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Veröffentlicht am 04.01.2025

Ein hochwertiger "Reiseführer" für Buchliebhaber*innen

In 80 Büchern um die Welt
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„In 80 Büchern um die Welt“ ist ein Kompendium, an dem über 50 Autoren mitgearbeitet haben. Vorgestellt werden hier 80 literarische Welten, wobei ein Auswahlkriterium für die vorgestellten Büchern ist, ...

„In 80 Büchern um die Welt“ ist ein Kompendium, an dem über 50 Autoren mitgearbeitet haben. Vorgestellt werden hier 80 literarische Welten, wobei ein Auswahlkriterium für die vorgestellten Büchern ist, dass diese eine Reise zu einem literarischen bzw. realen Ort behan-deln. Diese Reisen entfalten sich in vier Kapiteln, die Epochensetzungen widerspiegeln: „Ex-peditionen und Reisen“ (Bücher, die zwischen dem 8. Jahrhundert v. Chr. und 1897 erschie-nen sind), „Zeitalter des Reisens“ (1899 – 1953), „Postmoderne“ (1955 – 1998) und „Reisen in der Gegenwart“ (2000 – 2021). Die Auswahl der vorgestellten Werke ist dementsprechend zeitlich breit gefächert: So finden sich Klassiker wie Homers „Odyssee“, Daniel Defoes „Ro-binson Crusoe“, Bram Stockers „Dracula“, Jack Londons „Ruf der Wildnis“ oder Virginia Woolfs „Die Fahrt hinaus“ neben modernen Werken wie Paulo Coelhos „Der Alchimist“ oder Wolfgang Herrndorfs „Tschick“. Gerade in Bezug auf die Postmoderne und die Gegenwart finden sich auch vermehrt Autorinnen/Werke, die eher unbekannter sind, sodass man sich hier ggf. Anregungen für zukünftige Lektüren holen kann. Die Aufmachung des Kompendi-ums ist aufwendig sowie hochwertig: Das Buch ist ein Hardcover, die Papierstärke hoch, die vielen, farbigen, z. T. seitenfüllenden Illustrationen (Fotos, Gemälde, Karten etc.) hochauflö-send. Jedem vorgestellten Roman werden 2 – 5 Seiten gewidmet – je nachdem wie ausführ-lich der jeweilige Beitrag bebildert ist. Das bedeutet natürlich, dass die Texte über die vorge-stellten Bücher nicht in die Tiefe gehen können – meist wird inhaltlich die Reise zusammenge-fasst, Einblicke in den Entstehungsprozesses sowie z. T. Kurzanalysen zu bestimmten Einzel-aspekten gegeben; tiefschürfende literaturwissenschaftliche Einordnungen darf also man nicht erwarten. Mit anderen Worten: Hat man das vorgestellte Werk bereits gelesen, wird man we-nig Neues erfahren. Umso mehr macht „In 80 Büchern um die Welt“ allerdings neugierig auf die Reisen, Welten und Werke, die man (noch) nicht kennt. Insgesamt ist „In 80 Büchern um die Welt“ ein hochwertiges Kompendium für Buchliebhaberinnen und ein kleiner Inspirati-onsquell für zukünftige Lektüren.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein intensiver Roadtrip

Das Verhalten ziemlich normaler Menschen
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Inhalt: Vor einem Jahr starb Ashers Mutter bei einem Autounfall - wofür er sich die alleinige Schuld gibt. Denn: Hätte er nicht neue Fußballschuhe gebraucht, wäre seine Mutter erst gar nicht losgefahren. ...

Inhalt: Vor einem Jahr starb Ashers Mutter bei einem Autounfall - wofür er sich die alleinige Schuld gibt. Denn: Hätte er nicht neue Fußballschuhe gebraucht, wäre seine Mutter erst gar nicht losgefahren. Um mit dem Tod und der Trauer klarzukommen, rät ihm der Schulpsychologe zu einer Gesprächstherapie. Zunächst geht Asher widerstrebend hin, doch dann trifft er auf Henry, der sein Opa sein könnte, sowie die beiden Jugendlichen Sloane und Will. Alle drei haben - wie Asher - einen geliebten Menschen verloren. Gemeinsam begeben sich die vier auf den Roadtrip ihres Lebens, der Ashers Trauer und Wut heilen soll...

Persönliche Meinung: "Das Verhalten ziemlich normaler Menschen" ist ein Jugendroman von K. J. Reilly. Wie bereits im Inhaltsteaser deutlich wird, handelt der Roman von Themen wie Trauer, Tod, Verlust und Schuld. Gleichzeitig spielen allerdings auch Freundschaft, Liebe sowie Hoffnung eine große Rolle im Roman. Dementsprechend ist auch die Lektüre eine Achterbahnfahrt der Gefühle: Ernste, traurige Szenen wechseln sich mit leichten, lustigen ab. Unkonventionell sind auch die auftretenden Figuren - allen voran der Ich-Erzähler Asher. Alle vier versuchen den Tod einer geliebten Person zu verarbeiten, was sich teilweise in skurrile Verhaltensweisen niederschlägt. So tut beispielsweise Asher alles dafür, dass seiner kleinen Schwester nichts passiert (wie z. B. ihre Hände mit Aluminium einzuwickeln, während sie schläft); Henry hingegen bestellt für seine verstorbene Frau immer das Essen mit. Durch ihren Umgang mit der Trauer, ihren Gedanken in Bezug auf das (Weiter-)Leben sowie ihrem ganz eigenen Humor wirken die Figuren sehr vielschichtig und dreidimensional. Die Handlung folgt der Struktur eines Roadtrip-Plots: Die vier sind auf dem Weg nach Graceland (wobei Asher allerdings eine ganz eigene Mission verfolgt) und erleben dabei kleinere Abenteuer - wichtiger als diese "äußere" Reise ist allerdings der innere Weg zur Selbstheilung, die die Protagonisten beschreiten. Innerhalb dieses Plots findet sich dann noch die ein oder andere Wendung sowie ein überraschendes Ende. Der Erzählstil des Romans ist - passend zur intendierten Zielgruppe - umgangs- und jugendsprachlich sowie mit Witz ausgestattet. Insgesamt ist "Das Verhalten ziemlich normaler Menschen" ein humorvoller, ernster und emotionaler Jugendroman über die großen Themen Leben und Tod.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein komplexer Krimi mit einer eher unsympathischen Protagonistin

Das elfte Manuskript
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Inhalt: Die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen hat endlich die Chance, Oslo zurückzuerobern. Denn: Durch den Lockdown ist niemand draußen, der ihr irgendwie krumm kommen könnte. Mit im Gepäck hat sie ...

Inhalt: Die ehemalige Kommissarin Hanne Wilhelmsen hat endlich die Chance, Oslo zurückzuerobern. Denn: Durch den Lockdown ist niemand draußen, der ihr irgendwie krumm kommen könnte. Mit im Gepäck hat sie einen frisch geschriebenen Kriminalroman, der das Potential zum Bestseller hat. Doch ihre Lektorin Ebba Braut hat ganz andere Probleme: Die erfolgreichste Autorin des Verlags hat ihr jüngstes Werk abgeliefert, doch das Manuskript ist verschwunden – und die Verlagsleitung hat Ebba zum Sündenbock auserkoren. Zeitgleich wird die verstümmelte Leiche einer Frau in einem Kofferraum gefunden – ein Fall, der Hannes Schützling Henrik Holme an seine Grenzen bringt…

Persönliche Meinung: „Das elfte Manuskript“ ist ein Kriminalroman von Anne Holt. Es handelt sich um den 11. Roman um die Ermittlerin Hanne Wilhelmsen. Da der Fall in sich abgeschlossen ist, lässt sich der Handlung auch ohne Kenntnis der Vorgänger folgen – auch wenn es natürlich sinnvoll ist, die Reihe chronologisch zu lesen, um die Beziehungen der Figuren besser nachvollziehen zu können. Der Roman setzt sich aus vier Erzählsträngen zusammen, die aus personalen Perspektiven erzählt werden: Hannes Wiedereroberung Oslos, Ebbas Suche nach dem Manuskript sowie Henriks Ermittlungen im Fall der ermordeten Frau. Der vierte Erzählstrang soll hier nicht gespoilert werden. Alle Stränge überschneiden sich an bestimmten Stellen. Um nur ein Beispiel zu nennen: Hanne ermittelt stellenweise im Fall der ermordeten Frau und beteiligt sich auch an der Suche nach dem verschwundenen Manuskript. So entsteht ein komplexer, schön undurchsichtiger Krimi, der bis zuletzt zu überraschen weiß. Gerade für Büchernerds sind auch die Einblicke in den Verlagsalltag interessant: So werden Prozesse einer Buchentstehung beleuchtet, man trifft auf eigensinnige Autorinnen und blickt auf die Schattenseiten der Buchbranche. Der Krimifan wird gleich mit mehreren Rätseln konfrontiert (das verschwundene Buch, der Mord und noch ein, zwei weitere, die ich hier nicht spoilern möchte). Nicht so ganz warm werden konnte ich mit Hanne Wilhelmsen, der reihentitelgebenden Ermittlerin: Sie ist egozentrisch, starrsinnig und – bis auf einzelne Ausnahmen – rücksichtslos, dadurch sehr unsympathisch. Kurz: Eine Anti-Heldin wie aus dem Buche. Gleichzeitig will ich mir allerdings keine letztgültige Bewertung der Figur anmaßen, da ich die vorherigen 10 Bände nicht gelesen habe, somit ihre Entwicklung nicht beurteilen kann. Insgesamt ist „Das elfte Manuskript“ ein spannender, komplexer Kriminalfall, bei dem Krimi- und Buchnerds auf ihre Kosten kommen werden.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Eine Sammlung für eingefleischte Zamonien-Fans

Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte
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„Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“ ist eine zamonische Flabel-Sammlung von Walter Moers. Wer Walter Moers kennt, weiß, dass er sich in seinem zamonischen Oeuvre an Gattungen der Weltliteratur ...

„Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“ ist eine zamonische Flabel-Sammlung von Walter Moers. Wer Walter Moers kennt, weiß, dass er sich in seinem zamonischen Oeuvre an Gattungen der Weltliteratur abarbeiten: Dieses Mal hat er sich – wie der Titel nahelegt – mit der Gattung der Fabel beschäftigt, die er hier persifliert. Wie bereits in anderen Zamonien-Romanen bedient sich Moers hier einer Autorfiktion: Moers gibt sich nur als Übersetzer der Flabeln aus, die eigentlich der große zamonische Dichter Hildegunst von Mythenmetz geschrieben hat. Die Flabeln thematisieren unterschiedliche Figuren aus dem zamonischen Kosmos: Neben Einhörnchen treten Ubufanten, Birkenfüchse oder Musiktiere auf. Behandelt werden kleine Episoden der Figuren, die fabel-haften Charakter besitzen: Ein Biber und ein Kristallskorpion befinden sich in einer ausweglosen Situation, ein Ubufant will fliegen, ein Werwolf ist auf der Sinnsuche und eine fleischfressende Pflanze will vegetarisch leben. Gerade in den Moralen der Geschichten (ja, das ist die Mehrzahl von „Moral“, was ich bis eben auch nicht wusste), die nicht unbedingt so enden, wie man von Fabeln gewohnt ist, findet sich immer eine Spur Gesellschaftskritik. Wie von Moers gewohnt werden die Flabeln mit viel Wortwitz erzählt. Ein Highlight ist vor allem Moers‘ Nachwort, das eine poetologische Reflexion über Arten des Humors beinhaltet. Die Flabelsammlung hat einen Umfang von ca. 150 Seiten; zudem finden sich wieder Moers-typische Illustrationen, die dieses Mal recht raumgreifend sind und auch ganze Seiten in Anspruch nehmen. Dementsprechend ist das Lesevergnügen eher kurz (bei gemütlichem Lesen kann man die Flabeln an einem Abend durchlesen). Für mich ist „Das Einhörnchen, das rückwärts leben wollte“ daher insgesamt eher ein Moers für zwischendurch: Ein netter Ausflug nach Zamonien, der aber natürlich – bedenkt man allein schon den Umfang – nicht an „Rumo“, „Das Labyrinth der Träumenden Bücher“, „Die 13 ½ Leben des Käpt‘n Blaubär“ herankommen kann (und ich denke: auch gar nicht will). Für eingefleischte Zamonien-Fans definitiv ein Muss; die Lesenden, die noch Fans werden möchten, sollten erstmal zu einem anderen Roman aus dem Zyklus greifen.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Ein hochspannender Thriller, dessen Ende für mich allerdings zu offen war

Haus des Vergessens
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Inhalt: Toskana. Ein Junge wird allein in einem Waldstück gefunden. Schnell wird offenbar: Es handelt sich um den zwölfjährigen Nico, der seit Monaten spurlos verschwunden war. Äußerlich scheint es Nico ...

Inhalt: Toskana. Ein Junge wird allein in einem Waldstück gefunden. Schnell wird offenbar: Es handelt sich um den zwölfjährigen Nico, der seit Monaten spurlos verschwunden war. Äußerlich scheint es Nico verhältnismäßig gut zu gehen, doch er ist verstummt. Um zu erfahren, was mit Nico geschehen ist, wird der renommierte Kinderpsychologe Pietro Gerber hinzugezogen, der Nico unter Hypnose ein Geständnis entlockt: Nico behauptet, seine Mutter, die mit ihm verschwunden war, getötet zu haben – doch Pietro Gerber ist sich sicher, dass dies nicht der Wahrheit entspricht. Vielmehr vermutet Gerber, dass Nico – während er verschwunden war – von einer Person manipuliert worden ist, die Nico als Sprachrohr für ihre Botschaften nutzt…

Persönliche Meinung: „Haus des Vergessens“ ist ein Thriller von Donato Carrisi. Es handelt sich nach „Haus der Stimmen“ um den zweiten Band, in dem Pietro Gerber die Hauptrolle spielt. Zwar wirken die Ereignisse aus Band 1 auf das Leben von Gerber ein, allerdings spielt die Handlung des ersten Bandes ansonsten kaum eine Rolle im aktuellen Fall, sodass man die Bände auch unabhängig voneinander lesen kann. Wie im Inhaltsteaser bereits angedeutet, erwartet die Lesenden mit „Haus des Vergessens“ ein fesselnder wie komplexer Thriller, der mit mehreren Erzählstrangen auftrumpft: Im Haupthandlungsstrang begleiten wir in personaler Perspektive Gerber, der – einer Schnitzeljagd gleich – Hinweise sucht, mit denen er Nico die Botschaft, die ihm von seinem Entführer einprogrammiert worden ist, entlocken kann. Diese Botschaft des Entführers, die aus der Ich-Perspektive erzählt wird, bildet den zweiten Handlungsstrang: Hier behauptet der namenlose Entführer Nicos, ein Fremder habe vor Jahrzehnten – als der Entführer selbst noch ein Kind war – seine Eltern ermordet und ihn gefangen gehalten. Diese Erzählung des Entführers ist wirklich spannend, da sie einem Vexierspiel gleicht, bei dem man nicht weiß, was gelogen und was real ist. Zudem finden sich innerhalb der Handlung mehrfach Cliffhanger und überraschende Wendungen, sodass man den Thriller kaum weglegen kann. Soweit also eine perfekte Thrillerlektüre – und jetzt kommt leider, leider, leider das „aber“: für mich nicht bis zum Schluss. Das Ende schließt nicht alle Handlungsfäden ab, nicht jede ausgelegte Brotkrume wird schlussendlich wieder aufgesammelt, sodass man als Lesender zuletzt stellenweise ein bisschen ratlos zurückbleibt. Meine Hoffnung ist hier, dass der dritte Band, den das Ende des 2. Bandes anteasert, etwas mehr Klarheit schafft, sodass auch die Handlung von „Haus des Vergessens“ runder wird. Insgesamt ist „Haus des Vergessens“ ein fesselnd geschriebener, komplexer und hochspannender Thriller, dessen Auflösung leider für mich hinter der fulminanten Handlung zurückbleibt.

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