Überzeugt nicht als Ganzes
Der Zauberberg, die ganze GeschichteNein, vom Hocker gerissen hat mich Norman Ohlers „Der Zauberberg, die ganze Geschichte“ nicht.
Mehrere Familien machen gemeinsam in Davos Urlaub, das ist das Setting, das als fade Rahmenhandlung das Buch ...
Nein, vom Hocker gerissen hat mich Norman Ohlers „Der Zauberberg, die ganze Geschichte“ nicht.
Mehrere Familien machen gemeinsam in Davos Urlaub, das ist das Setting, das als fade Rahmenhandlung das Buch ein wenig zusammenhält. Eingefügt sind immer wieder einzelne Kapitel zur Geschichte von Davos. Dabei geht es mitnichten nur um Thoms Mann, auch andere Besucher wie Kaiser Wilhelm II, Arthur Conan Doyle und Albert Einstein kommen zur Sprache. Unterhaltsam ist das Buch freilich nur, wenn es um die kurzen Episoden zu den Zauberberg-Besuchern geht, die schlaglichtartig beleuchtet werden.
Als Ganzes freilich ist „Der Zauberberg, die ganze Geschichte“ schlecht gemachtes Edutainment. Die Rahmenhandlung erinnert an das frühere Abitur-Format des Essays. Da konnte man Informationen zu einem Thema gestückelt in eine Geschichte verweben. Genauso legt Ohler sein Buch an. Ohlers Rahmenhandlung geht allerdings über das Abitur-Niveau nicht hinaus. Die Dialoge von Vater und Tochter sind gekünselt in Jugendsprache verfasst, sodass man sich fast dafür fremdschämt. Alles bleibt seicht und oberflächlich. Nichts entwickelt sich da. Die unglückliche Liebesbeziehung des Erzählers bleibt im Ungefähren.
Kein Wunder, dass der Erzähler sich aus lauter Langeweile aufmacht und hier und da in Archive schnuppert, um sich mit prominenten Gästen des Zauberbergs zu beschäftigen. Diese Darstellungen sind recht unterhaltsam geschrieben, bieten einen schlaglichtartigen Einblick in Davoser Verhältnisse.
Große Kunst ist Ohlers Buch nicht. Das „allerdümmste Buch zum Zauberberg“, wie es eine Rezension in der NZZ nannte, ist es auch nicht. Unterhaltsam und schnell gelesen ist es. Die Rahmenhandlung dabei zu überblättern, ist sicherlich kein Fehler.