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Veröffentlicht am 26.06.2025

Jede Menge Lügen

Eine von uns
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Ein Brand zerstört Ginas Haus. Die Familie steht vor dem Nichts. Da nehmen sie gern das Angebot von Ginas alter Freundin Annie an, die für ein paar Monate auf Reisen ist. Gina, ihr Mann Matt und die beiden ...

Ein Brand zerstört Ginas Haus. Die Familie steht vor dem Nichts. Da nehmen sie gern das Angebot von Ginas alter Freundin Annie an, die für ein paar Monate auf Reisen ist. Gina, ihr Mann Matt und die beiden kleinen Kinder können in ihrem schönen alten Haus wohnen, bis ihr eigenes renoviert ist. Schon wenig später taucht eine junge Frau namens Mary an der Haustür auf, die behauptet, seit einem Jahr als Haushälterin bei Annie zu arbeiten und von nun an jeden Tag zur Arbeit kommen will. Sie zieht letztlich mit ihrem „Sohn“ Tyler bei ihnen ein. Gina ist das überhaupt nicht recht. Sie ist misstrauisch und hat das Gefühl, dass hier irgendetwas nicht stimmt. Schon bald entdeckt sie auch Ungereimtheiten und Lügen, die den Leser nicht überraschen, denn erzählt wird nicht nur aus Ginas, sondern auch aus Marys Perspektive. Eingeschobene Kapitel mit der Überschrift „Damals“ zeigen, dass alles mit Ereignissen in der Vergangenheit zu tun hat, als ein junges Mädchen namens Sara spurlos verschwand. Gina, Annie, Laura und Sara – die GALS – waren eng befreundet und hatten sich gemäß ihrem Mantra Big love, true friends, no secrets geschworen, niemals Geheimnisse vor einander zu haben. Es kam anders, vor allem, weil sie zu Rivalinnen in ihrem Werben um den attraktiven jungen Matt werden, Ginas Ehemann und Vater ihrer Kinder.
Der nicht durchweg spannende Roman erzählt mit zahllosen Handlungsumschwüngen, was damals geschah und wie sich die Ereignisse in der Gegenwart entwickeln. Vieles kann man erraten oder frühzeitig Marys Hinweisen entnehmen. Die vollständige Auflösung zum Schluss birgt dann doch noch einige Überraschungen. Insgesamt wirkt der Plot auf mich ziemlich unrealistisch und sehr konstruiert. Für mich ist das bestimmt kein Thriller der Spitzenklasse.

Veröffentlicht am 29.05.2025

Auf der Suche nach der eigenen Identität

Sputnik
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Mit “Sputnik“ legt Christian Berkel seinen dritten Roman vor. Wie zuvor “Der Apfelbaum“ und “Ada“ ist auch der neue Roman autofiktional, d.h. dem Leser muss bewusst sein, dass es sich trotz allem um Fiktion ...

Mit “Sputnik“ legt Christian Berkel seinen dritten Roman vor. Wie zuvor “Der Apfelbaum“ und “Ada“ ist auch der neue Roman autofiktional, d.h. dem Leser muss bewusst sein, dass es sich trotz allem um Fiktion handelt, dass sich die Dinge in der Realität nicht 1:1 so abgespielt haben. Das fängt schon damit an, dass der Autor keine Schwester namens Ada hat. Die Geschichte beginnt vor seiner Geburt im Mutterleib und endet, als Berkel etwa 21 Jahre alt ist. Ein Ich-Erzähler namens Sputnik übernimmt Berkels Rolle als Erzähler. Berkel wurde 1957 kurz nach dem Start des ersten Satelliten in der Erdumlaufbahn geboren, von daher der Name Sputnik. Wir lesen, wie schwierig das Verhältnis zu seinen Eltern war, die beide schwer traumatisiert den zweiten Weltkrieg überlebt hatten. Die aus einer jüdischen Familie stammende Mutter Sala war zeitweise im Lager Gurs in den Pyrenäen eingesperrt, der Vater Otto verbrachte Jahre in russischer Kriegsgefangenschaft. Wir lesen über Sputniks Schulzeit in Berlin, danach über die Jahre in Frankreich, bevor er auf der Suche nach einem Engagement an einem Theater nach Deutschland zurückkehrt, nachdem seine Bewerbungen in Frankreich, zum Beispiel an der Comédie Francaise, trotz seiner hervorragenden Französischkenntnisse erfolglos waren. In Deutschland wurde er dann von einer Reihe von Theatern in verschiedenen Städten engagiert. Schon früh interessiert er sich für Kunst und Literatur und entscheidet sich bereits als sehr junger Mann für den Beruf des Schauspielers. Er hat enge französische Freunde, und lernt immer wieder Mädchen kennen, zu denen er sich hingezogen fühlt. Einige dieser Beziehungen werden ausführlicher beschrieben. Interessant sind auch die Ausführungen über den Schauspielunterricht und die Beschreibung von Theaterproben. So erleben wir das Theater als eigene, ganz besondere Welt.
Berkels neuer Roman über seine Kindheit und Jugend liest sich nicht schlecht, ist aber insgesamt etwas handlungsarm mit einigen Längen. Für mich ist immer noch „Der Apfelbaum“ sein bestes Buch.

Veröffentlicht am 04.03.2025

Seltsame Frauenmorde

Die Brandung – Leichenfischer
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In Karen Kliewes Ostsee-Krimi “Die Brandung – Leichenfischer“ wird im deutsch-dänischen Grenzgebiet eine Frauenleiche gefunden, kurze Zeit später eine zweite. Beide Frauen wurden nach einem uralten Wikinger-Ritual ...

In Karen Kliewes Ostsee-Krimi “Die Brandung – Leichenfischer“ wird im deutsch-dänischen Grenzgebiet eine Frauenleiche gefunden, kurze Zeit später eine zweite. Beide Frauen wurden nach einem uralten Wikinger-Ritual mit nachgemachten Grabbeigaben bestattet. Die Gräber liegen in öffentlich zugänglichem Gebiet. Dennoch gibt es keine Zeugen für die aufwändigen Grabungsarbeiten. Die deutschen und dänischen Ermittler arbeiten zusammen, finden aber lange keine brauchbare Spur. Es gibt im Laufe der Geschichte verschiedene Verdächtige, aber es handelt sich immer wieder um falsche Fährten. Die Ermittler stehen auch deshalb stark unter Druck, weil weitere junge Frauen vermisst werden und nicht klar ist, ob sie irgendwo gefangen gehalten und dann ebenfalls ermordet werden. Ein weiteres ausgehobenes Grab hat man immerhin schon gefunden.
Die Geschichte wird mit ständig wechselnden Perspektiven an verschiedenen Orten erzählt, wobei der Leser auch wegen der kaum überschaubaren Personenvielfalt etwas den Überblick verliert. Am besten gefällt mir dabei die Figur der dänischen Archäologin Fria Svensson, die zeitweise mit dem deutschen Kommissar Ohlsen Ohlsen zusammenarbeitet. Erst eine Zeugenaussage von einem Schrottsammler, der ein Auto im Wald fotografiert hat und das von einer Kriminalpsychologin erstellte Täterprofil bringt die Ermittlungen schließlich voran. Besonders spannend fand ich diesen Krimi nicht. Die Geschichte ist etwas wirr und wirkt sehr konstruiert und realitätsfern. Warum ist der Täter/ die Täterin solche Risiken eingegangen? Besonders überzeugend wirkt auch sein/ ihr Motiv nicht.
Mich hat der Ostsee-Krimi, in dem die Ostsee weiter keine Rolle spielt, enttäuscht, und ich sehe keine Veranlassung, weitere Titel dieser Reihe zu lesen.

Veröffentlicht am 14.01.2025

Eine Kleinstadt in schwierigen Zeiten

Ginsterburg
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In seinem neuen Roman “Ginsterburg“ beschreibt Arno Frank, wie es den Bewohnern der fiktiven Kleinstadt Ginsterburg irgendwo in der Mitte Deutschlands in den Jahren 1935 – 1940 – 1945 erging. Die Bewohner ...

In seinem neuen Roman “Ginsterburg“ beschreibt Arno Frank, wie es den Bewohnern der fiktiven Kleinstadt Ginsterburg irgendwo in der Mitte Deutschlands in den Jahren 1935 – 1940 – 1945 erging. Die Bewohner sind zum Teil begeisterte Anhänger des Nationalsozialismus, zum Teil Gegner oder in der Mehrzahl Mitläufer, die sich möglichst unauffällig verhalten, um sich nicht in Schwierigkeiten zu bringen. Da ist die verwitwete Merle, die ihren Sohn Lothar allein aufzieht und nicht begeistert ist, als er der Hitlerjugend beitritt, weil er unbedingt Flieger werden will. Sie ist Buchhändlerin und muss mit ansehen, wie das Angebot an Büchern schrumpft und linientreu wird. Der Blumenhändler Otto Gürckel steigt in der Partei zum Kreisleiter auf und macht guten Umsatz genauso wie Clemens Jungheinrich, der Besitzer der Papierfabrik. Eine wichtige Rolle spielt auch Eugen von Wieland, der Feuilletonist der Lokalzeitung, mit seiner Frau Ursel und seiner Tochter Gesine. Daneben gibt es noch zahlreiche andere, in deren Leben der Leser Einblick bekommt.
Der umfangreiche Roman zeichnet den Kriegsverlauf nach. Sah es zuerst noch aus, als sei der Endsieg garantiert, wendet sich das Blatt, und die Niederlage wird bald unvermeidbar. Im Zuge dieser Entwicklung rückt die Bedrohung auch Ginsterburg immer näher, wird zu umfangreicher Zerstörung und zahlreichen Todesopfern führen. Wie überstehen Freundschaft, Liebe und familiäre Beziehungen diese Zeiten? Wieviel Loyalität kann es noch geben, wenn jeder um das physische und gesellschaftliche Überleben kämpft?
Mir hat der Roman mit Einschränkungen gefallen. Wegen der Personenvielfalt und der unendlich vielen Episoden, aber auch durch die Einschübe rund um den Absturz des englischen Bomberpiloten Alfie wird der Roman ziemlich unübersichtlich und liest sich alles andere als mühelos. Da braucht man Aufmerksamkeit und Durchhaltevermögen.

Veröffentlicht am 18.11.2024

Geld regiert die Welt

Wir finden Mörder (Wir finden Mörder-Serie 1)
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Amy Wheeler arbeitet als Personenschützerin bei Maximal Impact Solutions und ist zu Beginn des Romans Bodyguard für die berühmte, sehr reiche Schriftstellerin Rosie d´Antonio, die ins Visier des russischen ...

Amy Wheeler arbeitet als Personenschützerin bei Maximal Impact Solutions und ist zu Beginn des Romans Bodyguard für die berühmte, sehr reiche Schriftstellerin Rosie d´Antonio, die ins Visier des russischen Chemie-Oligarchen Wassili Karpin geraten ist. Sie leben auf einer kleinen Insel vor der amerikanischen Westküste. Dann werden innerhalb kurzer Zeit ganz in der Nähe drei Influencer, Kunden von Amys Firma ermordet und Amy versteht, dass sie selbst in größter Gefahr ist. Währenddessen erhält ihr Chef Jeff Nolan bedrohliche Botschaften von einem Unbekannten namens Francois Loubet. Amy und Rosie verlassen die Insel und begeben sich auf eine lange Reise, die sie nach St Lucia, Irland, den New Forst und nach London führt. Amy hat inzwischen ihren Schwiegervater Steve um Hilfe gebeten, einen pensionierten Kommissar, der gelegentlich als Privatdetektiv arbeitet und ansonsten seinen Ruhestand in einem kleinen Ort genießt, vor allem das wöchentliche Pub-Quiz. Steve ermittelt für sie in Dubai, gerät selbst in Lebensgefahr und findet heraus, wer hinter den Auftragsmorden steckt. Es geht um Geldwäsche, wobei riesige Summen von Mittelsmännern um die Welt transportiert werden.
Der Leser hat etwas Mühe, den zahlreichen Handlungselementen und den vielen Spuren zu folgen, vor allem bei der Personenvielfalt den Überblick zu behalten. Die Charakterisierung der wichtigsten Figuren ist gelungen, und es gibt witzige Dialoge und Episoden. Ich finde allerdings den Auftakt dieser neuen Krimireihe von Richard Osman wirr und nicht besonders spannend und längst nicht so gelungen wie die Romane um den Donnerstagsmordclub. Vor allem stört mich die sprachliche Qualität der Übersetzung ganz entschieden: rausspitzen, wepsig, sündteuer, ableugnen, selbe Tasche, Irrsinns-Massel, in der Umgegend, zurzeit, sonst wie erbeuten, Fez haben, eine dermaßene Ehre, auf den Rücken klapsen, usw. usf. Soll das Deutsch sein? Für mich ist das Buch eine Enttäuschung.