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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 27.01.2025

Humorvolle Geschichte über Probleme und Freundschaft, die einen beim Lesen oft zum Lachen bringt

Das Leben ist eins der Härtesten
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Es geht um vier sehr unterschiedliche Charaktere, die alle eins gemeinsam haben: sie haben Probleme. Silke kämpft mir ihrem Ex-Mann, der aus der Versenkung wieder auftaucht. Willy-Martin hat eine scheinbar ...

Es geht um vier sehr unterschiedliche Charaktere, die alle eins gemeinsam haben: sie haben Probleme. Silke kämpft mir ihrem Ex-Mann, der aus der Versenkung wieder auftaucht. Willy-Martin hat eine scheinbar tolle Frau kennengelernt, muss sich aber nun mit einem sabbernden Hund herum ärgern. Renates Hund Mandarine-Schatzi ist in einer Punica-Flasche gestorben und sie tröstet sich nun mit Teleshopping-Einkäufen. Und Frau Goebel sieht sich mit ihrem immer näher rückenden Tod konfrontiert. Die vier kennen sich mehr oder weniger gut, aber sie beschließen, den Problemen für ein paar Tage zu entfliehen und fahren ins "Tropical Islands", einer Hotelanlage ähnlich den "Center Parcs". Aber auch dort machen die Probleme nicht halt und der Zusammenhalt des ungewöhnlichen Vierergespann wird mehr als ein Mal auf die Probe gestellt.

Ich hatte zuvor den neuesten Roman "Wenn ich nicht Urlaub mache, macht es jemand anderes" von Giulia Becker gelesen und war sehr begeistert, weswegen ich auch den Debütroman von ihr lesen wollte. Das Cover finde ich fast schon unscheinbar und wenig aussagekräftig, es passt aber nach dem Lesen insgesamt zur Geschichte.
Die vier Hauptpersonen werden allesamt sehr überspitzt dargestellt, an manchen Stellen war es mir ab und zu ein wenig zu viel des Guten, z.B. Willy-Martins Niesattacken. Trotzdem kommt im Roman auch immer wieder Kritik an unserer Gesellschaft vor, vor allem das Thema Einsamkeit wird gut integriert und auf eine humorvolle Erzählweise eingebunden. Auch "Gadget-Stefan" repräsentiert sehr gut einen Teil unserer Gesellschaft: immer mehr zu wollen, andere zu beeindrucken und sich an materiellen Dingen zu messen. Die Geschichte zeigt auf, was am Ende für uns alle zählt: Freundschaft und Zusammenhalt, so unterschiedlich auch jeder mit seinen Eigenheiten und Macken sein mag.

Mir hat der Roman sehr gut gefallen mit ein paar wenigen Schwächen, er eignet sich sehr gut zum Zwischendurch-Lesen, man muss oft laut auflachen beim Lesen und trotzdem kommt auch die Gesellschaftskritik nicht zu kurz.

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Veröffentlicht am 23.01.2025

Über Freundschaft, Traumata und Krieg

Der ehrliche Finder
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Jimmy ist ein elfjähriger Junge, der gemeinsam mit seiner Mutter in Bovenmeer wohnt. Vor einem Jahr zog Tristan mit seiner Familie in die Stadt, die vor dem Krieg im Kosovo durch ganz Europa auf der Flucht ...

Jimmy ist ein elfjähriger Junge, der gemeinsam mit seiner Mutter in Bovenmeer wohnt. Vor einem Jahr zog Tristan mit seiner Familie in die Stadt, die vor dem Krieg im Kosovo durch ganz Europa auf der Flucht war. Jimmy ist ein intelligentes Kind, das aber eher ein Außenseiter ist. Daher macht er sich zur Aufgabe, Jimmy Niederländisch beizubringen und sein bester Freund zu werden. Jimmy sammelt außerdem leidenschaftlich gerne Flippo-Kärtchen, die Chipstüten beiliegen. Als Tristans Familie die Abschiebung droht, schmieden Tristan und seine ältere Schwester einen gefährlichen Plan und brauchen dafür Jimmys Hilfe.

Ich hatte zuvor noch nichts von Lize Seit gelesen, aber das Cover sowie der Klappentext haben mich direkt angesprochen. Das Buch ist nicht allzu dick, aber der Autorin gelingt trotz der Kürze eine spannende und kindgerechte Geschichte über Freundschaft und deren Grenzen, auch die Themen Krieg und fremd sein in einem neuen Land werden thematisiert.
Das Buch beruht auf wahren Begebenheiten und das macht es nochmal spannender und nahbarer. Jimmy wächst einem sofort ans Herz, bereits auf den ersten Seiten erfährt man Einiges über sein Sammelfieber der Flippo-Kärtchen, akribisch reinigt, sortiert und katalogisiert er die Kärtchen und arbeitet bereits an einem zweiten Album für Tristan. Jimmy ist ein typisches Außenseiterkind, das ein großes Herz besetzt und seine Umgebung genau und aufgeweckt wahrnimmt. Man verfolgt die Freundschaft von ihm und Tristan, an einigen Stellen dachte ich jedoch auch, dass Jimmy immer etwas mehr in die Freundschaft investiert. Tristan hat eben auch viele andere Probleme in seinem noch jungen Leben: Schüchternheit, weil er die Sprache anfangs noch nicht gut beherrscht, Angst vor einer Abschiebung und seinen Platz in einer Großfamilie zu finden.

Das Buch beginnt ruhig und unspektakulär, im Verlauf baut sich ein Spannungsbogen auf, dessen Ende mich nur teilweise überzeugen konnte. Es hat mich ratlos und nachdenklich zurück gelassen, was von der Autorin wahrscheinlich so gewollt ist. Da Jimmy aus seiner Sicht erzählt, verfolgt man das Geschehen aus seiner kindlich-naiven Sicht, was ich passend für die Zielgruppe ab 14 Jahren finde.
Ich finde das Buch sehr lesenswert, weil es auf wenigen Seiten viel für eine kindgerechte Geschichte bietet, aber trotzdem hat mir beim Lesen die Bindung vor allem zu Tristan und seiner Familie etwas gefehlt, was auch an der Kürze der Geschichte liegen kann. Auch als Schullektüre kann ich mir das Buch gut vorstellen, da es viel Diskussionspotenzial bietet und aktueller ist denn je.

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Veröffentlicht am 08.01.2025

Spannender, intensiver und authentischer Historienroman mit spannendem Setting

Der König und der Uhrmacher
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Der isländische Uhrmacher Jón Sívertsen entdeckt im Schloss Christiansborg in Kopenhagen Ende des 18. Jahrhunderts eine historische astronomische Uhr, die aber leider nicht mehr intakt ist. Sein Interesse ...

Der isländische Uhrmacher Jón Sívertsen entdeckt im Schloss Christiansborg in Kopenhagen Ende des 18. Jahrhunderts eine historische astronomische Uhr, die aber leider nicht mehr intakt ist. Sein Interesse ist sofort geweckt und weil sich sonst niemand für die ramponierte Uhr zu interessieren scheint, tüftelt er von nun an abends nach seiner Arbeit im Schloss an der Uhr. Gelegentlich kommt der damalige König Christian VII. von Dänemark zu Jan und leistet ihm Gesellschaft. Jón erzählt auf Drängen des Königs seine isländische Familiengeschichte. Beide schwelgen in Erinnerungen und bewegen den Leser mit ihren ganz eigenen Geschichten und Problemen.

Das Cover gefällt mir gut, es zeigt Schloss Christiansborg und eine angedeutete astronomische Uhr im Hintergrund, beides lässt bereits etwas über den Inhalt des Buches erkennen. Von dem Autor hatte ich zuvor noch nichts gelesen.
Die Geschichte wird in zwei Zeitebenen erzählt: im 18. Jahrhundert, in der Jón an der Uhr arbeitet und sich mit dem König unterhält und rückblickend Jóns Familiengeschichte auf Island, in der er selbst ein kleiner Junge ist. Beide Handlungsstränge sind gut voneinander getrennt und man kann den Überblick über beide Geschichten stets behalten. Beide Geschichten sind interessant, wobei die Familiengeschichte auf Island noch etwas spannender ist für mich, weil es ein mir bisher unbekanntes Kapitel aufschlägt und sehr gut die damalige Zeit widerspiegelt. Es geht um Familie, Verrat und Geheimnisse und wird sehr authentisch und spannend beschrieben.
Die Erzählstruktur ist übersichtlich aufgebaut. Auch sprachlich können beide Handlungsstränge überzeugen, beide sind an die jeweilige Zeit angepasst.
Man merkt direkt zu Beginn, dass Jón mit viel Liebe zum Detail und Herzblut an der Uhr arbeitet und es sein Herzensprojekt wird. Die Uhr wird dabei zum "roten Faden" der Geschichte und bildet ein tolles Grundgerüst um die Geschichte zwischen Jón und dem König.

Ich habe mir die Uhr im Internet angeschaut, sie sieht sehr beeindruckend aus und man fiebert beim Lesen so noch mehr mit, ob Jón es schafft, sie wieder instand zu setzen. Der Autor hat viel Recherche in seine Arbeit einfließen lassen und sich eng an die Fakten gehalten, womit sich das Buch sehr authentisch und intensiv lesen lässt.
Ein Kritikpunkt für mich sind allerdings die Längen, die das Buch an einigen Stellen hat und den Lesefluss ab und zu stören.

Von mir gibt es eine Empfehlung für alle, die gerne historische Romane lesen und an isländischer Kultur interessiert sind!

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Veröffentlicht am 23.12.2024

Unterhaltsame Geschichte einer Patchwork-Familie, die Hürden überwindet und sich selbst findet

Zwischen Ende und Anfang
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Lila Kennedy ist 42 Jahre alt, Autorin und Mutter von zwei Töchtern. Seit ihr Ex-Mann Dan sie verlassen hat, weil er Lila mit einer jüngeren Frau betrogen hat und nun ein Kind mit ihr erwartet, steht Lilas ...

Lila Kennedy ist 42 Jahre alt, Autorin und Mutter von zwei Töchtern. Seit ihr Ex-Mann Dan sie verlassen hat, weil er Lila mit einer jüngeren Frau betrogen hat und nun ein Kind mit ihr erwartet, steht Lilas Leben Kopf. Sie lebt mit ihren Töchtern Celie und Violet zusammen, ihr Stiefvater Bill hat sich nach dem Tod von Lilas Mutter Francesca ebenfalls bei ihr einquartiert. In diesem Chaos hat Lila mit Schreibblockaden und Geldsorgen zu kämpfen und versucht, den Alltag mit Kindern und Stiefvater bestmöglich zu händeln. Unerwartet taucht ihr leiblicher Vater Gene auf, der sich kurzerhand in Lilas Haus und Leben einnistet. Die beiden hatten jahrzehntelang keinen Kontakt und Lila muss nun mit noch mehr Chaos in ihrem Leben zurecht kommen. Zudem tauchen Jensen, den Bill angeheuert hat um Lilas Garten neu zu gestalten und Gabriel, ein alleinerziehender Vater an der Schule von Violet, auf und bringen Lilas Gefühle nun vollends durcheinander.

Das Cover gefällt mir gut und gerade den Farbschnitt finde ich hier sehr gelungen und dezent eingesetzt.
Man ist zu Beginn der Geschichte mitten im Geschehen. Es wird größtenteils aus Lilas Sicht eines allwissenden Erzählers geschrieben, einige Kapitel sind auch aus Sicht Celies in der dritten Person geschrieben, was dem ganzen Buch einen zusätzlichen Blickwinkel gibt. Lila ist eine Frau, der der Boden unter den Füßen weggerissen wurde: ihre Mutter stirbt bei einem Unfall und ihr Mann verlässt sie für eine jüngere Frau, die auch noch von ihm schwanger ist. Alleine kann sie das Haus kaum halten und auch die Töchter leiden in diesem ganzen Chaos. Sie versucht, den Überblick zu behalten, was ihr auch wegen der großen Hilfe ihres Stiefvaters Bill gelingt. Oft waren ihre Gedanken und Handlungen für mich nicht schlüssig bzw. konnte ich ihren Gedanken(gängen) nicht folgen.
Es werden im Buch viele Themen angesprochen: Scheidung, Trauer, Wut, Mobbing und vor allem das Leben als Patchwork-Familie. Das gefällt mir sehr gut, an manchen Stellen waren es allerdings zu viele Schauplätze und Handlungen gleichzeitig, sodass manche Themen nicht auserzählt wurden.
Man folgt Lila auf dem langen, beschwerlichen Weg als alleinerziehende Mutter und verlassene Ehefrau zu einer modernen Frauenrolle in einer Patchwork-Familie.

Der Erzählstil ist eingänglich und gut zu lesen. Die Handlung war öfters vorhersehbar und das Buch hat seine Längen, aber ich habe es gerne aufgrund der wichtigen und allgegenwärtigen Themen gerne gelesen und die Familie bei ihrer Entwicklung begleitet.
Wer Familiengeschichten mag, wird hier sicher auf seine Kosten kommen. Ich kann das Buch deshalb gerne empfehlen!

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Veröffentlicht am 16.12.2024

Kurzweiliger Krimi - unterhaltsam und kompakt

Der Schwimmer
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Helen Beamish ist pensionierte Lehrerin und hat sich ein Haus an der irischen Küste gekauft. Mit der Ruhe ist es allerdings vorbei als sich ihre Schwester Margaret dort dauerhaft einquartiert. Margaret ...

Helen Beamish ist pensionierte Lehrerin und hat sich ein Haus an der irischen Küste gekauft. Mit der Ruhe ist es allerdings vorbei als sich ihre Schwester Margaret dort dauerhaft einquartiert. Margaret ist stets schlecht gelaunt und zu Beginn der Geschichte zu ihrer Tochter gefahren. Helen kann es sich also alleine im Garten mit Blick auf das Meer gemütlich machen. Sie beobachtet einen Mann, der in das Wasser geht, aber nicht zurück kommt. Sie nickt ein, aber als sie aufwacht, liegt seine Kleidung noch genauso am Strand wie einige Stunden zuvor. Sie verständigt die Polizei, die mit Booten nach dem Mann sucht, aber er bleibt verschwunden. Der Fall wird als tragisches Unglück zu den Akten gelegt - nur Helen glaubt nicht daran und begibt sich auf die Suche nach dem Mann.

Von Graham Norton hatte ich bereits begeistert "Heimweh" gelesen und war nun auf einen Krimi von ihm gespannt. Das Buch ist mit knapp 110 Seiten überschaubar und an einem Nachmittag durch gelesen. Der Erzählstil passt zum Inhalt und man kann dem Geschehen gut folgen. Die Charaktere bleiben eher oberflächlich gezeichnet aufgrund der Kürze der Geschichte, hier hätte ich mir eventuell ein paar mehr Details gewünscht.
Die Handlung ist für einen Krimi nicht neu, aber man folgt Helen gerne bei der Suche nach dem vermissten Mann, die sich als spannend erweist. An einigen Stellen war die Handlung etwas vorhersehbar und auch das Ende hat mich nicht umgehauen.

"Der Schwimmer" ist ein leichter, unterhaltsamer Kurzkrimi, der auf wenigen Seiten alles für kurzweilige Unterhaltung bietet.

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