Profilbild von galaxaura

galaxaura

Lesejury Star
offline

galaxaura ist Mitglied der Lesejury

Melde dich in der Lesejury an, um dich mit galaxaura über deine Lieblingsbücher auszutauschen.

Anmelden

Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 06.03.2025

We are what we are

Die Zeit der Fliegen
0

„Die Zeit der Fliegen“ von Claudia Piñeiro, erschienen 2025 im Unionsverlag, ist ein Buch, das mich zwiespältig zurückgelassen hat. Der Roman schließt lose an „Ganz die Deine“ an, das 2009 ebenfalls im ...

„Die Zeit der Fliegen“ von Claudia Piñeiro, erschienen 2025 im Unionsverlag, ist ein Buch, das mich zwiespältig zurückgelassen hat. Der Roman schließt lose an „Ganz die Deine“ an, das 2009 ebenfalls im Unionsverlag erschien, ist aber auch ohne Kenntnis dieses Vorgängers gut zu lesen, allerdings finde ich, es hilft beim Verständnis in der Tiefe, auch diesen Roman gelesen zu haben.

Inés Experey, ehemals Pereyra, kommt aus dem Knast, pardon, sie bevorzugt das Wort Gefängnis, nachdem sie eine lange Haftstrafe für den Mord an der Geliebten ihres Gatten verbüßt hat. Wirklich reuig ist sie nicht, auch wenn sie sich über dies und das Gedanken macht, während sie versucht, im Leben Draußen wieder anzukommen, das sich sehr weiterentwickelt hat und Inés vor Aufgaben stellt, zu denen sie noch keine Haltung gefunden hat. Was ist das mit dieser Gender Fluidity und Political Correctness und dem intersektionalen Feminismus, irgendwie vielleicht gut aber irgendwie auch ganz schön anstrengend? In der Haft hat Inés die Manca kennengelernt und mit ihr gemeinsam gründet sie nun die Firma FFF – in der vollkommen unterschiedliche Tätigkeitsbereiche zusammengeführt werden, einfach weil frau es kann – und weil es so doch auch viel mehr Spaß macht, als alleine vor sich hin zu wurschteln. Während die Manca ihren Lebensunterhalt mit Detektivarbeit verdient, ist Inés in der Ungeziefervertilgung aktiv, denn in ihrer Zeit im Gefängnis hat sie sich viel Wissen über Insekten, insbesondere hierbei über Fliegen, angeeignet (die Buchauswahl war nun einmal nicht so groß). Alles läuft genau so langweilig wie gut, bis Inés eines Tages ein unmoralisches Angebot erhält, das sie ins Wanken bringt.

Das Buch verfolgt formal neben der Handlungsebene noch zwei weitere, zum einen gibt es immer wieder Kapitel, die sich sehr ausführlich mit den Fliegen beschäftigen, zum anderen gibt es einen antiken Chor, angelehnt an Medea von Euripides, der die Themen aus genau diesem Werk hier in der Neuzeit verhandelt, insbesondere hier die Frage nach Mutterschaft als Wohl oder Wehe. Das hat hohe Relevanz, denn Inés hat mit dem Gang ins Gefängnis seinerzeit auch den Kontakt zu ihrer Tochter Laura verloren, die, inzwischen erwachsen, selbst ein Familienleben wie aus dem Poesiealbum führt.

Der Erzählton sehr ähnlich wie schon bei „Ganz die Deine“ souverän, etwas gehetzt, lässig, grundsätzlich humorvoll, manchmal auch plakativ, aber Piñeiro weiß, was sie tut, das lässt sich gut lesen. Und am Ende wartet das Buch mit einem Clou auf, den wahrscheinlich die wenigsten haben kommen sehen.

Das Grundproblem des Romans ist ein sehr langsamer Fortgang der Handlung bei gleichzeitiger Überfrachtung mit philosophisch-gesellschaftlicher Thematik bei extrem viel Bildungsreferenz, insofern ist das Buch auch sehr elitär und somit exklusiv. Das Thema des Mutterseins oder doch nur Gebärens oder vielleicht auch nichts davon finde ich ein sehr Wichtiges, insgesamt wird es mir dennoch zu ausgewalzt besprochen, es ist eine sehr bekannte Debatte für mich, vielleicht für andere nicht, ich habe irgendwann leider angefangen querzulesen, da waren keine neuen Gedanken drin für mich 2025, vielleicht sieht das in Lateinamerika anders aus, das ist gut möglich. Insgesamt gibt eine Tendenz zum Übererzählen, vor allem auch in den Chorpassagen. Die Autorin überfrachtet das Buch mit Themen, wodurch die Handlung immer wieder massiv ins Stocken gerät.

Am Ende geht dann alles vielleicht auch deshalb sehr holterdipolter und wichtige Inhalte werden auf einmal sehr kurz abgehandelt, was ich aus einer hier relevanten Betroffenheitsperspektive nicht akzeptabel finde. Grundsätzlich ist der vom Anfang zum Ende geschlagene Bogen gut konstruiert und auch überraschend, ABER was hilft es, wenn man dadurch unter Umständen viele Leser:innen verliert, weil diese nicht bis zum Ende durchhalten? Ein bisschen entstand bei mir der Eindruck, dass Piñeiro eigentlich einen Essay schreiben wollte und dann einen Roman drum herum konstruiert hat. Hätte ich die Metaebene mit dem Medeachor überhaupt gebraucht? Ich bin nicht sicher. Ebenso das sehr ausgewalzte Fliegenthema nur um am Ende dabei zu landen, dass das Leben ein anderes wäre, wenn man seine Entscheidungen mit mehr Zeit angehen würde, mehr Zeit hätte abzuwägen. Ja gut, eine Binsenweisheit. Wir sind nunmal keine Fliegen. So what? Was sollen wir mitnehmen aus dem Buch? Dass es furchtbar ist, wenn wir die Menschen nicht als das nehmen und sein lassen, was sie sind und ihnen nicht zuhören, ihnen keinen Raum geben, sich zu verändern? (Das trifft auch auf die Hauptfigur Inés zu) Das ist ja klar. Am Ende wird auf einmal sehr viel sehr schnell reingedacht in das Buch bis hin zu einer Inés, die vielleicht doch noch ihre Bisexualität entdeckt. Oder Pan. I don’t know... Mich überzeugt der Roman nicht. Alles klug gedacht, aber es hat mich nicht mitgenommen und am Ende ist nichts wirklich neu gedacht. Vielleicht bin ich zu sehr eh in der Bubble, die die Themen des Romans täglich wälzt. Vielleicht ist dieses Werk in Lateinamerika revolutionär. Aber gerade dann hätte es am Ende mehr Raum für ein Fertigerzählen und für noch ein paar Gedanken mehr vertragen.

„Die Zeit der Fliegen“ wird gerade für Netflix verfilmt. Ich bin sehr gespannt und vermute, dass hier der Essayistische Anteil deutlich eingedampft wird. Ich lasse mich überraschen, als Crime-Plot mit schrägen Charakteren ist der Roman sehr geeignet. Vielleicht wird es auch ein Genre-Mix. Ein schöner Erfolg für Piñeiro, den ich ihr als Autorin sehr gönne, denn wie gesagt: Schreiben kann sie. Mich hat nur die Gesamtkonstruktion leider in ihrer Ausgewogenheit nicht überzeugen können.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 01.03.2025

Bleibt im eigenen Erleben stecken

Das Lieben danach
0

„Das Lieben danach“ von Helene Bracht, erschienen 2025 im Carl Hanser Verlag, beschäftig sich mit einer wichtigen, vielleicht zu seltenen Frage, nämlich der, wie Personen, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt ...

„Das Lieben danach“ von Helene Bracht, erschienen 2025 im Carl Hanser Verlag, beschäftig sich mit einer wichtigen, vielleicht zu seltenen Frage, nämlich der, wie Personen, die sexualisierter Gewalt ausgesetzt waren, in ihrem späteren Leben zu einem erfüllten Liebesleben und einer gesunden Sexualität finden können. Das schlanke Buch kommt in einem Schutzumschlag mit einem sehr passenden, wunderschönen Cover von schon überblühten Blumen, die eine ganz morbide Stimmung setzen.

Bracht, in ihrer Kindheit starker sexualisierter Gewalt durch einen engen Bekannten der Familie ausgesetzt, gehört erst einmal Respekt dafür, dass sie aus dem Dunkelzifferbereich heraus so stark in die Öffentlichkeit tritt und sich damit auch erneut verwundbar macht. Dieses Teilen ihrer Geschichte ist ein wertvoller Schritt für Betroffene – und vielleicht ja auch für Täter:innen, die sich hier noch einmal ein klares Bild der lebenslangen Konsequenzen ihres Handelns machen können. Bracht stellt kluge Fragen in ihrem Buch und macht sich auf die Suche nach Antworten: Haben früh von sexualisierter Gewalt betroffene Personen ein spezielles Bindungsverhalten? Was bedeutet eine kindliche Erfahrung von sexualisierter Gewalt für die spätere Entwicklung von Geschlechtsidentität und Rollenfindung? Welchen Unterschied macht das Geschlecht der Täter:innenperson für den Lebensweg der Betroffenen und die Wahl der Menschen, zu denen diese sich später hingezogen fühlen?

Für das Buch spricht die meist sehr sachliche Analyse und theoretische Fundierung der Auseinandersetzung sowie überhaupt der Ansatz, nicht bei der Beschäftigung mit dem Trauma stehenzubleiben, wie viele andere Bücher, sondern nach dem Leben danach zu fragen und hier nach Möglichkeiten und Wegen zu schauen.
Leider aber bleibt für mich vieles doch im Mikrokosmos von Bracht stecken. Da ist zum einen die sehr akademische Sprache mit vielen Bildungsreferenzen und Fremdwörtern – warum nicht vom Elfenbeinturm herunterkommen und ein solches Buch niederschwellig schreiben? Auch wenn diese Art sicher der Distanzierung dienen mag, so hält sie doch auch sehr viele Menschen von diesem Buch fern. Aber wir reden hier über ein generelles gesellschaftliches Problem, dessen Analyse möglichst vielen Menschen zugänglich sein sollte. Bracht formuliert selbst, dass das Wort „Missbrauch“ eben sehr misslich ist, beinhaltet es doch, dass es auch regelkonformen „Gebrauch“ von Menschen geben könne – und auch generell ist das Wort viel zu schwach und euphemistisch für die Tat. „Sexualisierte Gewalt“ schlägt die Autorin deshalb völlig richtig vor – und nutzt doch selbst immer wieder das Wort Missbrauch. Damit bleibt sie in der Täter:innenperspektive verhaftet. Bracht kritisiert heftig die me-too-Bewegung als Generalisierung einer Opfer-Perspektive, die im Opfersein stehenbleibe. Dabei hat me-too genau das Gegenteil zur Zielsetzung und auch erreicht: Der Zusammenschluss, das Zusammentragen vieler Opferperspektiven macht das Systemische sichtbar und zeigt deutlich: Es gibt Millionen von individuellen Fällen aber: keinen Einzelfall. Es gibt kein Frausein ohne das Erleben von sexualisierter Gewalt. Was durchstrahlt durch das Buch ist auf eine gewisse Weise doch ein Stehenbleiben von Bracht in ihrem individuellen Fall und ein Kampf mit dem individuellen Trauma, der noch nicht ausgefochten ist, weshalb ihr dieser eigene Fall nach wie vor in seiner Individualität sehr wichtig ist. Darauf hat sie als Mensch jedes Recht der Welt. Aber diese Herangehensweise verhindert größere strukturelle Erkenntnisse, die ich mir persönlich von diesem Buch mehr erhofft hätte.

Sehr interessant sind Brachts Gedankengänge zu Grenzen, zum Setzen von Ja und Nein – und gerade hier wäre die me-too-Bewegung ein großartiges Beispiel um aufzuzeigen, warum das Setzen von Grenzen so schwer ist: Weil wir von klein auf sozialisiert werden, die Grenzen auch schon im Kleinen nicht zu setzen. Alle Übergänge zwischen gewohnter kleinerer sexualisierter Gewalt hin zur großen sind fließend und daher ist es im Prozess fast unmöglich, den Punkt für das Nein zu finden. Bracht ist der Meinung, Erotik sei immer mit Macht verbunden, diese Setzung macht sie einfach. Hier kann ich überhaupt nicht zustimmen, Erotik kann genau auch das Gegenteil ausmachen, nämlich die vollkommene Abwesenheit von Macht.

Lange Rede, kurzer Sinn: Brachts starke individuelle Prägung ist in ihrer Analyse immer spürbar und so bleibt das Buch doch eher ein Erfahrungsbericht. Mein voller Respekt für diesen angesichts der starken Verletzung, die Bracht erleiden musste. Für mich weist aber wenig über diesen Fall hinaus. Insofern ist das Buch sehr interessant zu lesen als ein Teil eines Puzzles. Für das Große Ganze müssen vielleicht eher andere Bücher herhalten.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 26.12.2024

Ein vielleicht nicht lösbarer Konflikt

American Mother
0

„American Mother“, von Colum McCann und Diane Foley, erschienen 2025 bei Rowohlt, beschäftigt sich mit der Entführung, Geiselhaft und Hinrichtung des Kriegsjournalisten James Wright Foley in Syrien 2012-2014 ...

„American Mother“, von Colum McCann und Diane Foley, erschienen 2025 bei Rowohlt, beschäftigt sich mit der Entführung, Geiselhaft und Hinrichtung des Kriegsjournalisten James Wright Foley in Syrien 2012-2014 – und vor allem mit dem emotionalen Kollateralschaden, den diese Entführung bei seiner in den USA zurückbleibenden Familie und hier insbesondere seiner Mutter Diane, der Co-Autorin des Buches, anrichtet.

McCann hält sich schriftstellerisch weitestgehend zurück und versucht, so scheint es, vor allem Diane Foley eine Stimme zu geben für diese Geschichte, die deren Leben in den letzten 15 Jahren vollkommen bestimmt hat. Das ist einerseits ein sehr nobler Zug von McCann, andererseits hätte dem Buch mehr Außenperspektive und analytische Einordnung sehr gutgetan.

Der Fall erzeugte seinerzeit großes öffentliches Interesse aufgrund eines viral gehenden Videos, in dem die Enthauptung Foleys als tragisches Finale seiner Entführung und Geiselhaft live dokumentiert wurde. Die Familie erfuhr von diesem Video durch Journalisten mit Interviewanfragen – eine Situation, die ganz sicher niemand so erleben sollte.

In „American Mother“ folgen wir über knapp 270 Seiten dem Erleben, der Erinnerung und den Gedanken und Fragen von Diane, der Mutter von James, und ihrem Hadern mit dem Handeln oder besser Nicht-Handeln der amerikanischen Regierung. Sie stellt vehement die moralische Frage, wer für zivile Journalisten, die sich als Freelancer in Kriegsgebiete begeben, um von dort zu berichten, Verantwortung übernehmen sollte und inwiefern es Aufgabe des Staates ist, hier schützend eine Hand über diesen Personenkreis zu halten.

Ausgang und Endpunkt des Buches ist eine Begegnung von Diane mit Alexanda Kotey, einem der Entführer von James, in der sie einerseits versucht, mehr Erkenntnis über die Motive der Entführer und James Zeit in der Geiselhaft zu gewinnen, andererseits in sich danach sucht, ob sie einen Weg finden kann zu vergeben. Diane ist äußerst christlich geprägt und ihr Glauben ist für sie eine wichtige Richt- und Halteschnur im Leben. Diese starke Gläubigkeit hat mich im Verlauf des Buches schon an Grenzen meiner eigenen Toleranz geführt, in Momenten, in denen Diane beispielsweise die Frage, ob James beten konnte, vor die Frage, ob er genug Nahrung bekam, stellt, konnte ich nicht mehr folgen. Andererseits eine attraktive Ausgangsituation, dass sich hier letztlich zwei fanatisch gläubige Systeme gegenüberstehen, die nur unterschiedliche Ausprägungen annehmen. Dass dieses Fakt nicht ein einziges Mal analysiert und reflektiert wird, ist für mich ein großes Manko des Buches.

Diane stellt heraus, wie sehr sie die Zeit, die James in der Geiselhaft verbringt und ebenso die Zeit danach, versucht, möglichst keine Gefühle zu zeigen und die Fassung zu bewahren. Mich hat das verwundert, was mag ihr so wichtig daran sein, woran liegt es, dass sie Emotionalität so verdammt? Gerne hätte ich mehr über Dianes Leben erfahren, um ihre Reaktionen und ihren starken Glauben besser einordnen zu können, doch leider erfahren die Leser:innen hier nur sehr wenig.

Die Schilderung des Treffens ist sachlich und aus einer Monoperspektive. Komisch finde ich aber, wie wenig wir letztlich erfahren. Beim ersten Treffen, das über 5 Stunden geht, werden uns eigentlich nur wenige Sätze erzählt. Was geschah noch? Diese große Ellipse stört mich. Wie wurde überhaupt dokumentiert? Hat Diane aus ihrer Erinnerung erzählt? Hat sie Notizen gemacht? Gibt es Transkripte, die dem Autor zur Verfügung standen? Hierzu bekommen wir keine Informationen, auch nicht in den Danksagungen, was ich persönlich leider etwas unseriös finde. Über den Fall gibt es auch eine umfangreiche Dokumentation, hier können wir entdecken, dass zumindest einige der Äußerungen und Gedanken, die Diane James zuschreibt, aus Interviews mit und Reden von ihm stammen.

Zwischen diesen beiden Treffen wird das Leben James, seine Entführung (es war schon die zweite, eine Entführung in Libyen ging voraus) und die Reaktion seiner Familie darauf geschildert. Schriftstellerisch fand ich das sehr dicht und gelungen, McCann findet eindrückliche Sprachbilder für die zugrundeliegende Atmosphäre („In der Küche war sogar die Luft aufgewühlt“, S. 61, nur als Beispiel). Womit ich insgesamt jedoch kämpfe ist die für mich ungeklärte Frage, welche Anteile des Textes liegen eher im Denken des Autors, welche eher im Denken von Diane? Da bin ich mir an vielen Stellen nicht so sicher, ich persönlich mag es, wenn so etwas deutlich wird, beispielsweise durch eine andere Schriftart. Ich kann mir nicht vorstellen, dass man es als Autor verhindern kann, auch mit den eigenen Analysen und politischen Haltungen mit in so ein Buch einzufließen.
Ich fand es interessant zu lesen, wie sehr auch die krassesten Zustände im Leben irgendwann Gewohnheit werden. Wann hört die Hoffnung auf, hört sie überhaupt auf? Und wie es einen dann doch kalt erwischt, wenn das Schlimmste wahr wird, auch wenn man damit rechnen musste. Was mich gewundert hat, was aber wahrscheinlich doch typisch Amerikanisch ist, ist die politische Blauäugigkeit der Familie. Dass das Leben von Geiseln in der globalen und nationalen Politik keine Priorität hat, ist absolut offensichtlich – das ist im europäischen Kontext auch nicht zwingend anders, hier fußt nur alles auf einer etwas anderen politischen Grundhaltung. Aus Staatslogik ist das auch vollkommen einleuchtend, eine Regierung muss das Gemeinwohl und die langfristigen politischen Interessen immer über die einzelne Person und das Individualschicksal stellen. Vollkommen naiv, hier etwas anderes anzunehmen, darum verblüfft mich das wirklich. Interessant ist aber in dem Kontext der starke Eingriff in die Persönlichkeitsrechte (die Regierung verbietet der Familie, selbst tätig zu werden), da frage ich mich, auf welchem Passus in der Verfassung das beruhen mag. Und die Hörigkeit dem gegenüber, welche strafrechtlichen Konsequenzen das haben könnte, würde ich ja immer erstmal prüfen. Spannend, dass diese Debatte scheinbar gar nicht aufkam.

Diane wirft der amerikanischen Regierung massiv vor, nicht versucht zu haben, James zu retten. Sie stellt in Frage, warum sich um Soldaten anders gekümmert wird als um zivile Kräfte. Letztlich macht Diane aber auch gar nichts anderes als die Regierung: Sie stellt ihre eigenen Interessen ins Zentrum des Geschehens. Was ich sehr gut nachvollziehen kann, diesen Schmerz zu erleben, ist die größte Angst aller Eltern würde ich sagen. Aber mir fehlt hier die Reflektion, auch über das, was die USA an vielen Orten der Welt militärisch anrichten. Grundsätzlich nimmt man staatlich mit dem Einmischen in Fremdkonflikte Tod in den Kauf und der Tod ist abstrakt in dem Fall und nur eine Opferzahl. Soldat:innen haben auch strategisch-taktisches Wissen, wenn sie gefoltert werden, droht also deutlich mehr, als wenn Zivilist:innen in Geiselhaft geraten. Ich denke, das ist der einzige Hintergrund, warum dort mehr reagiert wird. Insgesamt kümmern sich alle Gesellschaften viel zu wenig um die Kollateralschäden in der Bevölkerung, die Auslandseinsätze hervorrufen. Soldat:innen sind hierbei aber Angestellte des Staates, also muss dieser sich erneut rein logisch anders um sie kümmern als um Zivilist:innen.

„American Mother“ heißt das Buch – und genau als solche zeigt sich Diane für mich auch: Politisch naiv – aber sehr schützend und kämpferisch. Ihr Patriotismus ist eher eine Begründung bei der Suche nach individueller Hilfe. Großen Respekt habe ich vor ihrer Lösungsstrategie: Sie gründet eine Stiftung, die sich seither aktiv für in Geiselhaft geratene Menschen im Ausland einsetzt und schon viel bewirkt hat. Davor kann man nur den imaginären Hut ziehen.

Diane spekuliert sehr viel über Jims Zeit in der Geiselhaft und bastelt sich aus den Berichten seiner Mitinsassen und den spärlichen Puzzlestücken, die sie erhält, ein Märtyrerbild. Das liegt in ihrem Glauben nahe, das ist psychologisch verständlich. Unerträglich für mich die Schilderung der Hinrichtung auf Seite 171, das fiktive Pathos, mit dem Diane das unterlegt, eben „der Märtyrer“ der sich für alle richten lässt, aber Licht schickt.
Sie beschreibt sehr viele Gedanken von Jim, ganz generell, es ist leider erneut nicht ersichtlich, was davon ist dokumentiert? Was erfindet ihr Mutterkopf? Ich vermute sehr viel.
Ich hätte mich hier über mehr ersichtlichen dokumentarischen Anteil gefreut, das ist eine Konzeptentscheidung, die man so treffen kann, mich holt das literarisch und inhaltlich so nicht ab. Ich habe zunehmend das Gefühl, mich in einer doppelten Heiligengeschichte zu befinden, in der Diane Jim und auch sich selbst inszeniert. Immer wieder überhöht sich Diane, nie tut sie etwas aus selbstbezogenen Motiven, immer auch für andere, immer voller Moral und Gemeinsinn. Ihre Beschreibung der Arbeit von Politik und Staat ist rein interpretierend. Immer wieder vergleicht sie Äpfel mit Birnen, z.B. die Entführung eines hochrangigen Politikers (also Staatsangestellten in Führungsposition) mit Jim – und dafür gibt es viele andere Beispiele. Ich habe mir sehr oft neben Stellen geschrieben „Ist das denn so?“
Letzten Endes beschwert sie sich auch über das viele Geld, das die Prozesse verschlingen. Hätte man die Täter also nicht festnehmen sollen? Und wenn doch: Wie hätte man mit ihnen umgehen sollen? Unrecht? Später verweist sie stolz darauf, dass sie nicht in Guantanamo gelandet sind und betont das großartige US-Rechtssystem. In dem es Guantanamo aber gibt. Unrecht kann nicht mit Unrecht aufgewogen werden, my opinion.
Was auch hart, aber wahr ist: Manchmal braucht es einen ersten Fall, an dem man lernt. Es ist gut für viele Menschen, dass Diane sich so einsetzt für die Rechte von Geiseln. Dafür hat sie auch meinen vollen Respekt. Und es ist sehr schmerzhaft, dass es für das eigene Kind nicht funktioniert hat. Aber vielleicht ist das Kind auch der Präzedenzfall, der Fall, der geschehen musste, damit es danach nicht mehr so geschieht. Das würde mir zugegeben auch nicht viel weiterhelfen, ist aber dennoch oft im Leben leider so.

Was auch noch deutlich wird in diesem Buch ist, wie klar James wusste, was er tat und wie sehr ihn letztlich die Abenteuerlust zog. Er selbst sagt, dass man ein Menschenleben nicht für einen Beruf opfern sollte. Und hat dennoch bewusst genau das getan. Es bleibt tragisch, dafür dann zu sterben. Es bleibt Unrecht. Aber seine Hand war schon sehr wissend mit im Spiel. Weshalb ich Dianes Vorwürfe einfach nicht so ganz teilen kann. Ich glaube, die eigentliche Hand, die Diane reichen müsste, wäre die an ihren Sohn. Für ihren Seelenfrieden muss sie ihm vergeben und ihm zugestehen, dass er das Recht hatte, selbst über sein Leben zu entscheiden.

Dieses Buch final zu bewerten ist sehr schwierig, weil es einen mit vielen Fragen an die eigene Ethik und Moral konfrontiert und die Bewertung unter Umständen massiv abhängig ist von den eigenen Urteilen, die wir fällen. Eine schriftstellerische Bewertung erscheint mir dagegen kaum möglich, weil ich den Eindruck habe, der Autor verschwindet bis auf wenige Stellen weitestgehend im Hintergrund, er geht in Diane auf. Sie formuliert in der Danksagung, er wäre ein Freund geworden – für mich stellt das ein Problem dar, denn diese Haltung ist einem Sachbuch oder auch einer Biografie nicht dienlich. Dem Buch fehlen Fokus und Einordnung, es fehlt an Reflektion und Objektivität. Der zugrundeliegende Fall und die ethischen Fragen, die dieser aufwirft, sind sehr spannend. Aber insgesamt konnte mich das Buch leider nicht überzeugen. Es bleibt daher für mich bei 3 Sternen und der Empfehlung, sich zusätzlich unbedingt die Doku „Jim Foley – Die Realität des Terrors“ begleitend anzuschauen.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 25.12.2024

Ein Klassiker der phantastischen Literatur

Die unendliche Geschichte
0

„Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende ist ein Klassiker, der auch in einem Re-Read nach 40 Jahren noch mit einigen Pluspunkten aufwarten kann, auch wenn insgesamt der pädagogische Unterton aus der ...

„Die unendliche Geschichte“ von Michael Ende ist ein Klassiker, der auch in einem Re-Read nach 40 Jahren noch mit einigen Pluspunkten aufwarten kann, auch wenn insgesamt der pädagogische Unterton aus der heutigen Sicht heraus doch sehr überschaubar ist.

Die unendliche Geschichte noch einmal zu lesen ist wie eine Reise in meine Kindheit. Die Geschichte als solche ist absolut zeitlos, es gibt wenige Punkte, an denen ich denke, ah, da merkt man die Entstehungszeit – und das betrifft tatsächlich vor allem das Erzähltempo. Die Spannung ist genauso hoch wie ich sie erinnere. Bastian Balthasar Bux, in seiner Welt ein gemobbtes Kind, stiehlt aus einem Impuls heraus in einem Buchladen ein besonderes Buch und verdrückt sich damit auf den Dachboden seiner Schule. Je weiter er liest, desto mehr verbindet sich seine Realität mit der des Buches, dem Land Phantasien, in dem die kindliche Kaiserin erkrankt ist und nur durch einen neuen Namen gerettet werden kann – doch der muss ihr von einem Menschen gegeben werden, nicht von einem phantastischen Wesen. Bastoian, der in seiner Welt mit einem depressiven, alleinerziehenden Vater und ohne wirkliche Freunde lebt, erkennt schnell, dass er hier vielleicht helfen könnte – wüsste er doch nur, wie er nach Phantasien gelangen kann. Was mir als Kind natürlich nicht klar war, ist das doppelte Spiegelmotiv (Vater, kindliche Kaiserin / Bastian, Atréju) oder die so klar lesbare Depression des Vaters. Das ist clever gemacht, wenn auch sehr offenkundig, aber auf jeden Fall funktioniert es. Das Worldbuilding ist super, obschon es von Andeutungen lebt und vieles nicht ausformuliert ist. Ende lässt sich da viel Spielraum für Folgebände – die leider nie erschienen sind, immer wieder fällt der Satz „Doch das ist eine andere Geschichte, die ein anderes Mal erzählt werden soll“. Die Charaktere sind toll und der Mut zum Herzenbrechen auch, die Geschichte nimmt immer wieder überraschende Wendungen. Gut auch, wie Ende die Emotionen über seine Charaktere wieder einfängt. Der Wechsel und die Parallelität der Welten funktioniert für mich sehr gut und hält die Lesenden bei der Stange. Ganz spannend, dass auch in diesem Buch schon der Gedanke der Übergenerationalität liegt, also diese Idee, dass die Kinder die Welt der Alten retten. Ist ja gerade auch wieder sehr aktuell.

Im weiteren Verlauf des Buches spürt man das Alter schon inhaltlich etwas, viele Parabeln sind sehr offenkundig. Vor allem aber mutiert Bastian nach einem starken Einstieg zu einem absoluten Unsympathen – was natürlich einen moralischen Grund hat, aber in einer Ausführlichkeit erzählt wird, die mich nach der Hälfte des Buches verloren hat, zu klar war, wohin die Reise gehen wird und zu lange hat es gedauert bis zur Auflösung. Auch die grundsätzliche Darstellung einer schwachen, mädchenhaften Kaiserin, die immer wieder in ihrem Leben einen starken männlichen Helden braucht, damit sie und das Land gerettet werden können, ein Held, der ihr einen neuen Namen aka eine neue Identität gibt, puh, das ist schon feministisch schwer zu ertragen. Wie auch generell die vorgestellten Konzepte von Männlichkeit.

Die moralischen Themen sind grundsätzlich richtig und zeitlos wichtig, zu viel Macht zieht Einsamkeit nach sich, jeder erfüllte Wunsch gebiert einen neuen Wunsch, ein Wunsch ist nur ein Wunsch, aber nur Ziele haben eine Richtung, such dir deine Freunde und Verbündeten weise aus und hinterfrage, ob sie deine Macht wollen oder dein Herz mit dir tragen, usw. – es ist eine lange Liste von Lebensweisheiten, die das Buch völlig zu Recht anspricht. Insgesamt hätten es für mich 150 Seiten weniger sein dürfen, Ende schafft es irgendwann nicht mehr, seine vielen Ideen zu filtern und bringt sie alle unter. Das stellt seine große Phantasie unter Beweis, aber für das Storytelling wäre weniger mehr gewesen. Insgesamt ist das Buch sehr klassisch nach der Heldenreise konstruiert, was es trotz der kleinen Überraschungen etwas durchsichtig macht.

Ein Traum die tollen Illustrationen im Buch, jede ein Genuss, wie überhaupt die optische Aufbereitung. Das Zurückkehren von Bastian ins alte Leben und dort die Versöhnung mit seinem Vater und seinem Dasein – aus realistischer Perspektive sehr unbefriedigend, selbst für ein phantastisches Buch. Könnte mensch so Probleme lösen, es wäre ja wunderbar, aber irgendwie führt so ein Ende Menschen und gerade Kinder ja eher an der Nase herum. Ganz schön, dass der alte Buchladenbesitzer selbst einst auf Bastians Mission und Position unterwegs war. Aber insgesamt lässt mich das Buch doch unbefriedigt zurück. Ob es daran liegt, dass ich inzwischen ein ganzes Leben weiter bin als bei der Erstlektüre oder doch daran, dass hier insgesamt mit zwar viel Phantasie, aber von der Aussage her doch recht dürftig erzählt wird – schwer zu sagen. Es war dennoch spannend, noch einmal nach Phantasien zu reisen, und den Klassikerstatus hat das Buch schon noch verdient.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere
Veröffentlicht am 17.11.2024

Und wenn wir doch einfach losfliegen würden?

When Women were Dragons – Unterdrückt. Entfesselt. Wiedergeboren: Eine feurige, feministische Fabel für Fans von Die Unbändigen
0

„When Women Were Dragons“, der neue Roman von Kelly Barnhill, auf Deutsch erschienen 2024 bei Cross Cult, bringt uns dem Matriarchat einen kleinen Schritt näher und zeigt dabei in einer nur scheinbar phantastischen ...

„When Women Were Dragons“, der neue Roman von Kelly Barnhill, auf Deutsch erschienen 2024 bei Cross Cult, bringt uns dem Matriarchat einen kleinen Schritt näher und zeigt dabei in einer nur scheinbar phantastischen Geschichte, in was für einer Fesselung weiblich gelesene Menschen in der heutigen Welt jeden Tag nach wie vor stecken.

Alex Green wächst als junges Mädchen in einem eindeutig patriarchalen System auf, in der ihre Zukunft klar vorgezeichnet ist: Heiraten, Kinder bekommen, einem Mann zur Seite stehen. Dass sie die Schule besuchen darf – eigentlich unnötig, dass sie naturwissenschaftlich hochbegabt ist – geschenkt. Viel zu früh in ihrem Leben erkrankt ihre Mutter an Krebs und wird durch ihre Tante Marla ersetzt. Doch als es 1955 zum Großen Drachenwandelns kommt und xxx Drachinnen in den Himmel steigen, verschwindet auch Tante Marla – zurück bleibt deren kleine Tochter Beatrice, die zu Alex Schwester wird. Über die Drachinnen wird zuhause geschwiegen. Die gesamte Gesellschaft versucht, das Ereignis zu ignorieren – auch als immer wieder und immer mehr Drachenwandlungen auftreten, während Alex immer mehr Verantwortung für Beatrice übernehmen muss und zeitgleich um ihren Platz in der akademischen Welt kämpft.

When Women Were Dragons ist ein eindringliches Buch über das Potenzial des Matriarchats, über die Frage, was mit der Welt wohl passieren würde, wäre sie nicht männlich, sondern weiblich regiert – und, da bin ich mit der Autorin einig: Die Welt wäre eindeutig ein besserer Ort. Klug zeigt Barnhill auf, an wie vielen Punkten weiblich gelesene Menschen von außen wie von innen überreglementiert und unterdrückt werden – und dass nur die Wut uns befreien kann. Wenn wir sie denn zulassen.

Das Buch erzählt lebendig und emotional, es schafft eine komplexe und doch zeitlich sehr nahe phantastische Welt. Durch eine zweite wissenschaftliche Ebene, das eingebundene Werk „Eine kurze Geschichte der Drachinnen“, können charmant zusätzliche analytische Informationen eingestreut werden. Der Kampf der Frauen um ihre Freiheit und Schwierigkeiten, sich für diese und die Konsequenzen zu entscheiden wird durch die Wandlung sehr deutlich. Barnhill stellt viele kluge Fragen über unsere Zeit, ohne dabei belehrend zu sein.

Leider ging es mir jedoch so, dass insgesamt viel zu weitschweifig erzählt wird und das Buch für seine knapp 500 Seiten mit zu wenig Handlung aufwartet. Es verfängt sich in redundanten Gedankenkreisen und kommt vor allem im ersten Drittel eigentlich gar nicht in den Gang. Was sehr schade ist, da ich die Grundidee wirklich hervorragend finde und viele Gedanken sehr teilen konnte – dennoch musste ich immer wieder pausieren, weil einfach kein richtiger Lesesog aufkam. Ich hätte mir auch gewünscht, dass das Thema weibliche Wut genauer herausgearbeitet wird, insgesamt blieb mir das Buch zu allgemein und dadurch etwas harmlos. An einer Stelle im Buch wird gesagt: „Sie müssen die Kleine im Auge behalten, sonst wachsen ihr eines Tages noch Flügel und sie fliegt davon.“ Dieses starke Bild für patriarchale Unterdrückung hätte ich gern mit mehr Details im ganzen Buch erlebt, genauso wie ich gerne mehr darüber erfahren hätte, wie die Drachinnen nach ihrer Wandlung leben, was genau für sie Freiheit ausmacht. Und auch die im Buch eingeführte Knotenmagie wird leider nie entziffert – was für mich auch ein großes Manko ist.

Ein starker Ansatz also, der sich leider in sich wiederholenden Endlosschleifen verheddert, ohne in die Tiefe zu gehen. Ich hatte mir mehr von diesem Buch erwartet, mehr Mut, mehr Radikalität. Das Patriarchat wird nicht mit sanften Worten aufgehoben werden, im Gegenteil, es ist gerade wieder im Aufwind. Wenn wir dem etwas entgegensetzen wollen, müssen unsere Drachinnen Feuer speien, nicht nur Kerzen anzünden.

  • Einzelne Kategorien
  • Cover
  • Erzählstil
  • Handlung
  • Charaktere