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Veröffentlicht am 17.03.2025

Solide Spannung, die einige Fragen aufdröselt

Teufels Tanz
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Teufels Tanz ist der dritte Band um die Wiener Mordgruppe und Hauptprotagonistin Fina Plank.

Ein neuer Mord erschüttert Wien. Das Opfer ist ein 80-Jähriger, ermordet auf dem Straßenstrich. Der Fall scheint ...

Teufels Tanz ist der dritte Band um die Wiener Mordgruppe und Hauptprotagonistin Fina Plank.

Ein neuer Mord erschüttert Wien. Das Opfer ist ein 80-Jähriger, ermordet auf dem Straßenstrich. Der Fall scheint relativ klar. Erst als erneut eine Leiche auftaucht, wird Fina stutzig, da der Täter nicht derselbe sein kann. Wieder ist aber das Opfer in seinen besten Jahren. Wie bereits in den Mordfällen der letzten Teile, überkommt sie das Gefühl, dass hier nicht alles zusammenpasst.

Zitat S. 193:
"Alte weiße Männer sind jetzt also zum Abschuss freigegeben, schrieb ein User namens Baerlauch62. Drei Mordopfer in fünf Tagen und keine Festnahmen in Sicht. Ist das die neue Methode, unser Rentensystem zu entlasten? 382 Likes, massenhaft zustimmende Kommentare. Der Hashtag Opakiller trendete."

Teufels Tanz spielt nur kurze Zeit nach dem zweiten Band "Böses Licht".Um die Entwicklung der Protagonisten und auch einem Teil der Story in der Tiefe folgen zu können, empfehle ich das Lesen in der richtigen Reihenfolge. Poznanski bringt nämlich einige lose Fäden aus den vorherigen Teilen wieder zusammen. Die zwischenmenschlichen Beziehungen spielen zudem eine größere Rolle.

Bereits im Prolog erscheint der (noch) namenlose Täter, dessen Motiv anfangs unklar ist. Klar ist nur: Es geht um Rache. Fina und ihr Team tun sich jedoch erst einmal schwer damit, auf die richtige Spur zu kommen. So fand ich den Anfang teilweise etwas langatmig. Allerdings sollte man Ursula Poznanski nicht unterschätzen. Denn natürlich gibt es dafür einen Grund, und die folgenden Wendungen sind nicht nur für Fina schmerzlich. Auch die Spannung nimmt rasant zu und endet mit einer Auflösung, die ziemlich gewitzt und gut durchdacht ist. Im Nachhinein erklären sich dann auch viele (auf den ersten Blick) in die Länge gezogenen Details. Rückblickend hat mir das doch sehr gut gefallen.

Fazit: Dieser Teil dröselt einige offene Fragen der ersten beiden Teile auf und endet mit einer sehr erschütternden Auflösung. Doch es bleibt Platz für neue Spekulationen. Ein Ende der Reihe ist also vielleicht noch nicht in Sicht.

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Veröffentlicht am 03.03.2025

Beklemmende Story, die sich (zu viel) Zeit lässt

SIEBEN STUNDEN. Wen würdest du retten?
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Die Story wird hauptsächlich aus der Sicht von Cass erzählt. Hin und wieder blicken wir in einigen Kapiteln auf die Geschehnisse der Vergangenheit zurück. Man muss hier schon etwas länger lesen, bevor ...

Die Story wird hauptsächlich aus der Sicht von Cass erzählt. Hin und wieder blicken wir in einigen Kapiteln auf die Geschehnisse der Vergangenheit zurück. Man muss hier schon etwas länger lesen, bevor man die ganzen Zusammenhänge versteht. Bei mir hat es gut 150 Seiten gebraucht, bis ich den Inhalt des Buches so richtig nachvollziehen konnte. Ab da begann für mich die Spannung, da wir mehr Details über den damaligen Unfall erfahren. Auch die wahre Aufgabe des damals gegründeten Paktes macht dann jetzt Sinn. So bin ich lange Zeit im Dunkeln getappt und habe mich gefragt, warum dieser eigentlich gegründet wurde.

Die Charaktere waren authentisch gezeichnet, jedoch in Summe deutlich zu viele. Von vielen haben wir wenig bis gar nichts erfahren, was ich ein bisschen schade fand und ich daher auch keinen Bezug zu ihnen herstellen konnte. Cass ist klar die Hauptprotagonistin und war mir sehr sympathisch. Ihre Gedanken und Gefühle konnte ich gut nachvollziehen und somit auch ihre Angst, an weiteren Jahrestreffen teilzunehmen.

Der Schreibstil von Megan Miranda ist flüssig und angenehm. Dass die Spannung erst so spät einsetzt, hat mich leider etwas enttäuscht. Aber es hat sich dennoch gelohnt, dran zu bleiben! Denn einmal gefesselt von der Handlung, hat mich die Autorin nicht mehr losgelassen und mich mit unerwarteten Wendungen überrascht. Miranda braucht definitiv ein wenig Vorlauf in dieser Story, holt den schwachen Beginn aber schnell auf und legt zum Ende hin einen krassen Showdown hin. Gerade noch die Kurve bekommen, würde ich sagen.

Fazit: Eine beklemmende Geschichte über Vertrauen, Freundschaft und Schuldzuweisungen. Wer sich gerne auf die Folter spannen lässt, ohne direkt zu Beginn mitgerissen zu werden, der ist hier bestens bedient.

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Veröffentlicht am 14.01.2025

Kurzweiliger, unterhaltsamer Thriller

Die Schanze
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Ellens Leben in Hamburg, weit weg der Heimat, ist gescheitert. Trotz erheblicher Zweifel bricht sie ihre Zelte in der Großstadt ab und kehrt widerwillig in den winterlichen Ort ihrer Kindheit zurück, um ...

Ellens Leben in Hamburg, weit weg der Heimat, ist gescheitert. Trotz erheblicher Zweifel bricht sie ihre Zelte in der Großstadt ab und kehrt widerwillig in den winterlichen Ort ihrer Kindheit zurück, um sich hier als Hausärztin niederzulassen. Damit, dass die Vergangenheit, die Ellen vergeblich zu verdrängen suchte, eiskalt zurückschlägt und Leben kosten würde, hatte sie allerdings nicht gerechnet.

Schon im Prolog geht es einmal in die Vollen. Lars Menz legt damit den Grundstein für eine vielversprechende Story. Tatsächlich hat Menz ein Händchen für kurzweiliges Erzählen, aber gerade im ersten Drittel des Buches habe ich mich irgendwann gefragt, wann es mal so richtig losgeht. Doch das „Durchhalten“, so schlimm war es tatsächlich nicht, lohnt sich.

Menz streut in die gegenwärtige Handlung immer wieder Rückblicke. Langsam, aber sicher erschließen sich so die Geschehnisse aus Ellens Jugendzeit und legen Geheimnisse offen, die einen ganzen Ort zum Schweigen brachten. Doch jetzt scheint jemand Rache zu nehmen, und niemand weiß, wer das nächste Opfer sein wird. Gemeinsam begeben sich Ellen und der Journalist Merab auf Tätersuche und geraten dabei selbst ins Visier des Mörders.

Menz zeichnet seine Figuren facettenreich und realistisch. Besonders Ellen und Merab, aber auch die anderen Protagonisten fügen sich so glaubhaft in das Geschehen, dass man dem Autor die Story voll und ganz abnimmt.

Auch mit seinem Schreibstil konnte Menz mich absolut abholen. Insbesondere im letzten Drittel nimmt die Handlung noch mal richtig Fahrt auf. Der finale Twist hat mich überzeugt, auch wenn sich meine Vermutung damit bestätigt hat. Aber so gut mir „Die Schanze“ auch gefallen hat, bei einem Thriller würde ich persönlich doch etwas mehr Action erwarten. Nichtsdestotrotz ist dieses Buch gelungen und empfehlenswert.

Fazit: „Die Schanze“ ist ein kurzweiliger, unterhaltsamer Thriller, mit dem man sich stimmungsvoll die dunkle Jahreszeit vertreiben kann. Gerade zu Beginn hätte das Buch gern etwas mehr Fahrt aufnehmen dürfen, alles in allem liefert Lars Menz aber eine gelungene Story, die Lust auf mehr macht.

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Veröffentlicht am 10.01.2025

Ein solider Reihenauftakt mit Luft nach oben

Racheritual
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Racheritual ist der Auftakt einer neuen Reihe mit dem Hauptprotagonisten Baxter Kincaid, der im Morddezernat von San Francisco an einer Mordserie arbeitet. 9 Jahre später und nicht mehr offiziell im Polizeidienst, ...

Racheritual ist der Auftakt einer neuen Reihe mit dem Hauptprotagonisten Baxter Kincaid, der im Morddezernat von San Francisco an einer Mordserie arbeitet. 9 Jahre später und nicht mehr offiziell im Polizeidienst, wird er jedoch mit speziellen Ritualmorden konfrontiert; den Täter hatte er bereits hinter Gitter gebracht. Wie kann das sein?

Zitat S. 76:
"In San Francisco war es mehr oder weniger egal, was man anstellte, solange man dabei im richtigen Viertel blieb. Scheißegal, welchen Fetisch oder welche Sucht man hatte – Hauptsache, man kam niemandem in die Quere, der nach Geld süchtig war."

Ethan Cross hat sich für den Plot an Ritualmorden mit Bezug aus der nordischen Mythologie bedient. Klingt erst einmal spannend, wurde aber leider etwas langatmig, da Cross gerade zu Beginn viele Informationen dazu gibt. Leser mit Vorliebe zu diesem Thema kommen da bestimmt auf ihre Kosten.

Die vielen Perspektiven erschweren den flüssigen Lesefluss, bringen damit aber auch Abwechslung in die Story, die sich gut ineinander fügt.

Baxter Kincaid ist der typische (Ex-)Ermittler, der fast auf wundersame Weise immer alle Zusammenhänge aufklärt. Hier hätte ich mir mal eine neue Idee und mehr Kreativität gewünscht, mehr Charaktertiefe, mehr Ecken und Kanten. Vor allem welche, die man nicht schon zig Mal gelesen hat. Zumindest das Drumherum ist aber mal was anderes und wurde gut konstruiert. Alles in allem war die Story solide, jedoch mit Luft nach oben.

Fazit: Ein solider Reihenauftakt mit interessanten Protagonisten, dessen zweiter Band bereits für Anfang 2026 geplant ist. Da werde ich sehr wahrscheinlich reinlesen - und hoffen, dass mir der Band besser gefällt.

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Veröffentlicht am 07.12.2024

Es mangelte an Authentizität

William
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Henry ist ein Robotikingenieur, der gern forscht, entdeckt und herumbastelt. Da er aufgrund einer Phobie an sein Zuhause gefesselt ist, hat er sich auf dem Dachboden sein Labor eingerichtet. Er liebt es, ...

Henry ist ein Robotikingenieur, der gern forscht, entdeckt und herumbastelt. Da er aufgrund einer Phobie an sein Zuhause gefesselt ist, hat er sich auf dem Dachboden sein Labor eingerichtet. Er liebt es, mit der künstlichen Intelligenz zu spielen und kreiert allerlei Wesen. Darunter auch William. Doch William scheint sich zu verändern und ein Eigenleben zu entwickeln. So funktioniert die Sprachsteuerung der Türen plötzlich nicht mehr und noch schlimmer: William hat es auf Henrys schwangere Frau Lily abgesehen. Wird es ihm gelingen, den Roboter rechtzeitig zu deaktivieren?

Autsch, das war nix! Und dabei klang der Plot so vielversprechend, dass ich mich wochenlang auf den Roman gefreut habe. Schon nach ein paar Seiten war mir allerdings klar, dass hier eine sehr unrealistische Geschichte auf mich wartet. Was mit einem eigentlich interessanten Experiment beginnt, entwickelt sich zu einem utopischen Escape Game im eigenen Haus. Fenster und Türen lassen sich nicht mehr öffnen, Besucher verschwinden spurlos und trotz allem traut sich Henry nicht, das Haus zu verlassen. Ich habe wirklich versucht, mich in seine Lage hineinzuversetzen. Habe überlegt, wie ich wohl reagiert hätte, hätte es eine KI auf mich oder meine Frau abgesehen. Vielleicht bin ich da zu kritisch und zu realistisch, weswegen es mir schwerfiel, Henrys Handlungen nachzuvollziehen. So hatten sie für mich leider einen unglaubwürdigen Touch.

Ich war froh, dass das Buch nicht viele Seiten hatte und ich somit recht fix erlöst wurde. Auch wenn das jetzt etwas hart klingt. An Schreibstil und Sprache lag es nicht, denn beides war leicht verständlich und angenehm. Mir war es möglich, mir sowohl das Setting als auch die einzelnen Figuren bildlich vorzustellen. Ich kannte den Stil bereits von anderen Büchern des Autors, die er als Andrew Pyper veröffentlicht hat, und mochte es, dass er eine bestimmte Atmosphäre entstehen lassen konnte, bei der man sich entweder gruselte oder vor Spannung die Luft anhielt. Er kann also definitiv schreiben. Aber! Von Seite zu Seite wurde die Geschichte immer unglaubwürdiger und ich habe mich mehrmals dabei erwischt, wie ich deswegen mit den Augen gerollt und Passagen überflogen habe.

Henry und Lily sind interessante Protagonisten, mit den ganz klassischen Eheproblemen. Vor allem Henrys Phobie kam deutlich herüber und hat mich sogar kurz zum Nachdenken gebracht. Wie würde es mir ergehen auf einem Dachboden, mit wenig Sonnenlicht, wenig soziale Teilhabe? Möchte ich gar nicht herausfinden, ehrlich gesagt. Trotzdem hätte ich gern mehr über Lily erfahren, die Dinge mehr aus ihrer Sicht gesehen.

Auch die coole Wendung am Ende konnte das Ruder nicht mehr rumreißen. Da hatte ich bereits jegliche Neugier verloren und war einfach nur erleichtert, es bis zum Ende durchgehalten zu haben.

Fazit: Kann man lesen, muss man aber nicht. Wer auf utopische Geschichten steht und keine hohen/besonderen Ansprüche hat, hat mit WILLIAM sicher Spaß. Für KI-Fans sicher interessant. Für mich war dieses Buch leider ein Flop, aber vielleicht gehöre ich auch nicht zur Zielgruppe.

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