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Veröffentlicht am 03.03.2025

Beklemmende Story, die sich (zu viel) Zeit lässt

SIEBEN STUNDEN. Wen würdest du retten?
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Die Story wird hauptsächlich aus der Sicht von Cass erzählt. Hin und wieder blicken wir in einigen Kapiteln auf die Geschehnisse der Vergangenheit zurück. Man muss hier schon etwas länger lesen, bevor ...

Die Story wird hauptsächlich aus der Sicht von Cass erzählt. Hin und wieder blicken wir in einigen Kapiteln auf die Geschehnisse der Vergangenheit zurück. Man muss hier schon etwas länger lesen, bevor man die ganzen Zusammenhänge versteht. Bei mir hat es gut 150 Seiten gebraucht, bis ich den Inhalt des Buches so richtig nachvollziehen konnte. Ab da begann für mich die Spannung, da wir mehr Details über den damaligen Unfall erfahren. Auch die wahre Aufgabe des damals gegründeten Paktes macht dann jetzt Sinn. So bin ich lange Zeit im Dunkeln getappt und habe mich gefragt, warum dieser eigentlich gegründet wurde.

Die Charaktere waren authentisch gezeichnet, jedoch in Summe deutlich zu viele. Von vielen haben wir wenig bis gar nichts erfahren, was ich ein bisschen schade fand und ich daher auch keinen Bezug zu ihnen herstellen konnte. Cass ist klar die Hauptprotagonistin und war mir sehr sympathisch. Ihre Gedanken und Gefühle konnte ich gut nachvollziehen und somit auch ihre Angst, an weiteren Jahrestreffen teilzunehmen.

Der Schreibstil von Megan Miranda ist flüssig und angenehm. Dass die Spannung erst so spät einsetzt, hat mich leider etwas enttäuscht. Aber es hat sich dennoch gelohnt, dran zu bleiben! Denn einmal gefesselt von der Handlung, hat mich die Autorin nicht mehr losgelassen und mich mit unerwarteten Wendungen überrascht. Miranda braucht definitiv ein wenig Vorlauf in dieser Story, holt den schwachen Beginn aber schnell auf und legt zum Ende hin einen krassen Showdown hin. Gerade noch die Kurve bekommen, würde ich sagen.

Fazit: Eine beklemmende Geschichte über Vertrauen, Freundschaft und Schuldzuweisungen. Wer sich gerne auf die Folter spannen lässt, ohne direkt zu Beginn mitgerissen zu werden, der ist hier bestens bedient.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Kurzweiliger, unterhaltsamer Thriller

Die Schanze
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Ellens Leben in Hamburg, weit weg der Heimat, ist gescheitert. Trotz erheblicher Zweifel bricht sie ihre Zelte in der Großstadt ab und kehrt widerwillig in den winterlichen Ort ihrer Kindheit zurück, um ...

Ellens Leben in Hamburg, weit weg der Heimat, ist gescheitert. Trotz erheblicher Zweifel bricht sie ihre Zelte in der Großstadt ab und kehrt widerwillig in den winterlichen Ort ihrer Kindheit zurück, um sich hier als Hausärztin niederzulassen. Damit, dass die Vergangenheit, die Ellen vergeblich zu verdrängen suchte, eiskalt zurückschlägt und Leben kosten würde, hatte sie allerdings nicht gerechnet.

Schon im Prolog geht es einmal in die Vollen. Lars Menz legt damit den Grundstein für eine vielversprechende Story. Tatsächlich hat Menz ein Händchen für kurzweiliges Erzählen, aber gerade im ersten Drittel des Buches habe ich mich irgendwann gefragt, wann es mal so richtig losgeht. Doch das „Durchhalten“, so schlimm war es tatsächlich nicht, lohnt sich.

Menz streut in die gegenwärtige Handlung immer wieder Rückblicke. Langsam, aber sicher erschließen sich so die Geschehnisse aus Ellens Jugendzeit und legen Geheimnisse offen, die einen ganzen Ort zum Schweigen brachten. Doch jetzt scheint jemand Rache zu nehmen, und niemand weiß, wer das nächste Opfer sein wird. Gemeinsam begeben sich Ellen und der Journalist Merab auf Tätersuche und geraten dabei selbst ins Visier des Mörders.

Menz zeichnet seine Figuren facettenreich und realistisch. Besonders Ellen und Merab, aber auch die anderen Protagonisten fügen sich so glaubhaft in das Geschehen, dass man dem Autor die Story voll und ganz abnimmt.

Auch mit seinem Schreibstil konnte Menz mich absolut abholen. Insbesondere im letzten Drittel nimmt die Handlung noch mal richtig Fahrt auf. Der finale Twist hat mich überzeugt, auch wenn sich meine Vermutung damit bestätigt hat. Aber so gut mir „Die Schanze“ auch gefallen hat, bei einem Thriller würde ich persönlich doch etwas mehr Action erwarten. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch gelungen und empfehlenswert.

Fazit: „Die Schanze“ ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Thriller, mit dem man sich stimmungsvoll die dunkle Jahreszeit vertreiben kann. Gerade zu Beginn hätte das Buch gern etwas mehr Fahrt aufnehmen dürfen, alles in allem liefert Lars Menz aber eine gelungene Story, die Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Ein solider Reihenauftakt mit Luft nach oben

Racheritual
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Racheritual ist der Auftakt einer neuen Reihe mit dem Hauptprotagonisten Baxter Kincaid, der im Morddezernat von San Francisco an einer Mordserie arbeitet. 9 Jahre später und nicht mehr offiziell im Polizeidienst, ...

Racheritual ist der Auftakt einer neuen Reihe mit dem Hauptprotagonisten Baxter Kincaid, der im Morddezernat von San Francisco an einer Mordserie arbeitet. 9 Jahre später und nicht mehr offiziell im Polizeidienst, wird er jedoch mit speziellen Ritualmorden konfrontiert; den Täter hatte er bereits hinter Gitter gebracht. Wie kann das sein?

Zitat S. 76:
"In San Francisco war es mehr oder weniger egal, was man anstellte, solange man dabei im richtigen Viertel blieb. Scheißegal, welchen Fetisch oder welche Sucht man hatte – Hauptsache, man kam niemandem in die Quere, der nach Geld süchtig war."

Ethan Cross hat sich für den Plot an Ritualmorden mit Bezug aus der nordischen Mythologie bedient. Klingt erst einmal spannend, wurde aber leider etwas langatmig, da Cross gerade zu Beginn viele Informationen dazu gibt. Leser mit Vorliebe zu diesem Thema kommen da bestimmt auf ihre Kosten.

Die vielen Perspektiven erschweren den flüssigen Lesefluss, bringen damit aber auch Abwechslung in die Story, die sich gut ineinander fügt.

Baxter Kincaid ist der typische (Ex-)Ermittler, der fast auf wundersame Weise immer alle Zusammenhänge aufklärt. Hier hätte ich mir mal eine neue Idee und mehr Kreativität gewünscht, mehr Charaktertiefe, mehr Ecken und Kanten. Vor allem welche, die man nicht schon zig Mal gelesen hat. Zumindest das Drumherum ist aber mal was anderes und wurde gut konstruiert. Alles in allem war die Story solide, jedoch mit Luft nach oben.

Fazit: Ein solider Reihenauftakt mit interessanten Protagonisten, dessen zweiter Band bereits für Anfang 2026 geplant ist. Da werde ich sehr wahrscheinlich reinlesen - und hoffen, dass mir der Band besser gefällt.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Es mangelte an Authentizität

William
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Henry ist ein Robotikingenieur, der gern forscht, entdeckt und herumbastelt. Da er aufgrund einer Phobie an sein Zuhause gefesselt ist, hat er sich auf dem Dachboden sein Labor eingerichtet. Er liebt es, ...

Henry ist ein Robotikingenieur, der gern forscht, entdeckt und herumbastelt. Da er aufgrund einer Phobie an sein Zuhause gefesselt ist, hat er sich auf dem Dachboden sein Labor eingerichtet. Er liebt es, mit der künstlichen Intelligenz zu spielen und kreiert allerlei Wesen. Darunter auch William. Doch William scheint sich zu verändern und ein Eigenleben zu entwickeln. So funktioniert die Sprachsteuerung der Türen plötzlich nicht mehr und noch schlimmer: William hat es auf Henrys schwangere Frau Lily abgesehen. Wird es ihm gelingen, den Roboter rechtzeitig zu deaktivieren?

Autsch, das war nix! Und dabei klang der Plot so vielversprechend, dass ich mich wochenlang auf den Roman gefreut habe. Schon nach ein paar Seiten war mir allerdings klar, dass hier eine sehr unrealistische Geschichte auf mich wartet. Was mit einem eigentlich interessanten Experiment beginnt, entwickelt sich zu einem utopischen Escape Game im eigenen Haus. Fenster und Türen lassen sich nicht mehr öffnen, Besucher verschwinden spurlos und trotz allem traut sich Henry nicht, das Haus zu verlassen. Ich habe wirklich versucht, mich in seine Lage hineinzuversetzen. Habe überlegt, wie ich wohl reagiert hätte, hätte es eine KI auf mich oder meine Frau abgesehen. Vielleicht bin ich da zu kritisch und zu realistisch, weswegen es mir schwerfiel, Henrys Handlungen nachzuvollziehen. So hatten sie für mich leider einen unglaubwürdigen Touch.

Ich war froh, dass das Buch nicht viele Seiten hatte und ich somit recht fix erlöst wurde. Auch wenn das jetzt etwas hart klingt. An Schreibstil und Sprache lag es nicht, denn beides war leicht verständlich und angenehm. Mir war es möglich, mir sowohl das Setting als auch die einzelnen Figuren bildlich vorzustellen. Ich kannte den Stil bereits von anderen Büchern des Autors, die er als Andrew Pyper veröffentlicht hat, und mochte es, dass er eine bestimmte Atmosphäre entstehen lassen konnte, bei der man sich entweder gruselte oder vor Spannung die Luft anhielt. Er kann also definitiv schreiben. Aber! Von Seite zu Seite wurde die Geschichte immer unglaubwürdiger und ich habe mich mehrmals dabei erwischt, wie ich deswegen mit den Augen gerollt und Passagen überflogen habe.

Henry und Lily sind interessante Protagonisten, mit den ganz klassischen Eheproblemen. Vor allem Henrys Phobie kam deutlich herüber und hat mich sogar kurz zum Nachdenken gebracht. Wie würde es mir ergehen auf einem Dachboden, mit wenig Sonnenlicht, wenig soziale Teilhabe? Möchte ich gar nicht herausfinden, ehrlich gesagt. Trotzdem hätte ich gern mehr über Lily erfahren, die Dinge mehr aus ihrer Sicht gesehen.

Auch die coole Wendung am Ende konnte das Ruder nicht mehr rumreißen. Da hatte ich bereits jegliche Neugier verloren und war einfach nur erleichtert, es bis zum Ende durchgehalten zu haben.

Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. Wer auf utopische Geschichten steht und keine hohen/besonderen Ansprüche hat, hat mit WILLIAM sicher Spaß. Für KI-Fans sicher interessant. Für mich war dieses Buch leider ein Flop, aber vielleicht gehöre ich auch nicht zur Zielgruppe.

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Veröffentlicht am 20.08.2024

Es mangelte dem Plot an Ideen

Scandor
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Erzählt wird diese Geschichte in erster Linie aus der Sicht von Philipp, einem Studenten. Er möchte diesen Wettbewerb anfangs nur antreten, um ein Mädchen zu beeindrucken und um in Ruhe ohne Nebenjob fertig ...

Erzählt wird diese Geschichte in erster Linie aus der Sicht von Philipp, einem Studenten. Er möchte diesen Wettbewerb anfangs nur antreten, um ein Mädchen zu beeindrucken und um in Ruhe ohne Nebenjob fertig studieren zu können. Wer hat schon Bock, bei seinen ständig streitenden Eltern leben zu müssen? Und es geht um Tessa, eine junge Frau, die ihren Lebensweg noch sucht, sich mit Aushilfsjobs über Wasser hält, aber zeitgleich ihrem Elternhaus entfliehen möchte. Doch hinter den oberflächlich wirkenden Beweggründen verbirgt sich sehr viel mehr Tiefe, als man anfangs erwartet…

Insgesamt ist die Geschichte flüssig zu lesen. Die regelmäßigen Perspektivwechsel, in denen auch andere Teilnehmer immer wieder eingebunden werden, sorgen für ein kurzweiliges Leseerlebnis, und man erfährt etwas über die Hintergründe und Ängste der jeweiligen Personen. Der Gänsehautfaktor erhöht sich deutlich, als die Macher von Scandor Challenges ins Leben rufen, die die Teilnehmer vor unangenehmen oder auch für Ärger sorgenden Aufgaben führen. Nicht selten bietet aber auch der Alltag seine Hürden. Tessa beispielsweise, die in einem Café jobbt, setzen die Challenges sehr zu und sie wird mit schwierigen Konsequenzen konfrontiert. Ebenso sind weitere (Rand)Figuren bestimmten Aufgaben und Ängsten ausgesetzt, die einerseits Gänsehaut bescheren, andererseits für Nervenkitzel und somit für Spannung sorgen. Ich hätte mit keinem der Betroffenen tauschen wollen! Und als wäre das alles nicht genug, gibt es zudem Spieler, die über unfaire Mittel versuchen, ihre Kotrahenten zu eliminieren, und gezinkte Figuren, die ihre eigenen Pläne verfolgen. Man ist als Leser hin- und hergerissen zwischen Sympathie und Antipathie, Wahrheit und Lüge, Vertrauen und Misstrauen. Ich fand dieses Verwirr- und Machtspiel super!

Der Leser wird bei jedem Kapitelanfang optisch bei der Zahl der aktiven Teilnehmer abgeholt, das in Scandor-Scanner-Manier dargestellt wird. Ab der zweiten Hälfte verdichten sich die ersten Anzeichen, wer und was alles hinter dem Plan steckt. Die Auflösung ist für mich allerdings viel zu konstruiert, zu unrealistisch und einfach over the top. Sie ließ meinen Lesefluss inklusive -begeisterung sehr ins Stocken geraten. Dass das Buch im Hollywoodstil endet à la Friede, Freude, Eierkuchen und auch die obligatorische Liebesschnulze nicht fehlt, hat mir einen großen Dämpfer verpasst. Manchmal ist weniger eben mehr.

Dieses Buch hat mich reflektieren lassen, wie oft ich eher Grauzonen benutze, als die harte Wahrheit herauszulassen. Aber richtig beschäftigt haben mich vor allem die Zusatzaufgaben, die mich selbst vor die Frage gestellt haben, wie ich mit einer solchen Situation umgehen würde und was meine größten Ängste sind, die ich mit niemandem teilen möchte. Der Thrill des Buches geht am stärksten von dieser Reflexion aus und zieht einen dadurch extrem in seinen Bann. Leider ist die Auflösung der Geschichte alles andere als glaubwürdig und wirkt mehr als konstruiert. Als ob der Autorin plötzlich die Ideen ausgegangen sind, um diese unglaubliche Spannung der anfänglichen Geschichte zu halten. Schade, denn da steckt sehr viel mehr Potential dahinter!

Fazit: Man hätte noch so viel mehr aus diesem Plot herausholen können, leider mangelt es diesem an Kreativität und weitestgehend an Spannung. Das coole Grundthema reicht leider nicht aus, um über die Defizite hinwegzutrösten. So hinterlässt SCANDOR einen bitteren Nachgeschmack - und die Hoffnung, dass das nächste Werk der Autorin wieder mehr zusagt. Sie kann es definitiv besser!

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