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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 03.04.2025

Genial und raffiniert

Das Dinner – Alle am Tisch sind gute Freunde. Oder?
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Vor fünf Jahren verschwand Maria während eines Festivals spurlos, nun kommt die restliche Clique das erste Mal seit damals zusammen und trifft sich zu einem Krimi-Dinner. Während des Spiels fallen den ...

Vor fünf Jahren verschwand Maria während eines Festivals spurlos, nun kommt die restliche Clique das erste Mal seit damals zusammen und trifft sich zu einem Krimi-Dinner. Während des Spiels fallen den früheren Freunden frappierende Parallelen zum Verschwinden von Maria auf, dann eskaliert die Situation und verschiedene Geheimnisse kommen ans Licht. Bald wachsen die Zweifel daran, dass die junge Frau freiwillig verschwand und es stellt sich die Frage, ob sie noch am Leben ist oder ein Mörder mit an der gedeckten Tafel sitzt.

»Schien so, als würde ich das Problem noch heute angehen müssen. Na gut. Ich würde dafür sorgen, dass Maria den Mund hielt. Koste es, was es wolle.« (Seite 125)

Der Prolog verriet alles und nichts, stimmte mich aber gut auf die folgende Geschichte ein. Die fünf Freunde schilderten mir die gegenwärtige Situation, schwelgten in Erinnerungen und ließen die Vergangenheit herein. Dabei durfte ich mich genauso wenig auf ihre Ehrlichkeit verlassen, wie sie es untereinander tun konnten; jede Person behielt wesentliche Informationen für sich, fügte Unwahrheiten hinzu oder stellte einzelne Ereignisse ein bisschen anders dar. Erst die einzelnen Puzzleteile, die sich daraus ergaben, formten für mich ein Gesamtbild, und dennoch war ich lange Zeit nicht in der Lage, der Täterperson näher zu kommen. Die Spannung blieb dadurch kontinuierlich hoch, lediglich in der Mitte gab es so viele Überschneidungen und Wiederholungen, dass es mir fast zu viel war. Dies ist aber meckern auf hohem Niveau, denn die Lösung war genial und was folgte einfach wunderbar. Insgesamt ein ausgezeichneter Thriller, der mit vielen Überraschungen verbunden war und mich großartig unterhalten hat.

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Veröffentlicht am 31.03.2025

Das Resultat ist Schrecken

Wütendes Mädchen auf einer Steinbank
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Die achtjährige Aïda möchte zum Karneval, es ist der letzte Abend der Festlichkeiten und ein Besuch vom Vater streng verboten, deswegen gibt sie nach, als die sechsjährige Mimi droht, sie zu verraten, ...

Die achtjährige Aïda möchte zum Karneval, es ist der letzte Abend der Festlichkeiten und ein Besuch vom Vater streng verboten, deswegen gibt sie nach, als die sechsjährige Mimi droht, sie zu verraten, wenn sie nicht mitgenommen wird. Auf dem Fest verlieren sich die Schwestern aus den Augen und so kehrt die Ältere alleine nach Hause zurück, aber ohne Alarm zu schlagen. Mimi bleibt unauffindbar und Aïda verlässt mit sechzehn die Familie, die sie seit dem Unglück wie eine Aussätzige behandelt, und kehrt der Insel den Rücken. Fünfzehn Jahre später meldet sich unerwartet ihre Schwester und erzählt vom Tod des Vaters, Aïda kommt daraufhin mit gemischten Gefühlen in die Heimat zurück.

Die ungewöhnliche Erzählweise macht einen großen Reiz der Erzählung aus, an mich persönlich richtet sich die Stimme, erzählt Vergangenes und springt dann in die Gegenwart zurück. Dazwischen die Geschichte des Vaters, das Leben der Mutter, vermischt mit Fakten über die Insel und ihre Bewohner. So ergibt sich nach und nach ein Gesamtbild, das unaufhaltsam darauf zusteuert, mir zu verraten, was in jener verhängnisvollen Nacht geschah. Meine Vermutung entpuppt sich als falsch, es war nämlich noch tragischer, als ich es mir hätte vorstellen können. Was folgt ist ein Meisterstück, das mich verblüfft, aber auch mit einer gewissen Genugtuung erfüllt. Sprachlich anspruchsvoll, lediglich die hier und da fehlenden oder überflüssigen Buchstaben zerstören manchmal das Leseglück. Insgesamt jedoch lesenswert!

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Veröffentlicht am 16.01.2025

Düstere Spannung

Aschezeichen
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Ein Familienvater wird ermordet, während er mit seinen Kindern in Jütland auf einer Insel zelten ist. Die vierzehnjährige Shirin findet ihn tot im Zelt, flieht und versteckt sich bei einem Verwandten, ...

Ein Familienvater wird ermordet, während er mit seinen Kindern in Jütland auf einer Insel zelten ist. Die vierzehnjährige Shirin findet ihn tot im Zelt, flieht und versteckt sich bei einem Verwandten, während der Bruder verschwunden bleibt. Der Leiter der Mordkommission bittet die Privatdetektivin Liv Jensen um Unterstützung, die sich mit vollem Einsatz in die Ermittlungen stürzt. Diese führen sie dreißig Jahre in die Vergangenheit, zurück in ein Flüchtlingslager, in dem das iranisch-dänische Mordopfer seinerzeit auf die Bewilligung seines Asylantrags gewartet hat.

Beim vorliegenden Buch handelt es sich um den zweiten Teil der Reihe mit der Privatermittlerin Liv Jensen, deren Auftakt mit dem Titel »Glutspur: Die Wurzeln des Schmerzes« mich vor längerer Zeit außerordentlich beeindruckt hat. Um dem aktuellen Fall folgen zu können, sind keine Vorkenntnisse erforderlich, um die Verwicklungen der drei im Vordergrund stehenden Personen zu verstehen ist es allerdings von Vorteil, die Reihenfolge einzuhalten und mit dem ersten Band zu beginnen. Dieses Buch ist nicht ganz so undurchschaubar aufgebaut wie der Vorgänger, was vorrangig daran liegt, dass die erwähnten Figuren und ihre Beziehung zueinander mir bereits bekannt waren, wobei sich viele Einzelheiten erst aus dem Kontext ergaben, da mir über ein Jahr später nicht mehr alles Wichtige im Gedächtnis geblieben ist. Dennoch hatte ich keinerlei Probleme damit, der Geschichte folgen zu können.

Ein komplexer Fall, Ereignisse, die weit in die Vergangenheit zurückreichen, eine fremde Kultur, interessante Beteiligte sowie drei Hauptpersonen, die allesamt ihr eigenes Päckchen zu tragen haben; wieder einmal konnte mich die Autorin in eine Welt entführen, die mir unzählige spannende Stunden beschert hat. Einige Wendungen führten mich auf falsche Fährten, den Ausgang hätte ich mir dennoch nicht einmal annähernd so vorgestellt. Wie bereits im ersten Buch wurde der Kriminalfall restlos aufgeklärt, das Privatleben der drei Figuren allerdings bietet erneut viel Stoff für eine weitere Folge. Ich freue mich darauf!

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Veröffentlicht am 06.01.2025

Fünfzehn mal Leben

Fremder Champagner
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In insgesamt fünfzehn Erzählungen nimmt uns Martina Berscheid mit auf eine Lesereise zu sehr unterschiedlichen Themen. Die Geschichten sind hierbei mal kurz und mal lang, nicht immer gibt es einen Abschluss, ...

In insgesamt fünfzehn Erzählungen nimmt uns Martina Berscheid mit auf eine Lesereise zu sehr unterschiedlichen Themen. Die Geschichten sind hierbei mal kurz und mal lang, nicht immer gibt es einen Abschluss, es bleibt manches ungesagt, wie im wahren Leben auch. Ob Verrat, Eifersucht, Unsichtbarkeit in einer langen Beziehung oder Einsamkeit, die Figuren in den Kurzgeschichten sind authentisch und oft wie am Rande einer Klippe unsicher balancierend, sich fragend, wo es hingehen mag.

Ich mochte alle Stories sehr, meine Favoriten aber sind »Familienfest« und »Gwen«. Ein Familienfest: Die Kinder sind erwachsen, die Mutter bestellt alle nach Hause, etwas Wichtiges gibt es zu verkünden. Alle kommen und sind gespannt, was dies für eine Neuigkeit sein mag. Aus mehreren Perspektiven erfuhr ich dabei die Gedanken und Gefühle der Familienmitglieder. Besonders berührt hat mich dabei die Sichtweise des Vaters, der immer mehr in die Demenz abdriftet und nicht so viel mitbekommt von diesem Familienfest, das keines war. In «Gwen« gehts um Einsamkeit, aber auch um Übergriffigkeit, die daraus erwächst. Diese Erzählung war so traurig, dass es fast wehgetan hat.

Insgesamt eine schöne Mischung, die mir gut gefallen hat. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 12.11.2024

Unten angekommen

Gorbach
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Hank Zerbolesch hat mit dem vorliegenden Buch eine Sammlung von ineinander greifenden Geschichten vorgelegt, die einen Querschnitt durch Menschenschicksale zieht. Hierbei konzentriert er sich auf die vom ...

Hank Zerbolesch hat mit dem vorliegenden Buch eine Sammlung von ineinander greifenden Geschichten vorgelegt, die einen Querschnitt durch Menschenschicksale zieht. Hierbei konzentriert er sich auf die vom Leben nicht begünstigten Personen, beispielsweise die Einsamen, die Süchtigen und andere aus der Gesellschaft Verstoßenen.

»Die Ecke hier war mal ein richtig schöner Ort gewesen. Laut, ja, auch, aber nicht laut im Sinne von Nachbarn, die um halb zwölf Uhr nachts mit der Stichsäge Laminat verlegen, sondern laut im Sinne von pulsierend. Atmend. Okay, röchelnd auch, das stimmt. Dieser Ort war schon immer anders gewesen. Ein bisschen schmutziger als der Rest. Aber angenehm schmutzig. Wie eine noch nicht ganz aufgeräumte Wohnung nach einem ausladenden Familienfest, diese Art Schmutz.« (Seite 163)

Die Erzählungen ergänzen sich, manche Namen tauchen erneut auf, andere verschwinden im Kosmos der Bedeutungslosigkeit. Verzweiflung wabert durch die Seiten, Gewalt löst Angst ab, Sucht führt zur Gier, mangelnde Perspektiven gehen Hand in Hand mit Armut, die überall aus den Ecken kriecht. Die Sprache passt zur Gosse, geflucht wird überall. Darüber liegt ein Nebel der Hoffnungslosigkeit, hängt über den Menschen und hüllt sie ein. Da hilft es auch nicht, dass der ein oder andere schöne Moment um die Ecke schaut und mangels Platz wieder verschwindet. Das Leben ist hässlich, das Leben ist schön. Gorbach ist trotzdem oder gerade deswegen eine (Lese-) Reise wert!

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