht wehren. Die Leidensgeschichte, in deren Verlauf die minderjährige Anneli Zwillinge bekommt, endet erst als Roman zu einer Bergtour aufbricht und nicht wiederkommt.
Wir erfahren wie es mit Anneli und Barbara weitergeht. Nach einem Brand im Dorf, bei dem drei Jugendliche und Elsbeth, ein behindertes Mädchen, ums Leben kommen. lüftet Barbara dem ermittelnden Polizisten ein kleines Zipfelchen ihres Geheimnisses
„Ich überlasse es dir, ob du mir glaubst und was du damit anfängst, Sepp. Wir nennen es die Gabe und nur die Frauen unserer Familie sind damit behaftet. Doch es wäre gut, wenn du uns daraus hältst. Niemand weiß davon und so soll, so muss es auch bleiben!“
Im dritten Band machen wir einen großen Sprung durch Zeit und Raum in das Jahr 2004 nach Heidelberg zu den Zwillingen Christina und Helena, die in Aussehen und Wesen unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine dunkelhaarig und unstet, die andere weißblond und, nun ja, super intelligent, aber anders.
Dann erhält Helena mehrere handgeschriebene Tagebücher anonym zugesendet. Nach deren Lektüre und einem Eklat bei der Geburtstagsfeier der Zwillinge, brechen die beiden auf, um sich auf die Spuren der geheimnisvollen Autorin zu begeben.
Meine Meinung:
Wow, was für eine Geschichte! Ich habe die 1.243 Seiten an einem Wochenende verschlungen!
Zunächst bleibt die Gabe ja ein wenig nebulös. Es gibt Andeutungen, dass sie neben Kräuter- und Heilkunde auch so etwas das „Zweite Gesicht“ bedeutet. Die Gabe ist auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Barbara hat die Einführung in das alte Wissen von Juliana gelernt bzw. erklärt bekommen, bei Marie ist sie kaum ausgebildet und bei Anneli ziemlich stark ausgeprägt. Im dörflichen Umfeld denken sich manche ihren Teil, sprechen aber öffentlich nicht darüber. Diese Gabe muss sorgfältig gehütet werden, da sie vielen Menschen Angst einflößt.
Das Buch ist fesselnd geschrieben. Es entwickelt eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Das Verhalten mancher Dorfbewohner, die sehr wohl mitbekommen haben, was sich auf dem Julianenhof abspielt und betreten geschwiegen haben, ist erschreckend, kommt aber leider heute auch noch vor. Ob aus Angst davor, Verantwortung zu übernehmen oder Bequemlichkeit, ist nicht leicht zu beurteilen.
Das Buch beschäftigt sich mit Ausgrenzen und ausgegrenzt werden sowie mit lange zurückliegenden Traumata aus der Kindheit. Die sollen nicht als Entschuldigung für Verbrechen dienen, können aber eine Erklärung sein.
Fazit:
Eine komplexe Familiengeschichte, die mich in den Banne gezogen hat, weshalb ich ihr 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.