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Veröffentlicht am 28.01.2025

Toxische Familie

Letzte Lügen
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Sara und Will wollen ihre Flitterwochen in einer exklusive Lodge in den Bergen verbringen, die seit Generationen im Besitz der Familie McAlpine ist. Idyllisch an einem großen See gelegen, mitten im Wald, ...

Sara und Will wollen ihre Flitterwochen in einer exklusive Lodge in den Bergen verbringen, die seit Generationen im Besitz der Familie McAlpine ist. Idyllisch an einem großen See gelegen, mitten im Wald, ohne Handyempfang. Zusammen mit den Frischvermählten, sind noch vier weiter Pärchen und ein Freund der Familie anwesend. Direkt am ersten Abend werden die Gäste Zeuge einer Auseinandersetzung innerhalb der Familie, kurz darauf wird die Tochter Opfer eines brutalen Verbrechens. Will, der die Sterbende findet, fühlt sich verpflichtet ihren Mörder zur Strecke zu bringen und er glaubt auch bereits zu wissen, wer es gewesen ist.

"Letzte Lügen" ist bereits der 12. Band der Georgia-Reihe rund um Gerichtsmedizinerin Sara Linton und GBI Ermittler Will Trent. Die Autorin liefert hier eine typische Locked Room Geschichte, eine kleine Gruppe von Personen, in einer isolierten Umgebung und es passiert ein Mord. Logischerweise sind Täter und Motiv innerhalb dieser Gruppe zu suchen, was natürlich alle verdächtig macht. Klassisch, aber immer wieder spannend. Wärend der folgenden Ermittlungen gerät jeder der Anwesenden in den Fokus und es ergibt sich ein Bild der letzten Stunden vor der Tat, aber auch immer mehr Dinge aus der Vergangenheit kommen an die Oberfläche. Bei fast 600 Seiten bleibt es nicht aus, dass die Geschichte hier auch mal etwas schwächelt, die Interaktion zwischen Sara und Will gleicht das aber gut wieder aus. Ich weiß, dass einige Leser es nicht so mögen, wenn zu viel vom Privatleben der Ermittler in die Geschichte einfließt, aber hier ist es ein wichtiger Bestandteil der Gesamtstory.

Ich kenne Sara und Will bereits aus anderen Büchern und kenne so die Hintergründe der Figuren. Gerade für Will wird es in diesem Buch sehr persönlich und hier helfen diese Kenntnisse natürlich, allerdings denke ich, man könnte das Buch im Notfall auch unabhängig von der Reihe lesen. Willˋs Figur ist etwas speziell, ich hatte anfangs meine Schwierigkeiten mich an ihn zu gewöhnen, auch weil ich großer Fan der Grant-County-Reihe war und deren Ende der Autorin etwas übel genommen habe. Ein bisschen ist da die Annie Wilkes in mir durchgekommen. Mittlerweile mag ich Will Trent sehr, nicht zuletzt auch durch die gleichnamige Serie bei Disney. Wer bisher nur die Serie kennt, dem empfehle ich unvoreingenommen an die Bücher heranzugehen, die Serie hat viele Parallelen, weicht aber letztlich doch auch sehr von den Büchern ab.

Karin Slaughter behandelt in diesem Buch wieder Themen, die bestimmte Personen durchaus triggern können, es geht um Manipulation, Gewalt, Misshandlung, Missbrauch, seelisch wie auch körperlich und das innerhalb der Familie. Wer die Bücher der Autorin kennt weiß, dass diese Thematiken oft bei ihr vorkommen. Hier wird eine sehr toxische Familiengeschichte erzählt, die letztlich in einem Akt der Gewalt endet. Es geht aber auch darum, wie Täter über Jahre hinweg gedeckt werden, wie weggeschaut wird, wie die Glaubwürdigkeit der Opfer zerstört wird und ihre mentale Abhängigkeit immer mehr verstärkt. Als Leser hat man recht schnell eine Ahnung davon, wohin sich die Geschichte entwickelt, die finale Auflösung hält aber eine gehörige Überraschung bereit und setzt nochmal eins drauf. Mir hat es gefallen.

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Veröffentlicht am 19.01.2025

Frauenpower

Einbalsamiert
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Im Beerdigungsinstitut der Skels geht alles seinen gewohnten Gang. Dorothy genießt ihre Zweisamkeit mit Thomas, Jenny konzentriert sich auf die Arbeit in der Detektei und Hannah steht vor dem Abschluss ...

Im Beerdigungsinstitut der Skels geht alles seinen gewohnten Gang. Dorothy genießt ihre Zweisamkeit mit Thomas, Jenny konzentriert sich auf die Arbeit in der Detektei und Hannah steht vor dem Abschluss ihres Studiums. Die Ruhe ist allerdings trügerisch, denn plötzlich gibt es ein Lebenszeichen von Hannahs Dad, Dorothys Hund findet einen abgetrennten Fuß und es wird eine freilaufende Raubkatze gesichtet. Viel zu tun für die Skelf Frauen.

Es ist einige Zeit vergangen seit den Ereignissen aus dem Vorgängerband. Die Frauen haben mittlerweile einen Alltag zwischen der Organisation und Durchführung von Beerdigungen und der Arbeit in der Privatdetektei der Familie gefunden. Jede von ihnen nimmt bei Bedarf einen Fall an, so auch hier. Während Enkelin Hannah von einem Kollegen gebeten wird zu ermitteln, woher die Signale kommen, die er augenscheinlich aus dem All empfängt, bekommt Jenny von einem Geschwisterpaar den Auftrag, den Freund der Mutter zu beschatten, Dorothy beschäftigt sich mit dem Fund des Fußes und bekommt so Einblick in die teils sehr skurile Arbeit einer Gruppe von Hobbyeinbalsamierern. Überschattet wird das Ganze aber durch das Auftauchen von Hannahs Vater, die Vorgeschichte hierzu wird in "Eingeäschert" erzählt, und dem Verschwinden von Hannahs Halbschwester, die nachts aus ihrem Bett entführt wird.

Wie auch schon im vorigen Buch ist die Erzählweise des Autors recht vielschichtig und er webt wieder viele verschiedene Handlungsstränge und Nebenschauplätze zusammen. Während ich das beim letzten Mal noch bemängelt habe, hat es mich hier gar nicht weiter gestört, allerdings verlangt es schon etwas Aufmerksamkeit vom Leser, um nicht den Faden zu verlieren. Wie gewohnt erzählt der Autor die Geschichte immer abwechseln aus der Sicht einer der Figuren, wobei der jeweilige Name der Person das Kapitel überschreibt, damit man weiß wer gerade dran ist. Neben der reinen Krimihandlung geht es auch hier wieder sehr ins Seelenleben der Figuren. Die Skelf Frauen haben ja alle in irgendeiner Form von Dämonen zu kämpfen und geraten gern mal ins Grübeln. Gerade Jenny hat sich hier aber sehr zum Positiven entwickelt. Während ich im ersten Buch noch total von ihrer Art genervt war, ihrer Jammerei, ihrem Gesuhle in Selbstmitleid, ihren ständigen Abstürzen, gefällt sie mir jetzt eindeutig besser. Sie trinkt für meinen Geschmack immer noch zu viel und zu früh, aber irgentwie erscheint sie mir reifer, fast erwachsener.

Doug Johnstone erzählt relativ ruhig, aber trotzdem spannend, mit vielen Details zu Edinburgh. Er widmet seinen Figuren viel Aufmerksamkeit und sie tragen die Geschichte. Auch wenn man das Vorgängerbuch nicht gelesen hat kommt man gut zurecht, allerdings ist es schon von Vorteil, wenn man um die Ereignisse mit Hannahs Vater weiß. Wie ich erst jetzt mitbekommen habe ist dieses Buch sogar schon Band drei der Reihe, "Eingefroren", Band zwei habe ich irgendwie verpasst.

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Unaussprechlich

Kaltes Krematorium
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1950 werden die Erinnerungen von Jozsef Debreczeni auf ungarisch veröffentlicht. Erinnerungen an die schrecklichste Zeit seines Lebens, Erinnerungen an eine der dunkelsten der Geschichte, Erinnerungen ...

1950 werden die Erinnerungen von Jozsef Debreczeni auf ungarisch veröffentlicht. Erinnerungen an die schrecklichste Zeit seines Lebens, Erinnerungen an eine der dunkelsten der Geschichte, Erinnerungen an seine Deportation durch die Nazis ins Konzentrationslager Auschwitz. Nun sind diese Erinnerungen, dieses Zeitzeugnis erstmalig auf Deutsch erschienen und ich wollte dieses Buch unbedingt lesen, auch, weil ich die Gedenkstätte des KZ Auschwitz-Birkenau schon besucht habe und erschüttert war über die dort verübten Greueltaten.

Der Journalist und Dichter Jozsef Debreczeni wird als Jude 1944 nach Auschwitz gebracht. Mit Zügen, unter menschenunwürdigen Zuständen, geht es ins Unbekannte, vermeintlich dem nächsten Arbeitseinsatz für ein deutsches Unternehmen entgegen. Angekommen im Lager direkt die erste Selektion, Kranke und Alte werden von den Arbeitsfähigen getrennt und auf Lastwagen weggebracht, beneidet von den Zurückbleibenden, die nun einen kilometerlangen Fußmarsch vor sich haben, unwissend, dass sie so schon das erste mal dem Tod entkommen sind.

Die Erzählung des Autors ist messerscharf, detailliert, ungekünstelt und direkt. Sie lässt sofort Bilder des Grauens im Kopf entstehen, wie man sie auch aus Filmen wie "Shindlers Liste" kennt, die aber um ein Vielfaches grausamer und realer sind. Was das Ganze so grausam macht sind dabei nicht unbedingt die Greueltaten der Nazis, die Debreczeni nur "die Grauen" nennt, denn diese treten aktiv gar nicht so unmittelbar in Erscheinung. Grausam und erschreckend ist das System, das sie innerhalb der Lager unter den Häftlingen geschaffen haben, ein System aus Blockwarten und Kapos, sogenannten Funktionshäftlingen, die, ausgestattet mit einem Minimum an Macht ein Maximum an Angst und Schrecken unter ihren Mitgefangenen verbreiteten. Der Autor beschreibt die Willkür, den Terror, die Gewalt und den Überlebenskampf in allen Details und der Leser erkennt die Perfidität, die hinter dem Ganzen steckt.

Es ist fast unvorstellbar, was der Autor beschreibt, manchmal kaum auszuhalten, aber man kann das Buch trotzdem nicht aus der Hand legen. Das Beschriebene ist ein Zeitzeugnis, da es nur noch wenige Holocaustüberlebende gibt, die persönlich von ihren Erlebnissen berichten können. Erlebnisse, die heute um so dringender als Mahnung dienen müssen, da wir förmlich von rechtspopulistischem Gedankengut überschwemmt werden. Bücher wie dieses sollten meiner Meinung nach unbedingt Schullektüre werden, denn seinen wir mal ehrlich, das was die Schüler heutzutage über den Nationalsozialismus lernen, ist mehr als dürftig. Gerade in einer Zeit, in der es das Internet so leicht macht die Vergangenheit zu leugnen, in der man so leicht seine falschen Propaganda verbreiten kann, müssen wir mit solchen Büchern gegensteuern. Wider dem Vergessen.

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Veröffentlicht am 03.12.2024

Mord unterm Weihnachtsbaum

KillerBells
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Draußen rieselt leise der Schnee und drinnen die Nadeln vom Weihnachtsbaum, genau die richtige Zeit, um es sich mit einem guten Buch bequem zu machen. Wer es mal nicht ganz so besinnlich möchte greift ...

Draußen rieselt leise der Schnee und drinnen die Nadeln vom Weihnachtsbaum, genau die richtige Zeit, um es sich mit einem guten Buch bequem zu machen. Wer es mal nicht ganz so besinnlich möchte greift zu einem Krimi, oder zu diesem Buch, den hier bekommt man gleich Neun.

Franziska Waltz und ihre Autorenkollegen Claus Schönhofer und Norbert Peter haben sich für dieses Projekt zusammengetan und jeweils zwei Kurzkrimis beigesteuert. Wie das tolle Buchcover schon vermuten lässt, immer mit einem Augenzwinkern, den man kann durchaus auch humorvoll morden, wobei gar nicht unbedingt immer gemordet wird.

Als Leser begleitet man eine Gruppe von alten Freunden auf einen idyllischen Wochenendtrip in ein verschneites Ferienhaus, eine Szenerie, direkt aus dem Videoclip zu Whamˋs "Last Christmas" entsprungen. Man liest von einem Kettensägenmassaker, erlebt Ärger über den Inhalt des Adventskalenders, kann sich über einen Besuch auf dem Weihnachtsmarkt freuen und begleitet eine Kommissarin auf ihrem wohlverdienten Weihnachtsurlaub. In einer anderen Geschichte lernt man einen erfolglosen Schauspieler kennen, in der nächsten, einen ebenso erfolglosen Schriftsteller und in einer weiteren eine enttäuschte Ehefrau. Jede Szenerie mit reichlich Stoff zum Schmunzeln, wenn zb über die Vielzahl von Nudelsorten philosophiert wird, oder der Ermittler mit den Namen der Heiligen drei Könige durcheinander kommt.

Die Krimis sind kurzweilig und unterhaltsam geschrieben und versüßen jedem Krimifan das Warten aufs Christkind, aber Vorsicht, nicht das am Ende die Polizei vor der Tür steht.

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Veröffentlicht am 17.11.2024

Aus der Schublade ins Buch

Vergessene Geschichten
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Jeder Autor hat wohl die ein, oder andere Geschichte, die es aus den vielfältigsten Gründen nicht zur Veröffentlichung geschafft hat, vergessen in der Schublade liegen. Michael Hirtzy, den ich durch seine ...

Jeder Autor hat wohl die ein, oder andere Geschichte, die es aus den vielfältigsten Gründen nicht zur Veröffentlichung geschafft hat, vergessen in der Schublade liegen. Michael Hirtzy, den ich durch seine Science-Fiction Reihe "VorTeks" kennengelernt habe, hat hier nun einige seiner vergessenen Schätze hervorgeholt und in dieser Sammlung vereint. Manche davon sind vorab schon einmal in anderen Sammlungen erschienen, einige erblicken hier das erste Mal das Licht der lesenden Welt. Zu Beginn jeder Geschichte erläutert der Autor kurz deren Entstehung.

Das Buch enthält 12 phantastische Kurzgeschichten aus den verschiedensten Bereichen, da ist das Weltraumabenteuer ebenso vertreten, wie die Story mit Horrorelementen, die mit märchenhaften Fantasydetails, oder das dystopische Endzeitdrama. Hier wird wirklich für jeden was geboten. Der Autor liefert dem Leser zb seine ganz persönliche Version von "How I Met Your Mother", einen alternativen Verlauf der Corona-Pandemie, die Vernichtung eines ganzen Planeten, Rache für begangenes Unrecht, den Ausblick auf eine Zukunft, in der Maschinen immer mehr die Menschen auf dem Arbeitsmarkt überflüssig machen und, ganz wichtig, er zeigt wie man mit einem guten Kaffe die Welt vor dem Untergang bewahrt.

Die Storys sind vielfältig, gut in der Kürze erzählt, manchmal philosophisch, manchmal gruselig, manchmal mit einer guten Prise Humor. Es wurde wirklich Zeit, dass sie aus ihrer Schublade rausgekommen sind und ich kann sie jedem SiFi/Fantasy- Fan nur ans Herz legen.

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