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Veröffentlicht am 13.01.2025

Bezaubernde Geschichten

Lilo & Stitch: O'hana heißt Familie
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"Lilo und Stitch" war ein Kinofilm aus den frühen 00er-Jahren und weckt damit bei vielen heutigen jungen Eltern eigene Kindheitserinnerungen. Auch mich hat der Film damals bezaubert und der Satz "O'Hana ...

"Lilo und Stitch" war ein Kinofilm aus den frühen 00er-Jahren und weckt damit bei vielen heutigen jungen Eltern eigene Kindheitserinnerungen. Auch mich hat der Film damals bezaubert und der Satz "O'Hana heißt Familie" - titelgebend für dieses Kinderbuch - ist mir bis heute in warmer Erinnerung.

Das Buch erfüllt die hohen Erwartungen, die ich daran hatte, absolut. Die Zeichnungen sind wunderschön und allerliebst, sehr ansprechend für Kinder. Und auch die Geschichten sind sehr schön und vermitteln Werte wie Zusammengehörigkeit, Verbundenheit, Mitgefühl und Hilfsbereitschaft - alles sehr wichtige Werte für Kinder. Gleichzeitig werden sie wie nebenbei und in geschichtenhafter und unterhaltsamer Form vermittelt.

Die kurzen, liebevollen Szenen, reich bebildert, könnten durchaus auch schon für jüngere Kinder, als das angegebene Mindestalter von 8 Jahren, in Vorlesebegleitung von Erwachsenen, etwas sein.

"O'Hana heißt Familie" ist also ein wunderschönes Buch für die ganze Familie, das ich nur wärmstens empfehlen kann.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Tolle, alltagstägliche Tipps für mehr Energie und Gesundheit

Energize your life!
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"Energize your life!" von Prof. Dr. Ingo Froböse fällt schon durch seine äußere Gestaltung als wunderschönes und ansprechendes Buch auf. Eingeteilt in viele kleine Abschnitte und angereichert mit Bildern, ...

"Energize your life!" von Prof. Dr. Ingo Froböse fällt schon durch seine äußere Gestaltung als wunderschönes und ansprechendes Buch auf. Eingeteilt in viele kleine Abschnitte und angereichert mit Bildern, praktischen Anleitungen zu Bewegungsübungen und Kochrezepten (auch jeweils mit einem Appetit machenden Bild dazu) ist es eine wahre Freude, sich mit dem Buch zu beschäftigen. Damit erfüllt dieses Buch schon eine ganz wichtige Aufgabe für alle, die ihren Lebensstil ändern möchten: es arbeitet mit Freude, Inspiration und Motivation.

Toll finde ich auch, wie ganz normale Menschen, die sich bisher noch nicht so viel mit Sport, Schlaf, gesunder Ernährung oder anderen Faktoren eines gesunden Lebensstils beschäftigt haben, durch die einfachen Erklärungen und den motivierenden Zugang von dem Buch abgeholt werden. Aber auch, wer schon viel über diese Themen weiß, wird das ein oder andere Neue erfahren.

Das Buch beginnt mit dem Thema Stress, Überlastung und Überforderung und erklärt, was Stress im Körper bewirkt und warum dieser durch unseren modernen Lebensstil oft nicht mehr automatisch so leicht abgebaut werden kann und was dann im Körper passiert. Gleich darauf folgt ein Kapitel zu den Themen Regeneration und Erholung, und von Anfang an ist das Buch voll mit vielen kleinen Tipps und Ideen zur praktischen Umsetzung: beispielsweise empfiehlt es sich, zur Regeneration nach einem anstrengenden Arbeitstag etwas ganz anderes zu machen als das, was man sonst in der Arbeit macht: wer die ganze Zeit gesessen ist, sollte sich jetzt bewegen. Wer sich bewegt hat, braucht Ruhe oder eine andere, sanfte Form der Bewegung.

Ein großes Kapitel ist auch dem wichtigen Thema Schlaf gewidmet, es geht um die Ursachen von Schlafstörungen sowie darum, wie man wieder einen besseren Schlaf bekommen kann und warum dieser so wichtig ist. Auch auf die verschiedenen Schlafphasen wird eingegangen und auch hier gibt es wieder viele hilfreiche Tipps, z.B. der, dass ein Schlaf untertags entweder ein ganz kurzer Power-Nap von nur 10 bis 20 Minuten sein sollte, oder gleich 2 Stunden, und damit einen vollen Schlafzyklus, dauern sollte, um nicht mitten aus dem Tiefschlaf aufzuwachen und sich noch erschöpfter zu fühlen als davor.

Danach folgt ein Kapitel über Alltagsstrategien: es geht um Bewegung an der frischen Luft, Meditation, Entspannung, Wellness und Urlaub, aber auch um tiefgreifende Fragen wie die nach unserem Ikigai und danach, wofür unser Herz wirklich schlägt.

Sehr gut gefallen hat mir auch das Kapitel über Bewegung und Sport: auch hier gibt der Autor praktische, alltagstaugliche Tipps für einen Einstieg in ein bewegteres Leben, das zum Beispiel über sanftes Gehen und Walken zum Laufen führen kann, aber auch der eigene Lieblingssport oder das Entdecken neuer Lieblingssportarten sind möglich. Besonders mochte ich hier auch die "20 Übungen für mehr Wohlbefinden", in denen ausführlich bebildert leicht einsetzbare, schnelle und effektive Dehnungsübungen für den Alltag vorgestellt werden.

Das letzte große Kapitel widmet sich schließlich dem wichtigen Thema Ernährung, auch im Zusammenhang mit Stress, und gibt Tipps für eine gesunde, abwechslungsreiche und nährstoffreiche Ernährung. Am Ende finden sich noch "15 Rezepte für mehr Energie", die alle von sehr Appetit anregenden Bildern begleitet sind, sodass ich sie am liebsten gleich alle nachkochen würde. Es sind Rezepte für Frühstück (z.B. Apfelstrudelporridge), Mittagessen (z.B. Hähnchen mit Süßkartoffeln und Gemüse) und Abendessen (z.B. z.B. Omelett mit Tomaten und Bergkäse) dabei.

Dieses tolle Buch wird definitiv einen Stammplatz in der Nähe meines Arbeitsplatzes bekommen, sodass ich regelmäßig nachschlagen, Übungen machen, Rezepte nachkochen und mich inspirieren lassen kann. Und ich werde es bei Gelegenheit sicher einigen Menschen in meinem Umfeld schenken. Denn es gibt selten so tolle Bücher zu einem gesunden Lebensstil, die komplett auf den erhobenen Zeigerfinger verzichten und stattdessen so ansprechend und inspirierend sind, dass sie richtig Lust darauf machen, sich mit den empfohlenen Themen näher auseinanderzusetzen. Damit zeigt das Buch, dass Genuss und Freude gut mit Gesundheit und Fitness vereinbar sind, ja, sich sogar gegenseitig bedingen - eine sehr wichtige Botschaft!

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Veröffentlicht am 08.01.2025

Poetisch, zauberhaft und philosophisch

Umlaufbahnen
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"Umlaufbahnen", im englischsprachigen Original "Orbital" von Samantha Harvey hat im Jahr 2024 den Booker Prize gewonnen. Schon das Cover mit den bunten Kugeln und dem Weltraumnebel finde ich ganz zauberhaft, ...

"Umlaufbahnen", im englischsprachigen Original "Orbital" von Samantha Harvey hat im Jahr 2024 den Booker Prize gewonnen. Schon das Cover mit den bunten Kugeln und dem Weltraumnebel finde ich ganz zauberhaft, und es spiegelt wider, wie besonders dieses Buch ist. Samantha Harvey entführt uns mit ihrem Nature Writing mitten in ein Raumschiff, das viele Male am Tag die Erde umkreist.

Durch die Augen der sechs staunenden Astronauten erleben wir ihren Blick aus dem All auf die Welt und viele philosophische Gedanken dazu. Dabei gelingt es der Autorin, so plastisch zu schreiben, dass ich das Gefühl hatte, dabei gewesen zu sein im All, und dieses Gefühl wirkt auch jetzt, einige Tage nach Abschluss der Lektüre, noch in mir nach.

Hier ein paar ausgewählte Zitate, die die besondere Atmosphäre dieses einzigartigen Buches einfangen sollen:

Gleich am Anfang: "So einsam sind sie in ihrem um die Erde kreisenden Raumschiff und gleichzeitig einander so nah, dass ihre Gedanken, ihre individuellen Mythologien, bisweilen zusammenfinden. Mitunter träumen sie dieselben Träume - von Fraktalen und blauen Sphären und vertrauten Gesichtern in der Dunkelheit, vom leuchtenden, energiegeladenen Schwarz des Weltraums, das ihre Sinne überwältigt." (S. 7)

"Sie ziehen an Shanghai vorbei. Bei Tageslicht ist von der Stadt nur eine menschenleere Küste am Rand eines Kontinents in allen erdenklichen Farbtönen auszumachen. Es ist die vierte Erdumkreisung des Tages, die sie wach miterleben, und auch wenn ihre Umlaufbahn sie gen Osten führt, verschiebt sich aufgrund der Drehung der Erde ihre Route mit jeder vollen Umkreisung nach Westen, sodass sie sich - wie der Taifun - immer weiter landeinwärts bewegen, fort vom Pazifik, auf Malaysia und die Philippinen zu, und der Taifun hastet ihnen hinterher." (S. 63)

In diesem zweiten Zitat wird auch ein Taifun erwähnt, der auch sonst noch an mehreren Stellen im Buch vorkommt, sich verdichtet und heftiger wird und für die Menschen auf der Erde in den betroffenen Regionen eine große Gefahr darstellt - für das Raumschiff aber nicht.

Und so ist auch die Perspektive der sechs Astronauten eine aus der Distanz, aus der manches, insbesondere die Schönheit und Zerbrechlichkeit der Welt, die Kontinente und große Wetterphänomene, sich klarer zeigt, während viele Details, insbesondere einzelne Staatsgrenzen und der Alltag der Menschen, unsichtbar wird und an Bedeutung verlieren. Damit lädt das Buch auch dazu ein, über die Bedeutung der Perspektive nachzudenken: je nachdem, von wo aus ich etwas betrachte, werde ich etwas ganz anderes sehen.

Es ist ein stilles, poetisches Buch, das ohne größere Spannungselemente auskommt. Es lebt von dem Rhythmus aus Blicken aus dem Fenster auf die Erde, so wie im zweiten Zitat, und der Beschreibung des Alltags der Crewmitglieder.

Die sechs Astronauten und Astronautinnen (zwei Frauen sind dabei) sind aus verschiedenen Ländern: zwei aus Russland (diese haben einen eigenen russischen Sektor, sind aber sonst ganz normal Teil des Teams) und je eine Person aus den USA, aus Großbritannien, aus Italien und aus Japan.

Wir erfahren so einiges Interessantes über die körperlichen Herausforderungen des Alltags im All: darüber, wie die Astronauten täglich trainieren müssen, um dem durch die mangelnde Schwerkraft im Fallen des Raumschiffes verursachten Muskelabbau vorzubeugen (und trotzdem werden sie bei der Rückkehr auf der Erde gesundheitlich beeinträchtigt sein, weil auch das Training nicht alles kompensieren kann), über die Geschmacklosigkeit des Essens im All, das Festhalten-Müssen an einem künstlich geschaffenen tagesähnlichen Rhythmus, die Sammlung allen Wassers, sogar der Tränen, und Wiederaufbereitung des Urins, diverse wissenschaftliche Experimente mit Mäusen, Weltraumspaziergänge, um etwas zu warten, Einsamkeit und Vermissen der geliebten Menschen daheim, Verpassen des Begräbnisses der eigenen Mutter... aber auch über die ursprünglichen Sehnsüchte und Träume der Kinder, die die Astronauten einmal waren, und wie sie den Funken in ihnen gezündet haben, der sie dazu gebracht hat, selbst den Weltraum bereisen zu wollen.

Und dann wieder und wieder und wieder der Blick aus den Fenstern auf die atemberaubende Welt: alle 45 Minuten wird es dunkel, und dann wieder hell, denn in eineinhalb Stunden umkreist das Raumschiff einmal komplett die Erde, und so erleben wir immer wieder, wie die Sonne auf- und untergeht und verschiedene Länder und Kontinente sichtbar oder unsichtbar werden.

Ein letztes Zitat (S. 198):

"Vielleicht gibt es nichts außer diesem Raumschiff, das still um einen unsichtbaren Felsbrocken kreist. Vielleicht war es so auch für die ersten Entdecker, die sich, in einer blinden Nacht auf See, viele Monate und Tausende von Kilometern von einer Küste entfernt, von der sie noch nicht sicher sein konnten, dass sie existierte, der Erde, ihrer Welt, so nahe fühlten, als wären sie die einzigen Menschen auf ihr, und in diesem Gefühl einen kurzen Moment des Friedens fanden."

Dieses Zitat drückt, wie so viele andere, für mich aus, wie dieses Buch ehrfürchtig machen kann vor der Schönheit unserer Welt, unserer Mutter Erde, der einzigen, die wir haben. Damit ist es auch ein Buch, das auf seine poetisch-stille Art wachrütteln kann und hoffentlich auch wird, diese unsere Erde zu achten und zu schützen, und somit genau in diesen Zeiten ein wichtiges Buch, dem ich viel Verbreitung wünsche.

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Veröffentlicht am 08.01.2025

Mutiger Lebensbericht einer spät diagnostizierten autistischen Frau

Strong Female Character
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"Strong Female Character" ist der Lebensbericht der schottischen Stand-Up-Comedienne Fern Brady, betrachtet unter der Perspektive ihres erst vor kurzem, in ihren 30ern Jahren, diagnostizierten Autismus. ...

"Strong Female Character" ist der Lebensbericht der schottischen Stand-Up-Comedienne Fern Brady, betrachtet unter der Perspektive ihres erst vor kurzem, in ihren 30ern Jahren, diagnostizierten Autismus. Fern Brady wurde als eines von mehreren Kindern in eine schottische Arbeiterfamilie geboren und war schon als Baby und Kleinkind auffallend anders: sie reagierte auf zu starke Reize mit spitzen Schreien, wollte nicht gestreichelt werden, kratzte sich an den Stellen, an denen sie von anderen berührt worden war, und schleuderte ihren Kopf gegen die Stäbe ihres Gitterbettes, wenn ihr etwas zu viel war. Außerdem war sie schon damals tollpatschig und ungeschickt.

Aber in den 80er Jahren war Autismus gesellschaftlich noch kaum ein Thema, für das die Menschen sensibilisiert waren, schon gar nicht bei einem Mädchen und in der Arbeiterklasse. Fern Brady hat die Form von Autismus, die man früher als Asperger-Syndrom bezeichnet hätte (diese Bezeichnung wird aufgrund der problematischen NS-Vergangenheit des Namensgebers nicht mehr verwendet, stattdessen wird auch diese Form nun allgemein unter den Autismus-Spektrums-Störungen subsummiert). Eine oft als "leicht" angesehene Form von Autismus (Fern selbst verwehrt sich aber gegen diese Zuschreibung und meint, leicht wäre höchstens die Außenwahrnehmung nicht Betroffener, weil diese Autisten so gut im Maskieren wären), die mit keiner sonstigen kognitiven Beeinträchtigung und oft auch speziellen Begabungen und einem sehr guten Gefühl für Sprache einhergeht. Die Sicht auf das Asperger-Syndrom war lange und ist zum Teil bis heute von den Experimenten des Namensgebers geprägt, und diese bezogen sich ausschließlich auf männliche Kinder vor der Pubertät. Auch deshalb ist es bis zum heutigen Tag für ältere autistische Menschen und ganz besonders für Frauen sehr schwierig, eine Diagnose zu bekommen.

Die sehr intelligente, Bücher und Sprachen liebende und selbständig recherchierende Fern hatte durchaus schon als Jugendliche den Verdacht, von dieser Form des Autismus betroffen zu sein, las sich in die jeweiligen Diagnosekriterien ein, erkannte sich wieder und sprach dieses Thema gegenüber Ärzten an. Leider geriet sie dabei immer wieder an solche, die in diesem Gebiet nicht kompetent genug waren, aber diese Schwäche auch nicht etwa eingestanden und sie weiterverwiesen hätten, sondern aufgrund von Falscheinschätzungen leugneten, dass Fern von dem Thema betroffen sein könnte, etwa weil sie Augenkontakt halten könne (etwas, das intelligente autistische Menschen im Laufe des Lebens lernen können) oder weil sie einen Freund hatte (auch das ist absolut kein Ausschlusskriterium). Und anfangs glaubte Fern ihnen und ihrer Autorität auch, es waren ja Ärzte.

Dabei kämpft sie ihr Leben lang damit, sich in der oft unverständlichen sozialen Umwelt zurechtzufinden, hat immer wieder psychische Krisen und Zusammenbrüche aufgrund von Reizüberflutung (sogenannte Meltdowns, im Rahmen derer sie nicht anders kann, als Möbel zu zertrümmern), missbraucht Medikamente, die sie sich vom Schwarzmarkt besorgt, wird immer wieder von den Eltern rausgeschmissen, finanziert ihr Studium aus Geldnot als Stripperin und ist immer wieder suizidal.

Es dauert Jahrzehnte, während sie auf ihrer Suche danach, zu verstehen, was mit ihr los war, immer mehr Anzeichen dafür findet, dass sie mit ihrem Verdacht recht hat (u.a. durch das großartige Buch "Aspergirls" von Rudy Simone, das sich für sie wie eine exakte Beschreibung ihres Lebens und ihrer Herausforderungen las), bis sie an eine kompetente Spezialistin für erwachsene Autistinnen gerät und eine offizielle Diagnose erhält. Mutig setzt sich Fern nun mit ihrem autobiografischen Buch dafür ein, für das Thema hochfunktionaler Autismus, insbesondere bei Frauen, zu sensibilisieren und darüber aufzuklären, und leistet damit einen wertvollen Beitrag dafür, dass andere Betroffene früher Unterstützung erhalten und nicht Jahrzehnte lang danach suchen müssen.

Beim Lesen des Memoirs empfand ich tiefes Mitgefühl und viel Respekt für diese starke und intelligente, reflektierte junge Frau, die trotz all dieser Handicaps nicht aufgegeben hat und sich sowohl eine berufliche Karriere als Stand-Up-Comedienne, die ihr Freude bereitet, als auch endlich eine Diagnose und damit eine Erklärung für ihr Anders-Sein erkämpft hat, und die damit auch noch so offen und mutig in die Welt hinausgeht. Mir persönlich, die ich mich schon viel mit dem Thema Autismus beschäftigt habe, war Fern Brady beim Lesen auch sehr sympathisch, ich mag, wie mutig und reflektiert sie ist.

Wer sich noch nicht so gut mit Autismus auskennt, der könnte einige Szenen in Ferns Leben so empfinden, als ob sie unsympathisch wäre, aber viel davon spiegelt einfach das mit ihrer Neurodivergenz einhergehende mangelnde Verständnis für nonverbale Kommunikation und für die oft unausgesprochenen, komplexen und sich subtil situativ anpassenden Regeln des sozialen Miteinanders wider. So schlägt Fern etwa beim Fortgehen einer anderen jungen Frau, von der sie beleidigt wurde, mit einer Flasche auf den Kopf, in der Annahme, das sei Selbstverteidigung, denn die andere hätte sonst sie auch körperlich angegriffen. Zum Glück kommt die andere mit einer relativ leichten Verletzung und Fern mit einer Geldstrafe davon. Hier meine Hochachtung vor Fern, dass sie solche Ereignisse, die sie in einem kritischen Licht dastehen lassen könnten, überhaupt in ihr persönliches Buch mitaufgenommen hat, das hätte sie ja nicht müssen.

Gleichzeitig ist ihr, wie vielen autistischen Menschen, Aufrichtigkeit und Ehrlichkeit wichtiger als das Erzeugen eines möglichst positiven Bildes von sich selbst. Und sie möchte mit der Schilderung dieses und weiterer Ereignisse auch dafür sensibilisieren, wie viele autistische Menschen aufgrund ähnlicher Vorfälle Probleme mit dem Gesetz bekommen, im Gefängnis landen, härter als nicht-autistische Menschen verurteilt werden, z.B. weil vor Gericht für die Härte der Bestrafung ausgesprochene Reue eine große Rolle spielt, und nicht-autistische Menschen meist viel besser darin sind, diese glaubhaft vorzuspielen, auch wenn sie sie nicht empfinden, und weil allgemein Justiz- und Gesundheitsssystem noch kaum für die Bedürfnisse autistischer Menschen sensibilisiert sind.

Soziologisch betrachtet sehr interessant ist auch das Zusammenspiel mehrerer Benachteiligungen, das Fern in ihrem Buch beschreibt und analysiert: so spielt es für viele Situationen in ihrem Leben eine Rolle, dass sie nicht nur autistisch ist, sondern außerdem eine Frau und aus der Arbeiterklasse. Ein Junge wäre mit viel höherer Wahrscheinlichkeit schon als Kind diagnostiziert worden, da er viel stärker den prototypischen Bildern eines Autisten entsprechen würde. Und Eltern aus einer anderen Sozialschicht hätten vermutlich auch andere Mittel zur Verfügung gehabt, um ihr Kind besser zu fördern (auch wenn Fern einräumt, dass ihre Eltern das ihnen Bestmögliche getan haben und ihr z.B. auch bei knappen finanziellen Mitteln Klavierunterricht ermöglichten, etwas, von dem sie bis heute als Ressource profitiert) und finanziell zu unterstützen, und möglicherweise auch Zugang zu einer differenzierten Diagnostik schon früher im Leben zu bekommen.

Somit ist es auf vielen Ebenen ein sehr lesenswertes und interessant geschriebenes Buch, das ich allen, die sich für Neurodiversität, Autismus und generell für verschiedenste Lebensumstände und die Herausforderungen, die sie mit sich bringen, interessieren, nur wärmstens ans Herz legen kann. Danke, Fern, fürs mutige Teilen deiner Lebensgeschichte!

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Veröffentlicht am 05.01.2025

Einzigartig und besonders: über die Magie des Übersetzens

Babel
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"Babel" ist ein ganz besonderer, zauberhafter Roman, wie ich in der Form noch keinen gelesen habe. Das Buch wird teilweise als Fantasy-Buch vermarktet und mit Harry Potter verglichen, aber das wird dem ...

"Babel" ist ein ganz besonderer, zauberhafter Roman, wie ich in der Form noch keinen gelesen habe. Das Buch wird teilweise als Fantasy-Buch vermarktet und mit Harry Potter verglichen, aber das wird dem Buch (und auch Harry Potter, das ein großartiges Werk, aber ganz anders ist) überhaupt nicht gerecht. Zwar gibt es ein kleines Fantasy-Element in dem Buch - das Silberwerken, eine Form von übersetzungsbezogener Magie, die an Silberbarren gebunden ist - doch ist das Buch insgesamt viel eher anderen Genres zuzuordnen: eine Mischung aus historischem Roman in einer alternativen Realität, Sachbuch über das Übersetzen und vor allem ist es ein sehr aufklärerischer Roman mit einer klaren Mission, nämlich für das Unrecht des Kolonialismus und die vielen offenen und subtilen Unterdrückungsmechanismen, denen alle, die keine weißen Männer sind, in den letzten Jahrhunderten ausgesetzt waren und bis heute in vielen Bereichen ausgesetzt sind, zu sensibilisieren. Es ist ein sehr progressives Buch zu Identitäten und Ungerechtigkeiten im Zusammenhang mit dem Kolonialismus.

Deshalb: wer sich hauptsächlich spannende Unterhaltung und Fantasy erwartet, der ist hier falsch. Das bedeutet nicht, dass das Buch nicht an vielen Stellen auch spannend ist... aber es sind über 700 Seiten und die Handlung lässt sich Zeit, sie schreitet gemächlich voran, und es dauert schon einmal um die hundert Seiten, bis Robin aus Kanton überhaupt in Oxford ankommt, dazwischen sind eine lange Schiffsreise, einige Jahre bei seinem Ziehvater und viele Gedanken über kulturelle und sprachliche Unterschiede und über das Übersetzen zu finden.

Auch danach ziehen sich viele kluge philosophische Überlegungen durch das Buch und man lernt unglaublich viel über die Herausforderung des Übersetzens und wird dafür sensibilisiert, wie viele Ungenauigkeiten auch beim sorgfältigsten Übersetzen passieren, weil sich ganz viele Wörter und Redewendungen niemals zu 100 % identisch aus einer Sprache in die andere übertragen lassen, ohne dass etwas verloren geht. Mit diesen Unschärfen arbeitet das fantastische Element des Silberwerkens, das Silberbarren genau durch die Bedeutungslücke einer Übersetzung zwischen zwei Sprachen mit einer magischen Funktion auflädt.

Angekommen in Oxford begleiten wir den jungen Robin bei seiner Einführung ins studentische Leben dort, bei seiner Faszination für Sprache und Übersetzung und beim Knüpfen enger Freundschaften mit den drei anderen Studierenden aus seinem Jahrgang: Ramy, ein junger muslimischer Mann aus Indien, Victoire, eine dunkelhäutige Französin haitianischer Abstammung und Letty, als einzige eine Britin, aber als Frau im 19. Jahrhundert gesellschaftlich benachteiligt und damit ebenfalls eine, die sich ihren Zugang zu dieser elitären Universität und dem Übersetzungsstudium im Turm Babel hart erkämpfen hat müssen. Das gemeinsame Studium und die gemeinsamen Ausgrenzungserfahrungen schweißen die vier zusammen... bis der Lauf der Geschehnisse ihnen harte Entscheidungen abringt und ihre Freundschaft auf eine schwere Probe stellt.

"Babel" ist ein Buch, das auf vielen Ebenen bildet, sensibilisiert und zum genauer Nachlesen anregt. Zwar stellt es sich als fiktiv-fantastisches Werk dar, aber viele der darin beschriebenen Diskriminierungs- und Ausgrenzungsmechanismen genauso wie viele historische Phänomene gab es tatsächlich, etwa den Kolonialismus, die Opiumkriege zwischen Großbritannien und China im 19. Jahrhundert und vieles mehr. Es regt dazu an, neue Perspektiven einzunehmen und all diese Dinge insbesondere durch die Brille marginalisierter und oft bis heute benachteiligter Menschen zu betrachten. Ich habe auch aus historischer Sicht beim Lesen des Buches sehr viel über diverse Themen gelernt und werde nun noch weiter dazu recherchieren.

Dabei stellt es viele Fragen, auch durchaus unbequeme, z.B. zur Legitimation von Gewalt, wenn diese als einziger Weg erscheint, einen Umbruch durchzusetzen und bestehende Ungerechtigkeiten zu beseitigen. Es regt auf vielen Ebenen zum Nachdenken und Diskutieren an und ist damit ein sehr wichtiges und besonderes Buch.

Ich habe nur einen kleinen Kritikpunkt, der sonst grundsätzlich meiner Begeisterung keinen Abbruch tut: etwas einseitig fand ich, dass das Buch - mit kleinen Ausnahmen, die ich aber nicht sonderlich überzeugend fand - sehr dazu anregt, nur mit all den marginalisierten Individuen und Gruppen mitzufühlen, während ich die Darstellung der weißen Hegemonialmacht und ihrer Vertreter insgesamt als sehr plump, unsensibel und einseitig wahrgenommen habe (gut möglich, dass viele so sind/waren, aber wohl doch auch nicht alle). Ich bin mir auch nicht sicher, ob die Richtung, in die sich das Buch am Ende entwickelt, zur Förderung des Friedens, der Toleranz und Völkerverständigung beiträgt... aber vielleicht muss es das ja auch nicht.

Auch wer reine Unterhaltung sucht und sich nicht für die Feinheiten von Sprache, die Geschichte von Kolonialismus und Ausbeutung und deren Folgen bis heute usw. interessiert und nicht gerne Sachbücher liest, für den ist es vielleicht nicht das richtige Buch.

Ich persönlich habe viel aus der Lektüre mitgenommen, sowohl an Bildung als auch an Themen zur weiteren Diskussion und Reflexion. Es bleibt auf ganz vielen Ebenen ein sehr intelligentes, spannend geschriebenes und in vielerlei Hinsicht sensibilisierendes und damit wichtiges Buch.

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