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Meinungen aus der Lesejury

Veröffentlicht am 18.02.2025

Hommage an das Kino

Die schönere Lüge
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Schon das Cover deutet auf die Freundschaft zweier Frauen an.
Beide beschäftigen sich mit Film, vielmehr, es ist ihr Lebensmittelpunkt.
Doch sie sind sehr unterschiedlich. Die Autorin präsentiert zwei ...

Schon das Cover deutet auf die Freundschaft zweier Frauen an.
Beide beschäftigen sich mit Film, vielmehr, es ist ihr Lebensmittelpunkt.
Doch sie sind sehr unterschiedlich. Die Autorin präsentiert zwei Lebenswege.
Das macht sie auf komplexe, manchmal unnötig komplizierte Art.
Man sollte für das Buch ein Interesse an Film mitbringen, insbesondere auch an die Filmgeschichte. Man wird einiges wieder entdecken und vielleicht auch neues.

Ich muss gestehen, dass mich Dana Spiottas letzter Roman (Unberechenbar) mehr angesprochen hatte, aber auch Die schönere Lüge ist ein gutes Buch.

Veröffentlicht am 18.02.2025

Überdosis vom Leben

bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann
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Das Buch mit dem ausgefallenen Titel „bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann“ ist außergewöhnlich.
Das Buch ist komplett in Jugendsprache erzählt. Das ist teilweise witzig, manchmal auch anstrengend.
Abwechselnd ...

Das Buch mit dem ausgefallenen Titel „bruder, wenn wir nicht family sind, wer dann“ ist außergewöhnlich.
Das Buch ist komplett in Jugendsprache erzählt. Das ist teilweise witzig, manchmal auch anstrengend.
Abwechselnd erzählen vier Jugendliche.
Ivor, Marco, Arjan und Jonas. Sie sind wie Brüder.
Sie leben in Norwegen, lieben es zu chillen und ihr Interesse liegt bei vielen Drogen. Nicht umsonst heisst der zweite Teil des Buches Absturz.

Die Kapitel sind überwiegend sehr kurz und es gibt viele von ihnen.

Noch ein Wort zum Cover: es ist ganz in rot gehalten und zeigt offenbar einen der Jugendlichen in nachdenklicher Pose. Das passt schon.

Ein manchmal witziges, aber auch raues und wildes Buch.

Ich vermute, der Autor Oliver Lovrenski wird seinen Erfolg nicht wiedrholen können. Er hat es geschafft, ein Lebensgefühl auszudrücken. Ein weiteres mal ist das nicht zwingend.

Veröffentlicht am 14.02.2025

In einem Swimmingpool im November

Es geht mir gut
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Der Roman ist in Maine, 1957 angesiedelt und stellt das Ehepaar Kathleen und Vergil in den Mittelpunkt. Sie sind schon ein paar Jahre verheiratet, haben Kinder. Vergil ist eher ein oberflächlicher Typ, ...

Der Roman ist in Maine, 1957 angesiedelt und stellt das Ehepaar Kathleen und Vergil in den Mittelpunkt. Sie sind schon ein paar Jahre verheiratet, haben Kinder. Vergil ist eher ein oberflächlicher Typ, liebt den Jazz und macht sich keinen Kopf. Die sportliche Kathleen aber ist in eine Krise geraten. Sie steigt an einem Novembertag in den Swimmingpool und weigert sich, wieder rauszukommen.
Es ist aus heutiger Sicht nicht einfach, sich in die Situation der amerikanischen Paare der fünfziger hineinzuversetzen. Doch das Buch, im Original The Most, ist als Gesellschaftsporträt nicht zu unterschätzen. Es war sogar auf der Longlist des National Book Award 2024.

Veröffentlicht am 29.01.2025

Ein Text, der Realität verpflichtet

Die Gabe
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Die Gabe ist ein kurzer, bitterer Text über eine problematische Mutter-Tochter-Beziehung. Stilistisch einfach und vordergründig kühl gehalten, ist nur die Stimme der Tochter im Vordergrund. Sie arbeitet ...

Die Gabe ist ein kurzer, bitterer Text über eine problematische Mutter-Tochter-Beziehung. Stilistisch einfach und vordergründig kühl gehalten, ist nur die Stimme der Tochter im Vordergrund. Sie arbeitet als Hostess im Rotlichtbezirk Tokios.
Die Mutter ist schwer krank und taucht bei ihrer inzwischen erwachsenen Tochter auf. Nur für kurze Zeit, bis sie zum sterben wieder ins Krankenhaus muss.
Das Buch ist intensiv, aber irgendwie fehlt mir auch etwas. Viel Handlung gibt es nicht. Vor allen gibt es die versteckten Emotionen, die im Buch nicht ausgesprochen, aber doch spürbar sind.

Veröffentlicht am 13.01.2025

Von Wien nach München

In einem Zug
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In einem Zug heißt der neue Roman von Daniel Glattauer sehr zutreffend, da der Protagonist die ganze Handlung im Zug sitzt, in einem Gespräch mit einer Mitreisenden, die er dort getroffen hat.
Er heißt ...

In einem Zug heißt der neue Roman von Daniel Glattauer sehr zutreffend, da der Protagonist die ganze Handlung im Zug sitzt, in einem Gespräch mit einer Mitreisenden, die er dort getroffen hat.
Er heißt Eduard Brünhofer, ist ein Schriftsteller, sogar ein erfolgreicher mit dem Thema Liebe, doch seit einiger Zeit mit Schreibblockade.
Die Plaudereien sind temporeich und amüsant zu lesen. Es wechseln die Dialoge und die Gedanken Eduards blitzartig. Ständig wertet er seine Antworten, die er den Fragen seiner eloquenten Mitreisenden entgegensetzt. Mit der Zeit wird er immer lockerer.
Mich erinnert das neue Buch mehr an Glattauers Erfolgsroman Gut gegen Nordwind und weniger an seinen ernsteren Die spürst du nicht.
Er ist deutlich leichter und zugänglich. Glattauer und sein alter Ego im Buch setzen sehr auf Ironie. Das kann schon nerven, aber vieles hat dann doch Wortwitz.