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Veröffentlicht am 03.01.2025

Fragwürdiger Geistermix

Unmöglicher Abschied
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Ich habe schon einige Bücher von Han Kang gelesen und weiß, die sind alle etwas fordernd. Mit diesem hier konnte ich leider gar nichts anfangen.

Da ist eine Frau, der es nicht gut geht. Gyeongha hat einen ...

Ich habe schon einige Bücher von Han Kang gelesen und weiß, die sind alle etwas fordernd. Mit diesem hier konnte ich leider gar nichts anfangen.

Da ist eine Frau, der es nicht gut geht. Gyeongha hat einen ganzen Haufen Probleme und Migräne obendrein. Kein Wunder, wenn man da depressiv wird. Ihr Leiden wird plastisch und einfühlsam beschrieben, allein die Hintergründe dafür bleiben schwammig. Ich stelle fest, dass blankes Leid ohne Erklärung nicht sehr mitreißt. Ich hätte gerne mit ihr gelitten, aber ich möchte auch die Geschichte dazu.

Dann bekommt Gyeongha einen Anruf von ihrer Freundin Inseon. Inseon liegt im Krankenhaus und braucht jemanden, der ihren Vogel füttert. Auch das wird eindringlich beschrieben. Es ist für Gyeongha qualvoll, sich aufzuraffen, der Weg ist weit, das Haus von Inseon abgelegen und dazu kommt noch ein Schneesturm. Dass sie diese Reise überlebt grenzt an ein Wunder. Vielleicht hat sie auch nicht überlebt, diese Möglichkeit besteht auch. Gyeonghas Leiden lässt sie öfter mal ins Delirium fallen, sie hat Alpträume und dazu kommen auch noch Geistererscheinungen. Sieht sie wirklich Geister oder hat sie Wahnvorstellungen? Man weiß es nicht genau. Es ist eigentlich auch egal, weil sich dieses Buch im Grunde gar nicht um diese beiden Frauen dreht, wie man dann feststellen kann.

An diesem Ort haben grausame Massaker stattgefunden. Inseons Familie musste viel erleiden und das ist wohl die eigentliche Geschichte, die uns das Buch erzählen möchte. Nur tut es das sprunghaft und so ausführlich, dass selbst die grausigsten Vorkommnisse an einem vorbeirauschen. Man weiß auch oft nicht, von wem aus Inseons Familie denn gerade die Rede ist.

Dieses Buch ist ein einziger Alptraum, in dem Gegenwart und Vergangenheit zu lebendigem Grauen verschmelzen und ich sehe durchaus die Intention und den künstlerischen Anspruch, nur lesen wollte ich das nicht. Der historische Teil hätte interessant und anrührend sein können, berührt aber nicht, wenn man die Figuren nicht wirklich kennenlernt. Und der Gegenwartsteil ist am Ende eigentlich überflüssig, wirkt mehr wie ein dramatisch aufgebauschtes Gerüst, das der historischen Geschichte einen fragwürdigen künstlerischen Rahmen gibt.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Ein Drache allein macht noch kein Abenteuer

Retter der Drachen – Sei schnell wie der Wind! (Retter der Drachen 1)
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Gut, ich bin nicht die Zielgruppe, allerdings frage ich mich nach dem Lesen dieses Buches, wer die denn wohl sein soll.

Da ist Lea, die geht zur Schule, aber wie alt sie ist, erfahren wir nicht. Lea zieht ...

Gut, ich bin nicht die Zielgruppe, allerdings frage ich mich nach dem Lesen dieses Buches, wer die denn wohl sein soll.

Da ist Lea, die geht zur Schule, aber wie alt sie ist, erfahren wir nicht. Lea zieht mit ihren Eltern in den Ort Drachenfels. Die Umzugskisten sind noch nicht ganz ausgepackt, da trifft sie die geheimisvolle Francesca Nebula, die ihr ein Drachenei überreicht. Das Drachenei ist nur in der Menschenwelt sicher, weil der böse dreizehnte Drache es haben will. Lea möchte doch bitte darauf aufpassen.

Das ist eine gute Portion an unwahrscheinlichem Unterbau, den man hier in zwei Minuten um die Ohren bekommt. Und, ja, Kinder hinterfragen nicht so viel und können sich leichter auf fantasievolle Geschichten einlassen, aber trotzdem haben sie ein Recht auf Geschichten mit Substanz. Eine gute Fantasygeschichte braucht ein logisches Gerüst, damit man sich einleben kann. Hier wird ein kleiner Drache mal eben in die Menschenwelt gepustet, damit wir putzige Drachensachen erleben können. Frisch geschlüpft darf der Kleine mit Lea in die Schule gehen und verursacht prompt einen Wasserrohrbruch, wie lustig.

Dieses Buch kommt mir vor wie ein zaghafter Versuch, harmlose Kleinkinderfantasy zu entwerfen, nur ist es für die Erstleser, für die es wohl gedacht ist, viel zu putzig. Die Kindergartenkinder, die vielleicht Spaß dran haben könnten, brauchen mehr Bilder und haben keinen Bezug zum Schulalltag.

Dies ist wieder mal ein Kinderbuch, das ich eher ärgerlich finde. Auch Kinder haben ein Recht auf Anspruch und gerade für Erstleser sollte sich eine Geschichte lohnen, wenn man sich schon mühsam durch den Text gearbeitet hat. Ein Drache allein macht noch kein Abenteuer.

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Veröffentlicht am 12.10.2024

Dramatik allein macht keine gute Geschichte

Juli, August, September
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Ich habe dieses Buch gehört, bis zum Ende, und weiß trotzdem nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Es ist weitgehend an mir vorbeigerauscht ohne Höhen und Tiefen, ja, sogar ohne echtes Ende. Die Buchbeschreibung ...

Ich habe dieses Buch gehört, bis zum Ende, und weiß trotzdem nicht so recht, was ich dazu sagen soll. Es ist weitgehend an mir vorbeigerauscht ohne Höhen und Tiefen, ja, sogar ohne echtes Ende. Die Buchbeschreibung klingt so gut, leider ist davon nur wenig bei mir angekommen.

Es erzählt von vielen wichtigen und interessanten Themen ein bisschen, aber nichts richtig. Da ist Lou im Babyblues, sie hat ihre Karriere auf Eis gelegt, um ihre Tochter aufzuziehen, ihr Mann hat ein Burnout und Tante Maya Geburtstag. Sie sind Juden, ohne gläubig zu sein, warum leben sie denn dann nach jüdischen Regeln?

Auf der Geburtstagsfeier trifft sich die ganze Sippe aus diversen Ländern. Es gibt alte Geschichten und Differenzen, eine Prise jüdische Identität in Variationen, traurige Holocaust-Vergangenheit, russische Wurzeln über die Welt verstreut, eine Ehekrise und keiner weiß warum und sogar Sex mit dem Ex.

Während Lou von Berlin nach Gran Canaria und dann nach Tel Aviv reist, um ihre Familiengeschichte zu erkunden, hat ihr Mann zu Hause einen Nervenzusammenbruch und geht einfach nicht ans Telefon, wie blöd. Spätestens an dieser Stelle denkt man: Kein Wunder, dass diese Ehe wackelt.

Am Ende hört es einfach auf und ich habe keine Ahnung, was man mir hier vermitteln wollte.

Die Sprecherin des Hörbuchs gibt alles und versucht, dem Ganzen Gewicht und Betroffenheit zu verleihen, leider hilft das nicht viel, wirkt sogar eher deplatziert. Immerhin haben wir gelernt, dass Dramatik allein keine gute Geschichte macht.

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Veröffentlicht am 08.10.2024

Historientrash

Bevelstoke – Das geheime Tagebuch der Miss Miranda
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„Liebt er mich, oder liebt er mich nicht?“ Das ist die Kernfrage dieses Werks und damit, wenn auch in einem historischen Roman zur Zeit des kleidsamen Empires gestellt, doch auch für uns heute noch von ...

„Liebt er mich, oder liebt er mich nicht?“ Das ist die Kernfrage dieses Werks und damit, wenn auch in einem historischen Roman zur Zeit des kleidsamen Empires gestellt, doch auch für uns heute noch von elementarer Bedeutung und damit absolut zeitlos und wichtig.

Die Autorin geht sogar noch weiter: Liebt er mich wohl, wenn er sagt, er hat mich gern? Oder sagt er, er hätte mich gern, damit er nicht sagen muss, er würde mich lieben, obwohl er es nicht tut? Kann ich ihn gar lieben, obwohl er mich nicht liebt, oder es vielleicht auch nur nicht sagt?

All das bewegt die junge Lady Miranda, die zu klug ist, um die Männerwelt zu bewegen, die aber eine beste Freundin mit attraktiven Brüdern hat, das hilft, wenn man ein blaustrümpfiges Mauerblümchen ist, allerdings mit reizender Nase.

Mich bewegt nach der Lektüre dieses Buches höchstens die Frage: Wer liebt solche Bücher? Nichts gegen seichte Romantik, aber hier gibt es nicht den Hauch einer Handlung. Mirandas Ringen, seine blauen Augen und ausführlichen Sex vor der Ehe, mehr bekommt man hier nicht geboten. Ich denke, die weiteren Teile der Saga lasse ich aus.

Den zweiten Stern gibt es für gelegentlich gute Gags und die Tapferkeit der Sprecherin des Hörbuchs. Das war sicher schmerzhaft.

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Veröffentlicht am 21.05.2024

Langweilig und bemüht

Tiberius Rex 1: Mein Freund, der Dino
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Gut möglich, dass bei diesem Buch die Illustrationen einiges rausreißen. Ich habe die Hörbuchversion gehört und fand es enttäuschend, inhaltlich dürftig und sprachlich gewollt putzig. Auch Kinder haben ...

Gut möglich, dass bei diesem Buch die Illustrationen einiges rausreißen. Ich habe die Hörbuchversion gehört und fand es enttäuschend, inhaltlich dürftig und sprachlich gewollt putzig. Auch Kinder haben ein Recht auf gute Geschichten, das hier ist gar keine.

Leo ist mit ihrer Klasse im Museum. Sie ist immerhin alt genug, um sich bei Referaten zu langweilen. Da sieht sie einen riesigen Schatten. Als echte Geheimnisforscherin muss sie der Sache nachgehen und trifft Tiberius Rex, einen echten, lebendigen Dino, der sprechen kann und uralt ist. Die Welt außerhalb des Museums kennt er kaum, deshalb bringt er Leo abends nach Hause.

Das ist im Grunde die Handlung. Unterwegs passiert natürlich noch dies und das, Tiberius ist riesengroß und ängstlich, Leo zeigt ihm die Welt, nur leider ist das an Harmlosigkeit nicht zu überbieten und sterbenslangweilig. Wer dieses Buch kauft, möchte ein Dinoabenteuer erleben, bekommt aber nur Tiberuis, den liebenswerten Trottel serviert. Über Dinosaurier lernt man hier nichts, was man nicht schon weiß.

Sprachlich möchte das Buch Humor beweisen durch Knaller wie: „Mein Hirn ist nur noch Wackelpudding.“ Der Mathelehrer heißt Herr Zahlenfreund, die Klassenlehrerin Frau Krokus und der nervige Nachbar Herr Grumpler. (Der nennt doch Tiberius glatt „Walross“!) Das mag vielleicht manch einer lustig finden, ich fand es bemüht.

Das Hörbuch liest Ilka Teichmüller sehr schön, kann aber auch nichts am verunglückten Sujet retten. Es dauert zum Glück nur zwei Stunden.

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