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Veröffentlicht am 14.01.2025

Ein Spiel mit erzählerischen Perspektiven

Wackelkontakt
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Der Trauerredner Franz Escher wartet in seiner Wiener Wohnung auf den Elektriker, denn eine Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. In der Jetztzeit greift er zu seinem bereits begonnenen Buch, ...

Der Trauerredner Franz Escher wartet in seiner Wiener Wohnung auf den Elektriker, denn eine Steckdose in der Küche hat einen Wackelkontakt. In der Jetztzeit greift er zu seinem bereits begonnenen Buch, um das Warten mit Lesen zu überbrücken. Seit längerer Zeit nimmt er nur noch Geschichten zur Hand, in denen das organisierte Verbrechen agiert. Im aktuellen Roman sitzt der 22-jährige Protagonist Elio Russo im Jahr 2002 in Südkalabrien in einer Hochsicherheitszelle. Er wird bald ein neues Leben in einem Zeugenschutzprogramm beginnen. Es wird ihn über die Schweiz nach Duisburg und zu weiteren Städten führen. Von seinem Zellengenossen hat er ein Buch geschenkt bekommen, mit dem er sich die Zeit vertreibt. Es handelt von einer Person, die Escher heißt und auf den Elektriker wartet.

Wolf Haas hat mit „Wackelkontakt“ einen Roman geschrieben, der dem Titel alle Ehre macht. Die Geschichte bewegt sich auf zwei Erzählebenen ohne sichtbare Abgrenzungen hin und her. Sobald eine der Figuren zum Buch greift, wechselt das Szenario. Die Übergänge sind fließend, jedoch mit Cliffhangern. Mitunter erfolgen sie unerwartet und rasch. Die Benennung des Protagonisten Escher erfolgte mit Bezug auf den gleichnamigen niederländischen Künstler, der in seinen Bildern mit Perspektiven spielt. Bekannt wurde er beispielsweise für die Darstellung einer endlosen Treppe. Ähnlich kann sich der Lesende die Fiktion des Autors vorstellen.

Von Beginn an wird eine hintergründige Spannung in beiden Handlungssträngen aufgebaut. Einerseits durch ein Fehlverhalten, andererseits durch Familiengeheimnisse. Als Leserin hat mich die Erzählung fasziniert, sodass es mir schwerfiel, das Buch aus der Hand zu legen. Es untergliedert sich in die beiden Teile „Off“ und „On“. Der zweite Part beginnt, als eine Heimlichkeit aufgedeckt wird. Der Autor bedient sich einiger amüsanter Sprachspielereien. Escher ist einfühlsam, lebt aber recht zurückgezogen. Überlegungen beider Protagonisten zu ihrem früheren oder aktuellen Verhalten zu Familienangehörigen und ArbeitskollegInnen stimmen nachdenklich. Schuldgefühle wollen bewältigt werden. Es wirft sich die Frage auf, ob Fehlverhalten wieder gutzumachen ist.

In seinem Roman „Wackelkontakt“ spielt Wolf Haas mit erzählerischen Perspektiven und schafft dadurch ein einmaliges Werk. Er verwebt das Geschehen rund um zwei interessant gestalteten Protagonisten durch die Sollbruchstelle des Lesens. Einige unerwartete Wendungen sorgen für einen Lesesog, der zu einem Ende führt, das Fragen klärt und für einen überraschenden Abschluss sorgt. Sehr gerne vergebe ich eine Leseempfehlung.

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Veröffentlicht am 13.01.2025

Ein fröhliches, farbenfrohes Bilderbuch zum Mitmachen

Mein Schiebe-Mitmachbuch - Lieblingstiere
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„Mein Schiebe-Mitmachbuch“ Lieblingstiere hat dem Titel entsprechend Aufforderungscharakter. Der Verlag gibt vor, dass Kinder ab etwa 18 Monaten selbständig die Schiebeelemente im Buch bedienen können. ...

„Mein Schiebe-Mitmachbuch“ Lieblingstiere hat dem Titel entsprechend Aufforderungscharakter. Der Verlag gibt vor, dass Kinder ab etwa 18 Monaten selbständig die Schiebeelemente im Buch bedienen können. Nach eigener Einschätzung kann es aber auch jüngeren Kindern mit ein wenig Hilfe eines Erwachsenen gelingen. Auf zehn stabilen Pappseiten können Tiere auf dem Bauernhof, auf der Wiese, in den Bergen, am See und im Wald entdeckt werden. Pro Doppelseite gibt es einen passenden vierzeiligen Reim zum Vorlesen, den Bernd Penners getextet hat. Er hat einfache Worte gewählt, die Kleinkinder gut nachvollziehen können, aber eventuell auch ihren Wortschatz bereichern.
Die Seiten sind von Federica Iossa farbenfroh und liebevoll illustriert. Die Tiere verteilen sich über die gesamte Szene, mal sind es kleinere wie beispielsweise Schmetterlinge, Vögel und Bienen, mal größere wie Gämsen, Kühe oder ein Reh. Mit den Schiebern lassen sich auf jeder in jedem Bild jeweils zwei Tierarten gemeinsam verschieben. Bei den größeren Elementen hat die Pappe einen runden Ausschnitt, damit auch ein kleiner Finger es schafft, das Teil zu bewegen. Alles wirkt robust und langlebig. Insgesamt ein schön gestaltetes Papp-Bilderbuch, das ich empfehlen kann!

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Veröffentlicht am 11.12.2024

Veränderungen jenseits selbst gesetzter Grenzen sind möglich

Rosa
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Der Titel „Rosa“ auf dem orangefarbigen Cover des gleichnamigen Buchs von Anne Cathrine Bomann überrascht. Es ist der Name des Oktopus, dessen Pflege die Protagonistin Vigga bei ihrem Beschäftigungsverhältnis ...

Der Titel „Rosa“ auf dem orangefarbigen Cover des gleichnamigen Buchs von Anne Cathrine Bomann überrascht. Es ist der Name des Oktopus, dessen Pflege die Protagonistin Vigga bei ihrem Beschäftigungsverhältnis im Ozeaneum in Kastrup, einem Stadtteil einer Vorstadt von Kopenhagen, übernimmt. Dementsprechend ziert ein blauer Krake den Buchdeckel.

Vigga hat bisher nur in Jobs gearbeitet, die das Jobcenter ihr zugewiesen hat. Diesmal ist es eine halbjährige Tätigkeit im Aquarium, die ihr angeboten wird. Bereits zu Beginn ihrer Arbeit stellt sie sich die Frage, wie lange es dauert, bis sie kündigt oder gekündigt wird. Schnell ist sie gelangweilt, findet aber nicht aus dem Kokon, den sie selbst um sich herum gesponnen hat. Sie sucht das Alleinsein, denn dann kann niemand sie mit Worten verletzten. Inzwischen kommt sie besser mit dem Gefühl emotionaler Taubheit zurecht, das sie seit ihrer Kindheit begleitet.

Erst vor wenigen Jahren hat sie Freundschaft mit der etwa gleichaltrigen Maiken geschlossen. Die beiden sind nicht immer einer Meinung, aber sie respektieren sich in besonderem Maße. Sie lachen gemeinsam, gehen zusammen auf Reisen und sie besuchen verschiedene Aktivitäten. Während sie im Ozeaneum arbeitet, wird ihre beste Freundin schwanger. Vigga muss sich auf zukünftige neue Verhältnisse in der vertrauensvollen Beziehung einstellen. Gleichzeitig wird ihr an ihrer Arbeitsstelle die Betreuung des Oktopus Rosa übertragen. Feinfühlig beschäftigt sie sich mit der Lebensform der Kraken und versucht sich in Rosa einzudenken. Sie hinterfragt die Art und Weise der Unterbringung im Aqauarium hinter Schaugläsern. Durch Viggas Recherchen zu Tintenfischen erfuhr auch ich als Leserin einige interessante Details über Oktopusse.

Anne Cathrine Bomann gelingt es auf sensible Weise die Eigenwilligkeit ihrer Hauptfigur herauszustellen. Vigga ist immer wieder zurückgewiesen worden und war zahlreichen Konflikten ausgesetzt. Daher beobachtet sie andere Menschen, um sich deren Verhalten anzueignen und es selbst in ähnlichen Situationen zu zeigen. Kraken sind Einzelgänger, daher glaubt sie in Rosa etwas von ihrem eigenen Charakter wiederzufinden. Statt sich anzupassen, zeigt der Kraken seinen eigenen Willen bis zum Schluss und lässt sich von außen nicht beeinflussen. Für Vigga wird Rosa zum Antrieb, Neues auszuprobieren.

Mit dem einfühlsam geschriebenen Roman „Rosa“ zeigt Anne Cathrine Bomann, dass eine Veränderung jenseits der selbst gesetzten Grenzen gelingen kann. Gerne empfehle ich das Buch weiter.

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Veröffentlicht am 11.12.2024

Unterhaltsame Rätsel für Logikfans

Murdle Volume 1
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Das Buch Murdle Vol. 1 enthält einhundert Rätsel, die mit Logik und Kombinationsgabe gelöst werden können. Sie wurden von dem US-amerikanischen Autor Greg T. Karber erdacht. Er arbeitet als Informatiker ...

Das Buch Murdle Vol. 1 enthält einhundert Rätsel, die mit Logik und Kombinationsgabe gelöst werden können. Sie wurden von dem US-amerikanischen Autor Greg T. Karber erdacht. Er arbeitet als Informatiker und besitzt einen Studienabschluss sowohl in Mathematik wie auch englischer Literatur. Seine beiden Leidenschaften hat er in die Denkspiele einfließen lassen. Die Rätsel sind unterteilt in vier Kategorien mit jeweils Denksportaufgaben. Von „Elementar“ über „Okkultes Medium“, „Schwer gefährlich“ bis zu „Unmöglich“ steigert sich beständig der Schwierigkeitsgrad.

Zu Beginn des Buchs gibt es eine ausführliche Anleitung mit einem konkreten Beispiel. Alle Rätsel sind anhand der Indizien und Hinweise lösbar. Manchmal enthalten auch Beschreibungen der Verdächtigen, der Orte oder Waffen des Falls hilfreiche Angaben. Auch die sogenannten Anlagen vor jedem neuen Schwierigkeitsgrad sind beim Lösen nützlich. Greg T. Karber hat sich für sein Buch eine durchgehende Geschichte ausgedacht, in deren Mittelpunkt Deduktiv Logico steht. Vor jeder Kategorie und vor jedem Fall wird die Erzählung weitergeführt. Das ist unterhaltsam und amüsant, aber für die jeweilige Mordaufklärung belanglos. Wichtig ist es, dass Logico bei jedem Rätsel eine Mörderin oder einen Mörder überführen muss.

Im ersten Schwierigkeitsgrad erhält der Lösende Fakten über die bereits erwähnten potenziellen Täterinnen und Täter sowie über Orte, die für den jeweiligen Mord in Frage kommen Außerdem sind mögliche Waffen aufgeführt, mit denen das Verbrechen begangen wurde. Ein Gitternetz hilft dabei, zum Ergebnis zu kommen. Um die Rätsel schwieriger zu gestalten, kommen in der zweiten Kategorie Aussagen der Verdächtigen hinzu. Dabei ist zu beachten, dass nur die Mörderin oder der Mörder lügt. Anhand der Indizien ist also zu prüfen, welche Behauptung als einzige ins Schema passt. Der Schwierigkeitsgrad steigt erneut durch die Hinzunahme von Motiven für die Tat, so dass aus einem 3x9 Lösungsraster eines mit 6x16 Kästchen wird. Die höchste Schwierigkeit wird durch die Hinzunahme von Aussagen erreicht, wie es bei der zweiten Kategorie bereits geübt werden konnte.

Wer bei einem der Denkspiele nicht weiterkommt, kann sich im Anhang einen Tipp holen. Außerdem enthält das Buch alle Lösungen. Die Murdles Volume 1 von G.T. Karber sorgen für etliche Stunden kniffligen Rätselvergnügens. Logisches Denkvermögen und Kombinationsgabe führen zur Beantwortung der Fragen: Wer hat die Tat begangen? Welche Waffe wurde benutzt? Und Wo war der Tatort?“ Ich mag solche Rätsel und kann sie jedem empfehlen.

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Veröffentlicht am 01.12.2024

Abenteuerliche Detektivgeschichte mit mystischen Elementen

Baskerville Hall - Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente
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Der Roman „Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente“ nimmt Kinder ab 10 Jahre, Jugendliche und Erwachsene mit ins 19. Jahrhundert, genauer gesagt ins Jahr 1968. Die US-amerikanische ...

Der Roman „Baskerville Hall – Das geheimnisvolle Internat der besonderen Talente“ nimmt Kinder ab 10 Jahre, Jugendliche und Erwachsene mit ins 19. Jahrhundert, genauer gesagt ins Jahr 1968. Die US-amerikanische Autorin Ali Standish hat für ihren fiktiven Protagonisten bewusst den Namen Arthur Doyle gewählt. Damit nimmt sie Bezug auf den Schriftsteller; der die Roman über den Detektiv Sherlock Holmes geschrieben hat. Nach dessen Freund Dr. John Watson ist ein Lehrer des Protagonisten benannt. In der Geschichte begegnet der Lesende noch mehr bekannten Namen aus den Büchern des berühmten Autors. Beispielsweise heißt Arthurs bester Freund James Moriarty und weitere Mitschülerinnen sind Mary Morstan und Irene Eagle.

Der neunjährige Arthur ist bisher in ärmlichen Verhältnissen in Edinburgh aufgewachsen. Er beschließt, sich eine Arbeit zu suchen, statt weiter zur Schule zu gehen. Doch dann erhält er eine Einladung dazu, bereits ab dem nächsten Tag das englische Internat Baskerville Hall zu besuchen. Es fallen für die Familie keine Kosten an. Er wundert sich zwar, aber seine Mutter ist begeistert. Die Unterrichtsmethoden der Schule sind unkonventionell. Leider findet Arthur nicht nur Freunde. Eines Tages erhält er ein mysteriöses Schreiben, dass ihn zu mehreren Prüfungen auffordert. Nach deren Bestehen würde er einer geheimen Vereinigung angehören, die dafür sorgt, dass ihre Mitglieder nach Abschluss der Schule erfolgreich im Berufsleben sind. Nach ersten Bedenken kann Arthur sich keine bessere Möglichkeit vorstellen, damit seine Familie stolz auf ihn ist.

In diesem Auftakt einer Reihe vermischt die Autorin klassische Elemente eines Detektivromans mit solchen, die man aus der Fantasy kennt. Es gibt ungewöhnliche Tiere, mysteriöse Figuren und einen Zeitreisefaktor. Immer wieder kommt es zu Situationen, in denen Arthurs Beobachtungsgabe und seine Logik gefragt sind. Dann schlussfolgert der Protagonist genauso wie sein Vorbild, nach dem Ali Standish ihn erdacht hat. Die Talente der Schule beschäftigen sich mit Technik, die für die 1860er Jahre fortschrittlich und zukunftsweisend ist. Arthur lernt viel Neues, dass auch für die Lesenden interessant ist.

Durch eine erste Szene, bei der Arthurs kluger Verstand gefragt ist, kommt direkt Spannung auf. Bei seinem Eintreffen im Internat lernt er zunächst seine Mitschülerinnen und Mitschüler sowie die Lehrenden kennen. Danach steigt die Spannungskurve erneut an und bleibt auf einem höheren Level bis zum Schluss. Arthur beteiligt sich an der Aufklärung eines Einbruchs und des mehrfachen Herunterfallens eines Gemäldes. Nicht immer handelt er konform mit den Schulregeln und manchmal bangt der Lesende darum, ob er vom Internat verwiesen wird.

Am Ende des Buchs gibt es außerhalb der Geschichte einen kurzen Abriss zum Leben des Schriftstellers Arthur Conan Doyle, dem sich Fotos und Zeichnungen seiner Person anschließen. Ein Cliffhanger am Schluss lässt mich ungeduldig auf den nächsten Band der Kinderbuchreihe warten, der Anfang 2025 erscheinen wird. Gerne empfehle ich diese abenteuerliche Detektivgeschichte mit mystischen Elementen weiter.

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