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Pantoffeltier

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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 25.12.2024

Etwas tendenziöse Biographie

Wallis Simpson
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Über Wallis Simpson, die Frau, die angeblich dafür sorgte, dass König Edward abdankte, wusste ich vor der Lektüre dieses Buches wenig. Mir war nur zu Ohren gekommen, dass sie ähnlich viel Hass auf sich ...

Über Wallis Simpson, die Frau, die angeblich dafür sorgte, dass König Edward abdankte, wusste ich vor der Lektüre dieses Buches wenig. Mir war nur zu Ohren gekommen, dass sie ähnlich viel Hass auf sich zog wie heutzutage Meghan. In diesem Buch hatte ich auf eine differenzierte Betrachtung von Wallis und Edward gehofft. Diese Hoffnung hat sich leider nicht komplett erfüllt.

Sowohl Wallis, als auch Edward kommen nicht besonders gut weg. Es mag belegbar sein, dass die beiden sehr schwierige Charaktere waren, aber ein bisschen mehr Verständnis statt bissiger Seitenhiebe hätte ich mir schon gewünscht. Es wird sehr deutlich, dass die Autorin die beiden nicht besonders schätzt und einige Bewertungen und Interpretationen fand ich nicht überzeugend belegt.
Am Anfang hatte ich einige Probleme reinzukommen. Es beginnt mit der Hochzeit des Paares und man wird direkt mit einer Vielzahl an Namen von Personen und Orten konfrontiert, die zumindest ich nicht zuordnen konnte. Es wird dann zum Glück im zweiten Kapitel chronologisch erzählt und man findet sich besser zurecht.
Insgesamt habe ich schon einiges gelernt (vor allem, dass das Königshaus ganz schön schwierige Persönlichkeiten heranzieht, die sich mit ähnlich neurotischen Personen umgeben), bin aber Wallis nicht so richtig nahe gekommen.

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Veröffentlicht am 15.12.2024

Becoming Loretta Darling

Not your Darling
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Die Engländerin Margaret möchte unbedingt Maskenbilderin werden und geht dafür nach Hollywood. Mit mehr oder weniger lauteren Mitteln schlägt sie sich durch und erfindet sich als Loretta Darling neu.

Es ...

Die Engländerin Margaret möchte unbedingt Maskenbilderin werden und geht dafür nach Hollywood. Mit mehr oder weniger lauteren Mitteln schlägt sie sich durch und erfindet sich als Loretta Darling neu.

Es geht flott los. Loretta schlägt sich mit einer Mischung aus Glück, Schlagfertigkeit und manipulierter Kosmetik durch. Die Leichtigkeit funktioniert gut, die schwereren, tiefgreifenden Themen für mich persönlich nicht so. Lorettas schwere Vergangenheit wird in wenigen Sätzen abgehakt und die Lösung gegen missbräuchliche Männer ist nun ja, radikal aber kann Machtstrukturen in der Realität kaum brechen.
Die Figuren sind recht oberflächlich und klischeehaft gezeichnet. Es gibt die Prostituierte mit dem goldenen Herzen, den schönen aber sprunghaften Filou, den nicht so gut aussehenden, aber guten Mann, den fiesen Vergewaltiger in Machtposition, den väterlichen Mentor, das liebe Naivchen... Das fand ich sehr schade, da es so wenig Überraschungen und Figurenentwicklung gibt.
Insgesamt netter Roman mit einem Hauch Hollywood-Flair. Liest sich gut nebenbei ohne Überraschungen oder tiefe Erkenntnisse zu bieten.

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  • Charaktere
Veröffentlicht am 14.10.2024

Für Fortgeschrittene

Antichristie
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Die Deutsch-Inderin Durga ist in London damit beschäftigt mit einem AutorInnenteam ein Drehbuch für eine woke Neuauflage von Agatha Christies Krimis zu entwickeln. Der Tod von Königin Elizabeth II rückt ...

Die Deutsch-Inderin Durga ist in London damit beschäftigt mit einem AutorInnenteam ein Drehbuch für eine woke Neuauflage von Agatha Christies Krimis zu entwickeln. Der Tod von Königin Elizabeth II rückt das Projekt stärker ins Rampenlicht als gedacht.

Durga, die gerade noch dabei ist den Tod ihrer exzentrischen Mutter (die fasziniert vom indischen Widerstand gegen England und nebenbei auch Anhägnerin etlicher Verschwörungstherien war) zu verarbeiten, springt unvermittelt ins Jahr 1906, wo sie als junger Mann in Kreise ins India House gerät. Dort treffen sich indische Widerstandskämpfer und Durga muss ihre bisherigen Ansichten über Widerstand gegen Kolonialismus, Erinnerungskultur und die indische Kultur in Frage stellen.

Es fällt mir schwer die Handlung zusammen zu fassen und im Grunde genommen geht es auch eher um bestimmte Konzepte, Theorien und Diskurse. Es geht darum was genau wie in welchem Staat und auch Büchern/Filmen erinnert wird, die Unangemessenheit von Personenkult, die Frage ob Widerstand gewalttätig oder gewaltlos sein darf/muss/kann, Rassismus, Kolonialismus, Feminismus, eine schwierige Mutter-Tochter-Beziehung, Dr. Who... Und dann tauchen neben den von der Autorin erdachten Figuren nicht nur Gandhi, der Hindu-Nationalist Savarkar und Charlotte Despard, sondern auch Sherlock Holmes.

Die Autorin wirft nicht nur mit Namen, sondern auch mit Zitaten um sich. Teilweise springt die Handlung innerhalb weniger Abschnitte zwischen Vergangenheit und Gegenwart hin und her. Man ist also gleichzeitig bei Diskussionen im India House und Diskussionen im Autorenraum dabei. Das ermüdet schnell und besonders die Namen der endlosen Parade von politisch/kulturell irgendwie wichtigen Personen konnte ich mir kaum merken. Es gibt kaum Handlung und es wird wahnsinnig viel geredet. Das fand ich schade, denn die Konzepte, die verhandelt werden, sind interessant und die Fragen, die aufgeworfen sind wichtig, aber als Person, die wenig über die indische Politik/Geschichte weiß, habe ich mich bei den Diskussionen meist außen vor gefühlt.

Schwierig fand ich auch, dass es eine deutsche Hauptperson gab. Neben englisch-indischer Kolonialgeschichte kam also auch noch die Frage dazu, wie man als Deutsche zu allem steht (Singularität des Holocausts und so) und dann auch noch Durgas Probleme mit ihrer Mutter und der Geschlechterwechsel bei der Zeitreise... Alles wahnsinnig viel.

Ich habe bei der Lektüre eher wieder Lust bekommen mich näher mit Doktor Who zu beschäftigen, als mit der politischen Situation in Indien und den Folgen von Kolonialismus. Das ist schade und kann kaum das Ziel der Autorin gewesen sein. Am Interessantesten fand ich ehrlicherweise das Nachwort.

Also ja, ein Buch, das Debatten anstoßen kann, aber eher für ein intellektuelles Publikum geschrieben, dass sich schon etwas mit Kolonialgeschichte und damit zusammenhängenden Diskursen und geschichtlichen/politischen Ereignissen auskennt.

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Veröffentlicht am 30.07.2024

Eher aufgesetzt als realistisch

Verbrannte Gnade
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Schwester Holiday ist eine ungewöhnliche Nonne. Unter ihrem Habit verbirgt sie zahlreiche Tätowierungen, sie hört gerne Punk und schleicht sich immer wieder weg um zu rauchen. Als ein Brandanschlag auf ...

Schwester Holiday ist eine ungewöhnliche Nonne. Unter ihrem Habit verbirgt sie zahlreiche Tätowierungen, sie hört gerne Punk und schleicht sich immer wieder weg um zu rauchen. Als ein Brandanschlag auf die Saint Sebastian Privatschule verübt wird, bei dem ein Hausmeister stirbt, beschließt Schwester Holiday auf eigene Faust zu ermitteln.

Das Cover ist sehr klug gestaltet. Das Bild erinnert an eine Mariendarstellung auf einem Kirchenfenster, zeigt jedoch eine Nonne mit einer Zigarette in der Hand auf deren Fingern das Wort „Lost“ steht. Das macht neugierig. Jedoch verlässt sich die Autorin zu sehr auf die Wirkung der betont ungewöhnlichen Protagonistin. Der Kriminalfall bleibt dagegen blass.
Die Schreibweise ist ebenfalls ungewöhnlich und kam mir sehr amerikanisch vor. Es wird sich stark bemüht die heiße, kaputte Atmosphäre von New Orleans zu transportieren. Alles ist sehr cool, es gibt viele bedeutungsschwere Sätze. Das wirkte auf mich eher aufgesetzt als realistisch. Das hat mich mit der Zeit ermüdet. Ich hatte eine eher leichte Geschichte mit schwarzem Humor erwartet, und konnte mit der aufgesetzten Coolness und Düsternis nicht so richtig etwas anfangen. Wird seine Fans finden, mich hat es nicht überzeugt.

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Veröffentlicht am 20.06.2024

Potential nicht ausgeschöpft

Der Vertraute
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Madrid, Ende des 16. Jahrhunderts. Die Inquisition herrscht in Spanien, aber es gibt Personen, die kleine Wunder wirken können. Für diese Personen ist das ein zweischneidiges Schwert, denn wenn sie glaubhaft ...

Madrid, Ende des 16. Jahrhunderts. Die Inquisition herrscht in Spanien, aber es gibt Personen, die kleine Wunder wirken können. Für diese Personen ist das ein zweischneidiges Schwert, denn wenn sie glaubhaft versichern können, dass ihre Kräfte göttlicher Natur sind, winkt Ruhm und Ehre, wenn sie jedoch als Diener des Teufels verunglimpft werden, droht der Scheiterhaufen.
Das Küchenmädchen Luzia Cotado hat magisches Talent und im Alltag wirkt sie immer wieder heimlich „Milagritos“, die ihr die Arbeit erleichtern. Eines Tages wird ihr Talent entdeckt und sie findet sich im Zentrum von Intrigen wieder und muss sich behaupten.
Die Vermischung von Historischem und Fiktion gefiel mir gut. Hier hängt Magie mit bestimmten Wörtern, alten sprachlichen (gesungenen bzw. gebeteten) Sprüchen zusammen. Das fand ich eine spannende Idee, wenn auch etwas irritierend, dass gerade am Anfang die jüdische Abstammung reingemischt wurde, aber zu keinem Zeitpunkt irgendetwas erklärt wurde. Das fand ich schade, gerade das leider kurze Nachwort hat mich neugierig gemacht. Allgemein wurde mir nicht gut genug erklärt, was das Torneo soll und wie die Welt allgemein funktioniert.
Die Atmosphäre ist schön und die Welt gut beschrieben, aber irgendwie wurde ich nicht so recht reingezogen. Der Anfang war sehr ansprechend geschrieben, aber es dauert lange bis die Personen in Stellung gebracht sind, Motive und Hintergründe erzählt wurden und endlich etwas passiert. Es wird wahnsinnig viel geredet und erklärt wie schwierig das Leben von Frauen in verschiedenen Positionen in der Gesellschaft ist. Das war mir etwas zu anstrengend.
Also ein Buch was man durchaus lesen kann, aber kein Fantayhighlight.

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