Profilbild von reni74

reni74

Lesejury Star
offline

reni74 ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit reni74 über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 05.01.2025

Neuauflage

Cop Town
0

In Atlanta geht ein Killer um, dem schon mehrer Polizisten zum Opfer gefallen sind, die Stimmung bei den Kollegen ist aufgeladen, man will den Täter um jeden Preis finden und seiner gerechten Strafe zuführen. ...

In Atlanta geht ein Killer um, dem schon mehrer Polizisten zum Opfer gefallen sind, die Stimmung bei den Kollegen ist aufgeladen, man will den Täter um jeden Preis finden und seiner gerechten Strafe zuführen. Das es sich hierbei nicht um eine Haftstrafe handeln wird, da sind sich alle einig, den ein Polizistenmörder verdient den Tod. Mitten in dieses Chaos stolpert die junge Witwe Kate, die ihren ersten Tag im Polizeidienst antritt und ausgerechnet dem Partner des letzten Opfers zugeteilt wird. Auch dessen Schwester Maggie ist Polizistin und bemerkt in den Aussagen ihres Bruders einige Ungereimtheiten, die alle männlichen Kollegen übergehen. Mit Kate beginnt die daher ihre eigenen Ermittlungen, gegen alle familiären und beruflichen Widerstände.

Das Buch ist eine Neuauflage des 2015 erschienenen Buches der Autorin und spielt in den 70er Jahren. Es beschreibt sehr anschaulich eine Zeit, in der selbst die Polizei als administrative Kraft nicht frei ist von Korruption, Gewalt, Rassismus, Homophobie, Antisemitismus und Sexismus. Anhand der beiden weiblichen Hauptfiguren werden diese Zustände eindringlich dargestellt. Frauen sind generell noch mit wenig Rechten ausgestattet, so darf Maggie ohne die Erlaubnis eines männlichen Verwandten nicht mal ein eigenes Bankkonto für ihr Gehalt einrichten, oder eigenständig eine Wohnung mieten. Im Polizeidienst sind Frauen noch recht neu und von den Männern auch gar nicht gern gesehen, was diese sie natürlich auch spüren lassen, nicht nur beim täglichen Spießrutenlauf zur Damenumkleide, die in einer ehemaligen Besenkammer untergebracht ist.

Was diese Zustände betrifft, die uns heute, in Zeiten von "Me Too" einen Aufschrei entlocken, zeichnet die Autorin ein sehr exaktes Bild. Im Vergleich zum eigentlichen Kriminalfall ist es auch das, was mich am Buch noch am meisten gefesselt und emotional berührt hat, hier hat sie von Wut, über Empörung, bis hin zu Ekel wirklich alles Mögliche in mir ausgelöst. Es gibt eine "Verführungsszene" in der Küche von Kates Elternhaus, nach der ich tatsächlich das Bedürfnis hatte duschen zu gehen. Nicht wegen der Beschreibung an sich, oder der Körperlichkeit, sondern vielmehr wegen des Selbstverständnisses, mit dem der dominante Mann hier vorgeht, wie jegliches Nein einfach überhört wird, wie impliziert wird, dass es doch genau das ist, was die junge Witwe braucht und natürlich insgeheim auch will. Ich glaube tatsächlich, dass sich mein Befinden hierzu in den letzten Jahren verändert hat und ich hier vieles jetzt kritischer betrachte.

Was ich als sehr erschütternd empfunden habe ist allerdings auch der Umgang der Frauen untereinander, von Verschwesterung keine Spur, ganz im Gegenteil. Jede ist hier darauf bedacht den Status, den man sich gegenüber den männlichen Kollegen erkämpft hat zu behalten und Konkurrenz aus den eigenen Reihen wird da nicht gern gesehen.

Der eigentliche Kriminalfall um den Shooter, wie der Todesschütze genannt wird spielt da fast schon eine untergeordnete Rolle, auch wenn die Motive im aktuellen Zeitgeist zu finden sind. Männer, die Unzucht mit anderen Männern treiben, Frauen, die Männer mit ihrer Sexualität verhexen, Einwanderer, die guten Amerikanern die Arbeit wegnehmen, reiche Juden, die gläubige Christen aus ihren angestammten Wohnvierteln vertreiben und ein Vater, der damit die Prügel rechtfertigt, die er der Mutter verpasst. All dies dient dem Killer als Kompass bei der Auswahl seiner Opfer.

Ich kenne einige Bücher der Autorin, die Reihe um Sara Linton und Jeffrey Tolliver habe ich geliebt und auch Will Trent kann mich mittlerweile begeistern. Bei diesem Buch war aber ziemlich schnell die Luft raus und die Spannung hat mir gerade im Mittelteil gefehlt. Die Figuren bleiben leider blass und trotz der brisanten Thematiken ohne Tiefe, sympatisch waren mir eh nur die Weiblichen, wobei auch hier keine wirkliche Bindung entsteht. Ich glaube tatsächlich, dass die Autorin hier einfach zu viel wollte und das Zusammenwürfeln all dieser sozialkritischen Probleme hat der Geschichte nicht gut getan. Ich fürchte fast, wäre dies das erste Buch der Autorin gewesen, das ich gelesen hätte, wäre d es wohl auch das Letzte gewesen.

Das Buch ist, nach meiner Definition, nicht wirklich ein Thriller. Trotz all meiner Kritik gebe ich ihm aber auch gerade wegen dieser sozialkritischen Themen drei Sterne, den wie oben schon gesagt ist der Zeitgeist sehr gut eingefangen und so kann man das Buch ein bisschen auch mit einem mahnenden Zeigefinger sehen, denn auch heute finden diese Thematiken statt, da ist Alltagsrassismus an der Tagesordnung, Parteien proklamieren das Frauenbild der "gute alte Zeit" und Andersartigkeit in jeglicher Form wird als Bedrohung empfunden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 22.12.2024

Gesunde Küche

Meine 80 besten Rezepte gegen Arthrose
0

Ich kenne Dr. Matthias Riedl natürlich aus dem Fernsehen und finde sein Auftreten dort immer sehr authentisch und seriös, seine Erklärungen zu den verschiedensten Gesundheitsthemen sind interessant und ...

Ich kenne Dr. Matthias Riedl natürlich aus dem Fernsehen und finde sein Auftreten dort immer sehr authentisch und seriös, seine Erklärungen zu den verschiedensten Gesundheitsthemen sind interessant und nachvollziebar. Vor Jahren habe ich selber die Diagnose Arthrose im Kniegelenk bekommen, begleitet von der lapidaren Aussagen meines Orthopäden, damit müsse ich nun leben, machen kann man da nichts. Eine Aussage, die mit Anfang vierzig nicht gerade Hoffnung auf ein schmerzfreies Alter macht. Natürlich befasst man sich im Anschluss mit den verschiedensten Behandlungsmöglichkeiten und kommt schnell auch auf den Punkt der Ernährung, leider in den meisten Fällen begleitet von zahlreichen Verboten, einseitig und wenig lecker. Hier sieht dies nun anders aus.

Das Buch beginnt mit einer kurzen Einführung in das Thema Arthrose, wie sie entsteht und was das für die Betroffenen bedeutet, gleichzeitig wird erklärt, dass man mit einer antientzündlichen Ernährung gut gegensteuern kann und welche zehn Lebensmittel da unangefochten an der Spitze stehen. Darum folgen im Anschluss auch die Rezept unterteilt in Frühstück, kalte und warme Hauptgerichte und Snacks und Desserts, denn gesund heißt in diesem Fall nicht, dass Naschen verboten ist.

Die Rezepte sind in Zutaten und Zubereitung gut erklärt, begleitet mit ausdrucksstarken Fotos, wie man es auch von anderen Büchern des Verlages gewohnt ist. Es gibt Angaben zu den Nährwerten und Tipps zu einzelnen Komponenten. Direkt oben auf der Seite kann man direkt erkennen, ob das Rezept vegetarisch, laktose-, oder glutenfrei ist, oder ob es zu den Favoriten des Autors gehört. Alle Zutaten können im gut sortierten Supermarkt, oder auch in Drogeriemärkten, oder Reformhäusern erworben werden.

Bei den Rezepten ist für jeden Geschmack etwas dabei, allerdings liegt es in der Natur der Sache, das wenig bis gar kein Fleisch verarbeitet wird. Die meisten Rezepte sind vegetarisch, ab und zu enthalten sie auch Fisch, oder Hähnchen. Alles in Allem sehr gesund.

Zur Wirksamkeit kann ich nicht viel sagen, die Rezepte sind leicht verständlich, gut nachzukochen und sicher lecker. Vieles davon kennt man so, oder so ähnlich schon, wenn man sich etwas näher mit gesunder Ernährung beschäftigt, Chiapudding zb, oder Porridge. Leider ist die Rezeptauswahl für mich doch sehr universell, natürlich steht hier der Gesundheitsfaktor im Vordergrund, aber die Rezepte könnten so ebenso in einem Buch zum Thema Zuckerfrei, Low Carb Ernährung, oder einem Diabetes Ratgeber stehen. Der allgemeine gesunde Einfluss auf den Körper ist mir klar, der spezielle auf die Arthrose nur bedingt. Viel Neues habe ich leider nicht für mich gefunden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 08.11.2024

Weltraumtourismus

Luna
0

Luna, eine junge ambitionierte Lehrerin, bekommt die Möglichkeit am ersten touristischen Flug zum Mond teilzunehmen. Ein Millionär, der sich den Flug gönnt, will den zweiten Platz im Raumschiff jemandem ...

Luna, eine junge ambitionierte Lehrerin, bekommt die Möglichkeit am ersten touristischen Flug zum Mond teilzunehmen. Ein Millionär, der sich den Flug gönnt, will den zweiten Platz im Raumschiff jemandem zukommen lassen, der sonst nie die Möglichkeit dazu hätte und Luna wird ausgewählt, wie sie glaubt nur auf Grund ihres passenden Namens. Die Reise beginnt ohne Probleme, aber bei der Landung geht dann alles schief.

Der Klappentext des Buches lässt natürlich direkt Parallelen zu "Der Marsianer" erkennen, auch hier strandet eine Person allein auf einem lebensfeindlichen Planeten. Im Gegensatz zu Mark Watney ist Luna aber keine ausgebildete Astronautin und nur ein kurzes Training hat sie auf diese Reise und ihre möglichen Risiken vorbereitet. Auch wie bei Mark Watney liegt das Augenmerk in Phillip-P.-Petersons Buch darauf Luna zu retten, koste es was es wolle. Niemand will die junge Frau ihrem Schicksal überlassen, ob aus humanistischen Gründen, oder auch aus Angst vor einem Imageverlust, sein dahingestellt.

Es beginnt ein Wettlauf gegen die Zeit, alle Möglichkeiten einen Rettungsversuch zu starten werden abgewägt und natürlich läuft nichts wie gewünscht, sonst wäre das Buch ja auch nur halb so lang. Das unter Zeitdruck nach einer Lösung gesucht wird ist für den Leser sehr spannend. Hier bilden sich dann auch zwei verschiedene Handlungsstränge heraus. Auf der einen Seite die Mitarbeiter der für den Flug verantwortlichen Firma, die fieberhaft nach einer Lösung suchen. Auf der anderen Seite die Flugaufsicht, die für die Startfreigabe der Raketen zuständig ist und für die die Suche nach dem Grund für den Crash im Vordergrund steht, um ein weiteres Unglück bei einem erneuten Raumflug zu verhindern. Vertreter dieser beiden Lager sind der Chefastronaut Blake und für die Behörde ausgerechnet dessen Exfrau Charlie, die den grund für das Ende ihrer Ehe noch immer nicht endgültig aufgearbeitet haben.

Der Autor möchte mit dieser Personenkonstellation natürlich weiter Spannung, bzw Spannungen in die Geschichte bringen, mir war das ständige Hin und Her zwischen den Beiden aber oft zu viel, zumal auch der Grund für die Trennung immer angedeutet, aber erst sehr spät zur Aussprache gebracht wurde. Zweifelsohne schlimm, aber warum gerade Blakes Figur so drauf reduziert wurde, hat sich mir nicht erschlossen. Wärend Blake, entgegen aller Vernunft die Rettung vorantreibt, steht für die eher analytische Charlie erstmal die Ursachenvorschung an, um eine weitere Katastrophe zu verhindern. Der Leser kann beide Standpunkte nachvollziehen, wer aber mit amerikanischem SciFi dieser Art vertraut ist, kann sich denken, worauf es hinausläuft.

Bis hierhin eigentlich alles gut, doch leider beginnt der Autor auf recht amerikanische Weise mit Klischees zu spielen. Bei der Suche nach der Ursache für das Unglück kommt schnell der Verdacht auf Sabotage auf, die Schuldigen, wie sollte es anders sein, die Chinesen. Für einen Rettungsversuch braucht man die Hilfe der ESA, die sich unter ihrem deutschen Vorsitzenden als bürokratieverliebte Paragraphenreiter entpuppen. Charlie, als Vertreterin der Behörden wird unterstellt, sie würde nur aus Angst um ihren Job ihr okay verweigern, während Luna, allein auf dem Mond über sich hinauswächst.

Lunas Figur ist es dann auch, mit der ich am meisten hadere, den hier wird das Buch, das sich bis dato recht nah an einer möglichen Realität bewegt hat, immer unrealistischer. Das Konzept eines Zivilisten, der plötzlich übermenschliches leisten muss ist nicht neu. Bei Armageddon rettet Bruce Willis die Welt, in dem er ein Loch bohrt, aber das ist eben der Punkt, er tut etwas, dass er gelernt hat, das er gut kann. Luna hingegen, eine untrainierte Lehrerin marschiert da über den Mond, macht sich Gedanken darüber, wie sie auf dem Videoaufnahmen der Station rüberkommt, sie will ein gutes Vorbild sein und deshalb ihre Angst und Verzweiflung nicht zeigen. Hallo, sie ist allein, als einzige Überlebende eines Raumschiffabsturzes auf dem Mond gestrandet, sie darf verzweifelt sein, sie darf Angst haben und das Gleiche gilt für ihre Mutter. Da war ich einfach raus.

Es ist jetzt nicht so, dass ich das Buch nicht gern gelesen habe, im Gegenteil. Der Schreibstil des Autors macht es dem Leser leicht, diesesmal war mir auch das Technische nicht zu viel, ich habe das Buch an einem ruhigen Urlaubstag weggelesen. Die Geschichte war vom Grundgerüst unglaublich spannend und hätte ich meine Rezi direkt nach dem Lesen geschrieben, hätte ich vier Sterne vergeben. Je mehr ich aber dann über das Buch nachdenke, um so eher fallen mir die kleinen Details auf, die die Geschichte unrund machen und mich stören. Trotzdem solide Hard-Sience-Fiktion.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 07.11.2024

Fluch der Technik

Der tiefste Punkt
0

Für Nina beginnen bange Stunden, das Ausflugsboot, auf dem ihr Freund und Mitbewohner Simon mit seiner Band eine Hochzeitsgesellschaft unterhalten soll, wird vermisst und das bei immer schlechter werdendem ...

Für Nina beginnen bange Stunden, das Ausflugsboot, auf dem ihr Freund und Mitbewohner Simon mit seiner Band eine Hochzeitsgesellschaft unterhalten soll, wird vermisst und das bei immer schlechter werdendem Wetter. Die Zeit drängt, aber bald steht fest, das Boot ist gesunken, im Nebel auf das Fundament eines Windrades aufgefahren, obwohl das Radar das eigentlich hätte verhindern müssen.

Der Thriller beginnt direkt mit einer Schreckensnachricht, man folgt Rettungshubschrauberpilot Matthew bei der gefährlichen Suche nach dem verschwundenen Boot, wartet zusammen mit den Bewohnern des kleinen Küstenortes auf Nachricht über Familienangehörige und Freunde. Bei diesem Handlungsort bleibt es allerdings nicht, die Geschichte führt den Leser zu Tierschützern nach Kenia und sogar auf die ISS. Es werden verschiedene Handlungsstränge angestoßen, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben. Natürlich fügt sich zum Ende hin alles zusammen, aber bis dahin ist es teilweise ziemlich hektisch und unübersichtlich.

Die Geschichte springt ein bisschen ohne roten Faden zwischen den einzelnen Handlungsorten hin und her, die dabei handelnden Personen sind alle irgendwie miteinander verbunden, was dem Leser mit der Zeit erklärt wird. In jedem der Handlungsstränge scheint es ein, mal mehr, mal weniger, unglückliches Pärchen zu geben, was mich ehrlicherweise mit der Zeit etwas genervt hat. Wie zb Nina und Matthew umeinandertanzen ist oft nur schwer zu ertragen und wirt auf mich doch sehr gewollt. Das hätte ich so nicht gebraucht. Was ich auch nicht gebraucht hätte ist der häufige Wechsel zwischen den Handlungsorten. Da ist man für zwei Seiten in Reetna an der Ostsee, dann plötzlich mit Omar in einem Internetcafe in Kenia, um auf der nächsten Seite die Ankunft von Shana auf der ISS mitzuerleben. Diese kurzen Wechsel haben mich in meinem Lesefluss doch sehr gestört, ich hätte es angenehmer gefunden, wenn die Autorin das über mehrer Kapitel gebündelt und erst dann gewechselt hätte. Auch der Spannung ist das nicht unbedingt zuträglich, gerade passiert etwas und plötzlich ist man raus aus der Situation.

Die Hintergrundgeschichte, ist durchaus spannend, zeigt sie doch, wozu moderne Technik missbraucht werden kann.Obwohl ich mir nicht sicher bin, ob Verbrecher tatsächlich einen solchen Aufwand betreiben würden, vor allem, weil da auch ein hoher finanzieller Einsatz dahinter steht. Die Beschreibungen der durch Wilderer getöteten Elefanten ist grauenvoll und geht dem Leser nahe.

Die Kurzbeschreibung des Buches klang spannend und in der Hinsicht wurde ich nicht enttäuscht. Leider bin ich mit der Art und Weise, wie die Autorin ihre Geschichte aufgebaut hat nicht ganz warm geworden, und auch die Figuren sind mir in ihrem ständigen hin und her, fremd geblieben. Letztlich einfach zu viel Drumherum für meinen Geschmack.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 06.10.2024

Familie

Aus dem Haus
0

Die Eltern organisieren gerade den Umzug, vom ungeliebten Haus in eine Wohnung und inmitten der zusammenzupackenden Habseligkeiten gibt es so viele Erinnerungen.

Die Autorin fungiert in diesem Buch als ...

Die Eltern organisieren gerade den Umzug, vom ungeliebten Haus in eine Wohnung und inmitten der zusammenzupackenden Habseligkeiten gibt es so viele Erinnerungen.

Die Autorin fungiert in diesem Buch als Ich-Erzählerin und gibt dem Leser Einblicke und Rückblicke in das Familienleben. Aus der räumlichen Entfernung erlebt sie die Umzugsvorbereitungen nur am Telefon mit, froh darüber, dass sie selbst nicht involviert ist und sich kümmern muss.

Im Prinzip von Seite eins an wird klar, dass die Mutter das Haus nie gemocht hat. Sie lässt kein gutes Haar an dem Bau, hadert mit ihm genauso wie mit dem Umzug nach Kassel. Die Tochter erzählt recht humorig von verschiedensten Begebenheiten, vom Leben vor dem Umzug, von den Personen, die ihre Eltern zu dieser Zeit waren und wie sich dann alles verändert hat in der neuen Stadt. Die Bewohner von Kassel, die Umgebung, die Stadt selbst und natürlich das Haus kommen dabei nicht gut weg. Falls ein Kasselaner dieses Buch liest nimmt er das hoffentlich mit Humor. Verschiedene Familienmitglieder werden in diese Erinnerungen eingebunden, so die briefeschreibende, tief religiöse Tante, oder die ungeliebte Stiefschwiegermutter, in deren Obstgarten das Haus gebaut wurde. Der Bau des Hauses wird als unausweichlicher Entwicklungsschritt beschrieben, etwas, das ein Mann seiner Familie eben ermöglichen muss, um den eigenen Status klar zu machen. Das das Haus sich dann aber schon während der Bauphase als ständiges Ärgernis entpuppt, fuchst vor allem die ewig nörgelnde Mutter.

Anfangs fand ich den Stil, in dem die Geschichte erzählt wird ziemlich gut. Die Autorin beschreibt die verschiedenen Szenen einer Familie mit einem guten Auge für Details und äußerst witzig. Mit der Zeit ist mir das dann aber zu viel geworden, weil ich irgendwann nicht mehr das Gefühl hatte, die Ich-Erzählerin lacht mit ihrer Familie, sondern eher über sie und das fand ich schade. Obwohl man das Ganze angesichts der dauergenervten, an allem rumnörgelnden, nie zufriedenen Mutter durchaus als Galgenhumor und einen gewissen Schutzmechanismus sehen kann. Das Lesen wurde durch das Hin und Herspringen zwischen den unzusammenhängenden Erinnerungen zunehmend anstrengend, die Figur der Mutter wurde mir immer unsympathischer, der Vater, der leider so gar nicht gut weg kommt bei dem Ganzen und doch recht blass bleibt, tat mir einfach nur leid und die Tochter, naja, ich frage mich die ganze Zeit, was eigentlich ihre Intention ist, was will sie dem Leser sagen.

Das Buch ist durchaus eine witzige Art Liebeserklärung an die eigenen Eltern, ihre Marotten und Eigenheiten. Ich fand die Grundidee ziemlich interessant und war auch vom Klappentext angesprochen. Leider hat die Autorin mich im Verlauf dann immer mehr verloren, auch eben dadurch, dass bis zuletzt nicht klar wurde warum sie diese Geschichte erzählt.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere