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Veröffentlicht am 01.01.2025

Der Blick eines Zehnjährigen auf seine Welt

Paddy Clarke Ha Ha Ha
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Paddy Clarke zeigt uns in dem mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman 'Paddy Clarke Ha Ha Ha' von Roddy Doyler seinen Blick auf die Welt eines Zehnjährigen in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. ...

Paddy Clarke zeigt uns in dem mit dem Booker Prize ausgezeichneten Roman 'Paddy Clarke Ha Ha Ha' von Roddy Doyler seinen Blick auf die Welt eines Zehnjährigen in den sechziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts. Er wächst auf im fiktiven Vorort Barrytown, einem Vorort von Dublin. Seine Sinne für seine Umwelt sind geschärft und so erlebt er eine Brutalität in der Familie, die vom gewalttätigen Vater ausgeht, die seiner Kindheit ein jähes Ende setzt, weil er versucht, mit seinen naiven Mitteln, dem elterlichen Drama zu begegnen. Paddy ist, wenn er nicht in der Schule sitzt mit seinen Freunden und seinem Bruder unterwegs, lässt keinen Streich aus, die mitunter gewalttätig, kriminell und ohne die Konsequenzen zu überdenken, ausgeführt werden.
Der Autor lässt seinen Protagonisten in seiner kindlichen Sprache episodenhaft erzählen. Das erfordert zu Beginn des Romans etwas Geduld, um in die Geschichte einzutauchen und ihren Reiz zu erfassen. Das Milieu, in dem der Junge aufwächst, ist konfliktreich, spiegelt das Leben seiner Zeit authentisch wider und verfügt durchaus an Aktualität.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Blick hinter die Kulissen

Triebwasser
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Sandra Altmann nimmt uns in ihrem historischen Roman 'Triebwasser' mit in eine kleine oberbayrische Ortschaft, genannt Desselgrub, gelegen am Walchensee. Kaum das der Erste Weltkrieg endlich vorbei ist, ...

Sandra Altmann nimmt uns in ihrem historischen Roman 'Triebwasser' mit in eine kleine oberbayrische Ortschaft, genannt Desselgrub, gelegen am Walchensee. Kaum das der Erste Weltkrieg endlich vorbei ist, er hat auch bei der hiesigen Bevölkerung körperliche als auch traumatische Spuren hinterlassen, müssen sich die Menschen neuerlich auf Veränderungen einstellen, die ihre Existenz scheinbar bedrohen. Ein Elektrizitätskraftwerk soll errichtet werden und zivilisatorischen Fortschritt in den abgelegenen Landstrich bringen. Wir verfolgen über zwei Jahre hinweg das Leben der Einheimischen, lernen ihre Gedanken, ihre Ängste, ihre Wünsche kennen und sehen den Konflikt zwischen dem Weg der Anpassung an die sich verändernden Verhältnisse einerseits und andererseits das kompromisslose Festhalten am Althergebrachten.
Die Autorin entwickelt eine fiktive Handlung rund um ein historisch belegtes Ereignis, dem Bau des Kraftwerks am Walchensee. Ihre detaillierten Beschreibungen der Örtlichkeiten ließen mich tief eintauchen in das Geschehen. Die authentische Darstellung ihrer Charaktere runden das Bild des Lebens in der dörflichen Gemeinschaft wunderbar ab. Das Buch hat neben seinem informativen Charakter einen hohen Unterhaltungswert.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Charakterstudie

Brennende Felder
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Mit 'Brennende Felder' schließt Reinhard Kaiser-Mühlecker die Geschichte einer Familie mit einem Hof im Alpenvorland in Oberösterreich ab. Während es in den vorangegangenen zwei Teilen um die beiden Brüder ...

Mit 'Brennende Felder' schließt Reinhard Kaiser-Mühlecker die Geschichte einer Familie mit einem Hof im Alpenvorland in Oberösterreich ab. Während es in den vorangegangenen zwei Teilen um die beiden Brüder Luisas ging, rückt sie nun selbst in den Mittelpunkt des Geschehens. Luisa kehrt nach zwei gescheiterten Ehen ohne ihre Kinder, die bei den Vätern bleiben, mit ihrem Stiefvater Robert als Paar zurück in das Dorf ihrer Jugend. Die finanzielle Unabhängigkeit auf Grund einer üppigen Erbschaft erlaubt ihnen einen recht großzügigen Lebenswandel. Ihre Familie will nichts von den Beiden wissen und auch die übrigen Dorfbewohner beäugen das Paar eher distanziert. Während Robert auf nächtliche Streifzüge geht, die schließlich tödlich für ihn enden, träumt Luisa von einer Schriftsteller- Charrière. Sie stürzt sich wiederum schnell nach dem Ableben ihres Lebenspartners in die nächste Beziehung, die völlig anders verläuft als die vorangegangenen.
Der Autor schafft eine Protagonistin, die stark narzisstische Züge und keinerlei Empathie besitzt, in sich selbst gefangen ist. Wie eine landwirtschaftliche Maschine, die im Herbst sich entzündet in Folge der hohen Temperaturen des Klimawandels, hinterlässt sie, wo sie nur auftaucht verbrannte Erde. Der Schriftsteller bringt außerdem seine Liebe zur Natur gekonnt zum Ausdruck und besticht mit seinen bildhaften Beschreibungen.
Es ist ein beeindruckender Roman.

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Veröffentlicht am 29.12.2024

Suchende Gemeinschaft

Taumeln
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Hannah, die schöne Schwester von Luisa, gilt seit mehr als zwei Jahren für vermisst. Die anfänglich groß angelegte polizeiliche Fahndung verlief ergebnislos im Sand und auch die privaten Suchaktionen schliefen ...

Hannah, die schöne Schwester von Luisa, gilt seit mehr als zwei Jahren für vermisst. Die anfänglich groß angelegte polizeiliche Fahndung verlief ergebnislos im Sand und auch die privaten Suchaktionen schliefen nach und nach ein. Doch ein kleiner Rest von sieben Personen versammelt sich weiterhin an den Wochenenden um Luisa. Sie durchstreifen sukzessiv Waldstücke gleich hinter dem Haus der Familie mit dem Ziel, die spurlos Verschwundene zu finden. Aber das ist es nicht allein, was diese Gemeinschaft zusammenhält. Vielmehr noch suchen sie nach Nähe Gleichgesinnter, um ihre eigenen Leerstellen, ihre Einsamkeit im Leben auszugleichen.
Es ist eine packende Geschichte um Trauer, Schmerz aber auch unglaubliche Hoffnung, die Sina Scherzant in ihrem Roman 'Taumeln' eindrucksvoll, emotional erzählt. Ihre Protagonisten sind Suchende im Alltag, die unterschiedlich stark belastet durch ihr Leben taumeln und nach Halt und Anerkennung verlangen.
Es ist ein interessantes und lesenswertes Buch.

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Veröffentlicht am 20.12.2024

Zeitreisende

Die Passagierin
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Franz Friedrich lässt Menschen, die Opfer ihrer Zeit geworden sind, in seinem Roman 'Die Passagierin' ihrem persönlichen Schicksal entfliehen und lässt diese zu einem Ort in einer kleinen Gemeinde am Meer ...

Franz Friedrich lässt Menschen, die Opfer ihrer Zeit geworden sind, in seinem Roman 'Die Passagierin' ihrem persönlichen Schicksal entfliehen und lässt diese zu einem Ort in einer kleinen Gemeinde am Meer namens Kolchis transportieren, damit sie sich hier in einem Sanatorium eine Perspektive für ihr neues Leben erarbeiten können. So führen die Protagonisten, die aus unterschiedlichen zeitlichen Epochen der Weltgeschichte stammen Gespräche miteinander, in einer sie beschützenden Umgebung. Als Heather, die Ich-Erzählerin, nach Jahren an den Ort ihrer Jugend zurückkehrt, findet sie das Sanatorium in einem desolaten Zustand vor. Sie glaubt daran hier ihre innere Ruhe endlich wieder zu finden. Wird ihr das gelingen, wo doch so vieles sich verändert hat?
Die Geschichte erfordert beim Lesen viel Konzentration und auch eine gewisse Ausdauer, um die Ereignisse in einen Kontext zu bringen. Es lohnt sich dran zu bleiben und sich den philosophierenden Fragen zu stellen, welchen Einfluss Eingriffe ins Weltgeschehen haben könnten. Der Roman wurde für den Deutschen Buchpreis 2024 nominiert.

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