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Venatrix

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 31.12.2024

Wow was für eine Geschichte!

Wintertöchter Trilogie
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„Wintertöchter“ ist eine spannende, emotionale und fesselnde Familiensaga über mehrere Generationen hinweg, die hier in einer Gesamtausgabe vorliegt.

Im ersten Buch erfahren wir das Schicksal von Marie, ...

„Wintertöchter“ ist eine spannende, emotionale und fesselnde Familiensaga über mehrere Generationen hinweg, die hier in einer Gesamtausgabe vorliegt.

Im ersten Buch erfahren wir das Schicksal von Marie, die zunächst glücklich mit ihrem Mann Anton auf dem Julianenhof in dem kleinen Bergdorf Forstau im Salzburgischen lebt. Es ist Anfang Jänner 1940 und ein strenger Winter mit meterhohem Schnee als bei Marie die Wehen einsetzen. Sie schickt Anton ins Dorf hinunter, um ihre Ziehschwester, die Hebamme Barbara, zu holen. Doch Anton wird das Dorf nie erreichen und Marie bringt ihre Tochter Anna alleine zur Welt. Recht bald bemerkt Marie, dass Anneli, wie sie ihre Tochter nennt, jene Gabe mitbekommen hat, über die Barbara verfügt wie die Urahnin Juliana. Eine Gabe, die nur über die weibliche Linie weitergegeben werden kann und sorgsam gehütet werden muss.

Mehrere Jahre leben Marie und Anneli im Rhythmus der Jahreszeiten im Sommer auf dem Berg, im Winter im Tal. Doch als der charmante, dunkelhaarige Roman auftaucht, ändert sich das Leben der beiden von Grund auf. Er ist zunächst fürsorglich, doch bald zeigt er sein wahres Gesicht: Als sich Marie weigert, ihm den Julianenhof, der ihr von ihrer Urahnin Juliana einst vererbt worden ist, zu überschreiben, wird er Mutter und Tochter gegenüber gewalttätig. Die Frauen können sich nicht wehren. Die Leidensgeschichte, in deren Verlauf die minderjährige Anneli Zwillinge bekommt, endet erst als Roman zu einer Bergtour aufbricht und nicht wiederkommt.

Wir erfahren wie es mit Anneli und Barbara weitergeht. Nach einem Brand im Dorf, bei dem drei Jugendliche und Elsbeth, ein behindertes Mädchen, ums Leben kommen. lüftet Barbara dem ermittelnden Polizisten ein kleines Zipfelchen ihres Geheimnisses

„Ich überlasse es dir, ob du mir glaubst und was du damit anfängst, Sepp. Wir nennen es die Gabe und nur die Frauen unserer Familie sind damit behaftet. Doch es wäre gut, wenn du uns daraus hältst. Niemand weiß davon und so soll, so muss es auch bleiben!“

Im dritten Band machen wir einen großen Sprung durch Zeit und Raum in das Jahr 2004 nach Heidelberg zu den Zwillingen Christina und Helena, die in Aussehen und Wesen unterschiedlicher nicht sein könnten. Die eine dunkelhaarig und unstet, die andere weißblond und, nun ja, super intelligent, aber anders.

Dann erhält Helena mehrere handgeschriebene Tagebücher anonym zugesendet. Nach deren Lektüre und einem Eklat bei der Geburtstagsfeier der Zwillinge, brechen die beiden auf, um sich auf die Spuren der geheimnisvollen Autorin zu begeben.

Meine Meinung:

Wow, was für eine Geschichte! Ich habe die 1.243 Seiten an einem Wochenende verschlungen!

Zunächst bleibt die Gabe ja ein wenig nebulös. Es gibt Andeutungen, dass sie neben Kräuter- und Heilkunde auch so etwas das „Zweite Gesicht“ bedeutet. Die Gabe ist auch unterschiedlich stark ausgeprägt. Barbara hat die Einführung in das alte Wissen von Juliana gelernt bzw. erklärt bekommen, bei Marie ist sie kaum ausgebildet und bei Anneli ziemlich stark ausgeprägt. Im dörflichen Umfeld denken sich manche ihren Teil, sprechen aber öffentlich nicht darüber. Diese Gabe muss sorgfältig gehütet werden, da sie vielen Menschen Angst einflößt.

Das Buch ist fesselnd geschrieben. Es entwickelt eine Sogwirkung, der man sich kaum entziehen kann. Das Verhalten mancher Dorfbewohner, die sehr wohl mitbekommen haben, was sich auf dem Julianenhof abspielt und betreten geschwiegen haben, ist erschreckend, kommt aber leider heute auch noch vor. Ob aus Angst davor, Verantwortung zu übernehmen oder Bequemlichkeit, ist nicht leicht zu beurteilen.

Das Buch beschäftigt sich mit Ausgrenzen und ausgegrenzt werden sowie mit lange zurückliegenden Traumata aus der Kindheit. Die sollen nicht als Entschuldigung für Verbrechen dienen, können aber eine Erklärung sein.

Fazit:

Eine komplexe Familiengeschichte, die mich in den Banne gezogen hat, weshalb ich ihr 5 Sterne und eine Leseempfehlung gebe.

Veröffentlicht am 24.12.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Dein ist die Macht
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Als in einer heißen Juni-Nacht, just während des alljährlichen Charity-Balls der Enthüllungsjournalist Richard Vogel tot aufgefunden wird, ist noch nicht klar, welche Folgen Vogels Tod haben wird, denn ...

Als in einer heißen Juni-Nacht, just während des alljährlichen Charity-Balls der Enthüllungsjournalist Richard Vogel tot aufgefunden wird, ist noch nicht klar, welche Folgen Vogels Tod haben wird, denn zunächst weiß man nicht einmal, ob Fremdverschulden vorliegt. Nur Richards Vater, Erich Vogel, ist überzeugt davon, dass sein Sohn ermordet worden ist. Er kontaktiert Inspektorin Dorothea Keusch von der Polizeiinspektion Kufstein, die er für die einzige unbestechliche und nicht in die Machenschaften des Polizeiapparates verwickelte Person hält.

Als sich dann herausstellt, dass Richard Vogel tatsächlich vergiftet worden ist, soll ausgerechnet Chefinspektor Konstantin Schmitt vom LKA, ermitteln; dessen Patenonkel der von Erich Vogel verdächtige Polizeipräsident Martin Grazer ist. Dazu muss man wissen, dass Patenonkel oder Patentante (Göd oder Godl) in Tirol eine besondere Bedeutung zukommt.

Allerdings ist Grazer nicht der einzige, dem eine unangenehme Enthüllung durch den Journalisten gedroht hätte, weshalb die Auswahl an potenziellen Tätern so groß wie nie ist.

Abermals beginnt Dorothea Keusch auf eigene Faust zu recherchieren und gefährdet damit nicht nur ihre Karriere bei der Polizei, sondern auch die Freundschaft mit ihrer Kollegin Veronika, die selbst jede Menge private Sorgen hat. Dabei stößt Dorothea auf Ereignisse in der Vergangenheit, deren Folgen sich bis in die Gegenwart fortsetzen. Wird es ihr gelingen den Job zu behalten, den Täter zu finden und gleichzeitig ihre Gefühle für Chefinspektor Konstantin Schmitt im Zaum zu behalten?

Meine Meinung:

Den Polizeipräsidenten des Mordes zu verdächtigen ist schon ein ziemlich starkes Stück. Kann man sich in einer Person so täuschen? Oder ist alles ganz anders? Die Idee hat mir recht gut gefallen. Dass der eine oder andere hochrangige Polizeibeamte Dreck am Stecken hat, ist durchaus möglich, aber Mord?

Nach ihrem ersten Fall („Dein ist die Schuld“) schlittert Dorothea Keusch, die eigentlich Archäologin ist und erst auf dem zweiten Bildungsweg Polizistin geworden ist, in diesen brisanten Fall. Nach wie vor beschäftigt sie der unklare Tod ihres Vaters, den sie unbedingt aufklären will.

Obwohl sie eigentlich für ihre Dienstprüfung lernen muss, die sie in wenigen Tagen stattfinden soll, lässt ihr der Fall Richard Vogel keine Ruhe. Sie ermittelt auf eigene Faust und entdeckt erschütternde Schicksale der Vergangenheit und in der Gegenwart. Dass sie sich bei ihrem Vorgesetzten gehörig in die Nesseln setzt, ist natürlich auch vorprogrammiert, denn der hat mit Frauen im Allgemeinen und mit intelligenten Quereinsteigerinnen im Speziellen ein persönliches Problem.

Maria Höfle schafft es, ihren Leserinnen und Lesern einen fesselnden Krimi zu präsentieren, der durch zahlreiche unerwartete Wendungen den Spannungsbogen hoch zu halten.

Fazit:

Gerne gebe ich dieser gelungenen Fortsetzung 5 Stern. Der dritte Fall wartet schon auf mich.

Veröffentlicht am 23.12.2024

Fesselnd bis zur letzten Seite

Im Schatten des Sommers
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Als die deutsche Tierärztin Sophia Mildner einen Anruf der französischen Polizei erhält, die ihr mitteilt, dass ein bislang nicht identifizierter, bei einem Autounfall schwer verletzter Mann gefunden worden ...

Als die deutsche Tierärztin Sophia Mildner einen Anruf der französischen Polizei erhält, die ihr mitteilt, dass ein bislang nicht identifizierter, bei einem Autounfall schwer verletzter Mann gefunden worden ist, der ein altes Foto bei sich getragen hat, auf dem niemand anderes als Sophia im Kleinkindalter und ihre Mutter abgebildet ist, kommt ihr Kindheitstrauma wieder zum Vorschein. Sie setzt sich gemeinsam mit ihrem Hund Tim ins Auto und fährt nach Südfrankreich, wo vor mehr als zwanzig Jahren ihre Eltern und ihr kleiner Bruder auf unerklärliche Weise verschwunden sind.

Wird dieser Mann Licht ins Dunkel rund um das Drama ihrer Familie bringen können?

Gleich nach ihrer Ankunft gerät sie mit dem aktuell ermittelnden Polizisten Nicolas Rousseau aneinander, dessen Vater seinerzeit ermittelt hat und nun nach einem Schlaganfall in einem Pflegeheim lebt. Dabei verbindet die beiden mehr, als sie ahnen …

Neben den Ermittlungen liegt der Fokus dieses Krimis auf Antoine, einem jungen Mann, der zahlreiche Geheimnisse hat und sich eigenartig verhält. Welche Rolle spielt er in diesem Krimi?

Meine Meinung:

Silke Ziegler ist hier ein fesselnder Kriminalroman gelungen, der die Ereignisse der Vergangenheit mit den aktuellen sehr gut verknüpft.

Sophia Midler will endlich wissen, was damals wirklich passiert ist als man von ihren Eltern und dem kleinen Bruder nur eine riesige Blutlacke gefunden hat. Die Körper blieben verschwunden. Sie hat nur überlebt, weil sie zuvor mit ihrer Mutter gestritten hat und ihm Auto auf dem Parkplatz des Supermarktes zurückgeblieben ist.

Commissaire Nicolas Rousseau ist gefangen zwischen der Faszination der Tierärztin und der Wut auf sie, gibt er doch dem Kriminalfall rund um ihre Eltern die Schuld daran, dass sein Vater nun ein Pflegefall ist. Hinter seiner rauen, oft ziemlich abweisenden Schale steckt ein tief verletzter Mann, denn er war noch ein Jugendlicher als die Katastrophe über seine Familie hereingebrochen ist. Außerdem hat er Probleme seiner Mutter einen neuen Partner zu gönnen und macht sich Sorgen um seine Schwester, die durch eine leichte Form von Trisomie 21 behindert ist. Dass sie nun in eine betreute Wohngruppe ausziehen möchte, passt ihm auch nicht. Es scheint, als fühlte er sich nicht mehr gebraucht.

Auf Grund Sophias Hartnäckigkeit nimmt er sie auf die Spurensuche nach der Vergangenheit mit. Zahlreiche Recherchen der Beiden verlaufen in Sackgassen und andere enthüllen kleine Puzzleteilchen eines gigantischen Verbrechens. Die Auflösung ist nach zahlreichen erwarteten und unerwarteten Wendungen gelungen.

Die Charaktere sind sehr gut angelegt. Am besten gefällt mir natürlich Nicolas Schwester XXX. Die Liebesgeschichte zwischen Nicolas und Sophia nimmt stellenweise für meinen Geschmack ein wenig zu viel Raum ein. Ich musste einige Male über Nicolas schmunzeln, denn Small Talk mit Frauen ist nicht seine Stärke. So manche Bemerkung kann auch missverstanden werden.

Fazit:
Ein spannender Krimi, der uns in menschliche Abgründe führt. Gerne gebe ich hier 5 Sterne.

Veröffentlicht am 22.12.2024

Eine gelungene Fortsetzung

Es muss nicht immer Grappa sein
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In diesem 18. Fall, dessen Titel an Johannes Mario Simmels Werk „Es muss nicht immer Kaviar sein“ erinnert, muss sich Maria Grappa genau mit jenen salzigen Fischeiern, die so gar nicht mag, beschäftigen. ...

In diesem 18. Fall, dessen Titel an Johannes Mario Simmels Werk „Es muss nicht immer Kaviar sein“ erinnert, muss sich Maria Grappa genau mit jenen salzigen Fischeiern, die so gar nicht mag, beschäftigen. Warum? Die 78-jährige Ekaterina Schöderlapp wird mit einer Plastiktüte auf der das Logo einer bekannten Feinkosthandlung prangt, erstickt. Nicht nur die Mordmethode spricht dafür, dass es sich bei der Ermordeten nicht um eine harmlose Oma handelte, sondern auch die in deren Wohnung gestapelten 35 kg Kaviar in Dosen mit einem Wert von mehr als 30.000 Euro.

Während Grappa und die Polizei noch mit der Schöderlapp beschäftigt sind, gibt es am selben Tag einen weiteren Toten: Der bekannte Akt-Fotograf Hein Carstens wird mit einem zertrümmerten Schädel in einem Hotel aufgefunden. Der wiederum hat von Filmsternchen Kiki Moreno, die eben die 356. Folge der Soap "Gute Tage - Schlechte Tage" abgedreht hat, Nacktfotos angefertigt. Blöderweise ist Kiki die Geliebte des russischen Kaviarkönigs Boris Gogol.

Zwei Morde an einem Tag - so etwas hat Bierstadt noch nicht gesehen. Natürlich steckt Maria Grappa ihre neugierige Nase in beide Fälle und entdeckt einen nicht ungefährlichen Zusammenhang.

Meine Meinung:

Gabriella Wollenhaupt lässt ihre Leserschaft an den Dreharbeiten der täglichen Soap "Gute Tage - Schlechte Tage" teilhaben. Wir dürfen den Intrigen, Pleiten und Pannen sowie den Eifersüchteleien und Launen der Produzenten und Schauspielerinnen ebenso folgen wie dem abstrusen Ideen eines angeblichen Drehbuches. Herrlich, wie die Autorin die Serien aufs Korn nimmt!

Nebenbei muss Maria Grappa einen herben Verlust ihrer bisherigen Spürnasen-Karriere hinnehmen: KHK Brinkhoff geht in Pension und der Nachfolger Dr. Friedemann Kleist ist ein ganz anderes Kaliber, der nicht nur in seiner Abteilung als schräg wahrgenommen wird, sondern auch mit Maria Grappa wenig anzufangen weiß. Doch wie man die Journalistin und ihre Schöpferin kennt, wird sich Maria Grappa mit ihre großen Klappe den Friedemann schon herrichten. Ich denke, da kommen interessante Krimis mit amüsanten Szenen auf uns zu.

Fazit:

Gerne gebe ich diesem 18. Fall für Maria Grappa 5 Sterne.

Veröffentlicht am 21.12.2024

Eine klare Leseempfehlung!

Die Akte Graz
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Dieser Krimi ist dem Vernehmen nach der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe, der in der Hauptstadt der Steiermark, in Graz, spielt.

Worum geht’s?

Chefinspektorin Marlene Kranz ist vor Kurzem aus Wien ...

Dieser Krimi ist dem Vernehmen nach der Auftakt zu einer neuen Krimi-Reihe, der in der Hauptstadt der Steiermark, in Graz, spielt.

Worum geht’s?

Chefinspektorin Marlene Kranz ist vor Kurzem aus Wien in ihre Heimat Graz zurückgekehrt. Nicht ganz freiwillig, wie es scheint. Noch bevor sie sich so richtig eingelebt hat, muss sie sich schon bewähren. Denn am Morgen nach der Eröffnung der Fotoausstellung des berühmten Fotografen Gustav Zierach im Grazer Kunsthaus wird Alexandra Walfrad, die für Zierach auf der bekannten Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg für ein Foto Modell gestanden hat, ist just auf jener Treppe, genau wie auf dem Foto inszeniert, tot aufgefunden.

Für Marlene Kranz und ihr Team beginnt die mühevolle Kleinarbeit, denn die Gästeliste der Vernissage umfasst mehrere Hundert Personen. Hilfreich erweist sich, dass ausgerechnet Marlenes Schulfreund Franky als Pressefotograf Tausende Fotos von der Veranstaltung gemacht hat und die Stimmung dort auf seinen Bildern eingefangen hat.

Wenig später wird ein weiteres Fotomodell vermisst. Zufall? Oder hat es hier jemand auf schöne Frauen abgesehen?
Jedenfalls ergreift Marlene Kranz mit Rückendeckung ihres Vorgesetzten ungewöhnliche Maßnahmen. Unterstützung erhält sie dabei nicht nur von einem jungen Streifenbeamten und ihrem Kollegen sondern auch von Franky.

Meine Meinung:

Gleich vorweg, ich habe diesen Krimi in einer Nacht gelesen. Da ich Graz, die Hauptstadt der Steiermark, und ihre verwinkelten Gassen wie die Sporgasse recht gut kenne, habe ich mich gleich wie zu Hause gefühlt, und war gleich mitten im Geschehen rund um das Kunsthaus Graz. Schmunzeln musste ich über die Aktion mit der Einsatzgruppe Cobra auf dem Grazer Hausberg Schöckl.

Margot Mühlfellner schafft es, die Spannung stets zu steigern und den Spannungsbogen hoch zu halten.

Die Charaktere, vor allem Marlene sind sehr gut gezeichnet. Niemand, außer ihrem Vorgesetzten weiß, warum sie sich von Wien nach Graz versetzen hat lassen und warum sie ihren Kollegen, trotz des steirischen Brauch, alle zu duzen, so distanziert erscheint. Auch die Leser wissen es nicht, doch in kleinen Portionen erfahren wir, dass in Wien etwas passiert sein muss, was Marlene Kranz aus dem Gleichgewicht geworfen hat. Dazu verwendet die Autorin einen interessanten Kunstgriff: Wir dürfen bei den Therapiegesprächen zwischen Marlen und dem Psychotherapeuten dabei sein. Zunächst wehrt sie sich gegen die Gespräche, die allerdings Bedingung für die Wiedereinsetzung in den Dienst notwendig sind, doch langsam öffnet sie sich dem Therapeuten gegenüber.

Auch die anderen Charaktere wie der Fotograf Zierach oder der Direktor des Kunsthauses Graz, der auf mich wie eine aufgeblasene Kröte wirkt, erhalten eine besondere persönliche Note.

Gut gefällt mir, dass neben dem Kunsthaus auch andere Plätze wie eben die Doppelwendeltreppe in der Grazer Burg, die Murinsel, jenes futuristische Gebilde, das anlässlich der Ernennung von Graz zu Kulturhaupstadt Europas 2003 errichtet wurde, „mitspielen“ dürfen. Die Autorin wirft auch einen Blick auf die quasi soziale Zweiteilung von Graz, in eine diesseits und jenseits der Mur gelegene Stadt. Auf der einen Seite (ich verrate jetzt aber nicht welche) leben jene, die es geschafft haben und auf der anderen, die, die noch nicht so weit sind.

Fazit:

Ich hoffe auf eine baldige Fortsetzung dieser Krimi-Reihe, die durch ein durchdachtes Konzept und einen hohen Spannungsbogen besticht. Gerne gebe ich diesem Reihen-Auftakt 5 Sterne und eine Leseempfehlung.