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Veröffentlicht am 15.03.2025

Faktenreiches Lesevergnügen über die Schönheit des Gesichts

Wie wir so schön wurden
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In ihrem Buch „Wie wir schön wurden“ setzt sich Rabea Weihser mit der Geschichte der Schönheit auseinander und fokussiert sich dabei entsprechend des Titelzusatzes auf unser Antlitz. „Eine Biografie des ...

In ihrem Buch „Wie wir schön wurden“ setzt sich Rabea Weihser mit der Geschichte der Schönheit auseinander und fokussiert sich dabei entsprechend des Titelzusatzes auf unser Antlitz. „Eine Biografie des Gesichts“ nennt sie ihr Buch, denn sie versucht die Veränderungen über die Jahrhunderte hinweg nachzuvollziehen. Den Sozialen Netzwerken und Videokonferenzprogrammen ist in den letzten Jahren immer mehr Bedeutung zugekommen. Bei Nutzung digitalen Medien erhält unser Gesicht besondere Aufmerksamkeit, denn häufig ist es der einzige sichtbare Teil unseres Körpers.

Die Autorin ergründet, welche Schönheitsvorstellungen uns leiten, wenn wir uns für andere zurechtmachen. Während einige Natürlichkeit in den Vordergrund stellen, greifen andere nach Hilfsmitteln, durch die sie sich auf künstliche Art ihrem Ideal anpassen. Entsprechend widmet sich das erste Kapitel den „Masken“ und verwendet als zentrales Beispiel den „Glass Skin“, einen hyperreflektierenden Look der Starvisagistin Pat McGrath, der im Jahr 2024 boomte und Gesichter makellos und porzellanartig aussehen lässt.

Ein weiterer Abschnitt schaut auf unser Profil, bei der die Nase wesentlich zur Form der Seitenansicht beiträgt, gefolgt von detaillierten Betrachtungen zu Augen, Brauen und Lippen werden. Die letzten drei Kapitel schauen auf die Makel unseres Gesichts, das Alter und den Idealen an denen wir unsere Maßstäbe ausrichten.

Ein 26-seitiges Quellenverzeichnis und eine fünfseitige Auflistung der verwendeten Literatur bezeugen die umfassende Recherche der Autorin. Sie verwendet durchgehend einen Trendjargon, in dem sie fundiertes Wissen vermittelt. Als Leserin brachte sie mich auf den neuesten Stand aller Schönheitsströmungen, über die Jahrzehnte hinweg. Ergänzend zum Buch bietet ihre Webseite neun Bilderdossiers zu den Kapiteln, die das Geschriebene veranschaulichen.

Als erfahrene Journalistin versteht Rabea Weihser es, mit jedem Thema spannende Aspekte zu verknüpfen. Elemente aus der Soziologie, Anthropologie und Psychologie finden Eingang in ihre Betrachtungen genauso wie Faktoren aus der Kunstgeschichte. Schönheit ist sowohl von biologischen Mustern als auch kulturellen Moden abhängig und steht unter dem Einfluss von politischen Ansichten, ökonomischen Absichten und technischen Entwicklungen.

Die Autorin lockert ihre Erkenntnisse durch amüsante Einwürfe auf, so dass das Buch „Wie wir so schön wurden“ nicht nur ein faktenreiches Lesevergnügen ist. Besonders begeistert hat mich Rabea Weihser mit ihrer Fähigkeit, überraschende Querverbindungen zu ziehen, die manchmal unvermutet sind. Gerne vergebe ich eine Empfehlung an alle, die mehr über die Schönheit des menschlichen Gesichts erfahren möchten.

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Veröffentlicht am 09.03.2025

Nachvollziehbares Bild einer Liebesbeziehung in der heutigen Zeit

Zehn Bilder einer Liebe
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In seinem Roman „Zehn Bilder einer Liebe“ lässt Hannes Köhler den Lesenden an einer Liebesbeziehung teilhaben, die sowohl gute wie auch schlechte Zeiten durchlebt. Die Kapitel sind unterteilt und wechseln ...

In seinem Roman „Zehn Bilder einer Liebe“ lässt Hannes Köhler den Lesenden an einer Liebesbeziehung teilhaben, die sowohl gute wie auch schlechte Zeiten durchlebt. Die Kapitel sind unterteilt und wechseln jeweils vom Protagonisten David zur Hauptfigur Luisa oder umgekehrt. Beginnend im April 2023 handeln vier der neun folgenden Kapitel in den kommenden Monaten des gleichen Jahrs in chronologischer Reihenfolge. Die übrigen fünf werfen Rückblicke bis ins Jahr 2012, als die Hauptfiguren sich kennenlernten. Das Cover; das ein tanzendes Paar zeigt, spiegelt bildhaft wider, dass David und Luisa sich auf unterschiedliche Weise in ihre Partnerschaft einbringen.

Vier Jahre nachdem der inzwischen dreißigjährige David Hausfeld und die etwa zehn Jahre ältere Luisa Schindejahn ein Paar wurden, wünschen sie sich ein gemeinsames Kind. Aus ihrer ersten Ehe hat Luisa bereits eine zehnjährige Tochter. Doch David, der als Einzelkind aufgewachsen ist und sich in der Vaterrolle wohlfühlt, träumt von einer eigenen größeren Familie. Mittlerweile beherrscht der unerfüllte Kinderwunsch den Alltag und belastet die Beziehung: Spannungen entstehen und Momente der Sprachlosigkeit über das Verhalten des Partners beziehungsweise der Partnerin. Als Leserin verfolgte ich, ob der Wunsch in den kommenden Monaten zur Wirklichkeit wird, aber auch, wie die Liebe der beiden Hauptfiguren sich in der Vergangenheit zu einer tiefen Verbundenheit entwickelt hat.

Hannes Köhler beschreibt eine Liebesgeschichte, wie sie sich im realen Leben abspielen könnte. Er zeigt auf, wie bedeutsam nicht nur Liebe und Zuneigung, sondern auch gemeinsame Zukunftsvorstellungen für eine Beziehung sind. Schwierig beim Elternsein ist oft die Vereinbarkeit von Beruf und Kinderbetreuung. Für Luisa als Köchin mit eigenem Restaurant erfordert das ständige Abstimmungsarbeit. Sie überlegt, ob ihr Unternehmen finanziell abgesichert genug ist, eine zweite Schwangerschaft zuzulassen. Unterdessen fragt David sich, ob er als Vater für Luisas Tochter austauschbar ist. Der Autor bildet feinfühlig den Kinderwunsch aus weiblicher und männlicher Perspektive ab mit allen damit verbundenen Hoffnungen, Ängsten und Enttäuschungen.

In seinem einfühlsam geschriebenen Roman „Zehn Bilder einer Liebe“ zeichnet Hannes Köhler ein nachvollziehbares Bild einer Liebesbeziehung in der heutigen Zeit. Er gewährt einen Blick auf die Gefühle seiner Hauptfiguren David und Luisa über Höhen und Tiefen des Liebesverhältnisses hinweg, was ihm durch wechselnde Perspektiven authentisch gelingt. Eine berührende Geschichte, der ich gerne meine Leseempfehlung gebe.

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Veröffentlicht am 05.02.2025

Spannende Detektivgeschichte bei der Freundschaft im Fokus steht

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente: Das Zeichen der Fünf
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Im Jugendbuch „Baskerville Halle – Das Zeichen der Fünf“ der US-Amerikanerin Ali Standish kehrt der schottische Protagonist Arthur Doyle nach den Weihnachtsferien zurück in das titelgebende Internat. Auf ...

Im Jugendbuch „Baskerville Halle – Das Zeichen der Fünf“ der US-Amerikanerin Ali Standish kehrt der schottische Protagonist Arthur Doyle nach den Weihnachtsferien zurück in das titelgebende Internat. Auf seiner Hinreise wird er beschattet, denn sein Lehrer und Vorbild Sherlock Holmes sorgt sich um seine Sicherheit. Anlass dazu gibt die Einmischung von Arthur in die Machenschaften des Grünen Ritters über die man im ersten Band der Reihe „Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente“ lesen konnte.

Durch ein belauschtes Gespräch erfährt Arthur, dass der legendäre „Club des Kleeblatts“ wieder aufleben soll, deren Mitglieder ihm nicht wohlgesinnt sind. Aufgrund bestimmter Anzeichen beginnt er, seinem Freund und Zimmergenossen Jimmy zu misstrauen. Die folgende Zeit wird daher schwierig für ihn, denn er überlegt einmal mehr, mit wem er seine scharfsinnigen Beobachtungen teilen kann, die er mit detektivischem Spürsinn anstellt. Im Laufe der Geschichte erkennt er, wie wichtig Freundschaften für ihn sind. Sein eigenes Verhalten hinterfragt er, woraufhin er sich vornimmt, seinen Gefährten mehr Verantwortung zuzutrauen.

Für die Erstklässler, zu denen Arthur gehört, steht der Ideenwettbewerb der Schule an. Innerhalb weniger Wochen soll jede und jeder ein einzigartiges Projekt fertigstellen, das die Chance bietet, frühzeitig in einen der fünf Schulzirkel aufgenommen zu werden. Doch bevor Arthur dazu kommt, einen eigenen Beitrag zu entwickeln, geschieht etwas Unvorstellbares: Sherlock Holmes fällt aufgrund einer Vergiftung ins Koma. Bei der Suche nach dem Täter erweisen er und seine Freunde sich als tatkräftige Ermittler. Jedoch bleibt Sherlock Holmes nicht das einzige Opfer.

Bereits nach wenigen Seiten fühlte ich mich wieder in der Geschichte angekommen. Der Einstieg fiel mir leicht, auch weil mir die Hauptfiguren und die Örtlichkeiten des Internats durch den ersten Teil bekannt waren. Ali Standish versteht es, von Anfang an Spannung aufzubauen. Dadurch, dass Arthur observiert wird, wurde mir als Leserin deutlich, dass die Bedrohung, der Arthur vor den Ferien ausgesetzt war, längst nicht überwunden ist.

Auf dem Protagonisten lastet ein gewisser Druck, denn durch ein herausragendes Projekt und der vorzeitigen Einladung in einen der Schulzirkel könnte er seine Familie stolz machen. Aber zunehmend fühlt er sich einsam, denn seine Freundinnen und Freunde sind mit ihren eigenen Konzepten beschäftigt. Währenddessen versucht er die Identität des Grünen Ritters aufzudecken und hat bald eine Vermutung. Um an wichtige Informationen zu gelangen, handelt er nicht immer nach den Regeln der Schule.

Ali Standish lässt ganz im Stil der klassischen Sherlock-Holmes- Romane von Arthur Doyle, die für ihre Geschichte gestaltete junge Figur des Autors mehrfach durch logisches Denken Schlussfolgerungen ziehen, die entscheidende Hinweise zur Aufklärung von Verbrechen beitragen. Wie im ersten Band der Reihe wird es teilweise magisch und mysteriös. Einige der Figuren beschäftigen sich fasziniert mit dem Thema Unsterblichkeit, von denen eine schließlich in einer faszinierend geschilderten Szene das Leben verliert. Am Ende des Buchs findet sich ein Abriss über die eher unbekannten Seiten des Schriftstellers Arthur Conan Doyle, ergänzt um Fotos aus seinem Leben.

„Das Zeichen der Fünf“ ist der zweite Band der „Baskerville Hall“-Reihe von Ali Standish, der mir noch besser gefallen hat als der erste Teil. Neben einer spannenden Detektivgeschichte steht die Freundschaft des Protagonisten und seiner Gefährten im Vordergrund. Als Leserin war ich beeindruckt von den vorgestellten technischen Errungenschaften, die bereits im Jahr 1869 möglich waren. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung und freue mich auf die Fortsetzung, die im Frühjahr 2026 erscheinen soll. Vom Verlag wird das Buch für ein Lesealter ab 10 Jahren empfohlen.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Ein Spiel mit erzählerischen Perspektiven

Wackelkontakt
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Der Trauerredner Franz Escher wartet in seiner Wiener Wohnung auf den Elektriker, denn eine Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. In der Jetztzeit greift er zu seinem bereits begonnenen Buch, ...

Der Trauerredner Franz Escher wartet in seiner Wiener Wohnung auf den Elektriker, denn eine Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. In der Jetztzeit greift er zu seinem bereits begonnenen Buch, um das Warten mit Lesen zu überbrücken. Seit längerer Zeit nimmt er nur noch Geschichten zur Hand, in denen das organisierte Verbrechen agiert. Im aktuellen Roman sitzt der 22-jährige Protagonist Elio Russo im Jahr 2002 in Südkalabrien in einer Hochsicherheitszelle. Er wird bald ein neues Leben in einem Zeugenschutzprogramm beginnen. Es wird ihn über die Schweiz nach Duisburg und zu weiteren Städten führen. Von seinem Zellengenossen hat er ein Buch geschenkt bekommen, mit dem er sich die Zeit vertreibt. Es handelt von einer Person, die Escher heißt und auf den Elektriker wartet.

Wolf Haas hat mit „Wackelkontakt“ einen Roman geschrieben, der dem Titel alle Ehre macht. Die Geschichte bewegt sich auf zwei Erzählebenen ohne sichtbare Abgrenzungen hin und her. Sobald eine der Figuren zum Buch greift, wechselt das Szenario. Die Übergänge sind fließend, jedoch mit Cliffhangern. Mitunter erfolgen sie unerwartet und rasch. Die Benennung des Protagonisten Escher erfolgte mit Bezug auf den gleichnamigen niederländischen Künstler, der in seinen Bildern mit Perspektiven spielt. Bekannt wurde er beispielsweise für die Darstellung einer endlosen Treppe. Ähnlich kann sich der Lesende die Fiktion des Autors vorstellen.

Von Beginn an wird eine hintergründige Spannung in beiden Handlungssträngen aufgebaut. Einerseits durch ein Fehlverhalten, andererseits durch Familiengeheimnisse. Als Leserin hat mich die Erzählung fasziniert, sodass es mir schwerfiel, das Buch aus der Hand zu legen. Es untergliedert sich in die beiden Teile „Off“ und „On“. Der zweite Part beginnt, als eine Heimlichkeit aufgedeckt wird. Der Autor bedient sich einiger amüsanter Sprachspielereien. Escher ist einfühlsam, lebt aber recht zurückgezogen. Überlegungen beider Protagonisten zu ihrem früheren oder aktuellen Verhalten zu Familienangehörigen und ArbeitskollegInnen stimmen nachdenklich. Schuldgefühle wollen bewältigt werden. Es wirft sich die Frage auf, ob Fehlverhalten wieder gutzumachen ist.

In seinem Roman „Wackelkontakt“ spielt Wolf Haas mit erzählerischen Perspektiven und schafft dadurch ein einmaliges Werk. Er verwebt das Geschehen rund um zwei interessant gestalteten Protagonisten durch die Sollbruchstelle des Lesens. Einige unerwartete Wendungen sorgen für einen Lesesog, der zu einem Ende führt, das Fragen klärt und für einen überraschenden Abschluss sorgt. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Ein fröhliches, farbenfrohes Bilderbuch zum Mitmachen

Mein Schiebe-Mitmachbuch - Lieblingstiere
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„Mein Schiebe-Mitmachbuch“ Lieblingstiere hat dem Titel entsprechend Aufforderungscharakter. Der Verlag gibt vor, dass Kinder ab etwa 18 Monaten selbständig die Schiebeelemente im Buch bedienen können. ...

„Mein Schiebe-Mitmachbuch“ Lieblingstiere hat dem Titel entsprechend Aufforderungscharakter. Der Verlag gibt vor, dass Kinder ab etwa 18 Monaten selbständig die Schiebeelemente im Buch bedienen können. Nach eigener Einschätzung kann es aber auch jüngeren Kindern mit ein wenig Hilfe eines Erwachsenen gelingen. Auf zehn stabilen Pappseiten können Tiere auf dem Bauernhof, auf der Wiese, in den Bergen, am See und im Wald entdeckt werden. Pro Doppelseite gibt es einen passenden vierzeiligen Reim zum Vorlesen, den Bernd Penners getextet hat. Er hat einfache Worte gewählt, die Kleinkinder gut nachvollziehen können, aber eventuell auch ihren Wortschatz bereichern.
Die Seiten sind von Federica Iossa farbenfroh und liebevoll illustriert. Die Tiere verteilen sich über die gesamte Szene, mal sind es kleinere wie beispielsweise Schmetterlinge, Vögel und Bienen, mal größere wie Gämsen, Kühe oder ein Reh. Mit den Schiebern lassen sich auf jeder in jedem Bild jeweils zwei Tierarten gemeinsam verschieben. Bei den größeren Elementen hat die Pappe einen runden Ausschnitt, damit auch ein kleiner Finger es schafft, das Teil zu bewegen. Alles wirkt robust und langlebig. Insgesamt ein schön gestaltetes Papp-Bilderbuch, das ich empfehlen kann!

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